Wer wen küsst

von Helga

Seit sich vor 40 Jahren in New York erstmals Homosexuelle in der Christopher Street gegen Polizeigewalt wehrten, ist in der vorher heterosexuellen, männlichen, weißen, christlichen cisgender Welt schon viel ins Rollen gekommen. Dass noch viel zu tun bleibt, erläuterte Jan Salloch in der Sueddeutschen. Er ist Vorstand und Organisator des Berliner Christopher Street Day, der morgen, am 27. Juni, zum 31. Mal gefeiert wird.

Es ist Schulterschluss in der Community geglückt, es gibt bei fast allen Veranstaltungen in Deutschland ein Kernthema: die Ergänzung des Artikels 3 im Grundgesetz um den Passus der sexuellen Orientierung. Gerade weil die sexuelle Identität nicht im Gleichheitsgrundsatz steht, bleiben uns viele Dinge verwehrt. Die Ergänzung würde uns auch vor politischen Veränderungen im Land schützen.

Wie hier werden sexuelle Orientierung und Identität oft synonym gebraucht, dabei schließt ersteres z.B. Intersexuelle oder Transgender aus, wie Medienelite.de erklärt:

Männer und Frauen, die jeweils auf ihr eigenes Geschlecht oder beides stehen, sind entweder schwul, lesbisch bzw. bisexuell. Genau das nennt man sexuelle Orientierung. Zumindest einen Teil davon – denn da gibt es ja noch die Heteros ^^

Sexuelle Identität, soziales Geschlecht oder auch Gender (=englisch, heißt übersetzt Geschlecht, bitte nicht verwechseln mit Frau/Mann, das ist im Englischen nämlich “sex”) genannt, bedeutet hingegen das Zusammenspiel von biologischem Geschlecht, meiner Annahme davon, sexueller Orientierung, Charakter, sozialer Interaktion, Kleidung, Verhalten, Aussehen, Mimik, Gestik – also alles, was mich als Person ausmacht. Was wiederum Transvestiten, Transsexuelle, Transgender, Intersexuelle, etc. mit einbezieht.

Doch selbst wenn die sexuelle Identität mit ins Grundgesetz aufgenommen wird, dauert es wohl noch eine ganze Weile bis es wirklich keine Rolle mehr spielt, wer wen küsst und wie man dabei aussieht.




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Eintrag geschrieben: Freitag, 26. Juni 2009 um 14:30 Uhr unter Sex_ualität. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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8 Kommentare

  1. Peter sagt:

    Ob die Aufnahme in das Grundgesetz wohl mehr sein wird als bloße Symbolpolitik?

    Was meint ihr:

    Wird es jemals soweit kommen, dass ein körperlich männlich gebauter Mensch mit der Begründung einer von ihm gefühlten sexuellen Identität als Frau in eine Frauentoilette oder die Frauenumkleide/Frauendusche von Hallenbad/Freibad/Fitnesstudio marschieren kann und dort akzeptiert wird?

    In letzter Konsequenz einer gesellschaftlichen Akzeptanz der frei wählbaren sexuellen Identität müssten doch alle heute noch geschlechtsgetrennten Räume zusammengelegt werden.

    Ist das für euch realistisch? Wäre das für euch wünschenswert?

  2. Patricia sagt:

    Ich denke, es wäre ein sehr wichtiger Schritt, wenn die sex. Identität ins Grundgesetz aufgenommen wird. Natürlich ist der Diskriminierung kein Ende gesetzt, doch es kann vor einigen Arten der Diskriminierung schützen (z.B. am Arbeitsplatz, etc.). Jedoch habe ich keine Hoffnung, dass dies in den nächsten Jahren geschieht. Schließlich müsste die eingetragene Lebenspartnerschaft dann vollkommen der Ehe gleichgestellt werden und wie die meisten Parteien dazu stehen ist ja leider bekannt.
    Zur Not wander ich einfach nach Kanada, Großbritannien oder Spanien aus ;-)

  3. Diana sagt:

    „Sexuelle Identität, soziales Geschlecht oder auch Gender (=englisch, heißt übersetzt Geschlecht, bitte nicht verwechseln mit Frau/Mann, das ist im Englischen nämlich “sex”) genannt, bedeutet hingegen das Zusammenspiel von biologischem Geschlecht, meiner Annahme davon, sexueller Orientierung, Charakter, sozialer Interaktion, Kleidung, Verhalten, Aussehen, Mimik, Gestik – also alles, was mich als Person ausmacht. Was wiederum Transvestiten, Transsexuelle, Transgender, Intersexuelle, etc. mit einbezieht.“

    Per Definition spricht man von Intersexualität, wenn Chromosomen, Geschlechtsorgane, sekundäre Geschlechtsmerkmale, Gene, Hormone und Keimdrüsen nicht alle demselben Geschlecht zuzuordnen sind. Intersexuelle werden umgangssprachlich auch: „Zwitter“, „Hermaphroditen“, „Zwischengeschlechtliche“ und „Zweigeschlechtliche“ genannt. Angeborene biologische Uneindeutigkeiten des Geschlechts können viele verscheidene Ursachen haben: AGS, PAIS, CAIS, MAIS, Swyer-Sydrom, 5-Alpha-Reduktasmangel… nur um einige zu nennen. Intersexualität ist keine Eigenschaft oder Identität, die man/frau sich aneignen, die man „sein“ kann, ondern ist ein angeborener Zustand „zwischen den klardefinierten biologischen Geschlechtern Frau und Mann“. Die Definition der Intersexualität hat primär nichts mit der Definition der Transsexualität, Transidentität, Transgenderism oder gar mit tranvestitischem Verhalten zu tun und ist klar davon abzugrenzen.

  4. Helga sagt:

    @Peter: „Ob die Aufnahme in das Grundgesetz wohl mehr sein wird als bloße Symbolpolitik?“ Zunächst nicht. Im Endeffekt ist es auch egal, ob damit einer gesellschaftlichen Bewegung Rechnung getragen wird oder der Mehrheit der Bevölkerung etwas aufgetragen wird, dass sie noch nicht verinnerlicht hat. Ist die Änderung erstmal da, wird sie schwer zurückzunehmen sein und durch die Aufmerksamkeit die ihr zu Teil wird, auch wieder für mehr Bewußtsein sorgen.

    Und ja, ein Unisex-Toilettenraum wie zuletzt in Ally McBeal wäre tatsächlich eine gute Lösung. Überall gibt es immer Kabinen mit Türen, da sieht man sowieso nichts, wenn auf Pissoirs nicht verzichtet werden soll, kann man da auch ne Tür installieren und warum Männer und Frauen getrennte Waschbecken benutzen müssen, hat sich mir noch nie erschlossen…

  5. kasimir sagt:

    @ patricia
    Reisende soll man nicht aufhalten;)

    Allgemein. Leben wir hier noch in einer Demokratie oder nicht ? Wenn die grosse Mehrheit der Menschen in diesem Land diesen Gender……. ablehnt, warum akzeptiert man nicht deren Meinung? Statt dessen wird man als Homophob, Transphob, wasweißichphob hingestellt.
    Jede sexuelle Störung, meine persönliche Meinung, soll also einen eigenen Passus im Grundgesetz bekommen, wo soll das hinführen? Oder allgemein sexuelle Orientierung, wo werden dann die Grenzen gezogen, oder soll es keine Grenzen mehr geben, dann können sich theoretisch Sodomisten darauf berufen. Na toll, dann schreien die Tierschützer( ich auch) wieder auf. Was ist mit Pädophilie?
    Und die Aussage das es diese Leute vor politischen Änderungen schützt ist nun mehr als naiv, das sollte die Geschichte uns gelehrt haben, insbesondere das unser GG höchstwahrscheinlich eh kein grosses Gewicht mehr haben wird, dank des undemokratischen Konstrukt namens Vertrag von Lissabon. Die europäische Politikeresterampe namens EU-Parlament ist ja nur ein Feigenblatt für, na, wer kann antworten?

  6. Thommen sagt:

    Es geht weniger ums Küssen, als um die Vorstellung, die Heterosexuelle davon haben, was NOCH dazu von zwei Männern „getrieben“ wird…

    Insofern ist die Diskussion um Küssen und Liebe zwischen Männern eine sexistisch-abgehobene und die wahren Gründe der Diskriminerung verschleiernde!

    Es war noch nie verboten, wenn sie Männer küssten oder liebten. Nur die Fantasie dahinter (bei „bestimmten Männern“), die bei Heterosexuellen geweckt wird, ist das Problem!

  7. Patricia sagt:

    @ kasimir
    Ja, wenn ich deinen Kommentar lese, würde ich wirklich am liebsten die Koffer packen. Wenn du Homosexualität als eine Störung ansiehst, frag ich mich, aus welchen Jahrhundert sie dich entlassen haben.
    Denk doch mal darüber nach wieviele Leute du täglich im TV, d. Zeitung oder auf der Straße siehst, die homosexuell sind und frag dich doch mal, ob diese wirklich alle eine „Störung“ haben.

  8. Marcel sagt:

    Es wäre schon viel getan, wenn beide Seiten mit ihren gegenseitigen Feindseligkeiten aufhören würden- und ja, auch Homosexuelle können das sehr gut.

    So nebenbei: Kürzlich wurde ich von einem alten Weggefährten (schwul) mit den Worten „jaja, IHR, die scheinbar dieses weibliche Korrektiv braucht..“ verabschiedet.

    Mhm.