Wer war… Funmilayo Ransome-Kuti?

von Charlott
Dieser Text ist Teil 21 von 51 der Serie Wer war eigentlich …

Charlott Schönwetter ist Studentin der Afrikawissenschaften und Soziologie und schreibt auf ihrem Blog Afrika Wissen Schaft wissenschaftliche Essays und Hausarbeiten zu den Themen Afrika, Asien, Soziologie und Gender. Heute stellt sie für die Reihe Wer war eigentlich…? Funmilayo Ransome-Kuti vor.

Funmilayo Ransome-Kuti

Funmilayo Ransome-Kuti war eine nigerianische Frauenrechtlerin, afrikanische Feministin, Politikerin und Lehrerin. Sie kämpfte gegen Kolonialismus und für die Unabhängigkeit Nigerias, welche sich heute zum 50. Mal jährt.

Am 25. Oktober 1900 wird Funmilayo Ransome-Kuti in Abeokuta, Nigeria, als erste Tochter geboren. Ihre Eltern glauben an die Macht der Bildung und auch, dass diese für Mädchen ebenso wichtig sei wie für Jungen. So kann Ransome-Kuti das Gymnasium (grammar school) besuchen, obwohl ihr Vater sich oftmals rechtfertigen musste, dass seine Tochter eine Ausbildung erhält. Durch die Hilfe ihrer Familie und Freund/innen kann sie ab 1919 ihre Bildung in England fortführen. Sie kehrt nach Nigeria zurück und beginnt als Lehrerin zu arbeiten. 1925 heiratet sie den Pastor Israel Oludotun Ransome Kuti. Ihre Ehe führen sie gleichberechtigt und unterstützen sich gegenseitig bei ihren politischen Aktivitäten.

In vorkolonialer Zeit waren Frauen keinesfalls gleichberechtigt, aber sie hatten einige politische Einflusssphären und so die Möglichkeit auf Entscheidungen einzuwirken. So gab es unter anderem weibliche chiefs und Priesterinnen. Unter der Britischen Kolonialherrschaft wurde die Partizipation der Frauen mehr und mehr eingeschränkt. So hatten in der Konsequenz nur männliche chiefs die Möglichkeit Positionen mit (eingeschränkten) Befugnissen zu übernehmen.

Ransome-Kutis Aktivitäten und Ansichten radikalisieren sich in den 1940ern, als die Britische Kolonialadministration die Steuerpolitik und das Versammlungsrecht grundlegend ändert. Dies hatte negative Auswirkungen auf Frauen und ihre ökonomische Unabhängigkeit, da sie für jegliche Art von Handel zuständig waren und dies von den erhobenen Steuern und den Möglichkeiten sich zu versammeln abhängig war. Unter anderem organisiert Ransome-Kutis Demonstrationen und viele Aktionen zivilen Ungehorsams. Die Proteste wurden national aber auch international unter den Begriffen Egba Women’s War oder Nigerian Women’s Struggle bekannt.

Ransome-Kuti gründet in der Folge die nationale Nigerian Women’s Union. Sie ist ab 1950 an der Nationalen Konferenz zur Neugestaltung der Verfassung Nigerias beteiligt und an Protesten gegen die so genannte Macpherson Constitution. 1953 gründet sie die Federation of Nigerian Women’s Societies. In den 1950ern unternimmt sie auch ausgedehnte Reisen in die Sowjetunion, Ost-Berlin, Jugoslawien und Polen. In China trifft sie Mao Tse-tung. Doch bei ihrer Rückkehr wird ihr als Sanktion für die Reise in den so genannten Ostblock der Reisepass abgenommen. In Nigeria kämpft sie weiter gegen den Kolonialismus. Als unabhängige Kandidatin sitzt sie 1959 im Stadtparlament von Abeokuta. Ein Jahr darauf, 1960, wird Nigeria unabhängig.

Ransome-Kuti engagierte sich nicht nur für die Unabhängigkeit Nigerias und gegen den Rassismus und Sexismus der Kolonialadministration. Sie wendete sich auch gegen die Diskriminierung der Frauen in der Yoruba-Kultur. Die Yoruba sind eine Sprachgruppe Westafrikas. Etwa ein Fünftel der Nigerianer/innen gehören ihr an. Sie unterteilt sich weiter in Subgruppen, wovon eine der größten die Egba ist, welche auch Ransome-Kuti angehört. Ransome-Kuti war der Auffassung, dass Frauen durch ihre soziale Konditionierung negative Selbstbilder internalisieren und passiv sowie apathisch werden. So kritisierte sie ebenfalls verschiedene kulturelle Praxen, die ihrer Meinung nach diese Situation noch verschlimmert.

Auch ihre vier Kinder waren politisch aktiv und setzen sich gegen die verschiedenen Militär-Juntas im unabhängigen Nigeria ein. In den 70iger Jahren zieht Ransome-Kuti zu ihrem Sohn Fela Kuti in dessen Künstlergemeinschaft „Kalakuta Republic“. 1977 gibt es eine groß angelegte Räumung, auch bekannt als „Kalakuta War“, bei welcher Ransome-Kuti verletzt wird. Am 13. April 1978 stirbt sie an den Folgen der Verletzungen.

Weiterführendes zum Lesen:

Johnson-Odim, Cheryl und Nina Emma Mba. 1997: „For Women and the Nation: Funmilayo Ransome-Kuti of Nigeria„.

Simola, Raisa. 1999. „The Construction of a Nigerian Nationalist and Feminist, Funmilayo Ransome-Kuti“ (PDF), In: Nordic Journal of African Studies, Vol. 1, Nr.1, S.94-114.

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Für die Reihe “Wer war…” freuen wir uns über eure Vorschläge oder auch Gastblogger_innen, die ihre Lieblingsfeminist_innen vorstellen. Vorschläge/Beiträge einfach an post[at]maedchenmannschaft[dot]net senden.




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Eintrag geschrieben: Freitag, 1. Oktober 2010 um 10:00 Uhr unter Geschichte, Inspiration. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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Ein Kommentar

  1. Larissa sagt:

    Sehr schön das diese Frau hier vorgestellt wird. Leider merke ich das sie in der nigerianischen Gesellschaft eher im Schatten ihres Sohnes Fela steht. Werde auf jeden Fall meiner nigerianisch-deutschen Tochter von dieser bemerkenswerten Frau erzählen.