Wenn Schwarze Menschen nicht lächeln…

von Sharon

Sharon Dodua Otoo ist Schwarze Britin – Mutter, Aktivistin, Autorin und Herausgeberin der englischsprachigen Buchreihe “Witnessed” in der edition assemblage. Sie ist aktives Mitglied in der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) e.V. Unter dem Namen Ms.Represented bloggt und twittert Sharon ebenfalls.

Liebe Schwarze Menschen,

es ist eine Kleinigkeit, aber offensichtlich bedeutet sie den Unterschied zwischen Leben und Tod: Ihr müsst der Welt zeigen, dass ihr glücklich seid.

Es scheint, dass in (vorwiegend weißen) Ländern, in denen Schwarze Menschen nicht lächeln, oft fälschlicherweise angenommen wird, dass sie teuflische Superkräfte besitzen. Falls sie beispielsweise kleine Jungs sind, wird fälschlicherweise angenommen, dass sie andere Kinder auf dem Spielplatz anschießen und töten könnten (mit einer Spielzeugpistole). Oder falls sie männliche Teenager sind, wird fälschlicherweise angenommen, dass sie in einem Radius von einigen Metern um sich herum alle töten könnten mit ihren bloßen Händen (die sie in die Luft halten als Zeichen des Ergebens). Oder falls sie Frauen sind, wird fälschlicherweise angenommen, dass es ihnen möglich ist die Flugbahn einer Kugel mit Willenskraft zu ändern (welche absichtlich in die Wand gefeuert wurde). Nichtlächelnde Schwarze Menschen müssen auf den Boden niedergerungen und außer Gefecht gesetzt werden. Einfach so.

Natürlich sind alle meine Beispiele aus den USA. Aber es gibt auch andere Beispiele näher dran.

In Deutschland bedeutet die Illusion von STSK (Schwarze Teuflische Superkräfte), dass Polizeibeamte schießen, um eine Frau in ihrem ehemaligen Zuhause zu töten, oder auf dem Arbeitsamt. Bei Männern wird angenommen, dass sie so eine Gefahr darstellen, dass sie, selbst wenn sie mit gefesselten Händen und Füßen auf einer feuerresistenten Matratze liegen, direkt eliminiert werden müssen.

Wenn Schwarze Menschen nicht lächeln, gelten sie als unfreundlich, aggressiv und verbreiten Angst. Denk darüber nach. Als eine Schwarze Person in deiner Nähe zeigte, dass sie irgendetwas anderes als vollkommene Zufriedenheit mit der Welt spürt, was war deine emotionale Antwort?

Für mich ist es so: Wenn ich unglücklich bin, erlebe ich nur in den seltensten Fällen bedingungslose Empathie. Und wenn, dann meistens von einer anderen Schwarzen Person.

Und da wir offensichtlich nicht zu jeder Zeit ausschließlich von Schwarzen Menschen umgeben sein können, müssen wir über unsere Optionen nachdenken. Britisch wie ich bin, glaube ich nicht, dass uns ein 24-Stunden-Lächel-Marathon schützen wird. Nun, ich habe keinen besseren Vorschlag als zu sagen, das wir weiterhin auf einander achten sollten und wir sollten auf diesen utopischen Tag hinarbeiten, an dem auch in vorwiegend weißen Gesellschaften jede_r wirklich Menschenrechte hat. Selbst jene, die nicht lächeln.

P.S.:

Liebe Allies,

es ist an der Zeit sich zu steigern – Bitte wirkt der tatsächlichen Gewalt, die Schwarze Menschen jeden Tag in ihren Intraktionen mit weißen Menschen in überwiegend weißen Gesellschaften erleben, entgegen, erkennt und benennt sie.

Des Teufels Advokaten gibt es genug.

 

When Black people don’t smile…

Dear Black people,

it’s a small thing, but apparently it’s the difference between life and death: the world needs you to show you are happy.

It seems that in countries (predominantly white countries of course) where Black people don’t smile, they often get mistaken for having evil super powers. For example, if they are young boys, they may get mistaken for being able to shoot and kill other children in a playground (with a toy gun). Or if they are male teenagers, they may get mistaken for being able to kill anyone within a few metres of them with just their bare hands (raised in surrender). Or if they are women, they may get mistaken for being able to bend the paths of bullets (which had been deliberately fired into walls). Unsmiling Black people need to be wrestled to the ground and taken out. Just like that.

Of course, all my examples have been taken from the United States. But there are other examples closer to home too.

In Germany, the illusion of BESP (Black Evil Super Powers) means that police officers shoot to kill women in their former homes, or in job centres. And men are considered to be so dangerous, that even when shackled at the hands and feet on a fireproof mattress, they need to be eliminated straight away.

When Black people don’t smile, they are considered to be unfriendly, aggressive and they invoke fear. Think about it. When a Black person close to you showed that they were anything other than completely at ease with the world, what was your emotional response?

For me it’s like this: When I am unhappy, only in the rarest of cases do I experience unconditional empathy. And more often than not, this is from another Black person.

And seeing as we cannot count on being surrounded by Black people all the time, we need to keep reconsidering our options. As British as I am, I believe a 24-hour smiling marathon will not protect us. So, I don’t have a better suggestion than to say, let’s keep looking out for each other and keep working towards the creation of that utopian day where in predominantly white societies everyone really does have to human rights. Even those who don’t smile.

PS:

Dear allies,

it’s time to step up – please acknowledge, articulate and counter the real violence Black people experience in their interactions with white people in predominantly white societies every single day.

The devil has enough advocates.




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Eintrag geschrieben: Dienstag, 25. November 2014 um 17:30 Uhr unter Gewalt, Zeitgeschehen. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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3 Kommentare

  1. Sharon! Genau! So!

  2. […] stereotypen Darstellungen und Zuschreibungen beschäftigt sich auch Sharon Dodua Otoo auf Mädchenmannschaft. Mit bitter-sarkastischem Unterton stellt sie fest, dass Schwarzen ganz offensichtlich schnell […]