Weiblich, alleinerziehend, Hartz IV

von Barbara
Dieser Text ist Teil 4 von 13 der Serie Der F-Blick in die Politik

In dieser Kolumne werden die politischen Aktivitäten der Bundesregierung rund um das Reizthema “Frauenpolitik” kritisch betrachtet, das sich zumeist hinter der Familienpolitik verstecken muss.

Immer wieder Stoff für blöde Witze: alleinerziehende Mütter, die dem Staat auf der Tasche liegen, wenn sie nicht gerade den armen Vätern ihrer Kuckuckskinder das letzte Hemd aus dem Schrank ziehen. Über sie hatte vor einigen Monaten die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung wenig Gutes geschrieben und eine Kieler Studie herangezogen, die den Mamas ohne Partner fast schon empfiehlt, Job und Liebe offiziell zu entsagen. Dass alleinerziehende Mütter aber nicht immer die lächelnden Siegerinnen des Systems sind, hat in den letzten Wochen Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen gezeigt. Sie sorgt sich um sie – etwa 600.000 alleinerziehende Frauen leben in Deutschland von Hartz IV (rund 34.000 Männer sind in einer vergleichbaren sozialen Situation) – und  wirft sich so für sie ins Zeug, dass sie nun auch von der Süddeutschen Zeitung spitz als “Lieblinge der Arbeitsministerin” bezeichnet werden. Angeblich, so die SZ, hätte mancher bei der Bundesagentur für Arbeit den Eindruck, dass “Frau von der Leyen vergessen hat, dass sie nicht mehr Familienministerin ist”. Tatsächlich hat sich von der Leyen schon früher sehr um alleinerziehende Frauen gekümmert, hatte sich als Bundesfamilienministerin zur Aufgabe gemacht, deren Leben zu verbessern: “Diesen Frauen müssen wir Perspektiven eröffnen, um mit den Kindern aus der Armutsfalle herauszukommen” sagte sie 2008 in der Brigitte. Damit hat sie recht – damals wie heute.

Unermüdlich packt Ursula von der Leyen das Thema nun von ihrem anderen Ministerium aus an: “Alleinerziehende Mütter und Väter sind genauso gut qualifiziert wie der Rest der Bevölkerung, aber 40 Prozent von ihnen sind in Hartz IV. Alleinerziehende wollen raus aus der Langzeitarbeitslosigkeit, doch die Hürden sind zu hoch: Es mangelt an Plätzen in Kindertagesstätten und Ganztagsschulen, es mangelt an familienfreundlichen Arbeitszeiten.” Das betrifft besonders die alleinerziehenden Verkäuferinnen, Putzfrauen oder Köchinnen. Frauen, die aufgrund der Arbeitszeiten ihrer Branchen, die sich eher wenig um Kinderkrippen-Schließzeiten scheren, auch nicht wirklich eine Chance haben, wieder arbeiten zu können.

Ursula von der Leyen plant eine noch nicht näher definierte Job-Offensive für sie. Es geht ihr vor allem um diejenigen, die länger als ein Jahr schon ohne Job sind. Ihre Idee ist so einfach wie genial: Bei der Jobvermittlung bekommen alleinerziehende Frauen nicht nur eine Arbeitsstelle angeboten, sondern die dazu passende Kinderbetreuungseinrichtung. Dazu sollen die Jobvermittler die entsprechenden Arbeitszeiten gleich mit den neuen Vorgesetzten klären.

Der Spiegel bestätigt Ursula von der Leyens Riecher für einen Brennpunkt der Sozialpolitik mit Fachleuten und zitiert Holger Schäfer vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft: “Die fehlenden Kinderbetreuungsmöglichkeiten sind das Kernproblem von alleinerziehenden Langzeitarbeitslosen”, sagt der; DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach stimmt zu: “Bei jedem Job- oder Qualifizierungsangebot muss die Kinderbetreuung gewährleistet sein.”

Alles gute Ideen. Vorstöße in die richtige Richtung. Doch auch wenn sogar die Opposition den Plänen der Bundesarbeitsministerin beipflichtet, ist das Problem immer noch nicht für der Praxis gelöst. Die Chefetage der Bundesagentur für Arbeit merkt an, Kinderbetreuung sei ein kommunales Thema. Und es ist bislang auch kein privatwirtschaftliches. Das alles weiß Ursula von der Leyen sicher noch von der nicht unproblematischen Realisierung ihres Plans, 750.000 Krippenplätze bis 2013 in Deutschland einzurichten. Geld muss also her – wie wäre es mit dem Budget für das Betreuungsgeld, fragt da die stellvertretende SPD-Parteivorsitzende Manuela Schwesig.

Es gibt also noch viel zu tun, Frau von der Leyen. Geben Sie nicht auf!




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Eintrag geschrieben: Mittwoch, 12. Mai 2010 um 11:03 Uhr unter Familienleben, Frauenfakten. RSS 2.0. Kommentieren. Trackback.



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11 Kommentare

  1. miri sagt:

    Hihi, meine lieben Vorredner, da habt ihr euch aber gründlich im Jahrhundert, ach was, im Jahrtausend geirrt! Frauen sind Menschen wie andere Männer auch, und nur weil wir Kinder zur Welt bringen heisst das noch lange nicht, dass Väter nicht auch die genau gleiche Verantwortung zu tragen haben wie Mütter! Und genau wie Männer fordern Frauen einfach nur ihr gutes Recht: finanzielle Unabhängigkeit (durch EIGENE Arbeit) und Kinder gleichzeitig haben zu können! In welche finstere Vorzeit fielen wir denn zurück, wenn wir weiterhin glauben, die Hälfte der Menschheit aufgrund der Biologie zu uneigenständigen, abhängigen Wesen degradieren zu können! Macht die Augen auf und kommt in der Jetztzeit an.

  2. Nadine sagt:

    Liebe alle,

    bitte vor dem kommentieren einen Blick in die Netiquette werfen. Und bitte nicht auf Störer reagieren. Danke.

  3. Katharina sagt:

    Was hab ich denn hier verpasst??

  4. Miriam sagt:

    Nichts wichtiges…

  5. Ninette sagt:

    Das ist das erste sinnvolle Projekt seit langer Zeit, was Frau von der Leyen startet.

  6. Anna sagt:

    Hallo zusammen,

    wir bitten darum, ohne Polemiken, Vereinfachungen oder unbelegte “Argumente” zu diskutieren. Da hier heute schon jede Menge los war, werden wir noch konsequenter als sonst alle Postings, die den Anschein haben, (nur) auf Provokation aus zu sein, moderieren.

    Danke für eure Verständnis.

  7. schokolade sagt:

    klingt wie ein cdu-werbetext, nicht viel mit kritischer betrachtung ;)

  8. Hans sagt:

    Hartz 4 und wie Welt gehört dir ;)

  9. ellipapelli sagt:

    tja, da gibt’s wohl noch einiges zu tun…statt den Frauen vorzuwerfen, sie wären zu faul um zu arbeiten, muss man eben Perspektiven schaffen…oder sollen sie mit dem Kind unterm Arm beim Schlecker an der Kasse sitzen?!? Habe da neulich einen ganz guten Artikel gelesen wo es um Mütter geht, die (wieder) ins Berufsleben wollen:

    http://www.careerbuilder.de/Artikel/CB-234-Stellensuche-Teilzeitjobs-f%C3%BCr-M%C3%BCtter-Job-und-Kind-unter-einem-Hut/

  10. Smith sagt:

    Alleinerziehen ist laut Bundesverdienstkreuzträgerin Edith Schwab ein “Erfolgsmodell”.

    Am 29. Juli 2010 hat der Präsident des Statistischen Bundesamtes in Berlin auf Basis der Ergebnisse des Mikrozensus 2009 im Rahmen einer Pressekonferenz über “Alleinerziehende in Deutschland” informiert.

    “Im Jahr 1996 gab es rund 1,3 Millionen Alleinerziehende, 2009 betrug die Zahl 1,6 Millionen. Das entspricht einem Anstieg von rund 20%. Die Gesamtzahl der Familien mit minderjährigen Kindern ist hingegen zurückgegangen,und zwar um 13%, von 9,4 Millionen Familien 1996 auf 8,2 Millionen 2009.”

    Der Anteil der ledigen (also bei Trennung nicht verheirateten) Alleinerziehenden stieg von 28,1 % (1996) auf 35,3 % (2009).

    Seit 1996 ist der Anteil der alleinerziehenden Väter leicht zurückgegangen, und zwar von 13% im Jahr 1996 auf 10% im Jahr 2009.

    - 42% der erwerbstätigen alleinerziehenden Mütter arbeiteten in Deutschland 2009 in Vollzeit und damit wesentlich häufiger als erwerbstätige Mütter in Paarfamilien (27%).

    - 20% der erwerbstätigen alleinerziehenden Mütter arbeiten in Teilzeit wogegen 9% der Mütter in Paarfamilien in Teilzeit arbeiten. Hier werden unterschiedliche Gründe angegeben: Alleinerziehende glauben zu finden oder finden keine Vollzeitstelle, während Paarfamilien-Mütter die Betreuung der Kinder als Grund für die Teilzeit angegeben.

    Quelle: destatis

    Ein Vergleich der Situation von Familien fand teilweise in Bezug auf die Erwerbstätigkeit von verheirateten erwerbstätigen Frauen statt. Ein Vergleich zum Einkommen der Männer, die ebenso “alleinstehend” und finanziell von Scheidung betroffen sind, ist nicht zu finden.

  11. Chantal sagt:

    Ich finde, Frau von der Leyen macht es sich da ein wenig leicht. Das Problem, dem Alleinerziehende gegenüberstehen, ist nicht nur mit der Koordination von Kinderbetreuung und Arbeitszeit gelöst. Folgenden Problemen stehe ich tagtäglich gegenüber, die die Politik nicht aufgreift:

    - Über die Betreuung hinaus gibt es Bedürfnisse der Kinder, die Alleinerziehdende alleine und, wenn arbeitend, mit viel weniger Zeit stillen müssen. Zum Beispiel Familienzeit und Zuwendung, Nachhilfe, Arztbesuche und evtl Therapien (bei meinem Sohn notwendig), Sportverein/Musikschule, Schul- und Kitaveranstaltungen, Haushalt, Rechnungen und Bürokratieanträge, etc.
    - Niemand steht einem bei schwierigen Entscheidungen zu Rate – unabhängige Beratungsstellen, an die ich mich wenden kann, sind rar. Die Erwartungen, die an mich, z.B. von der Schule, gestellt werden, aber sehr hoch.
    - Finanziell sind Alleinerziehende nach wie vor benachteiligt. Z.B. wurde letztes Jahr das Kindergeld erhöht, doch das wurde mir dann beim Unterhaltsvorschuss gleich wieder abgezogen. Die Kindergelderhöhung kam also bei vielen Alleinerziehenden nicht an. Und dass für eine Teilzeitstelle im Verhältnis pro Stunde weniger gezahlt wird, als für eine Vollzeitstelle, ist in vielen Branchen üblich.
    - Alleineziehende werden ungern eingestellt, selbst wenn Kinderbetreuung vorhanden ist. Denn wenn die Kinder krank werden, sind sie wieder unbetreut – da müssen nur die Läuse in der Schule grasieren, und man sitzt unter Umständen eine Woche zu Hause.

    Das sind jetzt nur einige Punkte – ich könnte die Liste durchaus weiterführen. Da steckt einfach so viel mehr dahinter, wenn man das alleine macht, und sich die Aufgabe Kind nicht unter zwei Menschen teilt. Besonders die Erwartung der Gesellschaft übersteigen häufig die eigentlichen Fähigkeiten und Möglichkeiten der Alleinerziehenden. Man muss sich ein ganz schön dickes Fell zugelgen. Im Endeffekt ist vor allem Stress die Folge, und das schadet den Kindern am meisten. Einfach mehr Alleinerziehenden Jobs und Kinderbetreuung finden löst die Situation nicht und wird nicht viele von Hartz IV holen, die sich einfach überfordert sehen, mit dem, was man von ihnen verlangt.
    Ich bin seit 5 Jahren mit zwei Kindern alleinziehend und lebe das “Vorzeigemodell” indem ich gearbeitet habe, bzw. mich jetzt weiterbilde, und nebenbei die Familie hier manage. Ich kann gut verstehen, wenn sich dazu viele nicht in der Lage sehen.

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