Vorbilder gesucht, die zweite

von Barbara

Das E-Mentoring Programm CyberMentor geht in eine neue Runde auf der Suche nach Vorbildern, wir haben berichtet. Weibliche Vorbilder – das ist ein großes Thema, so ging es kürzlich auf einer politischen Diskussionsveranstaltung auch um die Suche nach weiblichen Vorbildern. Ein junges Publikum, zwischen Schule und Uni/Ausbildung, mehr Frauen als Männer, tat sich schwer. Es kamen ein paar Vorschläge, ausschließlich von Männern genannt:

Maria Furtwängler, weil sie Familie und Karriere gut vereinbaren könne. Heidi Klum, weil auch sie Familie und Karriere gut vereinbaren könne. Mehrere merkten an, dass bei beiden Geld keine Rolle spielen würde, demnach die Vereinbarkeit keine große Kunst sei. Dann schlug einer Renate Künast vor, weil sie ihre eigene Meinung sage, und gut aussehe, wenn auch sie dem Geschmack des Vorschlagenden nicht entspreche Endlich ein Zwischenruf von einer jungen Frau: Lena Odenthal sei doch auch ein Vorbild. Auf Nachfrage, ob die Fernsehfigur Lena Odenthal oder die Schauspielerin Ulrike Folkerts gemeint sei, kam keine Antwort.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie der BAT Stiftung für Zukunftsfragen befasst sich auch mit Vorbildern:

Auf die Frage, welche Personen aufgrund ihrer Eigenschaften, Fähigkeiten und Persönlichkeitsmerkmale „als Vorbild dienen“ können, nennt die junge Generation im Alter bis zu 29 Jahren Mutter Teresa (24%), Martin Luther King (20%) und Mahatma Gandhi (15%), Anne Frank (14%), Geschwister Scholl (11%) und Graf von Stauffenberg (7%). Dies geht aus einer aktuellen Repräsentativbefragung hervor, in der die BAT Stiftung für Zukunftsfragen 2.000 Personen ab 14 Jahren nach zeitlosen Vor- und Leitbildern der Jugend gefragt hat. (Hervorhebungen von mir)

Bleibt anzumerken, dass hinter dieser Studio British American Tobacco steckt. Dennoch ist es erstaunlich, dass die in der oben stehenden Umfrage genannten Vorbilder alle tot sind.


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Eintrag geschrieben: Dienstag, 15. Dezember 2009 um 17:31 Uhr unter Der Feminismus ist schuld, Frauenfakten. RSS 2.0. Kommentieren. Trackback.



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16 Kommentare

  1. Miriam sagt:

    Was genau bedeuten die Hervorhebungen? Falls du die Frauen in der Aufzählung hervorheben wolltest, dann gehören die Geschwister Scholl zur Hälfte ja wohl auch dazu, oder?

  2. ivar sagt:

    Nach längerem Überlegen fiel mir Inge Jens ein – wobei sie selbst in ihren sehr lesenswerten Erinnerungen zugesteht, dass auch ihr hinsichtlich der Vereinbarkeit eigener beruflicher Interessen und Familie die herausgehobene Stellung ihres Mannes viel erleichtert hat.
    Ich glaube, das Problem ist immer die Vergleichbarkeit von Situationen. Ich finde es z.B. merkwürdig, Sophie Scholl als “Vorbild” zu nennen – schließlich hat sie in einer Situation und Zeit gelebt, in die wir uns trotz aller historischen Aufarbeitung m.E. niemals wirklich hineinversetzen können. Oft habe ich gedacht: Wenn ich ehrlich bin – ich wäre keine Sophie Scholl gewesen. Hätte ich mitbekommen, dass mein Freund oder Bruder so etwas plant, ich hätte nicht mitgemacht, sondern versucht, ihn abzuhalten. Meine Motivation wäre gewesen, dass ich die Diktatur, gerade als das Ende absehbar war, hätte überleben wollen. Und der Mut hätte mir auch gefehlt – ein Eingeständnis, das deprimierend ist. In letzter Zeit stelle ich diese Überlegung aber oft infrage, denn mir ist erst langsam aufgegangen, dass ich den Leidensdruck gar nicht mitberechnen kann, unter dem eine junge, liberale Intellektuelle in dieser Zeit stehen musste (schon der Bedeutungswandel von “liberal” zeigt an, wie sehr die Welt sich ständig dreht und wandelt). Wie man unter diesen Bedingungen gelebt oder gehandelt hätte, kann kein Mensch wissen.
    Sorry, falls das jetzt etwas in Richtung offtopic führte, aber es ist m.E. ein gutes Beispiel dafür, dass man mit solchen “role model” Konzepten in vielerlei Hinsicht vorsichtig sein muss.

  3. Patrick sagt:

    Äh, Mutter Teresa? Ich raube euch nur ungern ein Vorbild, aber über den Todesengel von Kalkutta solltet ihr euch näher informieren, z.B. hier:

    http://www.mutter-teresa.info/

  4. Miriam sagt:

    äh, Patrick, Mutter Teresa wird laut der oben zitierten Studie von 24 % der Jugendlichen als Vorbild gesehen, da kann weder Barbara noch die Mädchenmannschaft was dafür, oder?

  5. Barbara sagt:

    @Miriam
    … ja, hast recht, ist jetzt auch hervorgehoben …

  6. steve, the pirate sagt:

    Weibliche Vorbilder, hmmm.
    MIr persäönlich fallen Emmy Noether und Lise Meitner ein.

    Ansonsten habe ich in meinen persönlichen Umfeld ein paar Frauen, die für mich Vorbildert sind.

    “Ein junges Publikum, zwischen Schule und Uni/Ausbildung, mehr Frauen als Männer, tat sich schwer. Es kamen ein paar Vorschläge, ausschließlich von Männern genannt:”

    Was mir aufgefallen ist. Es steht im Artikel, das mehr Frauen als Männer anwesend waren, aber sich eingebracht haben hauptsächlich Männer (bis auf die eine junge Frau). So wie man es ja immer liest und hört und beobachtet :(

  7. Matze sagt:

    steve: Ist das jetzt eine Kritik an den anwesenden Männern, die Diskussion an sich gerissen zu haben, oder eine Kritik an den anwesenden Frauen, nichts gesagt zu haben? Barbara, warst du live dabei? Gab es nur vereinzelte Vorschläge mit längeren Pausen Schweigens dazwischen, oder wurde man mit Vorschlägen bombardiert?

    Die Liste mit den Prozenten finde ich im Übrigen verdächtig – die Antworten sind zu “richtig”. ich erinnere mich an einen radiobeitrag, in dem ein älterer Mann gemeint hat, dass er und seine Altersgenossen bei solchen Fragen immer genau gewusst haben, welche Antworten von den Fragenden gewünscht waren, und dass sie diese Wünsche dann erfüllt haben. Ähnlich sieht es hier aus …

  8. Miriam sagt:

    Also mir fallen irgendwie auch nur Tote ein: Sophie Scholl, Marie Curie und Bertha von Suttner

    Vielleicht liegt es daran, dass die historische Relevanz einer Person erst mit einem gewissen zeitlichen Abstand möglich ist?

  9. steve, the pirate sagt:

    @matze: Naja, so richtig Kritik war es nicht – eher eine Beobachtung ;)
    Es war sicher keine Kritik an den Männern.
    Aber ja, ich fände es allgemein schön, wenn Frauen in Diskussionen nicht nur artig lächelnd daneben sitzen würden sondern sich mehr einbringen würden.

    “Gab es nur vereinzelte Vorschläge mit längeren Pausen Schweigens dazwischen, oder wurde man mit Vorschlägen bombardiert?”

    Würde mich auch interesseiren.

  10. Barbara sagt:

    @Matze
    Ja, ich war dabei. Die Vorschläge kamen langsam, nacheinander. Und als Zwischenruf die Lena Odenthal.

  11. tordis sagt:

    ich finde es ja interessant (und irgendwie bedenklich), dass zwei von vier der vom publikum genannten vorbilder wegen der bzw. in verbindung mit der vereinbarkeit von beruf/familie genannt wurden.

    meine weiblichen vorbilder kann ich leider nicht mit namen nennen, da ich hauptsächlich frauen in meinem umfeld bewundere.

    spontan würde mir charlotte roche einfallen, wegen ihren “unweiblichen” gesprächsthemen, aber ich kenne diese frau kaum.

  12. Killerkitty sagt:

    Ich finde es eher interessant, dass es Leute sind, deren Bild man aus Film und Fernsehen kennt. Geschwister Scholl und von Stauffenberg etwa waren beide Helden von Blockbusterfilmen. Erklärt für mich, warum etwa Georg Elser nicht vorne mit dabei ist.

    Wenn ich so überlege, mein Vorbild ist höchstens Andy Wiles. Lebend, männlich. Hat es nicht aufgegeben, hat seinen Satz bewiesen. Ich hoffe, ich werde irgendwann auch so lange durchhalten können.

  13. Hannah sagt:

    Hallo

    ich war ja auch mit auf dieser Veranstaltung. War selber erstaunt und teilweise gerade bei Heidi Klum, Maria Furtwängler entsetzt was da kam. Also da finde ich Ulrike Folkerts (nicht Lena Odenthal) doch immer noch ein deutlich größeres Vorbild.
    Zusätzlich muss gesagt werden dass diese Frauen auch alle von den Männern dort genannt wurden.
    Allerdings muss man auch dazu sagen, dass explizit nach noch lebenden weiblichen Vorbildern gefragt wurde. Sonst hätte ich auch selbst Lise Meitner, Marie Curie, Rosa Luxemburg und einige andere genannt. Allerdings leben die halt alle nicht mehr.

  14. freundchen sagt:

    Lebende Beispiele ohne Vereinbarkeit von Familie und Job als Hintergrund?
    Eigentlich einfach…

    Angela Davis (Menschenrechtlerin, BPP), Walentina Wladimirowna Tereschkowa (erste Frau im ALL) nur mal so aus der hohlen Hand geschossen.

    Achja, und wen ich immer vermisse Soja A. Kosmodemjanskaja, die berühmteste Partisanin der SU.

    Beispiele gibt es, denk ich, genug nur scheitert es am Wissen.

  15. Killerkitty sagt:

    Wurde Regina Halmich eigentlich gar nicht genannt?

  16. steve, the pirate sagt:

    Mir fällt noch Aung San Suu Kyi ein.

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