Vorbilder gesucht, die dritte

von Helga

Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) sucht role models: Frauen, die eines der vielzitierten MINT-Fächer studiert haben oder studieren. Auf dem Portal www.mint-role-models.de kann frau sich registrieren und dann bei Workshops und Veranstaltungen demonstrieren, dass Frauen sehr wohl mit Zahlen umgehen können.

Video Mint Role Models von mintrolemodels auf Vimeo.

Das Interesse an den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik lässt bei den deutschen Mädchen mit dem Beginn der Pubertät häufig nach. Um das uncoole und unweibliche Image dieser Fächer zu verändern, gibt es inzwischen eine Reihe von Initiativen. Das Online-Programm CyberMentor setzt auf kontinuierliche Begleitung der Mentees, mit LAN-Parties wirbt Girls Go IT für Medien- und IT-Berufe – eine Übersicht von Projekten bietet die komm mach MINT-Seite des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. In der englisch-sprachigen Blogosphäre schrieben Wissenschaftlerinnen über ihr Leben und Wirken im Letters to Our Daughters Project auf Scienceblogs und mit stemming.org gibt es auch eine Community zum vernetzen.

Damit Karriere in den MINT-Fächer in Deutschland für Mädchen wirklich attraktiv wird, fehlen bisher aber noch zwei Dinge: So hat sich die Arbeitslosenquoten unter Ingenieurinnen in den letzten Jahren stark verbessert, ist aber bis heute höher als unter Ingenieuren. Und auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist schwerer als in anderen Branchen. Wenn sich in Zukunft auch die Väter, wie angekündigt, mehr um den Nachwuchs kümmern wollen, müssen die Unternehmen noch kräftig nachbessern.




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Eintrag geschrieben: Donnerstag, 7. Januar 2010 um 17:04 Uhr unter Ökonomie. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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9 Kommentare

  1. Helga sagt:

    Eine ähnliche Studie gab es im Sommer auch schon
    http://maedchenmannschaft.net/neues-aus-der-wissenschaft/
    Bis das Klischee „Mädchen können Mathe einfach nicht“ endlich in der Mottenkiste verschwindet, wird es wohl noch dauern…

  2. steve, the pirate sagt:

    @Helga: Ich weiß ja nicht ob die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei Ingenieurinnen so viel schwerer ist, als
    in anderen Branchen.
    Wenn ich mit die Arbeitszeiten von Krankenschwestern ansehe, oder wie viel Anwältinnen arbeiten oder wieviel man in
    den Medienberufen arbeiten muss, dann meine ich das frau in einem Ingenieursjob sogar besser gestellt ist.
    Ich selbst habe an so einem Mentorenprogramm als Mentee teil genommen. Meine Mentorin erzählte mir, dass bei ihrem
    letzten Klassentreffen die meisten Ingenieurinnen und Naturwissenschaftlerinnen Kinder hatten, hingegen die Frauen, die
    in typischen Frauenberufen (Krankenschwester, Sozialer Bereich etc.) arbeiteten kinderlos waren, da die Bezahlung und die Arbeitszeit
    keine Möglichkeit fürs Kinder kriegen ließ.

  3. Helga sagt:

    Die Zahlen die der VDI selbst veröffentlicht zeigen leider, dass sehr viele Ingenieurinnen später nicht als solche arbeiten und dass viele dies aufgrund der schlechten Vereinbarkeit von Familie und Beruf machen. In anderen Branchen sieht das natürlich ähnlich aus, aber ich denke, bei sozialen Berufen ist der Wiedereinstieg später deutlich einfacher. Anwältin kann ich schwer beurteilen – immerhin ist dies die einzige Branche Deutschlands, in der Berufseinsteigerinnen genau soviel verdienen wie Berufseinsteiger. Vielleicht setzen die ihre Rechte besser durch?

  4. Bjoern sagt:

    Ich lese diesen Blog jetzt seit ungefähr einem Jahr (und schätze ihn übrigens sehr) und da es mir schon öfter aufgefallen ist, und steve, the pirat in ihrem Beitrag auch darauf eingeht möchte ich, obwohl es jetzt nicht 100%ig zum Thema passt, einmal folgendes festhalten:

    Entweder ist der Unterschied zwischen Deutschland und Österreich wirklich so groß oder das Bild, das hier oft über Krankenschwestern (und -pfleger, denn die finden hier überhaupt nie Erwähnung) gezeichnet wird kommt von Leuten die eigentlich gar nicht wissen wie der Berufsalltag aussieht.
    Ich bin selbst Krankenpfleger in Österreich und ich finde nicht, dass ich unterbezahlt bin mit 1700-1800 Euro netto.
    Bezüglich Vereinbarkeit von Familie und Beruf halte ich mich sogar für sehr priveligiert. Mit 3 langen Diensten in der Woche habe ich mein Soll erfüllt, die restlichen 4 Tage habe ich frei. Ich kann Nachtdienste machen und stehe damit tagsüber zur Kinderbetreuung zur Verfügung. Sobald sich Nachwuchs einstellt habe ich außerdem die Möglichkeit auf 20 oder 30 Wochenstunden zu reduzieren. Desweiteren ist mein Arbeitsplatz absolut krisenfest, ein Wiedereinstieg nach der Karenz verläuft nicht nur absolut problemlos sondern ist ausdrücklich erwünscht. Väterkarenz wird gutgeheißen (meine Vorgesetzte hat mir sogar schon gesagt, dass sie damit rechnet, dass ich in Karenz gehe falls ich einmal Vater werde). Durch geschickte Diensteinteilung gelingt es mir fast jeden Monat 5-6 Tage am Stück frei zu haben ohne Urlaub nehmen zu müssen.
    Krankenbetreuung wird außerdem immer weniger ein typisch weiblicher Beruf. Der Anteil der Krankenpfleger steigt ständig (in „meinem“ Haus liegt er derzeit bei etwa 20% (0% der Führungspostionen btw)), und in meiner Klasse waren bereits über 50% der Absolventen männlich.
    Natürlich ist der Beruf oft anstrengend und stressig, aber Krankenschwestern und -pfleger ständig so darzustellen als seien sie überarbeitet, unterbezahlt und hätten überhaupt die ganz große „Arschkarte“ gezogen empfinde als ungerechtfertigt und auch als beleidigend.
    So, jetzt ist mir leichter. Schönen Tag noch.

  5. Miriam sagt:

    Bjoern, soweit ich das aus den Tarifinformationen rekonstruieren konnte, bekommt in D (West) einE alleinstehendeR KrankenpflegerIn direkt nach dem Examen netto 1300 Euro. Um als Einstiegsgehalt auf das Nettogehalt zu kommen, was du bekommst, muss man in Deutschland im öffentlichen Dienst eine Promotion oder ein 2. Staatsexamen nach dem Uniabschluss vorweisen können (außer ärzte im Krankenhaus, die haben mittlerweile einen eigenen Tarifvertrag…).

    Was ich in dem Zusammenhang aber interessant finde: U.a. durch die Umstellung der Tarifverträge im öffentlichen Dienst von BAT auf TVöD sind die Gehälter von angestellten Wissenschaftlern drastisch in den Keller gegangen (inflationsbereinigt um 21 % in den letzten 19 Jahren). Der Frauenanteil im Wissenschaftsbetrieb hat aber währenddessen nicht signifikant zugenommen (sozusagen ein Gegenargument zu der These, dass Lohnsenkungen immer mit einem Anstieg des Frauenanteils korreliert sind) und so wie ich das wahrnehme ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch sehr flexible Arbeitszeiten in Forschungseinrichtungen sehr gut gegeben. Von daher glaube ich, dass der Grundstein für die weibliche Ablehnung von MINT-Fächern weit vor irgendwelchen überlegungen zu möglichen Berufen gelegt wird.

  6. Bjoern sagt:

    So ist das also-danke für die Info.
    So gern ich meinen Beruf hab, aber für 1300 Euro würd ich mir was anderes suchen. Wundert mich, dass es in Deutschland überhaupt noch genug PflegerInnen gibt und erklärt warum momentan jede 2. Bewerbung für unsere Station aus Deutschland kommt.

  7. Amy sagt:

    Interessant wieder einmal zu lesen, dass sich bei der pisa- und timm-studie ca. eine halbe million SCHÜLER beteiligt haben – wie häufig, die maskuline sprachform gestattet es schülerinnen bzw. dem weiblichen geschlecht sprachlich mitgemeint zu sein? oder wurden schüler mit schülern verglichen?
    frauen waren zu allen zeiten trotz der sie BeHerrschenden patriarchalen widerstände schon i.d. antike an naturwissenschaften interessiert (hypathia)
    einige bedeutende wissenschaftlerinnen aus der geschihte:
    Hypathia
    Trotula
    Hildegard von Bingen
    Gaetano Agness
    Ann Conway
    Margarete Cavendish
    Emilie du Chatelet
    Laura Bassi
    Maria Kirch
    Nicole Rene Lepante
    Karoline Herschel
    Maria Mitchell
    Sophie Germain
    Mary Somerville
    Ada Lovelance
    Sonja Kowalski
    Agnes Pockels
    Emmy Noether
    Marie Curie
    Mileva Einstein
    Lise Meitner
    Irene Curie
    Maria Göppert-Meyer
    Chien-Shiung-Wu
    Rosalyn Yalow
    Jocelyn Balle Burnell
    http://www.frauen-informatik-geschichte.de/index.php?id=23

  8. linelein sagt:

    Jetzt mal auf die Altenpflege bezogen, die ja auch sehr wichtig ist:
    3 Tage arbeiten und anschließend 4 Tage frei, das wäre für 1.300 netto nicht zu bekommen.
    Frühdienst oder Spätdienst, Schaukelschicht, Nachtschicht und dann mal 2-3 Tage frei wegen Überstundenabbau (falls möglich), je nachdem, wie der Krankenstand – und der Wille der Heimleitung anstatt von Examinierten nicht examinierte Hilfskräfte anzustellen – ist.
    Ganz und gar nicht gut mit dem Dasein als Elternteil zu vereinbaren. Stress, psychische Belastung, Schichtdienst.
    Bei uns gab es exakt 2 examinierte männliche Pflegekräfte und 0 männliche Hilfskräfte.
    Diensteinteilung ging nach Bedarf und Krankenstand, nicht nach Wünschen der Pflegekräfte.
    Man bekommt Bandscheibenschäden, Burnoutsyndrom, nur eben keine gute Bezahlung. Da ist man im öffentlichen Dienst womöglich sogar viel besser aufgehoben als in einem Pflegeheim.
    Nein, ich kann mir nicht vorstellen, wie ich hätte gleichzeitig noch ein oder mehrere Kinder versorgen sollen. Und eine Putzfrau oder Kinderfrau wären ja auch nicht drin.

    Sicherlich muss man aber sehen, dass von den Frauen, die überhaupt mit Wissenschaft in Kontakt kamen, die Mehrheit wohl begütert war. Oder vielmehr eben die Familie begütert war. Die überwiegende Masse der Frauen musste arbeiten und irgendwie überleben und hatte meist ja nicht mal die Möglichkeit überhaupt Lesen und Schreiben zu lernen.
    In wie vielen Frauen hätte eine Philosophin gesteckt oder welche Frau wäre eine gute Schriftstellerin, Händlerin oder Mathematikerin geworden, wenn sie die Gelegenheit gehabt hätte?