Von Katholiken lernen? DFB & AIDS

von Nicole

Der Deutsche Fußball-Bund engagiert sich auch in sozialen Projekten und schickt seine Nationalspieler los, um sich bei entsprechenden Aktionen und Projekten zu zeigen und Werbung zu machen. Das ist erst einmal eine gute Sache. Kurz vor dem Start der Weltmeisterschaft in Südafrika gibt es gleich eine ganze Palette von Themen und Initiativen, die sich anbieten. Eines davon ist AIDS. Südafrika gilt als eines der Länder mit der größten Ausbreitung von HIV-Infektionen und AIDS und so ist es gut, dass der DFB vor diesem Thema nicht die Augen verschließt.

Für die entsprechende PR-Aktion vor dem heutigen Länderspiel wurde als Kooperationspartner mit „missio“ allerdings ausgerechnet ein katholisches Hilfswerk ausgewählt, um vier der für die WM nominierten Spieler in seinem „AIDS-Truck“ über seine Projekte in Afrika zu informieren. Vor einem Jahr  hatte der Papst auf einer Afrika-Reise die Haltung der katholischen Kirche zur Kondomfrage noch einmal deutlich gemacht: Kondome würden das AIDS-Problem nicht lösen, sondern sogar verschärfen. Eine Meinung, die – natürlich – auch missio-Präsident Klaus Krämer, der den deutschen Kickern in Sachen AIDS und Afrika Nachhilfe gibt, teilt.

Die konkrete Hilfsarbeit katholischer Initiativen vor Ort mag anders aussehen, von mehr Pragmatismus und Einsicht in die realen Lebensbedingungen und Zwänge, gerade auch der betroffenen Frauen, geprägt sein und demzufolge darin bestehen, Kondome nicht zu verdammen, sondern zu verteilen. Bei der Organisation öffentlichkeitswirksamer Aktionen zum Thema AIDS in Afrika hätte der DFB sich jedoch ruhig noch etwas weiter umschauen und über den missio-Truck hinausblicken dürfen.




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Eintrag geschrieben: Donnerstag, 13. Mai 2010 um 10:29 Uhr unter Körper, Sex_ualität, Zeitgeschehen. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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2 Kommentare

  1. Fairfis sagt:

    Ich denke, da kann man durchaus auch noch schärfer kritisieren. Es ist von Anfang an ein Fehler des Fussballbundes, der ja auch religiös neutral sein will, mit einer Organisation zusammen zu arbeiten (und diese ja so auch zu bewerben) die schon in ihrem Namen das Sendungsbewusstsein, die „Heidenmission“ in sich trägt (anders zum Beispiel als die Caritas).
    Missio ist nicht in erster Linie da, um den Menschen zu helfen, ihr eigenes Leben in Gesundheit und Freiheit zu gestalten, sondern will sie zum katholischen Way of Life bekehren. Was hat der Fussballbund bei diesem Anliegen zu suchen? Nicht, dass man die Anstrengungen von missio in Bausch und Bogen verdammen sollte. Die konkrete Hilfe die sie bieten und die persönlichen Opfer die die MitarbeiterInnen bringen verdienen Respekt. Aber es steht doch eine klare Agenda dahinter, eine Agenda die der DFB nicht unterstützen sollte.
    Die jüngere mediale Berichterstattung über die katholische Kirche legen ausserdem Nahe, dass hier der DFB vorallem mithelfen möchte, das Image der Kirche aufzupolieren, in dem deren „Charity-Anstrengungen“ als PR missbraucht werden. Im übrigen auch ein weiter moralischer Fall dieser einst genuin intrinsisch motivierten Akte der christlichen Nächstenliebe.

  2. Fairfis sagt:

    „Missio“ untersteht im übrigen innerhalb der Kirche der „Kongregation für die Evangelisierung der Völker“.