Von einem Matriarchat

von Barbara
Dieser Text ist Teil 29 von 58 der Serie Die Feministische Bibliothek

Der argentinische Arzt, Journalist und Fotograf Ricardo Coler hat bereits mehrere Bildbände und Reportagen über Matriarchate veröffentlicht. Sein 2005 in Argentinien erschienenes Buch „Das Paradies ist weiblich“ über eine ethnische Minderheit in China, die Mosuo, wurde in Argentinien schnell zum Bestseller. Nun ist es auf Deutsch erschienen. Coler besuchte für längere Zeit die Mosuo. Eine Gemeinschaft von etwa 35.000 Menschen in der Provinz Yunnan. Sie betreiben Ackerbau und Viehzucht sowie Handel mit den benachbarten Dörfern. Sie sind gläubige Buddhisten und leben in einem Matriarchat. Was bedeutet die Umkehrung der für uns gängigen Machtverhältnisse für den Alltag dieser Menschen? Einige Beispiele:

  1. Die Mosuo leben zusammen mit ihren Blutsverwandten: Familienoberhaupt ist immer eine Frau – die Matriarchin. Das kann die Großmutter, die Mutter oder die älteste Tochter sein. Alle anderen Familienmitglieder ordnen sich der Matriarchin unter. Sie sind alle mit ihr verwandt – ist es etwa die Großmutter, sind es ihre Töchter und Söhne, Enkeltöchter und Enkelsöhne. Die leiblichen Väter leben nicht mit ihren Kinder oder Partnerinnen zusammen.
  2. Es gibt keine feste Partnerschaft zwischen Mann und Frau wie wir sie kennen, sondern etwas, das im Buch als „Besuchsehe“ bezeichnet wird. Jeden Abend empfängt eine Mosuo-Frau einen Mosuo-Mann ihrer Wahl als Besuchs-Geliebten. Es kann jede Nacht derselbe, oder auch jede Nacht ein anderer sein. Der Mann bleibt über Nacht, zeugt möglicherweise ein Kind, und verlässt im frühen Morgengrauen wieder das Zimmer der Frau. An ihrem Alltagsleben und an ihrer Familie nimmt er keinen Anteil.
  3. Die Frauen haben das Sagen. Und die Arbeit – sie packen mit an, schmeißen den Haushalt und kontrollieren das, was die Männer in ihrem Auftrag erledigen. Lediglich in ganz großen Belangen fällen Männer Entscheidungen, z. B. im Viehkauf oder Hausbau. Coler zitiert dazu eine der Matriarchinnen: „Große Entscheidungen, na ja, nichts wirklich Wichtiges, aber das können die Männer, und sie nehmen uns damit das ein oder andere Problem ab.“

Schwer vorzustellen, ein solcher Alltag. Diese Macht der Frauen scheint die Männer sehr zu entmündigen. Das Zusammenleben der Mosuo erscheint auch Coler nicht sehr ausgeglichen:

„Wie es einer Gemeinschaft von Müttern entspricht, werden die Männer wie Kinder behandelt. Ich frage mich, ob das nicht Einfluss auf die erotische Anziehungskraft dieser Männer hat. Die Frauen verhalten sich wie verantwortungsvolle Erwachsene, sie nehmen ihre Arbeit ernst. Der Mann hingegen erhält Befehle, er wird gescholten, … verbringt viel Zeit mit seinen Freunden, fühlt sich für nichts verantwortlich, wechselt ständig die Geliebte und wohnt das ganze Leben bei seiner Mutter.“

Warum begehren die Mosuo-Männer nicht auf? Fordern Gleichberechtigung?

An manchen Punkten jedoch hat das Matriarchat richtiggehend Vorbildcharakter: Eine Matriarchin zum Thema Kinder & Beruf:

„Eine Frau bekommt ihr Kind und bleibt fast ein Jahr bei ihm. Sie gibt ihm zu essen und beschäftigt sich mit ihm. Wenn es Zeit wird, zur Arbeit zurückzukehren, übergibt sie den Sprössling der Großmutter. Und die älteren Tanten sind ja auch noch da. Die Mutter kann in ihren gewohnten Alltag zurückkehren, und das Kind wächst trotzdem im häuslichen Umfeld auf.“

„So einfach ist das“, meint Coler dazu. Klingt einfach, aber ist es das auch? Fehlt dem Kind nicht der leibliche Vater? Nach dem Lesen dieses Buches bleiben Fragen unbeantwortet. Man möchte selbst nach China reisen und Antworten auf die Fragen suchen, die das Buch nicht beantwortet oder gar nicht erst stellt. Warum hat sich bei den Mosuo ein Matriarchat entwickelt? Warum hat es so lange durchgehalten, als Ausnahme im patriarchalischen China? Und warum haben nicht auch einige der umliegenden Regionen diese Gesellschaftsform übernommen? Seit Maos Herrschaft, so schreibt Coler, hat die chinesische Regierung zwar immer wieder versucht, die Mosuo umzukrempeln. Zwangsehen, Zwangswohngemeinschaften, strenge Gesetze – was auf Dauer aber alles nichts bewirkt hat. Einige Soldaten seien bei den Mosuo geblieben, weil ihnen die selbstbewussten Frauen so gut gefallen hätten.

An manchen Stellen erscheinen mir Colers Fragen etwas boulevardesk. Er möchte von den Mosuo für meinen Geschmack zu häufig wissen, wie sie über Verlieben, Eifersucht, Fremdgehen oder dem Bedürfnis nach fester Bindung denken. Die anderen wichtigen Themen wie z. B. dass es keine Homosexualität bei den Mosuo gibt (Warum? Kann das sein? Oder hat man ihm das einfach nicht erzählen wollen?), dass die Mädchen in der Schule immer gut und wissbegierig sind, die Jungen aber nicht, und deswegen die Schulen auch oft wieder verlassen müssen (Liegt das hier an der Erziehung? Warum sind die Jungen eher nur am Dösen und Spielen, nicht am Lernen interessiert?), kommen leider etwas kurz. Dennoch bleibt „Das Paradies ist weiblich“ ein höchst interessanter Einblick in ein lebendiges Matriarchat.

Ricardo Coler, „Das Paradies ist weiblich. Eine faszinierende Reise ins Matriarchat.“ Aufbau Verlag, 2009. Gebunden. 165 Seiten.

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Eintrag geschrieben: Dienstag, 16. Juni 2009 um 13:57 Uhr unter Alltag, Frauenfakten, Gendertrouble, Mitdenken, Weltspiegel. RSS 2.0. Kommentieren. Trackback.



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28 Kommentare

  1. jj sagt:

    Ihr habt doch schon mal über das Buch geschrieben… mit bezug auf ein Interview mit dem Autor. In dem Interview beschrieb er doch ziemlich klar, daß sich die Paarungsanbahnung nach klassischen Mustern abspielt (also – Männer werben, Frauen wählen) und daß sich die Frauen die vermutlich Macht mittels sexueller Verfügbarkeit “erkaufen” (daher spielt die erotische Anziehungskrat der Männer innerhalb der Gemeinschaft wohl auch nicht so die Rolle) . Warum sollten die Männer denn Aufbegehren, wenn sie auch ohne besondere Konkurrenz und Aufwand regelmäßig eine Partnerin bekommen? Langfristige Bindungen gibt es nicht, und daher wohl auch kaum tatsächliche Konkurrenz um die besten Frauen, bis auf das ritualisierte Spiel beim Tanz.

  2. XYZ sagt:

    “Die leiblichen Väter leben nicht mit ihren Kinder oder Partnerinnen zusammen.”

    klingt für mich nicht gerade wie das Paradies..

    Der Mann als austauschbarer Samenspender ohne Verantwortung und tiefen Kontakt zu seinen Kindern.

    Das wär nicht meins..nenene…das find ich genauso doof wie Patriarchat, nur halt in die andere Richtung.

    Aber ansehen würde ichs mir trotzdem mal…

  3. Marcel sagt:

    Also, um ehrlich zu sein- aber eben, das Buch sollte man schon zuerst lesen (meine mich damit)- das Ganze klingt nach dem, was der Titel auch impliziert: Matriarchat-Männer sind da Unterhunde, die man offenbar lediglich sexuell an der Leine zu halten braucht.

    Kann Sex die männliche Gewalt neutralisieren? Die Frage finde ich gar nicht so unwichtig!

  4. jj sagt:

    Marcel,

    Bonobos, Schimpansen und Menschen haben gemeinsame Vorfahren…

  5. Marcel sagt:

    Nun gut, der Zoologismus… schlimmstenfalls wird man da als Vulgär-Darwinist bezeichnet.

    Und nätürlich: Auch das Erbgut…

    Und die Zivilisation? Kultur nach Freud?

    So richtig friedlich sind die Bonobos ja auch wieder nicht- trotz der von Dir einmal erwähnten, steten Verfügbarkeit der weiblichen Sexualität, die offenbar das Fundament dieser matriarchalisch organisierten Affenbande darstellt.

    Klingt mir etwas zuviel nach 68er-Gebräu: Make Love, Not War.

  6. Rahab, Kanaan sagt:

    bon au beau – an der herrschaft hängt’s, zur herrschaft drängt’s und das ewig weibliche zieht uns hinan – ! – ? – !

  7. Peter sagt:

    Ich fürchte, Ricardo Coler hat seine eigene, ganz private Vorstellung eines Paradieses ein wenig zu stark auf die Mosuo projeziert.

    Nun mag es ja vielleicht für ihn ein paradiesischer Traum sein: Die Tage mit süßem Nichtstun , dösend oder mit Kumpels klönend zu verbringen, die Nächte mit wechselnden Frauen und Mami füttert ihn, zieht ihn an und behütet ihn wie frisch geschlüpft.

    [Und ich bin ehrlich: Das hat schon was :-) Sozusagen das biblische Paradies + Sex ]

    Die Realität – zumindest bei den Mosuo – ist dann doch etwas blasser:

    Deutlich ausgewogener (und sozusagen aus erster Hand) gibt es hier Infos zu der Lebensweise der Mouso:
    http://www.mosuoproject.org/myths.htm

  8. jj sagt:

    Danke für den Link Peter!

  9. Marcel sagt:

    Viel wichtiger als die ewige Sexreligion scheint mir folgender Aspekt bei dieser Gesellschaftsform zu sein :

    “Wenn Frauen herrschen, ist es Teil ihrer Arbeit. Ihnen gefällt es, wenn einfach alles läuft und es der Familie gut geht. Die Idee, Vermögen anzuhäufen oder viel Geld zu verdienen, kommt ihnen einfach nicht in den Sinn. Kapitalakkumulation scheint eine männliche Triebfeder zu haben. Nicht umsonst sagt der Volksmund, der Unterschied zwischen einen Mann und einem Jungen ist der Preis seines Spielzeugs.”

    Keinerlei Akkumulationen- nicht nur des Kapitals, um für einmal mehr den guten, alten Marx zu bemühen- oder John Maynard Keynes: Keine Akkumulation ohne Ziel- sehr aktuell und zeitgemäss im Zeitalter des scheinbar unbegrenzten Wachstums (unbegrenzt? Mal den Club of Rome zitieren?)!

    Quelle (Link schon einmal hier gepostet): http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,627103,00.html

  10. Marcel sagt:

    Gut, letztes Posting kann man evtl. vergessen:

    “Many Mosuo want economic development to improve their standard of living, to get greater opportunities for their children, etc. (…).

    A lot of younger Mosuo girls are being taken out of school because of the perception that men have a better chance of getting jobs when they graduate.”

    Könnte der Beginn des Akkumulierens bedeuten, ergo…

    Aus dem Link von Peter (economics).

  11. Rahab, Kanaan sagt:

    könnte, Marcel, auch bedeuten,
    - das akkumulation sich verändert, ganz oder teilweise
    - das, ebenfalls ganz oder teilweise, eine art anpassung an eine andere art/form der akkumulation stattfindet
    - dass aus sicht der Mosuo jungs mehr schule brauchen als mädchen, um bei dieser art/form von akkumulation mithalten zu können
    - dass aus der umwelt andere vorstellungen übernommen werden
    - dass in reaktion auf die umwelt neue eigene vorstellungen entwickelt werden
    - dass die Mosuo sich nicht vorstellen können, wie sie als ‘besondere’ gruppe weiterbestehen sollen, wenn auch ihre mädchen in der durch-akkumulierten welt verschwinden
    - dass bestimmte formen von akkumulation bestimmte andere formen von geschlechterverhältnissen nach sich ziehen (müssen vielleicht)
    - dass …. noch etliches andere, das mir jetzt nicht gleich eingefallen ist, wozu es aber lohnen würde, Mosuo selbst zu befragen, und zwar junge wie alte, weibliche wie männliche, gleichgeschlechtlich liebende wie andersgeschlechtlich liebende…

  12. Arabrab sagt:

    Nach dem Lesen des Buches, mailte ich an den Verlag die Frage: Inwieweit bei dem Volk der Mosuo, Kindesmissbrauch – in unseren bekannten Variationen – vorkommt, oder ob dies überhaupt nicht vorhanden? Habe bis heute noch keine Antwort.

  13. Marcel sagt:

    …Jaja, Rahab: Wenn wir das Ding mit der “ziellosen Akkumulation” (wie sie Keynes bereits schon für die Zeit um die letzte Jahrhundertwende bezeichnet hat)- oder der Pyramidenförmigen, wie heutzutage (oben wird am meisten garniert, nach unten fallen nur noch Krümel) in den Griff kriegen könnten, dann…

    Und schon sind wir beim vieldiskutierten Wachstumsproblem- wie bereist vom Club of Rome in den Siebzigern angemerkt. Schon Adam Smith ging davon aus, dass jeder Markt (also auch der / die heutige(n), globalisierte(n)) irgendwann einmal an eine bestimmte Grenze stossen, nach deren Überschreiten sowohl das Preisniveau- und somit auch die Erträge- als auch die Löhne nur noch sinken können. Analog dazu wäre hier das Gesetz des abnehmenden Ertrages erwähnenswert- ein Problem, das auch Marx in seinem Kapital ausführlich beschrieben hat.

  14. Steve, the pirate sagt:

    “Die Mosuo leben zusammen mit ihren Blutsverwandten: Familienoberhaupt ist immer eine Frau – die Matriarchin. Das kann die Großmutter, die Mutter oder die älteste Tochter sein. Alle anderen Familienmitglieder ordnen sich der Matriarchin unter. ”

    Das hört sich dann so an, als ob es auch hier eine strikte Hierarchie gibt. Bleibt die Matriarchin bis zum Tod chefin oder kann sie auch “gestürzt” werden?

  15. Rahab, Kanaan sagt:

    nun, Marcel,
    wenn du dich beim vieldiskutierten wachstumsproblem sicherer fühlst, dann mußt du daran und von dort ausgehend weiterdiskutieren. was kein problem ist, so lange ein- und zugestanden ist, dass die wahrnehmung der eigenen wie fremder gesellschaften über mehr als diese eine ‘schiene’ erfolgt, erfolgen sollte.

    und ja, Steve,the pirate,
    da gibt es wohl eine hierarchie. hat irgendwer gesagt, matriarchate hätten keine, bräuchten keine, dürften keine haben? also wird es da auch formen von revolte geben.

  16. Steve, the pirate sagt:

    @rahab: Ich habe deswegen gefragt, da diese Artikel über die Mosuo so einen “Freide, freude, Eierkuchen – wir haben uns alle ganz arg lieb”-Tenor haben. Sie werden als irgendwie sanf (= weiblich???) dargestellt: “mit dem Gegröle der bierseligen Urlaubermeute können es die sanften Stimmen der Mosuo nicht aufnehmen.”

  17. Marcel sagt:

    Klar fühle ich mich auf dem Gebiet der Akkumulation sicher, Rahab: Sie ist ein ganz wesentlicher Bestandteil der gössten Transformation der Menschheitsgeschichte, die mit dem Industriezeitalter begonnen hat- und sich mit dem Dienstleistungszeitalter fortsetzt. Allerdings ist sie nur eine Facette von vielen- mir lag mit der Erwähnung der Akkumulation nur ein Gesichtspunkt am Herzen: Die Grenzen des Wachstums; dass wir- weltweit, in welcher Kultur, Weltregion etc. auch immer, endlich begreifen, dass es nicht immer noch mehr und noch mehr und noch mehr und noch mehr gibt. Eine solche Expansion (ein weiterer, ganz zentraler Begriff), wie sie in den letzten 300 Jahren stattgefunden hat, wird in Zukunft nicht mehr möglich sein.

  18. Rahab, Kanaan sagt:

    @Steve,the pirate

    irgendwo in meinen bücherregalen, meine ich, hätte ich ein buch über die kann-sein Mosuo … weiß aber nicht, ob ich es auf die schnelle finde. das las sich nicht nur nach “friede freude eierkuchen” und auch nicht nur nach “freude schöner götterfunken” sondern auch nach konflikten ‘fast wie bei uns’.

    ich werde mal in aller ruhe suchen – und wenn ich’s gefunden habe, dann gebe ich autor_in, titel und verlag weiter. kann aber nen bißchen dauern, weil … es gibt da hin und wieder noch so nen “rest leben” (gern auch mit bindestrich dazwischen zu lesen)

  19. Steve, the pirate sagt:

    @Rahab: Das wäre super, wenn du nachschauen könntest!

  20. Rahab, Kanaan sagt:

    @Steve,the pirate: and to whom it may concern natürlich auch!

    Zu den Mosuo fand ich:

    http://matriarchat.info/asien/wie-wird-eine-frau-zur-matriarchin.html
    http://matriarchat.info/asien/frauen-in-china.html
    http://images.zeit.de/text/1998/40/199840.mosuo_.xml

    ebenfalls aus dem wikipedia-artikel, in den ich reingeschaut habe, weil mir beim guhgeln der erste titel, nämlich „land der töchter“ bekannt vorkam (und wenn ich jetzt zwischen meinen regalen rumkriechen würde, dann würde ich genau dies buch wohl finden…)
    http://www.lugu-lake.com/en/english.htm
    http://www.mosuoproject.org/main.html
    http://www.bbc.co.uk/worldservice/specials/1741_world_stories/page5.shtml
    und das interview mit Coler, das ich so ähnlich auch letzten in der taz gelesen habe:
    http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,627103,00.html

    außerdem noch an ein- und weiterführendem zu
    Film
    Die Moso – Freie Frauen im Himalaja, Frankreich 2000, Regie: Cris Campion, Elisabeth Soulia, ARTE-TV
    China – Die Töchter der Göttin, Bei den Moso in China, Film von Petra Spamer-Riether (aus der ARD-Reihe “Länder-Menschen-Abenteuer”) [4], [5]
    Und zu Literatur [
    Yang Erche Namu, Christine Mathieu: Das Land der Töchter. Eine Kindheit bei den Moso, wo die Welt den Frauen gehört. Ullstein, Berlin 2005, ISBN 3-548-25959-6. (aus dem Engl. von Barbara Röhl)
    Heide Göttner-Abendroth: Matriarchat in Südchina. Eine Forschungsreise zu den Mosuo. Kohlhammer, Stuttgart 1998, ISBN 3-17-014006-X.
    Susanne Knödel: Männer? Nur für die Nacht! Bei den Mosuo im Südwesten Chinas haben die Frauen das Sagen. In: Gisela Völger (Hrsg.): Sie und Er. Frauenmacht und Männerherrschaft im Kulturvergleich. Rautenstrauch-Joest-Museum, Köln 1997, ISBN 3-923158-33-5. (Online-Kurzversion)
    Susanne Knödel: Die matrilinearen Mosuo von Yongning. Eine quellenkritische Auswertung moderner chinesischer Ethnographien. LIT Verlag, Münster 1995, ISBN 3-89473-805-7.
    Iris Bubenik-Bauer: Die Heimat der Göttin Gemu. Die matriarchalische Welt der Moso. Mythen, Riten und Legenden, Atlantik Verlag, September 2001, ISBN 3-926529-97-0
    In Englisch:
    Christine Mathieu: A History and Anthropological Study of the Ancient Kingdoms of the Sino-Tibetan Borderland – Naxi and Mosuo. Edwin Mellen Press, Lewiston, N.Y. 2003, ISBN 0-7734-6645-2.
    Tami Blumenfield: Na Education in the Face of Modernity. In: Xu Jianchu; Stephen Mikesell (Hrsg.): Landscapes of Diversity:Indigenous Knowledge, Sustainable Livelihoods and Resource Governance in Montane Mainland Southeast Asia. Yunnan Science and Technology Press, Kunming 2003, S. 87–494 (online PDF-Datei, 240 KB)
    Cai Hua: A Society Without Fathers or Husbands: The Na of China. Zone Books, New York 2001, ISBN 1-890951-12-9.

    Ob sich in Göttner-Abendroths letzten buch zu matriarchat und matriarchatstheorien auch zu den Mosuo etwas findet, weiß ich nicht. das buch steht auf meiner ‚to read/to buy’ liste

    Das allerwichtigste ist, denke ich, erst mal, sich von dem gedanken zu verabschieden, matriarchate seien durch und durch konfliktfreie zonen (oder etwas ähnliches)

  21. Rahab, Kanaan sagt:

    Und noch ein link
    http://www.wolfsmutter.com/artikel737

  22. maria sagt:

    ist es denn wirklich ein matriarchat, wenn “männer die wichtigen entscheidungen” treffen, auch wenn es sich dabei nur um autokauf etc handelt? und wenn der bürgermeister männlich ist etc.?
    hört sich übrigens gar nicht nach paradies an, wenn auch dort die (insbesondere reproduktive) arbeit an den frauen hängen bleibt.

  23. Rahab, Kanaan sagt:

    @Steve,the pirate:
    wenn mich meine erinnerung nicht trügt, dann handelt es sich um das folgende buch:
    Yang Erche Namu, Christine Mathieu: Das Land der Töchter. Eine Kindheit bei den Moso, wo die Welt den Frauen gehört. Ullstein, Berlin 2005, (aus dem Engl. von Barbara Röhl)

    der wikipedia-artikel zu Mosuo bietet einige weiterführende links (und hinweise auf filme und literatur), denen zur gewinnung eines komplexeren bildes nachzugehen sich durchaus lohnt.

  24. Steve, the pirate sagt:

    @rahab: Danke für den Buchtitel. Da werde ich in nächster Zeit mal reinschmökern.

  25. Neeva sagt:

    Der Wolfsmutter-Artikel bringt aber schon in den ersten zwei Absätzen alle Mythen, die in Peters Link erwähnt sind.

  26. Lydia sagt:

    Homosexualität gibt es bei den Mosuos natürlich wie überall, sie ist aber verpönt. Und da wären wir bei den Problemen, die Patriarchat wie Matriarchat mit sich führen: Um die fortwährende Unterdrückung eines der Geschlechter (und das ist es auch bei den Mosuos) zu gewährleisten, müssen sich beide Geschlechter in Rollenbilder fügen, zu denen auch die Heterosexualität gehört. Was eigentlich auch klar ist: in diesem Fall hätten Lesben zu wenig Kontakt zu den Männern, um sie zu “bemuttern”, Schwule wiederum wären den Frauen zu unabhängig.

    Für mich verlieren beide Systeme. Solange es nicht ausgewogen ist, quasi ein “Äquivalat”, werden immer irgendwelche Leute zu irgendwas gezwungen, wie hier die Homosexuellen.

  27. Marcel sagt:

    @Lydia: “Für mich verlieren beide Systeme.”

    Eindeutig! Sowohl das Idealisierte als auch das Bekämpfte…

    Am liebsten würde ich sagen: Schluss mit dem Scheiss.

    Aber eben: So einfach isses ja nicht.

  28. Rebi sagt:

    @ Rahab

    Matriarchate zeichnen sich durch Hierarchielosigkeit aus! Sonst wäre es ja ein Patriarchat mit Frauenherrschaft. Das wird in den von Dir verlinkten Seiten explizit und mehrfach erwähnt! Alle haben das Sagen und nicht eine bestimmte Gruppe. Über niemanden wird abfällig gesprochen, niemand stellt sich über andere.

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