… von der Seele schrei(b)en

von Helga
Dieser Text ist Teil 48 von 115 der Serie WWW Girls

In jeder Folge der WWW Girls stellen wir euch eine Bloggerin und ihr Weblog vor. Heute:

BODENSATZ.wordpress.com

Wie heißt du?
Heiße Barbara. Im Blog bin ich der Bodensatz.

Seit wann bloggst du?
Grundlegend schreibe ich schon, seitdem die wilde Pubertät mich ergriffen hat. Hätte ich zu dieser Zeit die Möglichkeit eines Internetzugangs gehabt, wäre meine Ansammlung an Tagebüchern wohl lange nicht so ausufernd. Im Internet veröffentliche ich meine Gedanken seit etwa 2007. Irgendwann reichte es mir einfach nicht mehr aus, alles nur auf Papier zu bannen und in ein Regal zu stellen. Ich wollte, dass es Menschen gibt, die das was ich mir meinem Kopf zusammen bastle, lesen. Meinen jetzigen Blog gibt es seit dem 25. August 2009.

Drei Bloggerinnen mit weißen Laptops auf denen der Venusspiegel prangt, darum der Slogan - Feminists of the WWW: unite

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen?
Vor „bodensatz“, nutzte ich myspace als Sprachrohr. Ich verfasste Artikel, verschickte Bulletins mit wirren Gedankenfetzen und tobte mich so richtig aus. Doch das was ich meinte sagen zu haben, lasen eben nur Menschen, die sich in meinem näheren Umfeld aufhielten. Aber ich hatte das Bedürfnis mehr Leute zu erreichen als meine Top-Freunde-Liste. Ich wollte meine Texte auf eine gewisse Art und Weise testen. Denn man kennt doch dieses Lob von Menschen, die einen mögen. Sicher ist es in den meisten Fällen ernst gemeint, doch ein kleiner Teil in einem flüstert dann doch, dass die das doch einfach sagen „müssen“. Und ja, ein klein wenig geht es um Anerkennung. Außerdem fing ich damit an, weil ich gewisse Dinge nicht für mich behalten kann. Die Schreiberei in meinem Blog ist eine kleine Therapie für mich, die es mir ermöglicht, nicht nur alleine für mich Worte auf den Bildschirm zu hacken, sondern dies in einen dunklen Raum aka „Das Internet“ zu brüllen und vielleicht sogar eine Reaktion zu erhalten. Es ist dieses „mir von der Seele schrei(b)en”. Und ich liebe es einfach zu schreiben. Ich trage diesen Drang in mir, der schon allein dadurch ersichtlich wird, dass ich seltenst ohne Stift und Zettel aus dem Haus gehe.

Worüber schreibst du?
Ich habe keinen ersichtlichen roten Faden der sich durch das Blog zieht. Ich beobachte die Welt, mache Erfahrungen mit Menschen oder auch mit mir und verbalisiere das. Es sind Eindrücke die ich habe. Gedanken, die ich mir zur Welt mache. Oftmals aber auch nur Texte die haltlos in meinem Kopf herumspringen und sich ihren Weg nach draußen suchen. Meistens geht es um die Menschheit. Um Zwischenmenschliches. Darum, dass ich vieles nicht verstehe. Das versuche ich dann für mich selbst klarer zu sehen, indem ich reflektiere, warum gewisse Dinge sind, wie sie sind. Die Beziehung zwischen Mann und Frau, der Umgang miteinander im Allgemeinen oder auch die Erfahrung mit einer bestimmten Person die mich so dermaßen ärgert oder auch erfreut, sodass ich nicht anders kann, als darüber zu schreiben. Zusammengefasst ein kleines Sammelsurium an Fragen, Erklärungen der Welt aus meiner Sicht, Weltverbesserungsversuchen und Klowandsprüchen meines Kopfes.

Was dir ohne Internet nicht passiert wäre:
Was mir ohne Internet nicht passiert wäre… ich hätte keine Chance all das loszuwerden, was ich meine loswerden zu müssen. Aber das Wichtigste und auch Schönste in diesem Zusammenhang ist, dass ich viele einzigartige Menschen kennenlernen durfte. Nicht zwingend durch das Blog sondern besonders durch Twitter. Es sind Menschen, die ich ohne das Internet nie im Leben kennengelernt hätte und an denen ich wahrscheinlich stur vorbeigelaufen wäre, wäre ich ihnen in der Realität begegnet. Doch so hatte ich die Chance auf Menschen zu treffen, wenn auch nur virtuell, die mich unglaublich begeistern. Sei es durch ihre Talente oder einfach durch ihre Art die mich fesselt.

Wovon braucht das Internet mehr?
Ein bisschen mehr Ruhe in sich selbst. Die gewisse Stille zu manchen Themen. Man muss nicht zu allem eine Meinung haben und vielleicht sollte man mehr darauf achten wann es besser ist, eine Schweigeminute einzulegen. Nicht alle Geschehnisse der Welt sollten breit getreten werden. Natürlich soll dies kein Wunsch nach Zensur sein, nach dem Verschweigen von wichtigen Informationen. Jedoch sollte so mancher wieder lernen ein gewisses Feingefühl zu entwickeln. Unter dem Deckmantel der vermeintlichen Anonymität ist es oft sehr leicht sich zu äußern ohne mit direkten Konsequenzen rechnen zu müssen. Und auch ein bisschen mehr Anstand. Das wir nicht alle einer Meinung sein können ist offensichtlich und auch gut so. Doch das viele deswegen im Verbalmülleimer kramen nur um auf Biegen und Brechen ihre Meinung zu untermauern, halte ich für verkehrt.

Frauen im Web sind…
Ehrlich gesagt weiß ich das nicht. Obwohl ich mich in meinem Blog gerne mit dem Thema „Frau“ auseinandersetze, weil ich oft den Drang habe vorherrschende Klischees zu entkräften oder zu erklären, habe ich mir darüber noch keine wirklichen Gedanken gemacht. Ich denke, dass das Internet für Frauen eine große Chance ist, sich globaler auszutauschen. In meinen Augen ein Urinstinkt den die Frau in sich trägt. Der Austausch von Informationen. Und damit meine ich nicht dieses „die besten Kuchenrezepte, wenn man keine Backform zu Hause hat und die Eier auch schon fröhlich vor sich hingammeln“, sondern den Erfahrungsaustausch in allen Bereichen des Lebens. Wenn ich mir Fragen stelle, die mir keiner meiner Bekannten beantworten kann, greife ich auf das Internet zurück und lande dort meist auf Seiten auf denen in Foren Frauen anderen Frauen dieselbe Frage stellen und sich ein Netzwerk aus Informationen und Hilfestellungen aufgebaut haben. Außerdem ist es diese Möglichkeit ein Ventil zu finden für all den Unrat im eigenen Kopf. Eins bei dem man nicht vorgeworfen kriegt, dass man gerade seine Tage hat, wenn es einem schlecht geht, sondern vielleicht sogar Bestätigung findet. Es findet keine Reduktion auf Brüste und Uterus statt.

Deine tägliche Web-Lektüre:
Ich gehöre noch zu den wenigen Menschen die kein Besitzer eines WLAN-Routers sind. Ich behelfe mir mit einer Internetflatrate über das Iphone um in das WWW zu gelangen. Aus diesem Grund muss ich gestehen, dass ich keine Online-Publikation wirklich regelmäßig lese. Ich bin eher ein Crossover-Leser der von Link zu Link hüpft. Durch Twitter bin ich schon einige Male auf interessante Blogs gestoßen, die sich dann auch schnell in meinem Blogroll wieder finden. Gerade aber in Twitter habe ich ein Medium gefunden wo ich neben Unterhaltung eben auch erfahre was das draußen in der Welt passiert. Das gehört so gesehen zu der einzigen wirklich täglichen Web-Lektüre.

Tipps und Bewerbungen für die WWW Girls an post(at)maedchenmannschaft.net.






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2 Kommentare

  1. […] ein Link und tateratataaaaaaaaaaa, hinter dem, steckte meine Blogvorstellung. Die zu finden HIER Ein bisschen stolz bin ich jetzt schon. Vielleicht albern, aber mir egal. Heino […]

  2. Oh ja, die mag ich gerne!