Vertrauen ist gut, Quote ist besser

von Barbara
Dieser Text ist Teil 11 von 13 der Serie Der F-Blick in die Politik

In dieser Kolumne werden die politischen Aktivitäten der Bundesregierung rund um das Reizthema “Frauenpolitik” kritisch betrachtet, das sich zumeist hinter der Familienpolitik verstecken muss.

Schon mal was vom “Corporate Governance Kodex” gehört? Diese Erklärung existiert seit knapp zehn Jahren und ist der neue alte Weg in eine Zukunft voller Chancengleichheit. Der Kodex verlangt nämlich, die in Deutschland geltenden Regeln für Unternehmensleitung und -überwachung transparent zu machen. Damit das Vertrauen in die Unternehmensführung deutscher Gesellschaft gestärkt wird. Damit nationale und internationale Investoren ein gutes Gefühl haben, wenn sie ihr Geld in deutsche Unternehmen stecken. Das Bundesjustizministerium hat diesen Kodex im Februar 2002 verabschiedet und hängt immer noch daran.

Denn nach diesem Vertrauen in die Unternehmen spricht sich Thomas Fischer, der Mann für den Bereich Chancengleichheit im Bundesfamilienministierium, neuerdings aus, so etwa auf einer Veranstaltung des Deutschen Juristinnenbunds. Das heißt aber auch, dass künftig nur mehr der Wunsch nach Vertrauen, nach Offenheit, nach Transparenz, der beruflichen Gleichberechtigung helfen soll. Und keine Quote, die etwa von den Aufsichtsräten deutscher Unternehmen aus die Chancen von oben nach unten ohne Geschlechter-Benachteiligung verteilt. Im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und FDP vom 26. Oktober 2009 war noch von einem “Stufenplan” die Rede, um mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen:

Der Anteil von Frauen in Führungspositionen in der Wirtschaft und im öffentlichen Dienst soll maßgeblich erhöht werden. Dazu wird ein Stufenplan, insbesondere zur Erhöhung des Anteils von Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten vorgelegt. Der Stufenplan setzt in einer ersten Stufe auf verbindliche Berichtspflichten und transparente Selbstverpflichtungen.

Anfang des Jahres hat sich Bundesfamilienministerin Kristina Schröder für Frauen in Führungspositionen ausgesprochen. Doch als bekennende Feminismus-Skeptikerin sprach sie sich früher höchstens ein bisschen, inzwischen aber kein bisschen mehr (auf die Quote als “Ultima Ratio” kann verzichtet werden) für Quoten aus. Sie lässt wohl demnach auch keinen “Stufenplan” entwickeln, zumindest keinen, den sie mit der Öffentlichkeit teilt. Stattdessen erhält sie Zustimmung von ihrem Koalitionspartner FDP, dessen Abgeordneter Marco Buschmann die Quote als “Evergreen der Grünen” und als “unterkomplexes Instrument für komplexe Fragestellungen” bezeichnet. Grün, einfach, nein!

Nicht alle im Bundestag sind dieser Meinung. Bündnis 90/Die Grünen haben einen Gesetzentwurf vorgelegt, der eine gesetzliche Frauenquote in Aufsichtsräten vorsieht. Auch die SPD will eine Quote, 40 Prozent nicht nur für Aufsichtsräte, sondern auch für Vorstände. Das gefällt auch der Linken. Doch die Opposition kann viel wollen, wenn die Regierung nicht will.

Kommen wir also wieder zurück zum Vertrauen, dass via Kodex alles gut machen soll. Kürzlich sagte Klaus Peter Müller, Vorsitzender der “Corporate Governance Kodex”-Kommission, dass wir keine Quoten brauchen:

Die Unternehmen brauchen keine neuen gesetzlichen Vorschriften. Wir haben im Kodex eine klare und sachgerechte Regel für mehr Frauen in Aufsichtsräten beschlossen, die spätestens bei der nächsten großen Welle der Neuwahlen in knapp drei Jahren wirken wird. Schon gar nicht brauchen wir eine starre Quote, die wie ein Rasenmäher wirkt. Ein Bau- oder Chemieunternehmen hat einen anderen Mitarbeitermix als ein Dienstleister. Das muss sich in den Gremien spiegeln.

Welchen Weg also empfiehlt Kristina Schröder einer Frau, die in der Berufswelt erfolgreich sein möchte? Die dieselben Chancen ergreifen können möchte wie ihre Kollegen, natürlich bei gleicher Qualifikation? Vielleicht in einem Chemieunternehmen, wo sonst nur Männer sind?

In dem inzwischen berühmten Spiegel-Interview nennt Schröder eine Quote eine Kapitulation an die Politik. In der Süddeutschen Zeitung sagt sie zu Lisa Ortgies, dass Unternehmen längst erkannt haben, dass sie Frauen an der Spitze brauchen. Deshalb sei eine Quote nicht mehr nötig.

Dass die Quoten-Gegnerin ihre einflussreiche, wichtige Position einer Quote verdankt, ist ihr übrigens bewusst. Aber ist ihr bewusst, dass es ihre eigene Politik ist, die die Menschen dazu bringt, Maßnahmen vom Gesetzgeber zu fordern, die ihr Leben ein bisschen chancengleicher machen? Die aktuelle Politik der Bundesregierung möchte, dass die Wirtschaft versteht und weise handelt. Ohne Druck. Ohne gesetzliche Maßnahmen. Diese Form von Good Will ist so was von gestrig, Kristina Schröder!


Facebook | |

Tags: , ,

Eintrag geschrieben: Mittwoch, 8. Dezember 2010 um 11:17 Uhr unter Der Feminismus ist schuld, Gendertrouble. RSS 2.0. Kommentieren. Trackback.



Anzeige



31 Kommentare

  1. Marie sagt:

    Sie erinnert mich an die “junge” Merkel im Kabinett Kohl !
    Wer ? Unsere Bundesfamilienmiministerin, Frau Schröder.

    Kristina Schröder entwickelt sich zur deutschen Sarah Palin. Von nichts eine Ahnung, aber über alles eine Meinung haben. Erst kürzlich hat unsere Familienministerin beiläufig Simone de Beauvoir und ihre Thesen zur sozialen Konstruktion von Geschlechterrollen als Unsinn abgefertigt.
    Marie

  2. Paolo sagt:

    Was sagt ihr denn zu der Kritik an der Quote, wie sie von vielen vorgetragen wird?

    Ich meine, Schröder entscheidet ja durchaus vor dem Hintergrund solcher Kritik, und ich habe noch nie eine Entkräftung dieser Kritiken gelesen, sondern immer nur, dass die Kritiken, die es gibt, vorgestrig sind, oder so, ich verstehe aber nicht, warum -zumindest in Bezug auf die Kritik, die ich kenne:

    Die Abstinenz von Frauen in Vorständen ist oft eine Folge persönlicher Lebensentscheidungen, die Frauen halt – im Schnitt – anders treffen als Männer und wofür man eben nicht den Zugang von Männern zu Posten einschränken kann.

    Die Quote ist dort, wo sie eingeführt wurde, gescheitert – zum Beispiel heisst es, eine Quote wäre nötig, weil sich erst ab 30 % Frauenanteil die Unternehmens- oder Verbandskultur so ändern würde, dass der Frauenanteil auch ohne Quote stabil wäre. Demgegenüber sagen selbst Grüne aus, dass in ihrer Partei, mit, ich glaube 54 % Frauen in Ämtern, aber nur 30 % Frauen in der Basisarbeit, die Abschaffung der Quote zu einem Wegfall der Frauen führen würde.
    Damit ist eigentlich die Begründung, mit der die Quote eingeführt wurde, hinfällig.

    Eine Quote, dort, wo gewählt wird, schränkt das Wahlrecht der Wählenden ohne Begründung und undemokratisch ein.

    Eine Rasenmäherquote – a la 40 % – reflektiert nicht, dass auf viele Berufe sich eben nicht 60 % Männer und 40 % Frauen bewerben, sondern 90 % Männer und 10 % Frauen, wodurch eine 40-%-Quote zu einer eklatanten Benachteiligung von Männern gegenüber Frauen führt, wenn man das individuell betrachtet ( was wir dank Verfassung in unserer Gesellschaft ja zum Glück müssen ).

    Eine Quote sorgt dafür, dass auf Jahre junge Männer keine Chancen haben, weil erst der Überhang alter Männer abgebaut werden muss.

    Die beiden letzten Punkte wurden erst neulich übrigens in einem Zeitartikel thematisiert und führen zu weiterer Kritik, wie ich sie manchmal lese:

    Die Quote sorgt nicht für eine Angleichung von Männern und Frauen, sondern zu einem Umkippen der Geschlechterverteilung zu Frauen hin – Männer werden aus quotierten Berufen systematisch verdrängt, was unter anderem daran liegt, dass sie erstens irgendwann gemobbt werden – da gibt es eine entsprechende Untersuchung ich glaube der Bundesanstalt für Arbeit, zweitens daran, dass das Gehalt, treten Frauen als Konkurrenten auf, schnell unter ein Mass fällt, welches sich Männer ( die meistens ja noch Familien ernähren ) erlauben können.

    Ist das alles “von gestrig”?

  3. Lucia sagt:

    Die Quotenregelung halte ich auch nicht für eine gute Lösung. Weil sie nur zur Profitsteigerung dienen soll und nicht wirklich der Frau. Nichts anderes sagt nämlich die Studie des Deutschen Juristinnenbundes.

    Zitiere: “Dass Quoten Unternehmen zu mehr wirtschaftlichem Erfolg verhelfen, zeigt das “Experiment Norwegen”: Seit 2006 dort die Quote für Aufsichtsräte eingeführt und 2008 erfüllt wurde, weisen Unternehmen eine höhere Produktivität auf.”

    Mit anderen Worten: Frauen sollen zwar die Karre aus dem Dreck ziehen, aber an der männlichen Dominanz ändert das überhaupt nichts. Und wer meint, es sei ein Schritt vorwärts, der vergisst, dass in keinem Land der EU Gleichstellung wirklich erreicht wurde, obwohl Gleichstellungspolitik in der EU 52 Jahre alt ist. Das bedeutet, dass der Schritt nicht mal ein Schrittchen ist. Wohl mehr ein treten auf der Stelle. Für mich zu wenig, um darin eine positive Veränderung zu sehen.

  4. Paolo sagt:

    @Lucia:

    Was die Profitsteigerung angeht – es gibt auch US-Untersuchungen, die von deutlichen Gewinneinbussen norwegischer Unternehmen reden.

    Ich glaube, was die Wahrheit ist, wird man in so einem ideologisiertem Gebiet wohl schwerlich rausbekommen …

    Übrigens redet man in Norwegen von den “goldenen Röcken” – ein kleiner Verbund von ein paar Dutzend Frauen, die, indem sie sich gegenseitig die Aufsichtsratsposten zuschachern, insgesamt mehrere hundert solcher Posten kontrollieren.

  5. Katrin sagt:

    Lieber Paolo,

    ich habe in meiner Kolumne beim Freitag die Quote auch besprochen, was du hier nachlesen kannst:
    http://maedchenmannschaft.net/ohne-arschtritt-lauft-es-nicht/

    und die Kritik an der Quote auseinandergenommen:
    http://maedchenmannschaft.net/ist-der-arschtritt-denn-legal/

    viel Freude beim Lesen und auch hier: die Diskussion zur Quote hatten wir schon sehr oft, du kannst das gerne nachlesen.

    Viele Grüße
    Katrin

  6. Lucia sagt:

    @Paolo

    ndem sie sich gegenseitig die Aufsichtsratsposten zuschachern

    Nun ja, sie machen eben das nach, was Männern ihnen vormachen. ;)

  7. Paolo sagt:

    Liebe Katrin,

    habe gerade Deinen Artikel vom Freitag ( also den letzten, zur Legalität ) gelesen – super interessant, vielen Dank.

    Ich teile allerdings nicht Deine und Frau Pfaffs Einschätzung, dass individuelle Gleichbehandlung und tatsächliche gesellschaftliche Gleichberechtigung unbedingt widersprüchlich sind.

    Im Gegenteil halte ich es für eine ganz wesentliche und vielleicht sogar die wichtigste Aufgabe von Politik, einer Gesellschaft saubere Auflösungen solcher Verhältnisse aufzuzeigen.

    Mal so ins Blaue gesponnen:

    Man könnte ja z.B. Quoten einführen, die die Bewerberzahlen reflektieren, also, sagen wir mal, bei 20 % Frauen als Bewerberin eine Quote von 20 % Frauen – was die individuelle Gleichbehandlung von Männern und Frauen sichert.

    Und gleichzeitig dem grundgesetzlichen Auftrag, für tatsächliche Gleichberechtigung zu sorgen, dadurch nachkommen, dass die strukturellen Gründe, auf Grund derer Verteilungen in den Berufen sind, wie sie sind, abgebaut werden.

    Die Kritik an den Quoten, die ich oben zusammengefasst habe, geht ja teilweise davon aus, dass die strukturellen Gründe für die Verteilung bleiben, wie sie sind – aber durch Quoten gewaltsam ein Gegengewicht geschaffen wird; was aber nicht zu einem mehr an Gerechtigkeit, sondern nur zu neuen Ungerechtigkeiten führt.

    Ein Beispiel gefällig? Stell’ Dir vor, der Grund für die Abwesenheit von Frauen in Vorständen wäre der, dass sie in einem anderen Bereich ganz tolle Vorteile haben, weswegen Frauen in Massen in diesen Bereich strömen. Natürlich wissen wir alle nicht, wo dieser Bereich denn liegen sollte, gell?

    Dann kann man natürlich Quoten einführen, um sozusagen eine Gleichverteilung zu erzwingen – aber man macht da nicht etwa den Nachteil von Frauen wett, sondern ergänzt nur den Vorteil, den sie in einem Bereich schon haben, durch einen äquivalenten Vorteil in einem anderen Bereich.

    Erreicht also das genaue Gegenteil eines Abbaus von strukturellen Nach- und Vorteilen.

    Im übrigen – dass die Berufsverteilungen nicht auch dem Geschlecht zu verdanken sind, wie die Mehrheit der Sozialwissenschaftler annimmt, als Grundlage zu nehmen, halte ich für etwas gewagt.

    Das postuliert, dass man sozusagen in jedem, also wirklich jedem Beruf eine 50:50-Verteilung anstreben müßte. Kann es das sein?

    Was hälst Du denn so von den anderen Kritikpunkten ( Legalität war ja nur einer ), die oben genannt wurden – z.B. dem junge-Frauen-ersetzen-alte-Männer-Argument?

    Hier kann man ja noch nicht einmal von einem wünschenswerten Effekt der Quote sprechen, oder ? Die Zeit hat dazu übrigens auch Zahlen parat gehabt – das ist kein Hirngespinst.

    So – muss nun wieder etwas tun ;-) …

  8. Paolo sagt:

    @Lucia:

    “Nun ja, sie machen eben das nach, was Männern ihnen vormachen. ;)”

    Na ja, ich glaube, sie würden auch ganz von selber drauf kommen, wie’s geht – aber ich schrieb das nicht, weil ich darauf hinweisen wollte, wie böse die Frauen doch sind, sondern weil von diesem norwegischen Gesetz bemerkenswert wenige etwas haben …

  9. Al sagt:

    Soweit ich weiß, Paolo, gibt es keine saubere Analyse der angeblichen Kausalität “Mehr Frauen -> Mehr Gewinne”. Aber jeden Tag kommen neue Politiker und Wirtschaftsvertreter hinzu, die, wenn sie männlich sind, in einem oftmals unerträglich gönnerhaften, Frauen umschleimenden Ton eine solche Kausalität unterstellen – mit Blick auf eine gewünschte Quotenforderung.

    Dabei wird ja von einer lustigen Voraussetzung ausgegangen: dass Unternehmer im Allgemeinen wirklich sehr dumm sind, weil sie nicht merken, welch große Gewinne ihnen dadurch entgehen, dass sie nicht mehr Frauen einstellen. Und weil sie so dumm sind, müssen sie mit einer Frauenquote zu dieser Einsicht gezwungen werden.

    Wobei ich allerdings immer mehr den Verdacht habe, dass das Credo “Mehr Frauen -> Mehr Gewinne” sich auch einfach aus der Tatsache speisen könnte, dass Frauen bei Gehaltsverhandlungen etc. im Schnitt nicht so hohe Forderungen stellen wie Männer. Frauen sind also offenbar gelegentlich bereit, dieselbe Arbeit für weniger Geld zu tun. Insofern könnte das zutreffen mit dem Mehr an Gewinnen. Aber ob das gemeint ist?!

    Denn das würde ja bedeuten, dass man einen bestimmten Umstand als Argument zur Durchsetzung eines Zieles verwendet und diesen Umstand gleichzeitig bekämpft!

    Ein ganz gutes Argument gegen “Mehr Frauen -> Mehr Gewinne” ist m. E. übrigens auch die wirtschaftliche Entwicklung der alten Bundesrepublik, Stichwort “Wirtschaftswunder”. Bekanntlich war auch damals der Frauenanteil in den Führungsetagen und auch darunter nicht sehr ausgeprägt. Wenn man dann noch die damalige Situation der DDR-Wirtschaft danebenhält, mit viel höherer Frauenerwerbstätigkeit als im Westen, dann fragt man sich schon, was in den Neunziger/Nuller Jahren unternehmensorganisatorisch passiert ist, dass Frauen – im Gegensatz zu Männern – mit einem Mal eine gewinnsteigernde Kraft entfalten, die bis dato so nicht beobachtet wurde (eher sogar das Gegenteil).

    Auch die aktuell sehr gute wirtschaftliche Entwicklung in D scheint sich ursachentechnisch nicht darum zu scheren, dass die gewinnsteigernden Frauenquoten ja noch gar nicht eingeführt sind.

  10. Neeva sagt:

    Und die Wirtschaft der DDR und BRD hat sich natürlich nur in der weiblichen Erwerbsquote unterschieden …
    Ich hoffe, dir ist wenigstens bewusst wie ungeeignet dieses Beispiel ist. Ansonsten empfehle ich nochmal einen Blick ins Schulbuch, was nach 45 so passiert ist.

  11. Lucia sagt:

    @Paolo

    “sondern weil von diesem norwegischen Gesetz bemerkenswert wenige etwas haben”

    Tja, das liegt an der Quotenreglung, verhindern würde das nur die Gleichstellung, wie sie ja im Grundgesetz gefordert wird. Also, liegt es wohl an dem System. Dass es keine Gleichstellung gibt, ist nur ein Symptom.

  12. Stepe sagt:

    @Lucia

    Im Grundgesetz steht nichts von Gleichstellung, nur von Gleichberechtigung.

  13. Lucia sagt:

    @Stepe

    ce n’est pas grave :)

    das ist für mich dasselbe ;)

  14. Al sagt:

    Neeva, die üblichen Befürworter von “Mehr Frauen > Mehr Gewinne” halten sich auch nicht mit sonstigen Einflussfaktoren, mit der Infragestellung der Wirkungsrichtung einer möglichen Kausalbeziehung oder mit evtl. Gegenbeispielen auf.

    Dieses einfache Argumentationsmuster aufgreifend habe ich das Gegensatzpaar BRD-DDR bemüht. Interessant, dass *dann* ganz schnell ein Hinweis auf andere zu berücksichtigende Größen kommt.

    Insofern ist es zutreffend, wenn du sagst: “Ich hoffe, dir ist wenigstens bewusst wie ungeeignet dieses Beispiel ist.” Mir ist aber gleichzeitig auch bewusst, wie ungeeignet die *aktuell* zum angeblichen Beweis einer Quotennotwendigkeit bemühten Beispiele sind. Im einen wie im anderen Fall ist bad reasoning am Werk.

    Wenn also, um deine Sichtweise noch mal aufzugreifen, damals andere Einflussgrößen wie etwa die volkswirtschaftliche Struktur die Gewinnsteigerung qua weibliches Geschlecht überlagert haben, hieße das, dass Frauen diese Wirkung nur in einem kapitalistischen System entfalten (können)? Und wie hat sich dieser Kapitalismus seitdem verändert, dass weltweit bestaunte Gewinnsteigerungen in der damaligen BRD fast ohne Führungsfrauen möglich waren, heute aber angeblich umso möglicher sind, *je mehr* Frauen – anstelle von Männern, logisch – an den Schalthebeln sitzen? Während gerade heute wieder mal weltweit bestaunte Gewinnsteigerungen in D stattfinden, *obwohl* man die weiblichen DAX-Vorstände hierzulande mit der Lupe suchen muss?

    Das einzig Tröstliche an dieser unsäglichen Mit-Frauen-wird-alles-besser-Diskussion für mich als Frau ist, dass es unter den seriös daherkommenden Quotenbefürwortern massenhaft Männer gibt, die in der Sache keinen Deut schärfer nachdenken als viele Frauen. Und dass es unter den sachorientierten Kritikern sowohl Männer als auch Frauen gibt. Dass es auf beiden Seiten natürlich auch schmerzbefreite Schreihälse gibt, braucht nicht extra erwähnt zu werden.

    Manchmal denke ich, die Gleichstellungsdiskussion würde mir besser gefallen, wenn *gar keine* Argumente benutzt würden, also auch keine schlechten. Dann könnte man sich, wie in einer Religionsgemeinschaft, darauf einigen, dass man dasselbe glaubt (sprich: Männer und Frauen sind gleich und wollen daher auch zu gleichen Teilen in DAX-Vorständen vertreten sein), sich an den Händen fassen und irgendwas Schönes singen. Und die Ungläubigen blieben unbehelligt und gingen solange vor die Tür eine rauchen.

  15. Paolo sagt:

    @Al:

    “Wobei ich allerdings immer mehr den Verdacht habe, dass das Credo “Mehr Frauen -> Mehr Gewinne” sich auch einfach aus der Tatsache speisen könnte, dass Frauen bei Gehaltsverhandlungen etc. im Schnitt nicht so hohe Forderungen stellen wie Männer. Frauen sind also offenbar gelegentlich bereit, dieselbe Arbeit für weniger Geld zu tun. Insofern könnte das zutreffen mit dem Mehr an Gewinnen. Aber ob das gemeint ist?!

    Denn das würde ja bedeuten, dass man einen bestimmten Umstand als Argument zur Durchsetzung eines Zieles verwendet und diesen Umstand gleichzeitig bekämpft!”

    Interessanter Gedanke – aber wohl auch nur durch ziemlich genaue Bilanzanalysen als Effekt nachweisbar.
    Und da die Mehrheit eine Bilanzanalyse nicht von der Verlautbarung “schmerzbefreiter Schreihälse” unterscheiden kann, würden solche seriösen Untersuchungen wohl sowieso momentan untergehen.

    “Das einzig Tröstliche an dieser unsäglichen Mit-Frauen-wird-alles-besser-Diskussion für mich als Frau ist, dass es unter den seriös daherkommenden Quotenbefürwortern massenhaft Männer gibt, die in der Sache keinen Deut schärfer nachdenken als viele Frauen.”

    Danke für den Lacher – endlich mal Geschlechterkampf auf die lustige Tour *g*!

  16. Paddy sagt:

    Mehr Frauen in Führungspositionen ? Dafür benötigt man keine Quotenregelung, sondern Geduld.
    Wenn man sich ansieht, wieviele Frauen Abitur machen , die Hosen zuhause an haben, Bundeskanzlerinnen und Opfer von Milliardärinenn-Entführungen werden, dann weiss man eigentlich, dass die Gleichstellung schon ganz weit fortgeschritten ist.
    P.

  17. Thomas sagt:

    Gestern fiel mir noch zufällig ein Bericht aus 03/2010 im Stern zum Thema Quote in die Hände. Am Beispiel Norwegen wurde gezeigt, dass dort die gleichen Anfangskritiken geäußert wurden wie sie hierzulande immer benannt werden (keine geeigneten Kandidatinnen etc.). Als die Quote dann da war, da waren dann plötzlich auch genug Kandidatinnen vorhanden. Etwas zögerliche – weiblich-zurückhaltend erzogene Kandidatinnen – wurden dann mehr oder weniger deutlch ermuntert. So wurde es in o.g. Bericht beschrieben.

    Es funktionierte – auch vor dem Hintergrund, dass die Gleichberechtigung in Skandinavien schon immer eine sehr breite Zustimmung in der Bevölkerung hatte.

    Es änderte sich auch n den Unternehmenskulturen etwas : Gleichzeitig waren dort auch Vereinbarkeitsfragen für Frauen UND Männer oder Themen wie work-lfe-balance auf der Tagesordnung, die nicht mehr unter die Rubrik “Gedöns für nach Feierabend” liefen und somit auch alle Mitarbeiter_innen profitierten.

    Da eine öffentliche Signalwirkung und nunmehr eine “Normalität” gelebt wurde, wirkte sich dies auf die unterschiedlichsten Branchen und auch auf nicht börsennotierten Unternehmen aus.

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,689141,00.html

    “Die Uno hält Norwegen für besonders zivilisiert”

    http://www.zeit.de/karriere/beruf/2009-10/frauen-aufsichtsraete-norwegen

    “So hat Norwegen im Gefolge von Quote, Männern an Wickeltischen, Waschmaschinen und Kochtöpfen sowie dank umfassender staatlicher Kinderbetreuung einen Frauenanteil in Aufsichtsräten von inzwischen 41 Prozent. Im europäischen Durchschnitt sind es nur elf Prozent.”

    Der Corporate Governance Kodex existiert schon seit 2002 und hält m.E. ein paar nette Empfehlungen und gutmeinende Hinweise bereit. Dass die Wirtschaftskrise damit nicht verhindert wurde, ist m.E. ein Indikator für die Wirksamkeit edler “Selbstverpflichtungserklärungen”.

  18. Thomas sagt:

    Gestern fiel mir noch zufällig ein Bericht aus 03/2010 im Stern zum Thema Quote in die Hände. Am Beispiel Norwegen wurde gezeigt, dass dort die gleichen Anfangskritiken geäußert wurden wie sie hierzulande immer benannt werden (keine geeigneten Kandidatinnen etc.). Als die Quote dann da war, da waren dann plötzlich auch genug Kandidatinnen vorhanden. Etwas zögerliche – weiblich-zurückhaltend erzogene Kandidatinnen – wurden dann mehr oder weniger deutlch ermuntert. So wurde es in o.g. Bericht beschrieben.

    Es funktionierte – auch vor dem Hintergrund, dass die Gleichberechtigung in Skandinavien schon immer eine sehr breite Zustimmung in der Bevölkerung hatte.

    Es änderte sich auch n den Unternehmenskulturen etwas : Gleichzeitig waren dort auch Vereinbarkeitsfragen für Frauen UND Männer oder Themen wie work-lfe-balance auf der Tagesordnung, die nicht mehr unter die Rubrik “Gedöns für nach Feierabend” liefen und somit auch alle Mitarbeiter_innen profitierten.

    Da eine öffentliche Signalwirkung und nunmehr eine “Normalität” gelebt wurde, wirkte sich dies auf die unterschiedlichsten Branchen und auch auf nicht börsennotierten Unternehmen aus.

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,689141,00.html

    “Die Uno hält Norwegen für besonders zivilisiert”

    http://www.zeit.de/karriere/beruf/2009-10/frauen-aufsichtsraete-norw egen

    “So hat Norwegen im Gefolge von Quote, Männern an Wickeltischen, Waschmaschinen und Kochtöpfen sowie dank umfassender staatlicher Kinderbetreuung einen Frauenanteil in Aufsichtsräten von inzwischen 41 Prozent. Im europäischen Durchschnitt sind es nur elf Prozent.”

    Der Corporate Governance Kodex existiert schon seit 2002 und hält m.E. ein paar nette Empfehlungen und gutmeinende Hinweise bereit. Dass die Wirtschaftskrise damit nicht verhindert wurde, ist m.E. ein Indikator für die Wirksamkeit edler “Selbstverpflichtungserklärungen”.

  19. Paolo sagt:

    “Gleichzeitig waren dort auch Vereinbarkeitsfragen für Frauen UND Männer oder Themen wie work-lfe-balance auf der Tagesordnung, die nicht mehr unter die Rubrik “Gedöns für nach Feierabend” liefen und somit auch alle Mitarbeiter_innen profitierten.”

    Sorry, Thomas, aber ich halte die Behauptung solcher Effekte für Ausdruck von Wunschdenken, wenn nicht sogar für einen beabsichtigten Fake – warum?

    Weil Vereinbarkeitsfragen in Norwegen schon immer Männer UND Frauen betreffen, die haben nämlich ein ganz anderes Familienrecht als wir, auch eine ganz andere Kultur der Kinderbetreuung.

    In Norwegen blieben nämlich, auch schon vor der Quote, gar nicht die Frauen zu Hause und versorgten die Kinder, weil es “keine Kinderbetreuung” gibt ;-).
    Konfrontiere mal eine Frau hier in Deutschland mit den norwegischen Verhältnissen: Kein Unterhalt für Unverheiratete, sonst maximal ein Jahr, Unterhalt für die Kinder zahlen beide, Kinderbetreuung wird auch durch den Vater geleistet ( Alleinerziehende in unserem Sinn gibt es dort gar nicht ).

    Im übrigen – so verführerisch es ist, das eigene Wunschdenken auf die ganz andere norwegische Gesellschaft zu projezieren: Diese Effekte erreicht man wohl weniger durch eine Quote ( Frauen sind weder sozialer noch weniger an die kapitalistische Wirtschaft gebunden ), als durch eine Politik, die generell auf die politische Verantwortlichkeit von Unternehmern setzt.

    In Norwegen, auch Schweden, ist z.B. der zweite Dienst üblich – da stellen halt gestandene Unternehmer etc. für oft lausiges Gehalt ihr Wissen für ein paar Jahre dem Staat zur Verfügung; nichts, was es hier gäbe … und das Väter sagten, hey, ich muss wg. des Kinds nach Hause, das war dort schon lange vor der Quote üblich !

  20. Al sagt:

    Paolo, so dermaßen genaue Bilanzanalysen sind, glaube ich, nicht erforderlich, um zu zeigen, dass das hier…

    “McKinsey hat errechnet, dass Firmen 48 Prozent mehr Gewinn machen mit mehr Frauen.” (Lisa Ortgies letztens im SZ-Gespräch zu Madame Schröder).

    …*nicht* darauf zurückführbar sein kann, dass Frauen manchmal ihr Gehalt ein bisschen bescheidener verhandeln. (Mehr) Ausbeutung von Frauen allein kann es also nicht sein, was Frau Ortgies hier anpreist. ;)

    Als Bewerberin um eine Führungsposition würde ich übrigens mit diesen Sachen argumentieren (ein Versuch wär’s wert; sollte der Personalchef sich mit Korrelationsstatistik auskennen und Zweifel anmelden, könnte man ja immer noch sagen April, April!), also darauf hinweisen, dass das Unternehmen soundsoviel Prozent mehr Gewinn macht, wenn es mich anstelle eines Mannes einstellt.

  21. Paolo sagt:

    Al,

    “Als Bewerberin um eine Führungsposition würde ich übrigens mit diesen Sachen argumentieren [...] also darauf hinweisen, dass das Unternehmen soundsoviel Prozent mehr Gewinn macht, wenn es mich anstelle eines Mannes einstellt.”

    my God, achtundvierzig Prozent. Da würde ich mich auch als Diversitätsjoke(r) einbringen.

    @Alle:

    Gibt es eigentlich zu der Liste von Quotenkritiken, die ich oben zusammengestellt habe, noch Anmerkungen?

    Kann ich irgendwo Widerlegungen der einzelnen Punkte nachlesen?

    Nochmal danke, Katrin, für Deinen Link, auch wenn ich Deiner Meinung, im Interesse des höheren Ganzen dürften die Rechte Einzelner ruhig mal …. zurücktreten, so nicht zustimmen kann.

    Liebe Barbara,
    hast Du als Verfasserin des Artikels Dich mal mit der Kritik an Quoten auseinandergesetzt?
    was meintest Du denn eigentlich,

  22. Paolo sagt:

    “was meintest Du denn eigentlich,” => sorry, der Textschnipsel war ein copy-paste-Fehler …

  23. Al sagt:

    Was Ortgies oben sagt, klingt im aktuellen ZEIT-Dossier von Stephan Lebert über und mit Alice Schwarzer so: “Die Ökonomie sei auf der Seite der Frauen, Studien belegten, dass Unternehmen, in den Frauen Führungspositionen innehätten, besonders erfolgreich seien, ‘aber ganz klar: Patriarchat schlägt Kapitalismus. Lieber verdienen die Jungs ein bisschen weniger Geld, als dass sie Frauen an die Macht lassen.’ ”

    Eat this, männliche Geringverdiener in frauenfreien DAX-Vorständen!

    Wenn irgendetwas gleichgestellt, besser: gleichgeschaltet ist in den prominentesten Köpfen rund um die deutsche Geschlechterdebatte, dann ist es das von McKinsey in die Welt gesetzte Glaubensbekenntnis der beschriebenen Art.

  24. Thomas sagt:

    @Paolo :

    “Sorry, Thomas, aber ich halte die Behauptung solcher Effekte für Ausdruck von Wunschdenken, wenn nicht sogar für einen beabsichtigten Fake…”

    So beschrieb es der STERN mit seinem Beitrag 03/2010. Sorry, aber an diesem Punkt beginnen für mich Feststellungen, deren Quelle ich zu kennen glaube, ab der ich jedoch keine Grundlage für eine sachliche und zielführende Diskussion mehr sehe.

    “…, die haben nämlich ein ganz anderes Familienrecht als wir, auch eine ganz andere Kultur der Kinderbetreuung.”

    Familienrecht ist ein anderes Feld, die andere “Kultur” ist ein weiterer Grund mehr FÜR die Quote, um wie oben beschrieben diesen Kulturwandel für die Menschen zu ermöglichen, die ihn wünschen.

    In der Empirie wurde dies ber. bestätigt :

    http://vaeter-und-karriere.de/blog/index.php/2010/10/01/auch-vater-profitieren-von-der-quote/

    http://www.wdr.de/tv/frautv/sendungsbeitraege/2010/1209/thema_2.jsp

    “In der öffentlichen Wahrnehmung handelt es sich bei den „nicht erwerbstätigen Frauen“, ja um solche, die sich bewusst dafür entschieden haben, zu Hause zu bleiben, zum Beispiel der Kinder wegen.

    Tatsache ist aber, dass der überwiegende Teil dieser Frauen, egal welchen Alters und Bildungsstandes, eigentlich irgendwann gern wieder anfangen wollte zu arbeiten, aber den Wiedereinstieg aus vielerlei Gründen nicht geschafft hat. Meist fängt es harmlos mit der Babypause an. Doch in einem Land, in dem es jahrzehntelang als stiefmütterlich galt, Kinder unter drei in die außerhäusliche Betreuung zu geben – und abgesehen davon unmöglich war, weil es kaum Einrichtungen gab – wächst sich die Babypause für viele Frauen zur lebenslangen beruflichen Pause aus.”

    Die Väterseite sieht so aus, wie ich es vor Jahren beim Väteraufbruch als männliches Analogon las : Die Familienfalle hat zugeschnappt.

    Folge : Unzufriedenheit bei immer mehr Frauen und Männern. Jede/r wird wieder rollenfixiert, obwohl anderes gewollt war.

  25. Thomas sagt:

    Hier wurden bereits empirisch belegte Feststellungen andiskutiert, auch die Tatsache, dass in skandinavischen Ländern auch andere Sachverhalte bereits Normalität sind und niemand dabei seine Geschlechtsidentität in Frage gestellt sieht.

    http://maedchenmannschaft.net/die-quote/#comment-31349

    Es steckt bei uns jedoch in der Pipeline.

  26. Oaolo sagt:

    Ups – liebe Mitarbeiterinnen von der maedchenmannschaft, leider sind zwei Beiträge von mir verschwunden. Vielleicht könntet ihr die wieder einstellen?

    Falls nicht, hier noch eine kurze Zusammenfassung:

    @Thomas:

    Das Familienrecht halte ich dagegen für entscheidend – was eigentlich auch nicht verwundert, wenn man sich klarmacht, dass norwegische Frauen auf ein paar hundert bis mehrere tausend Euro, je nach Einzelfall, Umverteilung im Vergleich zu deutschen Frauen verzichten müssen.

    Während es nicht stimmt – wie Du oben schreibst – dass der Bedarf an Frauen für Aufsichtsräte nach der Quote aus dem vorhandenen Pool gedeckt werden konnte ( in Wirklichkeit hat der Staat durch Weiterbildungsmaßnahmen, die nur Frauen offenstanden, massiv in den Wettbewerb eingegriffen ), ist es in Norwegen doch so, dass auf Grund der fehlenden Umverteilung sehr viel mehr Frauen einkommens- und karriereorientiert lernen/studieren. Was man von den deutschen Frauen, die sich oft noch nicht einmal darum scheren, ob ihr Beruf sie selber ernähren kann, nicht so unbedingt sagen kann.

    Und des weiteren: Die gleiche finanzielle Verpflichtung für Männer und Frauen in Bezug auf Familie bedeutet eben auch, dass norwegische Frauen Männer nicht systematisch unterbieten können, anders als hier in Deutschland, wo ein Beruf sich in der Regel von der allgemeinen Einkommensentwicklung abkoppelt, sobald mehr Frauen in ihm auftauchen und den Preis drücken.

    Insofern – norwegische Verhältnisse, gerne. Aber ich wäre doch sehr dafür, dass erstmal die norwegischen Verhältnisse eingeführt, werden, die ganz unabhängig von und schon lange vor der Quote für 90 % der Gleichberechtigung in Norwegen sorgten, statt dass man sich auf die 10 % konzentriert, die erstens die 90 % zur Voraussetzung haben und zweitens eigentlich nicht viel mehr leisten, als zusätzlich zu den old-boys-Netzwerken noch ein paar old-girls-Netzwerke zu installieren.

    Übrigens wundert es mich, wieso der typische Quotenbefürworter so unwillig ist, zum Beispiel an den Bewerberzahlen orientierte Quoten für Männer und Frauen zu diskutieren, oder etwa – ein gerade laufender Versuch der Bundesregierung – anonyme Bewerbungen, die nicht nur die Mann/Frau-Dimension entfernen.

    Und das, obwohl man mit solchen Verfahren alles positive starrer Quoten erreichen kann, ohne ihre Nachteile, die ich oben zusammengefasst habe, zu bekommen.

  27. Paolo sagt:

    Sorry, hab’ mich vertippt – obiger Beitrag ist von Pa…, nicht Oa… ;-) !

  28. Thomas sagt:

    “Insofern – norwegische Verhältnisse, gerne.”

    Das sehe ich genauso. Ich hatte vor vielen Jahren auf Geschäftsreisen mehrere norwegische Firmen besucht. Mein Eindruck war, dass dort ein etwas anderes Arbeitsklima als hierzulande gepflegt wird.

    Und dass z.B. Ärztinnen und Ärzte, die hierzulande in Krankenhäusern als “Kostenfaktor” behandelt extrem belastende Arbeitsbedingungen vorfinden, dagegen in skandinavischen Ländern den roten Teppich ausgerollt bekommen und dort zufrieden und gut leben, spricht ebenfalls für eine andere Kultur im Umgang miteinander.

  29. Bern sagt:

    @Thomas

    “Und dass z.B. Ärztinnen und Ärzte, die hierzulande in Krankenhäusern als “Kostenfaktor” behandelt extrem belastende Arbeitsbedingungen vorfinden, dagegen in skandinavischen Ländern den roten Teppich ausgerollt bekommen und dort zufrieden und gut leben”

    Ich will keine Ärzte Diskussion anzetteln, aber niedergelassene Ärzte verdienen in Deutschland, trotz viel Gejammere, im Schnitt 100.000 Euro jährlich. Und damit mehr als das doppelte des durchschnittlichen Verdiensts eines durchschnittlichen Deutschen. Wenn man bedenkt das die durchschnittlichen Kosten eines Medizinstudiums von 500.000 Euro vom den Steuerzahlern nahezu komplett getragen werden ist das ein sehr sehr hoher Lohn.

    Im übrigen warten Patienten mit der Diagnose “Krebs”beispielsweise in Schweden zum Teil 3 Monate und mehr auf eine dringend notwendige OP. Das ist die Kehrseite des “Skandinavian Way of Life” der in den deutschen Medien praktisch gar nicht thematisiert wird.

    Wer es sich leisten kann lässt sich daher bei akuten lebensbedrohlichen Diagnosen in Deutschland und anderen Ländern operieren.

  30. Paolo sagt:

    Auch keine Ärztediskussion, aber etwas Hintergrund – die deutschen Löhne und Arbeitszeiten sind im europäischen Vergleich wohl durchaus konkurrenzfähig:

    http://www.ecqmed.de/frames/karriere/987.pdf

  31. Thomas sagt:

    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1215822/auslandsjournal-XXL-vom-15.-Dez.-2010#/beitrag/video/1215822/auslandsjournal-XXL-vom-15.-Dez.-2010

    Hier ist ein interessanter Beitrag vom 15.12. im Auslandsjournal nochmal anzusehen. Es wurde zwar etwas die Reizsätze wie “Frauen können besser” und “Männer sind risikobereiter” strapaziert genauso wie eine kritische Auseinandersetzung einer französischen Headhunterin mit der Schwierigkeit, weibliche Kandidatinnen zu finden u.a.

    Inhaltlich interessanter fand ich die Publikation des Diversity-Erfolgsgedankens, die McKinsey-Studie, auch wenn Geschlechtsunterschiede m.E. sehr hormonfixiert begründet wurden. Ich denke, in einem Mainstream-Medium sind zu wissenschaftlich-hintergründige Argumentationsketten schwere Kost, also werden die Inhalte erfahrungsgemäß etwas veroberflächend aufbereitet. Dem Diversity-Gedanken liegt im eigentlichen Sinne auch die Geschlechterdifferenzphilosopie zugrunde :

    http://streit-wert.boellblog.org/kai-gehring/comment-page-1/#comment-15

    “Der Diversity-Ansatz, den auch im deutschsprachigen Raum inzwischen die großen Unternehmen statt einer gesonderten Gleichstellungspolitik betreiben, geht von dieser Differenz-Philosophie aus. …”

    Noch wesentlicher fand ich die Herausarbeitung der Vorteile, z.B. den Beitrag “Mäner sind die Gewinner der Emanzipation”, wobei das Beispiel Norwegen wieder angeführt wurde.

    Die Quote wurde als flankierendes Instrument seit 2008 als Erfolg wahrgenommen, von der Alle profitieren.

    Als markanten Schluß möchte ich eine Aussage im Gespräch mit Fr. Dr. Holst nachwirken lassen :

    »Die zentrale Herausforderung ist doch, frauen-, männer-, familien- und gesundheitsfördernde Organisationen zu schaffen.«

Kommentar schreiben

Wir achten in diesem Weblog auf einen vernünftigen Umgangston. Du bist dir unsicher, welche Regeln fürs Kommentieren gelten? Dann lies unsere Netiquette. Mit deinem Kommentar willigst du in die Speicherung deiner Mail- und IP-Adresse ein. Diese verwenden wir für keinerlei Marketingzwecke und geben sie nicht an Dritte weiter.

Du kannst deinen Kommentar mit HTML aufhübschen.
Zitieren kannst du per blockquote-Befehl.