Update: Deutsche Bahn findet es „völlig normal“, Abtreibungsgegner_innen billiger zu transportieren

von Magda

Heute morgen fragte ich die Deutsche Bahn öffentlich: Ey Deutsche Bahn, wieso unterstützt ihr extreme Abtreibungsgegner_innen? Nachdem sich auf Twitter, Facebook und per E-Mail wohl so viele Leute beschwert haben (Danke!!), dass die Deutsche Bahn es nicht mehr länger ignorieren konnte, wurde heute Nachmittag folgendes Statement veröffentlicht:

Wie jährlich bei vielen hundert Großveranstaltungen in Deutschland hat die Deutsche Bahn auch ein Veranstaltungsticket in Verbindung mit der Großveranstaltung „Marsch für das Leben“ aufgelegt. Das ist ein völlig normales Angebot, denn die DB gibt damit in keiner Weise eine inhaltliche Stellungnahme oder Wertung zu den Zielen der Veranstaltungen ab und tritt auch weder als Sponsor noch als Unterstützer dieser Aktion auf. Für Veranstaltungen, bei denen die freiheitlich-demokratische Grundordnung in Frage gestellt wird (etwa Aktionen von rechtsextremen Parteien), bieten wir selbstverständlich kein Ticket an.

Ich halte also fest: Christlich-fundamentalistische Abtreibungsgegner_innen zu unterstützen, ist für die Deutsche Bahn „ein völlig normales Angebot“. Völlig egal also, dass bei diesen Demonstrationen einschlägig bekannte Rechtsextreme und Nazis mitlaufen. Egal anscheinend auch, dass diese Leute Selbstbestimmungs- und Abtreibungsrechte massiv bekämpfen. Und das alles sponsored by Deutsche Bahn. Denn: Es ist sehr wohl eine Unterstützung seitens der Deutschen Bahn, wenn sie den selbsternannten „Lebens­schützern“ Tickets zu einem bestimmten Preis zur Verfügung stellen. Ich wüsste nicht, wie ein Unternehmen einer Veranstaltung erst verbilligte Tickets gewährt und dann behauptet, sie unterstütze die Veranstaltung nicht.

Beschweren kann mensch sich also immer noch über E-Mail (veranstaltungen@deutschebahn.com), Twitter (@DB_Bahn), facebook oder anrufen (01805 311 153 – kostenpflichtig!).




Tags: , , ,

Eintrag geschrieben: Donnerstag, 21. Juni 2012 um 21:13 Uhr unter Gewalt, Religion. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



Anzeige



15 Kommentare

  1. Luna sagt:

    Hauptsache, es bringt Kohle, ne?

  2. Mrsnextmatch sagt:

    Nun ja, die Bahn bleibt ihrer Tradition da ganz treu. Tragischerweise. Dass die sich nicht schämen. Bräuchten alle 1x Geschichtenachsitzen.

  3. dieTilde sagt:

    Guten Abend, die Mitarbeiter des Servicekanal des Personenverkehrs auf der Seite DB Bahn haben bereits dazu Stellung bezogen. Ich zitiere:

    „Hallo, bei dem Ticket handelt es sich um ein Aktionsangebot, wie es für viele Veranstaltungen…“

    Nerv.

  4. Elaria sagt:

    Unmöglich wie die sich aus der Verantwortung ziehen wollen. Ich sehe die freiheitliche demokratische Grundordnung durchaus durch den Marsch bedroht! Die Bewertungskriterien würde ich gern sehen! Habe meinen Brief an die Bahn auch mal veröffentlicht. http://lippyanswer.blogspot.de/

  5. Mens sagt:

    Peinlich. Einfach nur peinlich. Ich kann ja das Argument nachvollziehen, dass sie jedem Veranstaltungstickets anbieten, aber sich hinzustellen und zu sagen, sie wären keine Unterstützer, obwohl auf der Seite des Marsch fürs Leben steht „in Kooperation mit der Deutschen Bahn“. Das find ich an der ganzen Chose peinlich. Dann sollen sie halt dazu stehen oder von vornherein bei politisch motivierten Veranstaltungen die Finger lassen.

    (Gab eben kleines Problem, hoffe, gibt keinen Doppelpost. Falls doch, sorry!)

  6. miri sagt:

    So, wie diese Abtreibungsgegner das auf ihrer Seite darstellen, muss die Bahn protestieren. Das geht so überhaupt nicht. Beschwert euch! Tut was!

  7. Sylvia sagt:

    Also ich finde ja, die Bahn sollte nur noch Menschen transportieren, die politisch nicht anstößlich sind, jede Gruppe muss deswegen vorher einen Unbedenklichkeitstest bestehen!

    Mal im Ernst: Wollen wir wirklich in einem Land leben in dem Grupenangebote für einen Infrastrukturdienst (öfftl. Langstreckenfahrten) nach politischer/religiöser Meinung vergeben werden? Vielleicht sollten Nazis auch mehr für Strom bezahlen, Anarchisten mehr für’s Abwasser und die Extrem-Zionisten mehr für’s Internet?

  8. accalmie sagt:

    Wollen wir wirklich in einem Land leben in dem Grupenangebote für einen Infrastrukturdienst (öfftl. Langstreckenfahrten) nach politischer/religiöser Meinung vergeben werden? Vielleicht sollten Nazis auch mehr für Strom bezahlen, Anarchisten mehr für’s Abwasser und die Extrem-Zionisten mehr für’s Internet?

    Ich fände es auch sehr bedenklich, wenn man fordern würde, Grundrechte wie die Nutzung allgemeiner Infrastruktur für gewisse Menschen einzuschränken – ich glaube aber nicht, dass es hier darum geht.

    Die Bahn vergibt, wie sie selbst schrieb, keinen Gruppenrabatt für NPD-Veranstaltungen, zum Beispiel, da sie (zu Recht) niemanden finanziell und organisatorisch unterstützen möchte, der_die sich zugleich gegen die Grundrechte von bestimmten Menschen einsetzt.

    Das konkrete Problem an der Kooperation von Bahn und den „Lebensrechtler_innen“ (was ja ein ganz widerlicher Euphemismus ist, denn um Leben geht es den Leuten da nun wirklich nicht) ist aber, dass diese Gruppe zum einen auch Nazis als implizite Bündnispartner_innen akzeptiert (oder zumindest ignoriert), und sich für die Abschaffung von Grundrechten anderer einsetzt (z.B. dem Recht auf körperliche Selbstbestimmung von Frauen*).

    Ich finde ganz und gar nicht, dass man irgendeine Art von Mobilität oder Rechtsschutz oder Meinungsfreiheit für gewisse Leute einschränken sollte – Grundrechte gelten theoretisch für alle (theoretisch, weil diejenigen, die sich hier jetzt am lautesten über ihre vermeintlichen Grundrechtsverletzungen beschweren, meist die sind, die zugleich die Grundreche anderer, nichtprivilegierter Menschen als weniger wichtig erachten). Aber die aktive Kooperation mit eben jenen Menschen, die sich für die Einschränkung oder gar Abschaffung der Grundrechte anderer mit Hinweis auf eben jene Grundrechte einsetzen, zu verteidigen, halte ich für ebenso fehl am Platz; und aktive Diskriminierung, Beleidigung und Diffamierung von Menschen, wie von den „Lebensrechtler_innen“ gefordert und vorgenommen, fällt nicht unter immer unter „Meinungsfreiheit“, und sollte schon gar nicht nicht-kritikfähig sein.

    Sollen die selbsterklärten Lebensrechtler_innen doch mit der Bahn zu jeglichen Veranstaltungen fahren – das Recht spricht ihnen niemand ab. Es spricht auch niemand der Bahn das Recht ab, Gruppenrabatte nach eigenem Gusto zu vergeben – allerdings heißt das nicht, dass man die Bahn nicht für ihre Entscheidung kritisieren kann, private Veranstaltungen organisatorisch und finanziell zu unterstützen, die explizit dafür stattfinden, die Einschränkung der Grundrechte anderer Menschen zu bewerben. Nicht zuletzt widerspricht die Bahn mit der Unterstützung dieser Veranstaltung ihrem eigenen Grundsatz, keine rechtsextremen Veranstaltungen unterstützen zu wollen.

  9. alex sagt:

    „freiheitlich-demokratische Grundordnung“…

    problem: die freiheitlich-demokratische grundordnung gilt nicht für eine, wenn sie einen voll funktionsfähigen frauenkörper hat.
    218.

  10. Zweisatz sagt:

    Original geschrieben von accalmie

    Sollen die selbsterklärten Lebensrechtler_innen doch mit der Bahn zu jeglichen Veranstaltungen fahren – das Recht spricht ihnen niemand ab. Es spricht auch niemand der Bahn das Recht ab, Gruppenrabatte nach eigenem Gusto zu vergeben

    Exakt. Es wird nicht einmal gefordert, dass die Bahn eine „Verfassungsfeindicus müssen draußen bleiben“-Regelung umsetzt, es wird nur gefordert, dass sie die Protestierenden nicht auch noch vergünstigt fahren lässt. Man kann sie nicht davon abhalten, die Vergünstigung anzubieten, aber kritisieren kann man das sehr wohl.

  11. accalmie sagt:

    @Zweisatz: danke – den wichtigstens punkt hab ich natürlich vergessen zu erwähnen (d’oh…): den rabatt :)!
    @Magda: auch nochmal sorry, dass ich quasi nur teile dessen wiederholt habe, was du bereits in beiden posts geschrieben hast (*hüstel*)- ich wollte sylvias einwand nur nicht so stehen lassen.

  12. Reineke sagt:

    Da es doch wie erwähnt und dankenswerterweise zu diesen abstrusen „Lebensmärschen“ auch Gegenveranstaltungen gibt, zu denen Menschen anreisen wollen/müssen, sollte die Bahn aufgefordert werden, hier zukünftig ein Gemeinschaftsangebot für Abtreibungsgegner und Bewürfworter des Selbstbestimmungsrechts einzuführen. Da die Bahn ja eh völlig unpolitisch ist (^^) kann denen doch egal sein, welche Seite sie transportieren…

  13. Magda sagt:

    @ Reineke

    Zu dieser Idee hatte ich im Selbermachsonntag schon was geschrieben.

  14. […] …is it perfectly acceptable that employees of one of this country’s biggest companies and providers of basic infrastructure, Deutsche Bahn (german rail company), single out Black customers for racist remarks, and the company defends recurring racist harassment by aggressively ignoring the racism in obvious statements, denying it, and telling people that “white Africans” would have also been told that “trains in Africa move slower”, apparently. Sure, that happens to white people all the time – being told “You are [insert random adjective], and that’s because [something they have seen in a film about something about Africa].” I suppose Deutsche Bahn is too busy making deals with misogynists, right-wing extremists and Christian fundamentalists to think… […]