Unsichtbar ohne -in?

von Barbara

Immer wieder schwierig: Ein Wettlauf mit dem Bruder; die Schwester ist schneller - und möchte siegeslustig über die Ziellinie rennen und “Erster!” rufen. Oder doch: “Erste!” Ein Junge, ein Mädchen. Das generische Maskulinum, das die männliche Form wählt und Frauen auch meinen kann, wäre für “Erster”. Das generische Femininum, das den kleinen Sexismus des Deutschen einfach umkehrt, wäre für “Erste”. Tja, und das Mädchen? Rennt einfach langsamer, um dem Bruder die Entscheidung, das Richtige zu sagen, zu überlassen.

Das Problem mit dem Deutschen “als Männersprache” beschäftigt auch viele Linguistinnen und Linguisten. Einige sind neuerdings der Meinung, es wäre besser, das femininisierende Suffix “-in” bitte wieder aus der Sprache herauszulassen. Die Begründung? Focus bringt den Psycholinguisten Wolfgang Klein an, der meint, mit der Nennung von beiden Geschlechtern, also “Erste / Erster”, würden die beiden nur noch mehr separiert werden, Gegensätze geschärft statt geglättet. “Früher wäre es mir nicht im Traum eingefallen, Frauen nicht einzubeziehen”, wird Klein zitiert. Durch die explizite Ausschreibung von Frauen und Männern, etwa in Stellenanzeigen, würde ihm jetzt erst bewusst, dass in einem Gespräch über “Politiker” Frauen ausgeschlossen wären.

Hey, Linguistik-Professorinnen und Linguistik-Professoren! Wir möchten sprachlich erkennbar sein. Denn dazu gibt uns die deutsche Sprache, im Gegensatz etwa zum Englischen, die Möglichkeit - hier können die Geschlechter benannt werden. Keinesfalls wollen wir wieder in Vergessenheit geraten, unsichtbar bleiben, weil niemand uns hinter einer “männlichen” Bezeichnung vermutet.

Und das Mädchen, das schnell laufen kann? Soll “Erste!”rufen. Und sich von ihrem Bruder zum Eis einladen lassen.

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Ein Kommentar zu “Unsichtbar ohne -in?”

  1. Laura schreibt:

    Ich weiß von einer mir bekannten Wissenschafterin (Kowi), dass eine ihrer Studentinnen ein Experiment durchgeführt hat für die Magarbeit: Derselbe Text wurde der einen Gruppe in generischem Maskulinum präsentiert, der andere Gruppe in geschlechtergerechter Fassung. Ergebnis: Bei Lesern zeigt sich kein Unterschied, bei Leserinnen aber schon - sie merken sich vom Text mehr, wenn er sprachlich gerecht verfasst ist und sie nicht nur mitgemeint sind, sondern eben wirklich angesprochen.

    Muss mich mal erkundigen, wie die Verfasserin der Arbeit heisst und wie die Arbeit selbst.

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