Überraschung! Doppelstandards bei Nacktfotos.

von Helga

Wie oft haben wir das schon gehört? „ So eine Schlampe, dass sie nackte Bilder von sich machen liess“, wenn irgendein Teenager Nacktfotos seiner Ex veröffentlicht hat. Vor fast genau einem Jahr beging eine 13-Jährige wegen der folgenden Belästigung Selbstmord, sie war nicht die erste. Damals gab es jede Menge Tips für Eltern, wie sie ihren Kindern das sogenannte Sexting ausreden sollten, also das Aufnehmen und Verschicken von sexy Bildern via Mobiltelefon. Immer wieder kam der Hinweis an junge Mädchen, solche Fotos erst gar nicht zu machen. Dass das Veröffentlichen von Bildern gegen den Willen der abgebildeten Person das Problem ist? Keine Erwähnung.

Wenn nun aber eine 17-Jährige aus Rache die nackten Bilder eines Footballstars verteilt? Dann fragt augenscheinlich niemand mehr, ob er vielleicht eine Schlampe ist, stattdessen gibt es sogar eine Gerichtsentscheidung, dass das Mädchen diese Bilder nicht mehr verteilen darf. Sie veröffentlichte insgesamt zwei Fotos bei Facebook, auf denen drei Spieler des australischen Clubs St. Kilda zu sehen sind, die sie in einem Hotel getroffen hatte. Eine explizite Genehmigung zum Veröffentlichen hatte sie nicht erhalten, auch ob sie die Fotos überhaupt behalten durfte, ist unklar. Die Spieler dagegen erklärten, die Fotos untereinander nach dem Aufstehen aus Spaß gemacht zu haben. Veröffentlicht hatte das Mädchen die Bilder nun, weil sie sich nach einer Schwangerschaft und Totgeburt von dem Verein ohne Respekt behandelt fühlte, obwohl sie von einem der Spieler schwanger geworden sei.

Der nackt Abgebildete, der Kapitän des Clubs, sagte, er wisse nicht, was er getan habe, dass ihn jemand so demütigen wolle. Gelernt hat er laut eigenen Angaben auch – über die Gefahren von Social Media. Hinweise an Footballstars, keine Nacktbilder machen zu lassen? Fehlanzeige. Staatliche Kampagnen gegen das Ausziehen junger Männer? Bisher nicht geplant. Ob wir beim nächsten Nacktbild einer jungen Frau nun endlich auf die unerlaubte Vervielfältigung hinweisen oder es dann wieder auf ihre eigene Schuld hinausläuft, wird aber sich erst zeigen müssen.

(via Hoyden about Town)




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Eintrag geschrieben: Dienstag, 21. Dezember 2010 um 9:46 Uhr unter Gewalt, Zeitgeschehen. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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32 Kommentare

  1. Stimme aus dem Off sagt:

    Aus irgendeinem Grund ist es aber nun auch in der Tat schwer vorstellbar, dass ein „Footballstar“, oder überhaupt irgendein Mann, wegen sowas Selbstmord begehen würde. Es sei denn, er hätte einen mikroskopisch kleinen Penis.

    Dass die Rechtslage bzgl. der unerlaubten Vervielfältigung für Männer und Frauen haargenau die gleiche ist, versteht sich im übrigen von selbst. Realistisch betrachtet hilft das aber keiner Frau, deren Nacktbilder gegen ihren im Netz gelandet sind; die bleiben unvermeidlich verfügbar, auch wenn man den ursprünglich Schuldigen deswegen belangen kann.

    Deswegen sind die „staatlichen Kampagnen gegen das Ausziehen“ – nun ja, nicht gerade sinnvoll, aber doch ein bisschen verständlich. Jedenfalls haben sie nichts mit einem frauenunterdrückenden Doppelstandard zu tun.

    Sondern nur damit, dass es Männern eben gerade wurscht sein kann, wenn sie nackt im Netz stehen. Während das für Frauen durchaus negative Auswirkungen hat. Man könnte natürlich darüber reden, warum das so ist und wie man das ändern kann, aber solange es so ist, ist es nur natürlich, dass mancherorts versucht wird, die Frauen noch ein bisschen stärker zu beschützen als die Männer.

  2. Magda sagt:

    @ Stimme aus dem Off

    Verweise auf die Geschlechtsteile sind in den meisten Kontexten wirklich unangebracht, besonders wenn es um Spekulationen geht, warum jemand sich nun umbringen würde. Bitte in Zukunft darauf achten. Danke!

  3. bla sagt:

    Haengt das hier wirklich mit Mann-Frau oder nicht eher bekannt-unbekannt zusammen?

  4. Stephanie sagt:

    @Stimme aus dem Off
    Beschützen? BESCHÜTZEN? *jedemengeschimpfworte*
    Heute beschütze ich mal die Welt: Es gibt böse Menschen auf der Welt, bleibt deswegen am Besten alle zuhause.
    Was? Das ist keine Lösung? Aber: Lass keine Bilder von Dir machen, wenn Du nicht willst, dass diese an die Öffentlichkeit kommen, ist besser? Da kann ich dann von beschützen sprechen?
    /ironieon Ich vergesse einfach immer, dass Frauen ja so empfindlich sind – da ist jeder Freiheit beschränkende und „berufe Dich nicht auf Deine Rechte“ „Ratschlag“ super. /ironieoff
    *jedemengeschimpfworte*

  5. Mel sagt:

    Danke Stephanie! Hätte ich im Originalton auch sein können :) Dass betroffene Mädchen/Frauen eher leiden als betroffene Jungs/Männer liegt selbstverständlich am gesellschaftlichem Umgang damit. Weil das Weibchen ja das passive Sexobjekt ist *grummel*. Mir will es nicht wirklich in den Kopf, wieso etwas so Begehrtes (weiblicher Körper) gleichzeitig so sehr verachtet werden kann. Man(n) will ihre Nackheit. Ist sie nackt, wird sie aber angreiffbar… *kopfschüttel*

  6. onyx sagt:

    @ Stimme aus dem Off
    „Deswegen sind die “staatlichen Kampagnen gegen das Ausziehen” – nun ja, nicht gerade sinnvoll, aber doch ein bisschen verständlich. Jedenfalls haben sie nichts mit einem frauenunterdrückenden Doppelstandard zu tun.

    Sondern nur damit, dass es Männern eben gerade wurscht sein kann, wenn sie nackt im Netz stehen. Während das für Frauen durchaus negative Auswirkungen hat.“

    Preisfrage: Wie nennt man es wohl, wenn das gleiche Verhalten je nach Geschlecht verschieden bewertet wird?

  7. Stimme aus dem Off sagt:

    Onyx, dass männliche und weibliche Nacktheit unterschiedlich bewertet wird ist natürlich ein Doppelstandard. Dass die Gesellschaft angesichts der durch diesen Doppelstandard entstehenden – für Frauen besonders negativen – Auswirkungen wiederum geschlechtsspezifisch reagiert, ist aber keiner mehr. Sonst müsste man ja jede Form von Frauenförderung ebenfalls als Doppelstandard verurteilen, obwohl es ja darum geht, Nachteile für Frauen auszugleichen.

    Ob die Reaktion dann richtig ist oder nicht, steht natürlich nochmal auf einem anderen Blatt. Ich hätte insofern das Wort „beschützen“ hier in Anführungszeichen schreiben sollen, sorry, bitte um Entschuldigung für das unnötig vergossene Adrenalin. :)

  8. Sabrina sagt:

    @Stimme aus dem Off

    Natürlich ist die Reaktion darauf auch ein Doppelstandart! Unfreiwillige VÖ von Bildern nackter…

    … Männer: „Der/die Täter/in ist schuld!“

    … Frauen: „Sie ist doch selbst schuld! Warum lässt sie denn solche Fotos von sich machen, die —Schimpfwort of choice here— !!1 “

    Das hat doch nichts mit „beschützen“ zu tun. Das ist klassisches Victim-Blaming.

  9. ijb sagt:

    Auf die Gefahr hin, dass ich jetzt auch gleich von einigen Gender-Doppelstandard-Vorwürfe und einige Aggression „ernten“ werde, will ich dennoch anmerken, was mir dabei als erstes durch den Kopf ging:

    Ich sehe hier immerhin einen Unterschied, ob ein Teenager von 13 oder 14 Jahren öffentlich bloßgestellt wird oder ein Erwachsener. – Und, halt, bevor jemand den Satz chauvinistisch auffasst: damit meine ich nicht, dass eine 13jährige dümmer ist als ein Footballer, sondern dass Menschen, die noch nicht volljährig sind, nicht die gleichen Möglichkeiten haben, sich zu behaupten und evtl. ihre eigenen Handlungen und deren Konsequenzen zu weitreichend zu bedenken – bzw. was wohl das entscheidendere ist, einer/m Volljährigen wird abverlangt, dass er die Konsequenzen seines Handelns bedenkt und dementsprechend auch juristisch Verantwortung dafür trägt. Dass manche Sportler oder Rockstars oder Internethelden das nicht so ganz hinbekommen, ist natürlich die eine Sache. Dass man denen aber deswegen nicht den gleichen Rat gibt, keine Nacktfotos von sich zu machen (und weiterzugeben), führe ich eher auf den allgemeinen Konsens zurück, dass Kinder, anders als Erwachsene, die potenziellen Auswirkungen und Konsequenzen davon nicht überblicken können. Ich denke, das „Beschützen“ war vielmehr in Richtung 13jährige Jugendliche gemeint, ob das nun Jungs oder Mädchen sind.
    Dass einem nackten Footballstar andere Mittel der Durchsetzung eigener Interessen zur Verfügung stehen, tut dazu nur das übrige.
    Daneben will ich nur der Vollständigkeit halber anmerken, dass ich das Verhalten dieser Footballer keineswegs unterstützenswert finde. (aber leider gibt es zu viele solcher verantwortungsloser Berühmt- und Nicht-Berühmtheiten, die ihre Macht ausnutzen – ob sie nun Kachelmann, Marilyn Manson oder Roman Polanski heißen, und ja, auch mich macht es jedesmal von Neuem wütend, dass ich nicht weiß, was man „dagegen“ ausrichten“ kann.)

  10. ijb sagt:

    PS: Ich bin nicht sicher, ob man so weit gehen kann, aus diesem Fall eine Verallgemeinerung zu ziehen. Man müsste wohl eher schauen, inwieweit es vergleichbarere Fälle gibt, d.h. 13jährige Jungs auf der einen Seite und berühmte bloßgestellte Frauen auf der anderen Seite. Gab es da nicht vor einiger Zeit den Fall einer mehr oder weniger berühmten Industriellen, die mit einem „Sex-Erpresser“ (entschuldigt, die saloppe BILD-Zeitungs-Wortwahl; der gesamte Kontext ist mir jetzt nicht präsent) konfrontiert wurde und dann zur Polizei ging?

  11. Was ijb bezüglich dem Umgang mit Jugendlichen schreibt, finde ich verständlich. Also Verbote bringen natürlich nicht viel, aber dass man mit 13-jährigen über die Gefahren spricht, die entstehen, wenn man Nacktfotos von sich machen lässt, das halte ich für sehr wichtig und richtig. Natürlich hier aber auch die Frage: Werden Eltern sowohl mit ihren Töchtern, als auch mit ihren Söhnen über die Gefahren von der Verbreitung von Nacktfotos sprechen?

    Nun gehen wir mal weg von den Teenagern: Auch wenn von mir irgendwann mal Nacktfotos o.ä. veröffentlicht werden, werde ICH die Konsequenzen zu tragen haben und mich höchstwahrscheinlich dafür rechtfertigen müssen, Sanktionen in Kauf nehmen müssen und evtl. um meine Karriere im Wissenschaftsbetrieb bangen.
    Das kann es doch nicht sein!

    Es ist in meinen Augen sehr wichtig, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass erotische oder gar pornographische Bilderzeugnisse eine Frau nicht zu einer „Schlampe“ oder was auch immer machen. Dass die Kompetenzen, die diese Person in ihrem professionellen Umfeld aufweißt, durch derlei Veröffentlichungen nicht missachtet werden.

    Ich würde mir wünschen, dass solche Angriffe irgendwann einfach ein müdes Schulterzucken hervorrufen und nicht in einem psychischen und vielleicht sogar beruflichen sowie privatem Fiasko enden.

    Im Zuge meiner sexuellen Selbstbestimmung habe ich ein Recht darauf, mich so ablichten zu lassen, wie ich es gerne hätte. Das auszunutzen, um mir zu schaden, ist das Problem, sowie Helga das in ihrem Artikel auch ausarbeitet. Nicht die Erzeugung der Bilder selbst.

  12. Helga sagt:

    @Stimme aus dem Off: Es gab in der britischen Kampagne nur ein Video, in dem ein Mädchen bloßgestellt wird und das, wenn ich mich recht entsinne, obwohl sie den BH noch anhatte auf dem Bild. Also nichts, was man am Strand nicht auch sehen würde, trotzdem soll so ein Foto „schlimm” sein? Kein Wort dazu, dass das Problem das unerlaubte Weiterleiten ist, kein Video über einen jungen Mann.

    Zu den Spekulationen bezüglich des Alters und der Bekanntheit: Es gab auch den Fall einer (indischen/japanischen?) Schauspielerin, deren Nacktfotos an die Öffentlichkeit gerieten und deren Karriere danach im Eimer war. Ein Schauspieler, der solche Fotos seiner Eroberungen sammelte, war dagegen der Held. Als Paris Hiltons Sex-Video öffentlich wurde, hieß es teilweise, dass sie das selbst mit verantwortet hätte für ihre Karriere, aber es gab keinen Aufschrei, was sich ihr Exfreund erlaube. Die Erste, die wegen solcher Fotos Selbstmord begangen hat, war im Übrigen schon 18 und damit volljährig. Auch der Vergleich 13-jähriger Jungen mit berühmten Frauen hinkt, das liefe auf Missbrauch Minderjähriger hinaus, der mit Frau Klatten auch, denn dort war ein „Gigolo” involviert und über das Sexualleben von Frauen über 40, noch dazu Müttern, spricht man wiederrum gar nicht. Hier war es eine 17-Jährige, die mit jungen Männern Mitte 20 was hatte. Das ist weder illegal, noch berührt es Menschen, die gesellschaftlich betrachtet einfach „keinen Sex haben“.

  13. Sabrina sagt:

    @ijb:

    Ich stimme dir zu, dass Kinder und Jugendliche (und auch etliche Erwachsene) durchaus im Umgang mit modernen Medien und insbesondere dem Internet geschult werden müssen. Das muss noch nicht mal etwas mit Nacktfotos zu tun haben. Mittlerweile sollte sich ja herumgesprochen haben, dass auch Chefs und Mitarbeiter Suchmaschinen bedienen können und es auch tun. Ein verantwortungsvoller Umgang mit den eigenen Daten und Bildern ist also in jeglicher Hinsicht wünschenswert.

    Ich bezweifle aber, dass das eine Ungleichbehandlung von Mädchen und Jungen bzw. Frauen und Männer rechtfertigt, die die Verantwortung insbesondere auf die weiblichen Opfer im Sinne von „Frauen müssen eben lernen, dass sie solche Fotos nicht machen sollten!“ abwälzt. Ich sehe da, ehrlich gesagt, keinen großen Unterschied zu den „Trag keine kurzen Röcke!“ Tipps. Diese Idee von „Tue X, dann wird dir Y nicht passieren.“ basiert doch auf der völlig naiven Annahme, dass schlechte Sachen nur Leuten passieren, die etwas falsch gemacht und es somit irgendwie verdient haben.

    Ich würde daher eher Mademoiselle Nocturne beipflichten: Das Problem sind nicht die Fotos selbst, sondern dass eine ungewollte Verbreitung als „dummer Jungendstreich“ wahrgenommen und in der Regel nicht entsprechend bestraft wird. Es fehlt hier einfach ein gewisses Unrechtsbewusstsein und das wird man sicher nicht dadurch kompensieren können, dass man den Opfern die Schuld gibt, weil sie ja zugelassen hätten, dass solche privaten Aufnahmen entstehen.

  14. Stimme aus dem Off sagt:

    Ich bin ja völlig einverstanden, dass es wünschenswert wäre, wenn Internetbildchen egal welcher Art nicht zu Nachteilen im Leben führen würde. Aber in so einer Welt leben wir nun mal nicht.

    Insofern kann ich den Ärger um die Doppelstandards nachvollziehen, aber wenn es darum geht, dass die Kampagnen Mist sind, weil sie sich nur darauf konzentrieren, junge Mädchen davon abzuhalten, sich auszuziehen, dann vermisse ein bisschen die Alternativvorschläge. Wenn man nicht will, dass Nacktfotos einem die Karriere versauen, dann ist es, rein pragmatisch betrachtet, nun mal die einfachste Lösung, sich nur angezogen fotografieren zu lassen. Ebenso, wie es empfehlenswert wäre, sich nicht bewusstlos bei irgendwelchen Sauforgien portraitieren zu lassen. Wegen mir bräuchte es da keine Kampagnen, denn so schlau sollte jedeR selber sein, aber wenn man etwas tun will (oder muss, weil man Politiker ist), was bleibt einem da übrig?

    Solange man nicht die Strafen für die Weiterverbreitung auf ein wirklich drakonisches Niveau hebt – und ich bin nicht sicher, ob man das tun sollte, denn zumindest, solange es um Jugendliche geht, haben wir es ja _tatsächlich_ mit „Dummejungenstreichen“ zu tun – gibt es ja kaum eine andere Möglichkeit, als zumindest auch(!) die Frauen dazu anzuhalten, ein bisschen vorsichtig zu sein.

    In einer idealen Welt könnte man vielleicht eine Kampagne starten, um die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass es nichts Ehrenrühriges für eine Frau ist, ihren Körper zu zeigen. Aber ich fürchte, auch in dieser Welt Leben wir nicht…

  15. Stephanie sagt:

    @Stimme aus dem Off

    In einer idealen Welt könnte man vielleicht eine Kampagne starten, um die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass es nichts Ehrenrühriges für eine Frau ist, ihren Körper zu zeigen.

    Wie wäre es denn mal mit einer Kampagne „Diebstahl ist illegal“ und „Meine Daten/Bilder/etc. gehören mir!“. Ach richtig, die gibt es ja schon…
    Verfehlst Du (un)absichtlich das Thema, trollst Du oder willst Du hier mit rhetorischen Kniffen Sexismus verbreiten?

  16. ijb sagt:

    @Sabrina
    Ich bezweifle aber, dass das eine Ungleichbehandlung von Mädchen und Jungen bzw. Frauen und Männer rechtfertigt, die die Verantwortung insbesondere auf die weiblichen Opfer im Sinne von “Frauen müssen eben lernen, dass sie solche Fotos nicht machen sollten!” abwälzt.

    Ich auch. War auch nicht mein Gedanke, das zu suggerieren. Im Gegenteil. Selbstverständlich stimme ich Mademoiselle Nocturne deshalb genau so zu.

  17. Nick sagt:

    „Wenn nun aber eine 17-Jährige aus Rache die nackten Bilder eines Footballstars verteilt? Dann fragt augenscheinlich niemand mehr, ob er vielleicht eine Schlampe ist,“

    In welcher Zeitung genau wurden denn Mädchen die solche Bilder gemacht haben als Schlampen bezeichnet? Wo kann ich diese Doppelstandards konkret nachvollziehen?

    Was du hier kritisierst, war mit Sicherheit nur ein gutgemeinter Rat um die Frauen zu schützen. Männer kriegen solche Ratschläge nicht, weil deren Sexualität von den meisten nicht als gleivch Schützenswert betrachtet wird.

    „stattdessen gibt es sogar eine Gerichtsentscheidung, dass das Mädchen diese Bilder nicht mehr verteilen darf“

    Und das findest du nun schlimm? Würden die Bilder das nackte Mädchen zeigen, würdest du es doch aller Wahrscheinlichkeit nach als Skandal empfinden, wenn eine solche Entscheidung nicht getroffen worden wäre. Sowas nene ich dann Doppelstandards.

  18. Helga sagt:

    @Nick Weibliche Sexualität ist „schützenswert“, männliche nicht? Das nenne ich einen Doppelstandard. Kein Doppelstandard ist es, wenn man fordert, *immer* das unerlaubte Verbreiten von Nacktfotos zu ahnden, statt die Opfer (männliche wie weibliche) zu stigmatisieren.

  19. vorsicht sagt:

    Lass keine Bilder von Dir machen, wenn Du nicht willst, dass diese an die Öffentlichkeit kommen, ist besser?

    Das ist nicht nur besser, sondern die einzige Möglichkeit, den Missbrauch von Bildern zu verhindern. Die Verbreitung einfach mal zu verbieten, ist in etwa so erfolgverprechend, wie die Verbreitung von Kinderpornografie zu verbieten. In beiden Fällen kann nicht verbreitet werden, was es nicht gibt. Und das ist die beste Prävention.

  20. Helga sagt:

    @vorsicht: Diese Art Ratschlag wird dann gern genutzt, um dem Opfer im Schadensfall einen Strick daraus zu drehen: „Hättest Du mal keine Fotos machen lassen.“ So macht man z.B. dann auch Opfern von Vergewaltigungen das Leben schwer, die sich fragen, ob sie es vielleicht hätten verhindern können, wenn der Rock nur etwas länger gewesen sei. Dabei ist sowohl das Schießen von Fotos, wie auch das Tragen kurzer Röcke völlig legal, während das Verbreiten gegen den ausdrücklichen Willen illegal und damit das Problem ist. Genauso Vergewaltigungen. Das Problem sind die Täter_innen und ihre illegalen Handlungen.

    Der einzige Ratschlag, es ist vielmehr eine Vorschrift, kann daher nur sein: „Verbreite keine Fotos gegen den Willen der/des Dargestellten – auch, und gerade, wenn Du selbst das Foto explizit machen und ansehen darfst“.

    Und auch wenn Weihnachten ist, sind Kommentare mit victim blaming und ähnlichen Rechtfertigungen hier weiter nicht erwünscht!

  21. vorsicht sagt:

    Helga, ich bin mir ganz sicher, dass auch du in deinem Leben Vorkehrungen triffst, die verhindern, dass du zum Opfer von kriminellen Handlungen wirst. Du wirst z.B. ein Schloss an deiner Wohnungstür haben, du wirst in fremder Umgebung deine Geldbörse nicht unbeaufsichtig liegen oder deine Tasche offen herumstehen lassen. Du weißt zwar, dass Diebstahl verboten ist, aber mit ziemlicher Sicherheit versuchst auch du, Dieben möglichst keie Gelegenheit zum Stehlen zu geben. Oder handhabst du es anders?

  22. Sabrina sagt:

    @vorsicht:

    Das Problem hierbei sind in solchen Fällen ja weniger fremde Leute, die die Bilder irgendwie von deiner Festplatte hacken oder was weiß ich. Es handelt sich vielmehr um private Vertrauensbrüche.
    Analog zu deinem Diebstahl- und Einbruch-Beispiel: Der/die Täter/in wäre in diesem Fall kein Fremder, sondern jemand, dem du verstaust und der bereits den Schlüssel zu deiner Wohnung hat. Da helfen alle Schlösser der Welt nix.

  23. vorsicht sagt:

    Täter sind oft Personen aus dem eigenen, sogar ganz nahen Umfeld. Du hast recht: In diesen Fällen helfen „Schlösser“ nicht. Aber Nacktfotos werden üblicherweise nicht an Eltern, Geschwister oder wirkliche Vertrauenspersonen gemailt, sondern im Zuge der Kontaktanbahung an relativ fremde Jungs.

    Jugendliche müssen nicht nur Medienkompetenz und überlegten Umgang mit eigenen Daten lernen, sondern auch, dass man nicht jedem auf jedem Schulhof vertrauen darf. Da ist leider so. Meistens wird schon Kindern eingeschärft, nicht zu Fremden ins Auto zu steigen und keine Süßigkeiten anzuehmen. Ich bin ziemlich sicher, dass man Jugendliche ebenso und rechtzeitig über den Umgang mit Daten aufklären kann und muss.

  24. @vorsicht: Medienkompetenz – ja klar! Mehr davon! Aber dann bitte für alle.

    Und zu Deinem Argument, dass das Nichtherstellen solcher Bilder vor deren Verbreitung schützt ist in etwa so sinnvoll, wie dass Abstinenz vor Schwangerschaft und Geschlechtskrankheiten schützt. Klar, unglaublich effektiv… aber das kann in meinen Augen nicht die Lösung sein. Zudem dadurch potenzielle Opfer diejenigen sind, die alleine die Verantwortung dafür übernehmen sollen, dass ihnen nichts geschieht. Finde ich nicht richtig.

  25. IJ sagt:

    Ich finde es schwierig, dass nicht selten mit so einem gewissen Absolutheitsanspruch argumentiert und Haltungen verteidigt werden. Es war doch gar nicht die Rede davon, dass potenzielle Opfer „alleine“ die Verantwortung übernehmen sollen. Es macht (mir zumindest) oft wenig Lust, einen Standpunkt beizusteuern, wenn man schon nahezu sicher weiß, dass dieser direkt als ausschließlich und allgemeingültig aufgefasst und kritisiert wird. Kann man diese Angriffslust nicht vielleicht den Trollen und Verwandten überlassen?

  26. vorsicht sagt:

    in etwa so sinnvoll, wie dass Abstinenz vor Schwangerschaft und Geschlechtskrankheiten schützt

    Aber Kondome schützen. Da sind wir uns doch wohl einig.

    Prävention hat zunächst gar nichts mit der Schuld eines Täters zu tun, sondern mit Eigenverantwortung bzw. der Verantwortung von Eltern für ihre jugendlichen Kinder.

  27. Helga sagt:

    @IJ: Die Gratwanderung zwischen guten Ratschlägen und dem Opfer die Schuld in die Schuhe zu schieben, ist leider eine sehr schmale, die viel zu oft misslingt. Trollen liegt sowas natürlich immer nahe, aber auch jemand, der/die nicht trollen will, gelangt dort schnell hin, dessen sollte man sich immer bequßt sein.

    @vorsicht: Nur weil mir jemand die Geldbörse klauen könnte, lass ich sie aber nicht zu Haus. Erstaunlicherweise würden auch jede Menge Menschen mich eher darauf hinweisen, dass der Rucksack offen ist, als mein Geld zu stehlen. Genauso werden sicher Unmengen an Nacktbildern verschickt und die allermeisten landen nicht in der Öffentlichkeit. Weiter: Manchmal sind es „relativ fremde“ Jungs, dann wieder Exfreunde, die sich rächen wollen.
    Es ist zum einen realitätsfremd, Leuten die nackten Tatsachen ausreden zu wollen, zum anderen eben am Punkt vorbei. Wie Mademoiselle Nocturne schon schrieb, werden so sie potentiellen Opfer in die Verantwortung genommen, aber die Verantwortung für das Fehlverhalten liegt alleine bei den Täter_innen!

  28. 1. Vom Schlampenstigma sind Männer natürlich nicht betroffen. Da können noch soviele Nacktbilder und Pornofilme im web kursieren. Die Gefahr ist für sie eher, dass ihnen die Männlichkeit aberkannt wird. Bilder in Frauenkleidung, oder Videos, die ein anales Penetriertwerden zeigen sind da auf jeden Fall Beispiele, die hier genauso stigmatisierend wirken wie bei Frauen… Aber auch der anfangs genannte kleine Penis, oder die Darstellung eines „vorzeitigen“ Orgasmus sind absolut diskreditierend für die dargestellte Person. Männliche Sexualität ist dann stigmatisiert, wenn sie von der Norm abweicht, weibliche immer. Diese Norm scheint eher von Mainstream-Pornos auszugehen, als von den real existierenden Sexualitäten.

    2. Es gibt hier zwei Gruppen von Täter_Innen:
    Die Leute, die solche Fotos oder Filme gegen den Willen der Dargestellten veröffentlichen und die Leute, die das gesehen haben und in ihrem Verhalten die Abwertung vollziehen. Natürlich könnte ein Staat rechtlich gegen beide Gruppen vorgehen. Damit ändert sich aber überhaupt nichts an der Problemlage. Außer man glaubt an die Abschreckung durch Strafandrohung. Vor allem die zweite Gruppe, von der die Gewalt im wesentlichen ausgeht ist ja außerdem eine Mehrheit, die man nicht realistisch alle verurteilen könnte…

    3. Generell von Nacktbildern und Sexfilmen abraten find ich doof… Aufklärung über die Gefahren ist natürlich wichtig und befreit als positiven Nebeneffekt vielleicht einige von der Illusion, in einer geschlechtergerechten Gesellschaft zu leben. Die Unterstützung der Opfer ist (eigentlich) selbstverständlich. Aber was bringts am Ende? Leider wohl sehr wenig, trotz aller Demokratie, Aufklärung und Emanzipation in unserer Kultur… „Männer sind Täter, Frauen Opfer, und dass ist zwar manchmal ungerecht, aber von Gott/ der Natur so gewollt und daher unveränderbar“ Solange dieser Glaube nicht aus dem Mainstream verschwindet sehe ich schwarz…

    Btw @ijb… was war eigentlich mit Marilyn Manson? Den hab ich bisher eigentlich immer als Musterbeispiel für gelebten Antisexismus gesehen… Hab grad nichts ergoogeln können, was dem widerspricht… Was meinst du denn?

  29. ijb sagt:

    Btw ((( Behaupteter (Anti-)Sexismus ist nicht gleich gelebter. Marilyn Manson ist doch leider ein Musterbeispiel für das Ausleben übelster Rockstarchauvinismen. Lies mal sein Buch „Long Hard Road out of Hell“. Danach föllt es sehr schwer, seiner Musik und seinen Inszenierungen noch etwas Positives abzugewinnen. So viel Verantwortung-Vonsichweisen und Frauenverachtung findet man ehrlich selten an einer Stelle. Darauf bezog ich mich mit dem Stichwort Machtausnutzung (gegenüber Schwächeren, in diesem Fall eben vor allem Frauen und Mädchen – und da ist der Sprung zu Kachelmanns und Polanskis gelebter Machtarroganz kein wesentlicher).
    (PS: Mansons Buch zu lesen hat mich selbst damals sehr enttäuscht, denn Michael Moore war ja nicht der einzige, der dem Herrn Manson ein nettes Sprungbrett zu guter Selbstdarstellung schenkte. Schadeschade, dass das mit gelebtem Sprengen von Vorurteilen dann doch wenig zu tun hatte.) )))

  30. Nick sagt:

    @Helga
    „Weibliche Sexualität ist „schützenswert”, männliche nicht? Das nenne ich einen Doppelstandard. “

    Richtig, so ist die Gesellschaft aber. Deswegen gehen Präventionsratschläge auch fast nur an Frauen. Auch dich interessiert dieser Fall ja nur, im Hinblick auf die Situation der Frauen, und nicht als Beispiel dafür das Männer ebenfalls Opfer sexuell motivierter Vergehen durch Frauen werden ;-)

  31. Helga sagt:

    @Nick Bitte lies vor weiteren Kommentaren noch mal die Netiquette durch und ein bißchen im Blog quer. Dann solltest Du wissen, dass wir „die Gesellschaft“ nicht einfach so hinnehmen sondern Sexismus explizit anprangern. Dass wir es auch scheiße finden, wenn Männer Opfer sexualisierter Gewalt werden. Und warum sexistische Mechanismen daran schuld sind, dass männliche Opfer es noch schwerer haben. Und im Text steht, das unerlaubte Weitergeben sei das Problem – das bezieht sich auf Opfer und Täter jeden Geschlechts. Wenn Du da hineinlesen willst, es ginge nur um weibliche Opfer und männliche Täter, ist das deine, nicht meine Meinung.

  32. klingonische oper sagt:

    Wie Mademoiselle Nocturne schon schrieb, werden so sie potentiellen Opfer in die Verantwortung genommen, aber die Verantwortung für das Fehlverhalten liegt alleine bei den Täter_innen!

    m.e. gibts hier zwei verantwortungen: die verantwortung, nackrtfotos anzufertigen und in fremde hände zu geben und die, sie gegen den willen der abgebildeten zu verbreiten.

    So macht man

    wer „man“?

    So macht man z.B. dann auch Opfern von Vergewaltigungen das Leben schwer, die sich fragen, ob sie es vielleicht hätten verhindern können, wenn der Rock nur etwas länger gewesen sei.

    das ist eine standardargumentation von tätern aus den 50er jahren: „selbst schuld, wäre der rock länger gewesen.“ doch diese (täter-)sichtweise zu lasten von eigenverantwortung und prävention sollten sich ausgerechnet feministinnen nicht in vorauseilendem gehorsam zu eigen machen. es handelt sich dabei mittlerweile um nichts anderes als einen strohmann.