Transgender Teen darf nicht „Homecoming King“ sein

von Magda

Der 17jährige Transmann Oak besucht die Mona Shores High School im US-amerikanischen Bundesstaat Michigan. Als die jährliche Wahl zum Homecoming King bzw. zur Homecoming Queen ansteht, mobilisiert der beliebte Teenager seine Mitschüler_innen per Facebook und kann so die meisten Stimmen für sich gewinnen. Die Krone darf Oak sich trotzdem nicht aufsetzen: Als er zur Schuldirektorin gerufen wird, teilt sie ihm mit, dass alle seine Stimmzettel für ungültig erklärt werden, weil er nicht als Junge sondern noch als Mädchen in der Schule gemeldet ist. Die Krone wird an den Zweitplatzierten weitergereicht.

Mal abgesehen vom Sinn oder Unsinn von Beliebtheitswahlen an US-amerikanischen High Schools demonstriert dieses Beispiel anschaulich, wie sehr die eindeutige Zuordnung zum „männlichen“ oder „weiblichen Geschlecht“ (bzw. was viele mit „Männlichkeit“ und „Weiblichkeit“ assoziieren) – und zwar nicht nur im Verhalten und Aussehen, sondern auch auf dem Papier – Voraussetzung für solche Wahlen sind. Auch wird hier deutlich, wie starr und unflexibel dieses System gleichzeitig ist: Ein Wechsel von weiblicher zu männlicher Geschlechtsidentität oder vice versa ist einfach nicht vorgesehen, geschweige denn Uneindeutigkeit in Bezug auf Geschlecht.

Um ein Zeichen gegen Transphobie und die Ausgrenzung von Transgenders zu setzen, tragen Oaks Mitschüler_innen heute in der Schule T-Shirts mit der Aufschrift „Oak is my King“. Auf der gleichnamigen Facebook-Seite bekunden sie ihre Solidarität mit Oak und sammeln Spenden für seine geplante Operation.

[Danke an Anna für den Link, via advocate.com]




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Eintrag geschrieben: Freitag, 1. Oktober 2010 um 11:37 Uhr unter Zeitgeschehen. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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25 Kommentare

  1. Patrick sagt:

    Oh Mann, allein schon die Tatsache, dass die Abschlussroben für Jungs und solche für Mädchen haben, zeigt ja, wie festgefahren das ist. Gleichzeitig ist Oak natürlich ein toller Typ für so einen Bericht, weil er überhaupt nicht „freakig“ aussieht.

  2. Red Riding Hood sagt:

    @patrick: aber ist es nicht auch paradox zu sagen, dass es festgefahren ist, dass sie diese unterschiedlichen abschlussroben haben, und gleichzeitig darauf zu bestehen die tragen zu können, die eben dem geschlecht entspricht, dem man sich zugehörig fühlt? ich glaube ich drücke mich schlecht aus, weil mich das transgender-thema immer wieder zum grübeln bringt, aber vll verstehst du, was ich meine ;)

  3. Magda sagt:

    @ Red Riding Hood

    Ich verstehe, was du meinst. Einerseits wäre es toll, wenn man von dieser rigiden Zweigeschlechtlichkeit wegrückt, andererseits kann man denjenigen, die unbedingt die „männliche“ oder „weibliche“ Abschlußrobe tragen wollen, auch nicht verbieten, dies zu tun. Ein erster Schritt: Jede_r darf selbst entscheiden, in welcher Robe er oder sie sich wohl fühlt. Das ist nämlich nicht in allen High Schools (ohne Sanktion) möglich. Trotzem loest man damit die Zweigeschlechtlichkeit kaum auf…

  4. Patrick sagt:

    RRH: ich glaube, Oak kritisiert die unterschiedlichen Roben gar nicht, sondern sagt nur, dass ihm die Schule erlaubt hat, die Männerrobe zu tragen. Das kann ich wiederum sehr gut nachvollziehen – Kleidung (und andere Dinge) sind ja Indikatoren für viele Dinge. Wenn sich nun jemand trotz seines medizinischen Geschlechts als Mann fühlt, dann ist so ein stereotyp männlicher Indikator sogar erwünscht und wird bejaht, weil es das Selbstbild verstärkt (eine Möglichkeit vom Sesselpsychologen).

    Ich fände aber Magdas Lösung besser, oder noch besser, einfach grobe Richtlinien für Roben und dann sollen alle das machen, was sie wollen. Ich hätte z.B. bei so was immer Lust, einfach aus Prinzip die Frauenrobe anzuziehen.

  5. GwenDragon sagt:

    Der Hinweis der Schule wie der Kerl nun noch in den Akten geführt wurde, ist eine Ausrede. Die wollten vielleicht keinen Trans als Ersten haben, wohlmöglich wären da konservative und kirchliche Spender und Dauergeldgeber weggeblieben. Und solche Perversionen wie Geschlechtswechsel werden doch wohl Konservative kaum unterstützen wollen.

    Einmal Mädchen, immer Mädchen in den Augen und Wahrnehmungen Anderer. Geschlecht ist das was andere sehen wollen. Bei uns auch nicht besser.

    Der Umgang damit erinnert mich an einen Frauendiscobesuch vor fast 20 Jahren oder LFTs, bei denen Transmänner reindurften, weil sie ja als Mädchen geboren und als Frau gesellschaftlich erzogen wurden, also in „altfeministischer Denke“ Frauen sind.

    Der Kleidungszwang ist so eine Sache. In deutschen Privatschulen/Internaten (mit Schuluniform) kann es passieren, dass nach der Schulordnung weibliche Personen Röcke tragen müssen und selten Hosenwahl haben.

  6. Patrick sagt:

    Gwen: ja, das stimmt. ich meine, ich hatte mir im Sommer auch einen Rock bestellt, und das ist auch mit komischen Sprüchen und Blicken kommentiert wurden – ohne dass ich den je getragen habe (leider konnte die Firma nicht liefern).

  7. Stephan sagt:

    So Scheiße das Verhalten der SCchulleitung ist, dass Verhalten der SchülerInnen macht doch Mut. Vielleich verweigert ja auch noch der Zweitplatzierte die Annahme des Preises?

  8. Angelika sagt:

    bzgl. USA wundert mich das so ganz und garnicht.
    feministing berichtete ja u.a. über eine Schülerin, die nicht im Smoking auf „den Abschlussball“ durfte.

    @Patrick – es gibt doch sog. Schottenröcke, auch in grösseren Grössen/für Männer !

  9. Patrick sagt:

    Ja, und Gothic-Röcke auch. Aber wann sieht man so was schon?

  10. Angelika sagt:

    @Patrick – was meinst du damit von wg. „sehen“ ?

  11. Red Riding Hood sagt:

    @Magda: da hast du auf jeden fall recht. das wollte ich auch gar nicht in frage stellen. natürlich soll sich jedeR so kleiden dürfen wie er/sie sich wohlfühlt.

    @Patrick: ja, das hat oak nicht getan. war eher ein gedanke der mir bei deinem post kam. aber ich stimme dem zu, was du sagst.

  12. Patrick sagt:

    Angelika: Ich meine, dass viele meiner Bekannten im Alltag trotzdem nicht oft mit Männern in Röcken konfrontiert werden.

  13. Angelika sagt:

    @Patrick : aha, so zu verstehen, dass Mann „im Alltag“ eben (in Dld.) nicht-Rock trägt ?
    Geht also Deiner Meinung nach nur z.B. bei einer Club-oder Privat-Party ?
    Das ist ja m.E. auch Teil dieser Heteronormativität …

  14. Patrick sagt:

    „Geht“ hat damit nichts zu tun. Ich hätte das Ding, wenn es denn je gekommen wäre, einfach getragen, anstatt eine Hose anzuziehen.

  15. Angelika sagt:

    Patrick : yo, so hatte ich es eigentlich/ursprünglich verstanden.
    „Wo ein Wille da ein Weg“ – gibt ja noch andere Rock-Quellen für mann und auch das www ;-)

  16. GwenDragon sagt:

    Warum keinen Rock.
    Dass bei Männern immer so ein Problem gemacht wird und sie irgendwie als pervers/schwul angesehen werden.
    Frauen tragen auch Hosen, Anzüge, Lederjacken und sind oft weder pervers noch lesbisch.

    Kleidungsvorschriften nach Geschlecht oder Sonstwas sind was für Kleingeister und Ewiggestrige.

  17. Patrick sagt:

    Angelika: Im Moment sind leider Budgetbeschränkungen angesagt. Aber wenns finanziell besser geht, hole ich das definitiv nach. Am liebsten von hier: http://www.altkilt.com/custom

  18. Red Riding Hood sagt:

    die „großen“ der mode haben immer wieder männer in röcken präsentiert. trotzdem ist die mode vom laufsteg nicht in den alltag übergegangen. bei manchen ausgefallen kreationen ja auch verständlich, beim rock aber einfach nur lächerlich.

  19. Angelika sagt:

    @GwenDragon :
    „Kleidungsvorschriften nach Geschlecht oder Sonstwas sind was für Kleingeister und Ewiggestrige“

    und langweiler“ füge ich noch hinzu ;-)
    ganz genau, das finde ich seitdem ich denken kann.
    erfordert dennoch, immer wieder/noch mut.

    @Patrick : dachte ich auch noch so „wieso lässt er sich nicht einen von schneiderIn machen“ ? inspiriert hatte mich dazu :
    http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/511315
    vielleicht mal in deiner gegend gucken – gibt’s da eine „modeschule“ o.a. ?

  20. Kleidungsvorschriften sind sicherlich kleingeistig, das hindert sie aber nicht daran, auch in linken, feministischen oder sonstwie emanzipationsbemühten Kreisen nach wie vor zu funktionieren.
    Es ist eben nicht lächerlich, wenn *Männer, die weiblich konnotierte Kleidung tragen (oder Verhaltensweisen, Interessen zeigen…) Angst vor Ausgrenzung haben. Entsprechende Gewalterfahrungen haben viele in der Jugend gemacht oder zumindest beobachtet…

  21. Helga sagt:

    @Der Ekelbaron: Die Angst vor Gewalt ist nicht lächerlich – lächerlich sind die Annahmen und Ängste, die hinter Männerröcken stehen und zu genau der Gewalt führen. Was sollte denn bitte passieren, wenn mehr Männer Röcke trügen? Alle Männer, auch die in Hosen, werden schwul und schwul sein ist schlimm? Alle Männer, auch die in Hosen verweiblichen und weiblich sein ist schlimm? Irgendwann könnte es einen gesellschaftlichen Männerrockzwang geben und das wäre schlimmer als der Hosenzwang? Aus diesen Ängsten heraus anderen auch noch auf die Fresse zu geben ist absolut inakzeptabel!

  22. Andreas sagt:

    (jaja, die rückstaendige amerikanische Provinz, gut dass wir in Deutschland so fortschrittlich und zivilisiert sind)

  23. Magda sagt:

    @ Andreas

    Hat niemand behauptet. Von unterschwelligen Unterstellungen bitte ich abzusehen.

  24. Andreas sagt:

    Ich unterstelle das nicht unterschwellig, ich behaupte offen, dass das unterschwellig unterstellt wird. Könnt ihr evtl. DAVON absehen?

    (‚bzgl. USA wundert mich das so ganz und garnicht.‘- heisst Angelika auch ’niemand‘?)

  25. Magda sagt:

    @ Andreas

    Sorry, hatte ueberlesen, dass Angelika so etwas gesagt hat. Dann bitte das naechste Mal Angelika direkt ansprechen. Ansonsten wirkt dein Kommentar wie reine Poebelei.