Einträge mit dem Tag ‘Zweiter Weltkrieg’


Wer war… Anne Frank?

12. Juni 2010 von Magda
Dieser Text ist Teil 16 von 28 der Serie Wer war eigentlich …

Am 12. Juni 1929 wird Anne Frank in Frankfurt/Main als Kind jüdischer Eltern geboren. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialist_innen 1933 emigriert ihr Vater Otto Frank nach Amsterdam, wo er Direktor der holländischen Niederlassung der Firma Opekta wird. Ein Jahr später folgt die Familie – Mutter Edith und die Töchter Anne und Margot – dem Vater nach Amsterdam. 1940 marschieren die deutschen Truppen in den Niederlanden ein, woraufhin sich die Situation der niederländischen Juden und Jüdinnen drastisch verschlechtert. Auch im Exil ist die Familie Frank nun nicht mehr sicher. Aus Angst vor Deportation entschlieߟt die Familie unterzutauchen.

Bereits ein paar Wochen vor dem Untertauchen bekommt Anne zu ihrem 13. Geburtstag 1942 ein Tagebuch geschenkt, welches von da an bis zum Zeitpunkt ihrer Verhaftung durch die Gestapo im August 1944 zur ständigen Begleiterin wird. Das Tagebuch führt sie in Briefform adressiert an ihre fiktive Brieffreundin “Kitty”.

Drei Wochen später, am 6. Juli, versteckt sich die Familie Frank mit vier weiteren Menschen im Hinterhaus des väterlichen Geschäfts in der Prinsengracht 263. Dort werden sie von den holländischen Angestellten der Firma – u.a. Miep Gies – versorgt. In ihrem Tagebuch berichtet Anne über das Zusammenleben von acht Menschen auf engstem Raum und ihren Wunsch Schriftstellerin zu werden. Darüber hinaus gibt sie Einblicke in ihre persönlichen Krisen beim Erwachsenwerden und führt philosophische Debatten z.B. über Gott.

Im Sommer 1944 beginnt Anne eine Reinschrift ihres Tagebuchs anzufertigen, um es nach Ende des Zweiten Weltkriegs als Buch mit dem Titel “Het Achterhuis” (“Das Hinterhaus”) zu veröffentlichen. Ihr letzter Eintrag ist auf den 1. August 1944 datiert, drei Tage später werden die acht Untergetauchten von der Sicherheitspolizei verhaftet und deportiert. Es ist bis heute unklar, wer das Versteck verraten hatte.

Zunächst werden alle acht in das Arbeitslager Westerbork deportiert, von wo sie in das Vernichtungslager Auschwitz gebracht werden. Anne und ihre Schwester Margot werden letztendlich in das Konzentrationslager Bergen-Belsen überführt. Im März 1945, einige Wochen vor der Befreiung, stirbt Anne an Typhus.

Einziger Überlebender aller Untergetauchten ist der Vater Otto Frank, der das Tagebuch seiner Tochter nach Kriegsende von Miep Gies überreicht bekommt. 1947 wird es erstmals veröffentlicht und seitdem in mehr als 55 Sprachen übersetzt. Es gibt mehrere Verfilmungen und Theaterstücke. 2009 wird das Tagebuch von der UNESCO in die Liste des Welterbes der Dokumente von “universellem Interesse” aufgenommen.

Anne Frank wurde 15 Jahre alt.


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Wer war… Sophie Scholl?

22. Februar 2010 von Magda
Dieser Text ist Teil 8 von 28 der Serie Wer war eigentlich …

Sophie Scholl wurde am 9. Mai 1921 geboren und heute vor 67 Jahren ermordet. Sie kämpfte im Zweiten Weltkrieg als Teil der Widerstandsgruppe “Weiße Rose” gegen den Nationalsozialismus.

Quelle: www.aworldtowin.net

Aufgewachsen mit vier Geschwistern trat die künstlerisch begabte Sophie mit zwölf Jahren anfangs noch euphorisch dem “Bund deutscher Mädel” bei. Bald wendete sie sich jedoch von der Hitlerjugend ab, u.a. beeinflußt von ihrem Vater, der der Propaganda Hitlers kritisch gegenüber stand.

Im Juni 1942 nahm Scholl ihr Studium der Biologie und Philosophie in München auf und begann, sich auf Grund ihres gewachsenen politischen Interesses anfangs zum Unmut ihres Bruders Hans Scholl in der “Weißen Rose” zu engagieren.

Kern der “Weißen Rose” waren neben den Geschwistern Scholl noch drei weitere Münchner Studierende – Willi Graf, Christof Probst und Alexander Schmorell – und ihr Mentor und Professor Kurt Huber. Sie verteilten in den Jahren 1942/43 sechs Flugblätter und initiierten mehrere Aktionen gegen das NS-Regime. Die Flugblätter riefen zum Widerstand gegen die Politik Hitlers auf und forderten das Ende des Massenmordes.

Bei der Verteilung des sechsten Flugblatts wurden die Geschwister Scholl am 18. Februar 1943 in der Münchner Universität beobachtet und verhaftet. Vier Tage später wurden beide zum Tode verurteilt und am gleichen Tag hingerichtet.

Auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) kann man Auszüge der Verhörprotokolle von Sophie Scholl nachlesen. Das Flugblatt #5 finder ihr hier.

Sophie Scholl wurde 22 Jahre alt.


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Miep Gies verstorben

13. Januar 2010 von Magda

Montag Nacht verstarb Miep Gies im Alter von 100 Jahren. Gies war die letzte Überlebende jener HelferInnen, die Anne Frank und ihre Familie im 2. Weltkrieg für über zwei Jahre in einem Hinterhaus in den Niederlanden vor den NationalsozialistInnen versteckte und versorgte.

Nach der Verhaftung der von einem Unbekannten verratenen Familie Frank bewahrte Gies die Tagebücher der Anne Frank ungelesen auf, bis Otto Frank, Vater und einziger Überlebender der Familie, diese entgegennahm und zur Veröffentlichung zuließ.

Miep Gies verstarb nach kurzer Krankheit am Abend des 11. Januar 2010.


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Eine mutige Frau

27. August 2009 von Barbara
Dieser Text ist Teil 32 von 58 der Serie Die Feministische Bibliothek
Anna Boom / DVA

"Das Leben der Anna Boom" / DVA

Dieses Buch erzählt die Geschichte einer Frau, die im Zweiten Weltkrieg vielen Menschen geholfen hat, vielen Menschen das Leben gerettet hat. Die Niederländerin Anna Boom ist heute eine alte Dame. Aufgewachsen als behütete Tochter einer Witwe steht ihre Gesundheit während ihrer Kindheit und Teenagerzeit im Vordergrund. Und auch ihre Mutter ist omnipräsent, die die einzige Tochter so gut wie nie alleine lassen möchte. 1942 reist Anna Boom dann 22-jährig ohne die Mutter nach Budapest  –  wegen der Liebe zu einem verheirateten Mann. Und ihrem immer drängenderen Wunsch nach Emanzipation.

In Ungarn, Bündnispartner von Nazi-Deutschland, arbeitet sie dann eher zufällig als geplant für den schwedischen Diplomaten Raoul Wallenberg. Sie überbringt Dokumente, fälscht Pässe, versteckt Menschen und deren Wertsachen. Später hilft sie auch im Krankenhaus bei der Versorgung der Kriegsopfer. Sie erlebt dabei Grauenhaftes – Menschen, die verschleppt werden, vor ihren Augen misshandelt werden und sterben. Als die russische Armee Budapest einnimmt, stellt sie sich gegen russische Soldaten und versucht, zwei Mädchen vor Vergewaltigung und Tod zu retten.

Doch in ihren Erinnerungen ist nicht nur Schrecken, sondern auch Alltägliches. Vom Winter 1944 weiß Anna Boom noch:

“Morgens war sie noch beim Zahnarzt gewesen. Daran konnte sie sich später erinnern, an dieses lächerliche, belanglose Detail. Hauptsache, die Zähne sind gesund! Sie kam sich vor wie ihre eigene Mutter … Die Russen waren nicht mehr weit – wenn auch niemand genau wusste, wo sie sich befanden. Womöglich würde schon bald der Kampf um Budapest ausbrechen, und sie dachte nur daran, ihr Gebiss kontrollieren zu lassen, solange es noch möglich war.”

Was für ein Mensch ist diese Frau, diese “mutige Frau”, die in größter Not an ihre Zähne denkt? Vielleicht ist es genau das, was ihren Mut ausmacht. Sie hat Prinzipien und Ansprüche, aufgrund ihrer Herkunft. Traut sich deshalb auch etwas zu – einmal herrscht sie Soldaten voller Selbstbewusstsein an und entkommt so einer Verhaftung. Sie spricht mehrere Sprachen, was natürlich auch ein Privileg ist, das ihr nutzt. Ihr Mut entspringt auch ihrer Unruhe. Denn ihr ganzes Leben über will Anna Boom etwas tun, lernen, verstehen, feiern, reisen. Sie bleibt nicht gerne am selben Ort, sondern ist am liebsten unterwegs – etwas, das sie durch ihre Mutter, die selbst ständig reiste, kennen und schätzen gelernt hat. Doch Anna Booms Reisen erinnert an ein Auf-der-Flucht-Sein – was wohl auch eine Folge des Krieges ist, den sie miterlebt hat.

Vielleicht liegt es auch an der Erzählweise des Buches, das über Anna Boom in der dritten Person spricht: Man kann man sich dieser Frau nur schwer nähern, sie schwer zu fassen kriegen. Und das entspricht auch dem, was sie tut: Sie ist “flüchtig”, sowohl in ihrer Reise- und Unternehmungslust als auch in ihrer Bindungsbereitschaft – obwohl sie andererseits ihren Lieben eine treue Freundin ist. Aber nur so weit sie ihr ihre Unabhängigkeit lassen. Die Ehe mit einem Mann, der ihre Freiheit beschneiden wollte, funktionierte nicht. Obwohl es nur schwer nachzuvollziehen ist, warum sie ihn überhaupt heiratete, wo er doch schon vor der Hochzeit in einem Brief alles klarstellte:

“Auf alle Fälle würde ich Dir nie erlauben, mit anderen Leuten (Ungarn etc.) während der Arbeitszeit, das heißt, wenn ich nicht dabei sein kann, auszugehen. Du hast selbst einmal gesagt, Du willst eine schöne Ehe haben, aber dann musst Du meinen Willen in dieser Hinsicht respektieren, sonst geht es nicht, verstehst Du das?”

Im Alter kommt Anna Boom dann doch noch zur Ruhe. Und diese Ruhe bedeutet keineswegs, dass sie domestiziert wird – kein “taming of the shrew”!  Sie trifft nach mehreren Beziehungen den richtigen Partner, einen Mann, der sie loslässt und damit halten kann. Durch sein nachhaltiges Interesse an ihr und ihrer Vergangenheit findet sie einen Weg für sich, ihre Kriegserinnerungen aufzuarbeiten, die sie nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verdrängt hatte. Und auch ihren Frieden zu machen mit dem verheirateten Mann, der sie 1942 nach Budapest reisen ließ.

Judith Koelemeijer, “Das Leben der Anna Boom. Die Geschichte einer mutigen Frau”. DVA, 2009. 288 Seiten, gebunden.

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