Einträge mit dem Tag ‘Zweigenderung’


Deutscher Antisemitismus, Anti-Abtreibungs-Gewalt, „behindert“ als Schimpfwort – die Blogschau

19. Dezember 2015 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 290 von 295 der Serie Die Blogschau

„Viele in Deutschland halten alltäglichen Antisemitismus für kein Problem mehr – Levi sieht das ein bisschen anders“ – und beschreibt bei kleinerdrei, warum.

Beim Feministische Studien Blog gibt es einen Artikel über die Hintergründe von Robert Lewis Dears Anschlag auf Planned Parenthood in Colorado Springs und die Geschichte von Anti-Abtreibungs-Gewalt in den USA.

Auf bento: Ein Rant von Ninia LaGrande in Videoform, und zwar gegen die Verwendung von „behindert“ als Schimpfwort.

Rock Camp München ist „ein gemeinnütziger Verein, der das Selbstbewusstsein junger Mädchen und Frauen durch Musik und begleitende Workshops fördert“. Für das nächste Camp brauchen die Veranstalterinnen noch Geld.

Anlässlich eines Artikels von Andrea Roedig, der kürzlich in der Zeit erschien, klamüsert Teile des Ganzen so einiges  „Über Butches, Transmänner und (nicht nur) lesbische Verlustgefühle“ auseinander.

Habt ihr diese Woche etwas geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blogs etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Regelmäßig verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.


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trans*parent – trans* und Elternschaft

12. März 2015 von Gastautor_in

E findet in der ‚öffentlichkeit’/sichtbarkeit meistens nicht die ‚richtigen‘ worte oder wird nicht angehört oder gesehen, daher hat E irgendwann 2014 eine mutig-wütende bildbeschreibung von dem selbstbild als trans* und elternteil entworfen. keine rechtfertigung, sondern überwindung der sprachlosigkeit.

ich bin trans*parent.

ich bin trans* und elternteil (parent) für mein kind = trans*parent.

ich habe das bedürfnis über mich zu schreiben, weil ich selber keine menschen mit ähnlichen lebensumständen kenne.

wenn ich mich skizzieren würde, hätte ich zuallererst meinen selbstfindungsprozess im zusammenhang mit meiner geschlechtsidentität, meinem körper und meiner verortung in meiner eltern-kind- und freund_innen-beziehungen vor augen. dazu kämen noch sämtliche selbstbestimmte, fremdbestimmte, konstruierte, positionierende zuordnungen, die sich kreuz und que(e)r in dieses bild einschreiben. ein kompliziertes bild. ein bild, was ich hier nicht vollständig wiedergeben will und kann, mir aber in diesem moment während ich schreibe nicht aus dem kopf_körper gehen wird. ein wirres, queeres bild.

trans*

definiere ich mich nun als trans*gender genderqueer? ich will mich nicht festlegen – vor allem nicht für immer und ewig. das ist einer von vielen gründen, warum es mir schwer fällt mich zu ‚outen‘. ich habe angst, ein für allemal mit diesem label und den entsprechenden klischees von meinem umfeld versehen zu werden („umtausch und definitionsmacht ausgeschlossen!“), einen platz in ihrem kopf-katalog zu erhalten und ihre blicke mal mitleidig, mal angst-, mal hasserfüllt, mal verstört ertragen zu müssen. aber auch bezüglich der menschen, denen gegenüber ich mich schon geoutet habe, verursacht mir diese angst kopfschmerzen. schmerzen, die aus der angst rühren, dass andere mich durch ihre ansozialisierte trans*feindliche brille sehen könnten, die ich auch manchmal trage, wenn ich mich selbst betrachte. ich habe gelernt, dass menschen wie ich „eklig“ – und vieles mehr, was ich aufgrund triggernder effekte hier nicht nennen will – sind. manchmal lebe ich in einer phase des verdrängens, aber eigentlich ist das unmöglich. und manchmal taucht ‚trans*‘ in jedem meiner gedanken, in jeder sekunde meines alltags auf. jeden tag karussell-denke ich dann darüber nach, wer ich bin. dabei kann ich auch schon mal durchdrehen, z.B. indem ich meinen ganzen oberkörper mit schwarzer acrylfarbe anmale oder auf meine arme groß „wer bin ich?“ schreibe.

trans*parent

tja und dann bin ich jetzt seit etwa einem jahr elternteil. der teil der eltern, der das kind „zur welt gebracht“ hat – eine eher verniedlichende beschreibung für die arbeit und die schmerzen, die ich erlebt habe. andere würden „mama“ sagen, aber ich nenne mich bei meinem namen. ich bin sehr glücklich mit meinem kind, das ich sehr liebe. ich bin glücklich mit meinem besten freund, andere würden sagen „fester freund“, dem „papa“ von unserem kind, den ich sehr liebe. Ich bin auch glücklich mit meinen freund_innen und der hünd_in, die für mich zur familie gehören und die ich sehr liebe. (das hier ist keine hierarchische aufzählung.)

aber gerade das eltern-sein bringt für mich, in meinem trans*-sein und körperempfinden, widersprüche und schwere auseinandersetzungen mit sich. so habe ich z.b. stillen, aufgrund der gesellschaftlichen perspektive auf geschlecht, einem (wortwörtlichen) blick auf geschlechts_körper, als besonders bedrängende momente erlebt. stillen bedeutet für mich brüste zu entblößen (ich habe keine worte dafür, was das für mich bedeutet!) und es bedeutet ein erzwungenes abhängigkeitsverhältnis für mich und alle in unserer familie. stillen stellt für mich einen immer wiederkehrenden trigger effekt aufgrund der gesellschaftlich-gemachten und unhinterfragten (und dadurch leider nahezu untrennbaren) assoziation von brüsten mit weiblichkeit dar. ich habe also abgestillt, wofür ich mich aber in dieser gesellschaft ständig (!) rechtfertigen musste und muss.

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Es ist Zeit, Realität als real zu betrachten

27. November 2014 von Jayrôme

Jayrôme C. Robinet ist freier Autor und Spoken Word-Künstler. Gender fluid mit Variationshintergrund, weiß, wird in Deutschland meistens als Person of Color gelesen, Akademiker aus einer bildungsbürgertumsfernen Familie und besitzt die französische Staatsbürgerschaft. Auf Jayrômes Blog veröffentlicht er Gedichte, Analysen und Gedanken in schriftlicher und audio_visueller Form in französischer, deutscher und englischer Sprache. Der nachfolgende Text ist ein Crosspost

(c) Kasia Matejczuk

(c) Kasia Matejczuk

Sehr geehrte Dr. habil. Heike Diefenbach und Michael Klein,

Sie haben einen Brief  an die Humboldt Universität und an den Berliner Senat für Bildung, Jugend und Wissenschaft verfasst: « Profx Lann Hornscheidt von der Humboldt-Universität entfernen ».

Lann Hornscheidt, Profx für Gender Studies und Sprachanalyse am Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien der Humboldt-Universität zu Berlin, sei mit sofortiger Wirkung von der Universität auszuschliessen.

Warum?

Weil Lann Hornscheidt unterschiedliche Möglichkeiten entwirft, Sprache so zu verändern, dass Sprachhandlungen nicht diskriminierend sind. Weil Lann Hornscheidt praktische Vorschläge für geschlechtsneutrale Formulierungen macht, die Alternativen zum binären System bieten.

So z.B. die x-Form statt der herkömmlichen „er“ und „sie“, oder die x-Endung eines Wortes statt der üblichen gegenderten Wortendung.

Das haben Sie sicherlich im Leitfaden der AG Feministisch Sprachhandeln der Humboldt-Universität zu Berlin nachgelesen: “Was tun? Sprachhandeln – aber wie? W_Ortungen statt Tatenlosigkeit. Anregungen zum antidiskriminierenden Sprachhandeln”, der im Frühjahr 2014 erschienen ist.

Sie schreiben, dass Lann Hornscheidt dabei nicht nur eine wissenschaftliche Position missbraucht, um den eigenen Spleen auszuleben, sondern auch « eine verbale Vergewaltigung harmloser Studenten durchführe, die zur Sprach-Konformität mit Lann Hornscheidt gezwungen und auf diese Weise der normalen Welt entfremdet werden ».

Ertens: Der V*rg*w*lt*g*g-Vergleich ist, gelinde gesagt, sehr problematisch. Oder wenn Sie wollen: ziemlich unwissenschafltich.

Zweitens: Ich fürchte, dass es sich da um ein kleines Missverständnis handelt.

Lassen Sie uns dieses bedauerliche Verständnis-Versehen ausräumen.

Bei der x-Form handelt es sich nur um einen Vorschlag, wie Lann Hornscheidt der FAZ erklärt:

Ich hänge aber nicht an der x-Form. Wenn andere Leute andere Vorschläge haben, freue ich mich darüber. Ich teile auch viele Kritikpunkte, zum Beispiel, dass diese Form nicht schön ist.“ Es müsse jedoch möglich sein, dass Menschen, die sich nicht als Männer oder Frauen fühlen, dies sprachlich ausdrücken können. Hornscheidt betont außerdem, dass es überhaupt nicht darum gehe, Geschlechter abzuschaffen. „Ich halte das weder für sinnvoll, noch steht es in meiner Macht. Aber natürlich fordert es Menschen heraus, wenn sie lernen, dass es auch noch etwas anderes als Frauen und Männer gibt. Ich verstehe auch, dass sie das erschreckt. Aber das kann doch auch spannend sein. Für mich fehlt dieser Gesellschaft die Bereitschaft, Differenzen stehen zu lassen.

Gute Nachricht

Folgendes möchte ich Ihnen feierlich ankündigen:

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