Kritik an Zwangsehen-Studie des Familienministeriums
28. November 2011 von NadiaAnfang November veröffentlichte das Familienministerium die Ergebnisse einer Studie zum Thema “Zwangsheirat in Deutschland”: Es gäbe “bislang nur wenige wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse in Deutschland” zum Thema, weswegen das Ministerium die Studie in Auftrag gegeben habe. Bereits kurz nach Veröffentlichung der Studienergebnisse wurden vehement erste kritische Stimmen laut – unter anderem meldete sich Sakine Subaşı-Piltz zu Wort: Sie wies darauf hin, dass bereits 2007 eine von ihr und Yasemin Karakaşoğlu durchgeführte Studie („Ausmaß und Ursachen von Zwangsverheiratungen in europäischer Perspektive“) das Feld beleuchtete und u.a. zu dem Ergebnis kam, dass Religion keine spezifische Rolle bei Zwangsverheiratungen spiele. Zudem fasst sie zusammen:
“Während einige Leute sich über die „harten Fakten“ in diesem Zusammenhang freuen, finde ich die Situation eher besorgniserregend, dachten wir doch in unseren Communities, dass dieses Phänomen heute nahezu ausgestorben ist. Selbst arrangierte Ehen sind heute eher rar. Doch heute scheinen uns Zwangsverheiratungen wieder einzuholen. Die Debatte über Zwangsverheiratungen dreht sich seit Jahren im Kreis, in dem auch heute noch der Fokus auf die (islamische) Religion gelegt wird. Zu unterschiedlich sind die Religionen (beispielsweise Hinduismus – Christentum), denen die Menschen angehören, die wiederum andere Menschen zwangsverheiraten oder zwangsverheiratet werden. Gläubigkeit stellt sich in diesem Zusammenhang als ein viel zu allgemeiner Wert dar.”
Auch der Blog Aktionsbündnis muslimischer Frauen e.V. wies u.a. und sehr ausführlich auf methodologische Mängel und inhaltliche Problematiken der Studie hin: Zudem wird auf potentielle Interessenlagen des Familienministeriums in Bezug auf die Studie verwiesen.
Nun haben die Wissenschaftler_innen der Zwangsheiratstudie eine Stellungnahme verfasst, in der sie sich von den Präsentationstechniken der Familienministerin distanzieren und zudem darauf hinweisen, dass bereits während der Arbeit an der Studie kontrovers diskutiert wurde, da Missverständnisse erwartet wurden. Migazin hat den genauen Wortlaut der Stellungnahme veröffentlicht; u.a. tun die Wissenschaftler_innen ihre Verwunderung über den Umgang mit Ergebnissen kund: (weiterlesen …)
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