Einträge mit dem Tag ‘Zwangsehe’


Kritik an Zwangsehen-Studie des Familienministeriums

28. November 2011 von Nadia

Anfang November veröffentlichte das Familienministerium die Ergebnisse einer Studie zum Thema “Zwangsheirat in Deutschland”: Es gäbe “bislang nur wenige wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse in Deutschland” zum Thema, weswegen das Ministerium die Studie in Auftrag gegeben habe. Bereits kurz nach Veröffentlichung der Studienergebnisse wurden vehement erste kritische Stimmen laut – unter anderem meldete sich Sakine Subaşı-Piltz zu Wort: Sie wies darauf hin, dass bereits 2007 eine von ihr und Yasemin Karakaşoğlu durchgeführte Studie („Ausmaß und Ursachen von Zwangsverheiratungen in europäischer Perspektive“) das Feld beleuchtete und u.a. zu dem Ergebnis kam, dass Religion keine spezifische Rolle bei Zwangsverheiratungen spiele. Zudem fasst sie zusammen:

“Während einige Leute sich über die „harten Fakten“ in diesem Zusammenhang freuen, finde ich die Situation eher besorgniserregend, dachten wir doch in unseren Communities, dass dieses Phänomen heute nahezu ausgestorben ist. Selbst arrangierte Ehen sind heute eher rar. Doch heute scheinen uns Zwangsverheiratungen wieder einzuholen. Die Debatte über Zwangsverheiratungen dreht sich seit Jahren im Kreis, in dem auch heute noch der Fokus auf die (islamische) Religion gelegt wird. Zu unterschiedlich sind die Religionen (beispielsweise Hinduismus – Christentum), denen die Menschen angehören, die wiederum andere Menschen zwangsverheiraten oder zwangsverheiratet werden. Gläubigkeit stellt sich in diesem Zusammenhang als ein viel zu allgemeiner Wert dar.”

Auch der Blog Aktionsbündnis muslimischer Frauen e.V. wies u.a. und sehr ausführlich auf methodologische Mängel und inhaltliche Problematiken der Studie hin: Zudem wird auf potentielle Interessenlagen des Familienministeriums in Bezug auf die Studie verwiesen.

Nun haben die Wissenschaftler_innen der Zwangsheiratstudie eine Stellungnahme verfasst, in der sie sich von den Präsentationstechniken der Familienministerin distanzieren und zudem darauf hinweisen, dass bereits während der Arbeit an der Studie kontrovers diskutiert wurde, da Missverständnisse erwartet wurden. Migazin hat den genauen Wortlaut der Stellungnahme veröffentlicht; u.a. tun die Wissenschaftler_innen ihre Verwunderung über den Umgang mit Ergebnissen kund: (mehr …)


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Sex in Filmen, Vodka-Tampons und sabotierte Kondome – die Woche im Rückblick

31. März 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 100 von 252 der Serie Kurz notiert

Nachdem uns neulich schon die Nachricht einer Userin erreichte, Vodka-Tampons seien ein Trend, der spontane Kopfschüttelreflexe auslöst, bestätigt der Südkurier dessen Aktualität. Die Pimpettes berichteten bereits 2008 drüber.

Dass eine junge Irakerin vor einer Zwangsheirat flüchtet und fürchtet, von ihrer Familie umgebracht zu werden, ist für das Hamburger Verwaltungsgericht kein Asylgrund. Weiter, so die taz, empfiehlt ihr das Gericht, sich das Jungfernhäutchen einfach wieder zunähen zu lassen, ”dass es zur Täuschung für die Hochzeitsnacht genügt“. Von Biologie hat man dort jedenfalls keine Ahnung.

„Hilfe, wir haben eine ‚Mencession‘“ hieß es mit dem Beginn der Krise – denn da verloren vor allem Männer ihre Jobs. Mit dem Aufschwung finden sie aber in Massen neue, während Frauen selbst in „weiblichen“ Branchen wie dem Dienstleistungssektor kaum eingestellt und teilweise sogar weiter entlassen werden. Die Toledo Blade hat Zahlen zum US-amerikanischen Arbeitsmarkt.

Den Einzug in den Landtag hat die NPD in Sachsen-Anhalt verpasst. Im Wahlkampf hatte ihr Spitzenkandidat noch Ratschläge zum Bombenbau gegeben und zur Vergewaltigung der Frauen in der Linkspartei aufgerufen, so die tagesschau.

Druck, gemeinsam ein Baby zu bekommen oder Sabotage von Kondomen und Pillenpackungen. Auch dies sind Formen von Gewalt in Beziehungen, die bisher oft übersehen werden. Laut RH Reality Check sollten Frauenärzt_innen ihre Patientinnen fragen, ob sie derartige Nötigung in ihrer Beziehung erleben. In einer Studie sank danach die Zahl der Übergriffe, während das Problembewußtsein stieg.

Der ehemalige Chefredakteur des Schwulenmagazins “Männer“, Peter Rehberg, holt im Freitag zum Rundumschlag gegen Judith Butler aus. Offenbar kann Rehberg nicht akzeptieren, dass Homosexuelle nicht vor rassistischen Allianzen gefeit sind, die Butler im vergangenen Jahr öffentlich angeprangert hatte. Besonders bemerkenswert sind seine lückenhaften Kenntnisse von Judith Butler, Michel Foucault, Queer Theory und postkolonialer Kritik im Artikel, weil er diese als Argumentation heranzieht, um Butlers Aussagen zu entkräften.

Ebenfalls vergangene Woche im Freitag erschienen: Katrin Rönickes persönliche Erfahrungen im Umgang mit Geschlechternormen bei der Kindererziehung. Nicht immer gehen Mutterschaft und das feministische Dasein problemlos zusammen.

Nach wie vor sind Jungen gegenüber Mädchen in der Schule benachteiligt, doch nicht mehr aus den immer wieder genannten Gründen. Die Feminisierung im Bildungsbereich, also dass Lehrkräfte heutzutage meist Frauen sind, hätte keine Auswirkungen auf die schulische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, so eine neue Studie der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Mehr seien strukturelle Gründe für den Nachteil anzuführen, berichtet lizzynet.de.

Armes Italien. Berlusconi, Mafia und ein deppertes Frauenbild. Aber Gianna Nannini tickt nach ihrer eigenen Uhr, auch biologisch. Über ihre Mutterschaft mit 54 und die italienischen Reaktionen darauf spricht sie im Interview mit Spiegel.online.

Ältere Frauen wollen ihre sexuellen Bedürfnisse stärker dargestellt sehen, Latinos und Schwarze finden dagegen, sie würden übersexualisiert: Das sind die Ergebnisse einer Umfrage des UK Film Council, die im Guardian nachzulesen sind.

Queer/feministische Termine für diesen Monat findet ihr in unserer Übersicht für April, die ihr gern in den Kommentaren weiter ergänzen dürft. Wir suchen übrigens für den kommenden Monat wieder queer/feministische Partys, Proteste, Lesungen, Filme, Aktionen… Veranstaltungshinweise könnt ihr über unser Kontaktformular an uns senden, auf unsere Facebook-Wall posten oder per Twitter an @grrrls_team schicken.


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Kritik an Polyamorie, Queer und Androzentrismus – Links der Woche

26. Januar 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 92 von 252 der Serie Kurz notiert

MuslimaMediaWatch und Gender Across Borders suchen Autor_innen! Interessieren euch Friedensprozesse und die Situation von Frauen im Mittleren Osten oder habt ihr einfach Lust schreibend an einem feministischen Projekt mitzuwirken? Dann ran an die Tasten!

Terre des Femmes fordert die Bundesregierung auf, nicht an der Ehebestandszeit zu rütteln. Im Rahmen eines neuen Gesetzes zur Bekämpfung von Zwangsheirat ist geplant, diese von zwei auf drei Jahre zu erhöhen. Demnach müssten Verheiratete, die dem_der Ehepartner_in nach Deutschland gefolgt sind, ein Jahr länger auf die Möglichkeit einer unabhängigen Aufenthaltserlaubnis verzichten. Trennen sich beide in dieser Zeit, bedeutet das für den_die zugezogene Ehepartner_in die sichere Abschiebung ins Herkunftsland. Die restriktive Zuwanderungs- und Asylpolitik Deutschlands wäre allein schon Grund zum Ärger, doch Opfer häuslicher Gewalt würde diese Regelung besonders hart treffen.

Warum Männer eine deutlich geringere Lebenserwartung als Frauen haben, ist schon oft diskutiert worden. Die FAZ berichtet, was vermutlich daran schuld ist: Zigaretten.

Queer ist tot!? – Im Interview mit dieStandard.at erklärt Soziologin und Philosophin Roswitha Scholz, warum Queer Theorie angeblich nicht an herrschenden Geschlechterverhältnissen und gesellschaftlichen Strukturen gerüttelt hat. Auch andere neuere feministische Theorien bekommen ihr Fett weg: Sie seien lediglich defizitäre Erklärungs- und Lösungsansätze in Krisenzeiten. Die Kategorie Geschlecht müsse neu und stets fundamental (mit)gedacht werden.

Im Clutch Magazine schreibt Dan Tres Omi, wie er schwarzer Feminist wurde und wie sich das Leben zwischen männlichem Privileg und Rassismus gestaltet.

Bei den Studierenden und den Promotionen haben Frauen heute weitestgehend gleichgezogen, danach aber sinkt ihr Anteil im akademischen Betrieb immer noch deutlich. Inside Higher Ed präsentiert eine neue Studie, die das teilweise erklärt. So müssen Assistenzprofessorinnen US-amerikanischer Unis mit Nachteilen rechnen, wenn sie Bachelorprogramme betreuen, für ihre männlichen Kollegen gilt das nicht. Außerdem klagen sie schon lange, überproportional häufig Service- und Gremienaufgaben übertragen zu bekommen, die dem akademischen Aufstieg ebenfalls nicht zuträglich sind. Auch diese Klagen konnte die Studie untermauern.

MsMagazine freut sich (und wir uns mit), dass die belgische Tennisspielerin Kim Clijsters keine Abwertungen ihres Körpers akzeptiert. Sie konfrontierte einen Interviewer mit einem charmanten Lächeln vor fast 40.000 Zuschauern mit seinem Sexismus und Lookism.

Polyamorie nur für die Eliten? Soziologe Thomas Schroedter erklärt im Gespräch mit Jungle World, warum sich nicht jede_r eine polyamoröse Beziehung leisten kann und inwiefern sich in dieser Beziehungsform bürgerliche Werte und Vorstellungen von Liebe spiegeln.

Je erfolgreicher und selbstbewusster Frauen sind, desto geringer sind angeblich ihre Chancen bei Männern. Männer und ihre Angst vor Frauen mit Macht, wurde schon mehrfach wissenschaftlich untersucht. Androzentrismus galore. Gähn. Trotzdem gibt es dazu mal wieder eine neue Studie, die Molly Lambert von theHairpin.com sarkastisch und humorvoll kommentiert.

Aufrufe und Termine nach dem Klick


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Frauen- und Gendernews im Überblick

29. Oktober 2010 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 59 von 252 der Serie Kurz notiert

Ein Schritt vor und zwei zurück? Nachdem HartzIV-Empfänger_innen kein Elterngeld mehr bekommen, sollen auch die Besserverdienenden davon ausgenommen werden, stand bei SpiegelOnline. Ein klitzekleines Bißchen mehr Gerechtigkeit, noch deutlicheres Eingreifen in die familiäre Selbstbestimmung oder Abwertung des Elterngeldes?

Außerdem auf der Agenda der Regierung stehen Zwangsverheiratung als neue, eigenständige Straftat und die gleichzeitige Erhöhung der Wartefrist zum eigenständigen Bleiberecht bei nachgezogenen Ehegatt_innen. Terre des Femmes kritisiert den „Kuhhandel“, die angestrebte Härtefallregelung werde wirkungslos bleiben, weil Gewalt in der Ehe kaum zu beweisen sei.

Mitten in der Integrationsdebatte erschien das neue Buch von Alice Schwarzer „Die große Verschleierung.“ Für die taz hat es sich Heide Oestreich durchgelesen und befindet: Keine praktischen Lösungen, sondern nur allgemeiner Alarm.

High Tech-Firmen werden selten von Frauen gegründet. Alle High Tech-Firmen? Nein, eine Branche widersetzt sich dem Trend. Slate erklärt, warum es in der Biotechnologie mehr Gründerinnen als in den anderen Zweigen gibt.

Aus der medizinischen Forschung gibt es dagegen schlechte Nachrichten. So berichtet die New York Times, dass die Hormontherapie für Frauen in der Menopause nicht nur das Brustkrebrisiko allgemein erhöht, sondern auch die Symptome erschwert und das Todesrisiko leicht ansteigen lässt.


Video October Trans 2010 (english) von Stop Trans Pathologization auf VimeoNoch ein Aktionstag, der leider schon letztes Wochenende war: Der Internationale Aktionstag gegen Trans*Pathologisierung. Mehr Informationen auf www.stp2012.info.

Die neuere Geschichte der Modelgrößentrends hat Mercedes Lauenstein auf jetzt.de zusammengetragen und beschreibt dabei auch ihre eigene Entwicklung. Vom „Heroin-Chic“ und Körperkomplexen weg, hin zu bunter Lebensfreude.

Um den „Feminismus des 21. Jahrhunderts“ geht es in dem zweisprachig englisch-französischen Magazin FEM 21 (pdf) der European Women’s Lobby. Mit dabei die Gewinner_innenfotos der EWL Photo Competition 2010, Mutterschaft und Behinderung und „Ich bin kein_e Feminst_in, aber…“.

Noch bis morgen läuft die Konferenz „Krisen bewältigen, bewaffnete Konflikte beenden“ des Gunda-Werner-Instituts und wer nicht teilnehmen kann, hat die Möglichkeit, einige der Veranstaltungen im Livestream anzuschauen.

Die Sendung queerblick tritt beim Bürgermedienpreis der Landesanstalt für Medien NRW an. Deutschlands erstes TV-Magazin für schwule, lesbische, bisexuelle und transidente Jugendliche ist für den Publikumspreis nominiert. Noch bis Sonntag 24 Uhr habt ihr Zeit, das einzige queere Format im Wettbewerb an die Spitze zu voten!

Zum Schluss noch etwas Polemik: Auf babyzimmer.de beschreibt Userin Eva den Zustand deutscher Damentoiletten (katastrophal) und die Sozialisation des Toilettengangs (furchtbar kompliziert).


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Saudi-Arabien: Anhebung des Mindestheiratsalters im Gespräch

28. April 2010 von Magda

Nachdem aktuell im Jemen ein Gesetzesentwurf diskutiert wird, das ein Mindestalter für Heiratende vorsieht und so Mädchen wie Elham Madhi al Assi vor dem Tod hätte bewahren können, regt sich nun auch Widerstand im Nachbarland Saudi-Arabien, in dem die Zwangsverheiratung von Kinderbräuten ebenfalls kein Einzelfall ist. Nachdem ein 12jähriges Mädchen die Scheidung von ihrem 80jährigen Mann erwirkte, werden nun Stimmen für die Einführung eines Mindestheiratsalters von mindestens 16 Jahren laut.

Das Mädchen wurde gegen ihren Willen dem Cousin des Vaters versprochen und die Ehe mit einer Mitgift von knapp 17.000 Euro beschlossen. Die Scheidung wird zwar nun nicht vor Gericht sondern privat verhandelt, erregte dennoch so viel Aufmerksamkeit, dass Mediziner_innen, Kinderpsycholog_innen, Sozialarbeiter_innen und Vertreter_innen des Islamischen Gesetzes den Vorschlag einer Einführung eines Mindestalters in den nächsten Monaten diskutieren werden.

Als eine religiös motivierte Rechtfertigung für die Verheiratung von Kindern dient seit jeher die Hochzeit des Propheten Mohammed mit einem 9jährigen Mädchen, obwohl sich auch einige saudische Kleriker gegen diese jahrhundertealte Tradition aussprechen: Im Januar bereits erklärte Scheich Abdullah al-Manie, dass die Zwangsheirat eines Mädchens vor mehr als 14 Jahrhunderten wohl kaum auch heute noch als Begründung ausreiche.

Menschenrechts-Beauftragte der Vereinten Nationen sind optimistisch, dass König Abdullah, seit 2005 König und Premierminister von Saudi-Arabien, der Verbesserung von Menschenrechten recht positiv gegenüber steht. Trotzalledem lässt eine Recherche zum Thema Frauenrechte in Saudi-Arabien noch wenig Platz zum Optimismus: Das Leben in Saudi-Arabien ist durch und durch geschlechtersegregiert, Frauen sind per Gesetz dazu angehalten, den ganzen Körper mit einer bodenlangen Abaya zu verhüllen, haben noch immer nicht das volle Wahlrecht, und machen nur 5% der bezahlten Arbeitskäfte aus.


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Kampf um das Heiratsalter im Jemen

25. März 2010 von Helga

Vor zwei Jahren machte die gerade einmal 8-jährige Nojoud Mohammed Ali weltweit Schlagzeilen, als sie sich von ihrem 22 Jahre älteren Ehemann scheiden liess. Nun ist sie, mit vielen weiteren Frauen, wieder aktiv:
Sie kämpft für ein neues Gesetz im Jemen, mit dem Mindestalter für Heiratende eingeführt werden sollen. Nach den bisherigen Vorschlägen sollen Mädchen mindestens 17 und Jungen 18 Jahre alt sein. Eltern, die sich nicht daran halten, würden künftig mit einer Geldstrafe von umgerechnet 500 US-Dollar oder bis zu einem Jahr Gefängnis bestraft werden. Konservative Abgeordnete sehen darin einen Verstoß gegen die Sharia und versuchen das Gesetz zu verhindern.

Am Montag protestierten nun hunderte Aktivistinnen vor dem jeminitischen Parlament für das neue Gesetz. 50 von ihnen trafen sich dem Parlamentssprecher, der ihnen u.a. vorschlug, auf die Strafe für Eltern zu verzichten. Die Aktivistinnen wollen jedoch weiter für das komplette Gesetz kämpfen. Gegenüber The National erklärte Nojoud:

“I went to ask the parliament not to touch the law that sets the marriage age at 17 years,” said Nojoud. “We have presented to them signatures from all over the country. Children like me should be protected and should go to school.”

„Ich bin zum Parlament gegangen um sie zu bitten, das Gesetz nicht anzurühren, dass das Heiratsalter auf 17 Jahre setzt.” sagte Nojoud. „Wir haben ihnen Unterschriften aus dem ganzen Land präsentiert. Kinder wie ich sollten beschützt werden und sollten zur Schule gehen.”


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8-Jährige für 5.400 Euro

21. Dezember 2008 von Susanne

Bei solchen Nachrichten bleibt einem fast das Herz stehen:

Ein Richter in der saudi-arabischen Stadt Aneisa hat sich zum zweiten Mal geweigert, dem Scheidungsantrag eines achtjährigen Mädchens stattzugeben. Das Mädchen war von seinem Vater mit einem Mann verheiratet worden, der etwa 50 Jahre älter ist als die Viertklässlerin. (…) Der Vater hatte das Mädchen regelrecht verkauft. Der Ehemann erließ dem Vater als Gegenleistung für die Heirat mit dem Kind Schulden in Höhe von rund 5400 Euro.


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Aufstand der Frauen

17. November 2008 von Susanne

Ein schneller TV-Tipp für heute Abend: Um 21.45 Uhr sendet die ARD einen “Report München” zum Thema

Zwangsheirat in Deutschland
Aufstand der türkischen Frauen

Zwischen Januar und Oktober 2008 sind in einer großen deutschen Stadt zehn türkischstämmige Frauen zur Polizei gegangen und haben Strafanzeige gegen ihre Ehemänner erstattet. Eine dieser Aussagen liegt report MÜNCHEN exklusiv vor und ermöglicht uns einen Einblick in das deutsche Leben einer türkischen Zwangsehe. Kein Einzelschicksal, sondern Teil einer wachsenden Gruppe von zwangsverheirateten Frauen aus der Türkei in Deutschland. Nun gehen Frauen an die Öffentlichkeit – und klagen ihre Männer an.

Zum gleichen Thema brachte die Süddeutsche Zeitung in der letzten Woche eine sehr lesenswerte Seite 3: “Gefangen im Unaussprechlichen”.


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Zwangsehe per Gesetz verbieten

26. Oktober 2008 von Susanne

In der aktuelle Ausgabe der Zeit fordert die Rechtsanwältin und Autorin Seyran Ates die deutsche Bundesregierung auf, Zwangsheiraten unter Strafe zu stellen. Einen Gesetzesentwurf des Bundesrates gibt es schon seit drei Jahren. Nur, dass seitdem nichts passiert ist.

Natürlich verstoßen Zwangsheiraten auch jetzt schon gegen das Gesetz. Sie können als besonders schwerer Fall von Nötigung geahndet werden, gegebenenfalls kommen Verschleppung, Vergewaltigung und andere Straftatbestände hinzu. Doch das spezifische Unrecht, das Mädchen und Frauen mitten in unserem Land angetan wird, wird durch diesen rechtlichen Umweg nicht ausreichend benannt. Ein eigener Straftatbestand würde ein deutliches Zeichen an Täter und Opfer senden, dass die Bundesrepublik diese Menschenrechtsverletzung nicht toleriert. Es wäre ein Signal an die Öffentlichkeit, an Lehrerinnen, Sozialarbeiter und die Polizei und an gut meinende Publizisten, die immer noch von aufgebauschten Einzelfällen reden.

Die Botschaft lautet: Zwangsheirat ist kein Brauch, den die deutsche Gesellschaft als kulturelle Eigenart oder tolerierbares Fehlverhalten von Zuwanderern bestaunen sollte. Zwangsheirat ist eine Menschenrechtsverletzung, die Mädchen und Frauen im Namen von Tradition und Kultur angetan wird. Dieses Unrecht darf das Gesetz nicht nur en passant abhandeln.

Ates sieht das Problem im Justizministerium, in dem anscheinend niemand das Thema auf die Tagesordnung bringen will.

Wer Seyran Ates’ Aufruf unterstützen möchte, kann sich hier direkt an die Bundesjustizministerin Brigitte Zypries wenden.


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Hatun & Can

11. September 2008 von Barbara

Vor drei Jahren gründete Andreas Becker in Berlin den gemeinnützigen Frauen-Nothilfeverein „Hatun & Can“. Der Verein heißt nach der 2005 ermordeten Hatun Sürücü und ihrem Sohn Can und hat sich zum Ziel gesetzt, Frauen in Krisensituationen zu helfen. Die Hilfe gilt besonders Mädchen, die zwangsverheiratet werden sollen, und Frauen, die misshandelt wurden. Sie sollen auf schnellem und unbürokratischem Weg die Möglichkeit einer neuen Existenz in Sicherheit bekommen. Im Interview spricht Becker, 1. Vorsitzender und Vereinsgründer von Hatun & Can e.V., über die aktuelle Situation und über die tägliche Arbeit des Vereins.

Andreas Becker sagt: Wir haben nach wie vor fünf bis zehn Anfragen pro Tag, in denen Frauen und Mädchen bundesweit um Hilfe bitten. Wir haben das mal für das Jahr 2008 zusammengezählt, insgesamt kamen da schon um die 1.200 Anfragen, nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus anderen Ländern.

Wer meldet sich bei Ihnen?
Unterschiedlich; teilweise die betroffenen Frauen und Mädchen selbst, teilweise auch Leute, die davon erfahren haben. Kürzlich etwa meldete sich eine Ärztin aus München, die von einem jungen Mädchen sprach, die zwangsverheiratet werden sollte. Die Ärztin hatte zwei Schusswunden in den Beinen des Mädchens behandelt und bat um Hilfe. Über einen Bekannten konnte das Mädchen gerettet werden.

Wie kann man sich eine „Rettung“ vorstellen?
Wir nehmen Kontakt mit dem Mädchen oder der Frau auf; prüfen Aufenthaltsstatus und Alter – ist sie unter 18, arbeiten wir mit dem Jugendamt zusammen – und versuchen, sie zuerst in eine Schutzwohnung und dann an einen Ort, der 250 bis 300 km entfernt von ihrem Heimatort liegt, zu bringen.

Was, wenn es schnell gehen muss – wie ist die Zusammenarbeit mit der Polizei?
In Berlin sehr gut. Vor kurzem wurden zwei 18-Jährige, die vor ihrer Zwangsverheiratung vergewaltigt wurden, am Flughafen von der Kriminalpolizei aus den Fängen eines Mannes gerettet. Der Mann kam in U-Haft; die jungen Frauen haben wir sofort in ein anderes Bundesland gebracht.

Der Verein finanziert sich über Spenden. Wer finanzielle Hilfe leisten möchte, kann das hier machen:
Hatun und Can e.V.
Berliner Sparkasse
BLZ: 100 500 00
Konto: 660 303 7333


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