Judith Butler und die schwul-lesbische Dekonstruktion
22. Juni 2010 von NadineJudith Butler lehnt den Zivilcourage-Preis des CSD ab – was für die Medien ein Eklat, ist für die Veranstalter_innen des Berliner CSD und dem Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) nicht mal eine Stellungnahme wert. Bis zu diesem Zeitpunkt findet sich auf beiden Homepages keine offizielle Entgegnung zu den Vorwürfen, die Butler an die deutsche schwullesbische Bewegung heranträgt. Das ist ärmlich. Lediglich CSD-Sprecherin Claudia Rische beklagt, dass sich Butler nicht vorher mit den Veranstalter_innen unterhalten hätte, Robert Kastl, Geschäftsführer CSD-Veranstalter-Komitees, will von Rassismus innerhalb der Community nichts wissen und Jan Feddersen, von 2005 bis 2009 Mitorganisator des CSD in Berlin, hängt sich lieber daran auf, dass Butler den Business-Class-Flug genoss, statt den Preis im Vorfeld abzulehnen und damit natürlich auch auf ihre Rede am Samstag hätte pfeifen können. Ich sehe hier keine konstruktive Auseinandersetzung mit Butlers Kritik, kein Aufgreifen ihrer Gedanken, nicht mal eine plumpe Rechtfertigung. Schlimmer noch: Subalterne Stimmen von LesMigras, GLADT, Suspect, ReachOut und dem Transgenialen CSD werden in der medialen Auseinandersetzung erneut unsichtbar gemacht, sogar negiert.
Doch noch einmal kurz zurück auf Anfang. Was hat die Butler denn nun eigentlich kritisiert? Neben der fast schon obligatorischen Kritik am CSD Berlin – eine zu kommerzielle, mainstreame und unpolitische Ausrichtung – hält Butler den Veranstalter_innen vor, rassistisch zu sein bzw. sich nicht von Rassismen innerhalb der schwul-lesbischen Community zu distanzieren, insbesondere anti-muslimische Ressentiments würden gepflegt, das Thema Mehrfach- oder auch intersektionelle Diskriminierung nicht berücksichtigt.
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