Einträge mit dem Tag ‘Zensur’


Ob Ägypten oder Pakistan, Frauen kämpfen für ihre Rechte

23. November 2011 von Helga

Am Dienstag hat in Tunesien die neu gewählte Nationalversammlung ihre Arbeit aufgenommen. Nachdem die islamische Partei Ennahda stärkste Kraft geworden ist, fragen sich viele Frauen, wie es um ihre Rechte in Zukunft bestellt sein könnte. Die New York Times sieht „gemischte Zeichen“, dieStandard.at zeigt sich optimistischer, da die tunesische Frauenbewegung gut organisiert sei.

Nach den jüngsten Protesten gegen das Militärregime, sieht es im benachbarten Ägypten wieder düsterer aus. Unter dem Hashtag #egywomen organisieren sich Ägypterinnen zu Frauenblöcken und menschlichen Schutzschilden auf dem Tahrir­platz, Videos (Triggerwarnung) und Fotos demonstrieren die Gewalt, die derzeit herrscht.

Eine Gruppe ägyptischer Frauen, die ein Plakat hochhalten. Auf arabisch steht: Wir werden Tantawi eine neue Revolution zeigen.

Egywomen mit Schild: Wir werden Tantawi (Vorsitzender der herrschenden Militärrats) eine neue Revolution zeigen. Foto via Twitpic

Vor allem im Westen löste dagegen das Nacktbild der Bloggerin Aliaa Elmahdy Aufregung aus. 40 israelische Frauen zogen sich aus Protest mit aus, allerdings nicht ganz. Selbst die BILD berichtet über Elmahdy – ihr Fall ist inzwischen vor allem ein Lehrstück für die Unfreiheit der Körper westlicher Frauen, wie der Stern zutreffend erläutert. Mit einer anderen ägyptischen Aktivistin hat dieStandard.at gesprochen: Heba Habib ist eine der Gründerinnen von harassmap.org, einem Webprojekt das sexuelle Belästigung sichtbar macht.

Auch im Jemen gibt es weiter Proteste gegen Diktator Saleh. Zuletzt wurde wieder einmal die Gewalt gegen Frauen und Kinder angeprangert, so Bikya Masr. Außerdem solle die Mitgliedschaft des Jemen in der Arabischen Liga eingefroren werden, wie es gerade mit Syrien gemacht wurde.

Ganz anders sieht die Situation der Frauen in Malaysia aus. Dort gibt es inzwischen mehr Studentinnen als Studenten der Islamischen Studien. Mit Zaleha Kamaruddin steht seit kurzem erstmals eine Frau an der Spitze einer islamischen Universität und auch im Fernsehen ist der Trend angekommen. Gleich zwei Sendungen suchen die „muslimische Superpriesterin“ und spiegeln damit auch die immer stärkere Rolle von Frauen im öffentlichen Leben wieder, so die New York Times.

Zum Schluss noch eine direkt skurrile Nachricht: Enthalten SMS Schimpfwörter, sollen sie in Pakistan künftig blockiert werden, aber auch Wörter wie „Periode“, „Vagina“ und „Kondom“, berichtet heise. Ein Ende der Obsession mit weiblichen Körpern fordert daher Kolumnistin Urooj Zia in Pakistan Today. Wie sich inzwischen herausgestellt hat, scheint die Liste ursprünglich aus den USA zu stammen. Genauer gesagt handelt es sich weitestgehend um ein Plagiat der „1.159 Naughty Words“ (Unanständigen Wörtern) der Football-Liga NFL. Ob die Liste deswegen noch einmal überarbeitet werden soll?


Facebook | |


Vermisst!

15. April 2009 von Verena

Eine Eiersuche der besonderen Art hat Amazon dieses Osterfest veranstaltet: Bücher mit schwul/lesbischen oder sexualitätsbezogenen Inhalten – insgesamt mehr als 57.000 – waren weder über die allgemeine Suchfunktion noch die Verkaufsrankings zu orten. Selbst Klassiker wie „Lady Chatterley“, Charlotte Roches „Feuchtgebiete“ oder Michel Foucaults „Sexualität und Wahrheit“ sollen nicht aufrufbar gewesen sein.

Der schnell organisierte Protest in der Blogger- und Twitterszene erreichte auch Amazon, die erklärten, bei der Bücher-Vermisstenliste handele sich um eine, durch die falsche Eingabe eines Mitarbeiters ausgelöste, Panne im System, die bereits behoben sei. Aus Versehen seien dabei alle als „adult“-gekennzeichneten Bücher aussortiert worden. Dass der Hase da trotzdem irgendwie verkehrt gelaufen sein muss, darauf wies unter anderem die Taz hin, denn

der schwule Schriftsteller Mark R. Probst wiederum sagt, dass er von Amazon sogar eine schriftliche Begründung für das Verschwinden seines Buches von der Liste bekommen habe: Geschehen sei dies, um das Amazon-Angebot (…) familienfreundlicher zu gestalten

Den Aspekt der Familienfreundlichkeit halte ich für absolut daneben, sind homosexuelle Paare mit Kindern denn keine Familien? Außerdem brisant: Christlich motivierte Ratgeber, wie Eltern ihre Kinder vor Homosexualität bewahren könnten, waren von der Panne nicht betroffen – das nämlich hat I Heart Digital Life getestet.

Da stellt sich doch die Frage, was bei Amazon alles als „adult“ bezeichnet wird. Demnach scheint jedes Buch, das von einer lesbischen Autorin oder einem schwulen Autor verfasst wurde, in diese Kategorie zu fallen. Genauso wie medizinische, historische oder sozialwissenschaftliche Arbeiten. Beim Argument „Zum Schutze der Kinder“ hat Zensur immer leichtes Spiel. Aber solange die Tagesschau ohne FSK-Angabe läuft, sollten doch bitte auch andere Lebensrealitäten vollends abbildbar sein. Und wir sollten uns von einem der größten Internetanbieter nicht vorschreiben lassen, welche Bücher zu welchem Thema relvant sind. Auch damit der Irrglaube aufhört, durch Zensur existierten gewisse Realitäten nicht mehr.

Eine positive Nebenbemerkung ist aber noch drin. I Heart Digital Life schreibt:

Die Amazon-Geschichte hat sehr deutlich gezeigt, wie wunderbar Blogs und Twitter zusammen funktionieren, um schnelle, nicht-organisierte Proteste hervorzubringen. Allein mit Blogs hätte es vielleicht ein paar Tage länger gedauert und der Aufschrei wäre auch nicht so massiv geworden, durch Twitter und die Hashtags #amazonfail und #glitchmyass dagegen konnten viele Leute mal Schnell ihren Unmut kund tun, die Story verbreitete sich rasend schnell, und entsprechend groß war dann auch der Druck auf Amazon.

Amazon, digital brothers and sisters are watching you!


Facebook | |



Anzeige