Einträge mit dem Tag ‘Wissenschaft’


Sowas! Sexualisierte Bilder verstärken Sexismus

2. März 2012 von Helga

Schluss mit der Ausrede, die allgegenwärtigen Bilder von nackten Frauen, bzw. ihren sexualisierten Körpern wären „harmlos“. Tatsächlich verstärken sie Sexismus, wie Forscherinnen aus Princeton herausgefunden haben. Im Journal of Cognitive Neuroscience stellen sie eine Studie (PDF) vor, die Reaktionen auf sexualisierte und „vollständig bekleidete“ Körper vergleicht. Verwendet wurden implizite Asso­zia­tions­tests und funktionelle Magnetresonanztomographie. Leider sind keine der verwendeten Bilder zu sehen, so dass man einfach davon ausgehen muss, dass der Unterschied wirklich in der Sexualisierung liegt – die Menge an Kleidung hat damit ja nicht unbedingt etwas zu tun.

Getestet wurden zunächst heterosexuelle Männer und Frauen auf implizite Asso­ziationen. Genauer untersucht wurde auch, ob sie besonders sexistische Ansichten hatten. Wenig überraschend assoziierten sexistische Männer sexualisierte Frauenbilder eher mit Objekten, denn mit Subjekten. Die anschließende Unter­suchung mittels Magnetresonanztomographie bestätigte die Ergebnisse.

Eine Erkenntnis mit Folgen. Denn wer Frauen nicht mehr als selbstständig handelnde Menschen wahrnimmt, sondern als Objekte, spricht ihnen auch ihre Wünsche und Gedanken ab und ignoriert diese schneller. Im schlimmsten Fall kann dies zu sexuellen Übergriffen führen, wie Sociological Images warnt. Schließlich bedeutet es vor allem eins: Die Darstellungen sexualisierter Frauenkörper, ob in Werbung, Fernsehen oder sonstwo, sind nicht „einfach nur da“, sie verstärken Sexismus und das ist ein Problem.


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Keine Ahnung von Wissenschaft – die Wissenschaftsredaktion von ORF.at

21. Februar 2012 von Helga

Kausalität und Korrelation sind zwei ähnlich klingende Wörter. Das muss man den Redakteur_innen von science.ORF.at lassen. Die Bedeutung ist aber fundamental verschieden. Kausalität bedeutet, dass A die Ursache von B ist. Korrelation bedeutet, dass A ein Indikator für B ist. Gerade in einer Wissenschaftsredaktion sollte mensch sich dessen bewußt sein.

Bei science.ORF.at fehlt es anscheinend an diesem Basiswissen. Gepaart mit Sexismus kommt dann solch Mist wie heute heraus, der Opfern noch die Schuld in die Schuhe schiebt. Es geht um eine Studie, die sich mit Misshandlung von Kindern beschäftigt, die „geschlechteruntypisches“ Verhalten zeigen. Tatsächlich sind diese Kinder mehr psychologischem, physischem und sexuellem Missbrauch ausgesetzt, auch das Risiko einer post-traumatischen Belastungsstörung ist erhöht. Ge­schlechts­untypisches Verhalten sei ein Indikator für spätere Probleme, schreiben die Wissen­schaftler_innen in Pediatrics.

Wie lautet nun die Überschrift? „Mädchenspiele können Gesundheit gefährden“. Warum Mädchenspiele mit geschlechtsuntypischem Verhalten gleichgesetzt werden? Keine Ahnung, vielleicht die „männlich ist Standard“-Falle. Dabei sind Mäd­chen­spiele für Mädchen sogar völlig ungefährlich. Im Gegenteil, es geht um kein einziges Spiel, das die Gesundheit gefährdet – die Misshandlungen werden von Täter­_innen begangen, an den Kindern. Trotzdem schreibt der erste Absatz den Kindern und damit den Opfern noch einmal die Verantwortung zu:

Wenn Buben mit Puppen und Mädchen Indianer spielen, dann drehen sie nicht nur geläufige Stereotype um, sondern setzen damit auch ihre Gesundheit aufs Spiel. Denn sie bekommen von ihrer Umgebung so viel negatives Feedback, dass sich das massiv auf ihr Selbstbewusstsein auswirken kann.

Dass es sich dabei um Missbrauch und Misshandlung dreht, unterschlägt der Ausdruck „negatives Feedback“ leider auch. Sondern erweckt noch den Eindruck, wenn sie sich nur „normal“ verhalten würden, könnten sich die Kinder schützen. Ob geschlechtsuntypisches Verhalten eine Reaktion auf Missbrauch ist oder in ihn auslöst, ist allerdings ungeklärt. Und selbst wenn es letzteres ist, liegt die Schuld immer noch bei den Täter_innen.

Mit ihrer Forschung wollen die Wissenschaftler_innen übrigens das Risiko für Kinder minimieren, die Geschlechterstereotypen nicht entsprechen – die Redaktion von ORF.at macht Ihnen das Leben leider nur noch schwerer.


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Mädchen können wirklich genauso gut Mathe wie Jungen!

21. Dezember 2011 von Helga

Seit Jahren bereits werden die Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen kleiner, wenn es um die Matheleistungen geht. Schon 2009 war klar, dass die Ergebnisse vor allem mit der Chancengleichheit der Geschlechter korrelierten. Aus­schlag­gebend seien sozio-kulturelle Faktoren so die Forscherinnen der University of Wisconsin.

Kinderbeine in rosa Hosen und Schuhen, die über einem Hüpfspiel mit bunten Zahlen schweben (in Strawberry Free Creative Commons)

Nun hat das Team um Janet Hertz mit einer neuen Studie (PDF) in Notices of the AMS nachgelegt. Das letzte Argument unterschiedlicher Fähigkeiten war die größere Streuung: Es gäbe sowohl mehr besonders begabte Jungen, wie auch besonders unbegabte. Die Ergebnisse von Mädchen lägen dagegen dichter beieinander. Das gilt tatsächlich für einige, aber nicht alle Länder. Setzt man die Streuung unter Jungen und Mädchen ins Verhältnis, ist die Streuung unter taiwanesischen Achtklässlern größer als unter ihren Klassenkameradinnen. Genau anders herum ist aber in Tunesien, während in Marokko die Streuung unter allen Schüler_innen gleich ist.

In einigen Ländern mit mehr Streuung unter den männlichen Schülern zeigte sich noch etwas anderes. So war die Streuung unter den Schülern in Bahrein deutlich höher als die der Schülerinnen, im Durchschnitt erzielten Mädchen dort aber bessere Leistungen als die Jungen. Der Grund könnte kulturell bedingt sein: Vermutlich verlassen dort schlechte Schülerinnen weiterhin früh die Schule.

Auch für andere Thesen gibt es keine Beweise, so helfe Geschlechtertrennung im Unterricht nicht. Stattdessen untermauert die Studie noch einmal die vorherigen Ergebnisse, denn in Ländern mit mehr Chancengleichheit erzielen alle Schüler_innen bessere Matheleistungen. Besonders für wohlhabende Länder zeige sich, dass die Teilhabe von Frauen am Arbeitsmarkt der Hauptindikator für gute Leistungen sei. „Viele Leute glauben, Geschlechtergerechtigkeit sei ein Nullsummenspiel.“ so Janet Mertz. „Wenn Frauen mehr bekommen, kriegen Männer weniger. Aber unsere Resultate zeigen, dass, zumindest bei Mathetests, Geschlechtergerechtigkeit eine Win-Win-Situation ist.“


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Geschlecht sichtbar machen – aber wie?

21. September 2011 von Nadine

Wenn heutzutage über Geschlecht gesprochen wird, sind nur wenige daran interessiert. Einerseits, weil es auf viel Unverständnis stößt, da Gleichberechtigung heute in den meisten Lebenszusammenhängen nach Eigenangabe freiwillig und selbstverständlich gelebt wird, andererseits, weil die Gesetzeslage auf den ersten Blick eindeutig erscheint: Der alte Geschlechterkampf ist vorüber, die großen Themen ausgefochten und gesetzlich verankert. Viele können ihre Geschlechterrolle ausfüllen, es gibt viele Modelle, an denen sich orientiert werden kann.

Auch wenn mit der formalen Gleichberechtigung von Mann und Frau vieles in modernem Gewand auftritt, ist Geschlecht nach wie vor eine sehr wirkmächtige Kategorie, die auf verschiedenen Ebenen zu Tage tritt. Mal mehr, mal weniger explizit. Die Wirkmächtigkeit bezieht sich darauf, inwiefern verschiedenene Geschlechtermodelle gelebt, ausprobiert werden können, wie sich Beziehungen gestalten, ja eigentlich – inwieweit sich Geschlecht auf das eigene Leben auswirkt oder eher in den Hintergrund tritt.

Wer sich mit Geschlecht (auch politisch) auseinandersetzen will, braucht dazu einen ziemlich großen Wissensvorrat. Leider ist der kaum zugänglich, weil in den Wissenschaften verhaftet und um mit diesem umgehen zu können, benötigt es außerdem größere kontextuelle Bezüge, die auch nicht mit dem Lesen von 1,2 Büchern zum Thema abgehakt sind. Es ist – wie so oft – kompliziert, das Funktionieren von Gesellschaft (nicht nur) unter Geschlechterperspektive zu verstehen und einzuordnen. Hinzu kommt, dass eine Fülle an Alltagswissen über Geschlecht kursiert, das tief verankert ist, mit dem wir sozialisiert wurden, das uns einen Orientierungsrahmen bietet. Sich kritisch mit Geschlecht zu beschäftigen, bedeutet: Diesen Orientierungsrahmen (zeitweise) zu verwerfen, alte Wertvorstellungen zu überdenken, sich selbst und andere zu kritisieren. Das braucht Zeit, Willen, Kraft. Ohnmachtsanfälle, Schuldgefühle und Abwehrhaltungen sind da schon mal vorprogrammiert.

Deshalb ein paar kurze Vorschläge, unter welchen Gesichtspunkten Geschlecht sichtbar gemacht und analysiert werden kann:

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Mit aufgeklebten Bärten und ausgeliehenen Stöckel­schuhen

8. September 2011 von Magda
Dieser Text ist Teil 6 von 13 der Serie Wanna Disco? Listen Up!

Supernachmittag

Seit 2003 gibt es “Supernachmittag” in der Duo Formation mit Sol Haring (git, vox, blues harp) und Anita/Peter Mörth (bass, vox, geige). Sol ist Musikerin in diver­sen Pro­jekten, Digital Media Künstlerin und Wissen­­schaftlerin in Graz. Anita/Peter ist Musiker, Künstlerin, Wissen­schaft­lerin und derzeit Qualitäts­­manager in Berlin. Im Inter­view mit der Mädchenmannschaft sprechen die beiden über die Grazer feministische Musik-Szene, die Verbindung von Gender Theorie und Musik und über irritierte Konzert­gänger_innen. Nicht nur musikalisch sind sie gut ausgestattet: Bärte, Stöckel­schuhe, Röckchen und Sakkos; Kot­letten, Männer­schuhe, Zigarren und Gitarren.

Was hat es eigentlich mit eurem Namen “Supernachmittag” auf sich?

Sol: Anita/Peter hat den Namen erfunden. Unsere Ab­kürzung – ein Name, unter dem wir auch be­kannt sind – ist: SNM.

Peter: Anfangs waren mehrere Inter­­pre­tationen für die Ab­kürzung im Spiel: von Sol aNd Moerth bis SexyNightMare – aber Super­nachmittag ist es dann ge­worden.

Ihr kommt aus Graz (Österreich). Gibt es dort so etwas wie eine feministische Musik-Szene?

Sol: Ja, die gibt es gerade vermehrt, im Forum Stadt­park gibt es zwei­mal jährlich die Grrrls Night Out, im November mit dem Motto “noise”. Es gibt außer­­dem ein sehr aktives Ladyfest Team und die OeH der Uni setzt sich auch für Frauen in der Musik ein.

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Es gibt sie wirklich, die bisexuellen Männer

24. August 2011 von Helga

Ein weißer Mann mit blondierten Haaren und einer blauen Gitarre

Bildet sich seine Bisexualität nicht nur ein: Billie Joe Armstrong (Bild von Walkingonadream / Wikimedia Commons)

Man glaubt es kaum, aber die Existenz bisexueller Männer war in Forscher­_innen­kreisen bisher umstritten. So ergab eine Studie 2005, dass sie eigentlich verkappte Homo­sexuelle sein. Damals waren allerdings Probanden über Anzeigen in schwulen und „alternativen“ Publikationen rekrutiert worden und dann anhand eines Standard­fragebogens (sagt schon einiges) in die Kategorien hetero-, bi- und homosexuell eingeteilt worden.

Nun, so die New York Times, wurden für eine neue Untersuchung tatsächlich selbst identifizierte bisexuelle Männer ausgesucht. Und, tada, hier zeigte sich Erregung bei Schwulen- und Lesbenpornos. Diese gaben die Männer nicht nur an, sie wurde auch noch über die Messung der genitalen Erregung bestätigt. Eine andere Studie, die sich mit der Erregung beim Ansehen von heterosexuellen Pornos beschäftigte, unterstreicht demnach das Ergebnis. Dabei seien bisexuelle Männer stärker erregt gewesen als die Hetero- und Homosexuellen.

[An dieser Stelle denkt Euch bitte einen Rant darüber, dass Selbst­beschreibungen in der Wissenschaft bis heute viel zu oft ignoriert und abgetan werden, solange sie nicht in vorhandene Modelle passen. Dass diese Modelle aber unsere Gesellschaft prägen und den Betroffenen dann das Leben verflixt schwer machen können, weil sie auf einmal zum „anderen“, zum „nicht-passenden“ werden. Dass Wissenschaftler_innen noch viel kritischer sein müssten, wenn es um ihre eigenen Vorannahmen, Studiendesigns und Auswertung geht. Und dass es irgendwie verdammt schwierig ist, sexuelles Begehren in hübsche, passgenaue Kästchen zu zwingen und dann ein Label draufzupappen.]


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Der alltägliche Sexismus – und was sich dagegen tun lässt

3. August 2011 von Helga

Manchmal sehen wir den Wald vor lauter Bäumen nicht. So lassen sich die Er­geb­nisse einer Studie von Julia C. Becker und Janet K. Swim beschreiben, die sie vor kurzem im wissenschaftlichen Journal Psychology of Women Quarterly ver­öffent­licht haben (begrenzt öffentlich verfügbar). Danach bestätigen und verbreiten wir sexistische Annahmen, weil sie so weit verbreitet sind, dass wir sie gar nicht mehr als sexistisch wahrnehmen.

Darunter fällt etwa der „gutgemeinte“ Sexismus, nach dem Frauen die besseren Menschen seien und sich z.B. besser um Kinder kümmern können. Er wird seltener als Sexismus benannt und scheint zunächst ein positives Frauenbild zu vermitteln. Dabei vertieft er die Machtgefälle zwischen Männern und Frauen und festigt das Bild von Frauen als schwachen Menschen. Tatsächlich zeigen Frauen sogar schlechtere kognitive Leistungen, wenn sie gönnerhaften, herablassendem Verhalten ausgesetzt waren. Trotzdem wehren sich wenige dagegen und verbreiten sexistische Ansichten auch selbst weiter.

Was also lässt sich tun? Die Wissenschaftlerinnen ließen ihre Proband_innen Tagebuch führen, welche Arten von sozialen Interaktionen sie beobachteten. Wurden darunter explizit sexistische Beispiele vorgegeben, erhöhte sich nicht nur die Wahrnehmung dieser – die Probandinnen selbst hatten danach weniger sexistische Ansichten. Bei den Probanden reichte es allerdings noch nicht aus. Erst wenn sie zusätzlich gebeten wurden, sich in die Betroffenen der sexistischen Vorfälle zu versetzen und ihre möglichen Emotionen zu notieren, veränderte sich ihre Einstellung. Dies liege am höheren gesellschaftlichen Status, den Männer innehaben, so die Autorinnen. Damit einher ginge ein größeres Interesse, diesen erstmal beizubehalten.

Auch wenn es auf Dauer ermüdend scheint – mehr Bewußtsein zu schaffen für alltäglichen Sexismus zahlt sich also aus. Wer die sexistischen Bäume erkennt, pflanzt keine neuen mehr. In Gesprächen mit Männern braucht es dagegen noch die Frage „Was meinst Du, wie ich mich bei sexistischer Kackscheisse fühle?“


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Eine Replik auf „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“

20. April 2011 von Helga
Dieser Text ist Teil 51 von 60 der Serie Die Feministische Bibliothek

Gelber Buchtitel von: Warum Frauen glauben, sie könnten nicht einparken – und Männer ihnen Recht geben (der Titel ist in rot) darunter: Über Schwächen, die gar keine sind | darunter ein Comicbild von einem Mann am Steuer eines Wagens, mit einer blonden Frau im Pelzmantel als Beifahrerin Frauen können nicht einparken, Männer finden sogar ohne Karte noch ihr Auto in einer fremden Stadt wieder. Frauen orientieren sich an Gebäuden, Männer an Himmelsrichtungen – dass in diesen Klischees auch wissenschaftliche Wahrheit stecke, behaupteten besonders erfolgreich Barbara und Allen Pease. Zum Ärger der Psychologin Prof. Dr. Claudia Quaiser-Pohl und der Neurobiologin Dr. Kirsten Jordan. Beide erforschen in ihrer täglichen Arbeit, wie Männer und Frauen Informationen verarbeiten, vor allem, wenn es um die Orientierung geht. Zusammen mit 15 weiteren Wissenschaftler_innen stellen sie in „Warum Frauen glauben, sie könnten nicht einparken – und Männer ihnen Recht geben“ die Ergebnisse ihrer Arbeit vor und setzen sich dezidiert mit den Thesen der Peases auseinander.

In den ersten Kapiteln geht es um Aufbau und Funktionsweise des Gehirns und damit einige populäre Weisheiten: Bei Frauen kommunizierten die beiden Gehirnhälften besser miteinander, Männern fehlte dagegen ein eigenes Sprachzentrum im Gehirn. Für die erste Annahme gibt es bis heute nur uneindeutige und widersprüchliche Ergebnisse, die zweite Annahme ist lange widerlegt: Auch Männer haben ein Gehirnareal für Sprachen.

Auch Untersuchungen zum Einfluss der Sexualhormone stellen sie vor. So korrespondierten Schwankungen im Monatszyklus mit Schwankungen in einigen Testergebnissen. Vom Hormonspiegel auf die Berufseignung oder -neigung zu schließen ist den Autor_innen zufolge aber ein Fehler. Je nach Zyklusphase erreichten die untersuchten Frauen bessere Ergebnisse in Tests, die sie auch ansonsten gut bewältigten, aber auch in Tests, in denen sonst Männer die besseren Leistungen zeigten. Auch Männer sind vor Leistungsänderungen übrigens nicht gefeit – und inzwischen ist klar, dass ihr Testosteronspiegel ebenfalls deutlich schwankt, von tages- bis jahreszeitlichen Veränderungen.

In den weiteren Kapiteln werden verschiedene Studien zur räumlichen Orientierung und der Fähigkeit, Gegenstände mental zu rotieren, erläutert. Ausgewählte Testaufgaben zum selbst testen und die grafisch aufbereiteten Ergebnisse erleichtern dabei das Nachvollziehen. Tatsächlich gibt es verschiedene Strategien im räumlichen Denken, die auch von Männern und Frauen verschieden häufig genutzt werden. Allerdings gibt es keine ausschließlich weiblichen oder männlichen Strategien, oft werden sie auch kombiniert – von beiden Geschlechtern.

Hinter den Ergebnissen steht immer noch die Frage „Nature or Nurture“ (naturgegeben oder anerzogen). Handelt es sich wirklich um Unterschiede weil Mann und Frau verschieden sind oder werden wir verschieden gemacht? Abschließend beantworten lässt sich die Frage nicht. So erkunden Jungen ihre Nachbarschaft genauer als Mädchen und trainieren entsprechend ihren Orientierungssinn; Mädchen dagegen bewegen sich seltener alleine und meist auf denselben Wegen. Ob sie damit natürlichen Begabungen folgen oder von ihren Eltern sozialisiert werden, ist bisher ungeklärt. Ein spannendes Indiz ergab sich aus einer anderen Studie. Dort wurde nach der Motivation teilzunehmen gefragt: Die Teilnehmerinnen meldeten sich öfter, weil sie sich schlecht einschätzten und ihre Fähigkeiten verbessern wollten. Die Teilnehmer gingen bereits davon aus, dass sie gut abschneiden würden. Am Ende schnitten fast alle Teilnehmer_innen gleich ab.

Insgesamt bietet das Buch fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse statt populärer Weisheiten, verständlich beschrieben und ein ausführliches Literaturverzeichnis mit Originalartikeln und Wissenschaftsbüchern zum Weiterlesen. Damit ist mensch für die nächste „aber Frauen können einfach nicht einparken“-Diskussion bestens gewappnet.

Erschienen bei dtv, 192 Seiten, 9,50 €

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Das Buch über diesen Link zu bestellen, unterstützt die Mädchenmannschaft.

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Frauen mögen keinen unverbindlichen Sex? Von wegen!

16. März 2011 von Helga

Schaute man sich vor einiger Zeit in den Schlagzeilen amerikanischer Webseiten um, gab es nur ein Thema: Sex als Währung. Die des Umgangs zwischen Männern und Frauen natürlich und dann mal wieder als etwas, das Männer wollen und Frauen ihnen „verkaufen“. Dabei seien sie „billig“ geworden, statt der Ehe als Endziel ginge es heute nur noch um feste Beziehungen. Die die Frauen damit nicht erkaufen können, stattdessen würden sie von den Männern gnadenlos ausgenutzt.

Natürlich stehen dahinter einige frauenfeindliche Annahmen – etwa die, dass Frauen keinen Sex mögen und jede Frau eigentlich nur hinter einem Ring am Finger her sei. Oder zumindest einem dauerhaften Lebenspartner. Von der Männerfeindlichkeit (chronische Versager mit emotionalen Bindungsproblemen und ausschweifendem Sexdrang) mal ganz zu schweigen. Zitiert wird dabei gern eine alte Studie. Danach würden drei-viertel aller Studenten mit einer Unbekannten mitgehen, die ihnen unverbindlichen Sex anbietet, aber keine einzige Studentin.

Eine kürzlich erschienene Studie im Journal of Psychology and Human Sexuality hat sich dieses Themas nun erneut angenommen. Das Yes means Yes-Blog hat sich die Ergebnisse ausführlich angeschaut. So spielten Terri Conley und ihre Student_innen das ursprüngliche Szenario noch einmal durch – allerdings nicht real, sondern in schriftlichen Umfragen. Unter „einer attraktiven Person des anderen Geschlechts“ konnte sich so hoffentlich jede_r der Proband_innen etwas vorstellen. So zeigte sich tatsächlich, dass Männer häufiger an unverbindlichem Sex interessiert waren, für unverbindliche Kurzbeziehungen stieg das Interesse noch weiter, dann übrigens auch bei den Frauen. Große Unterschiede zeigten sich aber bei einer Reihe von Fragen, die den Teilnehmer_innen darüberhinaus gestellt wurde.
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Bloggen, um Armut sichtbar zu machen

3. Januar 2011 von Helga
Dieser Text ist Teil 60 von 103 der Serie WWW Girls

In jeder Folge der WWW Girls stellen wir euch eine Bloggerin und ihr Weblog vor. Heute:

Gespenst der Armut

Wie heißt du?
Elke Brüns (im Pass steht: Dr. Elke Brüns)

Seit wann bloggst du?
Seit März 2010.

Drei Bloggerinnen mit weißen Laptops auf denen der Venusspiegel prangt, darum der Slogan - Feminists of the WWW: unite

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen?
Ich forsche gegenwärtig zur Armut. Der, die, das Blog ermöglicht mir, sich aktuell vollziehende Konstruktionsprozesse von Armut, aber auch verwandte Themen schneller zu kommentieren, als dies wissenschaftlich möglich wäre, denn dort dauert alles bekanntlich länger. Außerdem kann ich die vielfältigen Facetten des Themas Armut kommentieren, darunter auch solche, über die als Literaturwissenschaftlerin sonst nicht oder nur selten schreiben würde (Musik, Filme, Videos etc.). Und last but not least: Ich habe angefangen zu bloggen, weil ich gerne schreibe und Dinge gestalte.

Worüber schreibst du?
Über die kulturellen Konstruktionen von Armut. Also die Diskurse, Bilder, Symbole und auch Praktiken, die wir mit Armut verbinden. Es geht mir darum, wie wir über Armut sprechen, wie wir sehen und konstruieren: Es geht um Deutungsmuster – und damit um Deutungsmacht. Diese Bilderwelten des Sozialen zeitigen ja Realitätseffekte und schaffen unsere soziale Wirklichkeit mit. Ich blogge darüber, weil diese soziosymbolische Dimension in den Armutsdiskussionen kaum thematisiert wird, aber gerade darum gesellschaftlich, politisch, sozial immens wirksam und wichtig ist. Gegenwärtig stellt sich z.B. die Frage, ob es, wie manche behaupten, eine „Kultur der Armut“ gibt. Das bedeutet, dass nicht mehr materielle Resourcen und Gerechtigkeit debatiert werden, sondern eine quasi „vererbte“ Disposition zur Armut postuliert wird. Die Armen müssten aus dieser Sicht dann erst einmal „umerzogen“ werden.
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