Einträge mit dem Tag ‘WHO’


Mein epischer Körper

6. Mai 2016 von Magda
Dieser Text ist Teil 40 von 43 der Serie (Mein) Fett ist politisch

Happy, happy Internationaler Anti-Diät Tag! Bereits die ganze Woche sind anlässlich diesen Tages beim Missy Magazin Texte zum Thema Diäten, Dicksein und Fat Empowerment erschienen, auf Twitter entstand der Hashtag #YesAllWampen. Auch ich steuerte einen Text bei: Mein epischer Körper, der hier noch einmal erscheint: 

Meine erste Diät machte ich noch vor meiner Einschulung, das muss 1992 gewesen sein. Bereits in diesem Alter hatte ich so oft gehört, dass ich „zu dick“ sei, dass ich mir fest vornahm, bis zum Schulanfang einige Kilos zu verlieren. Insbesondere meine Mutter – auch dick – musste sich ständig vor Ärzt*innen und Schulpersonal rechtfertigen, die das hohe Gewicht ihrer Kinder „besorgniserregend“ fanden. So besuchte ich mein erstes Diätcamp. Bevor ich lesen oder schreiben konnte, zählte ich also Kalorien.

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Meine Wampe! #YesAllWampen #AllSharksAreBeautiful #InternationalNoDietDay

Ich diätete mich von der Grundschule in die Oberschule und führte penibel Gewichtstabellen. Im Hort bekam ich spezielles Diätessen und saß am Tisch der ebenfalls diäthaltenden Erzieherinnen. Das klingt jetzt furchtbar und traurig (und ist es auch), aber ich war kein unglückliches Kind und beschäftigte mich auch mit anderen, schöneren Dingen. Die ständigen Gedanken um mein Gewicht stressten mich zwar und suggerierten, dass das mein ultimativer „Makel“ sei. Es war allerdings ein Stress, den ich kaum hinterfragte. Er gehört(e) einfach zum Alltag.

Mein erstes Diätcamp sollte nicht mein letztes bleiben. Ich erinnere mich an eins, in dem wir jede Woche gewogen wurden. Wie eine Versagerin fühlte ich mich, weil ich in der ersten Woche „nur“ ein Pfund abnahm. Der einzige Lichtblick war meine dicke Tante E., die meinen kleinen Bruder und mich einmal vom Camp abholte und mit uns Erdbeerkuchen mit einem dicken Klecks Sahne aß. Noch heute denke ich mit Herzchen in den Augen an diese Tante, wenn ich genüsslich in ein saftiges Stück Erdbeerkuchen beiße.

Etwa zur gleichen Zeit, 1997, trafen sich wichtige AnzugträgerInnen in Genf zu einer Konferenz der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Das ist jene Organisation, die queeres Begehren bis 1992 als „Krankheit“ klassifizierte und bis heute Trans* und nicht-binäre Menschen pathologisiert. Nicht gerade sympathisch also.

Eine ExpertInnengruppe der WHO diskutierte angeregt darüber, wie die „weltweite Epidemie“ namens „Adipositas“ (auch „Fettleibigkeit“ genannt) eingedämmt werden könne. Wenn AnzugträgerInnen (meinen) Köper als „Epidemie“ oder „krankhaft“ beschreiben, horche ich natürlich kritisch auf. Epidemie klingt zwar wie episch, meint aber leider etwas anderes, nämlich „ansteckende Massenerkrankung“.

Um das „Ausmaß“ der frisch entdeckten Epidemie zu veranschaulichen, schufen die WHO und ihre Verbündeten der Pharmaindustrie bei dieser Konferenz eine einheitliche und weltweit verbindliche Definition für Körpergewichtskategorien und bemühten dafür den bereits existierenden Body Mass Index, besser bekannt als BMI. Bereits existierende Werte wurden einfach runtergesetzt und zu neuen Werten vereinheitlicht: Ab 1997 galt mensch mit einem Wert von 25 als „übergewichtig“ und ab einem Wert von 30 „krankhaft übergewichtig“ bzw. „adipös“. (Ich tippe dies übrigens mit meinen adipösen Fingern, die zu meinem adipösen Körper gehören.)
Innerhalb weniger Jahre übernahmen „weltweit praktisch alle staatlichen Gesundheitsministerien, -institute, -behörden und unabhängige Gesundheitsorganisationen die neuen Grenzwerte“. In den USA, in denen bis 1998 viel höhere BMI-Werte als Maßstab dienten, wachten eines morgens also 35 Millionen Menschen als so genannte „Übergewichtige“ auf, und das ohne auch nur ein einziges Pfund zugelegt zu haben. Das Runtersetzen der Werte folgte einem wirtschaftlichen Kalkül: Es braucht eben eine wachsende Zielgruppe für (sinnlose) Diätnahrung und (mitunter gefährliche) Diätpillen.

Dass die Angst vor der so genannten „Übergewichts-Epidemie“ und mein teilweise von Ärzt*innen verordnetes Diätverhalten nicht zufällig zeitlich zusammenfielen, verstand ich erst viele Jahre später. Über die politische Dimension von Körpergewicht nachzudenken, hat mir in den letzten Jahren sehr geholfen, nicht mehr meinen Körper, sondern lieber gesellschaftliche Verhältnisse zu dissen. Am Internationalen Anti-Diät-Tag feiere ich die Schritte, die ich in meinem Leben schon gegangen bin und respektiere die Unsicherheiten, die vielleicht für immer bleiben werden. Ich feiere meinen epischen epidemischen Körper.
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Mehr Zum Thema Dicksein & Fat Empowerment gibt es in unserer Serie Mein Fett ist Politisch. Außerdem versende ich regelmäßig den FAT STUFF Newsletter, einfach Mail an: magda(at)maedchenmannschaft.net.

Die Angaben zum Body-Mass-Index für diesen Text stammen aus dem Buch „Dick, doof und arm. Die Lüge vom Übergewicht und wer davon profitiert“ von Friedrich Schorb, erschienen 2009 bei Droemer Knaur.


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„Pille Danach“-Präparate werden rezeptfrei

26. November 2014 von accalmie

Es kommt unerwartet: Bislang zeigten sich insbesondere CDU-Politiker_innen, allen voran Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe und der gesundheitspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Jens Spahn, fakten- und beratungsresistent, wenn es um die Freigabe der „Pille danach“ auch in Deutschland ging. Erst zu Beginn des Jahres entfachte erneut die Debatte, ob Personen, die die Pille danach benötigen könnten, diese #WieSmarties naschen würden, wäre sie denn rezeptfrei, und ob man schwanger werden könnenden Personen überhaupt zutrauen könnte, Beipackzettel zu lesen oder gar auf den eigenen Körper bezogene Entscheidungen zu treffen. Doch während in der CDU noch gemauert wird, wird im Europäischen Arzneimittelausschuss schon beschlossen, und auch in Deutschland werden bestimmte „Pille danach“-Präparate künftig ohne Besuch beim Arzt_Ärztin und ohne Rezept in Apotheken zu erwerben sein.

Deutschland folgt nun also unfreiwillig der großen Mehrheit europäischer Staaten, der jahrelangen Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der Forderung von fast 30,000 Menschen, die eine Petition für die rezeptfreie Abgabe unterschrieben und der Entscheidung des Bundesrats aus dem letzten Jahr. Wie Anna-Sarah 2013 kommentierte, wird die Ablehnung eines rezeptfreien Verkaufs der Pille grundsätzlich in „patriarchalisch-paternalistischer Manier“ zum „Schutz der Patient_in“ verkündet – fiele die Rezeptpflicht weg, so das Argument, sei es quasi vorprogrammiert, dass es reihenweise zu schweren Nebenwirkungen kommen könnte, da Leute sich die Pille danach ja wie Süßigkeiten reinpfeifen könnten, „leichtsinnig und uninformiert wie wir sind“. Auch der Hinweis auf die zum Teil schweren Nebenwirkungen frei erhältlicher Medikamente wie Aspirin oder Paracetamol konnte Gegner_innen der Pille danach nicht davon abhalten, weiterhin den „Schutz von Frauen*“ zu postulieren und doch Kontrolle über Frauen* zu meinen.

Fakten- und beratungsresistent bleibt man also weiterhin – das einzige, was sich geändert hat, ist, dass der Bundesregierung nun schlicht keine sinnvolle andere Wahl bleibt, während man jahrelange Proteste aussitzen konnte. Bald heisst es aber: Wer die Pille danach braucht, muss sich nicht mehr von Ärzt_innen maßregeln und slutshamen lassen, da man auf deren Benevolenz angewiesen war, und bekommt ein Stück Handlungs- und Entscheidungsfreiheit bezüglich des eigenen Körpers zurück. Jens Spahn indes droht schon mit „strukturierten Bögen“ intensiver Beratung für alle, die die Pille danach kaufen – wie gut, dass Beipackzettel Standard sind und man sich auch mit dem_der Apotheker_in unterhalten kann. Klappt beim Aspirinkauf ja auch. Es bleibt zu hoffen, dass eine freiwillige, selbstbestimmte Beratung auch bei der Pille danach möglich sein kann und wird, statt für den Kauf neue politische Hürden aufzubauen.

Was immer noch problematisch ist? Die Kosten der Pille danach, die nicht von Krankenkassen übernommen werden, und der Fakt, dass gängige bestimmte „Pille danach“-Präparate ab einem bestimmten Körpergewicht einfach gar nicht mehr zu wirken scheinen. Was weiterhin durch §218 des Strafgesetzbuchs illegal ist? Abtreibung. Wer immer noch auch beim Zugang zu reproduktiven Rechten systematisch diskriminiert wird? Menschen, die nicht der hetero- und cissexistischen Norm eines cis-hetero Paars entsprechen, Menschen mit Behinderung, Menschen, die nicht Teil eines weißen Mutterideals sind.

Zum vielfältigen Feld (eines Mangels) an reproduktiven Rechten haben Anna-Sarah, Charlott, Nadia und accalmie im Februar 2014 einen podcast aufgenommen, in dem einige Aspekte angerissen werden. Diesen sowie eine Zusammenstellung einiger Mädchenmannschafts-Texte zum Thema findet ihr hier.


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Rassistische Polizeigewalt, Victim Blaming und Bring Back #BringBackOurGirls – kurz verlinkt

17. September 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 254 von 349 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Links

„Die spanische Regierung nimmt von Plänen für ein neues Gesetz Abstand, das Abtreibung nur in zwei Ausnahmefällen erlaubt hätte“ – mehr dazu bei dieStandard.

Die Polizei in Aachen ermittelt gegen mehrere Polizeibeamte und Azubis, die andere rassistisch mobbten und Hakenkreuze und Neonazi-Parolen verbreiteten, erklärt Der Westen.

„An jedem vierten Tag wird in Deutschland eine Straftat mit Bezug zum NSU begangen,“ berichtet Migazin.

Englischsprachige Links

Der Protest gegen Rassismus und Polizeigewalt in Ferguson nach der Tötung von Michael Brown hält an, zeigt Buzzfeed.

Bei The Root schreiben Sihame Assbague und Rokhaya Diallo über die Doppelmoral der französischen Presse, die sich über Ferguson empört, aber rassistische Polizeigewalt in Frankreich ignoriert.

Zur extremen Rechten in England berichtete Channel 4: in London hat ein Thor-Steinar-Laden eröffnet, und es formieren sich Proteste.

Wie finanzielle Einschnitte in das Budget der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Armut und mangelnde Unterstützung die Bekämpfung von Ebola erschweren, beschreibt die New York Times.

Bei New Statesman kommentiert Sarah Ditum das Urteil, dass Oscar Pistorius Reeva Steenkamp nicht vorsätzlich ermordete, und setzt dieses in den Kontext einer Normalisierung von Gewalt gegen Frauen und victim blaming.

Daran anschließend thematisiert Feministing den Skandal um Ray Rice und die NFL, und titelt: „Wie du feststellen kannst, dass du Frauen hasst.“

Weiterhin berichtete Feministing von der Gruppe Studierender, die sich zur Unterstützung von Emma Sulkowicz (der Studentin, die gegen den Uni-Verbleib des Mannes, der sie vergewaltigte, protestiert, indem sie ihre Matratze durch den Campus trägt) gründete.

Vor mehr als fünf Monaten wurden hunderte nigerianische Schülerinnen von Boko Haram entführt. Deutsche Welle berichtet darüber, was aus der Aktion #BringBackOurGirls geworden ist und wie Aktivist_innen weiterkämpfen. Auch die Facebook-Seite der Kampagne ist weiterhin aktiv und informiert über Neuigkeiten und Aktionen.

Auf Tutus and Tiny Hats nimmt Laura den Mythos auseinander, die mangelhafte Auswahl an Plus-Size-Kleidung läge an den schlechten Konsumentscheidungen der Käufer_innen.

Termine in Berlin

19. September: in der Schererstr. 8 in Berlin (Facebook-Link) findet eine Veranstaltung gegen den „Marsch für das Leben“ (am 20. September) statt. Dort werden in einem Vortrag, Film und anschließender Diskussion Gesetze und Bewegungen thematisiert, die Frauen davon abhalten, ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Anschließend stehen Tall As Trees und Anti-Corpos auf der Bühne. [Siehe Hinweis dazu in den Kommentaren – danke, evam!]

20. September: Die Gegendemo zum „Marsch für das Leben“: Demo für Selbstbestimmungs- und Abtreibungsrechte. Start: 11:30 Uhr, U-Bahnhof Kochstr. (U6/M29) Die Protest-Kundgebung des Bündnis‘ für sexuelle Selbstbestimmung findet um 13 Uhr am Brandenburger Tor statt (Facebook-Link).

25.-26. Oktober: Die Berlin Bombshells veranstalten ein Roller Derby Bootcamp für Anfänger_innen und Fortgeschrittene. Die Teilnahmegebühr beträgt 85 Euro, und anmelden kann man sich hier.


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Fat Empowerment und internationale LGBT-News – kurz verlinkt

28. Juni 2013 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 202 von 349 der Serie Kurz notiert

Wortwörtlich rape culture wie sie im Buche steht, powered by Kickstarter (Contentwarnung) – nach massiven Protesten gegen ein dort finanziertes „Pick-Up“-Buch hat die Crowdfunding-Platform sich entschuldigt und Maßnahmen der Wiedergutmachung angekündigt (verlinkte Texte auf Englisch).

Die American Medical Association hat „Übergewicht“ (sic) zur Krankheit erklärt. Fat Aktivist_innen wie Fat Heffalump und Virgie Tovar stellen klar, dass dick_fett nicht gleich auch krank bedeutet und befürchten, dass solche Pathologisierungen in der Praxis zu noch mehr Fat Shaming und Stigmatisierung von dicken_fetten Menschen führt. Es gibt eine Petition, die ihr unterschreiben könnt (englischsprachig). Und auf La Respuesta gibt es ein hinreißenedes empowerndes E-Zine: „A Resource Guide To Fatphobia“

„Sprache ordnet die Welt, konstruiert und kategorisiert. Deshalb ist die Auseinandersetzung um abwertende Begriffe wichtig“, stellt Hadija Haruna in der taz klar.

Am 7. Juni 2013 fand in Österreich die 3. Frauenenquete der Frauenministerin in Kooperation mit der Plattform 20000frauen statt. Die Keynote sprach Elisabeth Klaus: „Zwischen Antifeminismus und Elitefeminismus: Der Geschlechterdiskurs im medialen Mainstream“.

Die European Women’s Lobby (EWL), größte Dachorganisation für Frauenvereinigungen in den Europäischen Union, stellt sich hier online vor (Englisch).

Spektakulär: Die christlich-konservative Organisation Exodus, die u.a. „Konversionstherapien gegen Schwulsein“ durchgeführt hat, hat sich bei der LGBT-Community für ihr „unbliblisches und unehrerbietiges Weltbild“ entschuldigt (Englisch).

Die NGO Pink Armenia berichtet über die Menschenrechtssituation für LGBT in Armenien (Englisch).

In der Türkei endet an diesem Wochenende die Istanbul Pride Week – Thema dieses Jahr: „Widerstand“ (Englisch).

Wie Engagement für das Recht auf lesbische und schwule Ehen aus wertkonservativer Perspektive aussieht, lässt sich bei queer.de nachlesen.

Eine in Schweden asylsuchende Trans*frau und LGBT-Aktivistin soll nach Russland abgeschoben werden. Eine Petition wendet sich dagegen (Englisch).

Auf Jezebel erklärt Dodai Stewart anhand des neuen Videos von Miley Cyrus, wo Inspiration zu kultureller Aneignung wird und was daran problematisch ist (Englisch).

Es hat sich immer noch nicht zu allen durchgesprochen: Seriöser Journalismus kommt nicht nur aus der Feder von weißen Männern – xojane erinnert daran (Englisch).

Die 17jährige Jinan Younis wollte an ihrer Schule eine feministische Gruppe gründen – was dann passierte, berichtet sie im Guardian (Englisch).

Der FOCUS berichtet über die massiv hohen Zahlen von Gewalt gegen Frauen – die WHO hat die Zahlen nun veröffentlicht, nachdem sie bereits bei anderen UN-Organisationen/Abteilungen und NGOs zu erfahren waren und  u.a. die Aktion One Billion Rising im Februar ageregt hatten.

Die in den USA sehr populäre Fernsehköchin Paula Deen steht  wegen wiederholter rassistischer Handlungen in der Kritik. Daraus ging nun das Hashtag #paulasbestdishes (Paulas beste Rezepte) hervor, welches satirisch auf Deens aktuelle Ausfälle Bezug nimmt (Englisch).

In der Münchner Innenstadt ist eine Gruppe Geflüchteter in den Hungerstreik getreten. Mit einer Erklärung zu ihren Forderungen wenden sie sich an Bundeskanzlerin Angela Merkel und Andreas Voßkuhle, Präsident des Bundesverfassungsgerichtes.

In Berlin läuft derzeit und noch bis zum 18. August die Veranstaltung re.act.feminism #2, die sich um feministische Performancekunst dreht – unter anderem mit Ausstellungen, Workshops, Performances und Vorträgen.

Heute Abend in Wien, als Startveranstaltung zur Frauen-Fußball-EM: Diskussion und Party bei Frauen. Fussball. Medien.


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