Einträge mit dem Tag ‘What about the menz’


Feminist Fun Friday: Das Hotpants-Steinzeit-After-School-Special

10. Juli 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 13 von 14 der Serie Feminist Fun Friday

Auch wenn die Temperaturen sich diese Woche etwas abkühlten, die Gemüter blieben vielerorts (und auch hier in der Kommentarspalte) hocherhitzt: Denn worüber ließe es sich vortrefflicher diskutieren als über Bekleidungsvorschriften? Kommentator_innen haben sich fast überschlagen im Eifer zu erklären, dass a) Vorschriften wichtig sind, weil Vorschriften, b) Hormone! und c) Lehrer eben auch nur Menschen sind.

Ein besonderes Prachtexemplar haben wir euch für den Feminist Fun Friday mitgebracht. Der_die Kommentator_in hat eine große Gefahr erkannt: Wenn nun Mehrfachdiskriminierungen diskutiert und auf rape culture verwiesen wird, ohne dass dabei Schulzwang diskutiert wird, dann führt das den Feminismus ™ ganz direkt und ohne Umschweife zurück in die Steinzeit! Und das kann nun wirklich keine_r wollen, denn hier in der Jetztzeit gibt es doch so super Studien, die Biologisch-Deterministisches auch ‚belegen‘. Somit haben wir mal wieder erfahren, dass man entweder A oder B kritisieren könne – verschiedene Perspektiven überfordern einfach schnell und Sexismuskritik sei letztlich erpresserischer Moralterror, der niemandem – allen voran Sexist_innen… – etwas bringe. Argumentativ also durchaus bestechend das ganze; das mussten wir dann gleich mal mit GIFs belohnen.

[Übrigens: Falls der Feminist Fun Friday bei euch GIF-Alarm auslöst, findet ihr hier eine Anleitung, um diese zu deaktivieren.]

1. Schule ist ein Ort voller Regeln, Vorschriften und Zwänge. Bevor man sich über Kleidervorschriften am dem was technisch gesehen einen Arbeitsplatz darstellt aufregt sollte man vielleicht mal darüber nachdenken, welche Legitimation überhaupt Schulzwang an sich hat, warum wir junge Menschen im ersten Viertel ihres Lebens konditionieren sich anzupassen und ihre Fähigkeit prüfen, genau das zu tun was ihnen gesagt wird.

2. „Schüler werden als nahezu unfähig zum geraden Gedanken inszeniert, als schutzbedürftig.“ Schüler und gerade pubertierende Schüler haben durchaus Probleme mit geraden Gedanken – wesentliches Kennzeichen dieser Lebensphase. Liegt nicht nur an Hormonen, sondern auch an kognitiven Entwicklungen. Das ist auch erforscht und dazu gibt’s Literatur.

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Privilegiertes Unbehagen

27. November 2013 von accalmie

Es wird ungemütlich. Das Flut­licht geht an. Alle Gesichter schauen auf einmal in die gleiche Richtung. Es wird plötzlich so warm hier. Der abrupt neue Fokus wird deutlich, eine Mar­kierung sicht­bar. Ende der Sekt­stimmung. „Generalverdacht“. Das Un­wohl­sein, dass sich durch Rassis­mus­kri­tik bei manchen Menschen aus­breitet, ist nicht weiter überraschend; es könnte – punktuell, wie diese Erfahrung für viele ist – ausgehalten, gar produktiv genutzt werden für persönliche Reflektion. Zu the­ma­ti­sieren, dass Rassis­mus nicht allein das „Problem“ von People of Color ist, sondern eine Struk­tur, die Ge­sell­schaf­ten syste­ma­tisch durch­zieht und von der Nicht-Margi­nali­sier­te systema­tisch profi­tieren (und dass es im Regel­fall People of Color sind, die markiert, beobachtet und unter General­verdacht gestellt werden), kann kein ent­spannen­der Pro­zess sein – eben­so­wenig wie die Aus­einan­der­setzung mit anderen dis­krimi­nieren­den Struk­turen. Bemerkens­wert ist, wie aus Unbehagen schnell Ab­wehr­re­flex und schließlich Aggression wird: Vorwürfe der Un­freundl­ichkeit, der Wut, Arroganz und Gemein­heit, des (unfairen) Angriffs, der Überempfindlichkeit, der vermeintlichen Verharmlosung von „eigentlichem“ Rassismus (also dem der extremen Rechten, mit dem man ja nichts zu tun habe als Die Mitte / Die Linke), der Kontra­produk­tivi­tät und des Neben­wider­spruchs werden laut, wenn struk­tu­reller Rassis­mus be­nannt wird. Oft fällt der Be­griff des „um­gekehr­ten Rassis­mus“ (reverse racism), der Macht­ver­hält­nisse zu eigenen Gunsten au­sblendet.

buildingWas für antirassistische Aktivist_innen Alltag ist, ist auch Alltag in bestimmten Institutionen; auch jenen, die sich Anti­rassis­mus verpflichtet fühlen und dies bei­spiels­wei­se mit Gleich­stellungs- oder Diversity-Be­auf­trag­ten um­zu­setzen ver­suchen. Ge­ra­de das Hoch­schul­wesen hat Frauen- und Gleich­stellungs­be­auf­trag­te, deren Arbeit in eta­blier­ten Macht­struk­tu­ren und rein theo­re­tischen Be­kennt­nissen zu ab­strak­ter Gleich­heit unter­geht. Dass Gleich­stellungs­be­auf­tragte aber auch selbst dis­krimi­nier­end agieren kön­nen, hat zuletzt die Allgemeines-Gleichstellungsgesetz (AGG)-Beauftragte der Humboldt-Universität zu Berlin illustriert, die gewählten Student_innen­ver­tre­ter_innen des LGBTI-Referats unter anderem die Nutzung uni­versi­tärer Räu­me für deren Ver­anstal­tungen ver­wei­gerte.

Auch am Minneapolis Community and Technical College in Minnesota, USA, ereignete sich vor kurzem ein nun öffentlich gewordener Fall strukturellen Rassismus und Sexismus, der für Entsetzen in der akademischen und nicht-akademischen community antirassistischer und antisexistischer Aktivist_innen sorgte: die Professorin Shannon Gibney wurde – auf Initiative von zwei weißen Studenten – von der Universität formal dafür gerügt, in ihrem Seminar strukturellen Rassismus so thematisiert zu haben, dass jene Studenten sich angegriffen fühlten.

Chaun Webster, Twin Cities-Aktivist (in Minneapolis und Saint Paul), Autor und Gründer der Free Poet’s Press, hat beim Blogger_innenkollektiv Opine Season einen Artikel zu dem Vorfall verfasst, in dem er Prof. Shannon Gibneys Erfahrungen kontextualisiert und Forderungen für eine Umstrukturierung von Bildungsinstitutionen formuliert. Mit seiner freundlichen Genehmigung durften wir den Artikel übersetzen und erneut publizieren.

Ein paar Dinge, die wir aus der MCTC-Attacke auf Prof. Shannon Gibney lernen sollten.

Wie vielen in diesem Netzwerk hier bewusst ist und anderen nicht, wurde Shannon Gibney, Professorin für Anglistik und African Diaspora Studies des Minneapolis Community and Technical College (MCTC) kürzlich von der Institution formal gerügt.

Die Rüge erfolgte aufgrund des Unbehagens zweier weißer, männlicher Studenten, die sagten sie seien persönlich angegriffen worden, während Prof. Gibney in ihrem Politikwissenschafts- und Kommunikations-Seminar eine Diskussion über strukturellen Rassismus führte. Diese Studenten unterbrachen Prof. Gibney während der Diskussion und sagten, dass allein schon die Thematisierung verletzend für sie sei. Das MCTC ging so weit, Prof. Gibneys Verhalten während des Seminars als einen Verstoß gegen die Anti-Diskriminierungs-Politik zu bewerten, und sie wurde zu zwei Treffen mit dem Diversity-Beauftragten verpflichtet, um zu lernen, wie sie Menschen aller Herkunft besser willkommen heißen könne.

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