Einträge mit dem Tag ‘Weißsein’


Adventszeit my ass

15. Dezember 2014 von Gastautor_in

Heng ist freie Autorin, bloggt auf Tea-Riffic und twittert unter @sassyheng. Zuletzt schrieb sie auf der Mädchenmannschaft über gruselige Halloween-Kostüme

Spätestens mit der ersten Herz-Brezel-Stern-Lebkuchenmischung des Jahres ist es schwer zu verdrängen: Die beschissenste Zeit des Winters geht los. (Ich sage bewusst nicht des Jahres, denn auch der Sommer kann richtig kacke sein.) Der ohnehin schon gruselige white-savior-Charity-Geist spukt härter als zuvor. Spende für Kinder hier, Benefizkonzert für Mädchen in Indien dort und überhaupt: Wissen Die Leute In Afrika™ eigentlich, dass Weihnachtszeit ist?!

Parallel rattert die Kapitalismusmaschine ordentlich vor sich hin. Läden sind überfüllter als sonst, außerdem ist die musikalische Untermalung besonders hässlich. Da es mein Hobby ist, durch Geschäfte zu flanieren, ist die erhöhte Anzahl an Menschen ein großes Problem für mich. (Menschenmassen stressen mich schnell. Glühweingeruch auch.)

Werbekataloge und -kampagnen erinnern daran, dass ALLE ihren Herzensmenschen zeigen sollten, welchen Stellenwert sie in ihrem Leben haben. Wenn schon nicht durch Schmuck, dann wenigstens durch ein Los für irgendwelche dubiosen Lotterien. Oder was Selbstgebasteltes. Yeah, DIY! Als ob alle, die kein Geld haben, automatisch Zeit und Zugang zu Material hätten, um sich easypeasy und SUPERgünstig edgy Geschenkideen auszudenken.

Oder Adventskalender. Schlimmer als Pärchenbilder sind auf Instagram nur die morgendlichen Dokumentationen der jeweiligen Türchen-Inhalte. Schön für dich, dass du viele Freund_innen hast, die sich die Zeit nehmen können, dir so etwas Aufmerksames zu basteln. Ich meine es nicht ironisch, wirklich. Das ist richtig cool und wenn ich ehrlich bin, hätte ich auch nichts gegen Geschenktüten in täglicher Ration, fast einen Monat lang. Es ist auch völlig okay, sich darüber zu freuen.

Was nicht okay ist, ist durch vermehrte mediale Inszenierung das Feiern von Weihnachten und das Besitzen schöner Adventskalender zu normalisieren. Das Prinzip kennen wir schon von Reproduktion von Heteronormativität durch Hetenperformance allerorts. Wenn ich überall sehe, dass dieses westliche, kapitalistische, klassistische Fest gefeiert wird, dann denke ich erst mal: Das muss so sein, dass machen alle™ und ich bin ganz schön komisch, wenn Christmas-Feels für mich Aversion und Apathie bedeuten.

Als Kind war ich sehr traurig, dass meine Familie kein Weihnachten gefeiert hat. Oder Ostern. Ich hab im Kindergarten meistens erst gemerkt, dass Ostern war, weil alle ihre Geschenke mitgebracht haben. Trotzdem hab ich an den Weihnachtsmann geglaubt und mir die mickrige Bescherung damit erklärt, dass ich faul und unartig war. Meine Eltern haben sich Mühe gegeben, dass ich trotzdem am 1. Weihnachtstag eine Kleinigkeit auf meiner Fensterbank stehen hatte, was ich total lieb finde. Ich kann heute auch sehr gut nachvollziehen, dass sie damals andere Sorgen hatten als Polly Pockets vor dem Ausverkauf zu retten. #SadButTrue

Mittlerweile bin ich eher traurig, dass meine Eltern die Erwartung haben, dass ich an den Feiertagen nach Hause komme und mit anderen Verwandten socialize. Weihnachten feiern wir trotzdem nicht, es ist eher eine muslimische Familienfeier, die von christlichen freien Tagen profitiert. Letztes Jahr war ich nicht dort und es ging mir damit extrem gut. Keine Geschenke für niemanden, keine überteuerten Reisetickets, nada.

Dieses Jahr “muss” ich hin, denn die eine Tante und die eine Cousine bekomme ich sonst nie zu Gesicht. Aber beim Gedanken an die bevorstehenden Diät-Talks bekomme ich Nervositätsdurchfall. Will damit sagen: Die Feiertage in ihrer bloßen Existenz nerven mich trotzdem. Wegen Erwartungshaltungen, normalisierten Pflichten und immer wieder auftauchender Diskurse. Ich bin halt ein Grinch, white middle-class christmas-all-over people’s pain is my gain.

Insbesondere dann, dann betont wird, dass es an Weihachten gar nicht um Geschenke, sondern um das Versammeln der (Herkunfts-)Familie geht, beginnt die Dauermigräne. Denn: Breaking News, nicht alle Personen finden es geil, mindestens drei Tage am Stück mit Verwandten und Fleischbüffet in einer Wohnung_einem Haus festzusitzen, wenn auch noch die Läden zu haben und nur Scheiße im Fernsehen läuft, parallel aber auch das Internet von Geschenke- und Essensbildern überflutet ist. ES IST EINFACH NICHT SO GEIL.

In meinem unmittelbaren Umkreis wird Weihnachten zum Glück nicht so zelebriert. Es steht nicht einmal zur Debatte, ob sich irgendwer was bastelt oder schenkt. Obligatorische Herkunftsfamilienbesuche bleiben dennoch nicht erspart. Immerhin bin ich nicht mehr die einzige in meinem Umfeld, die mit dieser Jahreszeit in erster Linie über effektivere Überlebensstrategien nachdenkt. In diesem Zuge: Ganz viel Energie allen, die nicht Weihnachten feiern (können)!


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Dicke Bäuche, weiße Profilierungen, Gegen-Perspektiven auf Flucht & Migration – die Blogschau

13. Dezember 2014 von Nadine
Dieser Text ist Teil 265 von 265 der Serie Die Blogschau

Metal Musik zeichnet sich oft durch weißes hetero Mackerverhalten aus. In der neuen Reihe “Metalheads” auf “Der k_eine Unterschied” wird nach Brüchen und Subversivem im Metal gesucht. Der erste Teil behandelt Judas Priest und schwules Begehren.

Auf dem “Heimatkunde”-Portal der Heinrich Böll Stiftung sind mehrere Beiträge von und mit der Aktivistin und Künstlerin Noah Sow erschienen, u.a. ihr Vortrag zu weißen Aneignungen Schwarzer Wissensproduktionen.

Auf queer sehen gibt es ein kritisches Review zur Serie “The Fosters”, die zwei lesbische Mütter in den Mittelpunkt rückt.

Das autonome FrauenLesbenReferat Marburg hat die Identität eines gewalttätigen Typen, der in der Wissenschaft und darüber hinaus Anerkennung genießt, auf Wunsch der Betroffenen veröffentlicht.

Eine klassismus- und rassismuskritische Analyse zum Tod von Tuğçe Albayrak ist auf cosas que no se rompen veröffentlicht.

Koloniale Kontinuitäten, kulturelle Aneignung und Muslim-Sein in der Diaspora ist Thema auf Diaspora Reflektionen.

Über die Verantwortung der Medienlandschaft, wenn es um Diskriminierung und Gewaltandrohungen geht, schreibt Karnele.

Die Denkwerkstatt zitiert aus Anja Meulenbelts Klassiker “Scheidelinien. Über Sexismus, Rassismus und Klassismus

Don’t degrade Debs Darling kritisiert unhinterfragte Perspektiven im Kontext Selbstfürsorge und Körperpolitiken.

Women in Exile: Wie das deutsche Asylsystem Flüchtlinge und MigrantInnen spaltet

Bei der ARGE Dicke Weiber gibt es ein Gedicht: Mein dicker Bauch.

Nadia war bei der Zukunftsakademie NRW zu Gast und hat einige ihrer Eindrücke verbloggt, u.a. zum Kollektiv Askavusa, das Objekte von Menschen sammelt, die flüchteten und in Lampedusa angekommen sind.

Habt ihr diese Woche was geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blog etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Jede Woche verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.


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Rechts gegen Rechts, #shirtstorm, Schnulzen gegen Ebola – kurz verlinkt

19. November 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 256 von 260 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Die Süddeutsche Zeitung berichtet über die Aktion “Rechts gegen rechts” in Wunsiedel. “Lachen ist Macht”, Gewalt aber auch: Im bisherigen Jahr 2014 wurden in Deutschland bereits mehr Angriffe gegen Geflüchtete verübt als in den beiden Jahren zuvor – und zwar zusammen gerechnet.

Beim kulturradio des RBB kann nun auch online die Sendung “Alltagsrassismus in Deutschland” nachgehört werden, wo unter anderem Sharon Dodua Otoo und Kübra Gümüşay sich zu Wort melden. Es geht es unter anderem um die vermeintlich harmlosen Fragen wie “Woher kommst du wirklich?”, Auswirkungen von politischen Debatten über Asyl, die Kinderbuchdebatte und #schauhin. (Inhaltshinweis: N-Wort ausgesprochen)

“Für mich fehlt dieser Gesellschaft die Bereitschaft, Differenzen stehen zu lassen.”, sagt Lann Hornscheidt in der FAZ in einem Artikel über Sprachformen, Geschlecht und gewaltvolle Reaktionen. (Inhaltshinweis: Reproduktion vieler Hasskommentare, Gewaltandrohungen etc.)

englischsprachige Links

Bei Race Traitor schrieb Tamara K. Nopper einen offenen Brief an “weiße Antirassist_innen” und erklärt, warum diese Selbstbezeichnung ein Widerspruch in sich ist.

Johnetta Elzie berichet bei Ebony über die traumatisierenden Erlebnisse während der fortdauernden Proteste gegen rassistische Polizeigewalt im US-amerikanischen Ferguson, denen die Polizei dort extrem martialisch und gewaltvoll begegnet: “When I close my eyes at night, I see people running from tear gas in their own neighborhood. […] I didn’t expect to go from a peaceful protester trying to attend a vigil for a young teen gunned down, to a modern day freedom rider. But I am prepared to stay the course and fight as long as we must.”

Dr. Matt Taylor, einer der European Space Agency (ESA)-Wissenschaftler_innen des Rosetta-Projekts, löste mit einem sexistischen Hemd, das er zunächst bei der Live-Übertragung der Landung trug, Kritik aus. STEM Women schrieben zum “#shirtstorm” und zu alltäglichem Sexismus in MINT-Bereichen.

“Where Are Our Elders?” – Anlässlich des Todes von Leslie Feinberg fragt sich Sunny Drake, wie viel Platz in aktivistischen Communities eigentlich für ältere und alternde Menschen, für die Vorgänger_innen ist.

Es ist wieder mal so weit: Bob Geldorf hat seine Showbiz-Freund_innen angerufen und rettet jetzt Afrika. Denn was hilft besser gegen Ebola (und alles andere Leid) als Singen und CD-Verkäufe?  Wirklich nichts dazugelernt?, fragt AfricaIsACountry.

Das TIME Magazine lässt über Wörter abstimmen, die für das Jahr 2015 verboten gehören. Mit auf der Liste: Feminismus. Nun haben sie sich entschuldigt (aber auch nichts an der Liste geändert). Bust schreibt über den Vorfall.

Termine in Berlin

Kein Platz für Rassismus – Anti-Geflüchteten-Demos stören in Buch und Berlin-Marzahn:

Vom 26.11. bis 29.11. findet das Festiwalla 2014 statt, eine Programmübersicht findet Ihr hier.

Die MIND THE GAP-Ausstellung mit Arbeiten der Schweizer-Jüdischen Künstlerin Elianna Renner wird am 21.11.2014 eröffnet.

Der Film ID-Without Colors wird am 20.11. um 19 Uhr (OmU) bei Frauenkreise Berlin gezeigt, Choriner Straße 10, 10119 Berlin. Im Anschluss gibt es eine Diskussion.


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“Kannst du dich an den Tag erinnern, an dem du verstanden hast, dass du von Rassismus profitierst?”

13. November 2014 von Gastautor_in

Jayrôme C. Robinet ist freier Autor und Spoken Word-Künstler. Gender fluid mit Variationshintergrund, weiß, wird in Deutschland meistens als Person of Color gelesen, Akademiker aus einer bildungsbürgertumsfernen Familie und besitzt die französische Staatsbürgerschaft. Auf Jayrômes Blog veröffentlicht er Gedichte, Analysen und Gedanken in schriftlicher und audio_visueller Form in französischer, deutscher und englischer Sprache.

Das nachfolgende Video und der Text – “An allen Ecken” – sind eine Hommage an “Cornered” von Adrian Piper. Mit diesem Installationsprojekt forderte Piper rassistische Blickregime heraus und thematisierte Fragen von Identität, Zugehörigkeit und Verwandtschaft im Kontext von Rassismus. Die Videos sind aufgrund von Urheberrechten nicht mehr auf Youtube zu finden. Hier könnt ihr eine Transkription von “Cornered” nachlesen.

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trapped in the wrong body

30. September 2014 von Nadine

How can I be trapped in the wrong body
that is white, skinny and falsely cisgendered as women?
How can I be trapped in the wrong body
able to move anytime anywhere without help, fear or force?
If I want to.
If I just could sometimes.

My body is not wrong.
My body is right
there where society wants them to be.

I’m not trapped in the wrong body
I’m trapped in a society that is
Wronging my body
Righting my body
Praising my body
Trapping my body

I’m not wronged for my body.
I’m wronged for my body
Speaking
Changing
Moving
Feeling
where society not wants them to.

My body is wronging
My body is righting
My body is writing
society
is written on my body

My body is embodiment
of society.

My body is history
colonialism
capitalism
ableism
imperialism
sexism
racism
cisgendered
false.
My body is wrong.

My body is embodiment of society
righting history
righting violence
righting exploitation
wronging justice
wronging liberation
wronging dignity
treating bodies as wrong
trapped in the wrong body.

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CeCe McDonald kommt frei! – Kurz verlinkt

10. Januar 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 218 von 260 der Serie Kurz notiert

Da sich über unsere Pause einiges an Links angesammelt hat, gibt es hier für diese Woche zwei Teile unserer Zusammenstellung:

Deutschsprachige Artikel

Im Tagesspiegel gibt es ein wirklich lesenswertes Interview mit der Autorin Zadie Smith über ihre Literatur, weißsein als unbenannter Standard und Klasse.

“Weil er sich das Leben nehmen wollte, saß der Asylbewerber Ettayebi Bouzalmate in der Psychiatrie – bis ihn die Polizei zur Abschiebung abholte.”, schreibt die Süddeutsche.

Englischsprachige Artikel

Worker’s World berichtet, dass Mitte Januar CeCe McDonald aus dem Gefängnis entlassen werden soll! McDonald war verurteilt worden, nachdem sie sich bei einem rassistisch und trans*feindlichen Übergriff zur Wehr gesetzt hatte. Sie wurde in ein Männergefägnis interniert. Laverne Cox ist gerade dabei eine Dokumentation über sie zu drehen.

Wie kannst du einer dir nahe­stehenden Person Unterstützung geben, wenn diese eine Panik­attacke oder einen Flash­back hat bzw. durch etwas getriggert wurde? Sometimesmagical hat ein paar hilfreiche Tipps zusammengetragen.

“Besides Harriet Tubman and Rosa Parks, Black women do not get as much praise when it comes to the history of Black people.” schreibt Kimberly Foster in ihrem Artikel und wünscht sich, dass Aktivistinnen der Schwarzen Bürger_innenrechts- und Black Panther-Bewegungen mehr in den Blick genommen werden.

Auf colorlines.com gibt es einen sehr lesens­werten Artikel über die rassistische und hetero_sexistische Rezeption des Schwarzen weiblichen Körpers als “gefährlich” und “unkontrolliert”.

Eve Ensler, Initiatorin von One Billion Rising, reagierte auf die Kritiken im letzten Jahr und verkündete, dass One Billion Rising nun auch vermehrt Staatsgewalt in den Blick nehmen möchte. Ziemlich halb­herzig und ohne wirkliche politische Konsequenz, findet die Autorin von Prison Culture.

Es gibt Menschen mit Behinderungen und Menschen ohne Behinderungen… Falsch! Diese Dichotomie nimmt That Crazy Crippled Chick aus­einander und thematisiert den Ableismus dieser Annahme.

Charlott Cooper veröffentlicht bei Obesity Timebomb ein wissenschaftliches Paper zum Umgang von Fat-Aktivist_innen und Medien. Cooper stellt dem voran:

It’s research by and about fat people. This pretty much never happens.

It’s a research paper that’s underpinned by Research Justice values, which are about recognising and drawing on community expertise, and creating research that benefits those communities directly. This pretty much never happens either.

Termine in Hamburg, Köln und Wien


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Vom Mythos der “unverdienten” Privilegien

7. Oktober 2013 von Nadine

Ich schrieb vor wenigen Tagen einen sarkastischen Post zu Privilegien, garniert mit ein paar Hashtags (Schlagwörtern), die illustrieren sollen, was an Vorannahmen, die hinter Argumentationen, die für oder gegen eine Auseinandersetzung mit Privilegien sprechen, problematisch ist. Da der Post sehr dicht ist und sich vielleicht nur jene angesprochen fühlen, die sich schon länger über die Thematik Gedanken machen, möchte ich nun eine Sache aufgreifen: Die Idee, dass Privilegien “unearned” (unverdient) sind.

Wenn ich mit Personen ins Gespräch komme oder Texte lese, in denen sich kritisch mit Privilegien auseinandergesetzt wird (nicht im Sinne von: Nein, es gibt sie nicht), ist oft davon die Rede, dass Menschen in privilegierten Positionen “nichts dafür können” oder nichts aktiv dafür getan haben, dass sie Privilegien besitzen. Bemerkenswerterweise wird dieser Topos oft auch bei jenen ins Spiel gebracht, die keine Notwendigkeit darin sehen, sich kritisch mit ihren eigenen Privilegien auseinander zu setzen.

Peggy McIntosh spricht in ihrem bekannten Artikel zu weißen Privilegien von einem “invisible knapsack” , einem unsichtbaren Rucksack, den weiße in Bezug auf Rassismus mit sich herumtragen. Der Artikel ist gespickt mit einer Aufzählung, an welchen Stellen diese Privilegien zum Tragen kommen, Bedeutung erlangen. Der Artikel ist sehr handlungsfokussiert, was ich gut finde, allerdings impliziert er, dass durch Unterlassen oder Interventionen in diese Wahrnehmbar-Werdungen von Privilegien diese abgelegt werden können. Die Metapher des Rucksacks impliziert weiterhin, dass Privilegien etwas sind, was ich als weiße Person mein Leben mit mir herumtrage, bis ich mir diese bewusst mache, etwas “dagegen” tue und so meinen Rucksack (zeit-/phasenweise) absetzen kann. Ebenso problematisch an dieser Metapher ist, dass der Rucksack an Bürde erinnert, etwas, das mir aufgebürdet wird, Privilegien, die “schwer wiegen”, und derer ich mich befreien muss/kann/sollte, um … ja was … eine gute/antirassistisch handelnde weiße Person zu werden? Die Rucksack-Metapher spielt ebenso mit dem Bild des “Unverdienten” wie mit dem Bild der “schweren Last” mit dem Ziel eines “Release”, einer Befreiung von Privilegien in Bezug auf antirassistisches Handeln von weißen Personen.

Privilegien werden nicht nur in McIntoshs Text mit Negativität und Unproduktivität (im Sinne von: mein Rucksack erschwert mir ein Vorankommen) be_deutet. Dahinter steckt die Vorstellung eines christlich geprägten Menschenbildes, welches Menschen in gute und schlechte einteilt. Menschen, die sich an bestimmte Vorgaben halten und danach handeln, erleben eine Befreiung ihrer Schuld, sie “sühnen” nicht nur für ihre eigenen “schlechten” Taten, sondern auch für die aller anderen. Privilegien kommen hier einer Kollektiv”schuld” aller weißen gleich. Im Sinne eines “Buße tuns”, also dem Entgegen-Handeln von Privilegien, können sich weiße von dieser “Schuld” befreien.

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Feministische Netzpolitik und das Problem interkultureller Trainings – die Blogschau

4. Mai 2013 von Nadine
Dieser Text ist Teil 200 von 265 der Serie Die Blogschau

Femgeeks haben die kürzlich veröffentlichte Studie von Kathrin Ganz zu feministischer Netzpolitik rezensiert.

Das Mädchenblog bereitet die feministische Kritik an Femen der letzten Wochen und Monate noch einmal auf und kommt zum Schluss: Femen, ruhe in Frieden!

Ninia LaGrande rechnet mit Sexisten ab und verpackt das Ganze mit utopischen Gedanken.

eleonora roldán mendívil nimmt auf ihrem Blog cosas que no se rompen einen Aufruf zu einem Training, das sich an “deutsche” und “ausländische” Stud_entinnen richtet, auseinander: “im diesem aufruf ist so viel /weiße/ /deutsche/ normvorstellung und kulturalisierende zuschreibungen, dass mir eigentlich nichts mehr einfällt…”

Antje Schrupp hat das Programm des Evangelischen Kirchentages in Hamburg unter die Lupe genommen und fragt: “Nichts gegen Geschlechtergerechtigkeit, aber wo bleibt der Feminismus?

Das Voice Refugee Forum Germany vermeldet, dass erneut eine geflüchtete Person aufgrund mangelnder Gesundheitsversorgung ums Leben gekommen ist.

Jay vom Virtual Retreat Center geht der Frage nach, wie feministische Aktivist_innen den permanenten Druck auf Diskriminierungen reagieren zu müssen_wollen, in produktive Fragen und Handlungen überführen können.


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Keine Sternstunden, viele Privilegien und starke Stimmen – kurz verlinkt

6. März 2013 von der Mädchenmannschaft

Erinnert ihr Euch noch an die Oscars, den Kater danach? Haben weiße Feminist_innen die Angriffe auf Quvenzhané Wallis ignoriert? Es ist eine empirische Frage. Sie ist jetzt ausgewertet und analysiert.

“Für wie doof hält der Stern seine Leserinnen, wenn solchen Worten keine Taten folgen?“ fragt Annette Bruhns, Vorsitzende von ProQuote Medien, zur “neuen” Chefredation beim Nachrichtenmagazin Stern und seiner versprochenen Frauenquote.

Ab wann ist mensch fett, dick? Es kann sich je nach Kontext verändern, findet Jocelyn. Eines verändere sich jedoch nicht, das Privileg dünn zu sein, die Frage nach Würde und der Repräsentation.

Puh, machmal ist es echt schwierig Rassismus zu erkennen… Hier eine wertvolle Lektüre für weiße Gutmenschen  und alle Interessierten.

Bild 1“Support Queer Women of Color Media. Support ELIXHER Magazine. ELIXHER is an award-winning online destination for Black lesbian, bisexual, transgender and queer women. We are committed to making ELIXHER self-sustainable.” Anschauen, unterstützen, weiterleiten. Großartiges Projekt.

Trans* und “gefangene” Körper in den Medien: “Ich bin nicht in meinem Körper gefangen. Ich bin gefangen in euren Vorstellungen. Und ich werde diesen Körper zurückfordern von jenen, die ihn atmen lassen wollen und ihn mit ihren Dogmen ernähren.”

Ein offener Brief an Amanda Marcotte: Ein tweet und “die Brücke, die mein Rücken ist.” Aneignungen, weißer Feminismus und Brownfemipower.

20 Dinge, die Lesben nicht mehr hören wollen. Vorschau: “You’re probably just doing it to get attention from men” Nope, that was Katy Perry.

Du willst ein ally/Bündnispartner sein? Eine kleine Anleitung.

Der Verband alleinerziehender Mütter und Väter e.V. (VAMV) kritisiert den vierten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung:  “Alle Jahre wieder steht es schwarz auf weiß: Alleinerziehende und ihre Kinder sind überdurchschnittlich oft arm”.

Das Ms. Magazine berichtet über die Online-Ausstellung ‘Don’t Miss Muslima!’ beim International Museum of Women.


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Ökonomie: (De)Koloniales Setting und feministisches Selbstverständnis

30. November 2012 von Franca
Dieser Text ist Teil 6 von 15 der Serie Ökonomie_Kritik

Dies ist ein Bericht von der Tagung “Schneewittchen rechnet ab. Feministische Ökonomie für anderes Leben, Arbeiten und Produzieren”. Insgesamt waren sechs Bloggerinnen auf der Tagung und haben von ihren Eindrücken berichtet – alle Berichte findet ihr auf gender-happening.de.

Der dritte und letzte Teil der Tagung „Schneewittchen rechnet ab“ hatte den Themenschwerpunkt „Vernetzen / Verarbeiten / Alternativen entstehen lassen“. Die Form des Open Space wurde gewählt, um im Anschluss an die Ausführungen der Expert_innen Raum für die Ideen und Kompetenzen der Teilnehmenden zu schaffen. Auch eventuelles Unbehagen sollte hier einen Platz finden. An diesem Punkt konnten eigene Themenvorschläge gemacht werden, um dann mit der Hilfe anderer Interessierter die Umsetzung der eigenen Projektideen zu planen.

Die Moderatorin stellte Open Space als eine Methode vor, die auf dem Konsensprinzip beruht. Durch die Struktur eines Hierarchie-freien Raums sollen die Mechanismen des patriarchalen Kapitalismus ausgehebelt werden, die Art der Teilnahme war den Einzelnen freigestellt. Sie konnten sich aussuchen, ob sie nach dem „Schmetterlingsprinzip“ nur kurz bei einem Projekt reinschauen, weiterziehen und dann nochmal wiederkommen oder nach dem „Hummelprinzip“ mit dem Inhalt des einen zum nächsten gehen wollten, um so eine inhaltliche Verbindung zwischen den Projekten zu schaffen. Als Strukturierungshilfe wurde festgelegt, dass auf einen Input eine kurze Vorstellung, das Notieren der Projektidee und die Verwaltung der jeweiligen Projektplanung folgen sollten. Im Anschluss an den Open Space fand ein Rundgang statt, an dem die ausgearbeiteten Projektideen den anderen vorgestellt wurden.

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