Einträge mit dem Tag ‘Weiße Privilegien’


Was bleibt, ist Protest.

11. November 2016 von Magda

Bei der Präsidentschaftswahl in den USA zitterten nicht nur US-Amerikaner_innen. Die Welt schaute zu, wie ein von der KKK gefeierter frauen- und queerfeindlicher Rassist ins Weiße Haus gewählt wurde. Die New York Times veröffentlichte schon vor Monaten eine stets aktualisierte Liste von über 280 Menschen, Orten oder Dingen, die Donald Trump auf Twitter beleidigte und diskriminierte (während Melania Trump nun gegen Mobbing im Netz kämpfen möchte…).

Das Ergebnis

Die ernüchternden Fakten nach der Wahl am 8. November: Auf die Bevölkerung hochgerechnet hat 25,5% der US-Wähler_innen Trump gewählt, 25,6% Hillary Clinton, 46,9% der US-Amerikaner_innen wählte gar nicht, 1,7% für den unabhängigen Kandidaten Johnson (Quelle: United States Election Project). Obwohl Clinton insgesamt mehr Stimmen erhielt, gewinnt Trump. Warum? Weil US-Präsidenten (die männliche Form bleibt weiterhin Realität) indirekt gewählt werden, und zwar durch Wahlleute (meist „Wahlmänner“ genannt). Die Wahlergebnisse in den einzelnen US-Bundesstaaten bestimmen, für welche Kandidatin oder Kandidaten die Wahlleute des jeweiligen Staates stimmen müssen. Entscheidend sind meist die großen Staaten, da die Anzahl der Wahlleute von der Bevölkerungszahl des einzelnen Bundesstaates abhängt. Wer diese gewinnt, gewinnt die Mehrzahl der Wahlleute, auch wenn die absolute Anzahl der Stimmen – wie im Fall Clinton/Trump – ein anderes Ergebnis bedeuten würde.

Screenshot: Hillary Clinton's Full Concession Speech | NBC News

Screenshot: Hillary Clinton’s Full Concession Speech | NBC News

Die Zahlen und Analysen

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Antifeminismus, Abwesenheit von Vätern und Ausübung von Kritik (nur wie?) – die Blogschau

30. Januar 2016 von accalmie
Dieser Text ist Teil 292 von 295 der Serie Die Blogschau

„»Deutschland Schwarz Weiß« zu schreiben, war mein Trick.“ Noah Sow gibt einen Einblick in ihre persönlichen Motive, acht Jahre nach Veröffentlichung des Buchs (…übrigens immer noch ein dringender Lektüretipp!).

Über die Nähe des zeitgenössischen Antifeminismus zu Antisemitismus schreibt החול והים (Sand und Meer).

Bei Ringelmiez berichtet Ella von ihren Erfahrungen, für ihr Kind ein Kleid zu nähen, und gibt in einem FAQ Antwort auf (potenzielle) geschlechteressentialistische, cissexistische und heterosexistische Einsprüche.

JJ bei den Leckmuscheln kritisiert den „Riots Not Diets“-Pullover von „Monki“: „Den Pullover gibt es in den Größen S-L. Nice try Monki, aber welcher Sinn steckt dahinter einen Fett-Positiven Pullover herzustellen, welchen dann nur schlanke Menschen tragen können, die sowieso ständig von Thin Privilige profitieren, gerade wenn es um Mode geht.“

„30. Januar in Büdingen: Naziaufmarsch verhindern! Rechten Kommunalwahlkampf stören!“: Antifa Kritik und Klassenkampf ruft zum antifaschistischen und antisexistischen Protest auf. Treffpunkt: Heute, 13:40 Uhr, Hauptbahnhof Frankfurt am Main, Gleis 13.

„Aber brauchen Kinder wirklich ihren Vater/ eine männliche Bezugsperson? Zu welchem Preis? Brauchen Kinder nicht viel eher eine Möglichkeit zu lernen mit der Situation und dem Menschen, der sie mitgezeugt hat, umzugehen; ob dieser nun real präsent ist oder nur in Erzählungen?“ Me, Myself and Child startet mit „Ohne Väter: Prolog“ die Artikel-Reihe „Ohne Väter,“ zu der Beiträge „alle Elter_Mütter*, die ihre Kinder (zum größten Teil) ohne Cis-Väter betreuen“, eingeladen sind.

In Anna Hegers Mini-Comic, „Kritik von weißen Schafen an weißen Schafen“, geht es um Kritikausübung innerhalb einer Gruppe ähnlich privilegierter Menschen.

„Nimm deine Kippa ab, Junge!“ – Was das mediale Interesse an Antisemitismus mit den Geflüchteten zu tun hat“, analysiert Levi bei kleinerdrei.

Die Femgeeks stellen das Hacker*innenmagazin The Recompiler vor, das im letzten Jahr durch eine Crowdfunding-Kampagne ins Leben gerufen wurde.

Die 71-jährige „Schluss-Strich-Debatte“ um (die Erinnerung an) den Holocaust kommentiert Anja Reschke:

Habt ihr diese Woche etwas geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blogs etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Regelmäßig verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.


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Suruç, heteronormative Asylpolitk und Zwangsregistrierung für Sexarbeit_innen – kurz verlinkt

22. Juli 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 289 von 340 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Beiträge

Die ZEIT veröffentlichte den Schlussvortrag der Rechtsanwälte Ernst Freiherr von Münchhausen, Onur Özata und Dr. Mehmet Gürcan Daimagüler im Strafverfahren gegen Oskar Groening am 14. Juli 2015.

„Auf dem Weg in eine gerechtere Gesellschaft kann wohl kaum mehr falsch gemacht werden als damit, Väter in ihrer bisherigen Interpretation ihrer Vaterrolle zu bestärken.“ – Jochen König kritisiert den Familienbericht 2015 für den Berliner Senat.

Im August findet in Helmarshausen das Bundestreffen der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland statt. Dafür kann auch noch gespendet werden, um Menschen, die wenig Geld haben, die Teilnahme zu ermöglichen.

Seit Montag gibt es eine Online-Meldestelle (deutsch- und englischsprachig) für antisemitische Äußerungen_Angriffe in Berlin. Das Projekt, das unter anderem von der Amadeu-Antonio-Stiftung gefördert wird, hat auch zum Ziel, auf Antisemitismus im Alltag aufmerksam zu machen.

„Aggressive für Deutschland“ – das LOTTA-Magazin analysiert den Machtwechsel innerhalb der „Alternative für Deutschland“ (AfD).

„Frauen, die lange Haare haben und „weiblich“ wirken, wird ihr Lesbischsein häufig nicht geglaubt; genausowenig Frauen, die Kinder haben.“  – in einem Interview mit dem Tagesspiegel berichtet LesMigras-Mitarbeiterin Saideh Saadat-Lendle über die Situation lesbischer und schwuler Geflüchteter in Deutschland.

„Die Zwangsregistrierung für Prostituierte gab es zuletzt 1939.“: Bereits im Juni hat die Jungle World ein Interview mit Juanita Henning, Vorsitzende der Organisation Doña Carmen, zum geplanten und perfide betitelten Prostitutiertenschutzgesetz geführt.

Dr. Jamie Pax Abad hat einen Erfahrungsbericht und weitere Informationen zur Vornamensänderung in ausschließlich geschlechtsneutrale Vornamen nach dem Namensänderungsgesetz für Personen, die sich ausserhalb der binären Geschlechterkategorien identifizieren, zusammengestellt (PDF).

Noah Sows „Deutschland Schwarz Weiss“ ist seit gestern auch in neuester, überarbeiteter Version als E-Book erhältlich.

Englischsprachige Beiträge

Bei einem Bombenanschlag in der türkischen Grenzstadt Suruç wurden am Montag mindestens 32 Aktivist_innen, die einen Hilfseinsatz in Kobane (Syrien) geplant hatten, getötet und über 100 Menschen verletzt. Die New York Times, Neues Deutschland und Publikative.Org berichten über die Geschehnisse und Hintergründe. Trauer- und Protestdemonstrationen wurden derweil in der Türkei massiv von der Polizei angegriffen.

Über die spezifische Rolle weißer Frauen bei der Aufrechterhaltung von Rassismus schreibt der Atlanta Black Star.

„Vier Dinge, die du deinen Kindern genau jetzt zu Rassismus beibringen solltest“: Black Girl Dangerous listet sie auf.

BBC News berichtet über die britische Politikerin Liz Kendall, die sich gegen das Boulevard-Blatt Mail on Sunday wehrt, das sie nach ihrem Gewicht fragte: „Can you imagine the Mail on Sunday asking the weight of the prime minister, George Osborne or any other leading politician?“

Termin in Göttingen

31.07. in Göttingen: SchwarzRund liest im Kabale: Quasi, Schwarzer Frost und Poesie (Facebook-Link).


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Alle* Leben sind gleichwertig: Ein Notizzettel voller Gedanken

13. Februar 2015 von Hengameh

(*Die Leben von Personen of Color und Schwarzen Menschen ausgeschlossen.)

Es ist gerade mal zwei Monate her, da feierten der 23-jährige Zahnmedizinstudent Deah Shaddy Barakat und die 21-jährige Yusor Mohammad Abu-Salha, die dieses Jahr das gleiche wie ihr Mann studieren wollte, ihre Hochzeit. Vor 2 Tagen wurden sie in ihrem eigenen Zuhause von dem 46-jährigen, sich als Atheist bezeichnenden, weißen Craig Stephen Hicks erschossen. Auch Yusors Schwester Razan, 19 Jahre alt, wurde ermordet.

Wo bleiben die Solidaritätsbekundungen, Schlagzeilen und Kundgebungen, wenn die Opfer eines Attentats nicht weiß sind? Ist es, weil doch nicht alle Leben gleichwertig sind? Ist es, weil muslimische Tote nichts Bahnbrechendes für die Welt sind? Wo bleiben die Zuschreibungen von Terror, Fundamentalismus und Unterdrückung, wenn die Täter_innen nicht muslimisch sind? Ist es, weil ein weißer Typ einfach ein eigenartiger Einzelgänger sein kann, der seinen Scheiß nicht mehr unter Kontrolle hatte und ausrasten musste? Einfach so? Einfach aus Gründen?

Wo bleiben die Distanzierungen aller Atheist_innen oder gar weißer Personen, wenn eine Person „ihresgleichen“ unschuldigen Personen brutal das Leben nimmt? Ist es, weil es eine zu allgemeine Gruppe ist, die viele Nischen hat und nicht über einen Kamm geschert werden kann? Ist es, weil sie doch überhaupt nichts mit dieser Tat zu tun hatten, schließlich haben sie nichts gegen den Islam™, im Gegenteil, alle Religionen sind gleich und einen Türkeiurlaub haben sie auch schon mal gehabt, also come on, bisschen weit hergeholt dieser Vergleich, denkst du nicht?

Denkst du schon? Denkst du doch? Denkst du es ist systematisch? Denkst du nicht, es ist Zufall? Denkst du, sein Atheismus hatte überhaupt was mit dem Tatmotiv zu Tun? Ein Mensch ist doch schließlich mehr als sein Glaube. Ein Mensch ist viel vielschichtiger als eine Glaubenszugehörigkeit. Die Schichten eines Menschen sind viel mehr, als du glaubst. Das hat nichts mit einander zu tun. Vielleicht hat es auch einfach nur zufällig diese drei Personen muslimischen Glaubens getroffen. Bestimmt hätten es auch andere sein können. Bestimmt! Hundert Pro! Alle Leben sind gleichwertig, alle Leben sind gleich viel wert. #AllLivesMatter, nicht nur Schwarze! Oder weiße!

Aber wenn alle Leben gleichwertig sind, warum habe ich das Gefühl, dass es scheißegal ist, ob meine Schwestern, meine Brüder, meine nicht-binär identifizierten Glaubensgefährt_innen, meine Schwester, meine Mutter, ich, wir alle, dass es der Welt scheißegal ist, ob wir leben oder nicht, weil wir sowieso nur da sind, um den Sozialstaat abzuzocken (gibt ja auch voll viel zu holen, ne?), Terroranschläge zu planen und weißen Personen Angst zu machen – zum Beispiel, indem sie unsere Namen nicht aussprechen können oder indem sie stets die Islamisierung des Abendlandes hinterfragen müssen.

All ihre Angehörigen, Biografien, Chancen, Träume, Ängste, Leben mussten sie zurücklassen. Was bleibt ist eine gelinde gesagt unbefriedigende Berichterstattung und Perzeption der Tat. Was bleibt, sind die Anzeichen dafür, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der Rassismen wie anti-muslimischer und anti-Schwarzer Rassismus zur Normalität gehören, in der eben nicht alle Leben gleichwertig sind, in der alle negativen Zuschreibungen marginalisierten Gruppen angeklebt werden und Personen aus der Mehrheitsgesellschaft mit Gräueltaten einfach so davonkommen.

Die Familie und die Angehörigen der drei Opfer erstellten die Facebook-Seite Our Three Winners, auf der sie ihnen gedenken.

Wer bei #JeSuisCharlie und ähnlichen viralen Netzsolidaritätsbekundungen in erster Reihe dabei war, in diesem Fall aber keine Reaktionen in der Dimension von Profilbildwechsel, Hashtagbeteiligung und Demonstrationsbesuch übrig hat, sollte vielleicht mal über die eigenen Privilegien, Empathie und all die Kritik, die es an benanntem Hashtag gab, nachdenken. Vielleicht merkt er_sie, was hier falsch läuft. Vielleicht bin auch einfach nur ich im falschen Film.


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Ein Privileg verpasst uns schlechte Instinkte – mit Absicht

6. Oktober 2014 von Gastautor_in

Mit freundlicher Genehmigung der Autorin veröffentlichen wir eine Übersetzung des Artikels „Privilege Gives Us Bad Instincts, By Design“, der vergangene Woche auf Melissa McEwans Blog Shakesville erschien. accalmie übersetzte den Text.

Etwas, das mir noch nie passiert ist: Ich habe etwas gesagt oder geschrieben über einen Vorfall von Frauenfeindlichkeit, der entweder gegen mich oder andere gerichtet war, bekam von einem Mann gesagt, „Ich sehe da keine Frauenfeindlichkeit,“ wurde von diesem Mann gesplained, warum ich falsch liege, und änderte dann meine Meinung, da ich so überwältigt war von seinem Einblick.

Das ist noch nie passiert. Ich glaube nicht, dass es jemals passieren wird.

Und dennoch, fast tagtäglich, bin ich mit Männern konfrontiert, die erpicht darauf sind mir zu sagen, dass sie etwas nicht als Frauenfeindlichkeit begreifen, dass es da eine andere Erklärung gäbe, dass ich falsch läge. Sie reden mit mir, als sei ich sehr dumm oder sehr naiv, sie benutzen Occam’s Big Paisley Tie gegen mich und präsentieren Grund nach absurdem Grund, warum etwas keine Frauenfeindlichkeit sei. Warum ich falsch liege.

Oftmals geben diese Männer vor, meine Verbündeten (allies) zu sein.

Und diese Männer, die vorgeben, meine Verbündeten zu sein, räumen bereitwillig ein, dass sie männliche Privilegien haben, während sie gleichzeitig vollkommen daran scheitern zu verstehen oder zu überprüfen, wie diese Privilegien auf sie einwirken und wie viel Arbeit es wirklich ist sich durch diese Privilegien durchzuarbeiten; wie viel Umsicht, keine Ausübung/Handhabe, es benötigt.

Wir können uns nicht einfach nur bewusst sein, dass wir Privilegien haben; wir müssen verstehen, wie diese Privilegien funktionieren und was sie mit unserer Menschlichkeit tun.

Es ist Arbeit uns zu resozialisieren, heraus aus den schädlichen Unterdrückungen, mit denen wir indoktriniert werden. Es funktioniert nicht von Zauberhand, und es funktioniert ganz bestimmt nicht dadurch einfach zu verkünden, dass wir uns unserer Privilegien bewusst seien.

Menschliche Wesen sind wie Schwämme kreiert, und wir Schwämme werden während jeden Tags unseres gesamten Lebens sozialisiert durch ein Bombardement an Eingaben, die uns dazu anhalten, manche Leute zu priviligieren und andere als weniger wert zu behandeln. Es ist absurd sich vorzustellen, dass wir diese aggressive Sozialisation über Nacht überwinden könnten ohne besondere Anstrengungen.

Eine Sozialisation, die Menschen mit Privilegien vermittelt: Du bist überlegen. Du bist mehr wert als die Leute, die deine Privilegien nicht haben. Du bist eine bessere Person.

Es ist nicht wahr. Privilegien erodieren in jeder Hinsicht unsere Fähigkeit, Verbindungen zu anderen Menschen herzustellen. Sie untergraben unsere Empathiefähigkeit, und sie mindern unsere Menschlichkeit.

Privilegien verpassen uns schlechte Instinkte, mit Absicht.

Sie erzählen uns Lügen. So viele Lügen.

Und die schädlichste Lüge, die Privilegien uns erzählt, ist, dass wir objektiv sind, kraft unserer Privilegien. (mehr …)


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trapped in the wrong body

30. September 2014 von Nadine

How can I be trapped in the wrong body
that is white, skinny and falsely cisgendered as women?
How can I be trapped in the wrong body
able to move anytime anywhere without help, fear or force?
If I want to.
If I just could sometimes.

My body is not wrong.
My body is right
there where society wants them to be.

I’m not trapped in the wrong body
I’m trapped in a society that is
Wronging my body
Righting my body
Praising my body
Trapping my body

I’m not wronged for my body.
I’m wronged for my body
Speaking
Changing
Moving
Feeling
where society not wants them to.

My body is wronging
My body is righting
My body is writing
society
is written on my body

My body is embodiment
of society.

My body is history
colonialism
capitalism
ableism
imperialism
sexism
racism
cisgendered
false.
My body is wrong.

My body is embodiment of society
righting history
righting violence
righting exploitation
wronging justice
wronging liberation
wronging dignity
treating bodies as wrong
trapped in the wrong body.

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Privilegiertes Unbehagen

27. November 2013 von accalmie

Es wird ungemütlich. Das Flut­licht geht an. Alle Gesichter schauen auf einmal in die gleiche Richtung. Es wird plötzlich so warm hier. Der abrupt neue Fokus wird deutlich, eine Mar­kierung sicht­bar. Ende der Sekt­stimmung. „Generalverdacht“. Das Un­wohl­sein, dass sich durch Rassis­mus­kri­tik bei manchen Menschen aus­breitet, ist nicht weiter überraschend; es könnte – punktuell, wie diese Erfahrung für viele ist – ausgehalten, gar produktiv genutzt werden für persönliche Reflektion. Zu the­ma­ti­sieren, dass Rassis­mus nicht allein das „Problem“ von People of Color ist, sondern eine Struk­tur, die Ge­sell­schaf­ten syste­ma­tisch durch­zieht und von der Nicht-Margi­nali­sier­te systema­tisch profi­tieren (und dass es im Regel­fall People of Color sind, die markiert, beobachtet und unter General­verdacht gestellt werden), kann kein ent­spannen­der Pro­zess sein – eben­so­wenig wie die Aus­einan­der­setzung mit anderen dis­krimi­nieren­den Struk­turen. Bemerkens­wert ist, wie aus Unbehagen schnell Ab­wehr­re­flex und schließlich Aggression wird: Vorwürfe der Un­freundl­ichkeit, der Wut, Arroganz und Gemein­heit, des (unfairen) Angriffs, der Überempfindlichkeit, der vermeintlichen Verharmlosung von „eigentlichem“ Rassismus (also dem der extremen Rechten, mit dem man ja nichts zu tun habe als Die Mitte / Die Linke), der Kontra­produk­tivi­tät und des Neben­wider­spruchs werden laut, wenn struk­tu­reller Rassis­mus be­nannt wird. Oft fällt der Be­griff des „um­gekehr­ten Rassis­mus“ (reverse racism), der Macht­ver­hält­nisse zu eigenen Gunsten au­sblendet.

buildingWas für antirassistische Aktivist_innen Alltag ist, ist auch Alltag in bestimmten Institutionen; auch jenen, die sich Anti­rassis­mus verpflichtet fühlen und dies bei­spiels­wei­se mit Gleich­stellungs- oder Diversity-Be­auf­trag­ten um­zu­setzen ver­suchen. Ge­ra­de das Hoch­schul­wesen hat Frauen- und Gleich­stellungs­be­auf­trag­te, deren Arbeit in eta­blier­ten Macht­struk­tu­ren und rein theo­re­tischen Be­kennt­nissen zu ab­strak­ter Gleich­heit unter­geht. Dass Gleich­stellungs­be­auf­tragte aber auch selbst dis­krimi­nier­end agieren kön­nen, hat zuletzt die Allgemeines-Gleichstellungsgesetz (AGG)-Beauftragte der Humboldt-Universität zu Berlin illustriert, die gewählten Student_innen­ver­tre­ter_innen des LGBTI-Referats unter anderem die Nutzung uni­versi­tärer Räu­me für deren Ver­anstal­tungen ver­wei­gerte.

Auch am Minneapolis Community and Technical College in Minnesota, USA, ereignete sich vor kurzem ein nun öffentlich gewordener Fall strukturellen Rassismus und Sexismus, der für Entsetzen in der akademischen und nicht-akademischen community antirassistischer und antisexistischer Aktivist_innen sorgte: die Professorin Shannon Gibney wurde – auf Initiative von zwei weißen Studenten – von der Universität formal dafür gerügt, in ihrem Seminar strukturellen Rassismus so thematisiert zu haben, dass jene Studenten sich angegriffen fühlten.

Chaun Webster, Twin Cities-Aktivist (in Minneapolis und Saint Paul), Autor und Gründer der Free Poet’s Press, hat beim Blogger_innenkollektiv Opine Season einen Artikel zu dem Vorfall verfasst, in dem er Prof. Shannon Gibneys Erfahrungen kontextualisiert und Forderungen für eine Umstrukturierung von Bildungsinstitutionen formuliert. Mit seiner freundlichen Genehmigung durften wir den Artikel übersetzen und erneut publizieren.

Ein paar Dinge, die wir aus der MCTC-Attacke auf Prof. Shannon Gibney lernen sollten.

Wie vielen in diesem Netzwerk hier bewusst ist und anderen nicht, wurde Shannon Gibney, Professorin für Anglistik und African Diaspora Studies des Minneapolis Community and Technical College (MCTC) kürzlich von der Institution formal gerügt.

Die Rüge erfolgte aufgrund des Unbehagens zweier weißer, männlicher Studenten, die sagten sie seien persönlich angegriffen worden, während Prof. Gibney in ihrem Politikwissenschafts- und Kommunikations-Seminar eine Diskussion über strukturellen Rassismus führte. Diese Studenten unterbrachen Prof. Gibney während der Diskussion und sagten, dass allein schon die Thematisierung verletzend für sie sei. Das MCTC ging so weit, Prof. Gibneys Verhalten während des Seminars als einen Verstoß gegen die Anti-Diskriminierungs-Politik zu bewerten, und sie wurde zu zwei Treffen mit dem Diversity-Beauftragten verpflichtet, um zu lernen, wie sie Menschen aller Herkunft besser willkommen heißen könne.

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Die jüngste Juristin Englands und ein schwuler Kurzfilm – Kurz Notiert

14. August 2013 von der Mädchenmannschaft

Sekt und Apfelschorle raus, hier kommt unsere 200. „Kurz Notiert“ Sammlung!

Bei fembooks.de (Internet­buch­handlung für feministische und emanzipa­torische Bücher und Medien) könnt ihr jetzt alle Fach­bücher und Belletristik bis ein­schließlich 31. August 2013 ohne Versand­kosten bestellen. Einfach den Gutschein-Code August2013 im Bestell­prozess eingeben.

In einem Artikel im Freitag geht es um sexuelle Belästigung an der Universität.

Magda gab dem Bayrischen Rundfunk ein Radio­interview zu Fat Empowerment und der Idee eines „guten Körpers“ in neo­liberalen Zeiten.

Schwangere Körper unterliegen einer strengen gesellschaftlichen Kontrolle. Deshalb ist es leider nicht sehr überraschend, dass auch immer mehr Schwangere mit Essstörungen kämpfen.

Für alle Facebook-User_innen: Es gibt zwei neue Seiten, bei denen ihr ‚Gefällt mir‘ klicken könnt: jufemnetz, das „netzwerk junger feministinnen_ innerhalb und außerhalb der mädchen_arbeit“ und buuu.ch, eine Seite, auf der Blogger_innen mit Kindern zwischen 1 und 12 Kinderbücher rezensieren.

Eine tolle Nachricht gibt es aus Groß­britannien: Eine 18-jährige schloss ihr Studium erfol­greich ab und ist nun die jüngste Juristin in der Geschichte Englands (englischsprachig).

Eine bilderreiche Vorstellung einiger Fat Aktivist_innen findet ihr auf slate.com. Passend dazu ein älteres Video von den „Padded Lilies“ – ein Schwimm­kollektiv aus Kalifornien, das auch noch heute existiert.

Sogenannte Fatshion Blogger_innen, die jenseits von Größe 36 über Mode bloggen, sind im Netz vielen sexualisierten Belästigungen aus­gesetzt. Eine Bloggerin entschied sich nun dafür, nicht mehr zu bloggen wegen der Un­mengen an objektifizierenden Kommentaren (englischsprachig). Die bittere Wahrheit: Sexismus im Netz hat reale Konsequenzen und schränkt die Betroffenen ein.

„Und obwohl es viele gibt wie sie, liest man nichts von ihnen: Hartz-IVler sind nicht in der Position, ihre Geschichten erzählen zu können“ – schreibt Udine Zimmer, und hat deshalb genau damit begonnen.

Unter dem Hashtag #SolidarityIsForWhiteWomen worteten gestern Feminist_innen of Colour Kritik an weißen Feminismen. Auslöser war eine erneute Diskussion um Hugo Schwyzer (englischsprachig).

Das neue Album von Lisiena (New Wave Deluxe, Poetic Punk) gibt es ab Anfang September auf allen online Märken.

„Das Ende einer Liebe ist, als wenn ein Teil aus dem Körper heraus­geschnitten wird. Schmerz­haft. Brutal. Und es hinter­lässt Narben. Diese Erfahrung muss auch Maxim machen, nachdem sich Orhan von ihm getrennt hat.“ – Kalbim – schwuler Kurzfilm.

Nach dem Herzschmerz noch etwas Romantik und Kitsch aus den USA: Anne und Diane Giles sind seit 50 Jahren verheiratet. Was, das geht gar nicht? Na klar, lest selbst (englisch­sprachig).

Termine in Berlin, Bremen und Hamburg nach dem Klick: (mehr …)


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Keine Sternstunden, viele Privilegien und starke Stimmen – kurz verlinkt

6. März 2013 von der Mädchenmannschaft

Erinnert ihr Euch noch an die Oscars, den Kater danach? Haben weiße Feminist_innen die Angriffe auf Quvenzhané Wallis ignoriert? Es ist eine empirische Frage. Sie ist jetzt ausgewertet und analysiert.

„Für wie doof hält der Stern seine Leserinnen, wenn solchen Worten keine Taten folgen?“ fragt Annette Bruhns, Vorsitzende von ProQuote Medien, zur „neuen“ Chefredation beim Nachrichtenmagazin Stern und seiner versprochenen Frauenquote.

Ab wann ist mensch fett, dick? Es kann sich je nach Kontext verändern, findet Jocelyn. Eines verändere sich jedoch nicht, das Privileg dünn zu sein, die Frage nach Würde und der Repräsentation.

Puh, machmal ist es echt schwierig Rassismus zu erkennen… Hier eine wertvolle Lektüre für weiße Gutmenschen  und alle Interessierten.

Bild 1„Support Queer Women of Color Media. Support ELIXHER Magazine. ELIXHER is an award-winning online destination for Black lesbian, bisexual, transgender and queer women. We are committed to making ELIXHER self-sustainable.“ Anschauen, unterstützen, weiterleiten. Großartiges Projekt.

Trans* und „gefangene“ Körper in den Medien: „Ich bin nicht in meinem Körper gefangen. Ich bin gefangen in euren Vorstellungen. Und ich werde diesen Körper zurückfordern von jenen, die ihn atmen lassen wollen und ihn mit ihren Dogmen ernähren.“

Ein offener Brief an Amanda Marcotte: Ein tweet und „die Brücke, die mein Rücken ist.“ Aneignungen, weißer Feminismus und Brownfemipower.

20 Dinge, die Lesben nicht mehr hören wollen. Vorschau: „You’re probably just doing it to get attention from men“ Nope, that was Katy Perry.

Du willst ein ally/Bündnispartner sein? Eine kleine Anleitung.

Der Verband alleinerziehender Mütter und Väter e.V. (VAMV) kritisiert den vierten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung:  „Alle Jahre wieder steht es schwarz auf weiß: Alleinerziehende und ihre Kinder sind überdurchschnittlich oft arm“.

Das Ms. Magazine berichtet über die Online-Ausstellung ‚Don’t Miss Muslima!‘ beim International Museum of Women.


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One Billion Rising-Nachlese und die e*vibes-Femen-Diskussion mit Termin – kurz verlinkt

20. Februar 2013 von der Mädchenmannschaft

One Billion Gedanken zu One Billion Rising: Natalie Gyte erläutert in der Huffington Post, warum sie One Billion Rising nicht unterstützt – und warum das Argument „Es ist doch für eine gute Sache“™ nicht gelten lässt. (Triggerwarnung für die Kommentare, fast schon selbstredend.) Gegenpositionen mit Kritik an Gytes gibt es auch, und zwar unter anderem auf spectra speaks.

Wenn weiße Autor_innen über Personen of Color schreiben, können sie es nur falschen machen – wenn sie es lassen, ist es auch wieder nicht richtig?  Tja – kommt halt damit klar, sagt Claire Light.

Im britischen Guardian schreibt Fat-Aktivistin Charlotte Cooper über die angebliche „Dicken-Epdemie“ und was dicken und fetten Menschen am besten hilft: weniger Diskriminierung und weniger Stigmatisierung.

Zahid, ein 29 jähriger Roma aus Konstanz, ist akut von Abschiebung bedroht – kurz vor Beginn seiner Ausbildung zum Mediengestalter. Dies soll durch eine Unterschriftensammlung verhindert werden. Jede Stimme zählt!

Das Bitch Magazine erinnert an Audre Lorde anlässlich ihres Geburtstags.

Interview mit Sharon Dodua Otoo zu kolonialistischen Fantasien in Pippi Langstrumpf, die über de Verwendung des N-Worts hinausgehen. [Triggerwarnung: Ausgeschriebenes N-Wort und sonstiges rassistisches Vokabular, dafür supergute Antworten auf einige echt schnarchige Fragen!]

Juhu, the Story of Riot Grrrl, beginnend mit einem ersten Teil!

Sarah Diehl schreibt auf Deutschland Radio, warum Abtreibung nicht ins Strafgesetzbuch gehört.

Diesen Tag bitte im Kalender anstreichen: Unser bekannter Flugzeugträger-Fernsehender ntv schreibt auf seiner Webseite über… Critical Whiteness!

Das Jugendnetzwerk::lambda Berlin-Brandenburg e.V. sucht ehrenamtliche Mitarbeiter_innen.

Der Spiegel berichtet über die Stärkung des Adoptionsrechts für homosexuelle Paare.

Einmal klicken für die Termine:

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