Einträge mit dem Tag ‘Vorbilder für Deutschland’


Hochzeit in Washington DC

10. März 2010 von Helga

In Washington DC haben gestern Sinjoyla Townsend und Angelisa Young ihre zwölf Jahre Partnerschaft gefeiert und als erstes gleichgeschlechtliches Paar geheiratet. Ergreifender als in jedem Hollywoodfilm, also schon mal die Taschentücher auspacken:


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Staatliches Bordell

22. Oktober 2009 von Verena

Eine ungewöhnliche Forderung stellte jetzt die Schweizer Aidshilfe: Um die gesundheitlichen Risiken für Prostituierte einzuschränken, sollen staatliche Bordelle für verbesserte Arbeitsbedingungen sorgen.

Wie die Basler Zeitung berichtet, sind besonders Frauen, die sich illegal in der Schweiz aufhalten, von Nötigungen und Misshandlungen betroffen. Dabei sind es vor allem wirtschaftliche Ursachen, wie hohe Zimmermieten, die die Frauen psychischer und körperliche Gewalt aussetzen und immer wieder unter Druck setzen, auf Kondome zu verzichten.

Aus diesem Grund müsste Sexarbeit als Arbeit definiert werden, fordern nicht nur Schweizer Sozialwissenschaftlerinnen, sondern auch Nicole Wehrle von der Baseler Aidshilfe. Wehrle, zuständig für die Aidsprävention im Sexgewerbe, schlägt ein staatliches Bordell vor,

mit Kondomen auf den Zimmern, Handtüchern und Duschen. Für die Sexarbeiterinnen müsste es faire Zimmerpreise geben und Präventionsmaterial bereitliegen. Natürlich müssten auch rechtliche Bedingungen geschaffen werden, damit die Sexarbeiterinnen legal arbeiten können. Schweizerinnen und Ausländerinnen aus EU-Staaten können dies bereits. {…} Mit einer Legalisierung der Sexarbeiterinnen – zumindest für eine gewisse Zeit – könnten diese auch zu staatlichen Abgaben verpflichtet werden.

Und weiter:

Wehrles Hoffnung ist, dass die Bordellbetreiber mitziehen und ihre Standards anpassen würden. Ihr schwebt so etwas wie ein Gütesiegel für Bordelle vor. Sie sei sich im Klaren darüber, dass der Kanton kein Bordell betreiben könne. Aber mit ihrem Vorschlag möchte sie die Bildung einer Arbeitsgruppe aus Behördmitgliedern, Aidshilfe-Mitarbeitern, Leuten aus dem Milieu und Freiern forcieren. «Ich kenne Freier, die bei den Prostituierten gerne auf ein Label setzten würden.» Wie beim Bio-Gemüse.

Auch wenn der Vergleich mit dem Bio-Gemüse ziemlich hinkt, eine gute Idee, auch über die Schweizer Grenze hinaus.


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Applaus für… City of Refuge – Stätte der Zuflucht für LGBT

21. September 2009 von Magda
Dieser Text ist Teil 8 von 22 der Serie Applaus für

Wenn man Kirchen und deren Dogmen sonst immer kritisch entgegentritt, macht folgende Nachricht auf colorlines.com doch sehr glücklich: In der Kleinstadt Lanham in Maryland, USA, predigt Pastor Kendal Brown in seiner Kirche City of Refuge die so genannte Lehre der Radical Inclusion (“Radikale Einbeziehung”), ein konfessionsübergreifender Ansatz, der all denjenigen Sicherheit und Ermutigung spenden soll, die von vielen religiösen Gemeinden ausgeschloßen und verachtet werden – und dies sind insbesondere Lesben, Schwule, Bisexuelle und/oder Transsexuelle (kurz LGBT).

Kirche "City of Refuge"

Auf der Homepage der Kirche heißt es:

It is The Fellowship’s goal to create a place where all may feel free to worship, serve, and grow spiritually – without regard to race, ethnicity, social class, age, gender/gender identity, or affectional orientation. We will create a safe place for all persons to flourish – especially women, same-gender-loving individuals and their allies, transgendered persons, persons in recovery, the recently incarcerated, the economically disenfranchised, and persons infected and affected by HIV/AIDS.

(zu deutsch: “Es ist das Ziel der Gemeinde, einen Ort zu kreiieren, in dem sich alle Menschen wohlfühlen können, um zu beten, Gott zu dienen und spirituell zu wachsen – ungeachtet ihrer Hautfarbe, Ethnizität, sozialen Klasse, Alter, Geschlecht / Geschlechtsidentität, oder sexuellen Orientierung. Wir werden einen sicheren Ort für alle Personen etablieren, damit sie aufblühen können – dies gilt insbesondere für Frauen, Homosexuelle und ihre UnterstützerInnen, Transgender Personen, Menschen in Genesung, die ehemals Inhaftierten, die ökonomisch Entrechteten, und HIV- oder AIDS-Infizierte.”)

Im Artikel werden auch mit stereotypen (und rassistischen) Vorurteilen aufgeräumt, afroamerikanische communities seien Homosexuellen gegenüber feindlicher eingestellt als etwa weiße US-AmerikanerInnen. Auf die Feststellung einer Kirchgängerin, dass Erstere ganz besonders starre Vorstellungen von Geschlechterrollen hätten, erklärt Cedric Harmon, zweiter Pastor in der Kirche, dass diese Intoleranz im Kontext struktureller Probleme in den afroamerikanischen communites betrachtet werden müsse.

“I do not believe that the African American community just inherently can’t deal with gay people or is exceptionally conservative. It’s that there are additional burdens, pathologies and challenges already and this issue is often couched as yet another threat (…) All of the gaps, or threats, are wider in communities of color. The healthcare gap. The technology gap. The education gap. When same-gender-loving persons are perceived as an additional threat, people do not know how to respond.”

(zu deutsch: “Ich glaube nicht, dass die afroamerikanischen communities einfach nichts mit Homosexuellen zu tun haben wollen oder ganz besonders konservativ sind. Es ist nur so, dass es zusätzliche Belastungen, Pathologien und Herausforderungen gibt und diese Angelegenheit häufig als noch eine zusätzliche Bedrohung angesehen wird. All diese Diskprepanzen und Bedrohungen sind bei AfroamerikanerInnen größer: Verglichen mit Weißen gibt es Unterschiede in der Versorgung von Gesundheit, Technologie und Ausbildung. Wenn Homosexuelle als Bedrohung wahrgenommen werden, wissen viele Menschen nicht, wie man darauf reagiert.”)

Eine Kirche wie die City of Refuge bietet jenen, die häufig in US-amerikanischen Kirchen als krank dargestellt und ausgestoßen werden, einen Zufluchtsort und betont Inklusion und Gerechtigkeit als Stärken der Kirche und nicht etwa Bestrafung und Ausschluß. Außerdem sieht sich die City of Refuge als so genannter safe space, ein sicherer Ort, in dem man vor Anfeindungen gewahrt ist und mit Menschen kommuniziert, die mitunter ähnliche Erlebnisse hatten.


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Nach kurzer Pause: Kurz verlinkt

18. September 2009 von Katrin
Dieser Text ist Teil 9 von 152 der Serie Kurz notiert

Keine Sorge – es gibt ihn noch, unseren Wochenrückblick.

Angelika Gifford (Quelle: Heise.de)

Angelika Gifford - Quelle: Heise.de

Anfangen möchte ich mit der sehr frohen Nachricht, dass soeben die Managerin des Jahres 2009 ihren Preis verliehen bekommt. Sie heißt Angelika Gifford und ist Senior Direktorin der Geschäftsbereiche Öffentliche Verwaltung, Gesundheitswesen und Bildung bei Microsoft. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert – den Gifford auf 15.000 Euro erhöhen und einem Mädchenförderprojekt spenden will – wie die Zeit berichtet.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat den 1. Atlas zur Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland veröffentlicht. Man kann ihn quasi druckfrisch herunterladen (gute 3 MB ist er groß). Was drin steht? Nun, er bietet zum Beispiel einen Überblick über Mandate in sämtlichen deutschen Parlamenten – also politische Partizipation, die Partizipation von Frauen in den Führungspositionen der oberen Landesbehörden sowie in der Privatwirtschaft. Eine Zusammenstellung der Bildungsstände qua Geschlecht: Schulnoten, Studienwahl, Habilitationen usw… sowie eine detailierte statistische Betrachtung der Arbeits- und Lebenswelten von Männern und Frauen in Deutschland. Also – es lohnt sich, mal einen Blick darein zu werfen. Aber Achtung: Ernüchterung inklusive.

Was wurde eigentlich aus der Debatte um das Geschlecht von Caster Semenya? – Wie der Spiegel zusammenfasst nichts Gutes: Medien weltweit überschlagen sich in Mutmaßungen über einen Geschlechtstest, dessen Ergebnis frühestens im November öffentlich gemacht werden wird. Vor allem der “Daily Telegraph” scheut sich nicht, Behauptungen über sehr intime Details des organischen Innenlebens der Frau in die Welt zu posaunen – angeblich stammen diese von einem verlässlichen Informanten. Wo bleibt eigentlich der Presse-Codex?

Wenn die Welt per Titel betont, dass bei Henkel eine Frau ohne Quote das Sagen habe – dann darf  man argwöhnen, dass hier journalistischer Gegenwahlkampf betrieben wird – gegen rote und grüne Wahlprogrammforderungen nach Quoten für Aufsichtsräte. Schön aber ist die Geschichte von Simone Bagel-Trah schon, denn immerhin ist sie erste Aufsichtsratschefin im DAX überhaupt! Glückwunsch an sie! Und den Artikel kann man trotz suggestiver Überschrift ruhig mal lesen ;)

Im Grunde ist diese Geschichte aber nur ein Tropfen auf einen heißen Stein, wie AFP berichtet: Eine Studie stellt erneut fest, dass Frauen in den Spitzenpositionen deutscher Unternehmen nach wie vor völlig unterrepräsentiert bleiben – die Zahlen seien sogar rückläufig.

Und so sah Frauenfußball in Großbritannien 1895 aus (Bild über wikimedia commons)

Wir sind EM! – oh ja, die Deutschen Fußballerinnen haben es mal wieder geschafft! Bleibt nur zu hoffen, dass sie endlich die Aufmerksamkeit bekommen, die auch sie verdienen. Manager des einstigen Branchenriesen 1. FFC Frankfurt, Siegfried Dietrich hoffnungsvoll: “Diesmal bin ich fest davon überzeugt, dass die Liga von dem erneuten EM-Titel unserer Nationalelf profitieren wird. Eine bessere Werbung für den Frauenfußball hätte es gar nicht geben können” – wie auf sueddeutsche.de zu lesen ist.

Und noch ein Welt-Artikel: Stella McCartney – man hört es schon: Tochter eines Beatles – ist Modedesignerin. Komisch nur, dass ihre Frauen-Sachen so “männlich” aussehen. Das ruft natürlich Kritik auf den Plan. Im Interview erklärt die selbstbewusste Modemacherin:

“Für mich entsteht Attraktivität im Spannungsfeld zwischen Männlichkeit und Weiblichkeit. Wenn etwas nur feminin, rüschig und blumig ist, gefällt es mir nicht. Außer, es wird von etwas Hartem, Männlichen gebrochen. Ich trage jetzt meine Sakkos aus der Sommerkollektion, sie sind übergroß, sehr männlich – ich liebe sie.”

Leider stellt die Interviewerin so ein paar klischeehafte Fragen – die McCartney jedoch sehr klug für ihre Position zu nutzen weiß.

Und zum Schluss eine Nachricht aus dem Seifenoper-Geschehen: Ja, es soll sie geben – die würdige Nachfolgerin von “Sex and the City”. Lipstick Jungle heißt die Serie und wird seit dieser Woche nun auch auf unseren Flimmerkisten ausgestrahlt. Es geht um New Yorker Geschäftsfrauen, ihre Kinder und ihre Problemchen. Ich habs noch nicht über mich gebracht, das zu schauen – aber vielleicht ja eineR von euch. Dann berichtet doch mal!


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Extraordinary Women from the Muslim World

9. September 2009 von Helga

Ob schwarzes Kopftuch mit langem Mantel oder hellblaue Burka mit Minisichtfeld – unser Bild von muslimischen Frauen ist bestimmt von ihrer Unsichtbarkeit. Muslimische Männer dagegen sind potentielle Terroristen, ihre Hobbies Bomben bauen, Flaggen verbrennen und ihre Frauen unterdrücken. Gefragt nach Muslimas, herausragenden historischen Persönlichkeiten, fielen uns wenig oder gar keine Namen ein. Das Onlinemagazin altmuslimah.com hat daher eine Fotokampagne ins Leben gerufen.

The purpose of Altmuslimah’s visual campaign is to present Muslim men and women multi-dimensionally, figuratively speaking. The collection highlights the literary contributions of empowered Muslim American women; telling portraits of tenacious Muslim females, young and old; warm, loving Muslim men; the purity of spiritual devotion; and the dynamics of positive gender interaction in Islam.

Das folgende Video zeigt Bilder von Heba Amin aus dem Buch “Extraordinary Women from the Muslim World”:

Auf altmuslimah.com gibt es noch weitere Videos, außerdem suchen sie weitere Künstlerinnen und Künstler, die die Kampagne mit eigenen Bildern unterstützen möchten.


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Feminismus auf ukrainisch, feat. DJ Hell

29. Mai 2009 von Meredith

In der Ukraine wächst eine feministische Bewegung heran. Die jungen Frauen, die sich femen nennen, haben nach eigenen Angaben nichts Geringeres vor, als “die größte und einflussreichste Frauenbewegung Europas zu werden”.

Bild via flickr

Bild via flickr

femen konzentriert sich derzeit vor allem auf Aktionen unter dem Slogan: “Die Ukraine ist kein Bordell”, mit denen gegen Sextourismus in ihrem Land mobil gemacht werden soll. Denn Prostitution ist in der Ukraine strafbar, aber nur für die Huren und Zuhälter. Freier haben kein Problem und besuchen das Land daher massenweise. Diesen Misstand, sowie die hohe Rate sexueller Belästigung und Gewalt gegen Frauen, prangern die femen-Ladys an, vor allem mit auffälligen Performances und Demonstrationen.  Sie stellen sich halbnackt auf die Straße und malen sich Preisschilder auf die Körper, spielen Szenen mit Freiern nach und verursachen viel Wirbel.

Unter anderem hat der Münchner DJ Hell jetzt der Gruppe seine Unterstützung zugesagt, und das auch gleich mit vollem Einsatz demonstriert – auf jetzt.de gibt es heute ein Interview mit ihm, in dem er von seiner Performance in Kiew erzählt:

Am Freitagabend fanden die Events auf dem Majdan-Platz im Zentrum von Kiew statt: Tanzgruppen traten auf, es gab eine Modenschau und einige Mädchen klebten sich Preisschilder auf die nackte Haut. Für die Fotografen haben sie auch in Trikots der ukrainischen und polnischen Nationalmannschaft posiert. 2012 findet die Europameisterschaft in beiden Ländern statt und das ist natürlich ein Schwerpunkt der Kampagne. Die Polizei stand während des Spektakels einfach daneben und beobachtete alles, ohne einzugreifen – das hat mich positiv überrascht.

Mitunter ist es wirklich amüsant, was alles aus der Perspektive eines Partykönigs an so einer Veranstaltung besonders wichtig ist. So erzählt Hell von der After-Party der Demo, bei der die femen-Mädels alle auf der Gästeliste gestanden hätten und die dann zu einem rauschenden Fest wurde. Da kann man die Lippen spitzen und nach der Ernsthaftigkeit fragen – man kann aber auch darüber nachdenken, dass es vielleicht wirklich gar nicht so weit hergeholt ist, dass Feminismus eben auch Spaß machen kann. Denn an der Seriösität von femen lässt sich, bei allen Bikinis und Hotpants, nicht zweifeln, dafür ist deren Anliegen zu offensichtlich real. Und am Ende mobilisiert die Leute derzeit eben wenig so sehr wie eine gute Party. Oder wie seht ihr das?


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Elisabeth-Siegel-Preis in Osnabrück

24. Mai 2009 von Helga

Die Stadt Osnabrück sucht zum fünften Mal Kandidatinnen für den Elisabeth-Siegel-Preis. Seit 2001 wird der Preis jedes zweite Jahr für besonderes demokratisches Engagement in sozialen, politischen oder gesellschaftlichen Bereichen der Stadt Osnabrück vergeben. Der Preis geht auf die Professorin und Pädagogin Elisabeth Siegel zurück, die stets für Demokratie und die Rechte der Frauen gekämpft hatte.

Der Preis ist mit 1.000 Euro dotiert. Vorschläge können bei der Stadt Osnabrück eingereicht werden. Der Einsendeschluss ist der 15. Juni 2009.

Wenn es auch in deiner Region einen Preis gibt, mit dem engagierte Frauen oder Gruppen ausgezeichnet werden, kannst du uns unter post(at)maedchenmannschaft.net Bescheid geben.


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Mehr Intellekt bitte

6. Mai 2009 von Verena
Dieser Text ist Teil 13 von 25 der Serie Wilde Mädchen

In der Zeit stellte Susanne Mayer vergangenes Jahr die Frage, warum es unter deutschen Frauen eigentlich keine Intellektuellen gäbe. Anders als in den USA, wo seit Mitte der 60er Frauen wie Joan Didion oder Susan Sontag feuilletonistischen Debatten massentauglichen Glamour verliehen, fehle es hierzulande an weiblichem Intellekt mit Starpotential.

Ich finde zwar schon, dass es einige Frauen in Deutschland gibt, die sich mit intellektuellen Debatten gesellschaftlich einbringen, egal ob es ZEIT-Redakteurin Iris Radisch, Alice Schwarzer oder auch die Autorin Juli Zeh ist, die aktuell mit dem Buch „Corpus Deliciti“ Kritik an überzogenen Körper- und Gesundheitsnormen übt.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Trotzdem, Mayers Kritik erscheint nicht ganz unberechtigt und ich frage mich, was Frauen vom intellktuellen Olymp abhält, wenn doch eigentlich genügend geistiges Ambrosia für alle da ist. Wie unendlich nervt es mich, wenn ich im Park, Café oder auf der Straße nur die üblichen Frauengespräche um Diäten, Männer, Mode und eventuell noch Ärger im Job kreisen höre. Sind wir nicht verpflichtet, uns der allgemeinen Verblödung zur Wehr zu setzen? Dass wir es könnten, zeigen doch wohl die besseren Schul- und Uniabschlüsse von Frauen.

Klar, wir könnten wieder auf die Sperrzone Männerverein hinweisen, wo sich in dicken Sesseln gefläzt wird – Zutritt für Frauen verboten. Und tatsächlich, von Frauen werden intellektuelle Höchstleistungen nicht erwartet. Uns suggeriert man, es ist egal, was du im Kopf hast, solange dieser hübsch anzusehen ist. Auch Susanne Mayer verweist in diesem Zusammenhang auf die Kulturwissenschaftlerin Christina von Braun:

Bei uns, sagt Braun, traue die Öffentlichkeit dem Denken der Frauen nicht. Mehr noch – trauten sich Frauen etwas zu, werde das nicht gerne gesehen. So ist es: Frauen, die eine starke Meinung haben, werden vor allen Dingen als Frauen gesehen. Man schaut auf ihre Frisur, die Schuhe {…}.

Aber ich finde es gibt noch einen weiteren, wenn auch daraus resultierenden Grund, warum Frauen intellektuelle Herausforderungen so wenig verfolgen: Wir opfern sie der Organisation unseres Alltags. Es muss eingekauft und sauber gemacht werden, die Freundin noch schnell anrufen, Emails checken, Nachrichten gucken und dann hach, auf dem Sofa mit nem netten Film entspannen. Warum nicht mal die Priorität darauf legen, einen literarischen Klassiker oder ein Sachbuch zu lesen, eine Fremdsprache zu lernen oder einen Leserbrief an ein politisches Magazin zu verfassen?! Oder was auch immer unsere geistige Neugierde befriedigt. Und mit Neugierde meine ich nicht, das „typisch“ weibliche Interesse am Treppenhausklatsch, auch wenn er glamourös aufgemacht als gedruckte Gala zu kaufen ist.

Uns fehlt die Muße und der Wille, unser Bedürfnis nach geistiger Entwicklung gegenüber den üblichen an uns gestellten Ansprüchen zu verteidigen. Und verteidigen bedeutet auch, raus mit dem angeeigneten Wissen! Beteiligt euch an der Diskussionskultur – zuhause, im Freundeskreis, in aller Öffentlichkeit. Denn es kann nicht angehen, wenn mir – wie neulich passiert – der Vater einer Freundin gütlich die Wange tätschelt, nachdem ich meine Meinung kund getan habe, die er nicht teilte.

Auch Susan Sontag hat sich bewusst für ihr Leben als unabhängige Autorin und Intellektuelle entschieden. Sontag, die bereits als junge Frau verheiratet war, trennte sich von ihrem Ehemann und zog mit dem gemeinsamen Sohn als alleinerziehende Mutter nach New York. In der Biographie von Daniel Schreiber heißt es über Sontag, während ihr Mann ein Dasein als Hausfrau und Mutter für sie vorsah, erkannte sie ihre Lebenskonzept in ihrer Bibliothek. In ihrem Erzählband „Ich etc.“ schreibt Sontag:

Wir wissen mehr als wir brauchen können. All das Zeug, das mit im Hirn steckt; Raketen und venezianische Kirchen, David Bowie und Diderot, Nuoc mam und Big Macs, Sonnenbrillen und Orgasmen. {…} Und wir wissen nicht annähernd genug.

Genau – wir wissen nie genug! Schade also, wenn wir bereitwillig unseren Intellekt den Erwartungen anderer unterordnen und ihn vernachlässigen, um den stupiden Alltäglichkeiten gerecht zu werden. Lieber ein dreckiges Bad als ein ungebrauchtes Hirn!


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Pregnant but perfect

8. April 2009 von Verena
Dieser Text ist Teil 11 von 25 der Serie Wilde Mädchen

Die französische Vogue zeigt in ihrer aktuellen Ausgabe eine Modestrecke, in der das Model ihren Schwangerschaftsbauch mit Zigaretten rauchen und Babys werfen kombiniert.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Sowohl jezebel als auch feministe sind sich sicher, dass diese Fotos in der amerikanischen Vogue keine Chance gehabt hätten – so manche Mutter hätte sich auf ihren Mutterpass getreten gefühlt. Dass ein Verstoß gegen die mütterinszenierende Norm in Frankreich durchaus für Skandale sorgen kann, hat die Diskussion um Rachida Datis High-Speed-Mutterschutz gezeigt. Um so besser, dass es um die Vogue nun ruhig bleibt.

Aber mal davon abgesehen, dass es sich hier um Modefotografie, also um Kunst im weiteren Sinne handelt und diese nun mal dafür da ist, gesellschaftlichen Regeln zuwiderzulaufen, finde ich es gut, den Mutterkult ab und an mal vom Thron zu schubsen. Denn Mütter sind auch nur Menschen. Und Schwangere sowieso, die üben das Heiligsein ja gerade erst.

Es steht außer Frage, dass jegliche Art von Drogen in der Schwangerschaft dem Kind schaden und dass jede werdende Mutter sich ihrer Verantwortung bewusst sein sollte, welche Auswirkungen ihr Verhalten nun eben auch auf einen weiteren Menschen hat. Aber es bleibt ihre Entscheidung, ihr Verhalten, ihr Kind – Super-Nannys unerwünscht.

Feministe Userin Maggie beschreibt, wie in England eine schwangere Frau gebeten wurde, den Pub zu verlassen, weil sie ein zweites Bier trinken wollte. Und dann sagt sie noch etwas sehr wichtiges:

Women’s bodies, especially when it comes to reproduction, sex, health screening, menopause ecetera, ecetera are considered the property of the patriarchy, foaming at the mouth religious fanatics ecetera, ecetera. Because we have such tiny minds we couldn’t possibly hope to be trusted to know what’s good for us…

Eine Freundin von mir ist gerade ganz frisch schwanger. Prompt meint ihre Ärtztin, jetzt müsse sie aber ein bisschen zurücktreten und weniger arbeiten, reisen, feiern und sich statt dessen auf die neuen Aufgaben vorbereiten. Puh, denke ich, sie ist schwanger und nicht Patientin in einer Besserungsanstalt. Ab dem Moment, in dem das Ultraschallbild die embryonale Erdnuss zeigt, wird Frau gerne in die Unmündigkeit gedrängt. Entscheidungen über das eigene Verhalten treffen nun die anderen.

Und das ist erst der Anfang. Denn Mütter fallen genauso unter den aufgezwungenen Perfektionismus – die durch nichts zu erschütternde Mutterliebe inklusive. Kein Wunder, dass das schwangere Vogue-Model schon mal das Baby-Werfen übt. Dazu noch mal feministe, Userin umami:

And that one “tossing the baby aside” shot seems like a dark fantasy a lot of new mothers have, and I think it’s good to acknowledge that mothers have those feelings sometimes, rather than to promote the destructive myth that being a perfect mother is easy or even possible, and that women are naturally good at motherhood.

Die stets gut gelaunte Mama, die mit Geduld, Nachsicht und voller Liebe rund um die Uhr ihren Nachwuchs betüdelt, die mag ein Fall für die Brüder Grimm sein. Im Alltagsleben hat sie genauso ein Recht auf schlechte Laune, lautes Gebrüll und Nachlässigkeit wie jedes andere Individuum.

Und bitte, keine Schwangere und keine Mutter ist dafür da, als gutes Vorbild den Maßstab an ihr Geschlecht zu erfüllen. Denn Muttersein löst das Menschsein nicht ab. Und zum Menschsein gehören neben schlechter Laune und Ungeduld eben noch ein Haufen anderer Unzulänglichkeiten. Also Daumen hoch für den Tabubruch der Vogue, der das Aufregerpotential eines Knacks’ hat.


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Mehr Frauen für mehr Wettbewerbsfähigkeit

25. März 2009 von Susanne
Anke Domscheit und Franz Müntefering bei der Übergabe der Nürnberger Resolution am 17. März in Berlin

Anke Domscheit und Franz Müntefering bei der Übergabe der Nürnberger Resolution am 17. März in Berlin

Schon neulich haben wir hier über das Phänomen der “Trümmerfrauen” gesprochen, nämlich dass Frauen in Krisenzeiten viel eher mal nach “vorn” gelassen werden als wenn alles seinen Gang geht. Nun hat die Microsoft-Managerin und Erstunterzeichnerin der Nürnberger Resolution, Anke Domscheit, in der Taz über diese momentane Entwicklung geschrieben, unter der Überschrift “Die neuen Trümmerfrauen”. Unter anderem ist dort zu lesen:

Jetzt gehts um das nackte Überleben, um den Kampf raus aus der Krise. Da sind auch ungewöhnliche Methoden recht. Niemand lächelt mehr über Ansgar Gabrielsen, Norwegens früheren konservativen Wirtschaftsminister und Urheber des weltweit ersten Gesetzes, das Quoten für Aufsichtsräte börsennotierter Unternehmen vorschreibt. Seine Begründung: Norwegens Wirtschaft kann sich so viel Inkompetenz in den Führungsetagen nicht mehr länger leisten. Bei einer Anhörung im Deutschen Bundestag fügt er hinzu, er glaube nicht, dass Deutschland sich das leisten könne. Um die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu stärken, will Siemens-Chef Löscher jetzt unter Verweis auf die “weiße, männliche Lehmschicht im mittleren Management” Stellen abbauen sowie mehr Frauen befördern und holt auch gleich die nunmehr zweite Frau in einem DAX-30-Vorstand in seine Führungsriege.

Den ganzen Text könnt ihr auf Taz.de lesen.


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