Einträge mit dem Tag ‘Völkische Ideologie’


Suruç, heteronormative Asylpolitk und Zwangsregistrierung für Sexarbeit_innen – kurz verlinkt

22. Juli 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 289 von 361 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Beiträge

Die ZEIT veröffentlichte den Schlussvortrag der Rechtsanwälte Ernst Freiherr von Münchhausen, Onur Özata und Dr. Mehmet Gürcan Daimagüler im Strafverfahren gegen Oskar Groening am 14. Juli 2015.

„Auf dem Weg in eine gerechtere Gesellschaft kann wohl kaum mehr falsch gemacht werden als damit, Väter in ihrer bisherigen Interpretation ihrer Vaterrolle zu bestärken.“ – Jochen König kritisiert den Familienbericht 2015 für den Berliner Senat.

Im August findet in Helmarshausen das Bundestreffen der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland statt. Dafür kann auch noch gespendet werden, um Menschen, die wenig Geld haben, die Teilnahme zu ermöglichen.

Seit Montag gibt es eine Online-Meldestelle (deutsch- und englischsprachig) für antisemitische Äußerungen_Angriffe in Berlin. Das Projekt, das unter anderem von der Amadeu-Antonio-Stiftung gefördert wird, hat auch zum Ziel, auf Antisemitismus im Alltag aufmerksam zu machen.

„Aggressive für Deutschland“ – das LOTTA-Magazin analysiert den Machtwechsel innerhalb der „Alternative für Deutschland“ (AfD).

„Frauen, die lange Haare haben und „weiblich“ wirken, wird ihr Lesbischsein häufig nicht geglaubt; genausowenig Frauen, die Kinder haben.“  – in einem Interview mit dem Tagesspiegel berichtet LesMigras-Mitarbeiterin Saideh Saadat-Lendle über die Situation lesbischer und schwuler Geflüchteter in Deutschland.

„Die Zwangsregistrierung für Prostituierte gab es zuletzt 1939.“: Bereits im Juni hat die Jungle World ein Interview mit Juanita Henning, Vorsitzende der Organisation Doña Carmen, zum geplanten und perfide betitelten Prostitutiertenschutzgesetz geführt.

Dr. Jamie Pax Abad hat einen Erfahrungsbericht und weitere Informationen zur Vornamensänderung in ausschließlich geschlechtsneutrale Vornamen nach dem Namensänderungsgesetz für Personen, die sich ausserhalb der binären Geschlechterkategorien identifizieren, zusammengestellt (PDF).

Noah Sows „Deutschland Schwarz Weiss“ ist seit gestern auch in neuester, überarbeiteter Version als E-Book erhältlich.

Englischsprachige Beiträge

Bei einem Bombenanschlag in der türkischen Grenzstadt Suruç wurden am Montag mindestens 32 Aktivist_innen, die einen Hilfseinsatz in Kobane (Syrien) geplant hatten, getötet und über 100 Menschen verletzt. Die New York Times, Neues Deutschland und Publikative.Org berichten über die Geschehnisse und Hintergründe. Trauer- und Protestdemonstrationen wurden derweil in der Türkei massiv von der Polizei angegriffen.

Über die spezifische Rolle weißer Frauen bei der Aufrechterhaltung von Rassismus schreibt der Atlanta Black Star.

„Vier Dinge, die du deinen Kindern genau jetzt zu Rassismus beibringen solltest“: Black Girl Dangerous listet sie auf.

BBC News berichtet über die britische Politikerin Liz Kendall, die sich gegen das Boulevard-Blatt Mail on Sunday wehrt, das sie nach ihrem Gewicht fragte: „Can you imagine the Mail on Sunday asking the weight of the prime minister, George Osborne or any other leading politician?“

Termin in Göttingen

31.07. in Göttingen: SchwarzRund liest im Kabale: Quasi, Schwarzer Frost und Poesie (Facebook-Link).


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Die Rollen autonom organisierter rechter Frauen (2)

10. Juni 2013 von accalmie
Dieser Text ist Teil 5 von 10 der Serie Gender und Rechts(extremismus)

[Dieser Text ist der zweite Teil zu autonom organisierten, extrem rechten Frauen. Den ersten findet Ihr hier.]

Oft kommt die Frage auf, ob rechte Aktivist­innen das „Image“ der Rechten nicht auf­polierten, angesichts dessen, dass viele Menschen zwar („männlich“ konnotierte) physische Gewalt ablehnten, aber immer wieder fest­gestellt werden kann, wie (gesamt­-)gesell­schaftlich verankert und eben kein Randphänomen gruppen­be­zogene Men­schen­feind­lich­keit ist, und somit anschlussfähig für extrem rechte Positionen. Auch die Frage, ob der Akti­vismus extrem rechter Frauen (eventuell un­freiwillig) ein Zeichen einer „Frauen­emanzi­pation von rechts“ sein könne, wurde in den letzten Jahren vermehrt gestellt.

Auch wenn es extrem rechten Frauen­gruppen grund­sätzlich und nahe­zu aus­schließ­lich um die Propa­gierung extrem rechter Ideo­logie geht, wird sowohl in der GDF als auch in anderen auto­nomen Frauen­gruppen die Frage nach einer „Auf­wertung“ der (als deutsch definierten) Frau und ihrer Rolle in einer imaginierten/propa­gierten „Volks­ge­mein­schaft“ immer wieder thematisiert. Aus­gehend von der bio­logisti­schen und he­tero­sexisti­schen An­nahme, dass „Mann und Frau […] eine sich er­gän­zende Ein­heit“ seien – so schrieb die GDF noch vor drei Jahren unter dem Ressort „Frauentum“ -, vertritt z.B. die GDF ein dichotomes Geschlechterbild: Männer und Frauen besäßen angeborene, spezifische Charaktereigenschaften und Verhaltensmerkmale, die komplementär seien und aufgrund einer „genetischen Veranlagung“ sich „immer wieder durchsetzen“ würden. Das sei „auch gut so,“ denn „diese elementaren Eigenschaften“ dienten „dem Gesetz der Natur- nämlich dem Zusammenleben und Fortbestehen der Art.“

Die GDF bleibt somit nationalsozialistischer Ideologie treu und sieht den „Wert der Frau“ in „der Fähigkeit der Reproduktion“ begründet, den sie als den „weiblichen Beitrag zur Erhaltung des Volks“ versteht. Gleichberechtigung, Emanzipation, Feminismus – für die Mehrzahl rechter Frauengruppen sind das „marxistische“ Konzepte, die die „Verwirklichung als Frau und Mutter, die höchstes Glück bringt“ zunichte machten. Der „Mädelring Thüringen“ meint in Gleichberechtigungskämpfen gar einen „absichtlich heraufbeschworenen Geschlechterkonflikt“ zu erkennen, aus dem „so genannte Emanzen“ hervorgingen, „welche sich durch kranke Wert­vor­stellungen“ einer „Multi­kulti­ge­sell­schaft“ nähr­ten. Es ist auch kein Zufall, sondern knüpft bereits rhetorisch an die geschlechterbild-reaktionäre, nationalsozialistische Ideologie des „Bund Deutscher Mädel“ an, dass eine große Anzahl extrem rechter Frauengruppen das Wort „Mädel“ in ihrem Namen trägt (und gewisse Traditionen wie „Heimatkunde“ fortgeführt werden, z.B. in der GDF). (mehr …)


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Die Rollen autonom organisierter rechter Frauen (1)

3. Juni 2013 von accalmie
Dieser Text ist Teil 4 von 10 der Serie Gender und Rechts(extremismus)

[Dies ist der erste von zwei Teilen eines Beitrags zu autonom organisierten, extrem rechten Frauen. Unter „autonom organisiert“ werden hier Personen und Gruppen verstanden, die unabhängig von Parteistrukturen/-institutionen aktiv und organisiert/vernetzt sind. Nähe zu oder (indirekte) Unterstützung durch die NPD (PDF) bestand/besteht dennoch bei einigen „autonomen“ rechten Organisationen.]

„Ich bin nicht nur ein Anhängsel meines Freundes, sondern […] eine Kämpferin für Deutschland“ – so ließ sich vor elf Jahren ein Mitglied der „Mädelschar Deutschland“ zitieren, als Beate Zschäpe mit dem NSU bereits mordend durch die Republik zog.

Wie Charlott gezeigt hat, schließen sich Frau*sein und Rechtsextremismus (PDF; siehe auch die in Charlotts Beitrag verlinkte kritische Definition) nicht nur nicht aus, sondern zu „Geschlecht“  gibt es zum einen ausgeprägte Rollenvorstellungen in rechten Gruppierungen, zum anderen dient „Geschlecht“ als strategisches Mittel zum (Propaganda-)Zweck und führt somit auch zu Widersprüchen zwischen einer reaktionären Geschlechterideologie und gleichzeitigem Aktivismus rechter Frauen. Während die NPD einen Frauenanteil von etwa 27 Prozent hat und trotz eigener Frauenorganisation, dem 2006 gegründeten „Ring Nationaler Frauen“ (RNF, momentan unter dem Vorsitz der Diplom-Schauspielerin Ingrid Schüßler), männlich* dominiert bleibt, sind autonome Gruppen extrem rechter Frauen (oder mit substanzieller Mitwirkung jener) keine Neuerscheinung.

Wurden in den 1980er Jahren extrem rechte Frauengruppen noch meist als Rekrutierungs- und Propagandamittel von Männern gegründet (z.B. die „Deutsche Frauenfront“ und die Frauenschaft der „Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei„, die beide Mitte der 1990er Jahre aufgelöst bzw. verboten wurden), begannen autonome rechtsextreme Aktivistinnen in den 1990er Jahren sich selbst zu organisieren. Bemerkenswert hierbei ist sowohl der quantitative Anstieg politisch aktiver Rechtsextremistinnen als auch die qualitative Neuerung innerhalb jenes Aktivismus, eigene Gruppen zu gründen und deren Interessen nach außen zu Vertreten.

antifa

Quelle: SamChills.

Wie zum Bei­spiel Kir­sten Döhr­ing und Re­na­te Feld­mann beschrieben, war der zwi­schen 1990 und 1991 ge­grün­de­te Skin­girl Freun­des­kreis Deutsch­land (SFD) die er­ste ei­gen­stän­di­ge Rechts­ex­tremist­innen­gruppe, die bun­des­weit or­ga­ni­siert war. Ziel des SFD wa­ren je­doch kei­ne ei­genen „Aktio­nen;“ im Mittel­punkt stand der An­spruch, extrem rechte Frauen noch stär­ker zu po­li­ti­sieren und ihnen Zu­sammen­halt zu bieten. Zu die­sem Zweck fan­den so­genannte „ge­mein­schafts­för­dern­de“ Treffen statt, und im SFD-Mit­tei­lungs­blatt „Wal­küre“ wur­den Tex­te zu deutschem Brauch­tum, „Ger­ma­nen­tum“, Ge­schichts­re­vi­sionisti­sches und „Mutter und Kind“ ver­öffent­licht. Wo­durch der SFD sich daher auszeichnete, war sein besonderer Grad der Vernetzung: es fanden kontinuierliche Treffen und „Schulungen“ statt, Rundbriefe wurden verschickt und der SFD unterhielt internationale Kontakte. 2000 löste sich die Gruppe aufgrund eines drohenden Verbots selbst auf; die Spaltung des SFD führte jedoch zur Neu-/Anschlussgründung anderer (extrem) rechter Frauenorganisationen. (mehr …)


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