Einträge mit dem Tag ‘Vergewaltigung’


Schlampen und Schützinnen – die Blogschau

21. August 2011 von Anna-Sarah

Letzten Samstag wurde deutschlandweit geslutwalkt (siehe auch unser aktuelles Dossier), was auf ein großes Medienecho stieß.  Auch die heutige Blogschau widmet sich vornehmlich der Nachlese des wohl wichtigsten feministischen Großereignisses, das hierzulande in den letzten Wochen stattfand.

Impressionen vom Slutwalk in Berlin berichten die Ruhrbarone und Kweens.

Einen Demo-Bericht gibt es auch in der taz, wo der Slutwalk als explizit feministische Aktion eingeordnet wird. Neben Hintergründen und Ausblicken werden auch den hier bereits thematisierten negativen Aspekten der grundsätzlich ja durchaus angestrebten Öffentlichkeitswirksamkeit der Slutwalks  Raum gegeben.

Paula ärgert sich über das Auseinanderklaffen von Realität und medial vermitteltem Eindruck der Slutwalks und veranschaulicht diese Diskrepanz, indem sie selbst aufgenommene Fotos vom Slutwalk Berlin  dem jeweils ersten Satz aus Online-Artikeln gängiger Massenmedien entgegensetzt. Gute Idee!

Zum nochmal selber nachgucken: Viele schöne, lustige oder auch ärgerliche Bilder und Eindrücke vom Slutwalk Berlin bieten – neben den diversen Slutwalk-Seiten im Netz und auf Facebook – der entsprechende youtube-Channel sowie der  Fotopool auf flickr, der mit selbst geschossenen Fotos befüllt werden kann. Slutwalk-Bilder gibt es auch von Barbara Muerdter und dem Kotzenden Einhorn.

Spreemieze schenkt uns einen persönlichen Blick auf die Slutwalkbewegung vor dem Hintergrund eigener Gewalterfahrungen und erinnert an machtvolle Vergewaltigungsmythen.

Noch  Schwung vom Slutwalk und Power, weiterzumachen?  Das Mädchenblog stellt noch einmal die Hollaback!-Bewegung vor, die inzwischen auch in Berlin und Dortmund vertreten ist und sich zum Ziel gesetzt hat, weltweit vernetzt “Erfahrungen mit sexualisierten Übergriffen öffentlich zu machen, zurück zu pöbeln (das bedeutet Hollaback! übersetzt) und den alltäglichen Sexismus zur Sprache zu bringen”. Außerdem wird erläutert, wie mitgemacht werden kann.

Ein “weiblicher Ninja” in der Tasche, der bei Pöbeleien gegen lesbische Mädchen eingreift: Eirika (18) aus Reykjavik hat diese Idee in ihrem Kurzfilm ‘Doppelaxt’, einem von drei Kurzfilmen, die bei einem Workshop des Dortmunder Medienprojekts queerblick e.V. während eines Sommercamps vom Jugendnetzwerk Lambda entstanden sind, umgesetzt. Insgesamt “20 schwule, lesbische und transidente Jugendliche aus Island, Frankreich, Israel, Finnland und Deutschland” haben laut queerblick e.V. ihre eigenen Kurzfilme produziert. Zu sehen sind die Filme im einer Spezialausgabe des Magazins ‘queerblick’, die von den Workshopteilnehmer_innen selbst moderiert wurde.

Nadine hat hier bereits über Störerabwehr per Wasserbomben berichtet, wie sie die Frankfurter Slutwalker_innen vorgemacht haben. Ein Zurückschießen ganz anderer Art:  Der Schützenverein Schwitten im Sauerland hat im dritten Anlauf eine Satzungsänderung beschlossen, nach der nun auch Frauen in den Verein aufgenommen werden dürfen. Angeblich folgt er damit einem Trend.

Last not least ein Terminhinweis für alle (Wahl-)Berliner_innen und/oder Reisefreudigen: Ab 25. August soll in Berlin an jedem letzten letzten Donnerstag im Monat um 19 Uhr im Sonntagsclub ein Stammtisch für alle Bisexuellen stattfinden. Laut Eigeninfo will der Bi-Stammtisch Berlin allen Bisexuellen, Unentschlossenen und Neugierigen die Möglichkeit geben, in fröhlicher Runde  zwanglos miteinander ins Gespräch zu kommen.


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Der tägliche Slutwalk

15. August 2011 von Anna

Wie viele andere war auch ich am Samstag beim Slutwalk dabei. Über den Sinn der Slutwalks wurde und wird viel diskutiert. Was mich dabei besonders bestürzt und gleichzeitig wütend macht ist die Tatsache, dass einige anscheinend immer noch nicht verstanden haben oder verstehen wollen, worum es geht. Der Tenor dieser Diskutant_innen (oder auch Journalist_innen) ist, dass das ja alles gut und schön sei und sexuelle Übergriffe auch nicht okay und so, aber an und für sich, also, wenn man ganz ehrlich wäre und so… also an sich stimmt es doch schon, wenn eine Frau sich “schlampig” anziehe, dann bräuchte sie sich eben auch nicht zu wundern, wenn sie Aufmerksamkeit errege und vielleicht eben auch belästigt würde. Sicher, man wolle das nicht gut heißen und verteidigen, aber …

Eine genaue Defintion dessen, was “schlampig anziehen” sei, bleiben diese Menschen schuldig.

Nachdem ich einige dieser Diskussionen unter anderem bei twitter verfolgt habe, dachte ich, es ist mal an der Zeit festzuhalten, was Frauen (und alle, die sich als Frauen definieren) denn so an hatten, als sie sexuell belästigt wurden. Damit ein für alle Mal klar wird, dass es genau darum eben nicht geht. Es ist völlig egal, was jemand an hat, ob es vorher schon einen Flirt gegeben hat oder die Signale vielleicht “uneindeutig” waren. Sexuelle Belästigung und Vergewaltigungen passieren. Sie passieren aufgrund von mangelndem Respekt und nicht vorhandener Selbstbeherrschung. Sie passieren aufgrund der bestehenden Machtverhältnisse, aufgrund von verschrobenen Frauen- (und Männer-)bildern, sie passieren, weil es einfach zu viele Arschlöcher auf dieser Welt gibt. Die Kleidung der belästigten Person hat damit nichts zu tun!

Als ich das erste Mal ungefragt von einem Fremden berührt wurde (als zufällig getarnte Grabschereien in öffentlichen Verkehrsmitteln mal außer Acht gelassen) trug ich Jeans, Winterpulli, Jacke und Turnschuhe. Ich war wenn überhaupt, dann nur dezent geschminkt. Ein fremder Mann griff mir um Vorbeigehen an die Brust und lief danach weiter, als sei nichts geschehen.
Das zweite Mal ereignete sich ein paar Wochen später auf einer Party. Wieder trug ich Jeans und Turnschuhe, dazu ein T-Shirt. Ein betrunkener männlicher Gast betatschte im Vorbeigehen meinen Hintern. Ich war gerade in ein Gespräch vertieft und hatte ihn nicht einmal kommen sehen.

Ich habe diese zwei Episoden bisher kaum jemand erzählt. Den Partygrabscher habe ich später am Abend immerhin noch bei meinen Freunden “verpfiffen”, aber trotz besseren Wissens waren mir beide Geschichten anfänglich vor allem peinlich, später habe ich sie dann verdrängt und eigentlich auch vergessen. Als ich sie vorhin in verkürzter Form bei Twitter thematisierte, begannen auch andere Frauen von Übergriffen dieser Art zu berichten. Da ich mir nicht sicher bin, ob sie ihre Geschichten so prominent lesen möchten, gebe ich jedoch die entsprechenden Tweets jetzt nicht wieder.

Aber wir möchten euch ermutigen, eure Geschichten in den Kommentaren zu erzählen! Schreibt auf, was euch passiert ist und schreibt auch auf, was ihr an hattet. Wir müssen über diese Dinge reden und wir müssen vor allem darüber reden, dass es schon reicht, als Frau das Haus zu verlassen, um “irgendwie auch selber schuld” zu sein. Einfach eine Frau zu sein reicht aus, um “irgendwie selber schuld” zu sein.

Und deswegen werde ich auch nächstes Jahr wieder beim Slutwalk dabei sein.


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Bravo verherrlicht Vergewaltigungen

26. Juli 2011 von Nadine

Über den Gehalt der Foto-Lovestorys im Jugendmagazin Bravo lässt sich streiten: Geschlechterklischees und Heternormativität sind immer wieder gern gesehene Zugaben für die Redaktion, um die Geschichten der Jugendlichen mit Inhalt zu füllen.

Uns erreichte gestern ein Hinweis auf diese Geschmacklosigkeit in einer Foto-Lovestory namens “Der One-Night-Stand” (Triggerwarnung!): Neben den üb­li­chen langweiligen sexistischen Implikationen (Jungs wollen unter sich sein und Fuß­ball gucken, Mädchen nerven dabei nur – Mädchen wollen lieber kuscheln, sind emotional und engen ihren Partner ein), wird in diesem Fotostrip nicht-kon­sen­sualer Sex dargestellt, ohne diesen zu problematisieren.

Sie betrinkt sich, weil sie sauer auf ihren Partner ist, ein anderer Junge bringt sie nach Hause. Dort schläft sie betrunken ein, während er ihre Lage schamlos ausnutzt. Die Situation wird im Anschluss nicht problematisiert, sondern als “harm­loser” One-Night-Stand und “Fremdgehen” verkauft. Als ob das nicht schon un­er­träg­lich genug wäre, erfährt sie im Anschluss, dass der Junge, der gegen ihr Ein­ver­ständnis und ohne Kondom Geschlechts­verkehr mit ihr hatte, ein HIV-Infizierter ist. Zu den Vergewaltigungs­verharmlosungen, -mythen und Victim Blaming in dieser Foto­serie gesellen sich also auch noch Vorurteile gegen HIV-Erkrankte, die – pathologisiert und sozial isoliert – rücksichtlos Menschen “an­stecken”, sobald sich eine Gelegenheit ergibt.

Besonders widerlich in dieser Bravo Foto-Lovestory ist das Gegeneinander-Ausspielen von diskriminierenden Klischees gegenüber Frauen, die vergewaltigt wurden, und HIV-Infizierten. Wer_welche sich beschweren möchte, kann dies beim Presserat tun oder eine Email an die Bravo-Redaktion schreiben.


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Homosexualität im Fußball, TV und Computerspielen – Kurz Notiert

14. Juli 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 112 von 152 der Serie Kurz notiert

Charaktere aus Fernsehserien dienen oft als Identifikationsfiguren für Jugendliche. Auf Serienjunkies gab es bereits im Juni anläßlich des 42. Jubiläums des Stonewall-Aufstands eine Übersicht über junge schwule und lesbische TV-Figuren. Dem Thema homosexuelle Charaktere in Computerspielen hat sich die Zeit gewidmet.

Yeah, feministing hat ein Exklusivinterview mit einem Twitter-Hero: Feminist Hulk@feministhulk.

Auf radio.wissen können alle, die sich für Philosophie interessieren, folgende Beiträge hören: “Große Philosophinnen – Die Weisheit ist weiblich” und “Das Frauenbild der Philosophen – Kleinste Momente großer Denker”.

Feminist Cupcake erklärt Judith Butlers Idee der Performativität und verlinkt auf eine tolle Dokumentation mit ihr.

Undispatch hat eine etwas andere Weltmeisterschaft ausgetragen: Die Gewinnerin des Geschlechtergerechtigkeits-Titels ist Schweden.

Addn.me stellt fest: “Während bundesweit fast jedes Bundesland die Gleichstellung der Ehe mit der eingetragenen Lebensgemeinschaft (ELP) gesetzlich verankert hat, ist Sachsen das einzige Bundesland, welches diese Anpassungen nicht vorgenommen hat.”

DieStandard schreibt über die traurige Tatsache, dass Vergewaltigung in der Ehe in 127 Ländern nicht bestraft wird.

Leck mich, fick Dich“ sind laut dem Sächsischen Landesarbeitsgericht übrigens sexuelle Belästigung, für eine fristlose Kündigung reicht es aber nicht aus, berichtete die Ärztezeitung.

Ein halbes Jahr nach dem tödlichen Unglück auf der Gorch Fock hat Telepolis die daraus enstandenen medialen Debatten untersucht und stellt fest: der Diskurs kommt von rechts außen.

In der taz gibt es einen Artikel zum Umgang der Fussball-Verbände mit Homosexualität im Rahmen der Frauenfußballweltmeisterschaft.

Termine:

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Fall Strauss-Kahn: Schwere Anschuldigungen gegen den Staatsanwalt

6. Juli 2011 von Helga

Am 1. Juli gab Kenneth Thompson, der Anwalt des Opfers von Dominique Strauss-Kahn, eine Pressekonferenz. Er äußerte sich u.a. zu den jüngsten Vorwürfen, nach denen sie gelogen habe. Bei der Beschreibung des Tathergangs sei sie stets bei ihrer Darstellung geblieben, außerdem gäbe es Beweise für einen gewalttätigen Übergriff. Nach einigen verlorenen Prozessen habe aber der Bezirksstaatsanwalt Angst, den Fall ebenfalls zu verlieren und bereite daher vor, die Anklage fallen zu lassen. Eine ausführlichere Beschreibung des Videos in der Fortsetzung, für diese gilt, wie auch das Video, eine Triggerwarnung, da die Vergewaltigung explizit beschrieben wird.

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Wie sich Vergewaltigungsverharmlosung in den Gerichten wiederfindet

23. Juni 2011 von Nadine

Vor kurzem hielt Dr. Ulrike Lembke, die in Hamburg eine Professur für Öffentliches Recht und Legal Gender Studies inne hat, einen Vortrag über Geschlechter­stereo­type, Sexualitätsmythen und opferbeschuldigendes Alltagswissen bei der Straf­ver­fol­gung von Sexualdelikten.

Lembke stellte hierzu neueste Studien vor, die zu dem Schluss kommen, dass lediglich fünf Prozent aller sexualisierten Gewalt (gegen Erwachsene) zur Anzeige gebracht werden, was einer jährlichen Zahl von etwa 7000 bis 8000 Anzeigen entspricht. Von diesen Anzeigen schaffen es etwa 1000 vor die Gerichte, von denen in der Regel etwa 13 Prozent mit einem Schuldspruch für den_die Täter_in enden. Die Strafe von ein bis zwei Jahren Haft wird in den meisten Fällen zur Bewährung ausgesetzt. Diese Zahlen bedeuten letztendlich, dass 99 von 100 Fällen sexuali­sierter Gewalt in Deutschland strafrechtlich ungesühnt bleiben. Die Zahl der Falsch­anzeigen, so zeigen Studien aus den Jahren 1985 bis 2009, liegt konstant bei etwa zwei bis acht Prozent.

Lembke, die vielfach solchen Prozessen beisitzt und die Europäische Kommission in der strafrechtlichen Verfolgung von Sexualdelikten berät, konstatiert weiter, dass die Gerichte große Probleme damit haben, Empathie für das Opfer aufzubringen. Oft finden Abgrenzungsbemühungen statt, die umso stärker ausfallen, je mehr Frauen als Prozessbeteiligte tätig sind.

Im weiteren Vorlauf des Vortrags zeigt Lembke strukturelle Bedingungen und Diskurse auf, die die Lage der Opfer erschweren und eine Kultur der Ver­ge­wal­ti­gungs­ver­harm­losung auch in der Strafverfolgung festschreiben. Besonders in­te­res­sant an Lembkes Ausführungen sind ihre Analysen des rechtlichen Vor­gehens bei Sexualdelikten. Hier zeigt sich einmal mehr, dass die Recht­sprechung weit davon entfernt ist, objektiv Urteile zu fällen.

Den 90-minütigen Vortrag gibt es hier zum Download. Trigger-Warnung: Lembke benutzt an einem Punkt ihrer Ausführungen rassistische Begriffe.


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Fußball, Heteronormativität und Maskulismus – Kurz Verlinkt

15. Juni 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 108 von 152 der Serie Kurz notiert

Seit zwei Jahren fungiert der Salon der indonesische Friseurin Mariyani auch einmal wöchentlich als islamische Schule – und bietet so einen sicheren Anlaufpunkt für Transgender und Homosexuelle in Yogyakarta, berichtet die Deutsche Welle.

Liz Seccuro hat für den Guardian ihre Vergewaltigungsgeschichte aufgeschrieben und erzählt, warum sie nach Jahren einen Brief von ihrem Peiniger erhielt. Eine deutsche Übersetzung hat der Freitag.

Ebenfalls im Freitag schreibt Andreas Kemper, “warum der Maskulismus nicht emanzipatorisch ist”.

Im neuen türkischen Parlament werden nun 78 statt zuvor 50 Frauen vertreten sein.

Zum Fall Amina (wir berichteten): The Rumpus hat einen exzellenten Post darüber, warum ein weißer Mann nicht die Identität einer lesbischen Bloggerin vortäuschen sollte.

Für Fußball-Fans: Das Deutschlandradio-Sportgespräch Feature von Ronny Blaschke zu Sexismus und Homophobie im Frauenfußball und ein Interview mit Fanforscher Gunter Pilz zu Gewalt und Fußball: ”Kein männliches Privileg”.

Noch mehr Radio: Das Muschiballett ist heute Abend von 19-19:50 Uhr im Live-Interview in der Sendung “Radia Obskura” des freien Radios Corax (UKW 95,9 Halle).

Am 18. Juni findet in der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin eine Podiumsdiskussion zu “Homosexuell = schwul?” statt – “Wie Journalisten über Lesben und Schwule schreiben”. Anmeldung per E-Mail erforderlich.

Außerdem läuft noch bis zum 19. Juni die Befragung des Deutschen Ethikrates, der sich mit der Situation von Menschen mit Intersexualität. Betroffene werden gebeten, einen Online-Fragebogen auszufüllen.

Ein kleiner Song zum Mitsummen: “Fuck Heteronormativity!” PS: Für das Recht auf den einen oder anderen schiefen Ton! :)

Songtext nach dem Sprung (weiterlesen …)


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Phänomen Alice Schwarzer und Frauenzeitschriften – die Blogschau

11. Juni 2011 von Nadine
Dieser Text ist Teil 112 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Antje Schrupp macht sich Gedanken über Homo- und Heterosexualität im Kontext von Liebe, Sex, Ehe und Elternschaft.

Tapfer im Nirgendwo definiert das “Alice-Schwarzer-Phänomen“: “die Fixierung einer extremen aber für die Pluralität einer demokratischen Meinungsgesellschaft notwendigen anderen Meinung auf eine relativ bekannte Person, obwohl sie diese bestimmte Meinung niemals geäußert hat, sie aber zum Erhalt des bestimmten Diskurs als Trägerin der Meinung unbedingt notwendig ist.”

Hollaback Berlin gibt Tips zur Bekämpfung von sexueller Übergriffe.

Die AG Queerstudies haben mehr als 1000 Unterschriften für Barrierefreiheit gesammelt.

Anarchie und Lihbe berichtet über den Vortrag von Heinz-Jürgen Voss, der sich aus naturwissenschaftlicher Perspektive kritisch mit der Herstellung von Zweigeschlechtlichkeit und deren Folgen auseinandersetzt.

Die Fuckmothers haben die Autobiografie von Evelyn McDonnells, einer Vertreterin der Riot Grrrl Bewegung rezensiert.

Das Mädchenblog ärgert sich über neuerliche Auslassungen der SPIEGEL-Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen nach dem Urteil im Kachelmann-Fall.

Die neue Stieg-Larsson-Verfilmung “The Girl with the Dragon Tattoo” ist Gegenstand einer kritischen Analyse der Buttkicking Babes.

Fräulein Tessa ärgert sich im FAZ-Blog “Deus Ex Machina” über Frauenzeitschriften: “Satt von Stuss und Sternchen“.

Helga hat sich den Film “I can’t think straight”, die Liebesgeschichte einer Muslimin und einer christlich-arabischen Palästinenserin, angesehen.

Die Deutsche Welle hat mit der Direktorin der Girls Only Radio Station in Kairo, Amani Eltunsi, gesprochen.

Anne Roth stieß auf folgendes Video, das sich kritisch mit der Objektivierung von Frauen in der Werbung auseinandersetzt:


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Fußballerinnen, Trendfrisuren und das Eva-Prinzip – die Blogschau

4. Juni 2011 von Magda
Dieser Text ist Teil 111 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Im mädchenblog berichtet Leonie vom ”Bund katholischer Ärzte”, die auf ihrer Webseite über “Therapiemöglichkeiten von Homosexualität” informieren. Ekelhaft.

Auf gluecklickscheitern findet ihr eine Rezension von Eva Hermans “Eva Prinzip”.

Einen Veranstaltungstipp hat Philipp Khabo Koepsell von Die Akte James Knopf : “Decolonizing The Social Sciences And The Humanities“ vom 16. bis 18. Juni in Frankfurt, auf der die US-amerikanische Soziologin Patricia Hill Collins, Autorin von ”Black Feminist Thought“, die Keynote halten wird.

Die Aktivistin für Barrierefreiheit Julia Probst von Mein Augen Schmaus reagiert auf die Aussage, dass sie “keifen” würde und “nicht tauglich” sei für die Öffentlichkeitsarbeit.

Für Lothar Matthäus zählt beim Frauenfußball nicht nur Taktik und Spielfähigkeit, sondern wohl auch das Aussehen, stellt Kulturindustrie genervt fest. Passend dazu: Das Symposium “Augen Auf: Frauen im Fußball“ im Rahmen der Veranstaltungsreihe “Frauen am Ball?” am 10. Juni 2011 an der Humboldt Universität zu Berlin.

Bubi Zitrone fand ein abscheuliches Zitat, das mal wieder wunderbar zeigt: Vergewaltigung ist nicht gleich Vergewaltigung.

Petra van Cronenburg recherchierte im Internet zu “Kurzhaarschnitte” und “Trendfrisuren” und wurde mit den eigenartigsten Treffern konfrontiert.

Melanie, im Internet auch bekannt als Frl. Pfefferminz von side-glance schreibt über das Wort “Fräulein” und Selbstbezeichnungen.

Auf AG Queer Studies könnt ihr den Vortrag “MonoPoly: Monogamie-Norm und Polyamory auf dem Spielfeld der Besitzansprüche, Treue und des Bekanntgehens” von Gesa Mayer und Robin Bauer anhören.

Seit gestern sind erstmals Panini-Sammelalben zu einer Frauen-WM im Handel, berichtet der Genderblog.

fräuleinzucker hat ein schönes Bild gezeichnet “I’m not a regular Mom. I’m a cool Mom“.

Lori von Geschichten von der honigsüßen Welt bloggt ihre fünfte Zusammenfassung zu ihrem Seminar “Militär und Gender”: “Frauen in Kampftruppen – Ein Beispiel für Tokenisierung“.

Sexy Thoughts under Construction stolperte über eine Seite über schwule Mädchen.


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Fall Kachelmann: Vergewaltigung ist mit Objektivität nicht beizukommen

2. Juni 2011 von Nadine

Wettermoderator Jörg Kachelmann wurde am Dienstagmorgen vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen. Das Mannheimer Gericht machte in seiner Urteilsverkündung klar, dass eine zweifelsfreie Unschuld nicht bewiesen werden konnte und deshalb “in dubio pro reo” – im Zweifel für den Angeklagten – auf einen Freispruch entschied. Das Urteil, der gesamte Prozessverlauf, die Untersuchungen gegen Kachelmann im Vorfeld sowie die mittlerweile über ein Jahr andauernde Medienberichterstattung über den Fall werfen Fragen auf.

Es ist nicht das erste Mal, dass einem vor Gericht verhandelten Vergewaltigungs- vorwurf keine Verurteilung des Angeklagten folgt. Es ist nicht das erste Mal, dass sich Opfer in ihren Aussagen in Widersprüche verstricken, am Ende Aussage gegen Aussage steht. Es ist nicht das erste Mal, dass ein solcher Prozess von einem Diskurs begleitet wird, der Rechtsstaatlichkeit und Unschuldsvermutung betont, die Glaubwürdigkeit der mutmaßlichen Opfer in Frage stellt und das Sexleben von mutmaßlichem Täter und Opfer ausschlachtet. Doch wie sind diese Dinge zu bewerten?

Die Fakten sprechen für sich: Nur ein Bruchteil von sexualisierten Übergriffen wird überhaupt zur Anzeige gebracht, noch weniger Fälle landen vor Gericht, noch weniger enden mit einer Verurteilung. Die Strukturen für Opfer sexualisierter Gewalt sind mäßig bis schlecht, Polizist_innen unzureichend ausgebildet, Gutachter_innen darauf aus, die Integrität des mutmaßlichen Opfers solange zu prüfen, bis Widersprüche aufgedeckt werden können. Die Betroffenen sexualisierter Gewalt sind in der Bringschuld. In der Bringschuld zu sein in einem System, in dem Sexismus und Frauenfeindlichkeit offen ausgelebt werden können und institutionell verankert sind, bedeutet, in einer nicht gleichberechtigten Position zu sein gegenüber denen, die überzeugt werden müssen von der Schuld des vermeintlichen Täters. Wenn wir über sexualisierte Gewalt reden und verhandeln, müssen wir auch die Verhältnisse, Normen und Strukturen bedenken, in denen sie passiert.

Dass das Gericht im Fall Kachelmann nach Gesetzes- und Beweislage auf einen Freispruch entschieden hat, ist davon nicht unabhängig zu sehen. Geschweige denn können sich die Medien auf die Fahnen schreiben, objektiv und nach bestem Wissen und Gewissen berichtet zu haben. Es muss offen kritisiert werden, dass Sabine Rückert für die Zeit und Gisela Friedrichsen für den Spiegel auch nach dem Urteil nicht davon ablassen konnten, die Integrität des Opfers radikal in Frage zu stellen und Kachelmann als hauptsächlich Geschädigten zu konstruieren. Obwohl beide, wie die Faz zu berichten weiß, im Prozess einen nicht unwesentlichen Anteil am Freispruch hatten. Es muss nachdenklich stimmen, wenn die einzige stimmgewaltige Feministin in diesem Fall Alice Schwarzer ist, die das mutmaßliche Opfer für ihre Selbstdarstellung instrumentalisiert – in der Bildzeitung.

Es geht nicht darum, Rechtsstaatlichkeit generell in Frage zu stellen oder die Unschuldsvermutung abzuschaffen. Sondern sich bewusst zu machen, dass beide Prinzipien in einer liberalen Gesellschaft, die formale Gleichheit für alle Individuen als Maxime setzt, soziale Ungleichheit und Machtverhältnisse nur unzureichend berücksichtigen können. Das heißt: Gesetze werden in diesem Kontext gemacht und Recht wird in diesem Kontext gesprochen. Für wen gilt die Unschuldsvermutung? Wer kann sie vollumfänglich in Anspruch nehmen? Wem helfen rechtsstaatliche Prinzipien zu einem freieren Leben, wenn es zur Disposition steht?

Wer Recht das Potenzial gesellschaftlicher Signalwirkungen abspricht und sich auf Rechtssprechung als letztgültigen Wahrheitsfinder verlässt, verhilft Machtverhältnissen zum Status Quo und imaginiert alle Individuen als Gleiche. Letztendlich kommt damit nicht nur bei den Rechtsgläubigen zum Ausdruck, dass die nachhaltige Bekämpfung von sexualisierter Gewalt und sexistischen Strukturen nicht erwünscht ist.

Ob in Sachen Vergewaltigung in Zukunft Recht und Gerechtigkeit vorherrscht, geht nicht nur Gerichte, Prozessbeteiligte und Journalist_innen etwas an. Sexualisierte Gewalt ist dabei keine Frage objektiver Beurteilung und sollte nicht allein auf dem Feld sexpositiver Debatten erfolgen. Eine öffentlich geführte und auf Sensibilisierung ausgelegte Auseinandersetzung mit rape culture wäre ein Anfang.


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