Facebooks Feminismusproblem
29. Mai 2013 von Gastautor_inInge Kleine lebt in München. Sie ist u.a. damit beschäftigt, gegen geschlechtsspezifische Zuschreibungen an Menschen vorzugehen – in allen ihren Formen. Letztes Jahr um diese Zeit machte sie mit Daniela Oerter und Sabina Lorenz die Aktion #ichhabnichtangzeigt. Für den Artikel und auch die verlinkten Texte gilt eine Inhaltswarnung (Beschreibung von sexistischen und gewaltverherrlichenden Inhalten und sexualisierte Gewalt).
Seit dem 21. Mai läuft eine Kampagne durch’s Netz. Ansprechpartner: Werbekunden bei Facebook. Ziel: Facebook endlich auf seine eigenen Richtlinien verpflichten. Mittel: Facebook Werbeeinnahmen entziehen.
Oft läuft es bei Facebook nämlich so: Stillende Mütter – raus. Aufklärungs- und Ermutigungsbilder nach Brustentfernung wegen Krebs – raus. Links mit Anleitungen zum selber Brust abtasten – raus. Politische Aktionen mit nackten Brüsten – mindestens verpixeln. Feministische Bloggerinnen – wochenlang gesperrt. Wenn es um Brüste geht, ist Facebook streng. Schließlich fallen die unter „Inhalte für Erwachsene“ und widersprechen damit ganz klar den von Facebook selbst aufgestellten Richtlinien.
Objektifizierende Bilder von Frauen sind dagegen in Ordnung. Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist auch kein Problem, solange irgendwo dabei steht, dass es sich ja nur um „Scherze“ handelt.
Diese Erfahrung machten Nutzer_innen und Administrator_innen feministischer Seiten, wenn sie brutale Bilder oder ganze Seiten an Facebook meldeten. Praktischerweise hat Facebook dazu ja einen einfach zu findenden Link, rechts neben dem Bild oder dem Rädchen bei „Nachricht“: „Seite melden“ anklicken, „enthält Hassreden“ anklicken, abschicken und fertig. Dankenswerterweise funktioniert das bei manchen Gruppen, z.B. Neonazis, ganz gut. Bei Bildern, die Vergewaltigungen und Partnerschaftsgewalt gegen Frauen verharmlosen oder verherrlichen, leider nicht. Stattdessen erscheint in einer Antwort auf die Meldung eines (Achtung!) gewaltverherrlichenden Bildes folgende Erläuterung:
„Thanks for your report. We reviewed the photo you reported, but found it doesn’t violate Facebook’s Community Standard on hate speech, which includes posts of photos that attack a person based on their race, ethnicity, national origin, religion, sex, gender, sexual orientation, disability, or medical condition.”
Facebook-Richtlinien zu sogenannten Hassreden, also zu Angriffen auf Personen aufgrund von rassistischen Zuschreibungen, Ethnizität, nationaler Herkunft, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung, Behinderung oder Krankheit – würden bei dem oben verlinkten Bild nicht verletzt.
Falsch. Die Bilder und vor allem die Texte neben ihnen tun das – sie greifen Menschen aufgrund ihres Geschlechts an. Facebook lässt eine Vielzahl an gewaltverherrlichenden und (hetero-)sexistischen Bildern stehen. Vergewaltigungskultur lässt grüßen
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