Einträge mit dem Tag ‘Vergewaltigung’


Der Kampf gegen Vergewaltigung ist ein Kampf gegen die Betroffenen

23. August 2010 von Nadine

Am vergangenen Donnerstag beschäftigte sich das TV-Magazin “Monitor” mit dem Thema Vergewaltigung. Anlass gab die Äußerung des Staatsanwaltes Hansjürgen Karge bei Anne Will, der selbst seiner eigenen Tochter davon abraten würde, im Fall einer Vergewaltigung Anzeige zu erstatten (wir berichteten).

“Monitor” ging der Frage nach, was es Opfern in Deutschland erschwere, eine Tat vor Gericht zu bringen beziehungsweise Anzeige zu erstatten. Die Fakten, die das Magazin vorbringt, sind nicht neu und dennoch ernüchternd. Auf etwa 100.000 Deutsche gäbe es nur neun Anzeigen wegen Vergewaltigung. Die nicht gemeldeten Vorfälle dürften allerdings um ein Vielfaches höher liegen, legt man lediglich die Statistiken zu Gewalt gegen Frauen in Paarbeziehungen zu Grunde.

Die Gründe für das Opfer, sich gegen eine Anzeige zu entscheiden, sind vielfältig: Da etwa 85 bis 90 Prozent aller Täter_innen aus dem persönlichen Umfeld des Opfers stammen, ist das Schamgefühl, der soziale Druck und die Angst vor Einschüchterung durch den/die Täter_in besonders hoch. Hinzu kommt, dass die Vorgehensweise der Polizei und ermittelnden Behörden eine zusätzliche Hemmschwelle bieten:

Im Regelfall wird ein Vergewaltigungsopfer nur dann professionell untersucht, wenn es Anzeige erstattet. Aber genau davor scheuen viele Opfer erst einmal zurück. Für sie beginnt deshalb ein Vernehmungsmarathon, bei Polizei, Gericht und Gutachtern. Wieder und wieder müssen sie die Tat schildern und durchleben. Weil es bei Beziehungstaten meist keine objektiven Beweise gibt, zählt die Glaubwürdigkeit des Opfers. Gutachter wie Thomas Weber sind verpflichtet, dem mutmaßlichen Opfer zu unterstellen, dass es nicht die Wahrheit sagt.

Perfide, denn ein Gutachter gesteht im Monitorbeitrag, dass diese Vorgehensweise die Opfer nachhaltig psychosozial schädigen kann. Etwa 80 Prozent aller Vergewaltigungsopfer benötigen zum Teil jahrelange psychologische Betreuung.

Entscheidet sich das Opfer dennoch, direkt nach der Tat Anzeige zu erstatten, kann es in einigen Fällen sogar passieren, dass die Polizei keine Gerichtsmedizin hinzuzieht, um das Opfer zu untersuchen und Beweise zu sichern, berichtet “Monitor”. Stattdessen wird das Opfer zur hausärztlichen Untersuchung geschickt. Die Folge: mangelnde Beweise und damit ein fehlende Glaubwürdigkeit vor Gericht – sollte der Fall überhaupt dort landen. 80 Prozent der Ermittlungsverfahren wegen Vergewaltigung werden wieder eingestellt.

Einen Lichtblick gibt eines der wenigen Modellprojekte in Mainz. Dort können sich Opfer anonym untersuchen lassen, ohne Anzeige zu erstatten. Die Beweismittel werden zehn Jahre eingelagert, so lange hat das Opfer Zeit sich zu überlegen weitere rechtliche Schritte einzuleiten. Finanziert wird das Projekt vom Innenministerium Rheinland-Pfalz. Nationale, flächendeckende Strukturen gibt es allerdings nicht. Keines der Bundesministerien fühlt sich in dieser Sache zuständig. Anders in England: Dort sind die anonymen Opferzentren seit Jahren selbstverständliche Anlaufstelle für Betroffene, die Regierung will die  Zentren um 50 Prozent ausbauen, denn die Zahl der Anzeigen habe sich mit den Opferzentren erhöht. Sie liegt dreimal höher als in Deutschland.


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Die traurige Botschaft an Vergewaltigungsopfer

4. August 2010 von Magda

In der taz kommentiert Ines Kappert die am letzten Sonntag ausgestrahlte Sendung von Anne Will “Der Fall Kachelmann – Justiz-Alltag oder Promi-Pranger?” (Video), die sich u.a. mit der Frage beschäftigte, ob der Promifaktor einen Malus darstelle, wenn es um Vergewaltigung geht. Kappert kritisiert, dass diese Frage den Eindruck erwecke, dass eine große Anzahl von Opfern den Vorwurf der sexuellen Gewalt nur erhebe, um Männer – insbesondere Prominente – nachhaltig zu schädigen. Kappert argumentiert:

Eine 2009 an der Londoner Metropolitan University erarbeitete europäische Vergleichsstudie zu sexueller Gewalt geht davon aus, dass es in Deutschland jährlich zu rund 3 Prozent Falschbezichtigungen kommt. Die Ziffer mag bei Prominenten höher liegen – doch auch das rechtfertigte mitnichten die in der Öffentlichkeit verbreitete Annahme, Frauen tätigten regelhaft unzuverlässige Aussagen und müssten daher besonders hart in die Mangel genommen werden.

Kappert kritisierte auch Hansjürgen Karges Aussage, dass er seiner Tochter im Falle einer Vergewaltigung davon abraten würde, die Polizei einzuschalten.

[Dass Frauen, die eine Vergewaltigung anzeigen, eingehend geprüft werden] ist belegbare Praxis, weshalb der Ex-Generalstaatsanwalt Karge Frauen pauschal davon abriet, den Rechtsweg zu suchen. Als Staatsanwalt solle er so etwas zwar nicht sagen, aber: Die Frauen würden in einer Weise befragt – hätte er eine Tochter, er würde ihr diese Tortur nicht nahelegen. Das also war die Botschaft auf einem der besten TV-Sendeplätze: Frauen, egal was passiert ist, tut euch das nicht an. Hände weg von den Anzeigen wegen Vergewaltigung!

Als Anne Will fragte, ob das die “Botschaft des Falles Kachelmann sein soll”, bekam sie sowohl von Hansjürgen Karge als auch von Alice Schwarzer, ebenfalls Gast der Sendung, lediglich die Antwort: “Ja, leider!”.

via Mädchenblog.

Update: *Trigger Warnung*: Einige Kommentare enthalten detaillierte Beschreibungen und triggernde Bilder.


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Nichts rechtfertigt eine Vergewaltigung. Niemals.

17. Juli 2010 von Helga

Das Vereinigte Königreich macht mobil gegen sexuelle Belästigungen und Vergewaltigungen. Erst startete in Wales die Kampagne One Step Too Far, vor kurzem hat Schottland nachgezogen. Die Kampagne Not Ever stellt klar, dass niemand jemals darum bittet, vergewaltigt zu werden, berichtete Broadsheet. Eine Studie der schottischen Regionalregierung hatte im Februar diesen Jahres alarmierende Einstellungen zum Thema Vergewaltigung gefunden. So befanden 17 Prozent der Befragten, eine Frau trage zumindest teilweise die Verantwortung für eine Vergewaltigung, wenn sie offenherzige Kleidung trage und immerhin 8 Prozent befanden, „viele” bekannte Sexualpartner einer Frau rechtfertigten eine Vergewaltigung.

Der folgende TV-Spot illustriert, wie absurd der Gedanke eigentlich ist, jemand würde darum bitten, vergewaltigt zu werden. Wir sehen eine hübsche Frau im kurzen Rock in einer Bar. Einer der Anwesenden kommentiert zu seinem Freund: “Check out that skirt — she’s asking for it!” (Guck dir mal den Rock an, die will es doch!) Nun sehen wir die Frau im Klamottenladen früher am Tag. Eine Verkäuferin fragt, ob sie Hilfe brauche. Ihre Antwort: “Yeah, thanks, I’m going out tonight and I want to get raped. I need a skirt that will encourage a guy to have sex with me against my will.” (Ja, danke. Ich gehe heute abend aus und will vergewaltigt werden.Ich brauche einen Rock der einen Mann dazu anhält, mit mir gegen meinen Willen Sex zu haben.) Sie begutachten einen blauen und einen rosa Rock und die Verkäuferin nickt zustimmend “The blue one. Definitely the blue one.” (Der Blaue. Definitiv der Blaue.)

Updates zu Not Ever gibt es auch bei Twitter und Facebook.


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Im Schatten der WM. Genderthemen in Südafrika

29. Juni 2010 von Nicole

Nach dem kleinen Blick auf die mediale Aufbereitung der Kombination Frauen & Fußball heute einige Lesetipps unter der Rubrik Genderthemen in Südafrika, die eher wenig mit der WM und dem Ball zu tun haben. Oder vielleicht doch ein bisschen. Die aktuelle Ausgabe des L.Mag berichtet über Frauenorganisationen in den Townships, die sich gegen sexuelle Gewalt insbesondere gegen lesbische Frauen und Mädchen – und auch gemeinsam Fußball spielen. Eine der Gruppen, die u.a. Opfer von Vergewaltigungen unter der zynischen Bezeichnung „corrective rape“ unterstützt, ist Luleki Sizwe.

In dem im April 2010 von Jens Erik Ambacher und Romin Khan bei der Assoziation A herausgegebenen Sammelband Südafrika. Die Grenzen der Befreiung gibt es ebenfalls einige Beiträge rund um das Thema Gender: Shireen Hassim analysiert die Frauenbewegung im Südafrika nach der Apartheid, Rita Schäfer stellt Strategien der Frauenrechtsorganisationen gegen geschlechtsspezifische Gewalt dar und Mandisa Mbali schildert die Geschichte der „Treatment Action Campaign“ im südafrikanischen AIDS-/HIV-Aktivismus. Rita Schäfer hat zudem in der aktuellen Ausgabe Nr. 117 der Peripherie. Zeitschrift für Politik und Ökonomie in der Dritten Welt, die sich schwerpunktmäßig mit der WM befasst, einen Text zum Thema Prostitution während der Weltmeisterschaft 2010 veröffentlicht.


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Warmgebloggt im Sommer

12. Juni 2010 von Magda
Dieser Text ist Teil 63 von 73 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Im Genderblog kommentiert Rochus den legendären Tweet der Familienministerin Schröder. Außerdem untersucht er in einem anderen Posting zwei Listen aus der Bravo mit Rachevorschlägen an die oder den Ex auf ihre impliziten Geschlechterstereotype.

DieStandard.at gibt es nun auch auf Twitter.

Auf Geschichten von der honigsüßen Welt fragt Lori: “Vergewaltigung - ein dehnbarer Begriff?

Ein transphober Artikel eines Reporters von Deleware News über eine Gruppe badender Männer, die optisch “eher wir Frauen aussahen”, wurde von Associated Press ungeprüft übernommen und schlug heftige Wellen. Bad Hair Days klärt auf: Es handelt sich um “eine Gruppe männlich identifizierter Menschen mit transidentem Hintergrund“.

Missy Stargast Nadine plädiert bei diesem warmen Wetter für “Titten Raus!

Termine

Der Frauenprojektbereich Mia der Uni Paderborn lädt am 14. Juni um 20 Uhr zu einem gemeinsamen Filmabend ein. Der Film erzählt die Geschichte einer Familie über fünf Frauengenerationen und beginnt um 20 Uhr in H1.232, im Anschluss gibt es eine Diskussion. Der Eintritt ist frei.

Der Antifaschistische Frauenblock Leipzig hat mehrere Termine u.a. am 17. Juni, 19:30 Uhr, GfzK: “Die Zweite Frauenbewegung — Wie aus Selbstbestimmungsrecht Self-Managment wurde” mit Paula-Irene Villa, Soziologin.

Ebenfalls am 17. Juni veranstaltet das Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung eine Diskussion über die Möglichkeiten und Grenzen der Kontrolle polizeilichen Handelns. Es wird über unabhängige Kontrolleinrichtungen, das Konzept der Ombudspersonen, Monitoringstellen und Perspektiven zivilgesellschaftlichen Engagements diskutiert. Mehr Infos: hier.

Für eine bessere Vernetzung der (weiblichen) Websphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Wenn du selbst ein Blog zu Gender- und Feminismusthemen hast, sag unter post(at)maedchenmannschaft.net Bescheid.


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12jährige Kinderbraut im Jemen tot

12. April 2010 von Magda

Vor einiger Zeit berichteten wir über einen Gesetzesentwurf im Jemen, welches ein Mindestalter für Heiratende vorsah. Dieses Gesetz hätte Elham Madhi al Assi vor dem Tod bewahren können: Nachdem die 12- oder 13-Jährige (genaues Alter nicht bekannt) zwangsverheiratet wurde, verblutete sie nach mehrfacher Vergewaltigung und verstarb zwei Wochen nach Eheschließung. Die Ehe wurde vom Bruder des Mädchen mit dem 23jährigen Al-Hikmi arrangiert, der ihm im Gegenzug dazu seine Schwester versprach.

Auch nachdem die eigene Mutter ihre Tochter aus Angst vor “Schande” dazu drängte, mit dem über zehn Jahre älteren Ehemann zu schlafen, verweigerte sich Elham ihm, woraufhin dieser von einem Arzt Beruhigungsmittel verlangte. Der Arzt lehnte dies ab, so dass Al-Hikmi dem Mädchen eigenhändig Medikamente verabreichte und sie wiederholt vergewaltigte. Daraufhin musste Elham ins Krankenhaus, wo eine Ärztin den Mann anwies, sie auf Grund ihrer katastrophalen Verletzungen für mindestens zehn Tage nicht anzufassen. Er hielt sich nicht daran, woraufhin Elham an den Folgen einer wiederholten Vergewaltigung starb.

Nojoud Ali wurde zum Gesicht des Kampfes gegen Zwangsheirat im Jemen. Sie setzte 2008 zehnjährig die Scheidung ihrer Zwangsehe mit einem 22 Jahre älteren Mann durch.

Nojoud Ali wurde zum Gesicht des Kampfes gegen Zwangsheirat im Jemen. Sie setzte 2008 zehnjährig die Scheidung ihrer Zwangsehe mit einem 22 Jahre älteren Mann durch.

Ein Viertel der Mädchen werden im Jemen, dem ärmsten Land im Nahen Osten, vor ihrem 15. Lebensjahr verheiratet. Viele Familien bevorzugen junge Bräute, weil sie “gefügsamer seien und erwartungsgemäß mehr Kinder zur Welt bringen”. Eine arrangierte Hochzeit der Töchter sei für viele arme Familien die einzige Möglichkeit, einen Weg aus der Armut zu finden.


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Neuigkeiten weltweit

8. April 2010 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 54 von 74 der Serie Kurz notiert

Auf WomensRights erforscht Sarah Menkedick die Beweggründe der tschetschenischen Selbstmordattentäterinnen, die sich in der Moskauer U-Bahn in die Luft sprengten.

Rosa Werbeplakat mit einer lächelnden Frau und arabischer Schrift

Nadine Moawad ärgert sich über die stereotype Werbung einer Supermarktkette im Libanon, die eine Lotterie ausschrieb und diese mit diversen Sprüchen wie “Wenn ich eine Million gewinne, dann …” beworb. Unter dem Bild einer Frau steht: “Wenn ich eine Million gewinne, finde ich mit Sicherheit einen Ehemann”. Moawad bearbeitete die Werbung und machte daraus: “Wenn ich eine Million gewinne, werde ich eine Werbeagentur aufmachen, die Frauen nicht als Idiotinnen darstellt.”

Eine der mächtigsten Frauen der Welt ist Chanda Kochhar, die die FAZ gerade im Profil vorstellte. Als CEO der größten indischen Privatbank ICICI rät sie Frauen, auf ihrem Karriereweg nicht um Sonderbehandlung zu bitten. Und hat selbst ein Unterstützungsnetzwerk aus Eltern, Schwiegereltern und Hausangestellten.

Auf BitchMedia erklärt Jessica Yee, warum Verschleierungsverbote ein feministisches Thema sei, welches mehr in den Vordergrund gerückt werden sollte.

The Sexist: Du bist erst ein Vergewaltigungsopfer, wenn die Polizei dies bestätigt. Und wieder dabei: Vergewaltigungsentschuldigungen.

Nicht neu, aber wohl immer noch relevant: Auf gewichtsdiskriminierung.de wird aus Glenn Gaessers’ Buch “Big Fat Lies: The truth about your weight and your health” zitiert:

Über die Hälfte der Frauen zwischen 18 und 25 würde es vorziehen, von einem LKW überfahren zu werden, als dick zu sein, und zwei Drittel hätten lieber einen schlechten Charakter oder wären dumm als dick.

In Portland (Oregon, USA) wurde ein Transgender Café eröffnet, welches Transgenders die Möglichkeit gibt, Geld für eine Krankenversicherung zu verdienen.

In Portland (Maine, USA) sind rund zwei Dutzend Frauen im Rahmen des GoTopless-Tags halbnackt durch die Stadt gezogen, um für das Recht auf freien Oberkörper zu demonstrieren. Die Demonstration endete aber wohl etwas anders als geplant (via Spiegel).

Topless Parade in Portland Maine from Jared Anderson on Vimeo.


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„Ich werd gerade wieder nüchtern”

7. April 2010 von Helga

Um Vergewaltigungsentschuldigungen und -erklärungen ging es letzten Monat auf The Sexist und auch hier ging es in der Diskussion heiß her. Eine häufig gehörte Theorie (und auch Angst vieler Männer) sind die vermeintliche Missverständnisse, nach der Männer die Signale der Frau falsch deuten, weil sie zu uneindeutig seien. Auf eine Studie zu diesem Thema wies Thomas MacAulay Millar von Yes Means Yes! hin („If a girl doesn’t say ‘no’: Young men, rape, and insufficient knowledge” [PDF]).

Um das Missverständnismodell zu überprüfen, interviewten Forscher_innen junge Männer über Einstellungen zu Sex und Einverständnis. Zunächst fragten sie, wie die Männer selbst Sex ablehnen würden. Die Antworten reichten von „Ich glaube nicht, dass ich jemals nein sagen würde” bis zu verschiedenen Entschuldigungen wie „Ich werd gerade wieder nüchtern”. Ein klares „Nein” hätte allerdings keiner der Befragten gesagt. Danach ging es um die Frage, wie Männer feststellten, dass eine Frau gerade Sex ablehnt. Ein „Nein” erwähnte keiner, stattdessen würden Frauen Körpersprache und „kleine Hinweise” wie den Blick auf die Uhr nutzen oder feststellen, dass es schon ganz schön spät sei.

Nachdem die Befragten deutlich gemacht hatten, dass sowohl Frauen wie auch Männer subtile Hinweise und Feinheiten verwenden, um Sex abzulehnen, den anderen aber nicht vor den Kopf zu stoßen, ging es um die Frage nach Missverständnissen. Plötzlich waren die subtilen Hinweise, selbst ein einfaches „Nein” nicht mehr genug. Um jedes Missverständnis auszuschließen, sollten die Frauen den Männern in die Augen schauen und fest „Nein” sagen, ansonsten seien sie teilweise schuld oder sogar komplett schuld, an allem was danach passiere. Denn Frauen vergäßen oft, dass Männer „nicht mit Feinheiten umgehen”.
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Neuigkeiten aus aller Welt

23. März 2010 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 51 von 74 der Serie Kurz notiert

Laut dem National Committee on Traditional Practices of Ethiopia beginnen in Äthiopien 69% aller Ehen mit der Entführung einer Frau und anschließender Vergewaltigung. Darauf folgt die erzwungene Unterzeichnung des Ehevertrags, denn ohne ihre Jungfräulichkeit sei sie sonst auf dem Heiratsmarkt nichts mehr “wert”. Dies kommt in protestantischen, katholischen und auch muslimischen Gemeinden gleichermaßen vor. Der Independent thematisiert den Widerstand der entführten Frauen.

Das Verfassungsgericht in Ägypten entschied nun offiziell, dass Frauen zu Richterinnen ernannt werden dürfen. Laut MsMagazine sind aktuell 42 der 12.000 Richter_innen in Ägypten Frauen.

Im US-amerikanischen Repräsentantenhaus ist gestern der Gesetzesentwurf zur Gesundheitsreform mit 219 – 212 durchgekommen und wartet nun nur noch auf Obama’s Unterschrift. Den Sieg hatte sich Obama in letzter Minute wohl mit einer Rechtsverordnung zu Abtreibungen gesichert, wonach entgegen der ursprünglichen Vorlage ausgeschlossen werde, dass öffentlich alimentierte Krankenversicherungen Schwangerschaftsabbrüche bezahlen, wie dieStandard.at berichtet.

In Südafrika, wo Schätzungen zu Folge jede dritte Frau Opfer von sexueller Gewalt wird, wurde ein Mann wegen Verhetzung und Diskriminierung zu einer Geldstrafe verurteilt und muss nun eine schriftliche Entschuldigung abgeben. Er hatte vor einer Gruppe von 150 Studierenden geäußert, dass die junge Frau, die den südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma vor einigen Jahren wegen Vergewaltigung bezichtigte, wohl “Gefallen” an der (nicht bewiesenen) Vergewaltigung empfunden haben musste. Zuma wurde damals aus Mangel an Beweisen freigesprochen. (aktualisiert)

Nicht nur die Gehaltsunterschiede von Männern und Frauen sondern auch jene zwischen Frauen sind ein feministisches Thema: In den USA diskutiert man die Vermögensunterschiede zwischen weißen, Schwarzen und hispanischen Frauen und Männern als Aspekt, welche insbesondere women of color langfristig schaden, da ihnen im Durchschnitt weniger Vermögen zur Verfügung stehen als weißen Männern und Frauen. Während Gehalt die laufenden Kosten begleicht, ist Vermögen wichtig, um langfristige Investionen zu tätigen oder dieses zu vererben. WomensMediaCenter berichtet.

Eine Initiative von Elternvereinen fordert mehr Krippenplätze in Hannover, nachdem ihr Antrag, eine eigene Kita zu eröffnen von der Stadt gestoppt wurde. Begründung: Alle Mittel für den Krippenausbau bis 2013 seien bereits verplant. Hier unterschreiben und mitmachen!

Die US-amerikanische Jenny Hagel startete eine neue Reihe namens Feminist Rapper. In der ersten Episode spielt sie eine Gender Studies Doktorin, die ihren gelangweilten Studierenden die Errungenschaften von Frauen näherbringen möchte – und zwar rappend. Vielleicht die nächste Sarah Haskins?


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Gegen Vergewaltigungsentschuldigungen!

11. März 2010 von Helga

Dass Vergewaltigungen nichts mit Sex und alles mit Macht und Kontrolle zu tun haben, ist seit langer Zeit bekannt. Trotzdem kommen in jeder Diskussion zu diesem Thema die immer gleichen Argumente. Klar, Vergewaltiger seien schuld, aber *irgendwie* hätte frau es doch verhindern können, wenn sie denn…

Amanda Hess, die für das Washington City Paper als The Sexist bloggt, hat sich in einer Artikelserie dieser Entschuldigungen und Ausreden angenommen. So etwa dem vielzitierten Vergleich, schließlich sei man auch schuld, wenn man durch eine bekanntermaßen gefährliche Gegend renne und überfallen werde. Dabei wird gerne übersehen, dass die wenigsten zum Spaß durch „kriminelle” Stadtteile laufen, sondern weil sie es sich nicht leisten können, in „bessere” Gegenden zu ziehen.

The person that compares sexual assault to getting mugged after “walking in a bad neighborhood” does not consider the mugging victim who lives in that bad neighborhood because he can’t afford a place with less street crime. He does not consider the mugging victim who works late into the night so that he can pay his rent. He does not consider the mugging victim who does not have the means to fastidiously avoid his life circumstances.

Zu Deutsch: Die Person, die sexuelle Übergriffe mit Raubüberfallen in „schlechten Stadtteilen” vergleicht, berücksichtigt nicht das überfallene Opfer, das in diesem Stadtteil wohnt, weil es sich keine weniger gefährdete Gegend leisten kann. Die Person berücksichtigt nicht das überfallene Opfer, das nachts arbeitet, um seine Miete bezahlen zu können. Die Person berücksichtigt nicht das überfallene Opfer, das nicht die Möglichkeit zu wählen hat, seine Lebensumstände zu vermeiden.

Gern wird auch angenommen Frauen in kurzen Röcken, mit tiefen Ausschnitten oder viel Make-Up wollten Sex haben und müssten damit rechnen, vergewaltigt zu werden. Gegenüber der überwältigenden Mehrheit an Männern, die all diesen Signalen zum Trotz ihre Selbstkontrolle behalten, ist dies einerseits nur peinlich, andererseits falsch.

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