Einträge mit dem Tag ‘Vergewaltigung’


Facebooks Feminismusproblem

29. Mai 2013 von Gastautor_in

Inge Kleine lebt in München. Sie ist u.a. damit beschäftigt, gegen geschlechtsspezifische Zuschreibungen an Menschen vorzugehen – in allen ihren Formen. Letztes Jahr um diese Zeit machte sie mit Daniela Oerter und Sabina Lorenz die Aktion #ichhabnichtangzeigtFür den Artikel und auch die verlinkten Texte gilt eine Inhaltswarnung (Beschreibung von sexistischen und gewaltverherrlichenden Inhalten und sexualisierte Gewalt).

Seit dem 21. Mai läuft eine Kampagne durch’s Netz. Ansprechpartner: Werbekunden bei Facebook. Ziel: Facebook endlich auf seine eigenen Richtlinien verpflichten. Mittel: Facebook Werbeeinnahmen entziehen.

Oft läuft es bei Facebook nämlich so: Stillende Mütter – raus. Aufklärungs- und Ermutigungsbilder nach Brustentfernung wegen Krebs – raus. Links mit Anleitungen zum selber Brust abtasten – raus. Politische Aktionen mit nackten Brüsten – mindestens verpixeln. Feministische Bloggerinnen – wochenlang gesperrt. Wenn es um Brüste geht, ist Facebook streng. Schließlich fallen die unter „Inhalte für Erwachsene“ und widersprechen damit ganz klar den von Facebook selbst aufgestellten Richtlinien.

Objektifizierende Bilder von Frauen sind dagegen in Ordnung. Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist auch kein Problem, solange irgendwo dabei steht, dass es sich ja nur um „Scherze“ handelt.

Diese Erfahrung machten Nutzer_innen und Administrator_innen feministischer Seiten, wenn sie brutale Bilder oder ganze Seiten an Facebook meldeten. Praktischerweise hat Facebook dazu ja einen einfach zu findenden Link, rechts neben dem Bild oder dem Rädchen bei „Nachricht“: „Seite melden“ anklicken, „enthält Hassreden“ anklicken, abschicken und fertig. Dankenswerterweise funktioniert das bei manchen Gruppen, z.B. Neonazis, ganz gut.  Bei Bildern, die Vergewaltigungen und Partnerschaftsgewalt gegen Frauen verharmlosen oder verherrlichen, leider nicht. Stattdessen erscheint in einer Antwort auf die Meldung eines (Achtung!) gewaltverherrlichenden Bildes folgende Erläuterung:

„Thanks for your report. We reviewed the photo you reported, but found it doesn’t violate Facebook’s Community Standard on hate speech, which includes posts of photos that attack a person based on their race, ethnicity, national origin, religion, sex, gender, sexual orientation, disability, or medical condition.”

Facebook-Richtlinien zu sogenannten Hassreden, also zu Angriffen auf Personen aufgrund von rassistischen Zuschreibungen, Ethnizität, nationaler Herkunft, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung, Behinderung oder Krankheit – würden bei dem oben verlinkten Bild nicht verletzt.

Falsch. Die Bilder und vor allem die Texte neben ihnen tun das – sie greifen Menschen aufgrund ihres Geschlechts an. Facebook lässt eine Vielzahl an gewaltverherrlichenden und (hetero-)sexistischen Bildern stehen. Vergewaltigungskultur lässt grüßen

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Schlank für den Badestrand? Ne, lieber gewisse feministische Utopien – die Blogschau

25. Mai 2013 von Sabine
Dieser Text ist Teil 204 von 207 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Das BMZ hat unter Dirk Niebel eine Plakat- und Internetkampagne “The Big Five” über Afrika gestartet: Nashorn, Löwe, Elefant, Büffel, Leopard. Africavenir reagierte auf das kolonialrassistische Bild mit einer PM und einem feinen Gegenentwurf.

Katrin vergleicht auf Reizende Rundungen die Bademode in Deutschland gegenüber dem Ausland. Der eklatante Unterschied sticht  ins Auge.

Erst sexy gemacht, und dann einen (halben) Rückzieher. Helga schreibt auf femgeeks über die Figur Merida und den Sexismus bei(m) Disney(Film).

Mein Hals krächzt „ich möchte eine anzeige machen“ „Worum geht‘s denn? Nur so‘n Stichwort.“ Nur ein Stichwort… Stichworte sind Randnotizen. Verstummt. [im Text: V*rg*w*lt*g*ng ausgeschrieben]

Warum „Die Preziöse“ ein neuer Stern am Zeitschriftenhimmel werden kann, steht in der Blattkritik von Different Needs.

Ein Hetenmann erklärt Feminist_innen was der Sex ist und was der Feminismus da machen muss. Bei berechtigten feministischen Kritiken kontert dieStandard auf Twitter mit der Unlust „einer gewissen theoretischen strömung“ U get it?

Ryuu stellt sich einen Tag ohne Heterosexismus vor. Eine Utopie. Schön.

Paula ist neun Jahre alt und will mehr Realitäten lesen, deshalb schreibt sie einen “offen Brief an deutsche Verleger”.

Jetzt bitte kurz anschnallen: Auf femgeeks folgt der größte Linkspam aller Zeiten.

Und während ich diese Blogschau machte und den Linkspam (s.o.) durchlas, hab ich mir Zeit gelassen, weil Tea-riffic zwei Grrrl Power Soundtracks angefertigt hat. Well Done.

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Kotzen über Klaus Kinski und die Süddeutsche

15. Januar 2013 von Gastautor_in

Johannah hat sich auf ihrem Blog Kätzchen Kotzt über Willi Winklers unsäglichen Artikel in der Sueddeutschen auf­geregt, welcher Ver­gewaltigungs­vorwürfe gegenüber dem Schauspieler Klaus Kinski thematisiert. Daraufhin hat sie sich bei der SZ beschwert. Schließt euch gerne bei der Be­schwerde an, wenn euch dieser Artikel auch bitter aufstößt! E-Mail einfach kopieren und dann ab an: forum@sueddeutsche.de. Mit freund­licher Genehmigung dürfen wir Johannas E-Mail auch hier ver­öffentlichen. Für den Artikel und alle Links gilt eine Inhalts­warnung für (Verharmlosung) von sexualisierter Gewalt. 

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte mich über Willi Winklers Artikel vom 11. Januar 2013 “Miss­brauchs­vorwürfe gegen Klaus Kinski – Sturz eines Denkmals” be­schweren und möchte Sie hiermit auf­fordern Stellung zu meinen Fragen zu be­ziehen. Weiter fände ich es mehr als begrüßens­wert, wenn dieser Artikel off­line genommen werden würde.

Link: http://www.sueddeutsche.de/panorama/missbrauchsvorwuerfe-gegen-klaus-kinski-sturz-eines-denkmals-1.1570089

Wieso wird es Herrn Winkler in Ihrem Medium gestattet sich in einer solchen Weise mit einem (mutmaßlichen) Vergewaltiger zu fraternisieren? Winkler be­zeichnet Klaus Kinski als “Denkmal”, als “als Schauspieler gefeierten” Mann, er schreibt über den “Mythos Kinskis”, welcher nun demontiert werde.

Zu diesem unsäglichen Artikel Herrn Winklers habe ich im Folgenden einige Nachfragen/Anmerkungen.

Winkler verharmlost sexualisierte Gewalt durch­gehend in seinem Artikel. Teilt die SZ diese Auf­fassungen ihres Autors? So schreibt er über die Vergewaltigungen Kinskiks, dieser habe sich seiner Tochter gegenüber “unverant­wortlich sexualisiert” verhalten – NEIN! Er hat sie ver­gewaltigt. Er be­schreibt die Taten als “Der Missbrauch” oder sie wurde “sexuell missbraucht” und von “Missbrauchsfällen” – NEIN! Es waren Vergewaltigungen! Er beschreibt Kinski als den “Verführer” seiner Tochter – NEIN! Er ist ihr Ver­gewaltiger!

Der durchgängig vorgebrachte Vorwurf des Voyeurismus wird von ihrem_ihrer Leser_in “Rickleff” treffend kommentiert:

“Voyeurismus bedeutet: ‘Befriedigung erfahren beim Betrachten sexueller Betätigungen anderer.’ Wenn jemand beim Lesen dieses Buches Befriedigung erfährt, dann ist das widerlich und extrem abstoßend. Frau Pola Kinski indes zu unter­stellen, sie habe dieses Buch bewußt oder fahrlässig voyeyrismus­fördernd geschrieben, finde ich gleicher­maßen wider­lich.

Dem kann ich mich nur anschließen.

“Am Ende hat sie den Kinski-Familien­mythos nicht demontiert, sondern um eine weitere Facette bereichert.” – Findet es Herr Winkler “berreichernd” für den “Mythos Kinski”, wenn Kinski als Vergewaltiger seiner Tochter gilt?

“Es ist ihr zu wünschen, dass sie ihre fürchter­liche Kindheit damit ein für allemal verarbeitet hat. ” – Das ist wirklich mehr als anmaßend hier Frau Kinski mit alt­klugen Sprüchen den Weg Richtung Zukunft zu weisen.

Ich möchte Sie bitten meine Nachfragen und Anmerkungen zu kommentieren.

Johanna Lea.


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Diese Sache, die immer nur woanders passiert.

10. Januar 2013 von Viruletta

Triggerwarnung: Gewalt gegen Frauen*, rape culture, sexualisierte Gewalt.

Wir leben in einem Land, in dem wir dafür zur Kasse gebeten werden, Männern bei ihren Grenzüberschreitungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zuzusehen. In dem Tätern die Chance eingeräumt wird, vor einer breiten Masse mit Wörtern wie “Opferabo” aufzuwarten und ganze Bücher über “ihre Sicht der Dinge” im Handel erscheinen. Wir leben in einem Land, in dem Täter gute Chancen auf einen Freispruch haben, auch wenn die Tat nachgewiesen werden kann. Und zwar selbst dann noch, wenn die Betroffene zum Tatzeitpunkt minderjährig gewesen ist. Wir leben in einem Land, in dem all das für viel zu viele Frauen* Alltag ist. Und in dem zumindest die Angst davor für vermutlich jede Frau* etwas Altbekanntes ist. Wir leben in einem Land, in dem sich kaum irgendwer ernsthaft dagegen empört. Zumindest nicht, so lange es vor – oder gar hinter – der eigenen Haustür geschieht.

In Delhi, Indien, ist eine junge Frau in einem Bus von mehreren Männern so brutal vergewaltigt worden, dass sie an den Folgen des Übergriffs gestorben ist. Das ist schrecklich, furchtbar, ja in gewisser Weise unvorstellbar. Diese Tat ist etwas, was mir die Worte im Halse stecken lässt, weil alle mir bekannten zu harmlos erscheinen, angesichts des Ausmaßes dieser grausamen Tat. Als der Vorfall öffentlich geworden ist, sind in Indien zehntausende Menschen auf die Straße gegangen, um ihrer Wut über das Versagen von Staat, Justiz und Polizei Luft zu machen. Und um ein Zeichen zu setzen, gegen eine rape culture (Vergewaltigungskultur), die Taten wie diese überhaupt erst möglich macht.

Ich kann ihre Wut absolut nachvollziehen, ich teile sie, und ja, es sollte mehr von solchen Demonstrationen geben. Mehr Wut, mehr Öffentlichkeit, mehr Solidarität. Mehr Stellung beziehen. Mehr Verbündete. Ich würde mir wünschen, dass Täter gesellschaftsunfähig gemacht werden würden. Dass die Grundlage, auf der tagtäglich, in jeder verdammten Sekunde, Menschen ähnliches durchmachen müssen, Stück für Stück zerschlagen werden würde. Aber nicht nur in Indien, sondern auch hier. In Deutschland. In Europa. Überall. (weiterlesen …)


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Von und mit anderen lernen und kämpfen – kurz notiert

13. Dezember 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 177 von 194 der Serie Kurz notiert

Die bsz berichtet in einem dreiteiligen Beitrag über die Ergebnisse der Jahrestagung des Bündnisses der Fachberatungsstellen für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter (bufas): Von Rechten und Pflichten, Internationale Rechte und Pflichten, Straßenstrich – Situation und Zukunft.

(Triggerwarnung: sexualisierte Gewalt.) In Frankreich haben 343 vergewaltigte Frauen* ein Manifest gegen das Schweigen veröffentlicht, in dem sie ihre Betroffenheit öffentlich machen.

Die Berichterstattung über den Vergewaltigungsfall Dominique Strauss-Kahn ist von Beginn an ein Graus und scheint sich leider in derselben Art und Weise fortzusetzen, wie Africa Is A Country belegt. (englisch)

Die Petition gegen Racial Profiling braucht noch mehr Unterstützer_innen:

(englisch)

Die zimbabwische Aktivistin Fungai Marichori schreibt über herrklären durch einen weißen Mann, aber auch über ihre Kritik an vielen global orientierten feministischen Bewegungen. Gegenstand ihrer Kritik sind weiß-angeführten Bewegungen, deren Aktivistinnen zwar mit Frauen im globalen Süden zusammenarbeiten wollen, aber keinerleit Anstrengungen eingehen, mit Women of Color bei ihnen zu kooperieren. (englisch)

Frauen* arbeiten nicht nur unter schlechteren Arbeitsbedingungen als Männer*, sondern sind auch stärker von Arbeitslosigkeit betroffen, berichtet dieStandard.

In Ilmenau hat die AG Diversity und Amnesty eine Soliaktion für Pussy Riot veranstaltet. (PDF)

Termine

19. Dezember 2012 im Landgericht Frankfurt: um 13:00 Uhr beginnt der nächste Teil des Prozesses gegen Kachelmann und die Initiative für Gerechtigkeit bei sexueller Gewalt plant wieder Aktionen. Macht mit! [Edit: Die Verhandlung wurde auf den 30. Januar verschoben.]

09. Januar 2013 in Berlin: das Spinnboden Lesbenarchiv & Bibliothek e.V. bietet einen Kurs zum kreativen Schreiben an.


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Leben auf Diät, Hunger nach Wörtern – die Blogschau

10. November 2012 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 181 von 207 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Ist es eine Kunst, eine feministische, gleichberechtigte Beziehung/Partner*innenschaft zu führen? Ist es schwer? Ist es möglich? Khaos.kind teilt Erfahrungen aus dem eigenen Beziehungsalltag.

Am 19. Oktober 2012 lud die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen zu einer Diskussionsveranstaltung zum Thema „10 Jahre Prostitutionsgesetz“ ins Jakob-Kaiser-Haus ein. Menschenhandel heute berichtet über die Veranstaltung.

Einen weiteren Veranstaltungsbericht gibt es bei der Denkwerkstatt: Brigitte war bei der zweiten Enquete der 20000frauen. Frauen.Körper.Politik lautete diesmal der Titel.

Wie es so sein kann, wenn frau relativ klein ist, berichtet Ryuu.

Yay: ein sexpositives Zine über A_sexualität! Ja, sowas gibt’s. Denn wer A sagt, muss noch lange nicht B sagen.

Heute und hier gleich zweimal Karnele: Fassungslos über die Unsichtbarkeit der Millionen von Geschichten sexualisierter Gewalt an Frauen aus der Generation “unserer” Großmütter, nicht minder wütend über den Umgang der ARD mit Kritik an homophoben, heterosexistischen TV-Darstellungen.

Über sprachliche Sichtbarkeit durch begriffliche Vielfalt schreibt Somlu und findet: “Allein die Existenz dieser Begriffe erzeugt ein Klima des Infrage stellens. Und das ist richtig klasse. Diese Begriffe brechen althergebrachte Selbstverständlichkeiten auf.

Noah Sow benennt die alltäglichen Erfahrungen, die sie als Musikerin macht – “als Künstlerin in Deutschland durchweg rassifiziert, nicht als Person gesehen zu werden, sondern als Körper, an dem sich die weißdeutsche Fantasie abspulen dürfen soll”. Hoffnung, dass es jemals anders werden könnte? Eher nicht.

Call for Papers: Die HerausgeberInnenschaft der Freiburger Zeitschrift für GeschlechterStudien ruft zur Einreichung von Beiträgen auf, die Körper, Körpersprache, Macht und Geschlecht aus unterschiedlichen Perspektiven behandeln.

Irgendwie sind immer alle auf Diät. Merle Stöver nicht. Doch auch sie weiß bereits: “Frau sein [heißt] auch immer ein Stück weit, sich scheiße zu finden.”

Viruletta macht sich Gedanken über die Funktion(en) ihres Studiums: “Ich will mir keinen Platz in einem System erkämpfen, das auf Ungerechtigkeiten aufgebaut ist und in dem Ausschlüsse von vornherein vorgesehen sind. Aber die Werkzeuge, die will ich sammeln und behalten. Ich will sie teilen und zweckentfremden.”

Für eine bessere Vernetzung der (feministischen) Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Was weiße Typen uns über V*rg*w*lt*g*ng*n beibringen wollen

31. Oktober 2012 von Viruletta

(Triggerwarnung (Verlinkungen inbegriffen): V*rg*w*lt*g*ngsverharmlosungen werden zitiert, Strategien zur Aufrechterhaltung einer V*rg*w*lt*g*ngskultur werden thematisiert und das Wort V*rg*w*lt*g*ng wird mehrfach ausgeschrieben.)

Es wird wirklich mal langsam Zeit für ein Bullshit-Bingo mit dem Titel: “Was weiße Typen uns über Vergewaltigungen beibringen”. Das Spielbrett ließe sich schon jetzt problemlos füllen und es würden wahrscheinlich in relativ regelmäßigen Abständen neue Felder hinzu kommen. Wer bisher noch nicht alle Felder voll hat, bräuchte sich nur einmal bei den us-amerikanischen Republikanern umsehen. Aus irgendeinem Grund scheinen diese besonders kreativ und beflissen darin zu sein, sich verharmlosende, realitätsverzerrende Theorien über den Sinn, das Erleben und die Folgen einer Vergewaltigung auszudenken.

Wer eine entsprechende Theorie um die Ohren gehauen bekommen möchte, muss einem scheinbar beliebigen Exemplar besagter Personengruppe nur einmal eine Frage bezüglich des Abtreibungsrechtes für Überlebende einer Vergewaltigung stellen. Denn als strikte Abtreibungsgegner sprechen sich die meisten Republikaner selbst dann noch gegen das Recht auf Abtreibung aus, wenn die Schwangerschaft aus einer Vergewaltigung hervorgegangen ist.

Todd Akin ist so ein Name, der vielen von uns diesbezüglich wahrscheinlich noch im Gedächtnis geblieben ist. Ende August hatte er mit einem Interview für Aufsehen gesorgt, in dem er behauptet hatte, der weibliche* Körper verfüge über Mittel und Wege, eine Schwangerschaft zu unterbinden, sofern es sich um eine “echte” Vergewaltigung gehandelt habe. Der Umkehrschluss dieser Theorie würde bedeuten, dass all diejenigen, die in Folge einer Vergewaltigung schwanger werden, entweder Falschbeschuldiger*innen sind, oder den Gewaltakt insgeheim “genossen” oder gar “gewollt” haben. Eine solche Theorie ist nicht nur wissenschaftlich falsch, sondern sie dient auch dazu, die Vergewaltigungskultur, in der wir alle nach wie vor leben müssen, aufrecht zu erhalten, indem sie die Täter ent- und die Betroffenen belastet.

Letzte Woche hat sich dann auch Parteikollege Richard Mourdock in die Riege eingereiht. Er ließ in einem Interview verlauten: “Selbst wenn das Leben nach dem schrecklichen Erlebnis einer Vergewaltigung beginnt, ist das etwas, das von Gott beabsichtigt ist.“ In dem Plan eines wie auch immer gearteten Gottes sollen also auch Vergewaltigungen vorkommen? Ich frage mich was eine Aussage wie diese bei all denjenigen bewirken muss, die sowohl den Worten konservativer Politiker wie Mourdock als auch an die Existenz eines Gottes glauben. Als was müssten entsprechende Personen eine Vergewaltigung dann auffassen? Als – womöglich noch gerechte – Strafe? Und was ist dann mit dem Täter? Würde er dieser verqueren Logik zufolge nicht nur “den Willen Gottes” ausführen? Wir haben hier Victimblaming (Schuldumkehrung) und Rape Culture (Vergewaltigungskultur) in ihrer Reinform! Und mir wird wirklich schlecht, wenn ich mir vergegenwärtige, was für einen Einfluss Typen wie Mourdock, Akin und Co auf Diskurse und somit auch Gesetze haben.

Debatten um Abtreibungen und Diskussionen über Vergewaltigungen haben eines gemeinsam: beide drehen sich zu einem bedeutenden Teil um zumeist weibliche Körper und greifen auf unterschiedliche Arten in das Selbstbestimmungsrecht über eben jene Körper ein. Wie diese Diskussionen geführt werden und wer in ihnen federführend ist, hat immer etwas mit Machtverhältnissen zu tun. Wer über den eigenen Körper bestimmen darf und wer nicht, und wer sich sogar das Recht rausnehmen kann, über fremde Körper zu bestimmen, ist nicht beliebig, sondern tief in unserere gesellschaftlichen Strukturen eingeschrieben. Auch wenn ich beides nicht miteinander gleichsetzen will, halte ich es nicht für zufällig, dass Männer, die sich gegen Abtreibungen aussprechen, auch dazu neigen, Vergewaltigungen zu verharmlosen.

* Auf die Idee, dass nicht nur weibliche Körper schwanger werden können, würde Akin natürlich niemals kommen.


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Racial Profiling, Sexarbeit, Lesetipps und mehr – Kurz notiert

24. Oktober 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 171 von 194 der Serie Kurz notiert

Bereits im März entschied das Arbeitsgericht Berlin zu Gunsten einer Frau, die ihre Ausbildung nicht antreten durfte, da sie ihr Kopftuch nicht ablegen wollte. Erst jetzt wird die Entscheidung berichtet, u.a. schreibt dieStandard zum Thema.

Was hat Radiohören mit einer nackten Frau* zu tun? Richtig: Gar nix! Aber Antenne MV denkt da wohl anders. Sexismus soll in Mecklenburg Vorpommern wohl Radiozuhörer_innen locken, oder was hat ein nackter Rücken einer normschönen Frau* (facebook-Link) [Edit: Das Bild wurde mittlerweile von FB entfernt.] auf dem Plakat zu suchen? Antenne MV schreibt selbst: “Ihre Meinung ist uns wichtig“. Also ran an die Tasten und den Radiomenschen die Meinung gegeigt! (Danke an Tom für den Hinweis über unsere facebook-Seite).

Vor einigen Tagen fand in Berlin die Tagung “Racial Profiling Reloaded” statt. Wer_welche nicht da war, kann nun im bereitgestellten PDF-Reader allerhand Texte auf 65 Seiten nachlesen. (teilweise Englisch)

[Content warning: Beschreibung von fatshaming] Stella Boonshoft hat ein Selbst-Potrait veröffentlicht – für all jene Leute, die sie aufgrund ihres Körpers diskriminiert haben, aber in allererster Linie für sich selbst. (Englisch)

Sybille Berg hat diese Woche beim SpiegelOnline zum Thema Sexarbeit geschrieben. Im Forum von und für SexarbeiterInnen gibt es eine prägnante Antwort: “Sie verwechseln da etwas Frau Sibylle Berg“.

[Triggerwarnung: Auschreiben und Thematisieren von V*rg*w*ltigung/ r*p*] Comedy ohne Frauenhass, das ist doch wirklich nicht zu viel verlangt, findet Suzanne Beishon und schreibt darüber, warum Vergewaltigung einfach kein Witzthema ist. (Englisch)

DieStandard berichtet über Kritiken am afghanischen Präsidenten Karzai durch Politikerinnen. Sie werfen ihm vor, dass er die Ereignisse um Malala Yousafzai instrumentalisieren würde.

Auf der Suche nach Lesestoff? Bei zahrawithaz gibt es eine Leseliste mit mittlerweile 66 Büchern von queeren Autor_innen of Colour. (Englisch)

In Wien lief diese Woche ein Theaterstück zu Julian Assange. Alles wichtige dazu hat Vina Yun analysiert. Der Teaser zum Text ist schon einmal so passend, dass er hier zitiert werden soll: “Warum Theaterregisseurin Angela Richter Täter und Opfer verwechselt und im Bett nur Konsens wirklich sexy ist”!

[Triggerwarnung: Auschreiben und Thematisieren von V*rg*w*ltigung/ r*p*] Einen Abend vor der letzten Präsidenten-Debatte haben Aktivist_innen in Anspielung an das Zitat von Todd Akin von “legitimer Vergewaltigung” mit einer Lichtinstallation u.a. den Satz “Rape is Rape” ans Kapitol in Washington D.C. (USA) projeziert.

In Berlin findet ab heute das Pornfilmfestival 2012 statt. DieStandard berichtet zu diesem Anlass über Pornos fernab des Mainstream und neue feministische Filmemacherinnen.

Termine in Berlin, Bonn, Düsseldorf, Gießen, Halle, Hamburg und Paderborn nach dem Klick:

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Achtung, Trigger – triggermedia

19. Oktober 2012 von Viruletta

(Triggerwarnung: Beschreibung von Triggern und deren Wirkungsweise, Ausschreiben des Wortes Vrgwltgng.)

Vielleicht kennt ihr das auch; eigentlich wolltet ihr nur ein bisschen abschalten, eine Auszeit nehmen vom Alltag und der Gesamtscheiße da draußen, und euch einen Film ansehen oder euch mit einem Buch in die warme Badewanne legen. Und dann blättert ihr die Seite um und da erwischt es euch plötzlich eiskalt; irgendein Trigger, der euch sofort wieder ins Hier und Jetzt zurückholt. Vorbei ist es mit der Entspannung, vorbei mit der Auszeit, und euch beschleicht einmal mehr das Gefühl: Rape Culture (Vergewaltigungskultur) ist überall. Mir persönlich ist das schon oft genug passiert und ich hab mir jedes Mal gewünscht, vorgewarnt gewesen zu sein. Und mit diesem Wunsch bin ich anscheinend nicht allein. Denn genau aus diesem Grund ist jetzt das Blog triggermedia ins Leben gerufen worden, mit dem Ziel, Triggerpotenziale in den Medien (Büchern, Filmen, Serien und Musik) zu sammeln und zu veröffentlichen.

In diesem Blog möchte ich eine Liste mit Filmen, Serien, Büchern und Musik erstellen, die triggernde Szenen und Inhalte bezüglich sexualisierter Gewalt beschreiben/zeigen. Immer wieder stoßen mir solche Szenen auf und holen unangenehme Bilder und Gefühle in mir hervor. Diese Szenen beinhalten z.B. Ezählungen oder (teilweise sehr detaillierte) Darstellungen sexualisierter Gewalt, aber meistens werde ich durch “Witze” über dieses Thema getriggert, da diese das Leid so vieler Menschen und auch mein eigenes Leid nicht als solches anerkennen und es sogar noch ins Lächerliche und Harmlose ziehen. Jedes mal denke ich, dass es schön gewesen wäre, vorgewarnt worden zu sein, und auch andere Betroffene scheinen diese Erfahrungen und Gedanken zu teilen.

Desto ausführlicher die Listen auf dem Blog werden, desto hilfreicher wird es natürlich sein – deshalb freut die Initiatorin sich über jede*n, die*der mitmacht, indem sie*er Triggerwarnungen einsendet. Bisher befasst die Seite sich ausschließlich mit Triggern im Bezug auf sexualisierte Gewalt, wünschen würde sich die Betreiberin jedoch eine zukünftige Ausweitung auf andere Gewaltformen (wie beispielsweise Rassismus oder Lookismus). Senden könnt ihr eure Nachrichten, in denen ihr Titel und Trigger auflistet, an: triggermedia ät web punkt de.


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Feiern, Fußball, facepalmen – kurz verlinkt

20. September 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 169 von 194 der Serie Kurz notiert

Wir können bei unserem 5. Jubiläum am kommenden Samstag eine Kinderbetreuung von 13 bis 19 Uhr anbieten und suchen noch nach Freiwilligen, die bei der Schicht 17-19 Uhr aushelfen möchten – meldet euch einfach unter veranstaltung[at]maedchenmannschaft.net. Falls ihr Kinderbetreuung benötigt, meldet euch am Tag der Party einfach am Mädchenmannschaft-Infostand, dort bekommt ihr alle Infos! Ihr könnt uns auch schon vorher eine E-Mail schreiben, wenn ihr Fragen habt: veranstaltung[at]maedchenmannschaft.net.

Wow: L-Talk hat zu Ehren unseres Jubiläums gleich mal eine ganze Mäd­chen­mann­schafts-Woche ausgerufen. Wir freuen uns auf spannende, solidarisch-kritische Beiträge!

Lineare Fortschrittserzählungen sind stets mit Vorsicht zu genießen, so auch in Sachen Sexismus. Wie dieser von Generation zu Generation weitergegeben wird, steht im Independent (auf Englisch).

Der Spiegel Online befasst sich mit Asexualität – ob sachkundig oder nicht, könnt ihr hier überprüfen.

Eine Gruppe junger Frauen hält ein Plakat hoch: We need feminism because we are NOT your mail order brides, the CURE to your YELLOW fever, your fantasy SEX TOYS or your subservient housewives. We are STRONG, INDEPENDENT and CAPABLE ASIAN AMERICAN WOMEN

Wir brauchen Feminismus, weil wir nicht deine Bräute aus dem Katalog, die Heilung für dein Gelbfieber, deine Sexspielzeuge oder deine unterwürfigen Hausfrauen sind. Wir sind starke, unabhängige und kompetente asiatisch-amerikanische Frauen. (via facebook)

Jessica Valenti, Gründerin von feministing.com, hat kürzlich ein Baby bekommen. Die vordringlichste Frage, die gewisse Medien daraufhin an die profilierte feministische Journalistin hatten: Wie sei sie eigentlich ihr „Schwanger­schafts­ge­wicht“ wieder losgeworden? (auf Englisch)

Julia Niemann rückt in der taz mal ein paar Dinge bezüglich der un­säg­lichen De­batte um früheres Kinderkriegen zurecht. Leider kommt auch ihr Artikel nicht ohne Bezugnahme auf den Mythos, dass Frauen* “früher” glücklicher gewesen seien, aus (auf Englisch).

Geringes Einkommen, keine Aufstiegsmöglichkeiten, Teilzeit, Diskriminierung: Öster­reich­ische Frauen fühlen sich in der Arbeits­welt nicht wert geschätzt. Außer­dem, die Wissenschaft hat festgestellt: Inter­sektionalität is a thing. Die Huffington Post berichtet über eine Studie, nach der es Schwarzen Frauen beim beruflichen Aufstieg doppelt schwer gemacht wird – denn sie sind weder männlich noch weiß (auf Englisch). (weiterlesen …)


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