Einträge mit dem Tag ‘Vergewaltigung’


Gegen Vergewaltigungsentschuldigungen!

11. März 2010 von Helga

Dass Vergewaltigungen nichts mit Sex und alles mit Macht und Kontrolle zu tun haben, ist seit langer Zeit bekannt. Trotzdem kommen in jeder Diskussion zu diesem Thema die immer gleichen Argumente. Klar, Vergewaltiger seien schuld, aber *irgendwie* hätte frau es doch verhindern können, wenn sie denn…

Amanda Hess, die für das Washington City Paper als The Sexist bloggt, hat sich in einer Artikelserie dieser Entschuldigungen und Ausreden angenommen. So etwa dem vielzitierten Vergleich, schließlich sei man auch schuld, wenn man durch eine bekanntermaßen gefährliche Gegend renne und überfallen werde. Dabei wird gerne übersehen, dass die wenigsten zum Spaß durch „kriminelle” Stadtteile laufen, sondern weil sie es sich nicht leisten können, in „bessere” Gegenden zu ziehen.

The person that compares sexual assault to getting mugged after “walking in a bad neighborhood” does not consider the mugging victim who lives in that bad neighborhood because he can’t afford a place with less street crime. He does not consider the mugging victim who works late into the night so that he can pay his rent. He does not consider the mugging victim who does not have the means to fastidiously avoid his life circumstances.

Zu Deutsch: Die Person, die sexuelle Übergriffe mit Raubüberfallen in „schlechten Stadtteilen” vergleicht, berücksichtigt nicht das überfallene Opfer, das in diesem Stadtteil wohnt, weil es sich keine weniger gefährdete Gegend leisten kann. Die Person berücksichtigt nicht das überfallene Opfer, das nachts arbeitet, um seine Miete bezahlen zu können. Die Person berücksichtigt nicht das überfallene Opfer, das nicht die Möglichkeit zu wählen hat, seine Lebensumstände zu vermeiden.

Gern wird auch angenommen Frauen in kurzen Röcken, mit tiefen Ausschnitten oder viel Make-Up wollten Sex haben und müssten damit rechnen, vergewaltigt zu werden. Gegenüber der überwältigenden Mehrheit an Männern, die all diesen Signalen zum Trotz ihre Selbstkontrolle behalten, ist dies einerseits nur peinlich, andererseits falsch.

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Vergewaltigt und “selbst schuld”?

19. Februar 2010 von Magda

Eine kürzlich veröffentlichte Studie (pdf) von Opinion Matters zum Thema Vergewaltigung erhält in den Medien gerade wegen ihrer teilweise schockierenden Ergebnisse enorme AufmerksamkeitIn dieser Studie wurden 1061 Menschen aus London im Alter von 18 bis 50 Jahren unter anderem nach bestimmten Situationen gefragt, in denen der/die Vergewaltigte selbst Verantwortung für das ihr oder ihm angetane Unrecht übernehmen soll.

Dazu befand die Mehrheit, dass Opfer sexueller Gewalt mitverantwortlich seien, wenn der/die Missbrauchte bereits eine sexuelle Handlung mit dem Täter oder der Täterin durchgeführt hat (73%) oder das Opfer bereits im gleichen Bett mit der Person lag, bevor ein Missbrauch stattfand (66%). Unter anderem wurde noch Alkoholmissbrauch (64%), provokante Kleidung (28%) und flirten (21%) angeführt.

Besonders auffällig: Mehr Frauen als Männer und Jüngere eher als Ältere folgten der oben dargestellten Argumentation, es gäbe bestimmte Situationen, die eine Vergewaltigung auf irgendeine Art und Weise “nachvollziehbar” mache.

Ganz davon abgesehen, dass viele Menschen völlig unreflektierte Vorstellungen zu scheinen haben, wie Frauen sich zu verhalten hätten (übermäßiger Alkohol und provokante Kleidung im Kontext Vergewaltigung wurde in den Medien bisher grundsätzlich als weibliches Problem diskutiert), bin ich hoffentlich nicht die Einzige, die es fragwürdig findet, dass die Tatsache, dass ich mit jemanden in einem Bett liege und/oder betrunken bin und/oder einen kurzen Rock trage, auch nur im Entferntesten einem Menschen erlaubt, mit mir ungewollt zu schlafen.

Ich gebe mein Recht auf ein “Nein” doch nicht ab, nur weil ich vier Bier intus habe und ein enges Shirt trage. (weiterlesen…)


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Was sonst noch so geschah…

12. Februar 2010 von der Maedchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 42 von 50 der Serie Kurz notiert

In Mailand wurden mehrere Eltern von jugendlichen Vergewaltigern wegen ihres Versagens in wichtigen Erziehungsfragen zu einer Strafe verurteilt.

Die Berufswelt teilt sich immer noch in männlich und weiblich. Und das wird sich so bald auch nicht ändern. Weil Jungs “männliche” Berufsausbildungen ergreifen und Mädchen “weibliche”. Dabei würden Unternehmen mit hohem Männeranteil etwas mehr Weiblichkeit gut tun, schreibt der Tagesspiegel.

Carsten Wippemann spricht im Hamburger Abendblatt noch einmal ausführlich über die Ergebnisse seiner Studie, nach denen es Frauen im Job vielen Männern eigentlich nie recht machen können, egal wie sie sich verhalten.

Auf Make Noise for Free Choice kann man eine Petition unterschreiben, um die Verantwortlichen unter Druck zu setzen, Abtreibung in Europa legal und sicher zu machen. Eine Million Unterschriften sind angepeilt.

Frauen in Haiti brauchen neben Kleidung für Schwangere und Neugeborene dringend Hygieneartikel und medizinische Hilfsmittel für insbesondere schwangere Frauen bzw. Frauen, die gerade entbunden haben. Ihr könnt direkt an die Frauenorganisationen Caribbean Association for Feminist Research and Action (CAFRA) and Colectiva Mujers Y Salud (Women’s Health Collective) spenden. Mehr Informationen erfahrt ihr hier.

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Systematische Gewalt an Frauen in Simbabwe

13. Dezember 2009 von Magda
Quelle: Open Parachute

Quelle: Open Parachute

Robert Mugabe, simbabwischer Diktator und Chef der Zimbabwe African National Union (ZANU) ist mit Sicherheit kein unbeschriebenes Blatt: Bei der Liste an bekannt gewordenen Missetaten, die Menschenrechtsverletzungen, die Verfolgung von politischen GegnerInnen, Folter, Einschränkung der Pressefreiheit und gewaltsame Wahlbeeinflussung beinhalten, überrascht folgende Horror-Nachricht leider kaum:

Die Organisation Aids-Free World (“Welt Ohne Aids”) veröffentlichte letzten Donnerstag einen Report, in dem 380 politisch motivierte Vergewaltigungen in jeder der zehn Provinzen in Simbabwe dokumentiert wurden, welche während der letzten Wahl im Jahre 2008 als politische Waffe gegen Oppositionelle und ihre Familien eingesetzt wurden. Massenvergewaltigungen, bei denen auch Kinder nicht verschont wurden, fanden mitunter auch in eigens dafür bereitgestellten Einrichtungen statt. Bei einer Rate von 18% HIV-Infizierten im Land fördern die Vergewaltigungen außerdem die Verbreitung des Virus an die Opfer und ihre Familien.

Basierend auf Aussagen von über 70 Frauen aus allen Teilen Zimbabwes klagt der Report Folter, systematische Vergewaltigung und Mord an GegnerInnen des Mugabe Regimes in der Zeit von März 2008 bis zu dem Zeitpunkt an, als Mugabe sich unter internationalem Druck dazu bereit erklärte, die Macht mit seinem Rivalen Morgan Tsvangirai zu teilen. Es sei als Mittel benutzt worden, GegnerInnen und insbesondere jene, die in der Oppositionspartei Movement for Democratic Change aktiv waren, zu demoralisieren und “bestrafen”. ZeugInnen berichteten, dass die Täter oftmals ZANU-Abzeichen trugen und ihren Opfern sagten, dass sie dafür “büßen” sollen, nicht für Mugabe gestimmt zu haben.

Systematische Vergewaltigungen im Krieg sind kein Novum. Dass Vergewaltigung als Waffe der Demoralisierung und Erniedrigung von GegnerInnen genutzt wird, haben in jüngster Zeit auch die Leidtragenden der Kriege im Kongo oder Bosnien erfahren müssen.

via GenderAcrossBorders.com und dieStandard.at.


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Ja meint nein oder nicht?

21. November 2009 von Helga
Dieser Text ist Teil 36 von 51 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Zum Ende der Woche noch der Blick in die Blogosphäre und da war wirklich einiges los:

Auf Les petits Plaisirs macht Mademoiselle Nocturne sich Gedanken zur Verwirrung um “Nein sagen wenn man Ja meint” – und ruft auf, die Verantwortung auf alle Beteiligten zu übertragen.

Bei all der Verwirrung um Einvernehmlichkeit – ist Vergewaltigern eigentlich klar, was sie machen? Solange das böse Wort nicht fällt… Ja. Der mädchenblog über die gesellschaftliche Kultur, die Vergewaltiger immer noch in ihrer Mitte duldet. Und noch der Verweis auf die ursprüngliche Auseinandersetzung auf Yes means Yes! mit den Studien, in denen sich Männer zu Vergewaltigungen bekannten.

Verpackung des Frauenarzt-Sets für Anfänger komplett mit Gleit- und Reinigungsmittelproben

Einmal selbst Frauenarzt(ärztin) spielen… Foto über Pimpettes


Ein ausgefallenes Spielzeug haben die Pimpettes gefunden: Das Frauenarzt-Set für den Hausgebrauch. Ob die Welt das wirklich braucht?

Für mehr Vielfalt im Kioskregal: In nicht mal mehr zwei Wochen erscheint die erste Ausgabe der outside the box – Zeitschrift für feministische Gesellschaftskritik mit dem Schwerpunktthema „Emanzipation“.

DieStandard.at zum Ersten: Gehörlosen und schwerhörigen Frauen wird in Österreich über Lautsprachförderung hinaus kaum Bildung vermittelt, der Einstieg in den Arbeitsmarkt fällt ihnen entsprechend schwer. Eine höhere Karriere als Hilfsarbeiterin ist selten möglich.

Und zum Zweiten der Hinweis auf den Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen. Am 25. November wird es dazu (nicht nur in Österreich) zahlreiche Aktionen und Demonstrationen geben.

Der nächste Termin, zumindest für Berlinerinnen, ist gleich am 26. November: Ein Benefitkonzert, einen Film und eine Diskussion gibt es um 19 Uhr, Thema ist die Bekämpfung der Genitalverstümmelung von Frauen. Auftreten werden Sister Fa und Band, sowie als Gäste Maneko, Daveman, Louis Jean, Blow P und weitere, berichtet Nafisa. Die Erlöse gehen an die westafrikanischen NGO’s Tostan, Misereor und der Stiftung Umverteilen.

Über Vorurteile gegenüber Chancengleichheit gegenüber Kindern aus bildungsfernen Schichten und Gastarbeiterfamilien macht sich die Kaltmamsell, ihres Zeichens selbst Gastarbeiterkind, Gedanken. Mehr über Vorurteile und soziale Selektion gibt’s auf der Vorspeisenplatte.

Neue Regierung, neue Leitung der Antidiskriminierungsstelle. kopf und herz kommentiert die neue Leiterin. Vielversprechend klingt es leider nicht.

Nachdenklich geht es auch auf My-dentity zu. Die Konstruktion von Geschlecht, Klischees und Biologie – ist nicht der Mensch dahinter am wichtigsten?

Warum werden die Frauen nur immer so zickig – das Totschlagargument musste sich diese Woche „Emanze“ Lori anhören. In den Geschichten aus der honigsüßen Welt erzählt sie davon.

Last but not least: Der VÄTER Blog berichtet über ein Buch, das sich mit Erziehungszeiten für Väter beschäftigt.

Für eine bessere Vernetzung der (weiblichen) Websphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschspachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Wenn du selbst ein Blog zu Gender- und Feminismusthemen hast, sag unter mannschaftspost(at)web.de Bescheid.


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Der Fall Roman Polanski

8. November 2009 von Barbara

Darf ein Mann für ein mehr als dreißig Jahre zurückliegendes Verbrechen eingesperrt werden? Er darf, findet das Schweizer Justizministerium, wenn das Verfahren nicht abgeschlossen wurde. Egal, ob das Opfer dem Täter vergeben hat. Und egal, ob der Täter ein Filmemacher von Weltruhm ist. Seit fünf Wochen sitzt der 76-jährige Roman Polanski in einem Gefängnis in Zürich. Weil er in Los Angeles ein Mädchen zum Sex verführt hat. Er soll in die USA überstellt werden und dort vor Gericht kommen – zum zweiten Mal seit über dreißig Jahren.

1977 kam die damals 13-jährige Samantha Gailey, heute Geimer, für ein Mode-Fotoshooting in die Villa von Jack Nicholson. Sie hatte das Einverständnis ihrer Mutter, sich von Roman Polanski fotografieren zu lassen. Das Vernehmungsprotokoll des Mädchens dokumentiert, dass sie von Polanski gezielt und heimtückisch in eine Falle gelockt worden ist, weder Flehen noch die Aussage, sie leide unter Asthma und müsse sofort nach Hause, halfen ihr. Mit Tabletten und Alkohol löste er ihren Widerstand und verging sich an ihr. “Kein Päderast” lautet das Urteil eines Psychiaters, das Polanski als Mann “von hoher Intelligenz” zeigt, als einen, der “ein gutes Urteilsvermögen und starke moralische und ethische Werte” habe. Bei seiner Tat, die er gestanden hat, handele es sich “um einen isolierten Fall des vorübergehenden Verlusts des Urteilsvermögens in einer intimen, kreativen Arbeitssituation”. Hört hört! Das Verfahren gegen Polanski wurde nie abgeschlossen, da er 1978 nach Europa geflohen ist und sich bis heute der US-amerikanischen Justiz entzogen hat. Angeblich hatte er geglaubt, zu 50 Jahren Gefängnis verurteilt zu werden – das aktuelle Auslieferungsbegehren der USA nennt eine Höchststrafe von zwei Jahren Haft.

Was auch immer damals genau geschehen ist, nicht beide haben es gewollt. Nun kann man sagen, dass diese Tat sehr lange her ist, zu lange, um noch einmal aufgerollt zu werden. Doch wenn nach Jahren herauskommt, dass etwa ein Geistlicher seine Konfirmanden sexuell missbraucht hat, werden Anklage und Bestrafung seiner Tat von der Öffentlichkeit mehr als begrüßt. Das sagt auch Alice Schwarzer, die sich über dieses Zweiklassen-Unrechtsbewusstsein und Petitionen wie “Free Polanski” sehr ärgert. Denn für Polanskis Freiheit haben zahlreiche deutsche Regisseure wie Wim Wenders und Tom Tykwer ebenso unterschrieben wie viele internationale Filmemacher, etwa David Lynch, Martin Scorsese, Woody Allen, Pedro Almodovar. Und auch Schauspielerinnen wie Isabelle Adjani und Tilda Swinton wollen, dass Roman Polanski aus der Haft entlassen wird.

Lasst ihn frei, fordert auch die heute 45-jährige Samantha Geimer. Es geht ihr dabei wohl weniger um Vergebung als um die Tatsache, dass ihr eigenes Leben seit der Vergewaltigung stark beeinträchtigt ist. Sie werde von der Presse verfolgt, sagt sie, sie habe “lebenslänglich” bekommen wie Polanski. Ob sie von ihm die vollständige Summe an Schadensersatz erhalten hat, die sie eingeklagt hatte, wird bis heute bezweifelt. Samantha Geimer möchte die 32 Jahre alte schlimme Erinnerung vergessen und versucht, zurückgezogen zu leben. Sie forderte bereits Ende der Achtziger, das Verfahren einzustellen; Polanski könne ja von der Justiz in Los Angeles auch keinen fairen Prozess erwarten. So heißt es in dem Dokumentarfilm “Roman Polanski: Wanted and Desired” über den vorsitzenden Richter, dass dieser den Fall mit Unbeteiligten diskutiert habe. Und deshalb den Deal platzen ließ, die Tat durch Polanski Geständnis als “statutory rape” abzumildern, was etwas Ähnliches wie Unzucht mit Minderjährigen ist.

Dass Samantha Geimer ihrem Vergewaltiger vergeben möchte, löst diesen Fall nicht. Rechtsfrieden wird wohl erst dann herrschen, wenn Polanski sich seinem Richter stellt. Denn sexueller Missbrauch ist strafbar, ein schlimmes Fehlverhalten gegenüber den Grundsätzen unserer Gesellschaft ebenso wie ein schlimmes Fehlverhalten gegenüber den Rechten eines Individuums. Der Täter muss die Konsequenzen für dieses Fehlverhalten auf sich nehmen, und die sind in unserem Rechtssystem ähnlich wie im US-amerikanischen: auf Verbrechen folgt Strafe. Beobachtet von der Öffentlichkeit. So muss man dem kalifornischen Gouverneur Arnold Schwarzenegger recht geben, der über den Fall Roman Polanski sagt: „Ich bin ein großer Bewunderer seiner Arbeit, aber er sollte behandelt werden wie jeder andere auch.”

Dieser Text ist bereits im Bayerischen Rundfunk erschienen, am 7. November 2009 in “Jazz und Politik” auf Bayern 2.


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SpiegelOnlineFail

22. Juli 2009 von Helga

“Ich wurde vergewaltigt.”

“Krass. So wie das Lied von David Bowie in der Vodafonewerbung?”

“Nein. So richtig mit keinen Sex wollen, Schmerzen haben, sich danach scheiße, machtlos, benutzt fühlen, Angst haben, dass einem keiner glaubt, dass es wieder passiert, sich selbst die Schuld geben.”


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