Einträge mit dem Tag ‘Väter’


Antifeminismus, Abwesenheit von Vätern und Ausübung von Kritik (nur wie?) – die Blogschau

30. Januar 2016 von accalmie
Dieser Text ist Teil 292 von 295 der Serie Die Blogschau

„»Deutschland Schwarz Weiß« zu schreiben, war mein Trick.“ Noah Sow gibt einen Einblick in ihre persönlichen Motive, acht Jahre nach Veröffentlichung des Buchs (…übrigens immer noch ein dringender Lektüretipp!).

Über die Nähe des zeitgenössischen Antifeminismus zu Antisemitismus schreibt החול והים (Sand und Meer).

Bei Ringelmiez berichtet Ella von ihren Erfahrungen, für ihr Kind ein Kleid zu nähen, und gibt in einem FAQ Antwort auf (potenzielle) geschlechteressentialistische, cissexistische und heterosexistische Einsprüche.

JJ bei den Leckmuscheln kritisiert den „Riots Not Diets“-Pullover von „Monki“: „Den Pullover gibt es in den Größen S-L. Nice try Monki, aber welcher Sinn steckt dahinter einen Fett-Positiven Pullover herzustellen, welchen dann nur schlanke Menschen tragen können, die sowieso ständig von Thin Privilige profitieren, gerade wenn es um Mode geht.“

„30. Januar in Büdingen: Naziaufmarsch verhindern! Rechten Kommunalwahlkampf stören!“: Antifa Kritik und Klassenkampf ruft zum antifaschistischen und antisexistischen Protest auf. Treffpunkt: Heute, 13:40 Uhr, Hauptbahnhof Frankfurt am Main, Gleis 13.

„Aber brauchen Kinder wirklich ihren Vater/ eine männliche Bezugsperson? Zu welchem Preis? Brauchen Kinder nicht viel eher eine Möglichkeit zu lernen mit der Situation und dem Menschen, der sie mitgezeugt hat, umzugehen; ob dieser nun real präsent ist oder nur in Erzählungen?“ Me, Myself and Child startet mit „Ohne Väter: Prolog“ die Artikel-Reihe „Ohne Väter,“ zu der Beiträge „alle Elter_Mütter*, die ihre Kinder (zum größten Teil) ohne Cis-Väter betreuen“, eingeladen sind.

In Anna Hegers Mini-Comic, „Kritik von weißen Schafen an weißen Schafen“, geht es um Kritikausübung innerhalb einer Gruppe ähnlich privilegierter Menschen.

„Nimm deine Kippa ab, Junge!“ – Was das mediale Interesse an Antisemitismus mit den Geflüchteten zu tun hat“, analysiert Levi bei kleinerdrei.

Die Femgeeks stellen das Hacker*innenmagazin The Recompiler vor, das im letzten Jahr durch eine Crowdfunding-Kampagne ins Leben gerufen wurde.

Die 71-jährige „Schluss-Strich-Debatte“ um (die Erinnerung an) den Holocaust kommentiert Anja Reschke:

Habt ihr diese Woche etwas geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blogs etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Regelmäßig verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.


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Kita-Kritik braucht Geschlechter-Kritik

14. Juni 2013 von Lisa

Nicht alle Krippen sind super – und nicht alle Kinder gehen gern in die Kita, mögen ihre Erzieher_in oder lassen sich innerhalb der vorgesehenen Zeit eingewöhnen. In vielen Kitas ist der Betreuungsschlüssel zu groß, oft fehlen Erzieher_innen – nicht zuletzt weil diese ausgesprochen schlecht bezahlt werden. Beim Kita-ausbau wird vielmals Qualität zugunsten von Quantität vernachlässigt. Eine Kritik am derzeitigen System von Kitas und Krippen, wie sie etwa in der taz zu lesen war, ist also mitunter durchaus gerechtfertigt. Das Problem ist allerdings, dass diese Kritik schnell in eine reaktionäre Richtung geht. Auch wenn sich die meisten Texte oberflächlich aufgeklärt geben, schwingt in vielen implizit trotzdem die Idee des ‚früher-war-alles-besser‘ und das Ideal der Hausfrau & Mutter als einzigem Garant frühkindlichen Wohlbefindens mit. Ein Beispiel dafür ist ein Interview mit dem bekannten dänischen Familientherapeuten Jesper Juul in der Zeit (dessen Erziehungsratschläge meiner Meinung nach sowieso auf Gemeinplätze hinauslaufen).

Hier findet sich ein typisches Argumentationsmuster konservativer Kita-Kritik: Offiziell zielt sie auf die Qualität von Krippen und Kitas, also auf Dinge wie den Betreuungsschlüssel, pädagogische Konzepte und die Ausbildung von Erzieher_innen. Inoffiziell geht es in den Texten aber meist nicht um den Vergleich von guten versus schlechten Kitas –  der eigentliche Maßstab bleibt weiterhin die Betreuung der Kinder zuhause in der Familie. Beispielsweise fordert Juul eine Langzeitstudie, die zwischen Kindern in Kita- und Familienbetreuung vergleicht (und nicht etwa zwischen verschiedenen Kita-Konzepten). Als sein vermeintlich progressives Vorbild nennt „eine kleine Bewegung von Eltern, die sagen: Wir wollen ein Recht darauf haben, unsere Kinder von der Geburt bis zur Einschulung selber zu erziehen“ (und nicht etwa eine Bewegung von Eltern, die sich für einen kleineren Betreuungsschlüssel in ihrer Kita einsetzen).

Problematisch ist zudem, dass die Kita-Probleme oft als Folge der privaten Entscheidung von Eltern erscheinen: Diesen Eltern kümmerten sich eben zu wenig um die spezifischen Bedürfnisse ihres Kindes, ihre  ‚Karriere‘ sei ihnen wohl wichtiger, sie  liessen sich zu sehr vom heutigen Leistungsdruck stressen und interessierten sich auch noch viel zu wenig für das pädagogische Konzept der jeweiligen Kita. Dadurch werden gesellschaftliche Probleme individualisiert. Denn der größere politische Zusammenhang wird ausgelassen oder nur gestreift. Dass Faktoren wie sinkende Löhne, der Abbau von Sozialsystemen, einkommensabhängiges Elterngeld und das Ideal der Vollzeit-Arbeit vielen Eltern wenig Raum für Entscheidung oder Zeit für Kita-Konzept-Diskussionen lassen, bleibt außen vor.

Vor allem aber fehlt in vielen Anti-Kita-Polemiken auffallend häufig die Dimension von Geschlecht – oder wird allenfalls in einem Nebensatz kurz angeschnitten. Vordergründig beschreiben die Texte neutral beide ‚Eltern‘ und unterschlagen so, dass ein zentraler Teil des Problems vor allem geschlechtspezifische Ungleichbehandlung betrifft. Denn zum einen ist die scheinbar kindgerechtere Vergangenheit, die beschworen wird, eng mit dem traditionellen Mutterideal verbunden. Zum anderen haben genderpolitische Aspekte entscheidenden Einfluss sowohl auf die Betreuung Zuhause als auch in der Kita. Strukturelle Faktoren wie der Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen und das Ehegattensplitting bewirken, dass es in heterosexuellen Paaren meist die Frau ist, die den Großteil der Erziehungsarbeit übernimmt. Somit ist es in der Realität vor allem die Mutter, der die kritisierte ‚Entscheidung‘ zur Kita angelastet wird. Zudem spielt die Dimension von Geschlecht eine entscheidende Rolle bei der Quanität und Qualität von Kita-Betreuung. Schließlich gilt Erzieher_in nach wie vor als sogenannter ‚Frauenberuf‘ – und solche Berufe zeichnen sich traditionell dadurch aus, dass viel altruistisches Geben erwartet wird, während die Bezahlung ausgesprochen schlecht ist. Eine informierte Kita-Kritik schließt also immer auch eine Kritik der hegemonialen Geschlechterordnung ein.


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Geh besser wieder heim

5. April 2013 von Lisa

Dieser Text von ‚Rufende Nebelkrähe‘ erschien bereits als Gastbeitrag auf dem Blog ‚Fuckermothers‚.

Rufende Nebelkrähe ist 33 Jahre alt und lebt seit gut 10 Jahren ohne ihre beiden leiblichen Kinder in Berlin. Seitdem kämpft sie für ein neues Verständnis der Mutterrolle. Sie findet die Analyse von Müttern, die gehen, wäre ohne Feminismus nicht möglich- möchte aber darauf hinweisen, dass die eigenen Kinder zu verlassen, rein gar nichts mit Feminismus zu tun hat- sondern individuelle Biographien darstellen.

Als ich mit 23 Jahren nach Berlin kam – da kam ich alleine.

Mutterseelenallein.

Ich habe nämlich meine beiden Kinder, damals 5 und 2 Jahre, bei ihrem Vater gelassen und bin in eine kleine 2- Raum-Wohnung in Kreuzberg gezogen.

Die Trennung war gerade erst vollzogen, als ich im Café Bateau Ivre mit einem, in meinen Augen, älteren Mann ins Gespräch komme. Auch er lebt ohne seine Kinder in Berlin.

Er leidet. Er vermisst. Er ist alleine.

Er sieht mich an und gibt mir einen Ratschlag: „geh besser wieder Heim“. Als wüsste er irgendwie, was Heim für mich bedeutet.

„du als Mutter“ erklärt er weiter, „du schaffst das nicht ohne die Kinder“

Nach 10 Jahren sehe ich immer noch die Oranienstraße vor mir, sehe diesen fremden Mann, welcher es doch ach nur so gut mit mir „Mädchen“ zu meinen scheint. Ich sehe seine traurige Art und Weise, er ist leicht geduckt. Ich sehe ihn noch genau vor mir.

Ja, und beinahe hätte er Recht gehabt. Ein Leben ohne die eigenen Kinder kann schwer sein. Eine Familie gehabt zu haben, sich selbst zu wandeln ist nicht leicht. Und das Leben alleine genießen zu können, das mensch meist ja nicht einmal nach einem Beziehungs-Aus ohne Kinder.

Aber irgendetwas in mir stört sich an meinem Geschlecht. Frau sein. Mutter sein. Ist es zwingend so, dass ich mehr vermissen werde? Ist es so, dass es ein Band gibt? Das Band, welches nur der Gebärenden zugesprochen wird?

Ich glaube nicht daran. Ich kann ja nicht einmal glauben, dass sich noch im 21. Jhd viele Leute nicht vom Ideal einer biologischen Mutter trennen möchten. Für diese besteht ein unwiederrufliches Band, das durch die Schwangerschaft gebildet ist und das sie heilig sprechen. Aber zwingt es die leibliche Mütter nicht in eine aufopfende Rolle und schreibt gleichzeitig Vätern – oder nicht biologischen Eltern – eine gleichsam liebevolle Beziehung ab?

Deshalb gibt es wohl auch keine Rabenväter. Oder Rabeneltern.

Das Kindswohl liegt einzig und allein in Mutters Liebe und Zuwendung.

Jetzt kommt schon? Wirklich?

Was mein Leben als Rabenmutter aber so schwer gemacht hat, waren diese Zuschreibungen.

Entweder gut oder böse.

Die einen halten mich für ein Opfer, dass große Qualen auf sich genommen hat, um die Kinder in dem Umfeld aufwachsen zu lassen, wo es ihnen am Besten geht. Sie wollen, dass ich kämpfe, ein Löwenherz habe und leide. Denn so gehört sich das.

Die anderen halten mich schlichtweg für einen schlechten Menschen. Eine Frau, welche ihre Kinder verletzt. Sie fragen nicht nach meiner Geschichte – aber sie malen sich Bilder aus. Gewalttätige, Gefühlskalt Bilder. Und wenn sie einen traurig sehen, dann halten sie das für die gerechte Strafe.

Es muss aufhören, dass sich jedes Mal, wenn ich anfange von meinen Kindern zu reden, ein mitleidigerBlick kommt. Dass mein Gegenüber sich mir mit seitlich geneigtem Kopf zuwendet und fragt, ob alles ok sei? Oder ein Aufblitzen in den Augen, gepaart mit einer leicht steiferen Körperhaltung. Da möchte ich gar nicht wissen, was sich für Bilder im Kopf meines Gegenübers bilden.

Jeder Mensch, welcher durch welches Schicksal auch immer seine Kinder verlässt, hat seine eigene, individuelle Geschichte.

Wollen wir emanzipierte Väter und sich selbst definierende Familien, müssen wir auch die Mütter, welche ihre Kinder verlassen, in unserer Mitte akzeptieren.

Deshalb werde ich ab jetzt Geschichten erzählen, meine Geschichte.


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“Wenn es ihr nicht gefällt, musst Du aufhören” – Zur Jungenerziehung

3. April 2013 von Lisa

[Trigger Warnung: Es geht um sexualisierte Gewalt]

In unserer Gesellschaft wird vielen Mädchen beigebracht, nicht offen aggressiv zu sein, sondern sich rücksichtsvoll, nachgebend und vorsichtig zu verhalten. Trotzdem erscheint Gewalt – insbesondere sexualisierte Gewalt – als Frauenproblem: Um nicht Opfer zu werden, sollen Frauen von klein auf möglichen Gefahren aus dem Weg gehen. Sie sollen nicht ‘provozieren’, sich ‘vernünftig’ verhalten, sich nicht ‘aufreizend’ kleiden, sich nicht zu sehr betrinken, nicht Nachts alleine auf der Straße sein, etc. Diese Vorstellungen haben zur Folge, dass im Falle eines sexuellen Übergriffs der Frau oder dem Mädchen die Schuld gegeben wird. ‘Sie war eben nicht vorsichtig genug’ heißt es dann. Dieser Mechanismus wird oft ‘Blaming the victim‘ genannt.

Täter sind in den meisten Fällen Männer und Jungen. Selbstverständlich werden auch Frauen gewalttätig, doch statistisch gesehen sind sie in der Minderheit. Laut einer Studie den Bundesfamilienministeriums von 2004 waren 99 Prozent der Täter von sexueller Gewalt gegen Frauen erwachsene Männer. Ähnlich sieht es bei häuslicher Gewalt aus: 2/3 der Tatverdächtigen sind Männer (und, by the way, der Großteil davon sind wiederum männliche Deutsche). Dennoch erscheint Vergewaltigung kaum als Männerproblem. Folglich wird vielen Jungen nicht beigebracht, weniger aggressiv zu sein, nicht zu schlagen und nicht zu vergewaltigen. Vielmehr gilt oft weiter die traditionelle männliche Geschlechterrolle für sie. Der ‘normale’ Junge scheint mutig, wild, laut, Raum-greifend und latent aggressiv.

“Don’t teach women how to avoid being raped, teach men not to rape” oder ”Don’t teach us what to wear, teach your son not to rape” lauten deswegen viele Leitsprüche – nicht erst seit der brutalen Vergewaltigung in Steubenville: Statt Mädchen dazu zu erziehen, nicht vergewaltigt zu werden, sollen Jungen lernen, nicht zu vergewaltigen. Zerlina Maxwell zählt hierzu fünf Punkte auf, wie sexualisierte Gewalt durch Männer verhindert werden kann. Sie wurden von Maike auf kleinerdrei übersetzt:

“1. Bringt jungen Männern bei, was einvernehmlicher Sex ist.
2. Bringt jungen Männern bei, Frauen als Menschen anzusehen, und nicht als sexuelle Objekte, die zum Vergnügen der Männer da sind.
3. Bringt jungen Männer bei, wie sie ihre Männlichkeit auf eine positive Weise ausdrücken.
4. Bringt jungen Männern bei, missbrauchten oder vergewaltigten Frauen und Mädchen zu glauben, die mit ihren Fällen an die Öffentlichkeit treten.
5. Bringt jungen Männern bei, einzugreifen, wenn Sie Zeugen von Vergewaltigung oder sexuellem Missbrauch werden.”

Sinnvoll ist allerdings, nicht erst bei den ‘jungen Männern’ anzusetzen, sondern bei den Erziehung von Jungen generell. Hier gilt es, überzogene Stereotype von traditioneller Männlichkeit in Frage zu stellen. Der Berliner Verein Pat-Ex bietet ‘patriarchats-’ bzw. ‘identitätskritische Jungenarbeit’ in der Schule an. Zu seinen Publikationen gehört unter anderem das Buch ‘Müssen Jungen aggressiv sein?‘ von Jens Krabel. Dabei ist ein Ziel von Jungenarbeit: “Einen Raum schaffen, indem das Selbstbewußtsein gefördert, das Vertrauen in die eigenen Stärken und Schwächen entwickelt und gelernt wird, Grenzen zu setzen und zu respektieren.”

Die Grenzen anderer Menschen wahrzunehmen und zu respektieren stellt auch einen der Schwerpunkte in der Sexualaufklärung des Wiener Vereins Selbstlaut dar. Seine Broschüre richtet sich nicht nur an Jungen, sondern an alle Kinder. Beim Thema “Zustimmung & Grenzen setzen” (S. 16) geht es darum, “die Schüler_innen zu ermutigen, das Mitteilen von Wünschen und Grenzen auszuprobieren und somit über die Wichtigkeit von achtsamem, konsensuellem Miteinander zu lernen und dieses erfahrbar zu machen.” Die anschliessenden Übungen beinhalten eine ‘Ampel’ zum Einschätzen von Zustimmung und einige Beispielgeschichten mit Situationen beim Sport, beim Spielen oder in ersten Liebesbeziehungen.

Über die Erziehung ihrer Söhne schreiben einige Blogger-Väter. So ist bei Mochadad zu lesen: “As fathers, we must teach our sons to respect women. This culture of disrespect can only be reversed by strong men taking a stand. We must model appropriate behavior and teach them that their manhood is not tied to their sexual conquests.  Most of all, we have to reinforce the notion that ‘No’ means ‘No.’”

Ein sehr alltägliches Beispiel, wie eine solche Erziehung aussehen kann, gibt Yesmeansyes. Dort wird eine Szene beschrieben, in der ein zweijähriger Junge ein kleines Mädchen beim Spielen kitzelt. Der anwesende Vater sagt zu seinem Sohn einfach: “If she’s not having fun, you have to stop.” Wenn es Ihr nicht mehr gefällt, musst Du aufhören.

(Dieser Beitrag erschien bereits auf ‚Fuckermothers‘.)


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50/50 bedeutet nicht die Auflösung aller Ungerechtigkeiten

28. März 2013 von Gastautor_in

Dieser Text erschien vor einigen Tagen als Gastbeitrag auf Lisas Blog fuckermothers. Jochen König ist Autor und lebt mit seiner dreijährigen Tochter in Berlin. Wir danken ihm und den Fuckermothers für die Erlaubnis zum Crossposten!

Gerade habe ich mich an einen Text übers Elternsein und Geschlechterverhältnisse gesetzt, den ich seit ein paar Wochen schreiben möchte, da erscheint ein Artikel von Stefanie Lohaus auf Zeit Online vielfach auf meiner facebook-timeline: Es geht um das Prinzip 50/50. Sie beschreibt wie sie sich mit ihrem Partner gleichberechtigt um das gemeinsame neugeborene Kind kümmert und greift dabei zwei Aspekte auf, über die ich aus meiner Perspektive als Vater seit einiger Zeit nachdenke.

Sicherlich ist es ein Fortschritt, dass solche Modelle in einer solch breiten Öffentlichkeit diskutiert werden. Das Abfeiern von 50/50-Arrangements finde ich jedoch ermüdend. Der Zusammenhang zwischen Elternsein und Geschlechterungerechtigkeit lässt sich nicht auflösen, indem die Väter die Hälfte der möglichen Elternzeit nehmen. (mehr …)


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Kampf um weibliche Körper und Teenager, die was bewegen – kurz verlinkt

1. August 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 168 von 351 der Serie Kurz notiert

Am 22. September feiern wir in Berlin unseren 5. Geburtstag! Wenn ihr nicht aus Berlin seid, könnt ihr euch gerne Mit­fahr­gelegen­heiten oder Unter­künfte organisieren – entweder im Facebook-Event (die ersten Anfragen und Unter­kunfts­angebote gibt es schon) oder hier in den Kommentaren. Falls euch das zu öffentlich ist, könnt ihr uns auch eine E-Mail schreiben mit „Biete“ oder „Suche“ an veranstaltung[at]maedchenmannschaft.net.

Von wegen „keiner kümmert sich um die armen Väter ohne Rechte“. DieStandard.at spricht mit Mariam Irene Tazi-Preve über alleinerziehende Mütter ohne Lobby und eine erstarkende Vaterrechtsbewegung.

Ebefalls auf dieStandard.at: Ein Interview mit der Hebammenausbilderin Barbara Schildberger über den neuen „Stilldruck“ und den Kampf um die Selbst­bestimmung von Schwangeren und frisch-gebackenen Müttern. Dass weibliche Selbst­bestimmung über ihre Körper immer noch nicht selbst­ver­ständ­lich ist, zeigt ein Fall in der Neuen Osnabrücker Zeitung. Ohne ihre Ein­willi­gung wurden einer Krebs­patientin nicht nur einer, sondern gleich beide Eier­stöcke entfernt.

Welche Probleme Abtreibungsbeschränkungen machen können, zeigt sich derzeit in der Dominikanischen Republik. Einer krebskranken und schwan­geren 16-Jährigen wird bisher die Chemotherapie verweigert. Diese könnte zum (verbotenen) Ende der Schwanger­schaft führen – aus Angst vor möglichen Anklagen zögern die Ärzt_innen deshalb, so CNN.

Gruselalarm: Die taz berichtet über Anti­feminismus im italienisch-sprachigen Teil des Internets.

In Berlin-Kreuzberg geht die Gentrifizierung weiter. Eine die sich wehrt ist Nuriye Cengiz, die gerade erst eine rollstuhlgerechte Wohnung gefunden hat.

Diese Woche hatte außerdem einige ziemlich coole Teenager zu bieten. Die 17-Jährige Brittany Wenger hat ein Analyseprogramm entwickelt, dass die Brustkrebsdiagnose deutlich zuverlässiger macht. Drei Teenager aus New Jersey wollen bei der nächsten Fernsehdebatte der US-Prä­si­dent­schafts­kandidaten mindestens eine Moderatorin dabei haben. Und haben über 117.000 Unterschriften dafür gesammelt.

Seit einigen Jahren schon wurde statt über Larry Wachowski („Matrix“) über Lana Wachowski geschrieben. In der Werbung zu ihrem neuen Film „Cloud Atlas“ grüßt die Regisseurin nun neben ihrem Bruder und Tom Tykwer erst­mals ganz offiziell als Lana, berichtete die Huffington Post.

Noch ein Interview: Das Magazin der Süddeutschen Zeitung sprach mit der KZ-Überlebenden und späteren Professorin Ruth Klüger, die sich auch als „Feministin aus Notwendigkeit“ bezeichnet.

In Berlin hat letzte Woche das Ruby Tuesday Hip Hop und Rock Camp statt­ge­funden – der Tagesspiegel hat’s aufgeschrieben.

Um Frauen in der IT-Branche ging es im Sommerrätsel von Heises Hal Faber. Insgesamt zehn Frauen wurden gesucht – und gefunden.

Durch Waffen im Haus erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen ge­tötet werden (englisch). Besonders, wenn es in der Partner­schaft bereits zu häus­licher Gewalt kam.

Neue, erweiterte Beratungszeiten für Frauen, die Opfer sexualisierter Gewalt wurden, bietet der Verein Trotz Allem in Gütersloh nun an.

Termine und ein Praktikum in Berlin und Wolfenbüttel nach dem Klick: (mehr …)


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Gemeinsames Sorgerecht – die Sorge ums eigene Recht?

9. Juli 2012 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 50 von 59 der Serie Meine Meinung

Vor einigen Tagen hat das Bundeskabinett  den Gesetzentwurf zur Reform der elterlichen Sorge nicht miteinander verheirateter Eltern (heißt derzeit: eine Frau* und ein Mann*, die miteinander mindestens ein gemeinsam gezeugtes Kind haben) beschlossen. Bei unverheirateten Eltern liegt das Sorgerecht bisher automatisch bei der Mutter, für das gemeinsame Sorgerecht müssen die Eltern nach erfolgter Vaterschaftsanerkennung eine gemeinsame Erklärung beim Jugend- oder Standesamt abgeben. Dabei war bisher die Zustimmung der Mutter explizit erforderlich. Für den Vater soll es nun einfacher sein, auch dann gemeinsames Sorgerecht zu beantragen, wenn die Mutter des gemeinsamen Kindes das nicht möchte. Widerspruch ist nur innerhalb einer kurzen Zeitspanne und auch  nur dann möglich, wenn das Kindeswohl zur Debatte steht. Wenn es Streit um das Kindeswohl gibt, muss ein Familiengericht entscheiden.

Spontan könnte man ja jetzt erstmal denken: na, das ist doch prima – gemeinsames Sorgerecht, das klingt nach Fürsorge, Partizipation und Gleichberechtigung, und wenn ein Vater sich um sein Kind kümmern will, wer in aller Welt könnte etwas dagegen haben? In diese Kerbe schlagen auch die zahlreichen Medienkommentare, die den Beschluss als Meilenstein der Gleichberechtigung zugunsten der Väter preisen. Allerdings sollte man nicht übersehen, dass „Sorgerecht haben“, also vor allem das Recht und die Pflicht, bei bestimmten Entscheidungen, die das Kind betreffen, mitzureden, und „tatsächliches Kümmern“ nicht dasselbe sind und noch nicht einmal etwas miteinander zu tun haben müssen. Denn das Umgangsrecht besteht unabhängig vom Sorgerecht, auch ein Elternteil ohne Sorgerecht hat grundsätzlich das Recht auf, ja sogar die Pflicht zum Umgang mit seinen Kindern.

Auch bleibt die keineswegs rhetorische Frage, in wiefern eine verwalterische Zwangsmaßnahme den Weg zu einer guten familiären Lösung und befriedigenden Eltern-Kind-Beziehungen ebnen kann. Der Bundesverband alleinerziehender Mütter und Väter e.V. (VAMV) sieht den Beschluss entsprechend kritisch:

„Dass seit 1998 immer mehr nicht verheiratete Eltern gemeinsam die Verantwortung für ein Kind übernehmen wollen und dies durch eine übereinstimmende Sorgeerklärung ausdrücken, ist eine positive Entwicklung. Eine solche gemeinsame Entscheidung jedoch durch einen gerichtlichen Beschluss nach Aktenlage ohne Anhörung der Beteiligten zu ersetzen, ist der falsche Weg“, gibt [die Bundesvorsitzende des VAMV, Edith] Schwab zu bedenken. Denn geben nicht miteinander verheiratete Eltern keine gemeinsame Sorgeerklärung ab, sind oftmals Konflikte der Grund.  […] „Die Hoffnung, dass diese durch das gemeinsame Sorgerecht vermieden werden können, ist trügerisch. Im Gegenteil, eine Auseinandersetzung schürt das Streitpotenzial weiter“, befürchtet Schwab.  […] „Ein neues beschleunigtes Verfahren bei Sorgerechtsstreitigkeiten mit dem Ziel eines gemeinsamen Sorgerechts um jeden Preis geht ausgerechnet zu Lasten der Kinder, deren Eltern sich nicht einigen können“. (mehr …)


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Nicht nur der europäische Gerichtshof zementiert patriarchalisches Familienrecht

3. April 2012 von Jennifer

Ende März hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg die Beschwerden zweier Männer aus Deutschland (application no 45071/09 und application no. 23338/09) abgewiesen, die ihre Anerkennung als biologische Väter anstelle der Ehemänner der beiden Mütter juristisch durchsetzen wollten. Zuvor waren die beiden – der eine weiß sicher, dass er der Erzeuger einer Tochter ist, der andere ahnt und es und will deshalb einen Vaterschaftstest durchführen – mit ihrem Anliegen bereits vor deutschen Familiengerichten gescheitert. Denn noch immer gilt im deutschen Recht: Bringt eine verheiratete Frau ein Kind zur Welt, so ist juristisch gesehen ihr Ehemann der Vater – selbst wenn das Ehepaar schon lange getrennt lebt und alle Beteiligten wissen, dass das Kind von einem anderen Mann, dem biologischen Vater, gezeugt wurde.

Das Urteil der Straßburger RichterInnen bestätigt nun die bisherige deutsche Rechtsprechung: Es postuliert einen Schutz für die – zumindest vor dem Gesetz – weiterhin bestehende Familie aus miteinander verheirateten Eltern und Kindern. Als Grund führen die RichteR stets das Kindeswohl an, da in der Regel zu dem rechtlichen Vater, mit dem das Kind zusammengelebt hat oder sogar noch zusammenlebt, eine enge Bindung bestehe. Gleichwohl könnte dem tatsächlichen Vater ein gewisses Umgangsrecht zustehen. Dies müsse jedoch einzelfallbezogen geregelt werden.

Damit wir uns gleich richtig verstehen: Dass eine Rechtssprechung noch immer gilt, die schon seit Jahrhunderten den Ehemann zum absoluten Oberhaupt der Familie erklärt, der qua Ehering in letzter Konsequenz noch immer über die Kinder seiner Ehefrau bestimmen kann, ist schon absurd! Und um zu wissen, wie viel Leid ein solch einseitiger Begriff von Vaterschaft über die Beteiligten – und zwar ALLE Beteiligten! – bringen kann, reicht es, einmal Tolstois „Anna Karenina“ zu lesen (oder von mir aus eine der diversen Verfilmungen zu sehen).

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Körper(teile) und Kampagnen – die Blogschau

11. März 2012 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 154 von 295 der Serie Die Blogschau

Warum sie sich in letzter Zeit so selten auf die Waage gestellt hat und das auch weiterhin so handhaben wird, erzählt Mademoiselle Nocturne.

Trotz aller gelegentlichen Freude an sogenannter Trivialliteratur befindet Wort­wolke: Die bekannte Romanfigur Bridget Jones räkelt sich auf einem „Eisberg aus Homophobie, Sexismus, Rassismus und Rape Culture„. Herzlich Willkommen in der Blogosphäre!

Das Autonome FrauenLesben-Referat der Uni Frankfurt nimmt Stellung zum Ver­kauf des Instituts für vergleichende Irrelevanz an einen privaten Investor und ruft auf zur Unterstützung, damit die bisherige erfolgreiche Nutzung für die queer­femi­nistische, anti­sexistische Arbeit auch weiterhin möglich ist.
Privatisierung und Kommerzialisierung olé: Der Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf will das Unternehmerinnenzentrum und Atelierhaus Sigmaringer1 ver­kaufen. Dort herrscht nicht zuletzt Ärger darüber, dass im Zuge des Kampfes gegen den Verkaufs die Gründerinnen, Unternehmerinnen, Investorinnen und Mieterinnen in ihrer Leistungs­fähigkeit nicht ernst genommen und abgewertet würden: „Wir arbeiten vernetzt, kooperativ, hierarchiefrei – wir sind die Zukunft des Arbeitens. Und ich finde es deshalb hochgradig ärgerlich, dass man uns seitens des Bezirks behandelt, als wären wir Transfer­leistungs­empfängerinnen, die auf Wohltätigkeiten des Bezirks angewiesen ist.“

Ist nicht die ganze Welt ein Stillraum? Darf und soll frau überall stillen? Und wenn ja, will sie das überhaupt? Fragt feministmum sich und euch. (mehr …)


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Rocken, Lieben, Arbeiten – kurz verlinkt

15. Dezember 2011 von der Mädchenmannschaft

Die Haftpflichtbeiträge der Hebammen sind in den vergangenen Jahren bekanntlich deutlich gestiegen, 2012 werden sie fast das doppelte im Vergleich zu 2009 betragen. Bei den Verhandlungen mit den Krankenkassen sieht es dabei düster aus, so der Hebammenverband: Für Geburten im Geburtshaus bleibt alles wie es ist, für alle anderen Leistungen soll es nicht einmal 2 Prozent mehr Geld geben. Protestbriefe gibt es auf www.hebammenverband.de.

Das Ruby Tuesday Rock Camp 2012, ein einwöchiges Musik- Ferienlager in Berlin für 35 Mädchen von 12 bis 18 Jahren, zu supporten geht auch, ohne fragwürdige Banken und deren Anliegen zu bewerben –  hier der Spendenaufruf inklusive handlichem Spendenbutton.

Anlässlich der Veröffentlichung des Abschlussberichts des Runden Tisches Kindesmissbrauch hat der Verband alleinerziehender Mütter und Väter eine Pressemeldung (PDF) herausgegeben und zieht ein durchwachsenes Fazit.

Die Lausitzer Rundschau berichtet: „Ostdeutsche Frauen streben bei ihrer Rückkehr ins Berufsleben weitaus häufiger eine Vollzeitstelle an als westdeutsche Frauen. Während 80 Prozent der Frauen aus Ostdeutschland bei der Wiederaufnahme ihres Berufes eine Vollzeitstelle wollen, sind es in Westdeutschland weniger als 30 Prozent, wie aus einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervorgeht.“

Väter arbeiten offenbar im Durchschnitt wesentlich länger als kinderlose Männer.

Das ist doch voll schwul“ heißt eine Reportage in der ZDF Mediathek, in der drei Jugendliche über ihr Coming-Out berichten. (mehr …)


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