Einträge mit dem Tag ‘USA’

“It’s not a choice - it’s a child”

Tuesday, September 2nd, 2008 von Katrin

Sarah Palin In Amerika ist dieser Tage einiges Los: Nicht genug, dass Hurrikan “Gustav” den Golf von Mexiko erneut in Angst und Schrecken versetzt, nein, er bedrohte auch noch den Erfolg des Parteitags der Republikaner, der unglücklicher Weise gerade heute stattfindet. Aber die Partei weiß auch dieses Unglück für sich zu nutzen, wie Spiegel Online berichtet.

Einen viel größeren Wirbelsturm, nämlich einen der Irritation, löste die Nachricht aus, dass Bristol Palin, 17-jährige Tochter der Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin, schwanger sei. Brisant daran ist, dass Palin Senior als erzkonservative Abtreibungsgegnerin bekannt ist, deren Ernennung zur Kandidatin für den Vizepräsidentschaftsposten gerade von den stark religiösen Republikanern mit Freude aufgenommen wurde. Eben diese aber sind nun irritiert.

Doch Familie Palin hat sich schon einen guten Plan ausgedacht, diese Krise sprichwörtlich als Chance zu nutzen: Tochter Bristol werde natürlich das Kind austragen (geht ja auch gar nicht anders bei so konservativen Ansichten) und natürlich den Vater ehelichen. John McCain selbst setzte dem ganzen Schauspiel die Krone auf, indem er verkündete, dies sei ein Beleg für die Bodenständigkeit der Familie Palin, die eben eine “Amerikanische Familie” sei (siehe Spiegel-Artikel).

Noch schöner ist der in einem Bericht des Britischen Guardian veröffentlichte Kommentar einer Sprecherin der Republican National Coalition for Life, Jessica Erchard:

The pregnancy made the family “real” to voters. “It will resonate with women voters because they’ll say, ‘That happened to me, that happened to someone down the street’,” she said.

Die Republikaner schaffen es nicht nur, den Hurrikan für sich auszuschlachten, sie versuchen dies sogar mit dieser absolut privaten Geschichte. Sarah Palin gelingt es dabei sehr gut, das alles unter einen Hut zu bringen, denn Gott sei Dank spielt die Tochter das Schmierentheater brav mit. Palin stolz:

“Our beautiful daughter Bristol came to us with news that as parents we knew would make her grow up faster than we had ever planned. As Bristol faces the responsibilities of adulthood, she knows she has our unconditional love and support.”

Was aber die 17-jährige Bristol von all dem hält, kann man nur vermuten (wie es auch Viktoria in ihrem Blog sehr treffend beschreibt). Ganz nach dem Motto: “Es kann nicht sein, was nicht sein darf” wird ihr sicher zu keiner Sekunde eine eigene Entscheidung offen gestanden haben. Geschweige denn ihrem zukünftigem Ehegatten Levi Johnston: Der verkündete jüngst auf seiner MySpace-Seite (not available anymore), dass er in einer Beziehung sei und keine Kinder wolle. [Achtung Zynismus:] Hoffentlich bekommt er wenigstens ein gutes Sümmchen für sein Parieren. [Zynismus aus]
Das alles ist einfach:

Ohne Worte.

(Bild über Wikimedia Commons)

Danke Kapitalismus. Endlich dürfen auch Chinesinnen in ihrer Freizeit Stripperin spielen

Saturday, July 26th, 2008 von Meredith

Jawoll. Niemand hält den Westen auf. Der US-amerikanische Dauertrend im Hausfrauen-Fitnessprogramm geht ja bekanntlich seit einigen Jahren um die Stange. Pole Dancing ist das Stichwort, also die erotisierende Kunst, eine Eisenstange anzumachen. Seit ein paar Jahren werden in den Sportzentren und Volkshochschulen ganz Amerikalands Kurse angeboten, wo Frauen genau das tun, um sich fit zu halten. Und sich dabei total sexy zu fühlen, weil das die allerwichtigste Sache beim Sport ist! Ich meine: Joggen, Tennis, Basketball – da schwitzt man ja, und wer will das schon? Denn Schweiss ist NICHT sexy und bringt die eigenen Geschlechtsmerkmale auf keine vorteilhafte Art zur Geltung. Klar haben die meisten dieser Frauen niemals eine Tabledance-Bar betreten und würden ihre Geld nicht im Sex-Gewerbe verdienen. Wie gesagt, sie sind meist Hausfrauen oder Karriereladies, glauben aber, dass Berufsstripperinnen den besten Job und den meisten Spass am Leben haben.

Wer einen guten Abriss zu dem Thema lesen will, schaue in Ariel Levys hervorragendes Buch “Female Chauvinist Pigs”.

Nun schreibt die New York Times heute in einer ausführlichen Reportage, dass sich immer mehr Chinesinnen nicht davon abhalten lassen wollen, halbnackt an Stangen herum zu turnen. Genau wie in USA verlangt die Seele der chinesischen Bankfilalleiterin danach, sich nach Feierabend Lackstiefel und eine kleine Hose zu werfen und eine Stange rauf und runter zu rutschen. Zugegeben – in China gibt es keine Rotlicht-Tabledance-Kultur, weswegen die spreitzbeinige Stangenakkrobatik vielen Chinesen möglicherweise eher seltsam als sexy erscheint. Die Chinesen, schreibt die New York Times, haben traditionell nämlich eine eher repressive Sexualkultur, sie reden und schreiben nicht so gerne vom Geschlechtsverkehr und sie zitieren auch nicht bei jeder noch so miesen Gelegenheit Pornografie. Aber keine Sorgen, das treiben wir ihnen auch noch aus. Chinas Bruttosozialprodukt muss wachsen und es wird wachsen und bald werden wir aus China mit Sicherheit auch die ersten Amateur-Pornos sehen – wenn das mit der Demokratie schon nicht klappt.

P.S.: Ich bitte die fehlenden scharfen S zu entschuldigen, sowas gibt es in USA nicht und da halte ich mich gerade auf. Aber immerhin: Umlaute!

Wetlands

Thursday, July 3rd, 2008 von Susanne

Unsere Leserin Sarah hat uns eine Presseschau (PDF-Download, 320 KB) zusammengestellt, und zwar wie Charlotte Roches Roman “Feuchtgebiete” in den USA besprochen und eingeordnet wird. Es ist nicht nur beeindruckend, wie heftig die US-amerikanischen Medien auf das Thema anspringen, sondern auch spannend zu lesen, wie die aufgeregte deutsche Debatte mit ein paar Kilometern Abstand wirkt und welche Gedanken sich die Autorinnen und Autoren auf der anderen Seite des Ozeans über den erstaunlichen Erfolg des Buches machen.

Vielen Dank an Sarah für die Mühe!

Die Übermütter

Thursday, June 26th, 2008 von Barbara

(c) Flickr Mütter wollen die Chefinnen der Abteilung Babybetreuung sein. Das zumindest könnte man einer Studie der Universität von Ohio nachsagen.

When a mother criticized her partner’s child-care efforts, it often caused him to lose confidence, and even withdraw from caring for the baby. But when a mom praised dad’s efforts, he took a more active parenting role.

Ein Grund dafür sei der große Druck, der auf den Müttern laste, erklärte Co-Autorin Sarah Schoppe-Sullivan von der Ohio State University. Wenn Mütter eh schon für alles verantwortlich gemacht werden, dann möchten sie auch die Verantwortung für alles tragen. Für die Studie wurden 97 Paare beobachtet; ihre Vorstellung über die Aufteilung der Babybetreuung wurde ab dem letzten Drittel der Schwangerschaft abgefragt - und die Realisierung dann drei, vier Monate nach der Geburt des Kindes überprüft. Dass “Vater von Mutters Gnaden” abhänge, wie Focus die Studie beurteilt, ist eine Fehlinterpretation der Ergebnisse. Besser ist eine Neuverteilung der Verantwortung, die Beschreitung des vielleicht nicht so gewohnten und bequemen Wegs. Das meint auch Father-Forscher und Autor Jeremy Adam Smith in seinem Blog:

“Men are evolving, but society, business, and government still drag their collective feet. This breeds unhappiness as well as lawsuits–but perhaps one day we will have the policies that will help us to be the fathers we need and want to be.”

Pöbeleien in die Frauenecke

Thursday, June 19th, 2008 von Barbara

Dass die Zeit Hillary Clinton als “Frau der Zukunft” sieht, haben wir hier bereits vermeldet. Nun wird sie auch als Feministin erkannt, und zwar im Moment ihres Abschieds vom Traum der Präsidentin: Unter dem Titel “Die Frauenecke”, Untertitel “Erst bei ihrem Abschied bekennt sich Hillary zum Feminismus” schreibt Martin Klingst am 12. Juni 2008:

Es schien, als wollte sie die Außergewöhnlichkeit ihrer Kandidatur verschweigen, als raunte ihr eine innere Stimme zu: Hillary, lass dich bloß nicht in die Frauenecke drängen. Auch Barack Obama vermied es, seine Einzigartigkeit herauszustellen. Doch die Medien übernahmen diesen Part, während sie Clinton diese Auszeichnung zumeist verweigerten.

Stoßen mir doch die Begriffe Einzigartigkeit im Zusammenhang mit Hautfarbe und Auszeichnung im Zusammenhang mit Geschlecht etwas auf, möchte ich mal wieder das berühmte Zitat der italienischen Frauenrechtlerin Agata Capiello anbringen:

Die Gleichberechtigung in Italien ist erst dann erreicht, wenn auch einmal eine total unfähige Frau in eine verantwortliche Position aufgerückt ist.

Michelle Obama Watch

Wednesday, June 18th, 2008 von Susanne

Jetzt, wo Barack Obama der Kandidat der Demokraten für das Amt des US-amerikanischen Präsidenten ist, rückt auch seine Frau Michelle weiter in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Michelle Obama ist eine erfolgreiche Anwältin und Feministinnen machten sich schon während der Vorwahlen so ihre Gedanken: nämlich was wohl mit ihr passiert, würde ihr Mann Präsident. Würde das amerikanische Volk nicht verlangen, dass die First Lady ihren Beruf aufgibt, um ihrem Mann den Rücken freizuhalten? Für den Wahlkampf hat sie bereits eine Auszeit genommen - die erste ihrer Karriere.

Das Blog “Michelle Obama Watch” wurde ins Leben gerufen, um die Medienberichterstattung zu Michelle Obama kritisch zu beobachten und zu dokumentieren. Denn mehr als John McCains Ehefrau ist Michelle Obama eine für die Medien interessante Figur: Sie ist selbstständig, engagiert, mit einer eigenständigen Persönlichkeit unabhängig von ihrem Ehemann. Was manche US-amerikanische Medien dazu verleiten zu scheint, sie genauso wie den Kandidaten selbst unter die Lupe zu nehmen. Und bei der Berichterstattung auch gerne mal übers Ziel hinauszuschießen - zum Beispiel als Michelle und Barack Obamas “fist bump” als “terroristische Geste” interpretiert wurde.

Dieses Blog wird auf jeden Fall in den nächsten Monaten regelmäßige Besuche wert sein. Und die Betreiber der Webseite freuen sich über jede und jeden, die bzw. der mitarbeiten möchte, zum Beispiel die europäische Berichterstattung im Auge behalten und über Merwürdigkeiten informieren.

Über Feministe.us

Die Frau der Zukunft

Sunday, May 18th, 2008 von Barbara

(c) hillaryclinton.com In der aktuellen Ausgabe der Zeit schreibt Patrik Schwarz über Hillary Clinton. Sie habe den Weg für eine Frau als Präsidentin der Vereinigten Staaten geebnet, und sei nun “nach Angela Merkel - zu einer der mächtigsten Frauen der Welt aufgestiegen”. Obwohl sie wohl die Wahlschlacht verloren habe, hätte das nicht daran gelegen, “dass Clinton eine Frau ist”. Im Wahlkampf hätte sie das eher unter den Tisch fallen lassen:

“Es ist das Bild, mit dem schon Golda Meir als israelische Ministerpräsidentin in den siebziger Jahren reüssierte und dem Margaret Thatcher schließlich in den achtziger Jahren zum ikonografischen Durchbruch verhalf: Als Eiserne Lady ist die Frau ein Mann unter Männer oder - wie es in diesen Fällen gern heißt - “der einzige Mann im Kabinett”. Dieser vermeintlichen Aufwertung liegt am Ende doch eine Geringschätzung zugrunde: Nicht als Frau, nur als Mann kann eine Frau in der Politik reüssieren.”

Dieses Problem kenne auch Angela Merkel, die ihr Frausein aber einfach hinter ihrer Position verschwinden ließ. Umso aufgeregter war dann die Öffentlichtkeit, als kürzlich über Merkels Dekolleté ihr Geschlecht wieder zutage trat. Merkel habe wie Clinton ihre Macht geborgt, die eine vom Übervater, die andere vom Ehemann. Und dann schließt der Artikel quasi geschlechterübergreifend:

“Sollte im Herbst Barack Obama ins Weiße Haus einziehen, wäre die Ironie perfekt. Wie man als Frau der Zukunft gewinnt, hätte dann ein Mann vorgemacht: weder als Opfer noch als Macho.”

Er: Hengst. Sie: Flittchen.

Saturday, May 17th, 2008 von Susanne

Jessica Valenti, Autorin von “Full Frontal Feminism” hat ein neues Buch geschrieben. Es hört auf den eingängigen Namen “He’s A Stud, She’s A Slut and 49 Other Double Standards Every Woman Should Know” - dreht sich also um die amerikanische Doppelmoral in Sachen weiblicher Sexualität.

Das nur auf die Schnelle für alle Valenti-Fans, die schon sehnsüchtig auf Buch Nr. 2 gewartet haben. Bei Feministing.com kann man schon mal reinlesen. Eine ausführliche Besprechung folgt demnächst in unserer Feministischen Bibliothek.

Oh. My. God.

Wednesday, April 16th, 2008 von Susanne

Nur mal 5 Minuten auf feministing.com verbracht und schon wieder schlappgelacht. Die Amis sind manchmal echt so geil.

Brüller Nr. 1:

Oookay! Klar, das hat die Welt gebraucht. Ein Kinderbuch, das Kindern erklärt, warum sich Mami die Nase hat korrigieren und den Bauch straffen lassen.

Brüller Nr. 2:

Eine Fernsehsendung namens “Bulging Brides” - mal leger als “Wulstige Bräute” übersetzbar.

In dieser Reality Show kaufen sich Bräute ihr Hochzeitskleid zwei Nummern zu klein und werden dann gedrillt, damit sie da auch reinpassen. Der Untertitel der Show verspricht ja auch “Der perfekte Tag ist noch einige Pfunde entfernt”. Und hier kann man in den Dumpfsinn reinschauen:

So, ham wa alle ordentlich gelacht. Schönen Abend noch! Bis morgen.

(Bilder über feministing.com)

Und noch mal “Juno”

Wednesday, February 20th, 2008 von Susanne

Auf jetzt.de gibt es ein schönes Interview mit Diablo Cody, die das Drehbuch zum Oscar-nominierten Film geschrieben hat und reichlich erstaunt war, wie ihre Geschichte riesen Wirbel unter amerikanischen Abtreibungsgegnern und -befürwortern sorgte.

(Foto über jetzt.de)