Einträge mit dem Tag ‘USA’


Trump im Weißen Haus und Hunderttausende auf den Straßen #WomensMarch

20. Januar 2017 von Magda

Heute steht die Amtseinführung des 45. Präsidenten der USA an, Donald J. Trump. Das sollte nicht das wichtigste Ereignis dieser Woche bleiben, denn nur einen Tag später – morgen! – am 21. Januar, finden der Women’s March in Washington D.C und über 600 so genannte Sister Marches statt, die weltweit Hunderttausende (vielleicht Millionen?) von Menschen auf die Straße bringen werden und genau jene menschenfeindlichen Positionen kritisieren, die Trump verkörpert. Am ersten Tag der neuen Regierung soll die klare Botschaft gesendet werden, „dass Frauenrechte Menschenrechte sind“, so das Organisationsteam. Auch in Deutschland formierten sich Gruppen (teilweise Facebook-Links):

Nach Kritiken an dem ursprünglichen Namen für die Veranstaltung (Million Women’s March und später March on Washington) sowie der Zusammensetzung der Organisationsgruppe (anfänglich ausschließlich weiße Frauen), findet sich heute sowohl im Team als auch innerhalb der politischen Forderungen ein intersektionaler Anspruch wider. Zu den Hauptorganisierenden gehören erfahrene Aktivistinnen, die sich gegen Polizeigewalt, Masseninhaftierungen und für Gewaltprävention und eine umfassende Gesundheitsversorgung einsetzen.

Die Zustimmung kommt aus den unterschiedlichsten Ecken: So unterstützen den Women’s March in den USA Künstler_innen wie Beyoncé, Harry Belafonte und Katy Perry; Schauspieler_innen und TV-Persönlichkeiten wie Scarlett Johansson, Uzo Aduba und Melissa Harris-Perry; Autor_innen und Wissenschaftler_innen wie Angela Davis und Janet Mock (mit einer Kritik an der gelöschten Solidaritätsbekundung für Sexarbeiter_innen) sowie zahlreiche Politiker_innen, Aktivist_innen und eine lange Reihe an Partnerorganisationen wie zum Beispiel Planned Parenthood.

Die politischen Forderungen berühren unterschiedliche gesellschaftliche Bereiche: Gefordert wird ein Ende geschlechtsspezifischer Gewalt sowie Polizeigewalt und des Strafjustizsystems wie es heute existiert; reproduktive Rechte sowie HIV-Prävention und eine umfassende Sexualerziehung; körperliche Selbstbestimmung von LGBTQIA; Lohngleichheit, eine umfassende Gesundheitsversorgung, Mindestlöhne und die Möglichkeit zur gewerkschaftlichen Organisation für alle; uneingeschränktes Wahlrecht, Redefreiheit und ein Equal Rights Amendment zur US-amerikanischen Verfassung; Barrierefreiheit; Rechte für Einwanderer_innen und Geflüchtete; sowie Zugang zu sauberem Trinkwasser und Nutzung öffentlichen Landes für alle.

Die Demo ist nicht die einzige Aktion, die geplant ist: Bereits einen Tag später organisiert der Woman’s March mit einer ihrer Partnerorganisationen einen Workshop mit rund 500 Frauen, die selbst in die Politik gehen möchten, getreu dem Motto: „Don’t just march, run (for office)!“

Die Vorgeschichte der Demonstration, die politischen Konflikte darüber, welche Themen Teil der Forderungen sind (und welche nicht) sowie die politische Ausrichtung einiger Sister Marches, die beispielsweise antirassistische Perspektiven ignorieren bzw. gar verhindern – wie zum Beispiel im Zuge der Organisation des Women’s March in Portland, OR – generieren weiterhin öffentliche Kritik. Das gemeinsame Engagement für breite Allianzen mit klaren politischen Positionen, die die unterschiedlichen Lebensrealitäten von Frauen mitdenken, ist kein Automatismus, sondern bleibt Teil lokaler Aushandlungsprozesse.

Was bleibt, ist Protest,“ schrieb ich nach der US-amerikanischen Wahl im November des letzten Jahres. Mit dem Women’s March am 21. Januar 2017 wird der erste Massenprotest stattfinden, der in Trumps Amtzeit fällt. Es wird nicht der letzte sein.


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Was bleibt, ist Protest.

11. November 2016 von Magda

Bei der Präsidentschaftswahl in den USA zitterten nicht nur US-Amerikaner_innen. Die Welt schaute zu, wie ein von der KKK gefeierter frauen- und queerfeindlicher Rassist ins Weiße Haus gewählt wurde. Die New York Times veröffentlichte schon vor Monaten eine stets aktualisierte Liste von über 280 Menschen, Orten oder Dingen, die Donald Trump auf Twitter beleidigte und diskriminierte (während Melania Trump nun gegen Mobbing im Netz kämpfen möchte…).

Das Ergebnis

Die ernüchternden Fakten nach der Wahl am 8. November: Auf die Bevölkerung hochgerechnet hat 25,5% der US-Wähler_innen Trump gewählt, 25,6% Hillary Clinton, 46,9% der US-Amerikaner_innen wählte gar nicht, 1,7% für den unabhängigen Kandidaten Johnson (Quelle: United States Election Project). Obwohl Clinton insgesamt mehr Stimmen erhielt, gewinnt Trump. Warum? Weil US-Präsidenten (die männliche Form bleibt weiterhin Realität) indirekt gewählt werden, und zwar durch Wahlleute (meist „Wahlmänner“ genannt). Die Wahlergebnisse in den einzelnen US-Bundesstaaten bestimmen, für welche Kandidatin oder Kandidaten die Wahlleute des jeweiligen Staates stimmen müssen. Entscheidend sind meist die großen Staaten, da die Anzahl der Wahlleute von der Bevölkerungszahl des einzelnen Bundesstaates abhängt. Wer diese gewinnt, gewinnt die Mehrzahl der Wahlleute, auch wenn die absolute Anzahl der Stimmen – wie im Fall Clinton/Trump – ein anderes Ergebnis bedeuten würde.

Screenshot: Hillary Clinton's Full Concession Speech | NBC News

Screenshot: Hillary Clinton’s Full Concession Speech | NBC News

Die Zahlen und Analysen

(mehr …)


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Fat Underground – Aktivismus gegen Dickenhass in den 1970ern

26. August 2016 von Magda
Dieser Text ist Teil 41 von 43 der Serie (Mein) Fett ist politisch

Als Aktivist_in ist es hin und wieder hilfreich, sich mit Geschichte zu befassen: Wir sind nicht die ersten, die auf gesellschaftliche Missstände hinweisen und andere vor uns haben analysiert, diskutiert und gekämpft.

Eine der Aktivist_innen im Bereich dicker Diskriminierung und Empowerment, die unermüdlich auf aktivistische Geschichte aufmerksam macht, ist die britische Therapeutin und Aktivistin Dr. Charlotte Cooper. Mit ihrer Serie „100 Fat Activists“ stellt sie Akteur_innen, Gruppen, mediale Erzeugnisse etc. vor, um dickenaktivistische Geschichte einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Kürzlich veröffentlichte sie einen Beitrag über die Gruppe Fat Underground, eine Gruppe von dicken_fetten feministischen Aktivist_innen, die sich Anfang der 1970er Jahren in Kalifornien, USA, gründete. Nun hat Charlotte Cooper ein Video entdeckt und auf YouTube hochgeladen, was hoffentlich nicht so schnell verschwindet.

In dem Video sehen und hören wir die Aktivistinnen von Fat Underground, die u.a. Themen besprechen, die auch heute noch dringlich und aktuell, teilweise verschärft sind: Angesprochen werden Diskriminierung und Ignoranz von Ärzt_innen und engsten Verwandten sowie die US-amerikanische Diätindustrie, die damals nach Aussage einer Aktivistin ein Umsatzvolumen von 16-21 Milliarden Euro pro Jahr hatte (heute bereits über 65 Milliarden).

Spannend am Video sind die Erzählungen der von den Aktivistinnen durchlaufenden Prozesse: Alle berichten von diskriminierenden und demütigenden Erlebnissen (hier auch der Hinweis, dass im Video über den katastrophalen Umgang mit Betroffenen sexualisierter Gewalt berichtet wird). Daraufhin begannen die Aktivistinnen, sich über Körpergewicht, Gesundheit, möglichen Krankheiten und Diäten zu informieren und fanden Studien und Texte, die das ärztliche (Un-)Wissen zu Dicksein in Frage stellte: Die eigene Gesundheit und das Wohlbefinden sind nicht zwangsläufig vom Gewicht abhängig und Diäten sind weder eine Lösung, noch der Gesundheit besonders zuträglich. So begannen die Frauen Unterstützungsgruppen zu bilden, um sich Wissen anzueignen und sich gegenseitig zu bestärken. Außerdem planten sie Aktionen, zum Beispiel anlässlich des Todes von Cass Elliott, die nach Sicht der Aktivistinnen eines der bekanntesten Opfer der Diätindustrie gewesen sein soll.

Die Aktivistinnen präsentieren Analysen zu den Verschränkungen von Dickendiskriminierung, Kapitalismus und Sexismus. Ein gutes Stück aktivistische Geschichte!

Screenshot Fat Underground

Screenshot des englischsprachigen Films „Fat Underground“ (1979) über die gleichnamige fettpositive und feministische Gruppe. Ein Film von Marge Dean, gefilmt in Los Angeles inklusive einiger Szenen von Shirl Buss von 1975. Mit einem Klick auf’s Bild gelangst du zum YouTube-Video: Dean, M. and Buss, S. (1979). Fat Underground

 


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Frauen im Sport, der Superfeminist des Jahres und Körperwahrnehmungen – die Blogschau

16. April 2016 von accalmie
Dieser Text ist Teil 1 von 295 der Serie Die Blogschau
CC: Dino Gravato.

CC: Dino Gravato.

Anlässlich des 200. Geburtstages von Ada Lovelace gibt es momentan eine Sonderausstellung im Paderborner Heinz Nixdorf Museums-Forum. Die femgeeks berichten: „Die Ausstellung ist nicht nur sehr interessant und gut gemacht, sondern sie ist auch bitter nötig, wenn man sich den Rest des dortigen Computermuseums anschaut: Zwei riesige Etagen mit Exponaten und Biografien, die männliche Geschichte(n) erzählen.“

„es hat sich was verändert, fast ohne dass ich es merkte. mein körper ist nicht mehr so sehr mein feind. auch wenn er nicht funktioniert. auch wenn etwas weh tut,“ konstatiert bluespunk in „my body is not my enemy.“

Diaspora Reflektionen schreibt an/über ihren Bruder, (unterschiedliche) Diskriminierungserfahrungen und Solidarität.

Erstmalig wurde der Preis für den „Superfeministen des Jahres“ vergeben – A++ Ranting hält die Laudatio.

Beim Blog der Feministischen Studien geht es um Frauen im Civil Rights Movement der USA und um die Intersektionalität von #BlackLivesMatter.

„Hätte die Entstehung fester Strukturen in der Naziszene ohne den Verfassungsschutz vielleicht sogar verhindert werden können? Vieles deutet darauf hin,“ kommentiert der Freitag.

„Wie wir unser Eltern-Baby-Zentrum gründeten“ – einen „utopischen Rückblick“ gibt Antonia bei umstandslos.

Bald mit eigener Webseite, jetzt jedoch schon auf Facebook gestartet: SportFrauen widmet sich allen Themen und Nachrichten, die sich um Frauen im/und Sport drehen.

„Sechsunddreißig“ – Melanie denkt bei glücklich scheitern über den Geburtstag, Lebenswege und Lernprozesse nach. (Happy Birthday :)!)

Habt ihr diese Woche etwas geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blog etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Regelmäßig verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.


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Ke$ha, Comics von und für Frauen und Kartoffel-Ein-Mal-Eins – kurz verlinkt

25. Februar 2016 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 309 von 351 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Links

Magda möchte eine Liste mit Aktivist_innen zusammenstellen, die sich mit Körpernormen und Dickendiskriminierung kritisch auseinandersetzen, um Journalist_innen und Veranstalter_innen eine Auswahl an Menschen in dem Feld zu präsentieren. Willst du mit auf die Liste?
Dann sende folgende Infos an magda(at)maedchenmannschaft(punkt)net: Name / Stadt / Themen / Website bzw. Kontakt/ Du  machst gerne: (Interviews, Workshops…).

Im Jahr 1934 wurden als  jüdisch definierte Namen aus dem phonetischen Alphabet in Deutschland gestrichen. Fortan hieß es: „N wie Nordpol“ statt „N wie Nathan“. Und das ist bekanntlich auch heute noch so…

Hengameh hat jetzt auch eine taz-Kolumne mit dem Titel „Habibitus“ und erklärt in der ersten Ausgabe noch einmal ganz langsam, warum „Kartoffel“ kein rassistischer Ausdruck ist.

In einer weiteren taz-Kolumne („Deutschland, was geht?“) schreibt Nemi El-Hassan: „Ich bin auch so wütend, weil ich meine Eltern in dem Bus von Clausnitz sehe. Wenn ich eines weiß, dann, dass wir alle kollektiv dafür verantwortlich sind, dass Ausschreitungen wie die von Clausnitz ein für alle Mal der Vergangenheit angehören müssen. Sonst haben wir in zwanzig Jahren nichts gelernt.“

Englischsprachige Links

Neela Goshan schreibt bei der Huffington Post über die Präsentation der Studie „Research on the Lived Realities of Lesbian, Bisexual and Queer Women in Kenya“ der Gay and Lesbian Coalition of Kenya (GALCK).

(c) Ed Rhee

(c) Ed Rhee

Warum alle Feminist_innen sich für Kesha interessieren sollten, erklärt Najva Sol bei APW. CBC berichtet vom Gerichtsverfahren um Keshas Vertrag mit Sony und dem Produzenten „Dr. Luke“, dem Kesha sexualisierte und psychische Gewalt vorwirft. Warum Kesha nicht einfach ein Mixtipe veröffentlichen kann und was das über Veträge in der Musikindustrie aussagt, fasste bereits 2015 The Verge zusammen. „#FreeKesha but don’t forget the other women silenced by fear,“ kommentiert Harriet Minter dazu in The Guardian.

„Pro-Life“ ist ein Euphemismus. Wie Think Progress berichtet, gibt es für den Browser Chrome nun eine Erweiterung, die jede Erwähnung von „Pro Life“ in das korrekte „Anti Choice“ ändert.

Bernie Sanders oder Hillary Clinton? Im Prozess der US-amerikanischen Vorwahlen der Demokratischen Partei bezüglich der Präsidentschaftskandidat_innen lautet die Antwort für Schwarze Feminist_innen oft „weder noch“. Warum, zeigt MSNBC.

Beim neuen Podcast von Black Girl Dangerous geht es unter anderem um Beyoncés Super-Bowl- und Kendrick Lamars Grammy-Auftritte – das Transkript findet ihr hier.

Ihr steht auf feministische Comics? „The Complete Wimmen’s Comix“ ist ein über 700-seitiges Comics-Set, mit Werken unter anderem von Trina Robbins, Aline Kominsky-Crumb, Lee Marrs, Alison Bechdel, Willy Mendes, “Hurricane Nancy” Kalish, Malinda Gebbie, Mary Fleener, und Dori Seda. Autostraddle stellt das Sammelwerk vor.

Hammer: Zum Black History Month war die 106-jährige Virginia McLaurin zu Gast im Weißen Haus und veranstaltete eine spontane 30-Second-Dance-Party:

Termine

Auch in diesem Jahr stellen wir für den Frauenkampftag am 8. März Termine in Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen. Ihr wisst schon von Veranstaltungen/Demos/Screenings/Parties, etc., veranstaltet selbst welche oder habt sonstige Tipps? Dann ab damit in die Kommentare – danke!


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Gloria Steinem, Hillary Clinton und die politischen Entscheidungen ‚junger Frauen‘

9. Februar 2016 von Charlott

Im November finden in den USA die nächsten Präsidentschaftswahlen statt. Seit Beginn dieses Monats laufen die Vorwahlen, bei denen über die Kandidat_innen innerhalb der Parteien entschieden wird. Dabei offenbaren sich natürlich auch die unterschiedlichsten Lager. Im Kreise der Demokrat_innen wird in erster Linie diskutiert: Hillary Clinton oder Bernie Sanders.

Gloria Steinem, Gründerin des feministischen Ms. Magazines, hat sich klar hinter Clinton gestellt, und nun in einem Interview in der Bill Maher Show verlautbaren lassen, dass junge Frauen, welche für Sanders eintreten, dies ausschließlich täten, da in diesem Lager die Männer/ „boys“ sind. (Im gleichen Interview äußerte sie sich zudem transfeindlich…)

Und auch wenn Steinem mittlerweile auf Facebook sagte, dass sie das alles so natürlich nie gemeint hätte – die Aussage hat ihre Runden gemacht. Und sie ist auf verschiedenen Ebenen gefährlich (und passt allzu gut in – nicht nur US-amerikanische – Vorstellungen, wie Frauen zu Politik zu verorten sind). Zum einen spricht sie sehr vielen ‚jungen Frauen‘ (wer auch immer genau damit gemeint ist) ihre politische Eigenständigkeit ab; die Aussage ist zum anderen hetero_sexistisch und paternalistisch. Sie wiederholt ein klassisches Bild von Frauen, die keine eigenen Meinungen haben und ausschließlich im Bezug auf Männer handeln.

Darüber hinaus aber ist es nur eine weitere Aussage, die das Ablehnen von Hillary Clinton als valide politische Entscheidung negiert. Dabei heißt es dann auch schnell: Wer gegen Clinton ist, der_die ist dies mit Sicherheit aus Sexismus. Wenn aber nicht differenziert werden kann zwischen sexistischen/ misogynen Angriffen gegen Clinton, die es natürlich gibt, und beispielsweise feministische/ anti-rassistische Kritik an Inhalten, bleibt deutlich, dass eine wirkliche Auseinandersetzung unerwünscht ist. (Um die Wahlen 2008 schrieb Steinem übrigens in einer Kolumne , dass sie nicht für Obama sei (sondern für Clinton), da Schwarze Männer das Wahlrecht vor Frauen erhalten hätten und ja besser als Frauen (ohne jegliche Differenzierungen) Machtpositionen eingenommen haben.)

Und Kritiken gibt es ebenfalls an Sanders – denn auch nicht alle ‚jungen Frauen‘ die Clinton kritisieren, landen bei ihm. Und auch nicht alle ‚älteren Frauen‘ (und Menschen anderer Gender). Denn auch hier perpetuiert Steinem das Klischee, dass sich politische Positionen (oder in ihren Worten ja noch mehr das tatsächliche Haben von politischen Positionen vs. dem Nachrennen von Männern) in erster Linie an Generationen festmachen und nicht etwa an komplexeren Situierungen, Lebenserfahrungen und Politisierungsprozessen. Steinem betonte zu dem im Interview, dass ältere Frauen radikaler seien, da Frauen mit dem Alter an Macht verlieren. Eine Aussage, die gerade zu zynisch erscheint, wenn dann ein Dreigespann von Steinem, Clinton und Madeleine Albright, drei weißen älteren Frauen mit sehr wohl Zugang zu bestimmter Macht, auftritt. Denn auch Albright nutzte das Wochenende um ‚junge Frauen‘ zu maßregeln, die sich nicht hinter Clinton stellen: „There’s a special place in hell for women who don’t help each other!“ („Es gibt einen speziellen Platz in der Hölle für Frauen, die einander nicht helfen!“) Und damit wären wir wieder bei einer allseits beliebten Feminimusfrage: Wer verlangt eigentlich Solidarität von wem?


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Julian Assange und sein „Freiheitsentzug“

5. Februar 2016 von accalmie

[Inhaltshinweis: Rape Culture]

Es ist nicht auszuhalten. Wie tagesschau.de berichtet, haben „UN-Rechtsexperten“ die „jahrelange Botschaftszuflucht des Wikileaks-Gründers“ in der Botschaft Ecuadors in London als „unrechtmäßig eingestuft.“ Assange müsse sich frei bewegen können, so die „Arbeitsgruppe über willkürliche Verhaftungen,“ und Assange könne Schadensersatz für seinen „Freiheitsentzug“ fordern.

Darf ich kurz fragen: Wir vergessen dabei einfach, dass Julian Assange in die ecuadorianische Botschaft „floh,“ um einer erneuten Befragung zu den Vergewaltigungsanzeigen gegen ihn in Schweden zu entkommen? Julian Assange ist also nun das eigentliche Opfer, obwohl er derjenige war, der Hals über Kopf Schweden verließ, um nicht noch einmal persönlich von der Polizei zu den Vorwürfen sexualisierter Gewalt gegen mindestens zwei Frauen befragt zu werden?

Vor über drei Jahren schrieb ich in einem Blogpost: „Es wurde noch nicht einmal Anklage gegen Assange erhoben bisher. Es geht darum, dass die Polizei ihn auffordert, sich noch einmal befragen zu lassen, woraufhin er eiligst Schweden verließ und nun seine Anwält_innen und Anhänger_innen ein sexistisches „Die CIA hat mich verführt“-Narrativ spinnen lässt in einer Situation, in der es darum geht, dass er zwei Frauen vergewaltigt haben soll. Assange soll gesagt haben, dass Schweden „das Saudi-Arabien des Feminismus“ sei und er das eigentliche Opfer.“

Man kann hier auch anmerken, dass Assange nie die Erzählungen der Frauen, die ihn anklagten, direkt verneinte. Ein Anwalt behauptete, es handele sich bei seiner Verhaltensweise zwar um „Respektlosigkeit“, aber nicht um sexualisierte Gewalt. Offenbar geht Assange (und Fans) davon aus, dass, wenn man einmal „Ja“ zu Sex mit ihm sagt, dieses Einverständnis für immer und für alles gilt, ob man dabei bewusstlos ist oder nicht, ob man dabei körperlich überwältigt wird oder nicht.

Dabei wird Wikileaks benutzt als Quasi-Absolution für seine Handlungen, statt zu erkennen, dass es hier nicht um sein politisches Projekt, sondern um die Person Assange geht; um seine persönlichen Entscheidungen, für die er verantwortlich ist. Weil eine Auslieferung in die USA drohe, dürfe man Assange also nicht für seine persönlichen Entscheidungen haftbar machen – es gehe um das große Ganze. Eine dieser Entscheidungen könnte allerdings gewesen sein, zwei Frauen zu vergewaltigen und dann aus Schweden zu fliehen, bevor er dafür – was, wie wir wissen, sowieso selten geschieht – rechtlich belangt hätte werden können. Eine weitere persönliche Entscheidung Assanges war, sich dann als das „Opfer“ eines „radikalen Feminismus“ zu stilisieren und so zu tun, als sei er ein politischer Geflüchteter aus Australien, der von dem rechtlosen Staat Schweden gejagt würde.

Das ist besonders widerlich im Kontext der Erfahrungen von Geflüchteten. Es ist besonders widerlich, da  im Kontext der Begründung Ecuadors, Assange Asyl zu gewähren, Vergleiche zu „Kriegsflüchtlingen“ gezogen wurden. Es ist besonders widerlich, wenn man an Chelsea Manning denkt, die sonst in Vergessenheit gerät.

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Weitere Texte bei der Mädchenmannschaft, die sich mit Assange und Rape Culture auseinandersetzen, findet ihr hier.

 


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Aktivismus und Alter: „Aging Fiercely While Trans“

25. Januar 2016 von Magda

Auf vielen US-amerikanischen Blogs las ich in den letzten Monaten: 2015 war ein großartiges Jahr für Trans-Sichtbarkeit! Oft erwähnt werden die Schauspielerin Laverne Cox (Orange is the New Black), die konservative Sport- und TV-Persönlichkeit Caitlyn Jenner (und ihr Vanity Fair Cover) oder Rapper_in Angel Haze – Haze bevorzugt als Pronomen „they“ und identifiziert sich als agender.

Sichtbarkeit ist eine wichtige Komponente von Aktivismus. Mit Sichtbarkeit erhöht sich (manchmal) auch die Diskussion um die sozialen Ungleichheiten, die jene Gruppen betreffen: Armut, Gewalt und Ausschlüsse. Diskussionen führen zu Aktionen führen zu Veränderung (hoffentlich). Zwischen jener (oftmals gefeierten) Sichtbarkeit und der anhalten Gewalt, die Menschen erfahren, die aus einem zweigeschlechtlich organisierten, rassistischen System fallen, positioniert sich das Projekt AGING FIERCELY WHILE TRANS (frei übersetzt: „Leidenschaftlich und unerschütterlich Altern als Transperson“).

Screenshot der Diskussion AGING FIERCELY WHILE TRANS with Kate Bornstein, Sheila Cunningham, Miss Major, & Jay Toole, moderiert von Reina Gossett.

Screenshot der Diskussion AGING FIERCELY WHILE TRANS with Kate Bornstein, Sheila Cunningham, Miss Major, & Jay Toole, moderiert von Reina Gossett.

Visual AIDS und das NYC Trans Oral History Project haben es sich zur Aufgabe gemacht, die langen und geschichtenreichen Leben von vier Aktivist_innen festzuhalten, die die Grenzen der Zweigeschlechtlichkeit sprengen: Aktivistin, Performerin und Autorin Kate Bornstein (schrieb u.a. A Queer and Pleasant Danger), Stonewall-Aktivistin Miss Major (arbeitet u.a. beim Transgender GenderVariant Intersex Justice Project), „super-butch“ Jay Toole (gründete u.a. Queers for Economic Justice) und Sheila Cunningham (leider keine Infos auffindbar).

Bereits im letzten Sommer sprachen die vier über ihre Lebensgeschichten und über gesellschaftliche Verhältnisse vor 30, 40 Jahren. Die Erzählungen drehen sich um erlebte Gewalt, Alleinsein, Obdachlosigkeit, körperliche Veränderungen, Krebs und das Nachdenken über Tod; es geht um sprachliche Veränderungen in den letzten Jahrzehnten, um Respekt, Begehren und den Wunsch nach mehr Zugewandtheit über Generationen hinweg. Harte Themen, aber es ist sehr angenehm – und lehrreich – den Aktivist_innen zuzuhören.

Alle Redebeiträge inklusive einer Gesangsperformance von Mizz June findet ihr auf visualaids.org. Die Videos sind in englischer Sprache und ohne Untertitel und teilweise leider recht leise.


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#Rigaer94, Antisemitismus in Deutschland und Sklaverei mit einem Lächeln – kurz verlinkt

21. Januar 2016 von der Mädchenmannschaft

deutschsprachige Links

„Im Jahr 1996 starben in Lübeck zehn Asylsuchende durch ein Feuer in ihrem Wohnhaus. Auch 20 Jahre später ist der Brandstifter nicht gefunden, obwohl es ­Verdächtige gab. Vor Gericht stand lediglich einer der Flüchtlinge,“ berichtet die Jungle World.

„Antisemitismus ist kein importiertes, sondern ein internationales Problem,“ schreibt Patrick Gensing bei tagesschau.de.

„Der Einsatz in der Rigaer Straße war maßlos, seine Rechtsgrundlage zweifelhaft. Einen Innensenator, der solche Aktionen veranlasst, braucht kein Mensch“, kommentiert Christopher Lauer beim Tagesspiegel.

englischsprachige Links

Jada Pinkett Smith ruft  zu einem Boykott der diesjährigen Oscars auf. Warum, und wie People of Color auch bei Preisverleihungen marginalisiert werden, schreibt die Los Angeles Times. Weiterführende Kritik gibt es bei For Harriet: “ Why are we still waiting for old white men to love us?“

Nach Protesten zieht der Verlag Scholastic ein erst kürzlich erschienenes Kinderbuch zurück, das Sklav_innen in den USA als glückliche Bedienstete darstellte. Weitere Kommentare findet ihr bei Twitter unter dem Hashtag #SlaveryWithASmile.

Crimes against Native American women raise questions about police response: Local activists in Minnesota say deaths and disappearances of Native women are linked to human trafficking and that police aren’t taking the issue seriously“, schildert The Guardian.

Am 17. Juni dieses Jahres feiert „Orange is the New Black“s vierte Staffel Premiere bei Netflix. Ein Teaser gibt erste Eindrücke.

Am dritten Januarmontag gedenkt man in den USA Dr. Martin Luther King, Jr.  „Blackout for Human Rights“ und „The Campaign for Black Male Achievement“ organisierten in diesem Jahr die Veranstaltung „MLK Now“ in Harlems Riverside Church, bei der unter anderem Harry Belafonte, Anika Noni Rose, India Arie, Tessa Thompson, Chris Rock und J. Cole auftraten und zum Beispiel aus historischen Werken Schwarzer Aktivist_innen lasen. Die Aufzeichnung könnt ihr euch hier ansehen:


Termine in Berlin, Dresden und Kiel

02.02. in Berlin: Lesung von Andrea von Treuenfeld aus ihrem aktuellen Buch »Zurück in das Land, das uns töten wollte: Jüdische Remigrantinnen erzählen ihr Leben«.

06.02. in Dresden: „Grenzenlose Solidarität – Aktionstag gegen die Festung Europa!“ (Facebook-Link)

20. 02. in Kiel: Sharon liest aus ihrer Novelle „Synchronicity“ im Literaturhaus Schleswig-Holstein. (Facebook-Link)


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Förderung für Frauenprojekte, Strafanzeige gegen LaGeSo, Ava-DuVernay-Barbie – kurz verlinkt

10. Dezember 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 305 von 351 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Beiträge

Die Förderungen zahlreicher Arbeitsmarkt-, Integrations- und Frauenprojekte laufen zum 31. Dezember 2015 aus. Darunter befinden sich auch alle Berliner Frauen-Existenzgründungsprojekte. Eine Petition der Gründerinnenzentrale richtet sich an die Berliner Senatorin Kolat mit der Bitte, dass sich der Senat damit befasst. Update von der Petitionsseite: „Wir haben gerade die Nachricht aus der Senatsverwaltung erhalten, dass eine Intermislösung gefunden ist. Ab 01.01.2016 geht es weiter. Vielen Dank für die Unterstützung!“

Die Stiftung „filia“ unterstützt Projekte, die Mädchen stark machen, mit bis zu 5.000€. Der Inhalt des Projekts muss etwas damit zu tun haben, dass Mädchen und Frauen frei von Gewalt leben können und dass sie in der Gesellschaft mitentscheiden. Die Projekte werden von Mädchen und/oder Frauen für Mädchen und junge Frauen gemacht. Bis zum 1. März 2016 nimmt filias Mädchenbeirat Anträge mit Ideen und Plänen für Projekte an.

„Du wünschst dir manchmal eine Superheldin? Eine, die Gewalt gegen Frauen verhindert? Du bist die Superheldin!“ Der Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (BFF) stellt seine Arbeit vor.

Die re:publica veröffentlicht wieder ein Call for Papers. Das diesjährige Motto ist TEN, da 2016 das 10. Jubiläum der re:publica gefeiert wird.

Mehr als vierzig Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte haben am Montag bei der Berliner Staatsanwaltschaft eine Strafanzeige wegen Körperverletzung und Nötigung im Amt gegen Mario Czaja, Senator für Gesundheit und Soziales des Landes Berlin, und Franz Allert, Präsident des Landesamtes für Gesundheit und Soziales des Landes Berlin (LAGeSo) sowie weitere Verantwortliche eingereicht.

„Mit ihrer Erklärung versucht Frau Zschäpe sich aus der Verantwortung zu ziehen. Dieser Aussage glaube ich kein Wort. Meine von vornherein geringen Hoffnungen, dass mit dieser Erklärung endlich die genauen Umstände des Mordes an meinem Vater aufgeklärt werden, sind enttäuscht.“ – so die Nebenklägerin Gamze Kubasik über die medial groß angekündigte Aussage Beate Zschäpes im NSU-Prozess.

Englischsprachige Beiträge

Der Dozent Steve Locke berichtet von seiner jüngsten Erfahrung mit polizeilichem racial profiling in den USA: „I fit the description…“

Hoffenlich gibt es noch irgendwo eine heimliches Zusatzlager, denn die Ava DuVernay-Barbie, deren Erlös politischen Projekten zugute kommt, war am Montag innerhalb von Minuten ausverkauft…

[Inhaltshinweis: Rape Culture] „If Daniel Holtzclaw’s Victims Were White, Everyone Would Know His Name“: Bei The Root kommentiert Kirsten West Savali die Misogynoir, die das Gerichtsverfahren gegen Daniel Holtzclaw umgibt.

Termine in Berlin, Halle, Linz, Wien

Am 10.12. in Halle/Saale, 19:00 im Audimax: Was hat Präimplantationsdiagnostik mit Eugenik zu tun? Wie kam es in Deutschland zur Legalisierung dieses Diagnoseverfahrens? Und was sagt uns das alles über den aktuellen Stand der feministischen Kämpfe um reproduktive Rechte? Zu diesen und weiteren Fragen spricht die Politikwissenschaftlerin Dr. Susanne Schultz.

Am 12.12. und 13.12. in Berlin, Werkstatt der Kulturen: Dekolonisiert euch! Workshops und Performances zur Selbstreflexion und für kreatives Empowerment.

Am 16.12.in Berlin, Migrationsrat Berlin-Brandenburg, Oranienstr. 34: LGBT*I*Q Perspectives in Self-organised Resistance of Refugees in Berlin and Germany

Am 19. Januar in Linz, AK OÖ, 20.00 Uhr: Uraufführung des Stücks „Geheimsache Rosa Luxemburg.“ Die Wien-Premiere findet am 17. Februar im Theater Akzent statt. In der Bar&CO des Theaters Drachengasse ist das Stück von 29. Februar bis 5. März als Spielserie zu sehen.


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