Einträge mit dem Tag ‘USA’


Demo in Münster, fette Fotoprojekte und Hetze gegen LGBT – kurz notiert

5. März 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 225 von 231 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Die Wissenschaft hat mal wieder festgestellt: Gewalt gegen Frauen ist ein endemisches Problem, schreibt die Süddeutsche Zeitung – gerade/auch in Europa, überdurchschnittlich in Deutschland. Leider gehen Berichte über die Studie kaum auf die unterschiedliche Betroffenheit unterschiedlicher Gruppen von Frauen ein.

Homo- und trans*feindliche Demos gibt’s nur in Frankreich und Spanien? Weit gefehlt: In Stuttgart gingen AnhängerInnen der CDU, AfD, katholischen Kirche, NPD und von PI sowie Evangelikale, Russisch-Orthodoxe und Piusbrüder auf die Straße, um gegen alles und jede_n zu hetzen, der_die nicht ihren Vorstellung von hetero und cis entspricht, wie queer.de berichtet.

Eine Gruppe Betroffener von sexualisierter Gewalt in der Kindheit möchte mit anderen Betroffenen diskutieren und sich zusammentun: Gegen sexuelle Gewalt.

Die Überparteiliche Fraueninitiative hat einen Neujahrsempfang gefeiert. Die Festrede von Frau Prof. Dr. Nivedita Prasad zum Thema Gewalt gegen Frauen könnt ihr online nachlesen.

Die Video-Dokumentationen zum No-Humboldt 21!-Kampagnenauftakt ist jetzt online.

Der Verein AfricAvenir International e.V. möchte eine neue Auflage der aufwändig gestalteten und informativen Publikation “50 Jahre Afrikanische Un-Abhängigkeiten – Eine (selbst)kritische BIlanz” herausgeben. Ihr könnt sie dabei unterstützen und spenden.

AfricAvenir veröffentlichte außerdem folgende Pressemitteilung des internationalen NGO-Bündnisses „Völkermord verjährt nicht!“: “Deutschland muss eine würdige Rückgabe von entführten Gebeinen an Namibia vornehmen und sich für den kolonialen Genozid von 1904-08 entschuldigen. Alle Gebeine kolonisierter Menschen müssen den Nachfahren zurückgegeben werden.”

englischsprachige Links

100 Schwarze lesbische, bisexuelle, queere und/oder Trans*frauen, die du kennen solltest!

Schlank heißt gesund? Das ist Quatsch. Ein Comic stellt das eindrucksvoll dar.

Du möchtest bei einem fett-positiven Fotoprojekt mitmachen? Schick einfach ein Foto an Fat Body Politics.

Lupita Nyong’o hat einen Oscar als beste Nebendarstellerin für ihre Performance in “12 Years a Slave” gewonnen (Charlott berichtete). Vor wenigen Wochen hielt Nyong’o auf dem 7. Black Women in Hollywood Luncheon eine beeindruckende Rede über Rassismus und Schönheit.

1940 gewann Hattie McDaniel einen Oscar für die beste Nebenrolle als Mammy in “Vom Winde verweht” – als erste Afro-Amerikanerin überhaupt. Wegen den rassistischen Segregationspolitiken durfte McDaniel nicht mit den anderen weißen Schauspieler_innen an einem Tisch sitzen.

A propos (spärlich gesäte) Oscars für schwarze Schauspielerinnen: Anita Little schreibt beim Ms. Magazine über die unterschiedliche mediale Repräsentation von Lupita Nyong’o und Gabourey Sidibe.

Termine in Berlin, Frankfurt/Main, Küsten (Niedersachsen) und Münster (mehr …)


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CeCe McDonald ist frei!

13. Januar 2014 von Charlott
CeCe McDonald (Foto by Leslie Feinberg)

CeCe McDonald (Foto by Leslie Feinberg)

CeCe McDonald war zu 41 Monaten Gefängnis verurteilt worden, nachdem sie sich bei einem trans*feindlichen und rassistischen Angriff zur Wehr gesetzt hatte. (Sie selbst erlitt eine schwere Wunde im Gesicht durch eine Glasflasche.) Es kam ein Mann, Dean Schmitz, ums Leben.

Im Verfahren wurden viele Beweismittel abgewiesen, die zeigen sollten, dass es sich um einen Angriff aufgrund der race und Geschlechtsidentität von McDonald gehandelt hatte. Unter anderem hielt das Gericht es für irrelevant, dass Schmitz ein Swastika-Tatoo trug und bereits mehrfach gewalttätig aufgefallen war. CeCe McDonald musste ihre Strafe in einem Männergefängnis absitzen.

Heute ist sie nun nach 19 Monaten vorzeitig freigekommen. Mehr Infos zu McDonald, dem Verfahren und den anhaltenden Protesten zu diesem findet ihr bei Support CeCe McDonald.


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Wegweisende Journalistinnen, Flucht aus Eritrea und feministische Vernetzung – Kurz verlinkt

4. Dezember 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 215 von 231 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Beiträge

Hooray, ein neues Musik-Projekt in Berlin für junge Musikerinnen oder welche, die es werden wollen: Lauter Mädchen. Den nächsten Workshop (Body-Percussion - Facebook-Link) gibt’s voraussichtlich im Januar.

Mädchenmannschafts-Autorin Sabine Mohamed hat bei der NZZ eine wichtige Reportage über flüchtende Menschen aus Eritrea geschrieben.

Das Feministische Netzwerk Heidelberg hat nun eine Facebook-Seite.

Die polnische Menschenrechtsaktivistin Elżbieta Szczęsna setzt sich gegen Homophobie ein. Jetzt erhielt sie den Respektpreis des Berliner Bündnisses gegen Homophobie. neues deutschland berichtet und weist ebenfalls daraufhin, dass Homophobie auch weiterhin in Deutschland ein tiefgreifendes Problem ist. (Hinweis: Gewalt, die von der Polizei ausgeht, wird in dem Artikel leider bagatellisiert.)

Ebenfalls bei neues deutschland: “Hinweise auf noch mehr Morde durch Neonazis“.

Englischsprachige Beiträge

Michelle Obama sei ein feministischer Albtraum, schrieb Michelle Cottle in der vorletzten Woche. Bei Salon.com antwortet Brittney Cooper und zeigt auf, welche historischen/politischen Realitäten in dieser Kritik (durch weiße Feminist_innen) unsichtbar gemacht werden und schließt: “I do think black feminists can wish for more from this first lady, while still being attentive to the minefield of historical and contemporary ideas that she is being forced to navigate.”

Melissa Harris-Perry hat eine Leseliste zu Schwarzem (us-amerikanischen) Feminismus zusammengestellt.

Stand-Up Comedian Aamer Rahman erklärt nochmal das Problematische an der Idee von “umgekehrtem Rassismus” (“reverse racism”):

Bei iVillage fasst Ragen Chastain all die kleinen Aussagen zusammen, die viele Menschen täglich treffen und mit denen sie zum body shaming beitragen.

Lisa Wade schreibt bei Sociological Images über die die ikonischen Bilder des Fotographs Lennart Nilsson, die er von (abgetriebenen) Föten machte und wie diese Bilder genutzt wurden und werden.

“First, there is no naturalized gendered body.”, beginnt dieser kurze Text, der in wenigen Sätzen aufzeigt, wie alle Körper immer modifiziert, verändert und dabei vergeschlechtlicht werden.

Die International Women’s Media Foundation verlieh in diesem Jahr ihren Preis für Courage im Journalismus an Nour Kelze, Edna Machirori, Bopha Phorn und Najiba Ayubi. Ms. Magazine hat die drei letzteren getroffen und zu ihren Erfahrungen interviewt.

Nach dem Klick: Termine in Basel und Berlin:

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Privilegiertes Unbehagen

27. November 2013 von accalmie

Es wird ungemütlich. Das Flut­licht geht an. Alle Gesichter schauen auf einmal in die gleiche Richtung. Es wird plötzlich so warm hier. Der abrupt neue Fokus wird deutlich, eine Mar­kierung sicht­bar. Ende der Sekt­stimmung. “Generalverdacht”. Das Un­wohl­sein, dass sich durch Rassis­mus­kri­tik bei manchen Menschen aus­breitet, ist nicht weiter überraschend; es könnte – punktuell, wie diese Erfahrung für viele ist – ausgehalten, gar produktiv genutzt werden für persönliche Reflektion. Zu the­ma­ti­sieren, dass Rassis­mus nicht allein das “Problem” von People of Color ist, sondern eine Struk­tur, die Ge­sell­schaf­ten syste­ma­tisch durch­zieht und von der Nicht-Margi­nali­sier­te systema­tisch profi­tieren (und dass es im Regel­fall People of Color sind, die markiert, beobachtet und unter General­verdacht gestellt werden), kann kein ent­spannen­der Pro­zess sein – eben­so­wenig wie die Aus­einan­der­setzung mit anderen dis­krimi­nieren­den Struk­turen. Bemerkens­wert ist, wie aus Unbehagen schnell Ab­wehr­re­flex und schließlich Aggression wird: Vorwürfe der Un­freundl­ichkeit, der Wut, Arroganz und Gemein­heit, des (unfairen) Angriffs, der Überempfindlichkeit, der vermeintlichen Verharmlosung von “eigentlichem” Rassismus (also dem der extremen Rechten, mit dem man ja nichts zu tun habe als Die Mitte / Die Linke), der Kontra­produk­tivi­tät und des Neben­wider­spruchs werden laut, wenn struk­tu­reller Rassis­mus be­nannt wird. Oft fällt der Be­griff des “um­gekehr­ten Rassis­mus” (reverse racism), der Macht­ver­hält­nisse zu eigenen Gunsten au­sblendet.

buildingWas für antirassistische Aktivist_innen Alltag ist, ist auch Alltag in bestimmten Institutionen; auch jenen, die sich Anti­rassis­mus verpflichtet fühlen und dies bei­spiels­wei­se mit Gleich­stellungs- oder Diversity-Be­auf­trag­ten um­zu­setzen ver­suchen. Ge­ra­de das Hoch­schul­wesen hat Frauen- und Gleich­stellungs­be­auf­trag­te, deren Arbeit in eta­blier­ten Macht­struk­tu­ren und rein theo­re­tischen Be­kennt­nissen zu ab­strak­ter Gleich­heit unter­geht. Dass Gleich­stellungs­be­auf­tragte aber auch selbst dis­krimi­nier­end agieren kön­nen, hat zuletzt die Allgemeines-Gleichstellungsgesetz (AGG)-Beauftragte der Humboldt-Universität zu Berlin illustriert, die gewählten Student_innen­ver­tre­ter_innen des LGBTI-Referats unter anderem die Nutzung uni­versi­tärer Räu­me für deren Ver­anstal­tungen ver­wei­gerte.

Auch am Minneapolis Community and Technical College in Minnesota, USA, ereignete sich vor kurzem ein nun öffentlich gewordener Fall strukturellen Rassismus und Sexismus, der für Entsetzen in der akademischen und nicht-akademischen community antirassistischer und antisexistischer Aktivist_innen sorgte: die Professorin Shannon Gibney wurde – auf Initiative von zwei weißen Studenten – von der Universität formal dafür gerügt, in ihrem Seminar strukturellen Rassismus so thematisiert zu haben, dass jene Studenten sich angegriffen fühlten.

Chaun Webster, Twin Cities-Aktivist (in Minneapolis und Saint Paul), Autor und Gründer der Free Poet’s Press, hat beim Blogger_innenkollektiv Opine Season einen Artikel zu dem Vorfall verfasst, in dem er Prof. Shannon Gibneys Erfahrungen kontextualisiert und Forderungen für eine Umstrukturierung von Bildungsinstitutionen formuliert. Mit seiner freundlichen Genehmigung durften wir den Artikel übersetzen und erneut publizieren.

Ein paar Dinge, die wir aus der MCTC-Attacke auf Prof. Shannon Gibney lernen sollten.

Wie vielen in diesem Netzwerk hier bewusst ist und anderen nicht, wurde Shannon Gibney, Professorin für Anglistik und African Diaspora Studies des Minneapolis Community and Technical College (MCTC) kürzlich von der Institution formal gerügt.

Die Rüge erfolgte aufgrund des Unbehagens zweier weißer, männlicher Studenten, die sagten sie seien persönlich angegriffen worden, während Prof. Gibney in ihrem Politikwissenschafts- und Kommunikations-Seminar eine Diskussion über strukturellen Rassismus führte. Diese Studenten unterbrachen Prof. Gibney während der Diskussion und sagten, dass allein schon die Thematisierung verletzend für sie sei. Das MCTC ging so weit, Prof. Gibneys Verhalten während des Seminars als einen Verstoß gegen die Anti-Diskriminierungs-Politik zu bewerten, und sie wurde zu zwei Treffen mit dem Diversity-Beauftragten verpflichtet, um zu lernen, wie sie Menschen aller Herkunft besser willkommen heißen könne.

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Samstagabendbeat mit GRRRL PRTY

23. November 2013 von Anna-Sarah

In einem Artikel über die Hip Hop crew GRRRL PRTY stellt das bitch magazine fest, dass sich bei der ohnehin eher raren Berichterstattung über weibliche Rap Acts vor allem auf Streitigkeiten zwischen Artists konzentriert wird:

In media coverage of female rappers, we’re more likely to hear stories about beefs—Lil’ Kim lambasting Nicki Minaj, or Azaelia Banks taking verbal shots at Kreayshawn or Angel Haze—than stories about support.

GRRRL PRTY hingegen sorgen für crew spirit galore, für das – wie Rapperin Sophia Eris es nennt – herzerwärmende Gefühl.

Zu ihrer Facebookseite geht’s hier. Eine EP ist unterwegs.


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Lesben und Schwule in Ostberlin, Rassismus zu Halloween, Klage gegen Karl Lagerfeld – kurz verlinkt

30. Oktober 2013 von der Mädchenmannschaft

Beiträge auf Deutsch

Jeder sechste Mensch in Deutschland ist armutsgefährdet. Besonders betroffen sind Frauen und Alleinerziehende.

Filiz Demirova, eine Romni, berichtet bei radioeins über ihre Erfahrungen mit Alltagsrassismus.

Auch ein Leben mit einer schweren Erkrankung kann glücklich, lebenswert sein. Ein besonderes Beispiel hierfür ist Hannelore Setter gewesen, die am 10. Oktober im Alter von 79 Jahren in ihrem Krankenhausbett gestorben ist. 60 Jahre hatte sie dort verbracht.

Wie viel zählt das Leben eines geflüchteten Kindes in einem Asylbewerber*innenheim in Deutschland? Für viele anscheinend erschütternd wenig, wie Familie Petrovic auf bittere weise feststellen musste. Ihr Sohn Leonardo wäre vor zwei Jahren aufgrund der unterlassenen Hilfeleistung mehrerer Personen beinahe gestorben. Nun hat die Staatsanwaltschaft Anklage eingereicht.

In der Schweiz wird gerade ein diskriminierender Rückschritt diskutiert: ein explizites Ehe-Verbot für homosexuelle Paare.

Ein Mann zeigt Angestellten der Deutschen Bahn gegenüber Zivilcourage – und wird dafür von ihnen rassistisch beleidigt, weil er Schwarz ist. Später stellt sich heraus: Der Mann ist der Landtagsabgeordnete Daniel Mack. Und plötzlich tut der DB alles furchtbar leid.

“Out in Eastberlin” – ein neuer Kinofilm berichtet über das Leben homosexueller Personen in der DDR. Hier findet ihr den Trailer.

Ein blondes Kind lebt bei einer Roma-Familie – und sofort schreiben große europäische Medien von Kindesraub. Keno Verseck berichtet auf SPON von der Geschichte dieses antiromaistischen Ressentiments (siehe auch die englischsprachigen Links weiter unten).

Karl Lagerfeld äußerte sich mal wieder diskriminierend über dicke Menschen und insbesondere dicke Models und hat dafür nun – yeah! – eine Klage am Hals.

Hier könnt ihr für die Kampagne “Dritte Option” spenden.

Beiträge auf Englisch

Eine vermeintliche Kindesentführung durch ein Roma-Paar fand medial große Beachtung und Anteilnahme – anders als die  Fälle, in denen Kinder aus rassistischen Gründen gewaltsam von ihren Familien getrennt werden. Discipline and Anarchy schreibt über den rassistischen Bias in Entführungsdiskursen (siehe auch die deutschsprachigen Links weiter oben).

Sexualisierte Ausbeutung und Gewalt stellten einen Grundpfeiler des Systems der Sklaverei in den Staaten der heutigen USA (und sicher genauso anderswo) dar. Akiba Solomon bespricht für Colorlines, in wiefern der Film “12 Years A Slave”  einen wichtigen, oftmals vernachlässigten Teil der Geschichte der  rape culture offen legt.

Wäre es nicht so ernst im echten Leben, könnte man inzwischen von einem regelrechten Krimi sprechen:  Ein Gericht hat das geradezu gewaltsam durchgesetze Anti-Abtreibungsrechte-Gesetz in Texas für verfassungswidrig erklärt.

Vitamin W berichtet über das Fotoprojekt “Alone Time” von JJ Levine: Indem gezeigt wird, dass ein und derselbe Körper jegliches Geschlecht überzeugend verkörpern kann,  sollen herrschende Normvorstellungen über die zweigeschlechtliche Rollenverteilung in Frage gestellt werden.

Halloween steht vor der Tür und damit leider auch immer wieder Leute in Blackface oder Redface – wer nach wie vor nicht mitbekommen hat, das sowas rassistische Kackscheiße ist, geht ziemlich ignorant durchs Leben, hält Awesomely Luvvy fest. Inklusive praktischer Entscheidungsgrafik!

Queer-Gerechtigkeit bedeutet mehr als schwule weiße Männer, die mit ihren Beziehungen an die Öffentlichkeit gehen, erklärt Audrey bei Autostraddle.

Termine in Berlin, Mülheim an der Ruhr, Bochum und Bielefeld (mehr …)


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Rassistische Normalzustände – kurz verlinkt

22. August 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 200 von 231 der Serie Kurz notiert

In der vergangenen Woche haben sich allerhand spannende Linktipps angesammelt – daher gibt es diese Woche “Kurz verlinkt” gleich zweimal. Hier Teil 2.

Heute jähren sich die Angriffe auf die zentrale Aufnahmestelle für Geflüchtete und ein Wohnheim für ehemalige vietnamesische Vertragsarbeiter_innen in Rostock zum 21. Mal. Auch 21 Jahre später müssen Asylsuchende in Deutschland um die Sicherheit in ihren Unterkünften bangen.

Die Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt (KOP) und der Migrationsrat Berlin Brandenburg e.V. rufen auf zur Solidarität mit Ayfer H. (Hintergrundinfos ab Seite 132 in der Chronik) und mobilisieren gemeinsam mit ihr zur Prozessbeobachtung. Wann? Am Mittwoch, den 28. August 2013 um 11:30 Uhr. Wo? 64. Strafkammer des Landgerichts, Turmstraße 91, 10559 Berlin, Raum 731.

Alltagsrassismus erleben auch Reiche und Prominente, wie u.a. in der Süddeutschen Zeitung zu lesen ist: “Der eigentliche Skandal ist nicht, dass sich jemand weigerte, Oprah Winfrey eine teure Handtasche zu zeigen. Der Skandal ist, dass sich jemand weigerte, einer schwarzen Frau eine teure Handtasche zu zeigen. Dass es sich dabei um die berühmte Unternehmerin handelte, verhilft dem Fall, der sonst wohl nie an die breite Öffentlichkeit gelangt wäre, zu Bekanntheit. Mehr nicht.”

Die Jüdische Allgemeine meldet einen krassen Fehlgriff bei eben dieser Zeitung: Mit einem Foto eines Bahngleises des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau hat die Süddeutsche am Montag eine Leser_innenbriefseite zum Bahnchaos am Mainzer Hauptbahnhof illustriert.

Dass Frauen, die aus vermeintlich religiösen Gründen ein Kopftuch tragen, es schwer haben, einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu finden, war bekannt. Dass diesen Frauen aber mehr als jeder dritte Betrieb verschlossen bleibt, geht nun aus einer aktuellen Studie der Pädagogischen Hochschule Freiburg hervor, über die das Migazin berichtet.

Die taz berichtet über das Leben von Rroma-Familien in Serbien, die aus Deutschland abgeschoben wurden.

Ebenfalls in der taz: „Ich kam als Opfer rein und ging als Täter wieder raus“ – ein Bericht über Vergewaltigungen unter dem Einfluss sogenannter K.O.-Tropfen.

Eine neue TV-Serie über das Leben im Gefängnis, “Orange Is The New Black”, wird in der feministisch-kritischen US-amerikanischen Blogosphäre heiß diskutiert. Ein Interview mit einer der Schauspieler_innen gibt es nun bei Autostraddle [auf Englisch].

Mutmaßlich als Zeichen gegen menschenfeindliche homophobe Gesetze in Russland haben sich zwei russische Athletinnen bei der Leichtathletik-WM während der Medaillenvergabe geküsst - vermutlich drohen ihnen deswegen  Sanktionen [Text auf Englisch] Edit: Offenbar sind die beiden Sportlerinnen von dieser Interpretation ihrer Aktion nicht sonderlich begeistert

Cheryl Sandbergs “Lean In”-Webseite hat ironischerweise ein unbezahltes Praktikum ausgschrieben. Bei der The Ed Show sprechen Zerlina Maxwell und Keli Goff über den Kampf für gerechte Löhne und welche Ausschlüsse solche Praktika produzieren [auf Englisch].

Viele Tipps zur Selbstfürsorge gibt es bei Scarleteen [auf Englisch].

Warum thin-shaming, die Abwertung von als dünn gelesenen Körpern,  falsch und fies ist, aber nicht das Pendant zu fat-shaming, erklärt Lindy West auf Jezebel [auf Englisch].

Im New Statesman erklärt Laurie Penny Männern* nochmal den Unterschied zwischen individueller Schuld an und individueller Verantwortung für Sexismus – und fordert dazu auf, letztere zu übernehmen [auf Englisch].

Von wegen Höhlenmenschen und Evolution und so: Die allgemein verbreitete Überzeugung, dass Männer* grundsätzlich mehr an Sex interessiert seien als Frauen*, ist relativ neu, wie Alyssa Goldstein bei Alternet berichtet [auf Englisch].

Mädchen im Alter zwischen vier und acht Jahren sagen, was sie an ihren Körpern mögen: Was der Körper tun kann, ist wichtiger als wie er aussieht [auf Englisch].


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Männliche Schwangerschaft ist nicht abschreckend

15. August 2013 von Lisa

Etwas gegen ungewollte Schwangerschaften tun und zugleich daran erinnern, dass Männer genauso für Kinder zuständig sind wie Frauen? Eigentlich eine gute Idee. Dazu Plakate mit jungen Männer zeigen, die einen schwangerem Bauch haben und auf denen der Schriftzug ‘unexpected’ / ‘unerwartet’ steht, wie es eine US-amerikanische Kampagne in Chicago tat? Auf den ersten Blick vielleicht eine gute Idee, auf den zweiten aber eine schlechte. Es gab viel berechtigte Kritik an dieser Kampagne, die unter anderem hier nachzulesen ist. Zentral dafür waren vor allem zwei Gründe:

1. In den USA gibt es fast permanent Kampagnen, die versuchen, ungewollte Teenager-Schwangerschaften zu verhindern. Dabei setzen viele Organisationen leider lieber auf Abschreckung anstatt auf Sexualaufklärung oder auf Zugang zu Verhütung und Abtreibung. Das führt jedoch  nur dazu, dass schwangere Teenager stigmatisiert werden. Statt auf politische Zusammenhänge zu verweisen, werden in vielen der Kampagnen nur individuelle Mädchen präsentiert, die scheinbar ‘zu naiv’ oder ‘zu unvorsichtig’ waren und deren Leben nun als ‘verpfuscht’ gilt. In der Kampagne aus Chicago werden nun anstatt weiblicher, männliche Teenager stigmatisiert. Problematisch ist beides.

2. Die Kampagne richtet sich ausschließlich an heterosexuelle und cis-gender Teenager. Mit ihrem vermeintlichen ‘Überraschungseffekt’ setzt sie voraus, dass Männer nicht schwanger werden wollen oder können. Dadurch werden männliche Schwangerschaften – wie sie etwa J. Wallace oder Thomas Beatie erlebten – zu etwas, was als ‘unnormal’ und ‘abschreckend’ gilt. Um solchen transphoben Aussagen entgegen zu treten, hat Das ‘Media Literary Project’ alternative Plakate entworfen. Statt ‘unexpected’ ist dort beispielsweise zu lesen “Trans men have babies, too.” – Trans*männer können auch Babys bekommen.


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Zum Freispruch für George Zimmerman

15. Juli 2013 von accalmie

Am 26. Februar 2012 be­such­te Tray­von Martin, ein afro­ameri­kani­scher Sieb­zehn­jähri­ger, seinen Vater und dessen Ver­lobte in San­ford, Florida. Sein Vater lebt in einer so­genann­ten “ga­ted commu­nity,” also einem Wohn­viertel (meist) wohl­haben­der An­wohner_innen, das unter anderem durch strik­te Ein- und Aus­gangs­kontrollen, “neighborhood watches” (Nach­bar­schafts­pa­trouil­len) und andere Ab­schot­tungs­maß­nahmen be­sonders ge­schützt sein soll vor Ver­brechen (…wo­runter manche gated commu­nities auch die blo­ße An­wesen­heit Mar­gi­na­li­sier­ter zäh­len). Tray­von Mar­tin war auf dem Weg nach Hause von einem Super­markt, in dem er Süßig­keiten und Ge­trän­ke für sich und einen Freund gekauft hatte, als er bemerkte, dass er von George Zim­mer­man verfolgt wurde. Es entstand eine Auseinandersetzung, die mit Zim­mer­mans töd­lichem Schuss auf Martin endete.

Zim­mer­man, ein (selbst­erklär­ter) Nach­bar­schafts­pa­trouil­len-Koor­di­na­tor, war Martin zuvor in seinem Auto gefolgt, da er dessen Ver­halten “ver­dächtig” fand und er den Teenager nicht kannte. Berühmt-berüchtigt wurde hier­bei Zimmermans Aus­sage, dass Tray­von verdächtig wirke, da er einen  “Hoodie”, also einen Ka­pu­zen­pul­lo­ver, trug, und um­strit­ten bleibt, ob Zim­mer­man sich auch explizit rassisti­scher Schimpf­wörter be­diente, als er die Polizei anrief, um Tray­von Martin zu melden. Deutlich wurde in jedem Fall, dass Zimmerman sich des Racial Profiling bediente. Der Po­li­zei­beamte wies Zimmerman an, in seinem Au­to zu blei­ben bzw. sich zu diesem zurück zu begeben und Trayvon Martin nicht anzusprechen, da eine Strei­fe auf dem Weg sei. Zim­mer­man ent­schied sich für das Ge­gen­teil.

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Quelle: Wikipedia.

Laut Rachel Jeantel, einer Freun­din Tray­von Mar­tins, mit der er an die­sem Abend während der Ge­scheh­nisse te­le­fo­nier­te, be­merk­te Mar­tin, dass Zim­mer­man ihn ver­folgte, und es kam schließ­lich zur Kon­fron­ta­tion. Hier gibt es unter­schied­liche Dar­stel­lungen der Staats­an­walt­schaft und der Ver­tei­di­gung, von wem die Kon­fron­ta­tion und der er­ste kör­per­liche An­griff aus­ging – Fakt ist, Tray­von Mar­tin war der­jen­ige, der un­be­waf­fnet war und er war der­jenige, der er­schos­sen wurde. Als die Poli­zei ein­traf, wurde Zim­mer­man ver­haftet und spä­ter ver­nom­men, aber auf­grund des “Stand Your Ground”-Gesetzes in Florida, das in einer als lebensgefährlich wahr­ge­nom­men­en Be­drohungs­situa­tion auch töd­liche Ge­walt zur “Selbst­ver­teidigung” zu­lässt (auch bei Rückzugsmöglichkeit), wie­der frei­gelas­sen. Erst eine massive In­for­ma­tions- und Pro­test­kam­pagne der Eltern Tray­von Martins und zahl­reicher Un­ter­stützer_innen führ­te zu einer erneuten Verhaftung und der Anklage Zimmermans. Der Prozess wurde vor drei Wo­chen vor einer sechs­köpf­igen Jury, bestehend aus fünf weißen Frauen und einer Frau of Color, er­öffnet. Diese Jury sprach Geor­ge Zim­mer­man am ver­gan­genen Samstag­abend frei, so­wohl vom Vor­wurf  des “Mord zweiten Grades” (second-degree murder) als auch des Tot­schlags.

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Backlash Blues: Der Supreme Court verwirft Teile des Voting Rights Act

27. Juni 2013 von accalmie

Der er­ste der “Selma to Mont­gom­ery Mar­ches” (Sel­ma nach Mont­gomery-Mär­sche) am sieb­ten März 1965 ging als “Bloody Sun­day” (“Blutiger Sonn­tag“) in die Ge­schich­te der Schwarzen US-Bür­ger_innen­rechts­be­we­gung ein. 600 Aktivist_innen, an­ge­führt von Hosea Williams und John Lewis, hatten sich von der Stadt Selma (Alabama) auf den Weg zur Bundesstaatshauptstadt Montgomery gemacht, um der Er­mor­dung des Schwar­zen Akti­visten Jimmie Lee Jackson zu ge­denken und dem Gouver­neur George Wallace eine Peti­tion zu über­re­ichen, die die Um­setzung ei­nes un­ein­ge­schränk­ten Wahl­rechts auch für Schwarze US-Bürger_innen for­der­te. Auf der Edmund-Pettus-Brücke, die Rich­tung Mont­gomery führt, wurde der Protest­zug von der Polizei durch Schlag­stock- und Trä­nen­gas­ein­sätze ge­walt­sam auf­ge­halten und auf­ge­löst.

Sieb­zehn Akti­vist_innen wur­den teil­weise schwer ver­letzt in Kranken­häuser ge­bracht. Der Bloody Sun­day folgte Jahren an zum Groß­teil erfolg­losen Ver­suchen Schwarzer Bürger_innen­recht­sorga­nisa­tionen wie des Student Non-Violent Coordinating Committee (SNCC) und der Dallas County Voters League (DCVL), auch Schwarze US-Bürger_innen in Alabama und an­deren Süd­staaten als Wähler_innen zu registrieren. Im Gegen­satz zu z.B. deutschland muss man sich in den USA zur Aus­übung des Wahl­rechts eintragen lassen und be­kommt nicht auto­matisch eine Wahl­benach­richti­gung, wenn man das Wahlalter erreicht hat (u.a. auch daher, dass es kein “Einwohnermeldeamt” gibt).

Die Ereignisse sorgten für (inter)nationales Aufsehen, und dieser sowie zwei weitere Marschversuche von Selma nach Montgomery, organisiert von Martin Luther King, Jr. und Diane Nash,  trugen dazu bei, dass der damalige US-Präsident Lyndon B. Johnson nur wenige Tage später dem Kongress eine “Voting Rights Bill” (Wahlrechtsgesetzesvorlage) vorschlug, die im August 1965 zum Gesetz, dem Voting Rights Act, verabschiedet wurde.

Am Dienstag verwarf der Supreme Court der USA in einem knappen Urteil (5:4) den Paragraphen Vier des Voting Rights Act und stellte damit die gesamte Schlagkraft des Gesetzes in Frage. In der Urteilsbegründung hieß es unter anderem, dass “die Zeiten sich geändert” hätten und solche Provisionen nicht mehr gerechtfertigt seien. Scharfe Kritik kam von sowohl der US-Bundesregierung als auch zahlreichen Bürger_innenrechtsaktivist_innen der 1950er und 1960er und heute. Bereits im Februar, bei der ersten Anhörung des nun entschiedenen Falls Shelby County v. Holder, wies Melissa Harris-Perry auf die rassistische Argumentationsweise des konservativen Supreme Court-Richters Antonin Scalia hin: (mehr …)


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