Einträge mit dem Tag ‘USA’


Rechts gegen Rechts, #shirtstorm, Schnulzen gegen Ebola – kurz verlinkt

19. November 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 256 von 260 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Die Süddeutsche Zeitung berichtet über die Aktion “Rechts gegen rechts” in Wunsiedel. “Lachen ist Macht”, Gewalt aber auch: Im bisherigen Jahr 2014 wurden in Deutschland bereits mehr Angriffe gegen Geflüchtete verübt als in den beiden Jahren zuvor – und zwar zusammen gerechnet.

Beim kulturradio des RBB kann nun auch online die Sendung “Alltagsrassismus in Deutschland” nachgehört werden, wo unter anderem Sharon Dodua Otoo und Kübra Gümüşay sich zu Wort melden. Es geht es unter anderem um die vermeintlich harmlosen Fragen wie “Woher kommst du wirklich?”, Auswirkungen von politischen Debatten über Asyl, die Kinderbuchdebatte und #schauhin. (Inhaltshinweis: N-Wort ausgesprochen)

“Für mich fehlt dieser Gesellschaft die Bereitschaft, Differenzen stehen zu lassen.”, sagt Lann Hornscheidt in der FAZ in einem Artikel über Sprachformen, Geschlecht und gewaltvolle Reaktionen. (Inhaltshinweis: Reproduktion vieler Hasskommentare, Gewaltandrohungen etc.)

englischsprachige Links

Bei Race Traitor schrieb Tamara K. Nopper einen offenen Brief an “weiße Antirassist_innen” und erklärt, warum diese Selbstbezeichnung ein Widerspruch in sich ist.

Johnetta Elzie berichet bei Ebony über die traumatisierenden Erlebnisse während der fortdauernden Proteste gegen rassistische Polizeigewalt im US-amerikanischen Ferguson, denen die Polizei dort extrem martialisch und gewaltvoll begegnet: “When I close my eyes at night, I see people running from tear gas in their own neighborhood. […] I didn’t expect to go from a peaceful protester trying to attend a vigil for a young teen gunned down, to a modern day freedom rider. But I am prepared to stay the course and fight as long as we must.”

Dr. Matt Taylor, einer der European Space Agency (ESA)-Wissenschaftler_innen des Rosetta-Projekts, löste mit einem sexistischen Hemd, das er zunächst bei der Live-Übertragung der Landung trug, Kritik aus. STEM Women schrieben zum “#shirtstorm” und zu alltäglichem Sexismus in MINT-Bereichen.

“Where Are Our Elders?” – Anlässlich des Todes von Leslie Feinberg fragt sich Sunny Drake, wie viel Platz in aktivistischen Communities eigentlich für ältere und alternde Menschen, für die Vorgänger_innen ist.

Es ist wieder mal so weit: Bob Geldorf hat seine Showbiz-Freund_innen angerufen und rettet jetzt Afrika. Denn was hilft besser gegen Ebola (und alles andere Leid) als Singen und CD-Verkäufe?  Wirklich nichts dazugelernt?, fragt AfricaIsACountry.

Das TIME Magazine lässt über Wörter abstimmen, die für das Jahr 2015 verboten gehören. Mit auf der Liste: Feminismus. Nun haben sie sich entschuldigt (aber auch nichts an der Liste geändert). Bust schreibt über den Vorfall.

Termine in Berlin

Kein Platz für Rassismus – Anti-Geflüchteten-Demos stören in Buch und Berlin-Marzahn:

Vom 26.11. bis 29.11. findet das Festiwalla 2014 statt, eine Programmübersicht findet Ihr hier.

Die MIND THE GAP-Ausstellung mit Arbeiten der Schweizer-Jüdischen Künstlerin Elianna Renner wird am 21.11.2014 eröffnet.

Der Film ID-Without Colors wird am 20.11. um 19 Uhr (OmU) bei Frauenkreise Berlin gezeigt, Choriner Straße 10, 10119 Berlin. Im Anschluss gibt es eine Diskussion.


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Falsche Körper? Falsche Welt! – kurz verlinkt

22. Oktober 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 253 von 260 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Charlotte Wiedemann schreibt in der taz über den Wert weißen Lebens vor dem Hintergrund internationaler Geflüchtetenbewegungen, IS, Syrien, Irak, Ebola und den Weltkriegen: “Syrien und Irak: Die Toten in ein und derselben Region sind von ganz unterschiedlicher Wertigkeit – je nachdem, welches Verhältnis der Westen zu den Mördern hat. […] Wer auf einer Weltkarte sieht, welche Länder die meisten Flüchtlinge aufnehmen, könnte glauben: Der Wert des Lebens gilt mehr außerhalb von Europa.”

“Polemiken gegen den „Genderismus“ und „political correctness“ sind nicht neu, zeugen aktuell jedoch davon, wie ein aggressiver Antifeminismus versucht, politisch an Einfluss zu gewinnen”: Der Beitrag “Antifeministische Allianzen” des Antifaschistischen Infoblatts ist nun auch online verfügbar.

Den Aktivist_innen in der Gerhart-Hauptmann-Schule in Berlin droht wieder eine Räumung, berichtet heute ganz aktuell die taz. Eine Pressemitteilung der Bewohner_innen findet ihr auf asylstrikeberlin.

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Alok Vaid-Menon schreibt bei MTV über das Aufwachsen in einer Gesellschaft, die nur genau zwei Geschlechter zu lässt, wenn eine_r selbst keinem dieser Geschlechter angehört: “This is not a story about being born in the wrong body. This is the story of being born in the wrong world. This is the story of being told who we are without our consent.”

Die US-amerikanische Spielentwicklerin Brianna Wu schreibt über die Hass- und Mobbingkampagne #gamergate gegen sie und andere profilierte Gamerinnen – und beschreibt, welche massiven Anstrengungen die Hater unternehmen, um diese Frauen persönlich zu schädigen, nicht “nur online”, sondern auch im “realen Leben”.

Bei Dazed gibt es ein Interview mit der finnischen Fotokünstlerin Liu Susiraja.

Mae Carol Jemison, die erste afroamerikanische Astronautin, hatte vorige Woche Geburtstag. Zu diesem Anlass twitterte Afropunk das Video der Keynote, die Jemison im Frühjahr auf der Women of Color Task Force Conference gehalten hatte.

Jezebel berichtet über “die erste und bisher einzige” Trans*frau bei der New Yorker Feuerwehr, Brooke Guinan, und ihren Einsatz gegen Diskriminierung.

Anlässlich der australischen National Week of Deaf People (nationalen Woche der gehörlosen Menschen) berichtet Sarah Kienbort im Guardian über die Vorteile von Gebärdensprachen und die Erfahrungen, die sie als hörende Mutter einer gehörlosen Tochter macht.

In Dänemark, so ist bei Gay As Us nachzulesen,  haben neue Richtlinien die medizinische Situation für trans Personen verschlechtert.

Beim Guardian schreibt Chimamanda Ngozi Adichie über ihren Weg zu einem feministischen Selbstverständnis.

Termine in Berlin, Mannheim

Berlin: Elektronischer Donnerstag im Schwuz – your local girl gang! (Facebook-Link)

Mannheim: Am 25.November findet die Protestkundgebung “Reclaim the Night – Wir fordern die Nacht zurück” (Facebook-Link) statt.


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Wer war… Ida B. Wells-Barnett?

30. September 2014 von accalmie
Dieser Text ist Teil 41 von 44 der Serie Wer war eigentlich …

Ida Bell Wells-Barnett war ei­ne US-ameri­kani­sche Jour­na­li­stin, Lehr­er­in und Ak­ti­­vi­­stin, de­­ren En­­ga­­ge­ment für Schwar­­ze Bür­­ger_in­n­en­­rech­­te und Frau­­en­­rech­te im neun­zehn­­ten Jahr­­hun­­dert be­gann. Wells-Barnett wur­­de am 16. Ju­­li 1862 als die er­ste von sie­ben Ge­­schwi­st­ern in Hol­­ly Springs, Mi­­ssi­­ssi­­ppi, in die Skla­­ver­ei ge­­bo­­ren – we­­ni­­ge Mo­­na­­te, be­­vor der US-ameri­kani­sche Prä­­si­­dent Abra­­ham Lin­­coln in der Eman­­zi­­pa­­tions­­er­­klär­­ung zum er­­sten Ja­nu­ar 1863 das En­­de der Skla­­ver­ei in den Süd­­staa­ten er­klär­te (ein Dokument, das für den Großteil in Südstaaten-Sklaverei lebender Schwarzer bis zum Ende des US-amerikanischen Bürgerkrieges 1865 keine tatsächliche Befreiung bedeutete).

Ida B. Wells-Barnett, ca. 1893. © Mary Garrity.

Ida B. Wells-Barnett, ca. 1893. © Mary Garrity.

Wells-Barnetts jüngste Schwester und ihre Eltern (selbst politische Aktivist_innen in der Republican Party), Elizabeth und James Wells, fielen einer Gelbfieber-Epidemie zum Opfer, als sie sechzehn Jahre alt war. Wells-Barnett, nun verantwortlich für ihre fünf jüngeren Geschwister, gab vor bereits volljährig zu sein, und wurde daraufhin als Lehrerin in einer Dorfschule in Mississippi angestellt. Als ihre zwei Brüder eine Ausbildung begannen, zog Wells-Barnett 1882 mit ihren drei Schwestern zu einer Tante nach Memphis, Tennessee, wo sie weiterhin Schwarze Schüler_innen unterrichtete.

Als “Direct Action,” eine Pro­test­stra­te­gie, durch die zum Bei­spiel 1955 Ro­sa Parks im Mont­gom­ery Bus Boy­cott und spä­ter Schwar­ze Bürger_innen­rechts­grup­pen wie das Stu­dent Non-Violent Co­or­di­na­ting Com­mit­tee (SNCC) und der Con­gress for Ra­cial Equa­lity (CORE) nicht nur Auf­merk­sam­keit, son­dern vie­le Er­fol­ge er­ziel­ten, kann man Ida B. Wells-Barnetts Pro­test ge­gen die Se­gre­ga­tion ei­nes Zugs im Jahr 1884 be­zeich­nen. Ob­wohl sie im Besitz eines Erste-Klasse-Tickets für ihre Reise von Memphis nach Nashville war, wurde Wells-Barnett vom Schaffner dazu aufgefordert, sich in das einzige Abteil “für Schwarze” zu begeben, das gleichzeitig das Raucherabteil war. Als Wells-Barnett sich weigerte, wurde sie schließlich von drei Zugangestellten unter dem Applaus weißer Mitreisender gewaltsam aus dem Abteil geschleift. Wells-Barnett erstattete daraufhin Anzeige gegen die Eisenbahngesellschaft, doch das Oberste Verfassungsgericht Tennessees verwarf letztlich ihre Klage, und Wells-Barnett musste die 200 Dollar Gerichtskosten tragen. (mehr …)


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Antifa-Sportgruppe, Alison Bechdel, Ärsche – kurz verlinkt

24. September 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 249 von 260 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Beiträge

Die Staatsanwaltschaft Dresden hat im Zuge ihrer Ermittlungen gegen eine vermeintliche “Antifa-Sportgruppe” über “900.000 Datensätze von Handys erfasst sowie persönliche Daten von mehr als 55.000″ Demonstrant_innen und Anwohner_innen ausgewertet. Nun wurden alle Verfahren ohne Auflagen eingestellt, berichtet Spiegel Online.

Das Archiv für Jugendkulturen sammelt Geld, um das bereits bestehende Zine-Archiv weiterauszubauen. Dafür sollen Hefte mit Themen rund um Feminismus, Queerness und Riot Grrrls aufgekauft werden.

Auch in der Schweiz haben Aktivist_innen am Wochenende gegen selbsternannte “Lebensschützer” demonstriert.

In Frankfurt blockierten am Montag behinderte Menschen eine Straße, um gegen die 90-prozentige Kürzung ihres Kontingents an Taxifahrten zu demonstrieren. Denn Mobilität, die die Stadt sonst gern groß feiert, gilt eben mal wieder nicht für alle, berichtet auch kobinet.

Englischsprachige Beiträge

Der Telegraph hat die Frage aufgegriffen, ob Gäste im Münchner Hofbräuhaus rassistisch diskriminiert wurden (wir berichteten).

Alison Bechdel hat einen McArthur Genius Grant gewonnen, freut sich Autostraddle und Feministing interviewt die Genius Grant Gewinnern Sarah Deer. Mehr großartige Gewinnerinnen stellt das Ms.Magazine vor.

Black Girl Nerds schreibt zum Schwarzen Cosplayer Darrien Hunt, der von der Polizei erschossen wurde. Auf Twitter thematisiert #BlackLivesMatter diesen und andere Fälle rassistischer (Polizei-)Gewalt.

“Why does a black butt only look good in white skin?” Yomi Adegoke kommentiert im Guardian Cultural Appropriation und Körpernormierungen durch Künstler_innen und Mainstream-Medien.

Termine in Amsterdam, Bochum, Rostock und Wien

26. und 27. September 2014 in Rostock: Der der grrrlz*DaIY wird 4. Details gibt es hier zum nachlesen.

28. September in Wien: Kundgebung und Demo für sexuelle Selbstbestimmung, Zugang zum legalen und sicheren Schwangerschaftsabbruch und für reproduktive Rechte (Facebook-Link)

8. November 2014 in Amsterdam: “Returning the Gaze: Blackface in Europe“, eine internationale Aktivist_innenkonferenz.

Vom 3. November bis 14. Dezember 2014 wird Prof. Dr. Senay Kara der Universität Istanbul die Marie-Jahoda-Gastprofessur an der Ruhr-Universität Bochum übernehmen und für Vorträge zur Verfügung stehen.


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Rassistische Polizeigewalt, Victim Blaming und Bring Back #BringBackOurGirls – kurz verlinkt

17. September 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 248 von 260 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Links

“Die spanische Regierung nimmt von Plänen für ein neues Gesetz Abstand, das Abtreibung nur in zwei Ausnahmefällen erlaubt hätte” – mehr dazu bei dieStandard.

Die Polizei in Aachen ermittelt gegen mehrere Polizeibeamte und Azubis, die andere rassistisch mobbten und Hakenkreuze und Neonazi-Parolen verbreiteten, erklärt Der Westen.

“An jedem vierten Tag wird in Deutschland eine Straftat mit Bezug zum NSU begangen,” berichtet Migazin.

Englischsprachige Links

Der Protest gegen Rassismus und Polizeigewalt in Ferguson nach der Tötung von Michael Brown hält an, zeigt Buzzfeed.

Bei The Root schreiben Sihame Assbague und Rokhaya Diallo über die Doppelmoral der französischen Presse, die sich über Ferguson empört, aber rassistische Polizeigewalt in Frankreich ignoriert.

Zur extremen Rechten in England berichtete Channel 4: in London hat ein Thor-Steinar-Laden eröffnet, und es formieren sich Proteste.

Wie finanzielle Einschnitte in das Budget der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Armut und mangelnde Unterstützung die Bekämpfung von Ebola erschweren, beschreibt die New York Times.

Bei New Statesman kommentiert Sarah Ditum das Urteil, dass Oscar Pistorius Reeva Steenkamp nicht vorsätzlich ermordete, und setzt dieses in den Kontext einer Normalisierung von Gewalt gegen Frauen und victim blaming.

Daran anschließend thematisiert Feministing den Skandal um Ray Rice und die NFL, und titelt: “Wie du feststellen kannst, dass du Frauen hasst.”

Weiterhin berichtete Feministing von der Gruppe Studierender, die sich zur Unterstützung von Emma Sulkowicz (der Studentin, die gegen den Uni-Verbleib des Mannes, der sie vergewaltigte, protestiert, indem sie ihre Matratze durch den Campus trägt) gründete.

Vor mehr als fünf Monaten wurden hunderte nigerianische Schülerinnen von Boko Haram entführt. Deutsche Welle berichtet darüber, was aus der Aktion #BringBackOurGirls geworden ist und wie Aktivist_innen weiterkämpfen. Auch die Facebook-Seite der Kampagne ist weiterhin aktiv und informiert über Neuigkeiten und Aktionen.

Auf Tutus and Tiny Hats nimmt Laura den Mythos auseinander, die mangelhafte Auswahl an Plus-Size-Kleidung läge an den schlechten Konsumentscheidungen der Käufer_innen.

Termine in Berlin

19. September: in der Schererstr. 8 in Berlin (Facebook-Link) findet eine Veranstaltung gegen den “Marsch für das Leben” (am 20. September) statt. Dort werden in einem Vortrag, Film und anschließender Diskussion Gesetze und Bewegungen thematisiert, die Frauen davon abhalten, ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Anschließend stehen Tall As Trees und Anti-Corpos auf der Bühne. [Siehe Hinweis dazu in den Kommentaren – danke, evam!]

20. September: Die Gegendemo zum “Marsch für das Leben”: Demo für Selbstbestimmungs- und Abtreibungsrechte. Start: 11:30 Uhr, U-Bahnhof Kochstr. (U6/M29) Die Protest-Kundgebung des Bündnis’ für sexuelle Selbstbestimmung findet um 13 Uhr am Brandenburger Tor statt (Facebook-Link).

25.-26. Oktober: Die Berlin Bombshells veranstalten ein Roller Derby Bootcamp für Anfänger_innen und Fortgeschrittene. Die Teilnahmegebühr beträgt 85 Euro, und anmelden kann man sich hier.


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Geflüchtetenprotest, Landtagswahl, Fastfood-Streik – kurz verlinkt

10. September 2014 von der Mädchenmannschaft

Deutschsprachige Links

Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V. sucht ein_e Praktikant_in für den Bereich Veranstaltungsorganisation und Öffentlichkeitsarbeit.

Der Queerfeministische Taschenkalender 2015 ist erschienen!

Die protestierenden Geflüchteten in Berlin haben das Dach des Hostels verlassen und kommen erst einmal in den Räumlichkeiten einer Kirche unter. Aktuelle Infos gibt es weiterhin auf guertelstrasse.wordpress.com.

Eine UNICEF-Studie zeigt, wie geflüchtete Kinder in Deutschland systematisch benachteiligt und ausgegrenzt werden: Tagesschau.de berichtete.

In der sächsischen Landtagswahl erreichte die AfD (“Alternative für Deutschland”) 9,7 Prozent. Zeit Online berichtet von “interne[n] Mitgliederlisten […], die zeigen, dass einzelne sächsische AfD-Politiker Verbindungen zu rechtsextremen Kreisen haben. Sogar ein NPD-Mitglied hat die Sachsen-AfD in ihren Reihen. Ein anderer AfDler war Mitglied in der Rechtsrockband “Blitzkrieg”.” (Hinweis: der Artikel wurde von Zeit Online mittlerweile editiert).

Die KultusministerInnenkonferenz und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung haben in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe den sogenannten Orientierungsrahmens für den Lernbereich globale Entwicklung überarbeitet. Hier gibt es einen kritischen offenen Brief dazu.

Englischsprachige Links

Auf The Nation findet ihr ein Interview mit Angela Davis zu sozialen Bewegungen.

In den USA streiken Angestellte US-amerikanischer Fast-Food-Ketten für einen Mindestlohn. (Der Hashtag zum Streik mit Fotos und noch mehr verlinkten Texten: #StrikeFastFood.)

Termine in Berlin und Hessen nach dem Klick (mehr …)


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Fatkini, Software gegen Cyber-Mobbing und “schlechte Feministinnen” – Kurz Verlinkt (Teil 1)

3. September 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 246 von 260 der Serie Kurz notiert

In der Sommerpause hat sich natürliches einiges in unserer Linksammlung angehäuft. Darum wird morgen eine zweiter Teil folgen, bei dem es dann auch wie gewohnt die Veranstaltungshinweise gibt.

Deutschsprachige Links

Die Schwedische Akademie verkündete, dass das geschlechtsoffene Pronomen “hen” in ihr Nachschlagewerk (vergleichbar mit dem Duden in Deutschland) aufgenommen wird.

Magda hat beim DRadioWissen ein Interview zum Fatkini und zur Sichtbarkeit dicker Frauen in der Öffentlichkeit gegeben (im Beitrag runterscrollen).

Die Fotografin (unter anderem des Foto-Bands “Daima”) und ISD-Aktivistin Nzitu Mawakha ist verstorben. Die ISD hat einen Nachruf veröffentlicht.

Die Münchener Medientage finden Ende Oktober statt, das Programm steht und eines wird ersichtlich: Frauen finden dort eigentlich kaum Gehör. Der Journalistinnenbund hat gemeinsam mit anderen Initiativen einen offenen Brief verfasst.

Der aktuelle Frauenkalender 2015 “Wegbereiterinnen XIII“, herausgegeben von Gisela Notz, kann jetzt bestellt werden.

Der neue Roman von Claudia Koppert “Sisterhood – eine Sehnsucht” ist erschienen: “Um 1980. Privat und öffentlich gehen Frauen auf die Barrikaden, alles Mögliche treibt sie, eine Zuversicht trägt sie: »Sisterhood is powerful!« Viele Jahre später. Martha ist in Auseinandersetzungen mit ihrer fünfzehnjährigen Tochter Rosa verstrickt. Das Frauenaktionszentrum gibt es schon lange nicht mehr, und aus ihrer letzten Wohngemeinschaft ist sie vor Jahren ausgezogen. Aber dann begegnen ihr unerwartet frühere Mitstreiterinnen, und alles ist wieder da: die Hochgefühle, die Konflikte, die Grundsatzfragen.

Die Wanderausstellung “Martin Luther King, Jr. @ Berlin 1964-2014″ kann noch bis zum 12. September im Foyer des John-Lennon-Gymnasiums in Berlin besichtigt werden (Facebook-Link). Mehr zum “King Code,” einem multimedialen Schul- und Jugendprojekt, und weitere Termine und Stationen der Wanderausstellung finden sich ausserdem auf der Projekt-Homepage.

Englischsprachige Links

Roxane Gay hat in diesem Jahr den Roman “An Untamed State” und die Essay-Sammlung “Bad Feminist” veröffentlicht. Der Guardian stellt die Schrifststellerin und ihre Vorstellungen vom “schlechten” Feminist_innensein vor. (Inhaltshinweis: sexualisierte Gewalt)

Auf ihrem Blog hat Roxane Gay zu dem zu Michael Brown, einem 18-Jährigen, der von einem weißen Polizisten erschossen wurde, geschrieben: “I don’t care if Mike Brown was going to college soon. This should not matter. We should not have to prove Mike Brown was worthy of living. […] His community should not have to silence their anger so they won’t be accused of rioting, so they won’t become targets too. ”

Olivia Cole beschrieb zehn Varianten rassistischer Trolle, die einer_einem begegnen, wenn man über Michael Brown redet.

Über 100 berühmte Frauen mussten diese Woche erleben, dass private Nacktfotos gestohlen und online veröffentlicht wurden. Wie sich rape culture hier widerspiegelt und warum niemand sich diese Fotos anschauen sollte, erklärt Clementine Ford bei Daily Life.

Männer, die plötzlich Feminismus ™ entdecken, weil sie Töchter haben. Und dann drüber schreiben und Meme-T-Shirts tragen. Kat Stoeffel analysiert auf Slate all die problematischen Implikationen.

In Kanada haben verschiedene Organisationen und weitere Aktivist_innen eine Datenbank eingerichtet: “The database will document Indigenous women, Two-Spirit and Trans people who have gone missing, or died as a result of violence.” Ziel ist es, die Leben der Betroffenen zu ehren, Familien eine Möglichkeit die Tode zu dokumentieren und auch: “asserting community control of our own record-keeping.”

Trisha Prabhu, 13 Jahre alt, hat eine Software entwickelt, die hilft “Cyber-Mobbing” zu verhindern. (Mehr auch bei A Mighty Girl auf FB.)

Und manchmal braucht es doch einfach nur was zum Lachen: Confused Cats Against Feminism.


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Wenn ich dieses Jahr nur ein Buch lesen dürfte: Es wäre die Autobiographie von Janet Mock

10. Juli 2014 von Magda
Dieser Text ist Teil 82 von 89 der Serie Die Feministische Bibliothek

„Viele beschreiben den Weg einer Trans*-Person als Übergang von einem zum anderen Geschlecht, von Männlichkeit zu Weiblichkeit, vom Mann zur Frau, vom Jungen zum Mädchen. Dies stellt die komplexe Reise der Selbstentdeckung, die jenseits von Gender und Genitalien verläuft, allerdings vereinfacht dar. Mein Weg war eine Entwicklung von mir zu einem mir-noch-näher-kommen. Es ist eine Reise der Selbstoffenbarung.“ (Meine Übersetzung, Original-Zitat am Ende des Textes)

– Janet Mock (2014): Redefining Realness. Atria Books/Simon & Schuster; S. 227.

"Redefining Realness. My Path to Womanhood, Identity, Love & So Much More" - Janet Mock

Janet Mock, Aktivistin und Autorin, nimmt uns in ihrem eindrucks­vollen Buch mit auf eine Reise in ihre Vergangen­heit. Es ist ein weiter Weg des Sich-Bewusst-Werdens und des Über-sich-Hinaus-Wachsens in einer Welt, die für die Lebens­realitäten von Frauen wie Mock kaum Vorstellung besitzt und meist nur abwertende Worte übrig hat. 2011 wurde ihre Geschichte das erste Mal öffentlich erzählt – in der Marie Claire, einer Mode­zeit­schrift mit Zielgruppe „Frau“, die Mock’s Geschichte mit einem einfachen und dennoch falschen Satz betitelte „Ich wurde als Junge geboren“. Mock entschied daraufhin ihre eigene Geschichte zu erzählen, die ohne publikums­heischende Titel und ohne verein­fachte Narrative über Trans*Menschen auskommen soll.

Mit Redefining Realness hat sie dieses Buch geschrieben, das weit mehr ist als eine Aneinander­reihung von Anekdoten aus ihrem Leben: Es ist eine knall-ehrliche, überaus sympathische und analytisch brilliante Auto­biographie, in der sie „ihren Weg zu Weiblich­keit, Identität, Liebe und so viel mehr“ beschreibt.

Mock’s Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend, die sie auf Hawaii, in Kalifornien und in Texas verbrachte, sind maß­geblich geprägt von Armut, Rassismus und Trans*­feindlichkeit; von sexualisierten Übergriffen, Missbrauch und der stetigen Glorifizierung von hegemonialer Männlich­keit; von ihren Erfahrungen in der Sex­arbeit und von der Präsenz starker Frauen mit unbändigem (Überlebens-)Willen, engen Freund_innenschaften und Kopf-durch-die-Wand-Entscheidungen. Steter Ausgangs­punkt: Der eigene Körper, die eigenen Kämpfe.

Auf etwas mehr als 250 Seiten präsentiert Mock eng verknüpft mit ihrer Lebens­geschichte eine Gesellschafts­analyse, die die mit­einander verwobenen Macht­verhältnisse leicht verständlich erklärt und diskutiert, ohne die individuelle Handlungs­fähigkeit aus dem Blick zu verlieren. Mock verschmilzt ihre bisherige Lebens­geschichte und ihre Visionen mit Schwarzen feministischen Theorien und nimmt immer wieder Bezug auf Autor_innen und Aktivist_innen wie zum Beispiel Audre Lorde oder Zora Neal Hurston. Und Jugend-Freund_innen wie Wendi Miyake, Make-Up-Artistin und Inspiration für Mock.

Mock stellt ihre Erfahrungen in einen gesellschaftlichen Kontext und verweist stets auf die Situation von queeren Jugendlichen (of Color) in den USA, deren Leben nicht selten geprägt sind von Obdach­losigkeit, Diskriminierung, Suizid, wenig Unter­stützung von der Herkunfts­familie oder unzureichender Gesundheits­vorsorge. Mock zentriert ihre und die Erfahrungen anderer (Ressourcen-)armen Trans*-Frauen of Color und bietet unentwegt Perspektiv­wechsel an. So wirft sie viele Frage auf: Wie kann es sein, dass Frausein an bestimmte Genitalien geknüpft wird? Wie strukturiert Gesellschaft Lebens­realitäten und Entscheidungen, die Menschen machen (müssen)? Was und wer gilt als “real” und warum?

Janet Mock ist einfach verdammt gut darin, den Dingen auf den Grund zu gehen. Als Autorin und als Aktivistin. Nach dutzenden Interviews anlässlich ihrer sensationellen Buch­erscheinung, in denen sie ständig mit (privaten und grenz­über­schreitenden) Fragen zu ihrem Körper und ihrem “Outing” konfrontiert war, drehte sie einmal den Spieß um und fragte eine Reporterin, wann sie sich eigentlich als cis*-Person geoutet hatte.

Das Buch ist ein Geschenk, und zwar nicht nur für Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Es ist eine berührende Geschichte, ein beein­druckendes Bildungs­angebot. Wenn ich dieses Jahr nur ein Buch lesen dürfte – es wäre dies.

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„People often describe the journey of transsexual people as a passage through the sexes, from manhood to womanhood, from male to female, from boy to girl. That simplifies a complicated journey of self-discovery that goes beyond gender and genitalia. My passage was an evolution from me to closer-to-me-ness. It’s a journey of self-revelation.“


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Ohlauer, Nazi-Aufkleber und #AskThicke auf Twitter – kurz verlinkt

2. Juli 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 241 von 260 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Links

Wie Ihr die Ohlauer-Aktionen unterstützen könnt, hat @Ohlauerinfo veröffentlicht: Spenden, Freiwillige für die Schichten am Infopoint etc. – Eure Hilfe wird jeden Tag (und jede Nacht) gebraucht.

Die Geschichte der Dortmunder Wahlparty im Rathaus, die von Rechtsextremen gestürmt werden wollte – und wie das Innenministerium nun herausgefunden haben will, dass die Politiker_innen dort einfach selbst randaliert hätten: Nachzulesen hier.

Interessant: Nazi-Aufkleber in Polizeiwagen sind nicht strafbar.

Der Kölner Bombenanschlag 2001 auf ein Lebensmittelgeschäft wirft immer neue Fragen auf: War ein Kölner Neo-Nazi bei der Tat involviert?

Warum nicht nur der Vorfall des durch rassistische Äußerungen in den Schlagzeilen gelandete Mitarbeiters des BAMF, sondern die Behörde insgesamt problematisch ist, darüber schrieb Petra Szablewski-Çavuş im Migazin.

Englischsprachige Links

The Belle Jar schrieb schrieb über Robin Thicke und sexuelle Gewalt (Triggerwarnung), und das Bitch Magazine feiert eine Twitter-Aktion, die eigentlich der Promotion für Thickes neues Album dienen sollte, letztlich aber dazu führte, dass Thicke(s Promo-Team) sich mit einer Menge unangenehmer Fragen konfrontiert sah.

Auf Black Girl Dangerous erschien nochmal ein sehr guter Text der nigerianischen Autorin Chekwube O. Danladi zu den entführten nigerianischen Mädchen und Frauen.

Infos und Kommentare zu einer ganzen Reihe an problematischen Entscheidungen des obersten Verfassungsgerichts in den USA bezüglich reproduktiver Rechte findet Ihr auf thinkprogress und bei Mother Jones, und zwar hier und hier und hier. Ebenfalls bei Mother Jones: ein Bericht, wie ausgerechnet die Ladenkette Hobby Lobby Geld in Firmen investiert, die Verhütungsmittel produzieren…

Die ägyptische Feministin Yara Sallam wurde verhaftet.

Die Historikerin und Autorin Hanne Blank hat ein Buch über die Erfindung der Heterosexualität geschrieben und zeigt, dass diese ein ziemlich neues Konzept ist. Salon hat mit der Autorin ein Interview dazu geführt.

Termine in Hamburg und Leipzig: (mehr …)


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Louise Erdrich – Einer Schriftstellerin zum 60. Geburtstag

13. Juni 2014 von Charlott
Dieser Text ist Teil 81 von 89 der Serie Die Feministische Bibliothek

The only time I see the truth is when I cross my eyes. (The Last Report on the Miracles at Little No Horse)

Am letzte Wochenende konnte die Schrifstellerin Louise Erdrich ihren 60. Geburtstag feiern – ein guter Anlass um sie auch hier als Teil unserer “Feministischen Bibliothek” vorzustellen. Erdrich wurde am 07. Juni 1954 in Little Falls, Minnesota, geboren und wuchs in North Dakota auf, wo beide ihrer Eltern als LehrerInnen arbeiteten. Sie ist eingetragenes Mitglied der Turtle Mountain Band of Chippewa Indians. Als sie 1972 am Dartmouth College Englisch anfing zu studieren, gehörte sie zu den ersten zugelassenen Studentinnen. Im gleichen Jahr wurde außerdem am College ein Native American Studies Programm neueingerichtet, in dem sie Kurse besuchte. Im Jahr 1979 schloss sie dann einen Master im kreativen Schreiben an der Johns Hopkins Universität ab.

Zu schreiben hatte sie aber schon viel früher begonnen. Bereits als Kind verfasste sie Geschichten und wurde gerade durch ihren Vater dazu angehalten: Für jede Geschichte ‘zahlte’ er ihr einen Nickel. Seit 1984 hat sie neben Gedichtbänden, Kurzgeschichten und Non Fiction ganze 14 Romane veröffentlicht. In einem (sehr lesenswerten) Interview mit The Paris Review sagte Erdrich im Jahr 2010:

It didn’t occur to me that my books would be widely read at all, and that enabled me to write anything I wanted to. And even once I realized that they were being read, I still wrote as if I were writing in secret. That’s how one has to write anyway—in secret.

(Meine Übersetzung: Ich kam gar nicht darauf, dass meine Bücher von vielen gelesen würden, und das hat es mir ermöglicht alles zu schreiben, was ich wollte. Und als ich dann realisierte, dass sie gelesen werden, habe ich einfach weitergeschrieben, als würde ich im Geheimen schreiben. So sollte man überhaupt schreiben – im Geheimen.)

In ihren Büchern schafft es Erdrich Geschichten zu erzählen, die politisch und poetisch sind. Es gibt Figuren, die immer wieder in den Romanen auftauchen – mal im Zentrum stehend, mal als Nebenfiguren, mal nur ganz aus der Ferme – und so fühlt sich das Aufschlagen eines Buchs von ihr oft so als, als kehre man als Leser_in zurück. Besonders eindrücklich auch ist Erdrichs Erzählweise, die eine Reihe von Perspektiven eröffnet und wo sich häufig erst aus dem Kollektiv der Erzählstimmen nach und nach ein Bild zusammensetzt. So erhalten bei ihr gerade auch Figuren Stimmen, über die sonst aus kolonialisierter Perspektive gesprochen und geschrieben wird. Dabei schafft sie komplexe Charaktere, die vielgestaltig sind und Stereotype aufbrechen. Gerade ihre vielen Frauenfiguren vergisst eine nicht so schnell.

Und auch wenn sie diese Romane immer noch wie “im Geheimen” schreibt, so sind sie doch im englischsprachigen Raum mittlerweile kein Geheimnis mehr. Im November 2012 gewann sie für ihren Roman The Round House, in dem es zentral um sexualiserte Gewalt gegen Native American Frauen geht, den National Book Award for Fiction. Nicht nur haben diesen bisher kaum Autorinnen erhalten, auch war sie die erste Native American Autorin, die den Preis zugesprochen bekam.

Louise Erdrich richtet sich nicht nur an erwachsene Leser_innen, sondern verfasste bis heute auch sechs Kinderbücher, in denen sie ebenfalls Native American Figuren in den Mittelpunkt zu stellen und deren Geschichten zu erzählen. In Minneapolis besitzt Erdrich darüber hinaus einen Buchladen, der spezialisiert ist auf Native American Bücher sowie Kunst und Schmuck.

What happens when you let an unsatisfactory present go on long enough? It becomes your entire history. (The Plague of Doves)

Einstiegstipp: Ich empfehle hier bei den Romanen einfach chronologisch vorzugehen und mit The Love Medicine zu beginnen.


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