Einträge mit dem Tag ‘unsere Körper’

Äh, Hormone?

Monday, September 8th, 2008 von Barbara

Unlängst berichtete die Süddeutsche Zeitung über eine Studie des Instituts MKM im Auftrag von Essex Pharma zum Thema Verhütung. Das Ergebnis ist niederschmetternd: Unter 500 hormonell verhütenden Frauen zwischen 15 und 45 Jahren wissen viel zu wenige Bescheid über das, was sie da tun.

… weiß jedoch fast ein Drittel (32 Prozent) der Befragten nicht, wie ihre Verhütungsmethode wirkt. Mehr als drei Viertel der Frauen (75,6 Prozent) können zudem nicht sagen, welche Hormone ihr Verhütungsmittel enthält. … 48 Prozent können … nur vage angeben, dass Hormone am Werk sind und der Hormonhaushalt verändert wird. Immerhin 38,5 Prozent sagen, dass der Eisprung gehemmt wird …

Kann das sein? Ist das (bitte bitte) nur das verfälschte Ergebnis einer fiesen Verschwörung, eine Pharmalobbylüge? Warum wissen diese 500 Frauen nicht alle ganz genau, welche Hormone sie warum schlucken?

Hager & Mager

Wednesday, September 3rd, 2008 von Susanne
Dieser Text ist Teil 20 von 27 der Serie In Bildern: Das denkt die Welt

Gesehen bei den Sozialhelden

Haarige Sache

Monday, August 18th, 2008 von Katrin
Dieser Text ist Teil 19 von 27 der Serie In Bildern: Das denkt die Welt

Lady Shave

Gefunden bei Chelsea (Flickr)

Geht leider gar nicht: olympisches Frauenturnen

Saturday, August 16th, 2008 von Meredith

Die olympischen Spiele interessieren mich, wie alle anderen Profisportwettbewerbe außer Fussball, praktisch nicht. Was ich aber zugegebenermaßen immer wieder gerne gesehen habe, ist: Turnen. Spezifisch, Frauenturnen. Das liegt zum einen an diversen biografischen Anteilen. Zum anderen bereitet es mir, und vermutlich der großen Gemeinschaft der Turnfans auch, vor allem ästhetische Freude, leichten, geschmeidigen Menschen dabei zu zusehen, wie sie wahnsinnig anspruchsvolle Tricks vollziehen, und absolute Körperbeherrschung dabei zeigen.

Das Problem ist leider: Der internationale Frauenturnsport ist wahrscheinlich eine der brutalsten Disziplinen überhaupt. Die Anmut, welche die jungen Damen am Stufenbarren und auf dem Boden an den Tag legen, entsteht nur unter extremem Druck und steinhartem Training. Wer das Thema ein bisschen verfolgt hat, hat vermutlich schon von den Dressuranstalten des chinesischen Kaders gehört; aber auch in den USA oder Russland geht es Turnerinnen körperlich nicht viel besser.

He Kexin ist vermutlich erst 14, turnt aber bei den olympischen Spielen.

Während Männer eigentlich erst nach der Pubertät anfangen können, auszutrainieren, endet eine Turnerkarriere für die meisten Frauen mit: 20. Die Journalistin Diane Francis bezeichnet den professionellen Turnsport als Kindesmissbrauch. Sie schreibt, dass eine Turnerinnenausbildung bei Mädchen im Alter von fünf, sechs Jahren beginnt und ab diesem Zeitpunkt ein geradezu gewalttätiger Kampf gegen die Pubertät sei. Wenn so eine Turnerin dann durch ist, hat sie nicht nur keine Zukunft im Sport, sondern auch einen kaputten Körper. Doch um die Punktzahlen zu erreichen, sind Niedrigstgewicht und Kinderformen nunmal nötig - bei den Männern geht es viel mehr um die Kraft, also, um ein erwachsenes Attribut.

Während sich die Beweise verdichten, dass China mindestens ein 14-jähriges Mädchen aufgestellt hat (die Altersuntergrenze ist 16) und Jacques Rogge vom IOC dazu nur mit den Achseln zuckt, offenbart sich der Turnsport als ein weiteres Gebiet, auf dem Mädchenkörper geschunden werden. Natürlich ist Hochleistungssport fast immer gesundheitsschädlich, das beschränkt sich nicht auf Turnerinnen und schon gar nicht auf Frauen. Und gerade die US-Turnerinnen werden ja nicht versklavt oder zu ihrem Glück gezwungen. Aber die Tatsache, dass schon kleine Mädchen in diese Maschinerie kommen, ihren Körper nicht erlaubt wird, sich zu entwickeln, und sie dann, sobald sie erwachsen sind, ausgespuckt werden - das offebart doch eine frappierende Missachtung des weiblichen Körpers. Zu fragen ist, wieso die Turnregeln eigentlich nicht an ein halbwegs natürliches Frauenkörperbild angepasst werden können? Und wieso ein weiteres riesiges, profitables System auf der Zerstörung weiblicher Körper aufgebaut werden kann, in einem Bereich der angeblich irgendwann mal etwas mit Fairness und Chancengleichheit zu tun hatte. Aber, stimmt: Wir sind ja bei den Olympischen Spielen und das ist nun mal die wichtigste Plattform für das Turnen.

Schade, denn Turnen ist ein so schöner Sport. Doch letztlich ist es bei diesen Bedingungen so, dass wer sich das gern ansieht, genau so gut voller Freude und ganz bewusst Produkte aus Kinderarbeit kaufen kann.

Diktatur der Schönheit

Monday, July 28th, 2008 von Susanne

Die Medienwissenschaftlerin und Filmemacherin Prof. Dr. Bernadette Wegenstein kommentiert im Politischen Tagebuch der Initiative dieGesellschafter.de die RTL-Doku-Soap “Aus Alt mach Neu” mit Brigitte Nielsen. Diese wird - immer von den Kameras begleitet - per Komplett-Makeover wieder Showbiz-kompatibel gemacht:

Die Frage heute ist nicht mehr: »Was wollen wir mit unserer Schönheit sagen und wem« (…), sondern die Frage ist: »Was kann Ich aus meinem genetischen und kulturellen Potenzial machen? Wie kann ich daraus Kapital schlagen? Wie kann ich mich verbessern auf dem Markt der Individualität?« Dieses Diktat erhebt totalitären Anspruch. (…) In einem 21. Jahrhundert, in dem die westliche Welt langsam aber sicher »erschönt«, wird es bald keine Möglichkeit mehr geben, den »anderen« Körper, den entstellten, nicht weißen, nicht glatten, nicht zuordenbaren Körper überhaupt zu sehen und zu »lesen«.

Wo die Kinder der Nacht ruhen

Monday, July 7th, 2008 von Meredith

Das hervorragende Good Magazine hat diese Woche einen sehr lesenswerten Artikel über ein Resozialisierungsprojekt für minderjährige Prostituierte.

Im Children of the Night finden Mädchen Zuflucht, die zwischen zwölf und siebzehn sind und sich prostituieren mussten. Das Heim befindet sich in Los Angeles und wird von einer tollen Lady namens Lois Lee betriebe. Sie schrieb in den siebzigern ihre Dissertation über das Phänomen Zuhälter und fing dabei an, jungen Stricherinnen und Strichern zu helfen - indem sie sie bei sich übernachten ließ, ihnen Geld lieh, mit ihnen redete oder zur Polizei ging. Vor dreissig Jahren gründete sie dann das Heim, es wird nur durch private Spenden betrieben - sogar Hugh Hefner hat einiges Geld gegeben. Lee versucht den Mädchen (und wenigen Jungs) nicht nur ein Dach über dem Kopf und eine Ausbildung zu verschaffen, sie verwöhnt die Kids auch, lässt sie ins Spa fahren oder Essen gehen und verbringt enorm viel Zeit mit ihnen. Indem sie ihre Schützlinge leben lässt, wie “normale” Jugendliche, gibt sie ihnen ihre Würde und ihr Leben zurück. Tolle Sache, toller Text. Lesen, lesen!

Und: Wer kennt ähnliche Projekte in Deutschland?

Modelgeflüster

Wednesday, June 4th, 2008 von Barbara

Zwei Models unter sich - Insidertalk auf Spiegel Online zum TV-Dauerbrenner “Germany’s next top model”:

“Fehlende Selbsteinschätzung ist bei den meisten eh’ das größte Problem”, ergänzt Lilo. “Jungs müssen einfach Typen sein, gutes Aussehen reicht nicht. Cool müssen die sein. Bei Mädels ist es schon so, 90-60-90.”

Jiri stimmt zu. “Weibliche Models erkennt man an der Figur, Männer nicht unbedingt.” Dabei ist das Model-Business eine der weniger Branchen, in denen Frauen im Vergleich zu Männern mehr als das Doppelte verdienen. “Ist doch sonst eigentlich nur bei der Prostitution so” - Jiri kann damit leben.

Ach so.

“Jede Frau muss für sich herausfinden, was sie am stärksten erregt”

Monday, May 12th, 2008 von Susanne

In der Mai-Ausgabe des Psychologie-Magazins Emotion gibt es ein sehr gutes Interview mit der Sexualforscherin Beverly Whipple. Sie spricht über weiblichen Sex, Orgasmen und über die Erforschung der weiblichen Sexualität, die erst Anfang der Achtziger(!) richtig in Gang kam.

Baby-Antibabypille

Thursday, May 8th, 2008 von Barbara

Foto: Feuillu / Flickr

Warum erst als Teenager die Pille nehmen, wenn es auch schon früher geht? Vorgestern berichtete die Techniker Krankenkasse über den Pillenkonsum von Elfjährigen in Bayern.

Immer mehr junge Mädchen aus Bayern schlucken die Antibabypille: Jedes dritte Mädchen im Alter zwischen elf und 20 Jahren bekommt mittlerweile die Pille verschrieben. Vor sieben Jahren war es noch jedes vierte Mädchen, so eine aktuelle Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK) unter ihren Versicherten. Die Anzahl der abgegebenen Packungen stieg laut TK-Statistik zwischen 2000 und 2007 um 54 Prozent.

Bis zum 20. Geburtstag übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Pille. Doch es wird nicht jedem Mädchen dazu geraten:

Wer beispielsweise die Pille nimmt und gleichzeitig raucht, hat ein höheres Risiko für Embolien, die auch schon in jüngeren Jahren auftreten können. Auch wenn ein Mädchen familiär belastet ist, sollte sie sich über ihr persönliches Risiko genau beraten lassen.

Ein Grund für den frühen Hormonkonsom sei das frühe und offensive Umgehen mit Sexualthemen. Die Mädchen wollen keinesfalls ungewollt schwanger werden. Dabei vergessen sie aber, dass die Pille erstens weder vor HIV noch vor Gebärmutterhalskrebs und anderen Krankheiten schützt, und dass die Pille zweitens den Körper mit Hormonen vollpumpt. Und noch was: Sex vor 14 ist strafbar; vgl. § 176 des Strafgesetzbuches.

Auweia! “Entweihung des weiblichen Körpers”!

Friday, May 2nd, 2008 von Susanne

Die Redaktion des Sterns hat sich dafür entschieden, mit seiner aktuellen Ausgabe ein bisschen was von Charlotte Roches Erfolg für sich abzuzwacken, indem sie den Roman auf den Titel(!) nimmt. Klar, ist ja auch eine gute Gelegenheit, einen nur dürftig bekleideten Frauenkörper A4-groß abzudrucken. Auf stern.de darf dann die Autorin Alexa Hennig von Lange schreiben, wie sie selbst das Buch findet, was dazu führt, dass sie sich selbst, nun ja, vor allem als faul, outet:

Was den Roman “Feuchtgebiete” von Charlotte Roche anbelangt, mag der Tumult weniger von den Schilderungen sexueller Handlungen ausgelöst worden sein, sondern durch die Entweihung des weiblichen Körpers. Wie das Modell Gisele Bündchen kürzlich erklärte: “My body is my temple.” Doch Charlotte Roche scheint den weiblichen Körper eher als eine Art nässenden, gärenden Komposthaufen zu verstehen. Ich kann dies allerdings nur vermuten, ich selbst habe das Buch nur in Auszügen gelesen.

Interessanterweise sind die Kommentare unter dem Text sehr amüsant und überraschend progressiv - tummeln sich doch normalerweise Konservative auf Deutschlands Presse-Webseiten, um per Kommentar ihre Weltsicht kundzutun.