Einträge mit dem Tag ‘unsere Körper’


Lesestoff für das ganze Wochenende – die Blogschau

26. Januar 2013 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 189 von 203 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Im Pfuilleton (danke, Sabine :) ) wird ja derzeit ständig behauptet, man könne Kindern rassistische Begriffe doch einfach “erklären”.  Schwarze Kinder hat dabei offenbar kaum jemand im Sinn…
Bei Bühnenwatch hat sich Anneke Gerloff  die Mühe gemacht, viele der in der Kinderbuchdebatte breitgetretenen white-supremacy-Argumente  auseinander zu nehmen. Auch Anarchistelfliege schreibt über den rassistischen Backlash, verlinkt gute Beiträge  und fasst nochmal einiges zusammen. Außerdem gibt es dort noch ein paar erläuternde Gedanken zum Unterschied zwischen Befindlichkeit und Betroffenheit.

Body policing und body shaming sind machtvolle Facetten von Sexismus – damit einher geht das oftmals komplett verinnerlichte Bewusstsein, dass der eigene Körper permanent von anderen wahrgenommen, reguliert, be- und abgewertet wird.  Nahezu alle Frauen* sind davon betroffen. Besonders krass erfahren das allerdings dicke Frauen*, denen ihr  “Versagen” im Kampf um das Erfüllen bestimmter Normen permanent vor Augen geführt wird.  Riotmango rantet gegen das Verleugnen von Privilegien, die schlanke Menschen in diesem Kontext gegenüber dicken haben.

Kotzen über das Erzbistum Köln und Verhütungspolitik:  ein offener Brief mit Hintergrundinfos.

Kinder und Jugendliche werden von Erwachsenen mit einer Menge Ansprüchen und Erwartungen konfrontiert – auch in links-alternativen Umfeldern, wie Somlu beschreibt.

Warum sie sich die offenbar obligatorische Diät zum Jahresanfang getrost spart, schreibt Katrin auf Reizende Rundungen. Toll aussehen geht sowieso auch hervorragend ohne.

Eine Taxifahrerin lehnt die Beförderung eines Fahrgastes ab, der sie bei einer vorherigen Fahrt sexuell belästigt hat. Bald darauf folgt die Kündigung, sie sei nicht „hart genug für diesen Beruf“ – das Mädchenblog berichtet über den unfassbaren Vorfall.

A propos unfassbar: Khaos.Kind schreibt einen offenen Brief an die EMMA, die sich in ihrer letzten Ausgabe in Sachen Bullshit selbst übertroffen hat.

Verharmlosung und Relativierung von sexistischen Übergriffen, Teil 6748: FDP-Politiker Rainer Brüderle hat eine Journalistin belästigt, und wer steht im Fokus der Kritik?  Na, ratet mal (Lösung bei Merle Stöver).
Die im Zuge des Vorfalls entstandene Twitterkampagne #aufschrei betrachtet das Antiblog und gibt praktische Hinweise, wie es weitergehen könnte. Auf Zehenspitzen sucht für sich einen Umgang mit Street Harrassment. Auch Frau Dingens erträgt den Normalzustand rape culture nicht mehr.

Ein neuer Stern am Bloghimmel:  Don’t degrade Debs, darling! startet mit wichtigen Fragen zur eigenen Identität:  “Habe ich das Recht Attribute die mir gefallen, die sich für mich erstrebenswert anfühlen anzunehmen oder muss ich dafür etwas erfüllen? Was ist entscheidend? Wie mich andere wahrnehmen? Wohl kaum! Wie ich mich selbst wahrnehme oder was ich mir wünsche zu sein? Kann ich Begrifflichkeiten entwerten oder ihnen die Schlagkraft nehmen, weil ich nicht genug irgendwas bin? Ab wann darf ich mich mit Dingen identifizieren?”

accalmie erklärt auf ihrem Blog noch mal das mit dieser Zensur und wer hier eigentlich wen ausschließt (auf Englisch).

Wie sich diskriminierendes Verhalten erkennen und bekämpfen lässt, darüber schreibt Zweisatz  – inzwischen bereits Teil 6.
Dazu passt eine anonyme Online-Umfrage, die Nejra Drljevic im Rahmen ihrer Bachelorarbeit in Sozialer Arbeit durchführt. Diese Befragung richtet sich an Frauen islamischer Religionszugehörigkeit und fragt u.a. nach Diskriminierungserfahrungen und Umgangsformen damit. Die Forscherin freut sich über rege Teilnahme.

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Reproduktive Rechte auf die Agenda setzen

22. Januar 2013 von Charlott

[CW: Thematisierung von sexualisierter Gewalt, ausgeschrieben V*rg*w*lt*g*ng - auch in vielen der verlinkten Texte]

Es ist mal wieder Zeit: Ein “Pille danach”-Artikel bei der Mädchenmannschaft. Zuletzt hatte Helga im April des letzten Jahres zu dem Thema gebloggt, als die Aufhebung der Rezeptpflicht gescheitert war. Wie immer ging es um die Einschränkung der Entscheidungsfreiheit und um einige andere Faktoren, die nicht das Wohl der betroffenen Personen betreffen. So schloss sie:

Tatsächlich sei Geld der Faktor für Ärzt_innen, die Rezeptpflicht beizubehalten, heißt es von der Beratungsorganisation pro familia. Sie fürchteten den Verlust von Patientinnen und finanzielle Einbußen. Ansonsten ist das Gerangel um die Freigabe der Pille danach vor allem ein Machtspiel – ausgetragen auf dem Rücken der Betroffenen.

Wie das dann aussieht, hat sich wieder einmal in der letzten Wochen gezeigt. In Köln wurde ein Fall bekannt, in dem eine Frau von einem Krankenhaus abgewiesen wurde als ihre Behandlung auch die Beratung (und Verschreibung) zur “Pille danach” beinhaltet hätte. Der Kölner Stadtanzeiger stellte in einem der ersten Artikel fest:

Frauen, die Opfer einer Vergewaltigung wurden, werden nach Recherchen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ in einigen katholischen Krankenhäusern des Erzbistums Köln nicht mehr behandelt.

Das dies kein Einzefall ist, zeigt sich allein daran, dass nun mehr ähnlich lautende Berichte zu Tage kommen. Und es deckt sich mit dem Wissen vieler Frauen, denen klar ist, dass sie an einigen Orten gar keine Chance haben Notfallverhütung zu erhalten. Aber auch in anderen Praxen geht die Verschreibung oftmals einher mit Untersuchungen und Vorwürfen. Die “Pille danach” zu erhalten – in Deutschland häufig ein Spießroutenlauf.

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2013: Lieber ohne Diätenquatsch

7. Januar 2013 von Magda

Wisst ihr, was ich gerne esse? Soya-Geschnetzeltes mit Knödeln und Rotkohl. Eine dicke Sahne­sauce darf nicht fehlen. Und Haloumi, ein salziger, knirschiger Käse, am liebsten im Fladenbrot mit Erdnuss­sauce. Eine riesige Portion Sushi würde ich auch nie stehen lassen. Ich liebe Salat. Mit Mozzarella. Oder Feta. Eine Freundin macht die beste vegane Nougat­butter­creme-Torte der Stadt. Davon esse ich auch gerne mal zwei Stück.

Warum ich euch das erzähle? Um uns daran zu erinnern, dass es OK ist, all diese Leckereien zu mögen, zu genießen – und zwar ohne schlechtes Gewissen. Das wissen zwar die meisten von uns (na gut: also zumindest theoretisch), aber diese ätzenden Fitness­studio-Poster mit ihren lächerlich-individualistischen Bot­schaften (McFit: “Zwischen dir und deinem Ziel steht nur eine Person: Du”) und die nerv­tötenden Weight Watchers Werbungen, die pünktlich zum Jahres­beginn auf allen TV-Sendern hoch- und runter dudeln, ­reden uns ohne Pause (und ungefragt!) ein, dass diese “Festtags-Pfunde” unbedingt weg­müssen.

Da verklickert uns zum Beispiel die Moderatorin Bärbel Schäfer in ihrem Weight Watchers Werbespot, dass sie nach der Schwanger­schaft mal wieder was für sich tun wollte. Und nee: Sie meint damit nicht, endlich Schlag­zeug zu lernen oder mit Freundinnen einen Roadtrip an die Ostsee zu machen, sondern formuliert lieber eine Kampf­ansage an ihren Körper: Das “Hüftgold” m.u.s.s. weg. Wo kämen wir denn auch hin, wenn die frisch ge­backene Mama dick und echt zu­frieden mit ihrem Leben wäre? Dafür fehlt uns die Vorstellungs­kraft, denn schlank sein ist immer noch so un­trennbar mit ‘schön’, ‘gut’ und ‘erstrebens­wert’ ver­flochten, dass die Idee einer dicken, gesunden und glücklichen Frau wie ein schlechter Brüller bei einer Kneipen­sause wirkt.

Der ehemalige Profi-Fußballer Oliver Kahn stellt in seinem Werbespot fest

„Bei mir hat es klick gemacht, als ich gemerkt habe, dass Weight Watchers Online auch für Männer funktioniert.”

Lasst die Sekt­korken knallen – aber nur ein Gläschen pro Person (110 kcal) - denn 16 Euro plus Anmelde­gebühr soll selbst­verständlich nicht nur den Ladies vor­enthalten bleiben: Gleich­berechtigung muss sein!!!!!!!!!!!!1!!

Echt ey, wenn ich ehrlich bin, ist es mir schnuppe, ob Menschen sich privat für eine Diät ent­scheiden, auch wenn ich da so eins (ok, wenn ich ehrlich bin:) zehn kritische Gedanken teilen würde, wenn mensch mich fragt. Ich kenne den (gesellschaftlichen) Druck ab­zunehmen und kann es keiner* persönlich verübeln, wenn sie diesem Druck nach­gibt und Punkte für 16 Euro im Monat zählen möchte. Scheiße sind nämlich Diäten und nicht die Menschen, die da reinge­zwungen werden.

Was ich aber ganz und gar nicht knorke finde, ist dieses öffent­liche Zelebrieren der perfekten™ Figur: durch Werbung, Ärzt_innen und auch privaten Gesprächen, so im Stil “Das Stück Kuchen muss ich mir ver­kneifen, der wandert nämlich direkt von meinem Mund auf die Hüfte.”

Mich nervt diese Diät-Propaganda, dieses Streben nach Aner­kennung durch Hungern und dieser Wunsch nach schmalen Hüften. Alles Resultat einer medial und medizinisch gesteuerten Körper­politik, die viele Menschen zu Verlierer_innen eines Normierungs­systems macht und die meisten von uns permanent beschäftigt hält.

Eine Anmeldung bei Weight Watchers kostet rund 46 Euro für den ersten Monat und 16 Euro für jeden weiteren Monat. Stellt euch mal vor, was mensch sich dafür alles kaufen kann! Zum Beispiel Eis-Creme mit Streuseln und Sahne für das ganze Mädchenmannschafts-Team. Ich finde, dass das gut klingt für einen zucker­süßen Start ins Jahr 2013. Ich hoffe, dass ihr gut gerutscht seid und geschlemmt habt, was auch immer ihr schlemmen wolltet.


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Mein Teller, meine Entscheidung

10. Dezember 2012 von Magda

Kaffee und Kuchen

Carmen: Na, das ist jetzt aber schon das zweite Stück Kuchen, das du da isst. Bist du eigent­lich irgend­wann mal satt? Wenn du nicht aufpasst, gehst du auf wie ein Hefe­kloß!

Ruhiyyih: Och mensch, Carmen! Wann ich satt bin, weiß ich selbst am besten. Und wenn ich Lust auf ein zweites Stück Kuchen habe, dann ist das doch wohl meine Ent­scheidung.

Carmen: Nun komm’ doch mal wieder runter, so war das doch nicht gemeint… Ich mache mir doch nur Sorgen, dass du zunimmst!

Ruhiyyih: Ja und? Wenn ich mich damit wohl fühle? Immer diese Angst vor’m Dick­werden, als wäre das irgend­wie schlechter als schlank zu sein.

Carmen: Na ja… also, hm… darüber habe ich noch nie nach­gedacht. Ich kann schon ver­stehen, dass das nervt: Ich will ich ja auch nicht, dass immer alle auf meinen Teller starren und jedes Stück Kartoffel nach­zählen, aber…

Ruhiyyih: …nee, kein aber! Dein Teller, deine Entscheidung!

Carmen: Haha, das ist wohl wahr! Ach Ruhiyyih, sorry für meine un­bedachten Worte!

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Samstagabendbeat mit Lady Saw

8. Dezember 2012 von Anna-Sarah

Ob eine sich selbst und ihre Sicht der Dinge in den Lyrics und im heteronormativen Kernfamilien-Setting des Videos nun zu 100% wieder findet oder nicht: Ich glaube, “Less than a Woman” von Lady Saws 2007er Album “Walk Out” ist der einzige Popsong, den ich kenne, in dem offen über Unfruchtbarkeit, Fehlgeburten und ungewollte Kinderlosigkeit gesungen wird – für viele Frauen*, letzteres wohl gerade auch für solche, die außerhalb (cis)heterosexueller Zweierbeziehungen lieben und leben, prägende Erfahrungen. Die Vielfalt dieser Erfahrungen und ihre Kontexte – wie zum Beispiel überkommene Familienbilder oder Verfasstheiten des Mutterideals, wie es an unterschiedliche Gruppen von Frauen* herangetragen wird – haben in der kommerziellen Popkultur genau so wenig Platz wie im öffentlichen Diskurs. Sicher, nicht alles davon wird in diesem Song hier verhandelt, zumindest nicht kritisch. Doch die so klare wie persönliche Botschaft der “Queen of the Dancehall” an eine Welt, in der Weiblichkeit nach wie vor nahezu untrennbar mit Gebärfähigkeit und (möglichem) Muttersein verknüpft ist  -  als Protagonistin eines Genres, welches oftmals für seine konservativen bis reaktionären Geschlechterbilder in der Kritik steht:

Not having a child don’t make me less than a woman.


You see, what I am saying is this song is dedicated to all the females who have been trying to have children but never succeed. Some have miscarriage just like myself, but you know what, don’t give up … and don’t feel you are less than a woman because you don’t have a child ’cause once you give you love to other children that counts. You know what I’m saying.

Wer es thematisch etwas, hm, leichter und dafür musikalisch etwas rougher möchte, kommt bei Lady Saw natürlich auch auf ihre_seine Kosten. Und muss dafür noch nicht mal das Album wechseln, sondern bloß ein bisschen vor oder zurück skippen.

Übrigens, a propos klare Botschaft: Mir fällt außer Lady Saws “Condom” auch spontan kein anderer Song ein, in dem so explizit für die Verwendung von Kondomen geworben wird…


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Leben auf Diät, Hunger nach Wörtern – die Blogschau

10. November 2012 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 180 von 203 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Ist es eine Kunst, eine feministische, gleichberechtigte Beziehung/Partner*innenschaft zu führen? Ist es schwer? Ist es möglich? Khaos.kind teilt Erfahrungen aus dem eigenen Beziehungsalltag.

Am 19. Oktober 2012 lud die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen zu einer Diskussionsveranstaltung zum Thema „10 Jahre Prostitutionsgesetz“ ins Jakob-Kaiser-Haus ein. Menschenhandel heute berichtet über die Veranstaltung.

Einen weiteren Veranstaltungsbericht gibt es bei der Denkwerkstatt: Brigitte war bei der zweiten Enquete der 20000frauen. Frauen.Körper.Politik lautete diesmal der Titel.

Wie es so sein kann, wenn frau relativ klein ist, berichtet Ryuu.

Yay: ein sexpositives Zine über A_sexualität! Ja, sowas gibt’s. Denn wer A sagt, muss noch lange nicht B sagen.

Heute und hier gleich zweimal Karnele: Fassungslos über die Unsichtbarkeit der Millionen von Geschichten sexualisierter Gewalt an Frauen aus der Generation “unserer” Großmütter, nicht minder wütend über den Umgang der ARD mit Kritik an homophoben, heterosexistischen TV-Darstellungen.

Über sprachliche Sichtbarkeit durch begriffliche Vielfalt schreibt Somlu und findet: “Allein die Existenz dieser Begriffe erzeugt ein Klima des Infrage stellens. Und das ist richtig klasse. Diese Begriffe brechen althergebrachte Selbstverständlichkeiten auf.

Noah Sow benennt die alltäglichen Erfahrungen, die sie als Musikerin macht – “als Künstlerin in Deutschland durchweg rassifiziert, nicht als Person gesehen zu werden, sondern als Körper, an dem sich die weißdeutsche Fantasie abspulen dürfen soll”. Hoffnung, dass es jemals anders werden könnte? Eher nicht.

Call for Papers: Die HerausgeberInnenschaft der Freiburger Zeitschrift für GeschlechterStudien ruft zur Einreichung von Beiträgen auf, die Körper, Körpersprache, Macht und Geschlecht aus unterschiedlichen Perspektiven behandeln.

Irgendwie sind immer alle auf Diät. Merle Stöver nicht. Doch auch sie weiß bereits: “Frau sein [heißt] auch immer ein Stück weit, sich scheiße zu finden.”

Viruletta macht sich Gedanken über die Funktion(en) ihres Studiums: “Ich will mir keinen Platz in einem System erkämpfen, das auf Ungerechtigkeiten aufgebaut ist und in dem Ausschlüsse von vornherein vorgesehen sind. Aber die Werkzeuge, die will ich sammeln und behalten. Ich will sie teilen und zweckentfremden.”

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Man kann schließlich von keinem Mann erwarten, dass er „Nein ich will keinen Sex“ versteht!

14. September 2012 von Helga
Dieser Text ist Teil 51 von 53 der Serie Meine Meinung

[Hinweise zum Inhalt: sexualisierte Gewalt und Ver­ge­walti­gungs­ent­schuldi­gungen]

„Man kann schließlich von keinem Mann erwarten, dass er ‚Nein ich will keinen Sex‘ versteht!“ Mehr fällt einer dieser Tage nicht ein, wenn sie die Geschichte des Frei­spruchs in Marl liest, bzw. der Bericht­er­stattung danach. Ein bereits durch Ver­ge­waltigungs­ent­schuldigungen auf­ge­fallener Recht­sanwalt und Blogger bestätigt, dass ein Gewalt­täter vom Vorwurf der Ver­ge­waltigung frei­ge­sprochen werden muss. Weil die Betroffene „nur“ „Nein, ich will nicht“ sagte, sich aber nicht „genug“ gewehrt hat. Und auch der Spiegel lässt den Anwalt des 15-Jährigen Mädchens erzählen, in einem Rechtsstaat habe das Gericht so entscheiden müssen. Denn der §177 des Strafgesetzbuches be­sagt:

“Wer eine andere Person

1. mit Gewalt,

2. durch Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben oder

3. unter Ausnutzung einer Lage, in der das Opfer der Einwirkung des Täters schutzlos ausgeliefert ist,

nötigt, sexuelle Handlungen des Täters oder eines Dritten an sich zu dulden oder an dem Täter oder einem Dritten vorzunehmen, wird mit Freiheits­strafe nicht unter einem Jahr bestraft.”

Dies, so der Anwalt, seien „objektive Kriterien“, ohne die „kaum bewiesen werden könne, ob eine Frau die Wahrheit sagt, wenn sie von dem Ge­schlechts­verkehr als Ver­ge­waltigung berichtet.“ Kotztüten raus, die Frauen als ständigen Lügnerinnen. Was für eine „objektive“ Definition von Gewalt und Drohungen haben wir hier eigentlich? Zählt da verbale Gewalt? Wie explizit müssen Drohungen sein? Ist „der Typ hat schon mal eine Frau verprügelt“ keine un­miss­verständliche Botschaft an alle anderen Frauen, die sich aus welchen Gründen auch immer, in seiner Nähe be­finden? Und dann der unsägliche Quatsch der „Schutz­losigkeit“. Die Betroffene hätte ja schreien können und war deshalb nicht „schutzlos“.

Doch ob es etwas bringt, sich zu wehren, oder im Gegenteil die Gewalt eskalieren lässt, ist für Betroffene schwer einzuschätzen. Immerhin geht es bei Ver­ge­walti­gungen nicht um Sex, sondern Macht­ausübung. Außer­dem, so erinnert die Emma, ist „Nichtstun“ eine völlig normale Reaktion. Noch schlimmer ist da nur noch die Angst besagten Bloggers, jeder ein­ver­nehm­liche Sex könne in eine Vergewaltigung umgedeutet werden. Weil ein „Nein“ so furchtbar schwer zu verstehen ist und alle Frauen Betroffenen lügen. Ist Eure Kotztüte auch schon so voll?

An dieser Stelle kann ich nur noch einmal die Lektüre des Interviews mit der Junior­professorin Ulrike Lembke empfehlen. Sie fordert, dass sich nur noch qualifizierte Kräfte mit Sexualdelikten beschäftigen, ansonsten würden Urteile vor allem mit „Ver­ge­waltigungs­mythen, Geschlechter­stereo­typen, opfer­be­schul­di­gen­dem All­tags­wissen, täter­ent­lastenden Gewalt­konstruk­tionen [und] der Ignoranz von Er­kennt­nissen der Trauma­forschung“ gefällt. Dies führe zu faktischer Straflosigkeit von sexualisierten Gewalt­delikten. Dieses Urteil ist leider das beste Beispiel für den traurigen Zustand unseres „Rechts­staates“.


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Intersexuelle Menschen sichtbar machen und schützen

11. September 2012 von Gastautor_in

Leo studiert „Nonprofit-Management und Public Governance“ und interessiert sich für Gender- und Queerthemen. Er_Sie hat einer Veranstaltung über Intersexualität gelauscht.

Die SPD-Bundestagsfraktion veranstaltete am 4. September 2012 eine Podiums­dis­kussion zum Thema „Inter­sexuelle Menschen an­er­kennen. Selbst­be­stimmung im Identitäts­geschlecht“ in der Berliner Zwölf-Apostel-Kirche.

Mechthild Rawert, MdB (SPD) sagte zu Beginn: „Wir wollen alle Menschen sichtbar machen.“ Mut in der Debatte machte das Referat der argentinischen Botschaft über deren neue Gendergesetzgebung. Zum Schluss fasste Rawert zusammen: „Wir sind gegen kosmetische Operationen im Kindesalter. Wir wollen ein Ende der Dis­kri­mi­nierung und brauchen Unterstützungsangebote für Eltern und intersexuelle Menschen. “

Vor der Diskussion hatten die SPD-Fraktion und die Zwölf-Apostel-Gemeinde dort zum Vespergebet geladen. Die Predigt hielt Bruder Franziskus vom evangelisch-hochkirchlichen Rogatekloster. Er kritisierte, die Kirche habe bisher nicht genug für intersexuelle Menschen getan. Er bat Gott, alle Leben gleichsam zu schützen. Gott sei mit den Minderheiten. Amen. Wenn’s denn hilft.

Simon Zobel vom Verein Intersexueller Menschen und Amnesty International fragte ihn, wenn Gott mit den Minderheiten sei, wer die Mehrheiten seien. Und antwortete selbst: Es sind die Konstrukte Mann und Frau. Zobel kritisierte, viele intersexuelle Menschen würden nicht erfasst im „Raster von Fehlbildungen und Abweichungen“. (weiterlesen …)


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Weltweit wehren und Wissen erwerben (und dabei gute Musik hören) – kurz verlinkt

5. September 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 166 von 190 der Serie Kurz notiert

Contentwarnung: In einigen der folgenden Meldungen und den entsprechenden verlinkten Texten wird sexualisierte Gewalt thematisiert.

Leider beginnen wir heute mit einer traurigen Nachricht: Die Künstlerin, Kunsthistorikerin und Literaturwissenschaftlerin Gudrun Ankele ist verstorben.

Die neue an.schlaege ist draußen zum Thema ”Feministische Arbeitsutopien” inklusive einem tollem Artikel über “Fünf Jahre Mädchenmannschaft!“. Vielen Dank dafür!

Auf xojane schreibt Lesley, warum es ok ist, den eigenen Körper nicht rund um die Uhr zu lieben – und warum diesbezügliche Forderungen nicht automatisch empowernd sind.

Ein neues Projekt namens It gets fatter (“Es wird fetter”) befasst sich aus einer queeren Perspektive mit Körpernormierungen und Dickenfeindlichkeit und kämpft für ein positiveres Körpergefühl. Eines der ersten Videos behandelt das Thema Gesundheit und Dicksein.


It Gets Fatter – Health & Fatness from It Gets Fatter on Vimeo.

Es gibt nun eine Online-Petition zur Anerkennung der Verbrechen gegen die “Trostfrauen”.

In den USA hat der Wahlkampf begonnen. Auf ihrem derzeit laufenden Parteitag werben die Demokrat_innen dabei insbesondere um die Stimmen von Schwulen und Lesben, meint queer.de beobachtet zu haben.

Eigenartig, was der NDR so unter “Gleichstellung von Mann und Frau” zu verstehen scheint, findet die taz. Außerdem berichtet sie über die Pläne von EU-Justizkommissarin Viviane Reding für eine Frauenquote in den Aufsichtsräten von Konzernen. Und die taz zum Dritten: beleuchtet die aggressive maskulistische Kampagne gegen feministische Perspektiven in der Wikipedia.

Wie die ohnehin eher virtuelle Trennung zwischen Online- und “echter” Belästigung von Gamerinnen sich bisweilen auflöst, steht bei npr.

Dass sich Todd Akin den hanebüchenen Mist vom angeblichen Schwangerschaftsabwehrmechanismus des Körpers nach einer Vergewaltigung nicht komplett selber ausgedacht hat, legt dieStandard dar. Außerdem berichtet dieStandard über zwei interessante Untersuchungen und deren Ergebnisse – einmal zum Ehegattensplitting, einmal zu weiblichen Führungskräften.

Die Neuregelung des gemeinsamen Sorgerechts nicht miteinander verheirateter Eltern kommentiert Edith Schwab, Vorsitzende des Verbands alleinerziehender Mütter und Väter.

Wie die Ideen hinter ‘Open Source’ unsere Welt verändern, erläutert Programmiererin und Bloggerin Alex Bayley im Interview mit derStandard.

Einen Unterstützungsbrief an die inhaftierten Aktivistinnen der Band Pussy Riot schreiben? Hier ist eine nützliche Anleitung, wie vorzugehen ist, damit er auch richtig ankommt.

Immer immer wieder: tödliche Gewalt gegen Schwarze Trans*-Frauen. The Root fragt sich: Wo bleibt eigentlich der kollektive Aufschrei?

Professur trotz besserer Qualifikation nicht bekommen – Juristin klagt wegen Diskriminierung. Skandalös dabei auch: Die Gleichstellungsbeauftragte wurde mittels Disziplinarverfahren gezwungen, ihre Aussage zurückzuziehen, dass die Mutter diskriminiert worden sei, berichtet die Zeit Online.

Call for Music: Die nächste Riot Grrrl Berlin-Compilation steht ins Haus, und eure Musik sollte unbedingt dabei sein.

Nach dem Klick noch allerhand Termine: (weiterlesen …)


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Raus aus der Komfortzone und mit Mut auf die Straße!

23. August 2012 von Helga
Dieser Text ist Teil 110 von 116 der Serie WWW Girls

In jeder Folge der WWW Girls stellen wir euch eine Bloggerin und ihr Weblog vor. Heute:

reizende Rundungen
Auch auf Twitter @fresheima, Facebook und Tumblr

Wie heißt du?
Katrin. Im Internet sonst auch gerne fresheima.

Seit wann bloggst du?
Bloggen tue ich schon seit 2005, früher hatte ich einen privaten Blog, mehr eine Art Tagebuch. Meinen Blog „reizende Rundungen“ habe ich jetzt seit August 2009, also drei Jahre lang.

Drei Bloggerinnen mit weißen Laptops auf denen der Venusspiegel prangt, darum der Slogan - Feminists of the WWW: unite

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen?
Ich habe Anfang 2009 Plus Size Modeblogs für mich entdeckt, da ich aber zu dem Zeitpunkt noch keinen einzigen deutschen Blog kannte, habe ich mich kurzerhand dazu entschlossen das zu ändern und selber einen Blog zu starten. Ich selber war wirklich sehr inspiriert von anderen Modeblogs und dem Selbstbewusstsein, mit dem dicke Frauen und Mädchen dort auftraten und meine Einstellung zu Kleidung hat sich zu der Zeit sehr verändert. Da ich persönlich finde, dass Deutschland immer noch sehr hinter anderen Ländern zurück bleibt, was Übergrößenmode betrifft, habe ich natürlich auch gehofft, meinem Unmut darüber eine Stimme zu verleihen, andere Frauen zu inspirieren oder Gleichgesinnte zu finden. (weiterlesen …)


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