Einträge mit dem Tag ‘unsere Körper’


Geburtshilfe – Keine Wahlfreiheit beim Geburtsort

25. Februar 2015 von Melanie

Ein Schritt vor, zwei Schritte zurück – So laufen die Verhandlungen der Hebammen mit den Krankenkassen und Versicherern. Die freie Wahl des Geburtsorts soll weiter eingeschränkt werden: Erhöhte Ausschlusskriterien für Hausgeburten (z.B. Überschreitung des errechneten Geburtstermins), das Ausbleiben einer 5%igen Vergütungssteigerung und das Damoklesschwert der zukünftigen Berufshaftpflicht verschlechtern die Situation in der Geburtshilfe massiv.

Dabei werden – wieder – die Rechte von Frauen*, über ihren Körper zu bestimmen, eingeschränkt. Schwangere haben damit nicht nur – realistisch betrachtet – keine freie Wahl des Geburtsortes mehr. Auch die Vor- und Nachsorge durch Hebammen ist davon betroffen – überlegen doch etliche Hebammen inzwischen, ihren Beruf aufzugeben. Im Kreißsaal wird die Situation auch nicht besser, die Überlastung der Hebammen durch die Begleitung mehrerer Geburten gleichzeitig führt öfter dazu, dass diese eigentlich wegen Überlastung den Kreißsaal schließen müssten.

Aber Selbstbestimmung von Frauen über ihre Körper oder die Rettung eines Berufsstands scheinen die Medien und Politik nicht mehr zu interessieren. Die Situation verschlechtert sich immer weiter.

Auf der Seite der Kampagne #meineGeburtmeineEntscheidung kann man Anregungen und Textbausteine finden, um sich bei den Krankenkassen zu beschweren, ebenso finden sich weitere Infos über die Problematik.


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Konsens Karneval – Ein Kostüm ist keine Einladung

5. Februar 2015 von Melanie

Alaaf und Helau liebe Jeck_innen! Oder was man sonst so bei Euch ruft, wenn Karneval/Fasching ist. Als ich vor über 5 Jahren aus dem Ruhrgebiet nach Köln zog, hat mich diese Omnipräsenz des Karnevals, der hier ja schon am 11.11. beginnt, geschockt. Und wie ich – damals noch im Ruhrgebiet arbeitend – versuchte, an Weiberfastnacht mit öffentlichen Verkehrsmittel aus Köln heraus zu kommen…

Das ist aber nicht das Problem mit Karneval. Sich Verkleiden, Feiern, Fröhlich sein – ok. Gern. Und in diesem Beitrag geht es auch erst mal nicht um die militärischen/katholischen-was-auch-immer Bezüge, die Karneval hat. An dieser Stelle geht es auch nicht um Rassismus in Sachen Verkleidung. In diesem Beitrag geht es darum, dass Sexismus und sexuelle Gewalt im Karneval einer die Feierei ganz schön vermiesen können, dass Frauen* darauf achten müssen, wie sie sich verkleiden, wie viel sie trinken… also alles, was an victim blaming und rape culture auch sonst existiert, im (Kneipen)Karneval dann noch mal geballt auftaucht.

Oder kurz: Ich möchte auf meine Kampagne “KonsensKarneval – Ein Kostüm ist keine Einladung” aufmerksam machen (hier zur facebook-Seite und zum twitter-Account). Vorbild war die Kampagne “I frog di“, die sich auf das Oktoberfest konzentriert.

Für diejenigen, die mit Karneval/Fasching eher wenig zu tun haben: Beim (Kneipen)Karneval ist es durchaus gang und gebe, dass Menschen offener als sonst auf andere Menschen zu gehen. Oder schlicht: dass diese Kontaktaufnahme dank Kostümierung und Alkohol leichter von statten geht. Hier in Köln ist das so gang und gebe, dass “Seitensprünge” an Karneval normalisiert sind (die werden bei der Nubbelverbrennung an Karnevalsdienstag gebeichtet und gesühnt. Dafür wird stellvertretend eine Strohpuppe – der Nubbel – verbrannt. Parallelen zur Hexenverbrennung sind an den Strohhaaren herbei gezogen). Ich war auf einer Hochzeit, auf der der Pfarrer den Hochzeits-/Treueschwur “treu sein, einander lieben und ehren” mit einem augenzwinkernden “Karneval ausgenommen” ergänzte. Für manche Touristen ist Karneval einzig dazu da, “Sexabenteuer” zu erleben.

Nun gut, so lange das in beiderseitigem Einverständnis erfolgt ist daran nichts falsch. Aber kommt es zu Übergriffen, wird es insbesondere den Frauen angelastet: Zu viel getrunken, zu freizügiges Kostüm und dann hat sie (™) auch noch mit einem “Bützchen” angefangen! (Bützchen sind Küsschen auf die Wange, die gerne auch als Gegenleistung für ein “Strüßje” erwartet werden, also Blümchen, das überreicht wird).

Hier möchte die Kampagne KonsensKarneval – Ein Kostüm ist keine Einladung ansetzen: Darauf aufmerksam machen, dass NIE die Betroffenen Schuld sind und dafür sensibilisieren, dass Vorsichtsmaßnahmen eher bei den “Tätern” gefragt sind.

Ihr wollt mitmachen? Sehr gerne! Wenn ihr selber Karneval feiert, schickt mir Fotos von Euch in Verkleidung, die ich mit dem Text “Mein Kostüm ist keine Einladung!” auf dem tumblr veröffentlichen werde. (WIE ihr verkleidet seid, ist völlig egal und ihr teilt mir mit, ob ihr eine Veröffentlichung mit oder ohne Namen wollt oder ob ich noch einen Balken über die Augen machen soll. Ich kann auch sehr gut nachvollziehen, wenn man KEIN Foto von sich veröffentlicht sehen möchte). Gerne könnt ihr mir auch Berichte über Erfahrungen (anonym, wenn ihr wollt) mit übergriffigen Menschen, abweisenden Beratungs-/Polizeidienststellen an konsens.karneval@gmail.com schicken. Oder ihr sammelt mit mir Ideen, wie das “Kölsche Grundgesetz” oder Karnevalssprüche/-lieder umgetextet werden können in Sätze, die sich insbesondere an “Täter” richten. Z.B. mit Postkarten auf denen “Darf ich Dich bütze*? (*küssen) steht und lediglich die Antwortmöglichkeiten: “Ja, aber nicht mehr” und “Nein” enthalten. Oder ihr teilt, liked und verbreitet einfach die Kampagne.

Ein Kostüm ist keine Einladung!


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Die politische Dimension von Fett

5. Januar 2015 von Magda
Dieser Text ist Teil 34 von 34 der Serie (Mein) Fett ist politisch

Wenn von dicken Körpern die Rede ist, werden gesellschaftliche Machtverhältnisse verhandelt. Dieser Artikel erschien in der 600. Jubiläumsausgabe der ak – analyse & kritik – zeitung für linke Debatte und Praxis (16.12.2014).

Maggie De Block

Maggie De Block

»Darf eine Gesundheitsministerin übergewichtig sein?« titelte unlängst die FAZ (15.11.2014) und widmete der belgischen Gesundheitsministerin und früheren Ärztin Maggie De Block einen ganzen Artikel – besser gesagt: ihrem Gewicht und ihren Essgewohnheiten. Auch andere Tageszeitungen füllten ihre Spalten mit reißerischen Titeln, stellten Mutmaßungen über Gewicht und Gesundheitszustand sowie die »Glaubwürdigkeit« der Ministerin an. Der Berliner Tagespiegel (20.11.2014) resümiert gönnerhaft, dass De Block Gesundheitsministerin sein dürfe, da sie »ihr Fettsein nicht als größtes anzustrebendes Glück propagiert«. In der FAZ kommt auch der Ehemann De Blocks zu Wort: »Es gibt in der Welt vielleicht schönere Frauen als Maggie, aber für mich ist sie die ideale Frau.«

Es irritiert, dass diese Zeitungen nicht etwa De Blocks jüngste Politiken als Staatssekretärin für Asylpolitik, Immigration und soziale Integration (2011-2014) und deren desaströse Folgen für Asylsuchende in Belgien thematisieren, sondern ihren Körper in den Fokus rücken. Es irritiert auch, dass anscheinend gesellschaftlicher Konsens darüber herrscht, dass eine dicke Politikerin unmöglich für das Amt einer Gesundheitsministerin geeignet sein kann und männliche Journalisten Zeile um Zeile abwertend über den Körper einer Frau schreiben können, ohne dass ein nennenswerter Aufschrei erfolgt.

Der Körper als Kampfzone

Wir leben in einer Zeit, in der die Angst vor dem Fettwerden gesellschaftliche Normalität ist, in der Kinder in Diätcamps mit minimalster Kalorienzufuhr gesteckt werden und Ärzt_innen FdH (»Friss die Hälfte«) für einen angemessenen Ernährungstipp halten. Wir leben in einer Zeit, in der Lehrer_innen aufgrund eines Body-Mass-Index (BMI) von über 30 in manchen Bundesländern nicht verbeamtet werden können. (1) Wir leben in einer Zeit, in der Diäten, Diätpillen, Magenverkleinerungen und dickenfeindliche Sprüche und ihre verheerenden Auswirkungen auf Körper und Seele für »gesünder« als ein dicker Körper als solcher gilt. Die Fixierung auf einen schlanken Körper und die Angst vor Fett(sein) nehmen absurde Dimensionen an: Die Kompetenzen einer Politikerin werden angezweifelt, weil sie einen dicken Körper hat und nicht etwa, weil sie kritikwürdige politische Entscheidungen in ihrer Berufskarriere gefällt hat. Sexismus, Dickenfeindlichkeit und die Nicht-Thematisierung von rassistischer Politik reichen sich die Hand.

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Marsch für das Leben?! What the fuck! Demo für Selbstbestimmungs- und Abtreibungsrechte in Berlin

8. September 2014 von Magda

Manche Traditionen sind unschön: Jedes Jahr demonstrieren in Berlin aus der ganzen Republik anreisende rechtskonservative und antifeministische GegnerInnen der körperlichen Selbstbestimmung gegen Schwangerschaftsabbrüche. 

Und manche Traditionen sind schön: Jedes Jahr formiert sich ein Bündnis aus queeren und feministischen Antifaschist_innen und demonstriert mit Trillerpfeifen, Konfetti, Sprechchören und viel Bildungsarbeit für das Recht auf körperliche und sexuelle Selbstbestimmung.

Am 20. September 2014 heisst es also wieder: AbtreibungsgegnerInnen blockieren, ärgern, kritisieren. Aufgerufen zum Demonstrieren haben u.a. das What The Fuck-Bündnis und Das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung. Im Vorfeld wird es in Berlin, Leipzig und Dresden Veranstaltungen zum Thema geben, die hier und hier aufgelistet sind.

What the Fuck - Marsch für das Leben

Demo: 11.30 Uhr | U-Bhf. Kochstraße (U6 / M29)
Kreativer Protest: 13 Uhr | Willy-Brandt-Straße vom what the fuck!-Bündnis
Protestkundgebung: 13 Uhr | Brandenburger Tor vom Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung


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Warum der BMI scheiße ist (und ich kein Sellerie mag)

23. Juli 2014 von Magda
Dieser Text ist Teil 27 von 34 der Serie (Mein) Fett ist politisch

Adipös. Mein Resultat grinste mich dick und fett (ha!) an. Schnell Google angeschmissen und mal gecheckt: Adipös heißt „fettleibig“ und „fettsüchtig“. Ich lese weiter und lerne, dass ich einen „krankhaft erhöhten Körper­fettanteil“ habe. Da staunst du nicht schlecht, was? Ja. Ich auch. An einem regnerischen Nachmittag hatte ich nämlich mal meinen BMI ausgerechnet und vor Schreck fiel mir gleich der Lolli aus dem Mund (Verzeihung, Sellerie­stangen! Selbst­verständlich Sellerie­stangen. Mit low-fat-low-carb-low-anything Quark. Ohne Salz.) Da stand es schwarz auf weiß: Krankhaft fettleibig. KRANKHAFTFETTLEIBIG.

Ich atmete schwer und tief ein (klar, bei dem schweren Körper). Und mein Recherche-Instinkt wurde geweckt. Was ist denn dieser BMI? Und welcher Sellerie­stangen kauende Nervmensch hat sich denn so einen Quatsch ausgedacht?

Hallo BMI, wer oder was bist du?

Der BMI soll uns angeblich verraten, ob wir „unter­gewichtig“, „normal­gewichtig“, „über­gewichtig“, „adipös“ oder „stark adipös“ sind. Der BMI errechnet sich aus dem Gewicht, geteilt durch die Größe im Quadrat, was uns schon mal einen ersten Hinweis darauf gibt, wie wenig aussage­kräftig diese Rechnung sein kann. Unterteilt wird außerdem fein säuberlich in „Mann“ und „Frau“ – als wären alle Menschen in den jeweiligen Kategorien „Mann“ bzw. „Frau“ gleich – als gäbe es nur Männer und Frauen. Manchmal findet eine Unterteilung in Alters­gruppen statt.

Von einer wirklichen Differenzierung beim BMI kann also kaum gesprochen werden. Andere Lebensumstände und Faktoren, die ebenfalls Einfluss auf Körpergewicht haben, bleiben unerwähnt: Wo, wie viel und was arbeite ich? Wo und wie wohne ich? Wie ist mein Zugang zu unterschiedlichen Nahrungs­mitteln und Sport­möglichkeiten? Wie viel Stress und Diskriminierung erlebe ich? Und nur, damit ich nicht missverstanden werde: Ja, soziale Faktoren haben Einfluss auf Körper(-gewicht). Und trotzdem werden Menschen immer unter­schiedliche Körper haben, auch wenn sie sich in ähnlichen Lebens­umständen befinden. Warum? Weil Körper unter­schiedlich auf Essen, Sport, Stress, Diskriminierung oder andere Einflüsse reagieren. Weil mein Körper nicht dein Körper ist.

Nehmen wir zum Beispiel Sellerie. Schon allein bei der Vorstellung Sellerie essen zu müssen, bekomme ich Pickel. Irgendwie bitter, viel zu fad. Und man kann’s nur schwer mit Käse überbacken… Müsste ich das essen, hätten ich und mein Magen keinen Spaß – obwohl Sellerie landläufig als „gesund“ gilt. Ich glaube aber an folgende Gleichung: Was mir nicht schmeckt, tut mir nicht gut – egal wie gesund. Was für die einen gesund und wohl­schmeckend ist, schmeckt für andere nun mal wie eingeschlafene Füße. Ich glaube auch an folgendes: Dicke Menschen verdienen es, so zu essen, wie sie möchten – genau wie alle anderen. Ohne scheiß Kommentare, ohne nervige Blicke. Was für eine radikale Forderung!

Schoko- und Himbeertörtchen

Dinge, die mir besser als Sellerie schmecken: Schoko- und Himbeertörtchen.

Ich fasse zusammen: Menschen und ihre Leben (und: ihre Geschmäcker) sind halt verschieden und komplex (d’oh!). Shit’s complicated. Es gibt nicht das „gesunde“ Essen auf der einen und das „ungesunde“ Essen auf der anderen Seite. Genauso wenig ist es sinnvoll, auf irgendwelche Rechnungen zu vertrauen, wenn es darum geht, Körper in „gesund_normal“ (BMI 20 – 25) und „risikobehaftet_krank“ (BMI ab 25) einzuteilen. Körper überhaupt in diese Kategorien einzuteilen ist, pardonnez-moi, kackscheiße!

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Offen über Krankheiten sprechen: Was ist HPV?

4. Oktober 2013 von Gastautor_in

Wir freuen uns über diesen Gastbeitrag von Franzi. Franzi ist 1985 in Berlin geboren und aufgewachsen, hat ihren Magister in Islamwissenschaft, Soziologie und Deutsch als Fremdsprache in Jena gemacht und arbeitet zur Verbindung von Queer Studies und Islamwissenschaft. Besonders liegen ihr  (queer)feministische, sexpositive und rassismusbezogene Fragen am Herzen.

Egal mit wem ich, meine Freundinnen*, meine Mutter oder meine Tante in der letzten Zeit geredet haben, fast jede Frau* kann irgendeine Geschichte bezüglich ihres Unterleibes oder ihrer Brüste erzählen – Zysten, Knoten in der Brust, verdrehte oder verklebte Eierstöcke, Scheidenpilz, diverse  Geschlechtskrankheiten, Myome, Ausschabungen – doch werden diese Geschichten lieber verschwiegen, geheim gehalten, nur auf Nachfrage erzählt. Dies ist selbst bei den Menschen der Fall, die sonst eher kein Blatt vor den Mund nehmen. Aber warum eigentlich?

Klar, nicht jeder*m ist es angenehm über Krankheiten zu reden, aber oft genug geht dieser Hang zum Tabu zu Lasten der Aufklärung. Das beste Beispiel sind die Humanen Papillom Viren (HPV), die weltweit am häufigsten sexuell übertragenen Viren, und die Generation der 20 bis 30-Jährigen, in die sie sich bevorzugt eingenistet haben, ohne dass diese einen blassen Schimmer davon hat.

Sommerzeit Traurigkeit

Wie viele andere Frauen* bin ich mal regelmäßig, mal weniger regelmäßig zur*m Frauenärztin*arzt gegangen. Wer nicht mittels Pille oder einer Alternative verhüten will oder braucht, kann sich das sparen, dachte ich mir lange Zeit, womit ich mit Sicherheit nicht die Einzige bin. Die letzten Jahre bin ich etwas gewissenhafter geworden und im Nachhinein ziemlich dankbar dafür. (mehr …)


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Rassistische Normalzustände – kurz verlinkt

22. August 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 201 von 266 der Serie Kurz notiert

In der vergangenen Woche haben sich allerhand spannende Linktipps angesammelt – daher gibt es diese Woche “Kurz verlinkt” gleich zweimal. Hier Teil 2.

Heute jähren sich die Angriffe auf die zentrale Aufnahmestelle für Geflüchtete und ein Wohnheim für ehemalige vietnamesische Vertragsarbeiter_innen in Rostock zum 21. Mal. Auch 21 Jahre später müssen Asylsuchende in Deutschland um die Sicherheit in ihren Unterkünften bangen.

Die Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt (KOP) und der Migrationsrat Berlin Brandenburg e.V. rufen auf zur Solidarität mit Ayfer H. (Hintergrundinfos ab Seite 132 in der Chronik) und mobilisieren gemeinsam mit ihr zur Prozessbeobachtung. Wann? Am Mittwoch, den 28. August 2013 um 11:30 Uhr. Wo? 64. Strafkammer des Landgerichts, Turmstraße 91, 10559 Berlin, Raum 731.

Alltagsrassismus erleben auch Reiche und Prominente, wie u.a. in der Süddeutschen Zeitung zu lesen ist: “Der eigentliche Skandal ist nicht, dass sich jemand weigerte, Oprah Winfrey eine teure Handtasche zu zeigen. Der Skandal ist, dass sich jemand weigerte, einer schwarzen Frau eine teure Handtasche zu zeigen. Dass es sich dabei um die berühmte Unternehmerin handelte, verhilft dem Fall, der sonst wohl nie an die breite Öffentlichkeit gelangt wäre, zu Bekanntheit. Mehr nicht.”

Die Jüdische Allgemeine meldet einen krassen Fehlgriff bei eben dieser Zeitung: Mit einem Foto eines Bahngleises des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau hat die Süddeutsche am Montag eine Leser_innenbriefseite zum Bahnchaos am Mainzer Hauptbahnhof illustriert.

Dass Frauen, die aus vermeintlich religiösen Gründen ein Kopftuch tragen, es schwer haben, einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu finden, war bekannt. Dass diesen Frauen aber mehr als jeder dritte Betrieb verschlossen bleibt, geht nun aus einer aktuellen Studie der Pädagogischen Hochschule Freiburg hervor, über die das Migazin berichtet.

Die taz berichtet über das Leben von Rroma-Familien in Serbien, die aus Deutschland abgeschoben wurden.

Ebenfalls in der taz: „Ich kam als Opfer rein und ging als Täter wieder raus“ – ein Bericht über Vergewaltigungen unter dem Einfluss sogenannter K.O.-Tropfen.

Eine neue TV-Serie über das Leben im Gefängnis, “Orange Is The New Black”, wird in der feministisch-kritischen US-amerikanischen Blogosphäre heiß diskutiert. Ein Interview mit einer der Schauspieler_innen gibt es nun bei Autostraddle [auf Englisch].

Mutmaßlich als Zeichen gegen menschenfeindliche homophobe Gesetze in Russland haben sich zwei russische Athletinnen bei der Leichtathletik-WM während der Medaillenvergabe geküsst - vermutlich drohen ihnen deswegen  Sanktionen [Text auf Englisch] Edit: Offenbar sind die beiden Sportlerinnen von dieser Interpretation ihrer Aktion nicht sonderlich begeistert

Cheryl Sandbergs “Lean In”-Webseite hat ironischerweise ein unbezahltes Praktikum ausgschrieben. Bei der The Ed Show sprechen Zerlina Maxwell und Keli Goff über den Kampf für gerechte Löhne und welche Ausschlüsse solche Praktika produzieren [auf Englisch].

Viele Tipps zur Selbstfürsorge gibt es bei Scarleteen [auf Englisch].

Warum thin-shaming, die Abwertung von als dünn gelesenen Körpern,  falsch und fies ist, aber nicht das Pendant zu fat-shaming, erklärt Lindy West auf Jezebel [auf Englisch].

Im New Statesman erklärt Laurie Penny Männern* nochmal den Unterschied zwischen individueller Schuld an und individueller Verantwortung für Sexismus – und fordert dazu auf, letztere zu übernehmen [auf Englisch].

Von wegen Höhlenmenschen und Evolution und so: Die allgemein verbreitete Überzeugung, dass Männer* grundsätzlich mehr an Sex interessiert seien als Frauen*, ist relativ neu, wie Alyssa Goldstein bei Alternet berichtet [auf Englisch].

Mädchen im Alter zwischen vier und acht Jahren sagen, was sie an ihren Körpern mögen: Was der Körper tun kann, ist wichtiger als wie er aussieht [auf Englisch].


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Auf eine weitere Runde in Texas

27. Juni 2013 von Charlott

Gestern konnte durch einen großartigen filibuster  von Wendy Davis, unterstützt durch viele Aktivist_innen on- und offline, die Senate Bill 5 abgewendet werden. Schon da war natürlich den meisten klar, dass dies nicht das Ende sein wird. Die Versuche in reproduktive Rechte einzugreifen, Zugang zu Abtreibungen zu verunmöglichen, über nicht-cis-männliche Körper zu verfügen – diese haben weder mit der Senate Bill 5 begonnen, noch enden sie mit dieser.

Der texanische Gouverneur Rick Perry hat eine neue special session einberufen, um dieses Mal über die Gesetzesvorlage zu Abtreibungsrechten (oder eher “-nichtrechten”) abzustimmen. Die Auseinandersetzung geht also schon sehr bald weiter. Davis hat bereits angekündigt, dass sie jederzeit wieder bereit ist für einen filibuster.

Es gibt also, wie zu erwarten war, kaum eine Pause. Wann gibt es die je?  Aber warum nicht ein wenig auf der Eurphoriewelle treiben lassen, damit es bald wieder heißt “Senat Bill 5 is dead”:


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Lass meinen fetten Körper in Ruhe!

24. Mai 2013 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 15 von 34 der Serie (Mein) Fett ist politisch

Dieser Text ist eine Übersetzung des Blogposts Back Off My Fat Body“, der kürzlich bei Dances with Fat erschienen ist. Wir danken der Autorin für die Erlaubnis zur Zweitverwertung! Ragen wollte immer eine fette Tänzerin sein und fand heraus, dass sie dazu erstmal Fat Activist werden musste. Jetzt tanzt sie nicht nur, sondern spricht und schreibt auch in Vollzeit über Selbstwertschätzung, Körperbilder und Gesundheit in jeder Größer und freut sich auf eine Welt, in der wir erkannt haben, dass jeder Körper großartig ist.

Eine Anmerkung zum Adjektiv “fett”: Das Wort wird in der Fat-Acceptance-Bewegung als Selbstbezeichnung und politischer Begriff verwendet – eine objektive Beschreibung dafür, was “dick” oder “dünn” ist, gibt es nicht.

Bild: Substantia Jones für adipositivity.com

Jeden Tag vernehme ich Botschaften aus der Gesellschaft über meinen fetten Körper. Mir wird mitgeteilt, dass er ein Zeichen moralischen Versagens ist, ein Zeichen von Faulheit, er ist unzulänglich, unattraktiv, bla bla bla – die negativen Botschaften kommen unablässig und sind allgegenwärtig.

Lange Zeit war ich dermaßen entschlossen meinen Körper dafür zu hassen, dem kulturellen Standard von Schönheit nicht zu genügen, dass ich ihn niemals wertschätzte für das, was er tat. Anstatt diesen fantastischen Körper zu verteidigen, der mir ermöglicht, all das zu tun, was ich jeden Tag, jeden Augenblick tue, fiel ich ein in den Chor der Missbilligung. Ich verriet meinen eigenen Körper, um einer willkürlichen Klischeevorstellung von Schönheit anzuhängen, versehen mit einem Quäntchen missgünstiger Billigung, das bestimmt war von meiner permanenten Selbstabwertung, so dass meine Kritiker_innen sich gar nicht erst darum kümmern mussten das zu tun.

Wenn ich eines gelernt habe auf meiner Reise weg von Selbsthass, gestörtem Essverhalten und zwanghafter sportlicher Betätigung, dann ist es, dass mein Körper nicht weniger verdient als meine bedingungslose Liebe und lautstarke Unterstützung. Deshalb sage ich allen, die meinen, mein Körper sei irgendetwas anderes als großartig: (mehr …)


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Lesestoff für das ganze Wochenende – die Blogschau

26. Januar 2013 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 189 von 269 der Serie Die Blogschau

Im Pfuilleton (danke, Sabine :) ) wird ja derzeit ständig behauptet, man könne Kindern rassistische Begriffe doch einfach “erklären”.  Schwarze Kinder hat dabei offenbar kaum jemand im Sinn…
Bei Bühnenwatch hat sich Anneke Gerloff  die Mühe gemacht, viele der in der Kinderbuchdebatte breitgetretenen white-supremacy-Argumente  auseinander zu nehmen. Auch Anarchistelfliege schreibt über den rassistischen Backlash, verlinkt gute Beiträge  und fasst nochmal einiges zusammen. Außerdem gibt es dort noch ein paar erläuternde Gedanken zum Unterschied zwischen Befindlichkeit und Betroffenheit.

Body policing und body shaming sind machtvolle Facetten von Sexismus – damit einher geht das oftmals komplett verinnerlichte Bewusstsein, dass der eigene Körper permanent von anderen wahrgenommen, reguliert, be- und abgewertet wird.  Nahezu alle Frauen* sind davon betroffen. Besonders krass erfahren das allerdings dicke Frauen*, denen ihr  “Versagen” im Kampf um das Erfüllen bestimmter Normen permanent vor Augen geführt wird.  Riotmango rantet gegen das Verleugnen von Privilegien, die schlanke Menschen in diesem Kontext gegenüber dicken haben.

Kotzen über das Erzbistum Köln und Verhütungspolitik:  ein offener Brief mit Hintergrundinfos.

Kinder und Jugendliche werden von Erwachsenen mit einer Menge Ansprüchen und Erwartungen konfrontiert – auch in links-alternativen Umfeldern, wie Somlu beschreibt.

Warum sie sich die offenbar obligatorische Diät zum Jahresanfang getrost spart, schreibt Katrin auf Reizende Rundungen. Toll aussehen geht sowieso auch hervorragend ohne.

Eine Taxifahrerin lehnt die Beförderung eines Fahrgastes ab, der sie bei einer vorherigen Fahrt sexuell belästigt hat. Bald darauf folgt die Kündigung, sie sei nicht „hart genug für diesen Beruf“ – das Mädchenblog berichtet über den unfassbaren Vorfall.

A propos unfassbar: Khaos.Kind schreibt einen offenen Brief an die EMMA, die sich in ihrer letzten Ausgabe in Sachen Bullshit selbst übertroffen hat.

Verharmlosung und Relativierung von sexistischen Übergriffen, Teil 6748: FDP-Politiker Rainer Brüderle hat eine Journalistin belästigt, und wer steht im Fokus der Kritik?  Na, ratet mal (Lösung bei Merle Stöver).
Die im Zuge des Vorfalls entstandene Twitterkampagne #aufschrei betrachtet das Antiblog und gibt praktische Hinweise, wie es weitergehen könnte. Auf Zehenspitzen sucht für sich einen Umgang mit Street Harrassment. Auch Frau Dingens erträgt den Normalzustand rape culture nicht mehr.

Ein neuer Stern am Bloghimmel:  Don’t degrade Debs, darling! startet mit wichtigen Fragen zur eigenen Identität:  “Habe ich das Recht Attribute die mir gefallen, die sich für mich erstrebenswert anfühlen anzunehmen oder muss ich dafür etwas erfüllen? Was ist entscheidend? Wie mich andere wahrnehmen? Wohl kaum! Wie ich mich selbst wahrnehme oder was ich mir wünsche zu sein? Kann ich Begrifflichkeiten entwerten oder ihnen die Schlagkraft nehmen, weil ich nicht genug irgendwas bin? Ab wann darf ich mich mit Dingen identifizieren?”

accalmie erklärt auf ihrem Blog noch mal das mit dieser Zensur und wer hier eigentlich wen ausschließt (auf Englisch).

Wie sich diskriminierendes Verhalten erkennen und bekämpfen lässt, darüber schreibt Zweisatz  – inzwischen bereits Teil 6.
Dazu passt eine anonyme Online-Umfrage, die Nejra Drljevic im Rahmen ihrer Bachelorarbeit in Sozialer Arbeit durchführt. Diese Befragung richtet sich an Frauen islamischer Religionszugehörigkeit und fragt u.a. nach Diskriminierungserfahrungen und Umgangsformen damit. Die Forscherin freut sich über rege Teilnahme.

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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