Einträge mit dem Tag ‘Uganda’


Uganda: Homofeindliches Gesetz (vorerst) gekippt

17. Mai 2011 von Magda

Passend zum heutigen Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie eine erfreuliche Nachricht: Wie dieStandard berichtet, ist das so genannte “Anti-Homosexualitätsgesetz”, welches im ugandischen Parlament vorlag und in der letzten Woche weltweit für Empörung sorgte, vom Tisch. Der Gesetzesentwurf sah harte Strafen bis hin zur Todesstrafe für lesbische, schwule, bisexuelle und trans* Lebensweisen vor. Im Laufe der letzten Woche wurden über eineinhalb Millionen Unterschriften gesammelt, tausende Telefonate getätigt und verstärkt in den Medien darüber berichtet, so dass die Abgeordneten entschieden, das Gesetz letztendlich nicht mehr zu verhandeln.

Trotzdem ist der Gesetzesentwurf wohl leider nicht vollständig aus der Welt: Es besteht weiterhin die Möglichkeit, dass er in der nächsten Parlamentsperiode wieder vorgelegt werden könnte. Einige Abgeordnete sind jedoch optimistischer und zweifeln daran: Dafür sei die internationale Kritik zu stark.

Viele der Unterschriften hat All Out mit ihrer Kampagne gesammelt. All Out setzt sich für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Trans* weltweit ein.


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Lesestoff zum Wochenende: Die Blogschau.

14. Mai 2011 von Helga
Dieser Text ist Teil 107 von 143 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Nichts mit Hinlegen und das erste Mal über sich ergehen lassen. Stattdessen wird dasguteleben lieber Fräulein Doktor.

Die perfekte Frau? Vergiss es, meint heartdoublebase.

Worauf muss ich beim Bloggen achten? Die Opalkatze hat Links zu­sammen­gestellt, die sich mit Rechtsfragen für Blogger_innen auseinandersetzen.

Noch mehr rechtliche Fragen klärt rechtundgeschlecht – es geht um die geplante Kostenübernahme von künstlichen Befruchtungen.

Rund um den Muttertag gab es in Österreich verschiedene feministische Aktionen. Die denkwerkstatt hat Links und Berichte zusammengetragen, außerdem auch zu einer Aktion zum Dauerbrenner „Frauen in der Wissenschaft“.

Immer gefährlicher wird die Lage für Homosexuelle in Uganda. Einen Dokumentarfilm über den Einfluss der US-amerikanischen Rechten hat rhizom gefunden.

Noch mal Uganda: Die LGBT-Aktivistin Kasha Jacquelin Nabagesera erhält von Amnesty International den Martin Ennals-Menschenrechtspreis, berichtet queernews.at.

Silvana Koch-Mehrins Verhalten ist unmöglich. Frauenfeindliche Kommentare deswegen und Hetzen gegen Politikerinnen mit Kindern aber auch, bloggt Manu.

Fürs Missy Magazine bloggt weiter das Team Film. Diesmal analysiert Samanta den Tarantino-Film Death Proof, bzw. wie ein Auto für Kastration stehen kann.

Die Punkrock- und Hardcore-Szene ist kein sexismusfreier Raum, stellt different needs fest.

Mit Privilegien setzt sich iheartdigitallife auseinander und verlinkt “How Can I Be sexist? I’m An anarchist!”

Feministische Perspektiven auf Mutterschaft will künftig fuckermothers bieten (via mädchenblog).

Last but not least und einfach weil’s schön ist: Semia erzählt Geschichten.

Für eine bessere Vernetzung der (feministischen) Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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“Lesben und Schwule sind ungewollt kinderlos, von Staats wegen” – Kurz notiert

11. Mai 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 104 von 138 der Serie Kurz notiert

Noch ein paar Stunden kann die Petition “Stop the ‘Kill the Gays’ Law Now” (deutsche Version: “Stoppt das Anti-Homosexuellen Gesetz in Uganda“) unter­schrieben werden. Diese fordert den ugandischen Präsidenten Museveni dazu auf, ein Veto gegen das Gesetz einzulegen, das lesbische, schwule, bisexuelle und trans* Lebens­weisen unter Todesstrafe stellen würde.

Jürgen Kriege schrieb auf frauensprache.com die Er­fahrungen sei­nes Autor_innen­teams auf, wel­ches un­bewusst Ge­schlechter­stereo­type in einem Mathe­matikbuch reproduzierte.

Kristina Schröder hat es sich zum Ziel gesetzt, die finanziellen Hilfen bei der künstlichen Befruchtung aufzustocken, um “ungewollt kinderlose Paare besser zu unterstützen”. Auf die Frage, ob auch Homo­sexuelle davon pro­fitieren, ant­wortet die Familien­ministerin aus­weichend. Julia Seeliger bringt es in der Taz auf den Punkt: “Lesben und Schwule sind ungewollt kinderlos, von Staats wegen.”

Fundstück der Woche und passend zum Mutter­tag auf thesocietypages.org: Mutter und Tochter vereint in Glück­seligkeit – und zwar beim Saubermachen!

Lori von feministing.com macht sich Ge­danken über den Tod Osama Bin Ladens und die teils skurrilen Reaktionen wie Freude und Jubel. Sie analysiert, welche Rolle Gender dabei spielen könnte und ver­linkt ein sehens­wertes Video, in dem Kin­der zum Tod Bin Ladens befragt werden.

Das Projekt Deaf Not Dumb hat ein wunderbares Rap-Video in Gebärdensprache gemacht und prangert die dis­kriminierende An­nahme an, dass gehör­los oftmals mit dumm gleich­gesetzt wird.

Der Forschungsbereich Gender & Medien der Universität Wien hat einen Call for Pape (doc) ausgerufen: ”GFM Best Publication Award Gender&Medien”. Eingereicht werden können wissen­schaft­liche Aufsätze in deutscher oder englischer Sprache, die im Jahr 2010 publiziert worden sind. Deadline: 31. Mai 2011.


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“Ich kann heute nicht arbeiten, ich bin noch queer!” – die Blogschau

15. Januar 2011 von Magda
Dieser Text ist Teil 64 von 143 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

L-Talk stellt die Feministin Kasha Jacqueline aus Uganda vor, die die Organisation “Freedom and Roam Uganda (FARUG)” gründete, die einzige Interessenvertretung für Lesben, bisexuelle und transsexuelle Frauen in Uganda.

Die transidente Frau Michaela erzählt auf ihrem Blog Erlebnisse und Gedanken von ihrem ersten Tag als Frau im Büro.

Auf wider die Natur findet ihr eine Kritik an einem Plakat der Antifa in Leipzig: Angeprangert wird der Sexismus, mit dem für eine Demo geworben wird.

Ninia LaGrande greift den FAZ-Artikel “Der eilige Vater“ auf: “Intensiv Papa sein – Oder: Wie die FAZ Väter diskriminiert.

Mit dem gleichnamigen Buch untersucht Caroline Stern das Thema Intersexualität aus historischer, medizinischer und sozialpsychologischer Perspektive. Sie hinterfragt, wie mit den betroffenen Menschen umgegangen und über sie bestimmt wird. Dazu lässt sie auch Betroffene und deren Eltern zu Wort kommen und entwickelt Handlungsoptionen für eine zukunftsweisende Sozialarbeit, wie auf Kitty ISt zuhause nachzulesen ist.

“Wenn Homosexualität eine Krankheit ist, dann lasst uns alle bei der Arbeitsstelle anrufen und uns queer melden: ‘Hallo, ich kann heute nicht arbeiten, ich bin noch queer!’” – gefunden auf awesome.blogsport.de.

Christian ist in seiner Arbeit mit Jungen mit dem Song “Du bist hässlich” konfrontiert und fragt sich auf Jungenarbeit und Jungenpädagogik: Was macht man nun pädagogisch damit, wie interveniere ich am besten?

Wärmstens empfehlen kann ich euch E:phi=log, auf dem ihr eine Menge witziger Comics findet, die auch zum Nachdenken anregen. Mein Favorit in dieser Woche: die gute Arielle, die böse Ursula und wie Disney uns beibringt, “gut” von “schlecht” zu unterscheiden.

Auf Puzzleteile fragt Paula: “Muss ich es denn ‘Feminismus’ nennen?

Wer Podcasts mag, sollte mal bei heiter scheitern vorbeischauen. Im aktuellen Podcast geht es um das Video-Projekt It Gets Better, welches kritisch beleuchtet wird.

Liebe Berliner_innen: Das Ruby Tuesday Rock Camp für Mädchen ist für den Wettbewerb “Ideen Initiative Zukunft” nominert worden und wird sich in der Zeit vom 13.-26. Januar in der dm-Filiale im Ring Center in Berlin Friedrichshain mit zwei anderen nominierten Projekten präsentieren. Wenn das Projekt die meisten Kund_innen-stimmen bekommt, erhalten sie 1.000 Euro!

Zuletzt ein Tipp von einem Rotschöpf – etwas Schwärmen muss erlaubt sein! – Kweens hat eine Reihe rothaariger Damen für uns zusammengetragen.

Für eine bessere Vernetzung der (weiblichen) Websphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Wenn du selbst ein Blog zu Gender- und Feminismusthemen hast, sag unter post(at)maedchenmannschaft.net Bescheid.


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“Schweden ist das Saudi Arabien des Feminismus” – Neujahrsnews

6. Januar 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 60 von 138 der Serie Kurz notiert

Aktuelle feministische Veranstaltungen, Proteste, Filme, Ladyfest-Treffen und Austellungen im Januar findet ihr hier. Ihr könnt immer noch unser Bloggermädchen 2010 wählen und wer unsere liebreizenden Stimmen hören möchte, checkt unseren Femcast “In bed with Mädchenmannschaft“.

Nach dem Erdbeben in Haiti vor fast einem Jahr ist die Zahl der Vergewaltigungen in dem Inselstaat massiv gestiegen, berichtet Spiegel Online.

Geraldine Doyle, die dank eines Posters zu einer Symbolfigur des Feminismus in den USA wurde, ist verstorben.

Geraldine Doyle, die dank eines Posters zu einer Symbolfigur des Feminismus in den USA wurde, ist verstorben.

Das Aus für das Interdisziplinäre Instituts für Frauen und Geschlechterstudien (IZFG) in Greifswald? Nein: In letzter Minute sprang das Rektorat ein. Es geht (vorerst) weiter.

Fabelhafte Frauen: Der Freitag hat ein Portrait über Emma Ihrer, die “Arbeiterinnen-Führerin”. Bitch Magazine schreibt über die US-amerikanische Dichterin Maya Angelou.

Gegen Hacker-Stereotype: Auf wired.com gibt es ein Portrait über die Haecksen, eine Hackerinnen-Gruppe, die sich auch auf dem Chaos Computer Club (CCC) Congress traf.

Auf dem US-amerikanischen MTV lief eine Sendung über Abtreibung mit dem Titel “No Easy Decision” – Jessica Valenti und Shelby Knox urteilten: Eine überraschend gute Sendung!

Schon eine Woche alt, aber doch noch einen Lacher wert: Julian Assange befindet, dass “Schweden das Saudi Arabien des Feminismus” und er ein “Opfer vom revolutionärem Feminismus” sei. Mehr auf Feministing.


CNN berichtet über eine neue Sendung im afghanischen Fernsehen. Dort erzählen Frauen über die weit verbreitete Gewalt und den Missbrauch, die sie erfahren haben – geschützt durch eine Maske.

Laut Bikya Masr wehren sich ugandische Frauen gegen neue Sicherheitsvorschriften. Aus Angst vor Bomben und Terroristinnen, sollen BH’s und damit die Brüste besonders abgetastet werden. Aktivistinnen werten das als Belästigung und verlangen stattdessen mehr Metall- und Bombendetektoren in öffentlichen Gebäuden.

Ebenfalls auf Bikya Masr: Nachdem sogar das irakische Frauenministerium von einem Mann geleitet werden soll, wollen Politikerinnen mehr Druck auf ihre Parteien ausüben, weitere Kandidatinnen für Ministerposten vorzuschlagen. Neun Posten sind im Kabniett von Nuri al-Maliki noch unbesetzt. Er habe auf Kandidatinnen gedrungen, von den politischen Gruppen aber nur einen Vorschlag bekommen, zitierte ihn n-tv.

Ach ja: Frauen liiiieben Salat.


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Einsatz für Mutter und Kind – Hebammen in aller Welt

28. Dezember 2010 von Helga

In Deutschland hat sich die Situation für Hebammen in diesem Jahr deutlich verschlechtert, die versprochene Hilfe des Gesundheitsministeriums lässt weiter auf sich warten. Doch wie sieht es in anderen Ländern dieser Welt aus?

Die afghanische Pionierin Pashtoon Azfar haben wir bereits vorgestellt. Inzwischen ist ihr Projekt der Hebammenausbildung in den Nachbarländern kopiert worden, berichtete Gender Across Borders. Auch npr berichtete von den Fortschritten (hier das Transkript zum Nachlesen):

In den USA ist es in mehreren Bundesstaaten den examinierten Hebammen verboten, Hausgeburten zu begleiten. Werdende Mütter, die eine Hausgeburt bevorzugen, müssen diese entweder ohne qualifizierte Hilfe angehen oder die Hebamme riskiert den Verlust ihrer Lizenz. RH Reality Check stellte im Rahmen der Nationalen Hebammen-Woche im Oktober verschiedene Organisationen vor, die sich für eine Änderung der Gesetze einsetzen.

Auch in Ruhiira, Uganda, gibt es seit 2007 ein Programm, um Hebammen auszubilden. Sie leisten wichtige Arbeit, um Schwangere über HIV aufzuklären und die Übertragung auf die Neugeborenen zu verhindern, sowie den Frauen Mittel zur Familienplanung an die Hand zu geben. Besonders die Verringerung der Müttersterblichkeit während der Geburt ist auch einer der Punkte der Milleniumsziele der Vereinten Nationen, die bis 2015 erreicht werden sollen.

Schließlich gibt es im Women’s Media Center ein Porträt der palästinensischen Hebamme Feeza Shraim, die allen Widrigkeiten zum Trotz ihrer Arbeit nachgeht. Dafür wurde sie sogar mit einem Internationalen Award für die Gesundheit und Menschenwürde der Frauen ausgezeichnet.


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Von weiblichen Nerds und feministischen Ehefrauen

4. November 2010 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 65 von 138 der Serie Kurz notiert

In der taz könnt ihr ein Interview mit der ugandischen Juristin Jane Adong Anywar lesen. Sie hat eine Initiative gegründet um Opfern von Vergewaltigung zu helfen, denn diese seien durch die UN-Resolution 1325 nicht ausreichend geschützt.

Spiegel Online beklatscht die Pariser Künstlerinnenschau im Centre Pompidou.

Fellowship of FSFE führte ein Interview mit Leena Simon über freie Software und Frauen in Nerdumgebungen.

Feminismus und Hochzeit gehen nicht zusammen? Anushay Hossain erzählt auf dem MsMagazineBlog eine andere Geschichte.

In den USA fanden Dienstag die Kongresswahlen statt. Die Ergebnisse dürften die Anhänger_innen der demokratischen Partei nicht gerade glücklich stimmen: Obama verlor die Mehrheit im Repräsentantenhaus und hat nur noch eine knappe Mehrheit im Senat. Im Juni berichteten wir bereits über einige der konservativen Politikerinnen, die sich um einen Sitz als Gouverneurin oder Senatorin bewarben. Von den drei vorgestellten Frauen war lediglich Nikki Haley erfolgreich, die nun Gouverneurin von South Carolina ist. Gute Nachrichten trotzalledem: es gab einige Lichtblicke für LGBT, wie Queernews.at berichtet.

Wer die NEON liest, ärgert sich vielleicht genau wie Charly über den Artikel “Das Busenwundern” über so genannte “Modelesben” in der letzten NEON-Ausgabe.

Vergangenen Freitag verbrachten Magda, Verena und Nadine von der Mädchenmannschaft ihre Zeit auf dem Genderkongress der Bundeszentrale für politische Bildung mit spannenden Vorträgen und kontroversen Diskussionen zu Geschlechterpolitik, Körperwissen und Rassismus. Die Missy-Magazine-Crew übernahm die Konferenzdokumentation. Halfjill hat auf Afrika Wissen Schaft mit einer eigenen Nachlese begonnen. Wer mehr über die Referent_innen und ihre Themen, Theorien und Texte erfahren will, kann sich im Reader umschauen.

Aktuelle Termine zu feministischen Veranstaltungen, die ihr gerne in den Kommentaren aktualisieren oder ergänzen könnt, findet ihr hier.


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Küssen für die Gleichberechtigung?

17. Mai 2010 von Nadine

Heute ist Internationaler Tag gegen Homophobie. Weltweit finden dazu Veranstaltungen, Aktionen und Demonstrationen statt, um auf die noch immer währende Ungleichbehandlung von LGBT hinzuweisen und Gleichberechtigung einzufordern. 2010 steht der IDAHO (International Day against Homophobia) unter dem Motto “Religionen, Homophobie, Transphobie” und thematisiert damit die Stigmatisierung von LBGT-Lebensweisen sowie die Rechtfertigung von Gewalt, Zwangssterilisationen und Diskriminierung durch religiöse Vertreter_innen.

In den deutschen Medien und in der Mehrheitsgesellschaft findet der Tag so gut wie keine Aufmerksamkeit, lediglich in lesbischwulen und Trans* Kontexten können sich Interessierte informieren und an entsprechenden Veranstaltungen teilnehmen. Das ist schade, denn es ist gerade mal 20 Jahre her, dass Homosexualität weltweit nicht mehr zu den psychischen Störungen zählt. Im Kampf gegen Diskriminierung und Intoleranz ist allerdings ein breites öffentliches Interesse gefragt. Hierzu muss ein Weg gefunden werden, die Mehrheitsgesellschaft von der Wichtigkeit der LGBT-Problematiken zu überzeugen und damit eine Breitenwirkung zu erzielen, die politisches Handeln notwendig macht. Von der tatsächlichen Gleichberechtigung kann nämlich auch in Deutschland keine Rede sein: Mehr als die Hälfte aller Deutschen lehnt die Gleichstellung von homo- und heterosexuellen Lebensweisen ab.

Foto: Federico Navaro auf Flickr (CC-BY-NC-SA)

Da überrascht es, dass eine der rar gesäten Aktionen zum IDAHO erneut der flashmob-artige Kuss-Marathon “Protect every Kiss” in Berlin ist. Hauptorganisator ist Maneo, das schwule Anti-Gewalt-Projekt der Hauptstadt. Jedes Jahr sind Städte weltweit dazu aufgerufen, solch einen Kuss-Marathon zu veranstalten. Diese Protestform soll die Ungleichbehandlung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Trans* weltweit sichtbar machen. Wahrscheinlich soll sich die heteronormative Mehrheitsgesellschaft davon irgendwie angesprochen fühlen. Irgendwie ja, nämlich mit denselben abschätzigen, abwertenden und belustigten Reaktionen, die LGBT sonst so begegnen, wenn Intimitäten in der Öffentlichkeit ausgetauscht werden. Von wachsender Akzeptanz und Verständnis für die besondere Gefährdungslage von LGBT kann bei solch einer relativ inhaltsleeren Demonstration von Andersartigkeit keine Rede sein. Das bewusste Betonen des Anderen ist nichts, was diesen Kuss-Marathon von Marginalisierungstaktiken der heteronormativen Mehrheitsgesellschaft unterscheidet, außer dass sich die sonst zu einer abweichenden Gruppe Konstruierten selbst als abweichend und anders konstruieren.

In diesem Jahr findet das Berliner Kiss-In vor der ugandischen Botschaft statt, um Solidarität mit den in afrikanischen Ländern bedrohten und verfolgten LGBT zu zeigen und gegen das geplante Anti-Homosexuellen-Gesetz in Uganda zu protestieren. Statt politische Forderungen zu stellen, Heteronormativität und seine katastrophalen Folgen für queere Lebensweisen anzuprangern,  und die Unterstützung gesamtgesellschaftlich zu ermöglichen, wird Uganda als einziges zu beackenders “Homophobie-Feld” inszeniert, während die breite homophobe Mitte der Gesellschaft ausgespart bleibt. Nicht einmal das Motto des diesjährigen IDAHO wird ersichtlich. Sonst hätte Maneo das Kiss-In nämlich direkt vor Kirchen und fundamentalen christlichen Organisationen organisieren können, die maßgeblichen Einfluss auf homophobe Tendenzen in Afrika haben.

So wird Homophobie auch in diesem Jahr eher als Randproblem dargestellt. Schade um die vertane Chance.


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Interessantes kurz erwähnt

18. Februar 2010 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 15 von 138 der Serie Kurz notiert

dieStandard.at berichtet über den Weggang von Siemens’ Diversity Managerin Jill Lee, die für mehr Farbe und vor allem auch mehr Frauen in den Führungsetagen des Unternehmens sorgen sollte. Lee sei bei ihrer Aufgabe auch auf Widerstand gestoßen und habe sich mehr Unterstützung gewünscht, heißt es.

Judith Liere kritisiert im Uni-Spiegel den Boom der Pornoliteratur von Studentinnen. Die Autorinnen gäben sich frech und feministisch, aber genau das seien sie eben nicht.

Der Freitag übersetzt Ruqaya Izzidiens Artikel aus dem Guardian, in dem junge Muslima aus der “heiratstechnischen Defensive” locken will.

Eva Simon begibt sich im Freitag auf die Suche nach alternativen Familienmodellen. Denn auch wenn die Politik noch an Mama, Papa, Kind festhält, leben sehr viele Menschen schon ganz anders.

John Mayer, bekannt für seine verbalen Eskapaden, antwortet auf die bereits dumme Frage des Playboy, ob “Schwarze Frauen auf ihn stehen würden” mit der Aussage, dass sein Geschlechtsteil bisher eher als “white supremacist” agiert hat. Solcher sexistischer und rassistischer Mist macht sprachlos? Glücklicherweise sind Jay Smooth ein paar passende Worte eingefallen und erklärt im folgenden Video außerdem, warum die einseitig fokussierte Kritik auf Mayer’s Kommentaren von den wirklichen Problemen ablenkt: (weiterlesen …)


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Neue Gesetze in Uganda

17. Dezember 2009 von Helga

Ein Schritt vor und einen zurück, so kann man die derzeitige politische Entwicklung in Uganda beschreiben. So wurde einerseits letzte Woche die Genitalverstümmelung von Frauen unter Strafe gestellt, wie die BBC berichtete. Künftig drohen eine Gefängnisstrafe von 10 Jahren oder sogar lebenslänglich, sollte das Opfer durch die Prozedur sterben.

Andererseits werden die Gesetze, die Homosexualität unter Strafe stellen, wohl weiter verschärft. Danach droht Homosexuellen die Todesstrafe (wenn sie HIV-positiv sind), wie auch jeglicher Bericht über Homosexualtität verboten wird, außer dem Ankreiden vermeintlicher Homosexueller – das muss künftig jede_r machen. Insgesamt sind es nun schon 38 Staaten in Afrika, die Homosexualität verfolgen. Doch dahinter könnten Kräfte vom anderen Ende der Welt stecken, so ein Bericht im Guardian:

In March, Bahati met several prominent anti-gay US Christian activists who attended a conference in Uganda where they pledged to “wipe out” homosexuality. The conference featured Scott Lively, president of California’s anti-gay Abiding Truth Ministries and co-author of The Pink Swastika, a book claiming that leading Nazis were gay. Also there was Don Schmierer, on the board of Exodus International, which promotes the “ex-gay” movement, believing people can change their sexuality and be redeemed. The third extremist evangelical to attend was Caleb Lee Brundidge, who is linked to Richard Cohen who believes that psychotherapy can “cure” homosexuality.

Zu Deutsch: Im März traf Bahati [der Abgeordnete der das Gesetz vorschlug] auf einer Koferenz in Uganda verschiedene prominente Aktivisten der US-amerikanischen Anti-Schwulenbewegung, die dort schwuren Homosexualtität “auszuradieren”. Ein Teilnehmer der Konferenz war Scott Lively, Präsident der kalifornischen Abiding Truth Ministries, die sich gegen Schwule richtet, und Koautor des Buches “The Pink Swastika”, in dem er behauptet, führende Nazis seien schwul gewesen. Ebenfalls anwesend war Don Schmierer, aus dem Vorstand von Exodus International, Verfechter der “Ex-Schwulen-Bewegung”, die behauptet, Homosexuelle könnten ihre sexuelle Identität ändern und bekehrt werden. Der dritte evangelikale Extremist war Caleb Lee Brundidge, der Verbindungen zu Richard Cohen besitzt, welcher glaubt, Psychotherapie könne Homosexualität “heilen”.


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