Einträge mit dem Tag ‘Transgenialer CSD’


Absurdes aus dem täglichen K(r)ampf

3. Juli 2010 von Nadine
Dieser Text ist Teil 87 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Es ist Sommer, es ist heiß, jede_r müsste draußen sein und sich auf Wiesen suhlen, doch einige schreiben lieber tolle Blogs. Eine kurze und subjektive Zusammenfassung der vergangenen Woche:

Anne Roth berichtet von ihren ganz persönlichen Erfahrungen mit der Bundespräsidentenwahl und ihre Tochter bewertet die Situation mit kindlichem Pragmatismus. Love it!

Zum CSD und Judith Butler haben wir auf Mädchenmannschaft bereits alles gesagt. Der CSD Berlin e.V. nimmt zu ihren Vorwürfen Stellung. Genderini reagiert zu Recht empört (ein bisschen nach unten scrollen bis “Update”). Neben reichlich Dampf hat selbige noch jede Menge interessante Links zum Thema Queer, Rassismus und Feminismus in petto.

Der Transgeniale CSD war meine ganz persönliche Queer-Premiere in diesem Jahr. Auf Genderbefreit gibt es Fotos zu sehen und das Mädchenblog berichtet von sexistischen Übergriffen auf der Veranstaltung.

Das antirassistische Watchblog Der Braune Mob sollte eigentlich in alles RSS-Readern seinen Platz haben. Nicht nur, dass die Autor_innen nicht müde werden, der rassistischen Taz auf die Finger zu schauen… diese Woche macht sich die Autovermietung SIXT einen Namen als White Supremacist. Traurige Erkenntnis: Rassismus hat während der WM Hochkonjunktur. Das weiß auch Adrian Lang und schreibt seine ganz persönlichen Eindrücke von der grassierenden Fankultur auf.

Das Väterblog gibt Hoffnung: Männer profitieren von der Elternzeit, indem sie mit einer höheren Lebenserwartung rechnen dürfen. Na wenn das Mal nicht Vorzeigeobjekt jeder Gleichstellungsarbeit sein sollte! Werft die Gesundheitsberichte für Männer über Bord und den Schnuller in die Hand!

Sexistische Werbung geizt selten mit visuellen Reizen. Noch perfider finde ich allerdings, wenn es nackte Haut gar nicht braucht, um Chauvinismus zu reproduzieren. A Blog of One’s Own ärgert sich über glanzlose Frauen und glänzendes Gold. Wer Zeit und Muse hat, kann gleich eine Mail an den Werberat verfassen. Mal sehen, ob der sich wieder so blamiert wie nach der AXE-Kampagne.

Herzlich gelacht habe ich bei dieser Anekdote aus dem betrieblichen Alltag von dyfustifications: Frauen und Technik (Schublade auf). Frauen im Umgang mit Frauen und Technik (Schublade zu).

Ein Aufreger ist dagegen wert, dass das Erzbistum Köln weiterhin darauf Einfluss hat, welche medizinischen Leistungen das Krankenhaus St. Birgida auch nach der Übergabe an die städtische Trägerschaft Aachen für Frauen anbieten darf. Ginge es nach dem Willen der Geistlichen, darf dort keine Abtreibung durchgeführt und keine Spirale eingesetzt werden, auch die Pille danach soll untersagt sein, schreibt 100 Kreuze in die Spree.

Auf Buchentdeckungen gibt es ein tolles Portrait über die afrodeutsche Schriftstellerin May Ayim zu lesen – mit Auszügen aus ihren Gedichten. Weiteren Lesestoff hat dieStandard.at: “Die unsichtbaren Kämpferinnen” erzählt die Geschichten von kolumbianischen Frauen, die im bewaffneten Konflikt zur Waffe griffen.

Last but not least: Am kommenden Montag gibt es im Café Tristeza in Berlin-Neukölln eine Book-Release-Party zu “Rassismus auf gut Deutsch” von Adibeli Nduka-Agwu und Antje L. Hornscheidt.

Die Beiträge dieses Bandes tragen dazu bei, unbewussten oder »gut gemeinten« Rassismus in alltäglichen Sprachpraktiken mit konkreten Beispielen aufzudecken, um ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wie und wodurch Sprache rassistisch aufgeladen wird und welche Alternativen es gibt.

Für eine bessere Vernetzung der (weiblichen) Websphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Wenn du selbst ein Blog zu Gender- und Feminismusthemen hast, sag unter post(at)maedchenmannschaft.net Bescheid.


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In den Pride-Wochen angekommen

12. Juni 2010 von Nadine

Heute startet in Berlin das lesbisch-schwule Stadtfest (Motzfest). Seit Mai und bis in den September hinein finden zahlreiche Veranstaltungen in Berlin (und Deutschland) statt, darunter natürlich der CSD sowie der Transgeniale CSD. Wieder dabei wird zumindest bei den erstgenannten Maneo sein, das schwule Anti-Gewalt-Projekt. Derzeit werben die Macher_innen erneut für ein so genanntes “Kiss in”, einen flashmob-artigen Kuss-Marathon für mehr Toleranz für Homosexuelle, der dieses Mal in kleinerem Rahmen auch auf dem Stadtfest stattfinden soll. Ich fand solche Aktionen bereits am Internationalen Tag gegen Homophobie (17. Mai) sehr fragwürdig.

Doch wieder nur buntes Küssen, buntes Treiben und ein bisschen Kuschelpolitik, die sich von den Themen Homophobie und Grundgesetzerweiterung kaum lösen kann? Auch wenn Parteien, Verbände und Vereine auf den schwullesbischen Festivitäten zahlreich vertreten sind, mehr als Klientelbeschnupperung und freundliche Handshakes sind auf solchen Veranstaltungen nicht zu erwarten. Politische Forderungen werden so homogenisiert und geschlossen homosexuell formuliert, dass sich viele Menschen außerhalb der heterosexuellen Geschlechternorm, sogar Homosexuelle selbst nicht angesprochen fühlen. Immerhin: auf dem Stadtfest haben die Trans*, Intersex, Queers, Tunten und Tussen eine Straße mit einer eigenen kleinen Bühne.

Wem das alles zu mehrheitsgesellschaftlich, zu unpolitisch, zu unkritisch, zu sexuell normativ daherkommt, der ist auf dem Transgenialen CSD in zwei Wochen sicher besser aufgehoben. Ich werde in diesem Jahr das erste Mal da sein, weil mich der CSD langweilt und ich gespannt bin auf die programmatische Ausgestaltung im Gegensatz zum Stadtfest sowie in allererster Linie auf das Publikum. Mehr Demo, mehr Policy und hoffentlich noch mehr Platz zum Tanzen.

Ich bin auf eure Meinungen, Erfahrungen zum Thema Pride Week deutschland-, europa- und weltweit gespannt. Veranstaltungstipps sind natürlich auch willkommen.

Zum Schluss noch ein paar Links, passend zum Thema:


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