Einträge mit dem Tag ‘Trans* of Color’


Aktivismus und Alter: „Aging Fiercely While Trans“

25. Januar 2016 von Magda

Auf vielen US-amerikanischen Blogs las ich in den letzten Monaten: 2015 war ein großartiges Jahr für Trans-Sichtbarkeit! Oft erwähnt werden die Schauspielerin Laverne Cox (Orange is the New Black), die konservative Sport- und TV-Persönlichkeit Caitlyn Jenner (und ihr Vanity Fair Cover) oder Rapper_in Angel Haze – Haze bevorzugt als Pronomen „they“ und identifiziert sich als agender.

Sichtbarkeit ist eine wichtige Komponente von Aktivismus. Mit Sichtbarkeit erhöht sich (manchmal) auch die Diskussion um die sozialen Ungleichheiten, die jene Gruppen betreffen: Armut, Gewalt und Ausschlüsse. Diskussionen führen zu Aktionen führen zu Veränderung (hoffentlich). Zwischen jener (oftmals gefeierten) Sichtbarkeit und der anhalten Gewalt, die Menschen erfahren, die aus einem zweigeschlechtlich organisierten, rassistischen System fallen, positioniert sich das Projekt AGING FIERCELY WHILE TRANS (frei übersetzt: „Leidenschaftlich und unerschütterlich Altern als Transperson“).

Screenshot der Diskussion AGING FIERCELY WHILE TRANS with Kate Bornstein, Sheila Cunningham, Miss Major, & Jay Toole, moderiert von Reina Gossett.

Screenshot der Diskussion AGING FIERCELY WHILE TRANS with Kate Bornstein, Sheila Cunningham, Miss Major, & Jay Toole, moderiert von Reina Gossett.

Visual AIDS und das NYC Trans Oral History Project haben es sich zur Aufgabe gemacht, die langen und geschichtenreichen Leben von vier Aktivist_innen festzuhalten, die die Grenzen der Zweigeschlechtlichkeit sprengen: Aktivistin, Performerin und Autorin Kate Bornstein (schrieb u.a. A Queer and Pleasant Danger), Stonewall-Aktivistin Miss Major (arbeitet u.a. beim Transgender GenderVariant Intersex Justice Project), „super-butch“ Jay Toole (gründete u.a. Queers for Economic Justice) und Sheila Cunningham (leider keine Infos auffindbar).

Bereits im letzten Sommer sprachen die vier über ihre Lebensgeschichten und über gesellschaftliche Verhältnisse vor 30, 40 Jahren. Die Erzählungen drehen sich um erlebte Gewalt, Alleinsein, Obdachlosigkeit, körperliche Veränderungen, Krebs und das Nachdenken über Tod; es geht um sprachliche Veränderungen in den letzten Jahrzehnten, um Respekt, Begehren und den Wunsch nach mehr Zugewandtheit über Generationen hinweg. Harte Themen, aber es ist sehr angenehm – und lehrreich – den Aktivist_innen zuzuhören.

Alle Redebeiträge inklusive einer Gesangsperformance von Mizz June findet ihr auf visualaids.org. Die Videos sind in englischer Sprache und ohne Untertitel und teilweise leider recht leise.


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Von Adoptionen zu Soldat_innen-Sein – kurz verlinkt

26. November 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 303 von 361 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Beiträge

Bei tagesschau.de gibt es einen Weltspiegel-Beitrag zu sehen, der die Geschichte des „Highway of Tears“ in Kanada vorstellt. Dort wurden in den letzten Jahrzehnten 43 Frauen ermordet, die meisten von ihnen Women of Color der First Nations.

Du glaubst es ist cool Soldat/in zu sein?“ fragt die Seite Mach was zählt und liefert Fakten zu Auslandseinsätzen, rechtem Gedankengut in der Bundeswehr und sexualisierten Übergriffen als Antwort auf die Rekrutierungs-Kampagnen der Bundeswehr.

Das neue (und für dieses Jahr letzte) an.schläge-Magazin ist da und dreht sich rund um „Girls, Girls, Grrrls„. Wie immer gibt es auch einige der Texte online zu lesen, so zum Beispiel  Jeanna Krömers Besuch des Treffpunkts „Neue Nachbarschaft“ in Berlin und ein Interview mit der Rechtsextremismusforscherin Esther Lennert zu sexualisierter Gewalt und rechts.

Englischsprachige Beiträge

Im November hat die Webseite The Toast eine Reihe von persönlichen Essays rund um das Thema Adoption veröffentlicht. Nicole Chung schrieb über den Trend zum Crowdfunding zur Finanzierung von Adoptionen. Liz Labacz beschreibt, wie sie von ihrer Adoptivfamilie als Maskottchen auf Anti-Abtreibungs-Demonstrationen eingesetzt wurde und heute aber sehr froh ist zu wissen, dass die Frau, die sie geboren hatte, ein Wahl gehabt hat. Und Ana Maria Guay analysiert „Adoption and Toxic Gratitude„.

Anlässlich des Transgender Day of Remembrance: „The Advocate spoke with five New York City-based black and Latina transgender elders about their own understandings of trans resilience (exact ages of the elders are witheld to protect their privacy). All combined, these activists hold a century’s worth of experience in providing direct services to the population hardest hit by violence: low-to-no-income trans people of color. “

Termine Berlin und Marburg:

26.11. in Marburg: Lesung aus „Rassismus an Hochschulen“ mit Emily Ngubia Kuria. (FB-Link)

03.12. in Berlin
: Präsentation der Anthologie „Winter Shorts“ mit Clementine Burnley, Bino Byansi Byakuleka, Yosime Flood, Noah Hofmann, Sharon Dodua Otoo, WoMANtís RANDom, Lewis Teschner und Tyrell Teschner. (FB-Link)

03.12. in Berlin: weiblich, männlich, fließend – Der literarische Salon der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zu Gast im LCB. Geschlechtervielfalt in der Literatur: Mit Aris Fioretos, Thomas Meinecke und Jayrôme C. Robinet. Moderation: Karen-Susan Fessel.

15.12. in Berlin: Gespräch mit Jessica Jacoby, eine Mitgründerin des Schabbeskreis, einer „eine lesbisch-feministische[n] politische[n] Gruppe, die sich von 1984 bis 1989 aktiv für die Präsenz und Wahrnehmung jüdischer Frauen in der neuen Frauenbewegung und mit Antisemitismus in feministischen Zusammenhängen auseinandersetzte“. (FB-Link)


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Jenseits von #Ehefüralle: Trans_Kämpfe in den USA

16. Juni 2015 von Magda
Dieser Text ist Teil 20 von 34 der Serie Die Feministische Videothek

Auf nytimes.com gibt es eine sehenswerte englischsprachige Reportage über die jahrzehntelangen aktivistischen Kämpfe von Trans_Menschen in den USA, insbesondere Trans_Frauen of Color. Die Reportage thematisiert die frühen Kämpfe von LGBT inklusive der tagelang andauernden Stonewall-Kämpfe von 1969, dem „Geburtsort“ der US-amerikanischen LGBT-Bewegung.

Was oftmals unerwähnt bleibt: Tragende Rollen spielten Trans_Frauen of Color wie Marsha P. Johnson oder Sylvia Rivera. In massenmedialen Erzählungen oder Mainstream schwullesbischen Kämpfen spielen Trans_Realitäten und Trans_Rechte heute hingegen kaum eine Rolle. Gay Marriage – das deutsche Äquivalent: „Ehe für alle“ – sei nur deshalb eine so zentrale Forderung, weil dringende Probleme wie Armut, Wohnungslosigkeit, medizinische Unterversorgung und Gewalt in LGBT-Bewegungen an den Rand gedrängt werden. Die interviewte Aktivistin Lourdes Ashley Hunter vom Trans Women of Color Collective stellt fest: „Ehe [für alle] ist nicht oberste Priorität – nicht für Schwarze Trans_Frauen“*

Die Reportage enthält Beschreibungen von (sexualisierter) Gewalt.

* „The priority is not [gay] marriage – not for Black trans women.“ – Lourdes Ashley Hunter (Trans Women of Color Collective)


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Misandrische Mittelfinger-Mode, Free CeCe, Polizeigewalt gegen Jugendliche – kurz verlinkt

10. Juni 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 282 von 361 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Links

Seit dem 1. Juni kann man sich zum Inklusionscamp in Hamburg anmelden. Die Veranstaltung ist als Barcamp zum Thema Inklusion, inklusives Leben und Lernen geplant und findet am 25. und 26. September 2015 statt.

Mit Islamfeindlichkeit gegen Antisemitismus: Fabian Köhler analysiert für IslamQ, wie sich ein weißes deutsches Kollektiv mit antimuslimischem Rassismus vom eigenen Antisemitismus freispricht. [Siehe Kommentarbereich – danke für den Hinweis!]

Das JugendtheaterBüro Berlin wurde für die KulTür auf! Kampagne mit dem BKM-Preis für Kulturelle Bildung ausgezeichnet.

Und noch mehr Preise: Das Transgender Film Festival 2015 stellt die dort ausgezeichneten Werke vor.

Dominique Hansell schreibt für das Gunda Werner Institut zu Diversity als politischem Feigenblatt: Anhand der Fashion- und Beauty-Branche seziert sie, wie „das politisch korrekte „Anderssein“ […] hier zum kulturellen Aushängeschild der betreffenden Firmen und Institutionen [wird]“.

Obwohl europäische Rechtsinstanzen immer wieder Vätern mehr Rechte in Bezug auf Besuch, Umgang oder Erziehung von Kindern zuspricht, entschied das Bundesverfassungsgericht jüngst anders: Ein Vater darf ein Umgangsrecht gegen den Willen des Kindes nicht durchsetzen, wie das Online-Magazin Frauensicht berichtet.

Englischsprachige Links

Eine Raum wird nicht allein dadurch trans*inklusiv, in dem er statt beispielsweise Frauenraum zu FrauenLesbenTrans*Raum umbenannt wird. Autostraddle trägt Ansätze zusammen, wie (queere) Räume inklusiver für Trans*Frauen gestaltet werden können.

Endlich Sommermode? Kitty Stryker von Purr Versatility hat den ultimativen Guide für den misandrischen, male-gaze-den-Mittelfinger-zeigenden Look zusammengestellt.

Das Black Youth Project stellt ein Kinderbuch vor, in dem ein queerer Junge seine Geschichte erzählt.

Den Dokumentar-Film FREE CeCe!, der sich mit Gewalt gegen Trans*Frauen of Color beschäftigt und die Geschichte von CeCe McDonald (von dem Angriff gegen sie, ihre Verurteilung und Gefängniszeit und ihren Aktivismus gegen den Gefägnis-Komplex) nachzeichnet, könnt ihr noch finanziell unterstützen. Er benötigt noch Geld für die Post-Produktion.

Das Bitch Magazine stellt zehn Schwarze Komponistinnen/Frauen, die Musik schreiben, vor – von der Harlem Renaissance bis heute.

Eine Pool-Party in McKinney. Erst werden Jugendliche rassistisch beschimpft, dann wird die Polizei gerufen, welche die Jugendlichen angeht, mit Waffen auf sie zielt und Dejerria Becton, eines der anwesenden Mädchen, brutal auf den Boden wirft und fixiert. The Root hat alle Informationen zusammengestellt. Feminist Wire schreibt zu: „Police Criminals and the Brutalization of Black Girls„.

Termine in Berlin, Dortmund, Hamburg, Konstanz und Wien

10.06. in Konstanz: Vortrag zu Racial Profiling von Jamie Schearer.

10.06. in Berlin: Kongress „Respekt statt Ressentiment“ – Strategien gegen eine neue Welle von Homo- und Transphobie.

11.06. in Dortmund: „female energy“: Vernissage verschiedener Künstler_innen im Fachbereich Design der Fachhoschule Dortmund. (FB-Link)

22.06 in Wien: Frigga Haug spricht im Rahmen der Dialogreihe „Gutes Leben für alle“ über die Forderung „Teilzeit für alle“. (FB-Link)

17.07. in Berlin: „Grrrls To The Front: Das Female Focus Festival“, das „viele verschiedene Berliner Rapper*innen und DJ*s“ fördert, „die zusammen mit internationalen Künstler*innen aus Buenos Aires (ARG), Durham (USA), Birmingham (UK) und Johannesburg (RSA) das Festival gestalten. (FB-Link)

01.08. in Hamburg: Queer Flora Soliparty, 23 Uhr, Rote Flora.


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Beyond the hype: Reflexionen über Caitlyn Jenner

3. Juni 2015 von Hengameh

Am Montag flutete das neue Cover des Magazins „Vanity Fair“ sämtliche Timelines und Newsfeeds. Mit den Armen hinter dem Rücken verschränkt posiert Caitlyn Jenner stolz vor Annie Leibovitz‘ Kamera. Auf diesem Foto zeigt sich sich zum ersten Mal nach ihren Operationen in einer so großen Öffentlichkeit und stellt sich mit ihrem neuen Namen vor: #CallMeCaitlyn.

Ihr Coming-Out als Transfrau wird in erster Linie mit Begeisterung, Bestätigung und Liebe aufgenommen. In transfeindlichen und insbesondere transmisogynen mehrheitsgesellschaftlichen Strukturen sind diese Reaktion ohne Zweifel ein Schritt in Richtung Trans-Akzeptanz. Ihre korrekte Adressierung mit ihrem Namen und ihren Pronomen zeugt von Respekt und sollte unbedingt weiterhin so eingehalten werden. Aber wie geht’s weiter?

Die Schauspielerin, Filmproduzentin und Aktivistin Laverne Cox veröffentlichte über das Ereignis einen sehr differenzierten Text auf ihrem offiziellen Tumblr-Blog. Sie schreibt nicht nur über ihre Euphorie, sondern reflektiert auch ihre und Caitlyns Privilegien als berühmte Transfrauen, die als cis passen können. Cox macht deutlich, dass der Kampf nicht mit einem positiv rezipierten Outing aufhört, sondern noch lange fortgeführt werden muss.

Natürlich ist es legitim, sich für Caitlyn zu freuen. Aber es ist auch notwendig, weiterzudenken. Caitlyn Jenner ist eine weiße, schlanke, Cis-Normen bedienende, reiche, republikanische Frau, die trans verortet ist. Würde ihre Person so stark zelebriert werden, wenn Teile dieser Privilegien und Positionen nicht da wären? Gerade die „Facial Feminization“-Operation muss in der Regel immer privat finanziert werden und ist sehr teuer. Wie viele Transfrauen haben diese Ressourcen? Wie viele haben Zugang zu einer (für sie sicheren) Erwerbsarbeit? Und: Ist der Lob für Jenners Authentizität nicht ein offensichtliches Aufsetzen von Cisnormen?

Wie viele Schwarze_Transfrauen_of Color starben allein in diesem Jahr durch Mord oder Suizid? Wie viele von ihnen können wir namentlich benennen? Wie viele von ihnen hatten einen Lebensstil, der annähernd dem Caitlyn Jenners ähnelt? Wie viele von ihnen waren auf Magazincovern oder überhaupt in der Zeitung?

Wird die Tatsache, dass Caitlyn Jenner trans ist, etwas an der Verteilung ihrer Ressourcen ändern? Wird sie diese auf arme Trans-Jugendliche aus der Arbeiter_innenklasse umverteilen? Wird ihr Schicksal Einfluss auf das Leben junger Transpersonen haben? Wird es Dinge erleichtern? Kann sie Dinge für ärmere Transpersonen erleichtern, wenn sie Republikanerin ist? Was ist mit der Solidarität mit Transfemininitäten, die sexarbeiten? Können junge Transpersonen, die nicht als Cis passen, nicht schlank, nicht reich und nicht weiß sind etwas aus dem Hype um ihre Person gewinnen, seien es sichere Räume, Straßen und Wohnplätze oder überhaupt einen empowernden Moment? Oder wird er den Anspruch an Transpersonen bestärken, Cisschönheitsnormen zu erfüllen um akzeptiert zu werden?

Ja, es ist total schön, dass Caitlyn Jenner so viel Unterstützung für ihr Coming-Out bekommt, aber es wäre auch schön, wenn ein bisschen weitergedacht würde und andere Transfrauen mit weniger Privilegien auch nur einen Bruchteil dieser Glorifizierung abbekämen. Es liegt in der Verantwortung journalistischer Medien, nicht nur das für sie bequemste Beispiel an Transpersonen zu hypen, sondern die Lebensrealitäten anderer, viel mehr Gewalt erfahrenden Transpersonen sichtbar zu machen und diesbezüglich Berichterstattung zu leisten, Transpersonen korrekt zu adressieren und mit vertraulichen Informationen wie Geburtsnamen verantwortungsvoll umzugehen, nicht-binär verortete Personen in ihren Positionen zu respektieren, von Transfeindlichkeit betroffene Personen für sich sprechen zu lassen.


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Regelverstöße bei der Bespitzelung, Diskriminierung in der Klimaschutzbewegung, Ausbeutung im Nagelstudio – kurz verlinkt

13. Mai 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 4 von 361 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Foodwatch hat eine dickenfeindliche Kampagne gestartet, die Sophie Schimmerohn in ihrem Kommentar bei uns bereits ausführlich kritisierte (den Text gibt es auch als PDF). Foodwatch ist bestimmt auch an eurem Feedback zur Kampagne interessiert, schreibt sie an: auf twitter @foodwatch_de und Facebook.

Für eine Abschlussarbeit in Psychologie zu Auswirkungen von Mehrfachdiskriminierung auf die (psychische) Gesundheit untersucht die Marburger Uni „insbesondere Wechselwirkungen von Rassismus und Homo-⁠/⁠Biphobie auf die Gesundheit von Frauen*“.

„Im Skandal um die Polizistin, die von 2001 bis 2006 verdeckt in der linken und feministischen Szene in Hamburg ermittelt hat, mehren sich die Hinweise auf massive Regelverstöße beim Vorgehen der Polizei“, berichtet die Frankfurter Rundschau.

englischsprachige Links

Wie queere und trans Personen of Colour in der Klimaschutzbewegung unsichtbar gemacht werden und warum das gefährlich ist, beschreibt das bluestockings magazine.

Sich mal selbst was Gutes tun mit einer schönen Maniküre? Mag verlockend klingen, wenn die Ausbeutung und Misshandlungen, denen die Mitarbeiterinnen von Nagelstudios oftmals ausgesetzt sind, unsichtbar bleiben. Die New York Times berichtet.

Über die Überwachung von und ständige Verfügbarkeitserwartung an Arbeitnehmer_innen durch Arbeitgeber_innen schreibt Melissa McEwan auf Shakesville:

Termine in Hidesheim, Kiel, Berlin und Oldenburg

14. – 16. Mai, Hildesheim: Performing Back – eine künstlerische Auseinandersetzung mit der Kontinuität deutscher kolonialer Vergangenheit von und mit Simone Dede Ayivi. Später im Monat auch in Oldenburg, siehe unten

15. – 17. Mai, Kiel: laDIYfest – Magda ist auch mit einem Workshop dabei!

29. Mai, Berlin: Lowkick Soli-Party. Die Einnahmen ermöglichen FrauenTrans* und Mädchen eine Woche im vom Lowkick e.V. organisierten Camp Selbstverteidigung/Thai_Kickboxen zu trainieren – auch wenn sie es sich finanziell nicht leisten können.

29. – 30. Mai, Oldenburg: weitere Aufführungen von Performing Back


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Gemeinsames Sorgerecht, ‚Passing‘ und Vorsätze für 2015 – kurz verlinkt

8. Januar 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 267 von 361 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Beiträge

Das Portal Filmlöwin ist gelauncht: „Mit einer ausschließlich feministischen Perspektive will FILMLÖWIN Filmen von und über Frauen nicht nur zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen, sondern auch einen entscheidenden Schritt hin zu mehr Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern in der Filmproduktion leisten und für die Themen Sexismus und Diskriminierung von Frauen im Spielfilm sensibilisieren.“

Gemeinsames Sorgerecht per default? Klingt erst mal gut und nach geteilter Verantwortung. Was das praktisch jedoch bedeuten kann, beschreibt Sarah Jäggi in der ZEIT anhand eines Beispiels aus der Schweiz.

Die antifaschistische Zeitung LOTTA hat einen Sonderdruck zum Schwerpunktthema Antifeminismus heraus gegeben.

In Stuttgart findet ein Gynäkologe, der ambulante Schwangerschaftsabbrüche vornimmt, keine neuen Klinikräume. Fundamentale ChristInnen schüchtern potentielle Vermieter_innen ein, berichtet die taz.

Vanja wurde in der taz zur Kampagne für eine dritte Option interviewt: „Ich bin weder Mann noch Frau“.

englischsprachige Beiträge

„Don’t change, just because your body does.“ ist das Motto von butchbaby. Nach eigenen Angaben: „The first androgynous alternity pregnancy wear for queer individuals.

[Inhaltshinweis: Cissexismus, Suizid] Zu Leelah Alcorn, einer siebzehnjährigen Trans*frau, die sich Ende Dezember das Leben nahm, und den Reaktionen auf ihren Tod, schrieb A Cunt Of One’s Own.

I AM (HEAR) ist ein Videoprojekt von Olympia Perez für Black Girl Dangerous im Rahmen des „MagniFLY! A Video Visibility Project For Trans Women of Color“:

Vor dem Büro der Schwarzen Bürger_innenrechtsorganisation NAACP in Colorado Springs explodierte am Dienstag eine Bombe.

Zum gestrigen Anschlag auf Charlie Hebdo in Paris schreibt Richard Seymor bei Jacobin.

Auf ravishley schreibt Jetta Rae über das Konzept von „passing“ in einem bestimmten Geschlecht („We want to live our truth, but that requires “living,” which may necessitate mimicry. Some women get their hair cut like Tina Fey to look attractive—others to avoid harassment when outside of their homes.“), über Frauenbilder, die eh nur für wenige erfüllbar sind, und warum sie nicht mehr (ständig) trotzdem versucht diese zu erreichen.

Vor 80 Jahren veröffentlichte National Geographic einen Artikel mit dem Titel „Manless Alpine Climbing: The First Woman to Scale the Grépon, the Matterhorn and Other Famous Peaks Without Masculine Support“ – das Bitch Magazine nimmt u.a. das Jubiläum zum Anlass, um in die Geschichte von Bergsteigerinnen und Klettererinnen zurück zu schauen.

Ein Schwarzer James Bond? Zeter! Mordio! Kulturverfall! Zu den rassistischen Reaktionen auf den Vorschlag, Idris Elba als den neuen 007 zu besetzen, berichtete Shakesville.

Und zu guter Letzt: Bei der Washington Post erzählen feministische Aktivist_innen, was sie in 2015 zu erreichen hoffen.

Termine Berlin und Halle

15.01. 2015 in Halle: Mädchenmannschafts-Autorin Sabine Mohamed spricht zu  „Schwarzer Feminismus in Deutschland – Black Feminism is not white feminism in Black face„.

30. und 31.1. 2015 Berlin: Fachtagung „Audre Lorde’s Germany„.


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Lena Dunham, Street Harassment und eine verdeckte Ermittlerin in Hamburgs linken und queeren Szenen – Kurz Verlinkt

6. November 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 7 von 361 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Links

Letzte Woche fand am Brandenburger Tor in Berlin eine Protestaktion gegen das Abtreibungsverbot in Irland anlässlich des zweiten Todestages von Savita Halappanavar (wir berichteten) statt, die in Folge des Abtreibungsverbots starb. Organisiert von Berlin-Irish Pro Choice Solidarity (Facebook-Seite). Bei der Aktion wurden auch Fotos geschossen.

Die Mädchenmannschaft ist offenbar auch einigen Frauen- und GleichstellungsministerInnen und -senatorInnen der Länder ein Begriff. Auf ihrer jährlichen stattfindenden Konferenz hieß es in diesem Jahr zum Thema „Cybergewalt und Cybermobbing“ (PDF, unter Seite 36, 4. des Beschlusspapieres): „Bemerkenswert ist, dass sich im Netz selbst verschiedene Gegenbewegungen formiert haben. Besonderer Erwähnung bedarf im deutschsprachigen Raum der Blog Mädchenmannschaft, der Impulse für weitere Initiativen gegeben und sich als Knotenpunkt digitaler feministischer Vernetzung etabliert hat.“

Die „Freeugees“ aus Berlin – eine Band aus Geflüchteten, begleitet von einem Filmemacher – suchen einen Proberaum möglichst in Berlin Kreuzberg.

[Inhaltshinweis: Beschreibung sexualisierter Gewalt im Link] Eine Frau wird in ihrem Wohnhaus in München vergewaltigt. Ihre Vermiterin kündigt daraufhin den Mietvertrag, sie hätte schließlich Ärger ins Haus gebracht. Die Süddeutsche berichtet über diesen unglaublichen Fall.

Die Frankfurter Rundschau berichtet über eine LKA-Beamtin, welche sechs Jahre lang als verdeckte Ermittlerin in linken und queeren Kontexten Hamburgs agierte.

Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) veröffentlichte gemeinsam mit der Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt (KOP) einen Zwischenbericht zur Verhandlung des Falls von Kläger Derege Wevelsiep am 30. Oktober in Frankfurt/Main. Dort geht es um Körperverletzung und „Racial Profiling“. Der nächste Prozesstag ist heute.

Das neue an.schläge-Magazin ist erschienen und die Novemeberausgabe widmet sich im Schwerpunkt dem Thema Geschlecht und Suizid. Einige Texte gibt es wie immer auch online zu lesen, so das Interview zum Themenschwerpunkt mit Soziologin Eva Eichinger, in der sie über Ungleichheiten im Suizid-Diskurs spricht und ein Interview mit LGBT-Aktivistin Elena Kostyuchenko über kritischen Journalismus in Russland.

Das feministische Monatsmagazin Anschläge feiern ihren 30. Geburtstag! Yay! Wir gratulieren ganz herzlich. Anlässlich des Jubiläums interviewte diestandard.at zwei Macherinnen.

In der neuen Ausgabe der Lotta geht es um aktuelle antifeministische Erscheinungsformen und Diskurse.

Englischsprachige Links

Ein kritischer Artikel zu dem Street Harrassment Video von Hollaback!, welches in den letzten Tagen viel in feministischen Kreisen rumging: On Street Harassment And Classic White Dudery. Ebenfalls lesenswert: „What you NEED to know about street harassment„.

Alok Vaid-Menon veröffentlichte auf Return The Gayze das Gedicht „Transmisogyny„.

Eine Erklärung der geflüchteten Frauen in Berlin-Kreuzberg des Internationalen Frauen-Space an Herr Panhoff und Frau Hermann.

Lena Dunham beschreibt in ihrem Buch „Not that kind of girl“ den Missbrauch an ihrer Schwester als witzig-provokante Sidenote. Zu der Dunham-Geschichte und darüber, was die Veröffentlichung über Dunhams _jetziges_ Verständnis von consent (Einverständnis) aussagt, schreibt Melissa McEwan auf shakesville.

In den USA gab es vorgestern die Midterm Elections. Autostraddle schreibt über die herben Verluste der Demokraten, aber auch über ein paar gute Dinge, die passiert sind.

Termine

Ab dem 7. November wird Magda in verschiedenen Städten in Deutschland ihren Vortrag „Mein Fett ist Politisch“ halten und Fat Empowerment Workshops geben. In Oldenburg am 8. November sind noch Plätze im Workshop frei! Meldet euch unter femref[at]uni-oldenburg.de an.

Am 26. November hält die Selbstorganisation von Geflüchteten, Karawane, einen Vortrag zu flüchtenden Frauen in Bochum.

Ebenfalls in Bochum beginnt heute der Linux/Debian-Kurs für Frauen.


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Geflüchteten-Proteste in Berlin, Feminist Frequency und Female Rap – Kurz Verlinkt (Teil 2)

4. September 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 253 von 361 der Serie Kurz notiert

In unserer Sommerpause haben sich einige Links angesammelt, darum gibt es diese Woche „kurz verlinkt“ in zwei Teilen. Der erste Teil erschien gestern.

Deutschsprachrige Texte

„Die NSU-Morde hätten verhindert werden können, wenn der Landesverfassungsschutz das nicht verhindert hätte. Der Verfassungsschutz hat es ermöglicht, dass gesuchte und flüchtige Neonazis im Untergrund bleiben konnten. Er hat die Neonazi-Szene vor Ermittlungen der Polizei gewarnt.“ – Heribert Prantl schreibt bei der Süddeutschen Zeitung zu den Erkenntnissen des Thüringer Ermittlungsausschusses.

In den Feuilleton-Debatten um Inklusion wird gern von „Gleichmacherei der 1970er“ geschrieben, dass Kinder mit Behinderungen aber auch Rechte haben, würde gern vergessen, schreibt der Freitag: „Die UN-Konvention, auf der die Inklusion fußt, wird häufig nicht einmal genannt.“ [Inhaltshinweis: ableistische Sprache/ Aussagen]

Katrin Gottschalk berichtet auf SPIEGEL ONLINE über Sexismus in Videospielen und die Drohungen gegenüber Anita Sarkeesian von Feminist Frequency.

Seit über einer Woche besetzen Geflüchtete aus dem Hostel in der Gürtelstraße in Berlin das dortige Dach. Unterstützung wird dringend benötigt. Alle Infos findet ihr auf dem Blog guertelstrasse.wordpress.com.

Englischsprachige Texte

Miriam Zoila Pérez hat bei Colorlines Texte (und Videos) Schwarzer Feministinnen zusammengestellt, die sich zum Mord an Michael Brown durch einen Polizisten in Ferguson äußern.

MsAfropolitan schreibt, warum sie in Zeiten von Ferguson Assata Shakur als passende Lektüre empfiehlt.

Sara Ahmed nimmt Audre Lordes Schreiben als Ausgangspunkt für ausführliche  Gedanken zu  „Self Care“ und Fragen wie: Wer hat überhaupt Zugang zu bestimmten Unterstützungsmechanismen (und sei es „nur“ Trost)? Welche Personen gelten als sorgenswert? Was bedeuten Privilegien in diesem Zusammenhang?

Einen längeren Text über Trans*, Dicksein und Transitionsprozesse hat Wiktor Dynarski geschrieben.

Die Kunststudentin Emma Sulkowicz erlebte an ihrer Universität sexualisierte Gewalt und hat sich für ihre Abschlussarbeit folgendes Projekt ausgedacht: Sie wird solange eine Matratze auf dem Campus rumtragen und auf die Tat aufmerksam machen, bis der Täter von der Uni geworfen wird oder von alleine geht.

Ludovic Foster schreibt darüber, was es es für ihn bedeutet, ein non-binary Trans*-Mann of Color zu sein.

Termine in Berlin, Kiel und Salzburg nach dem Klick  (mehr …)


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Wenn ich dieses Jahr nur ein Buch lesen dürfte: Es wäre die Autobiographie von Janet Mock

10. Juli 2014 von Magda
Dieser Text ist Teil 82 von 131 der Serie Die Feministische Bibliothek

„Viele beschreiben den Weg einer Trans*-Person als Übergang von einem zum anderen Geschlecht, von Männlichkeit zu Weiblichkeit, vom Mann zur Frau, vom Jungen zum Mädchen. Dies stellt die komplexe Reise der Selbstentdeckung, die jenseits von Gender und Genitalien verläuft, allerdings vereinfacht dar. Mein Weg war eine Entwicklung von mir zu einem mir-noch-näher-kommen. Es ist eine Reise der Selbstoffenbarung.“ (Meine Übersetzung, Original-Zitat am Ende des Textes)

– Janet Mock (2014): Redefining Realness. Atria Books/Simon & Schuster; S. 227.

"Redefining Realness. My Path to Womanhood, Identity, Love & So Much More" - Janet Mock

Janet Mock, Aktivistin und Autorin, nimmt uns in ihrem eindrucks­vollen Buch mit auf eine Reise in ihre Vergangen­heit. Es ist ein weiter Weg des Sich-Bewusst-Werdens und des Über-sich-Hinaus-Wachsens in einer Welt, die für die Lebens­realitäten von Frauen wie Mock kaum Vorstellung besitzt und meist nur abwertende Worte übrig hat. 2011 wurde ihre Geschichte das erste Mal öffentlich erzählt – in der Marie Claire, einer Mode­zeit­schrift mit Zielgruppe „Frau“, die Mock’s Geschichte mit einem einfachen und dennoch falschen Satz betitelte „Ich wurde als Junge geboren“. Mock entschied daraufhin ihre eigene Geschichte zu erzählen, die ohne publikums­heischende Titel und ohne verein­fachte Narrative über Trans*Menschen auskommen soll.

Mit Redefining Realness hat sie dieses Buch geschrieben, das weit mehr ist als eine Aneinander­reihung von Anekdoten aus ihrem Leben: Es ist eine knall-ehrliche, überaus sympathische und analytisch brilliante Auto­biographie, in der sie „ihren Weg zu Weiblich­keit, Identität, Liebe und so viel mehr“ beschreibt.

Mock’s Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend, die sie auf Hawaii, in Kalifornien und in Texas verbrachte, sind maß­geblich geprägt von Armut, Rassismus und Trans*­feindlichkeit; von sexualisierten Übergriffen, Missbrauch und der stetigen Glorifizierung von hegemonialer Männlich­keit; von ihren Erfahrungen in der Sex­arbeit und von der Präsenz starker Frauen mit unbändigem (Überlebens-)Willen, engen Freund_innenschaften und Kopf-durch-die-Wand-Entscheidungen. Steter Ausgangs­punkt: Der eigene Körper, die eigenen Kämpfe.

Auf etwas mehr als 250 Seiten präsentiert Mock eng verknüpft mit ihrer Lebens­geschichte eine Gesellschafts­analyse, die die mit­einander verwobenen Macht­verhältnisse leicht verständlich erklärt und diskutiert, ohne die individuelle Handlungs­fähigkeit aus dem Blick zu verlieren. Mock verschmilzt ihre bisherige Lebens­geschichte und ihre Visionen mit Schwarzen feministischen Theorien und nimmt immer wieder Bezug auf Autor_innen und Aktivist_innen wie zum Beispiel Audre Lorde oder Zora Neal Hurston. Und Jugend-Freund_innen wie Wendi Miyake, Make-Up-Artistin und Inspiration für Mock.

Mock stellt ihre Erfahrungen in einen gesellschaftlichen Kontext und verweist stets auf die Situation von queeren Jugendlichen (of Color) in den USA, deren Leben nicht selten geprägt sind von Obdach­losigkeit, Diskriminierung, Suizid, wenig Unter­stützung von der Herkunfts­familie oder unzureichender Gesundheits­vorsorge. Mock zentriert ihre und die Erfahrungen anderer (Ressourcen-)armen Trans*-Frauen of Color und bietet unentwegt Perspektiv­wechsel an. So wirft sie viele Frage auf: Wie kann es sein, dass Frausein an bestimmte Genitalien geknüpft wird? Wie strukturiert Gesellschaft Lebens­realitäten und Entscheidungen, die Menschen machen (müssen)? Was und wer gilt als „real“ und warum?

Janet Mock ist einfach verdammt gut darin, den Dingen auf den Grund zu gehen. Als Autorin und als Aktivistin. Nach dutzenden Interviews anlässlich ihrer sensationellen Buch­erscheinung, in denen sie ständig mit (privaten und grenz­über­schreitenden) Fragen zu ihrem Körper und ihrem „Outing“ konfrontiert war, drehte sie einmal den Spieß um und fragte eine Reporterin, wann sie sich eigentlich als cis*-Person geoutet hatte.

Das Buch ist ein Geschenk, und zwar nicht nur für Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Es ist eine berührende Geschichte, ein beein­druckendes Bildungs­angebot. Wenn ich dieses Jahr nur ein Buch lesen dürfte – es wäre dies.

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„People often describe the journey of transsexual people as a passage through the sexes, from manhood to womanhood, from male to female, from boy to girl. That simplifies a complicated journey of self-discovery that goes beyond gender and genitalia. My passage was an evolution from me to closer-to-me-ness. It’s a journey of self-revelation.“


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