Einträge mit dem Tag ‘Terre des Femmes’


“Ehrenmord” – das Instrument der Patriarchalisierung und Feminismus als Tabubruch

15. Mai 2012 von Verschiedenen

Derzeit findet in Detmold der Prozess gegen die Geschwister der getöteten Arzu Özmen statt. Einiges an Öffentlichkeit begleitet den Fall, wie etwa Mahnwachen und Berichterstattung, wobei jedoch kulturalistische Erklärungsmuster die kriminelle Tat oft in die Nähe von nachvollziehbaren Sozialpraktiken rücken. Grotesk wird es zum Beispiel, wenn Gutachter das angebliche Mitverschulden des Opfers thematisieren dürfen: So beschrieb gestern ein Psychologe vorm Detmolder Gericht, gegen welche Regeln die 18-Jährige aus Sicht der jesidischen Familie verstoßen habe, und inwiefern sie für “Ehrverletzungen” verantwortlich gemacht werden könne, die letzten Endes zum Mord führten. Unsere Gastautorin Sakine Subaşı-Piltz stützt sich in ihrem Text auf einen anders gelagerten Fall, und zwar den Mord an Hatun Sürücü – und thematisiert doch eine ähnliche Geschichte. Hatuns Fall und seine mediale Rezeption ermöglicht einige Detaileinblicke in destruktive Familienmuster und den gesellschaftlichen Umgang mit patriarchaler Brutalität, und er zeigt: die Frage nach der Gesamtsolidarität mit Opfern familiärer Gewalt und feministischer Behandlungsverantwortung bleibt.

Am 2. Februar lief eine Dokumentation über den Mordfall von Hatun Sürücü im öffentlich-rechtlichem Fernsehen, welcher auch mit der (a)moralischen Unterstützung von feministischen Organisationen wie „Terre des Femmes“ den Fall als „Ehrenmord“ der Muslime hochstilisiert hat. Bis heute, so wurde es auch im Film deutlich, ist es der Öffentlichkeit nicht gelungen eine differenzierte Analyse dieses Falles wahrzunehmen, was für viele Muslime dagegen offensichtlich Grund ist, zu diesem und anders gelagerten Fällen zu schweigen. Für die meisten Muslime ist der Fall Hatun Sürücü der Fall, der sie in der Öffentlichkeit entehrt hat, sie zu Mördern und Barbaren gemacht und sie gleichgesetzt hat mit den Komplizen eines Mordes, und das qua religiös-kulturellem Hintergrund.

Obgleich eine (feministische) Solidarität mit dem Opfer – ob jetzt aus “muslimischer” oder einfach nur menschlicher Perspektive – notwendig ist, um sich auch vor andere potenzielle Opfer als Gesellschaft schützend zu stellen, ist es in Teilen auch nachvollziehbar, dass viele Muslime über dieses Thema nicht sprechen wollen – aber ist es richtig? Und was erzeugt diese Tabuisierung? Dieser Fall zeigt sehr deutlich, wozu öffentliche Diskurse in der Lage sind. Sie können Unrecht so kaschieren, dass die tatsächlichen Hintergründe einer Gewalttat trotz eines großen öffentlichen Interesses in den Hintergrund rücken. Mittäter und Mordmotive bleiben in der öffentlichen Meinung unberücksichtigt. Täter werden zu Opfern und der Islam wird immer wieder als Sündenbock geschlachtet, und in der Zwischenzeit erlebt der „Ehrenmord“ seine Blütezeit. Zynisch könnte frau weiter anmerken, dass jetzt auch andere außer Muslimen als „ehrenhaft“ gelten wollen – was auch immer das heißen mag. (weiterlesen …)


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Letzte News vor Weihnachten – kurz verlinkt

23. Dezember 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 132 von 153 der Serie Kurz notiert

Auch nach der 1000. Demonstration der südkoreanischen Trostfrauen (wir berichteten) gibt es keine Entschuldigung oder Entschädigung, wie diestandard.at berichtet.

Für ihr Modellprojekt Mädchenbeirat sucht die Filia Frauenstiftung eine pädagogische Fachkraft auf Honorarbasis. Bewerbungsschluss ist der 5. Januar kommenden Jahres.

Lange hat es gedauert und heftig gestritten wurde, doch ab Januar werden in der österreichischen Nationalhymne auch die Töchter des Landes besungen, nicht nur die Söhne. Das Parlament beschließt eine entsprechende Änderung des Liedtextes.

Jezebel berichtet über eine Studie, nach der sich die demografische Situation derjenigen Frauen, welche im zweiten Trimester, also zwischen der zwölften und sechzehnten Woche ihrer Schwangerschaft eine Abtreibung vornehmen lassen, deutlich von der Situation derer unterscheidet, welche nach der sechzehnten Woche die Schwangerschaft abbrechen.

Nichts mit post-gender und post-race (Überraschung!) : An einer New Yorker Eliteschule sind Sexismus und Rassismus noch tief in den Köpfen, berichtete die Frankfurter Rundschau. (weiterlesen …)


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Internationaler UN-Gedenktag „NEIN zu Gewalt an Frauen“

24. November 2011 von Nadia

Am 25. November, also morgen, jährt sich zum zehnten Mal der internationale UN-Gedenktag „NEIN zu Gewalt an Frauen“ – Anlass für viele verschiedene Verbände, Institutionen und auch Einzelpersonen (in Deutschland, Österreich und weiteren Ländern) mit über 6000 Fahnen und Bannern ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen setzen.

Der Tag geht zurück auf die Ermordung der Schwestern Patria, Minerva und Maria Teresia Mirabal („Hermanas Mirabal“) am 25. November 1960: Die drei Frauen hatten sich gegen die Diktatur in der Dominikanischen Republik engagiert und waren nach monatelanger Folter vom militärischen Geheimdienst umgebracht worden. Mit der (bisher jährlich steigenden Zahl) von gehissten Fahnen wird das Vermächtnis dieser drei Frauen gewürdigt.

TERRE DES FEMMES wird in diesem Jahr im Rahmen von „Frei leben – ohne Gewalt!“ zum 11. Mal an der Fahnenaktion teilnehmen. Die immer noch traurige Aktualität des Themas wird dabei unterstrichen: „Es ist erschreckend, wie viele Mädchen und Frauen von häuslicher Gewalt, Zwangsheirat, Genitalverstümmelung und Zwangsprostitution in Deutschland aber auch weltweit noch immer betroffen oder bedroht sind. Menschenrechtsverletzungen an Frauen sind keine Privatangelegenheit, auch wenn Sie im familiären Umfeld geschehen“, mahnt Christa Stolle, die Bundesgeschäftsführerin von TERRE DES FEMMES.

Die Weltgesundheitsorganisation bezeichnet Gewalt gegen Frauen als eine der größten Gesundheitsrisiken von Frauen weltweit  – auch in Deutschland sprechen Ergebnisse von Untersuchungen Bände, wie der Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe zusammenfasst:

Die erste bundesdeutsche Repräsentativuntersuchung zu Gewalt gegen Frauen hat ergeben, dass insgesamt 40 % der in Deutschland lebenden Frauen in ihrem Erwachsenenleben körperliche oder sexualisierte Gewalt oder beides in unterschiedlicher Schwere, Ausprägung und Häufigkeit erlebt haben. Bei den Tätern handelt es sich überwiegend – aber nicht ausschließlich – um männliche Partner oder Expartner.

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Slut Pride, Nivea und Geeks – kurz notiert

1. September 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 119 von 153 der Serie Kurz notiert

Frauen in Führungspositionen sind so ein Thema für sich. Das gilt nicht nur für die freie Wirtschaft sondern auch in der Forschung. Ein Team der Uni Potsdam untersucht nun männliche und weibliche Wissenschaftskarrieren, genaueres berichtet die Märkische Allgemeine.

“Wer krank ist, geht zum Arzt. Für Menschen ohne Aufenthaltsstatus und Krankenversicherung gilt diese einfache Rechnung nicht.” In Berlin hilft diesen Menschen Medibüro, dort vermitteln ehrenamtliche Mitarbeiter_innen den Illegalisierten medizinische Hilfe. Doch der Fortbestand des Projekts ist nicht sicher, die Finanzierung unklar. Die taz berichtet.

Anna Kow schreibt in der Jungle World über Slut Pride: “Die Gefahr, als Schlampe bezeichnet zu werden, trifft nicht alle Frauen gleichermaßen – es ist ein Privileg, beim Klang dieses Wortes nicht an unzählige Demütigungen erinnert zu werden.”

Seine ausführliche Auseinandersetzung mit homophoben Argumenten hat uns Nicolás geschickt:

 

“Terre des Femmes” wird 30 und anlässlich dieses Jubiläums findet im Oktober in Berlin ein Kongress mit dem Titel: “Mädchenrechte stärken – weltweit” statt. Weiter Infos zu Programm und Anmeldung gibts hier.

Nivea präsentiert sich in der Werbung ja gerne mit einer klebrig-süßen, heteronormativen Familienidylle. Aber die können auch anders. Rassistisch zum Beispiel. Wer mehr wissen will klickt hier (Text auf Englisch).

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Schluss mit Genitalverstümmelungen!

24. November 2008 von Susanne

“Kein Schnitt ins Leben” heißt die neue Kampagne von Terre des Femmes – gegen weibliche Genitalverstümmelung. Weltweit wird alle elf Sekunden einem Mädchen die Klitoris und die Schamplippen abgeschnitten. Viele überleben dies nicht; und wenn sie überleben, leiden sie ein Leben lang unter Schmerzen, Unfruchtbarkeit, Infektionen; Sexualverkehr und Geburten sind für diese Frauen eine weitere Tortur.

“Auch in Deutschland ist dieses Thema allgegenwärtig”, sagt Angelika Bürkner von Terre des Femmes gegenüber ZDFheute.de. “Schließlich leben hier etwa 20.000 betroffene Frauen, davon sind etwa 4.000 junge Mädchen in naher Zukunft von Genitalverstümmelung bedroht.”

Terre des Femmes informiert: Die Begründungen, die zur Rechtfertigung dieser Praktik vorgebracht werden, sind unterschiedlich. Sie beruhen zumeist auf Mythen und Überlieferungen, der Unkenntnis biologischer und medizinischer Fakten oder dem Islam. In der Regel handelt es sich um eine gesellschaftliche Norm, deren Missachtung mit Ächtung bestraft wird. Vor allem geht es aber auch um die Kontrolle weiblicher Sexualität und Fruchtbarkeit im Rahmen männlicher Machtansprüche.

Hier könnt ihr für die Arbeit von Terre de Femmes spenden.


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Brief für Menschenrechte in Somalia

18. November 2008 von Susanne

Terre des Femmes hat anlässlich der Steinigung eines jungen Vergewaltigungsopfers in Somalia eine Eilaktion gestartet.

Wir sind aufgefordert, einen Protestbrief an Somalias Übergangspremier Nur Hassan Hussein zu schreiben. Ein vorformuliertes Schreiben gibt es bei Terre des Femmes. Die Post geht an:

The Somali Prime Minister Office
P.O. Box 623-00606
Sarit, Somalia

Terre des Femmes’ Aufruf: “Schreiben Sie an die Repräsentanten von Somalia, die African Union und an verschiedene UN-Menschenrechtsbüros und fordern Sie diese auf, ihren Einfluss und ihre Autorität geltend zu machen, um weitere Verletzungen der Menschenrechte in Somalia zu verhindern.” (Die Adressen der Institutionen gibt es hier.)

Danke an Antje für den Link!


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Prostitution und Frauenhandel im Zeitalter der Globalisierung

4. Mai 2008 von Katrin

Am 6. Mai 2008 gibt es in Berlin eine Ausstellung von Terre des Femmes e.V., die sich mit dem Thema Frauenhandel befasst. Sie geht bis 31. Mai 2008.

Die Ausstellung “Ohne Glanz und Glamour – Prostitution und Frauenhandel im Zeitalter der Globalisierung” hat das Ziel, mit Fakten und Daten zu informieren, zum Nachdenken anzuregen und für ein Engagement gegen Frauenhandel zu aktivieren.

Am Donnerstag, den 8. Mai 2008, findet außerdem ein Podiumsgespräch mit dem Titel “Maßnahmen gegen Menschenhandel in Berlin und Deutschland” statt.

Weitere Infos zur Ausstellung findet ihr bei GLOW (Global Center for Women’s Politics).


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Häusliche Gewalt ist teuer für alle

24. November 2007 von Susanne

15 Milliarden Euro kostet es die Bundesrepublik jedes Jahr, wenn in Beziehungen geschlagen und misshandelt wird. Jede vierte Frau in Deutschland ist Opfer häuslicher Gewalt, die hohen Kosten entstehen durch Arbeitsausfälle, medizinische Behandlungen und polizeiliche Einsätze, rechnete das Sozialministerium Niedersachsen aus. Anlässlich dieser Zahlen lud die Frauenrechtsorganisation Terre des femmes am Freitag, 23. November zur Tagung “Business gegen häusliche Gewalt”. Es klingt zwar etwas merkwürdig, wenn Aufmerksamkeit für die Probleme der Opfer über volkswirtschaftliche Argumente geschaffen werden soll – aber besser als gar keine Aufmerksamkeit ist dies allemal. Sehr löblich ist das Vorhaben der Veranstalter, private Gewalt zu einem öffentlichen Thema zu machen, zu einem Thema, das auch Arbeitgeber und Kollegen etwas angeht.


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