Einträge mit dem Tag ‘Teenagerschwangerschaft’

“Abstinence only” → schwanger mit 17

Friday, September 12th, 2008 von Susanne

Die Süddeutsche Zeitung liefert heute noch mal ein paar Zahlen und Fakten zu amerikanischen Familien- und Teenagerdramen à la Palin:

“Abstinence only”, absolute Enthaltsamkeit, dazu sollen die Schulen anhalten. Wie der eigene Körper funktioniert, wie er sich in der Pubertät verändert, wie Jugendliche sicheren Geschlechtsverkehr haben können - all das lernen die meisten amerikanischen Teenager nicht im Unterricht.

Die Abstinenz-Kampagne beruht auf einem Bundesgesetz von 1996 und wird von der amerikanischen Regierung kräftig finanziert: In den vergangenen zehn Jahren hat sie sich die moralische Erziehung ihrer Jugend über eine Milliarde Dollar kosten lassen. Bundesstaaten, die Schülern ein anderes Bild von Sexualität vermitteln möchten, bekommen keinen Cent. Im Jahr 2007 lehnten nur sieben der 50 Bundesstaaten die Fördermittel ab und gestalten die Lehrpläne nach eigenen Vorstellungen.

(…)

Bristols Schwangerschaft offenbart das Problem, das mit dem Versuch der Erziehung zur Keuschheit einhergeht: Die USA sind trotz - oder wegen - ihrer Prüderie die westliche Industrienation mit den meisten Teenagerschwangerschaften. Im Jahr 2006 kamen hier laut offizieller Statistik auf 1000 Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren 41,9 Geburten, mehr als 80 Prozent dieser Schwangerschaften waren ungeplant. In Deutschland waren es nur 10,7 Geburten, in Kanada 13,4.

(…)

Diese Daten legen den Schluss nahe, dass “abstinence only” völlig an der Realität vorbeigeht. Amerikanische Jugendliche haben also Sex - aber offenbar keine Ahnung, wie er eigentlich funktioniert.

Im amerikanischen Sexualkundeunterricht werde statt mit Aufklärung mit Angstmache gearbeitet. Dabei sinke die Zahl der Teenagerschwangerschaften und Infektionen, je umfassender und offener der Unterricht ist, sagt  der Sozialpädagoge Sebastian Kempf, der in München für Pro Familia arbeitet und in den USA bei Planned Parenthood tätig war.

(Foto geliehen von Iain)

“It’s not a choice - it’s a child”

Tuesday, September 2nd, 2008 von Katrin

Sarah Palin In Amerika ist dieser Tage einiges Los: Nicht genug, dass Hurrikan “Gustav” den Golf von Mexiko erneut in Angst und Schrecken versetzt, nein, er bedrohte auch noch den Erfolg des Parteitags der Republikaner, der unglücklicher Weise gerade heute stattfindet. Aber die Partei weiß auch dieses Unglück für sich zu nutzen, wie Spiegel Online berichtet.

Einen viel größeren Wirbelsturm, nämlich einen der Irritation, löste die Nachricht aus, dass Bristol Palin, 17-jährige Tochter der Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin, schwanger sei. Brisant daran ist, dass Palin Senior als erzkonservative Abtreibungsgegnerin bekannt ist, deren Ernennung zur Kandidatin für den Vizepräsidentschaftsposten gerade von den stark religiösen Republikanern mit Freude aufgenommen wurde. Eben diese aber sind nun irritiert.

Doch Familie Palin hat sich schon einen guten Plan ausgedacht, diese Krise sprichwörtlich als Chance zu nutzen: Tochter Bristol werde natürlich das Kind austragen (geht ja auch gar nicht anders bei so konservativen Ansichten) und natürlich den Vater ehelichen. John McCain selbst setzte dem ganzen Schauspiel die Krone auf, indem er verkündete, dies sei ein Beleg für die Bodenständigkeit der Familie Palin, die eben eine “Amerikanische Familie” sei (siehe Spiegel-Artikel).

Noch schöner ist der in einem Bericht des Britischen Guardian veröffentlichte Kommentar einer Sprecherin der Republican National Coalition for Life, Jessica Erchard:

The pregnancy made the family “real” to voters. “It will resonate with women voters because they’ll say, ‘That happened to me, that happened to someone down the street’,” she said.

Die Republikaner schaffen es nicht nur, den Hurrikan für sich auszuschlachten, sie versuchen dies sogar mit dieser absolut privaten Geschichte. Sarah Palin gelingt es dabei sehr gut, das alles unter einen Hut zu bringen, denn Gott sei Dank spielt die Tochter das Schmierentheater brav mit. Palin stolz:

“Our beautiful daughter Bristol came to us with news that as parents we knew would make her grow up faster than we had ever planned. As Bristol faces the responsibilities of adulthood, she knows she has our unconditional love and support.”

Was aber die 17-jährige Bristol von all dem hält, kann man nur vermuten (wie es auch Viktoria in ihrem Blog sehr treffend beschreibt). Ganz nach dem Motto: “Es kann nicht sein, was nicht sein darf” wird ihr sicher zu keiner Sekunde eine eigene Entscheidung offen gestanden haben. Geschweige denn ihrem zukünftigem Ehegatten Levi Johnston: Der verkündete jüngst auf seiner MySpace-Seite (not available anymore), dass er in einer Beziehung sei und keine Kinder wolle. [Achtung Zynismus:] Hoffentlich bekommt er wenigstens ein gutes Sümmchen für sein Parieren. [Zynismus aus]
Das alles ist einfach:

Ohne Worte.

(Bild über Wikimedia Commons)

Teenager-Schwangerschaft auf unterhaltsam

Friday, January 11th, 2008 von Susanne

Filmkritiker Rochus Wolff schwärmt in seinem Blog von Jason Reitmans (”Thank You For Smoking”) zweiten Film: “Juno”. Ein junges Mädchen wird schwanger und will das Kind zur Adoption freigeben. Aber schaut euch selbst den Trailer an:

Film und Hauptdarstellerin sind für je einen Golden Globe nominiert und beide sind ab 20. März im Kino zu sehen.

Nachtrag am 22.1.: Schauspielerin Ellen Page wurde für einen Oscar als beste Hauptdarstellerin nominiert.