Einträge mit dem Tag ‘Synchronicity’


Ein Buch nach dem anderen: Kurzgeschichten aus Nigeria; Coming-of-Age in Portland

30. Oktober 2015 von Charlott
Dieser Text ist Teil 112 von 130 der Serie Die Feministische Bibliothek

Auf Papier gelesen

IMG_20150921_175406-1Fates and Furies (Riverhead Books, 2015) von Lauren Groff war sicher eines der heiß-erwartesten Bücher der Herbstsaison – und wurde kurz nach der Veröffentlichung auch direkt belohnt mit einem Platz auf der Shortlist für den (us-amerikanischen) National Book Award. Der Roman seziert die Ehe zwischen Lotto und Mathilde, dem Traumpaar auf jeder Party, er erst Schauspieler, dann erfolgreicher Dramatiker, sie erst in einer Gallerie arbeitend, dann ihn unterstützend. Zwischen Anspielungen auf griechische Mythologie erzählt der erste Teil zunächst die Geschichte aus Lottos Perspektive, um dann im zweiten Teil Mathildes – weitaus andere – Sichtweise und Erleben nachzutragen. Bereits im ersten Teil, in dem lange das perfekte Bild entworfen wird, zebröselt dieses auch schon wieder langsam. So sitzt Lotto auf einer Podiumsdiskussion zur „Zukunft der Literatur“ und führt – zum Erschrecken seiner Mit-Diskutant_innen – bräsig aus, dass Männer Literatur schaffen und Frauen ihren Kreativität ins Kindergebären stecken. Das Publikum ist aufgebracht, Mathilde verlässt den Raum. Genau in diesen Aspekten fand ich den Roman, in den ich ich erst nicht wirklich reinkam, am stärksten, wenn die Vorstellung des „männlichen Genies“ langsam entblößt wurde und stattdessen Groff die weibliche Arbeit hinter diesem offenbarte. Doch das Ende, welches stark auf eine Beziehungsebene zurückfällt, enttäuschte mich.

IMG_20150918_031443Weitaus mehr gefiehl mir das ebenfalls im September erschienene Dryland (Tin House Books, 2015) von Sara Jaffe (die auch in der Band Erase Errata spielt). Es ist das Jahr 1992 und die fünfzehn-jährige Julie Winter lebt im Portland. Regelmäßig geht sie in Zeitungsgeschäfte und blättert sich durch Schwimm-Magazine – nicht etwa, weil sie Schwimmerin ist, sondern weil sie immer auf der Suche nach Informationen über ihren ältern Bruder ist, der einmal sogar Teil des olympischen Teams war, nun aber in Berlin lebt und über den in ihrer Familie nicht gesprochen wird. Das Buch ist eine Coming-of-Age-Geschichte, die ihren ganz eigenen Charme und gleich eine Reihe queerer Charaktere mit sich bringt.

IMG_20151014_082600 Ein Buch, welches ich in nächster Zeit sicher häufig empfehlen werde, ist die Debut-Kurzgeschichten-Sammlung Happiness, Like Water (Mariner Books, 2013) von Chinelo Okparanto. Die meisten der Geschichten drehen sich um weibliche Charaktere in Nigeria oder der Diaspora (hier USA). Ihre Geschichte „America“ war bereits nominiert für den Caine Prize for African Writing, aber auch die anderen sind allesamt preiswürdig. Okparanta ist eine wundervolle Erzählerin, ihre Sprache ist gleichermaßen zugänglich und poetisch. In den Geschichten widmet sie sich einer ganzen Reihe großer „Themen“ (wie häusliche Gewalt, Reliogion, lesbisches Begehren, Schönheitsstandards), ohne dass sie ins Didaktische abruscht. Stattdessen schafft sie glaubhafte Charaktere und nicht jede Geschichte endet mit einer sauberen, einfachen Lösung – ganz so wie im Leben.

Okparantas Debut-Roman Under the Udala Trees, in welchem sich zwei Mädchen während des Biafra-Kriegs verlieben, erschien jetzt im September.

Im Netz gelesen

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Literatur gegen das Herbstgrau: Crowdfunding für Synchronicity unterstützen

16. Oktober 2015 von Charlott

Im letzten Jahr erschien Sharon Dodua Otoos Novelle Synchronicity auf Deutsch. In 24 kurzen Kapiteln wird die Geschichte von Cee erzählt, die als Grafikdesignerin in Berlin arbeitet, aber nach und nach ihre Farben verliert. Sie kann sie zunächst einfach nicht mehr sehen. Dann kommen die Farben in ganz neuen Formen (und Sinneswahrnehmungen) wieder. Cee ist dabei nicht vollkommen von den Entwicklungen – denn sie ist nicht die erste in ihrer Familie, der es so ergeht. Die Geschichte verhandelt auf poetische, einfühlsame und auch ironische Art und Weise Fragen rund um Traditionen, zwischenmenschliche Beziehungen, Ängste und Wandel. Begleitet wird der Text von stimmungsvollen Illustrationen von Sita Ngoumou.

Nun soll das Buch auch in der Orginalfassung, auf Englisch, erscheinen, aber dafür benötigt es – wie so oft – Geld. Damit ihr das Buch, dessen Texte ursprünglich als eine Art Weihnachtskalender an Freund_innen geschickt worden war, pünktlich zur grauen Jahreszeit lesen und an Familie, Freund_innen, Bekannte verschenken könnt, gibt es eine Crowdfunding-Kampagne. In den ersten drei Tagen kamen bereits 15% der benötigten Summe zusammen. Mit deinem Geld kannst nur nicht nur das Buch bereits vorbestellen, sondern es gibt auch weitere lohnenswerte Perks wie Poster der Illustrationen oder gar signierte Kunstdrucke.

Organisiert wird die Kampagne von einem Unterstützer_innen-Kreis. Dieser formiert sich zur Zeit noch (und Interessierte können sich unter ukreis@edition-assemblage.de melden). Auf der Kamapgneseite heißt es:

Der Unterstützer*innen-Kreis supportet insbesondere rassismuskritische Bücher mit dem Ansatz des Empowerments. Weder bei diesem Projekt noch beim Crowdfunding wird es aufhören: Es sollen Büchertische organisiert, weitere Kampagnen gestartet, Solipartys gemacht, auf Zuschussmöglichkeiten geachtet und Zuschüsse eingeworben werden. Außerdem sollen Vorbestellungen gesammelt und Lesungen organisiert werden. Buchprojekte können auch selbst initiiert und Manuskripte geprüft und eingereicht werden.

Falls ihr derzeitig kein Geld zur Verfügung habt, gibt es also Möglichkeiten zu unterstützen: Entweder direkt im Unterstützer_innen-Kreis oder auch erst einmal durch das Teilen dieser Kampagne!


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