Einträge mit dem Tag ‘Susan Sontag’


Feministische Ikonen der letzten Dekade

6. Januar 2010 von Magda

In der Serie “Icons of the Decade” des guardian.co.uk krönte Naomi Wolf, Politikberaterin und Autorin von The Beauty Mythihre feministische Ikone des letzten Jahrzehnts. Und diese ist nicht etwa Susan Sontag. Oder Beth Ditto. Oder Ellen Degeneres, die gerade von PETA zur Frau des Jahres gekürt wurde. (Diese Liste darf beliebig erweitert werden.)

Wolf wählt die Hauptfigur von Sex and the City, Carrie Bradshaw, die sie als “erste popkulturelle Philosophin” beschreibt, deren sexuelle Freizügigkeit und ihre Fähigkeit, offen über ihre Wünsche und Sehnsüchte zu sprechen eine “Revolution” darstelle.

Die Hauptdarstellerinnen von Sex and the City

Feministische Ikonen? (Quelle: sarahjparker.com)

Ähm, gut.

Das offene und schonungslose Ausleben der eigenen Sexualität in allen Ehren, aber ist eine Sex in the City Darstellerin, die sich in ihrer Freizeit primär mit Shopping und der Suche nach dem Richtigen beschäftigt, wirklich das beispielhafteste, was der Feminismus – ob politisch, popkulturell und/oder theoretischer Natur – hervorgebracht hat?

Nichts gegen Mode, Romantik oder eine gute Lästerei. Die Darstellerinnen von Sex and the City haben sicherlich mit dem Vorurteil der passiven Mauerblümchen aufgeräumt und gezeigt, dass auch Frauen sexuell freizügig und manchmal schonungslos und gemein sein können. Aber bevor mir die Damen dieser Serie in den Sinn kommen, fallen mir locker zehn andere Namen ein.

Eine interessantere Liste von popkulturellen feministische Ikonen gefällig? Dann checkt mal die Decade in Feminist Pop Culture vom Bitch Magazine aus.


Facebook | |


Mehr Intellekt bitte

6. Mai 2009 von Verena
Dieser Text ist Teil 13 von 25 der Serie Wilde Mädchen

In der Zeit stellte Susanne Mayer vergangenes Jahr die Frage, warum es unter deutschen Frauen eigentlich keine Intellektuellen gäbe. Anders als in den USA, wo seit Mitte der 60er Frauen wie Joan Didion oder Susan Sontag feuilletonistischen Debatten massentauglichen Glamour verliehen, fehle es hierzulande an weiblichem Intellekt mit Starpotential.

Ich finde zwar schon, dass es einige Frauen in Deutschland gibt, die sich mit intellektuellen Debatten gesellschaftlich einbringen, egal ob es ZEIT-Redakteurin Iris Radisch, Alice Schwarzer oder auch die Autorin Juli Zeh ist, die aktuell mit dem Buch „Corpus Deliciti“ Kritik an überzogenen Körper- und Gesundheitsnormen übt.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Trotzdem, Mayers Kritik erscheint nicht ganz unberechtigt und ich frage mich, was Frauen vom intellktuellen Olymp abhält, wenn doch eigentlich genügend geistiges Ambrosia für alle da ist. Wie unendlich nervt es mich, wenn ich im Park, Café oder auf der Straße nur die üblichen Frauengespräche um Diäten, Männer, Mode und eventuell noch Ärger im Job kreisen höre. Sind wir nicht verpflichtet, uns der allgemeinen Verblödung zur Wehr zu setzen? Dass wir es könnten, zeigen doch wohl die besseren Schul- und Uniabschlüsse von Frauen.

Klar, wir könnten wieder auf die Sperrzone Männerverein hinweisen, wo sich in dicken Sesseln gefläzt wird – Zutritt für Frauen verboten. Und tatsächlich, von Frauen werden intellektuelle Höchstleistungen nicht erwartet. Uns suggeriert man, es ist egal, was du im Kopf hast, solange dieser hübsch anzusehen ist. Auch Susanne Mayer verweist in diesem Zusammenhang auf die Kulturwissenschaftlerin Christina von Braun:

Bei uns, sagt Braun, traue die Öffentlichkeit dem Denken der Frauen nicht. Mehr noch – trauten sich Frauen etwas zu, werde das nicht gerne gesehen. So ist es: Frauen, die eine starke Meinung haben, werden vor allen Dingen als Frauen gesehen. Man schaut auf ihre Frisur, die Schuhe {…}.

Aber ich finde es gibt noch einen weiteren, wenn auch daraus resultierenden Grund, warum Frauen intellektuelle Herausforderungen so wenig verfolgen: Wir opfern sie der Organisation unseres Alltags. Es muss eingekauft und sauber gemacht werden, die Freundin noch schnell anrufen, Emails checken, Nachrichten gucken und dann hach, auf dem Sofa mit nem netten Film entspannen. Warum nicht mal die Priorität darauf legen, einen literarischen Klassiker oder ein Sachbuch zu lesen, eine Fremdsprache zu lernen oder einen Leserbrief an ein politisches Magazin zu verfassen?! Oder was auch immer unsere geistige Neugierde befriedigt. Und mit Neugierde meine ich nicht, das „typisch“ weibliche Interesse am Treppenhausklatsch, auch wenn er glamourös aufgemacht als gedruckte Gala zu kaufen ist.

Uns fehlt die Muße und der Wille, unser Bedürfnis nach geistiger Entwicklung gegenüber den üblichen an uns gestellten Ansprüchen zu verteidigen. Und verteidigen bedeutet auch, raus mit dem angeeigneten Wissen! Beteiligt euch an der Diskussionskultur – zuhause, im Freundeskreis, in aller Öffentlichkeit. Denn es kann nicht angehen, wenn mir – wie neulich passiert – der Vater einer Freundin gütlich die Wange tätschelt, nachdem ich meine Meinung kund getan habe, die er nicht teilte.

Auch Susan Sontag hat sich bewusst für ihr Leben als unabhängige Autorin und Intellektuelle entschieden. Sontag, die bereits als junge Frau verheiratet war, trennte sich von ihrem Ehemann und zog mit dem gemeinsamen Sohn als alleinerziehende Mutter nach New York. In der Biographie von Daniel Schreiber heißt es über Sontag, während ihr Mann ein Dasein als Hausfrau und Mutter für sie vorsah, erkannte sie ihre Lebenskonzept in ihrer Bibliothek. In ihrem Erzählband „Ich etc.“ schreibt Sontag:

Wir wissen mehr als wir brauchen können. All das Zeug, das mit im Hirn steckt; Raketen und venezianische Kirchen, David Bowie und Diderot, Nuoc mam und Big Macs, Sonnenbrillen und Orgasmen. {…} Und wir wissen nicht annähernd genug.

Genau – wir wissen nie genug! Schade also, wenn wir bereitwillig unseren Intellekt den Erwartungen anderer unterordnen und ihn vernachlässigen, um den stupiden Alltäglichkeiten gerecht zu werden. Lieber ein dreckiges Bad als ein ungebrauchtes Hirn!


Facebook | |


Dran denken: Ein Lächeln in Gedenken an Susan Sontag

16. Januar 2008 von Susanne

Heute wäre die großartige Susan Sontag 75 Jahre alt geworden. Sie war ihr Leben lang die intellektuelle weibliche Stimme, die uns in Deutschland leider immer noch fehlt. Susan Sontag kritisierte den Vietnam- und den Irakkrieg und kommentierte fortlaufend Missstände in der amerikanischen Gesellschaft. Sie äußerte sich aber nicht nur zu politischen Themen, sondern schrieb auch über Fotografie, Kunst, Film und Literatur; und auch über das Thema Krankheit – sie selbst starb mit 71 Jahren an Leukämie. Sontag lebte aber auch, wie sie dachte: engagiert und selbstständig. Während sich andere Intellektuelle während des Bosnienkrieges in den Feuilletons über die Intervention stritten, fuhr sie nach Sarajewo. Dort inszenierte sie zwischen den Scharfschützen mit einem Theaterensemble “Warten auf Godot” von Beckett. Sie setzte sich immer auch politisch ein für Themen, die ihr wichtig waren, egal, ob es um Frieden oder Feminismus ging. Und weil sie auch eine überaus gebildete und analytische Frau war, ist und bleibt sie ein riesengroßes Vorbild. Ihr Tod 2004 war ein unfassbarer Verlust für diese Welt.

Für alle, die Susan Sontag noch nicht für sich entdeckt haben, unbedingt zu empfehlen: Daniel Schreibers Biografie “Susan Sontag: Geist und Glamour”, und natürlich ihre Essays.


Facebook | |



Anzeige