Einträge mit dem Tag ‘Stereotype’


Gratis-Entwicklungshilfe, goldene Facepalmen und siruptriefende Pfannkuchen – die Blogschau

11. Januar 2014 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 231 von 256 der Serie Die Blogschau

“Wir sind gekommen, um euch eine helfende Hand zu reichen und kostenlos Nachhilfe zu geben, man könnte es auch Entwicklungshilfe nennen”- das Bündnis Mind The Trap intervenierte eindrucksvoll bei einer fragwürdigen Tagung über Zugangsbarrieren zu Kulturproduktionen. Es gibt auch ein Video von der Aktion zu sehen.

Rambling Rose wagt die Prognose: “Der Trend zur Definitionshoheit weisser (Medien-)mac_h_ker hält an. Sie wollen auch 2014 entscheiden, was rassistisch und/oder sexistisch ist.” Ganz vorne mit dabei in Sachen Nichtrassismus und -sexismus: Comedy mit natürlich besten Absichten.

In der TV-Talkshow Beckmann ging es vorgestern unter dem Titel “Was ist schon normal? Leben mit behinderten Menschen” um Inklusion. Während und nach der Sendung wurde heftig auf Twitter über die Gäste und Inhalte diskutiert. Die Leidmedien haben ein paar Meinungen zusammengetragen.

mara vom Futblog erzählt darüber, wie anders in ihrem Umfeld mit der Liebesbeziehung ihres Bruders umgegangen wird als mit ihren eigenen: “heute weiss ich, dass meine sexualität kein thema war weil es etwas ungewisses ist, etwas womit sie keine erfahrung haben, weil ich schlicht und ergreifend nicht heterosexuell bin.”

Warum “sich jetzt einmal alle (egal welcher Sexualpräferenz) in einer Schlange anstellen und die güldene Facepalme an Norbert Blüm überreichen” dürfen, sagt C. Rosenblatt beim Ein Blog von Vielen.

“‘Wenn unsere Kinder homosexuell werden, sterben wir alle aus” ist das neue “wenn die Erde keine Scheibe mehr ist, fallen wir alle runter’.”- Fabienne Vesper über #idpet und das Klima, in dem diese Petition stattfindet.

“Danke, dass ich deine Wichsvorlage sein darf, nicht wahr?” – Naekubi hat sich mit den Rassisten und Sexisten von Amy & Pink rumgeschlagen. Auf dass ihr die Löffel niemals ausgehen mögen!

Bei Don’t degrade Debs, darling! berichtet die Auorin: “Es ist nun über 6 Monate her, dass ich bei der Polizei meine Anzeige gemacht habe. Seit dem warte ich. Ich bin geübt, aber nicht besonders gut im Warten und ich merke, wie dieses scheinbare EsGeschiehtNichts an mir nagt.

Steinmädchen betrachtet das neue Projekt Heimwegtelefon kritisch: “Das Heimwegtelefon reproduziert viele Mythen und die Arbeit, die Frauen seit Jahrzehnten in Gruppen und Institutionen gegen Diskriminierung und Gewalt leisten wird völlig übergangen. Es wird nicht auf Wissen zurückgegriffen, das Feministinnen mühsam angeeignet haben und immer immer wieder wiederholen.”

Katrin erklärt in ihrem Blog Reizende Rundungen zunächst in englischer, dann in deutscher Sprache, warum in der Aufforderung, Menschen nicht nach ihrem Äußeren zu beurteilen, oftmals eine Riesenportion Fatshaming enthalten ist: “Denn ja, natürlich sollte man niemals nur nach dem Aussehen beurteilen, weder wegen dem Stil, den Haaren, den Klamotten oder dem Körper eines Menschen. Aber, und hier kommt ein sehr großes aber, man sollte das nicht nur nicht tun, weil sich unter dem „hässlichen“ ein schönes Inneres verbergen könnte. Sondern man sollte das generell nicht tun, egal was man darunter zu erwarten hat!”

Warum Jay vom Virtual Rereat Center einen Sonntag im Monat in der Küche verbringt und einen haufen zusätzliche Teller angeschafft hat: “Ich lade eine Runde feministischer Spaßverderber_innen ein, um gemeinsam Spaß haben zu können. Wir achten gemeinsam darauf, eine Stimmung zu schaffen, mit der sich alle wohl fühlen, statt von anderen als diejenigen wahrgenommen zu werden, die schlechte Stimmung verbreiten. Wir versuchen füreinander Platz zu schaffen, um miteinander Platz nehmen zu können.”

“Abseits von cismännlichem Technik-Expertenmackertum Probleme mit Rechnern, Computern, Maschinen bequatschen, Erfahrungen austauschen, Fragen beantworten und die sprichwörtliche “Hilfe zur Selbsthilfe” anbieten” – das gibt’s am 17.1. und ab dann jeden dritten Freitag im Monat, erzählt riot_nrrrd. Denn dann findet bei TrIQ (Glogauerstraße 19, Hinterhof, 10999 Berlin) eine Computersprechstunde für alle interessierten Trans*, Inter*, Lesben und Frauen* statt.

Und auch das hier bitte schon mal fett im Kalender anmarkern: Am 19. Januar 2014 im FAQ Infoladen (barrierearm), ab 15:30: Vortrag und Spoken Word der Aktivist*innengruppe FatUp!

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Cultural-Appropriation-Fall Nr. 89532791 (diesmal: Alverde)

23. August 2013 von Gastautor_in

Wir freuen uns über einen Gastbeitrag von Salomé! Die Autorin ist vegane Katzenliebhaberin, derzeit wohnhaft in NRW, Person of Color, und führt nach eigenen Angaben kein allzu bemerkenswertes Leben… 

CN: Rassismus

Die Naturkosmetikmarke Alverde hat vor einigen Tagen eine neue Limited Edition für ihre dekorative Kosmetik in die Läden gebracht. Der Name der Produktlinie ist „African Soul“.

Kampagnenfoto von alverde

Kampagnenfoto von alverde

Pressetext:

“Wie wäre es mit einem Ausflug in die Savanne? Entdecke die faszinierenden Farben und die Magie des fernen Kontinents. Die neue Limited Edition African Soul von alverde NATURKOSMETIK zaubert einen Hauch von Afrika in dein Schminktäschchen und nimmt dich mit auf eine Reise durch die Weiten des Landes. Lass dich von den warmen Erdtönen und leuchtenden Farben mitreißen und verleihe deinem Aussehen einen Look wie von der Sonne geküsst.”

Ich fasse zusammen:

 1. Weißes Model mit „Afro“-Perücke auf dem Kampagnenfoto

Denn es hätte so wehgetan, einfach ein Schwarzes Model zu nehmen.

Wir wissen hoffentlich alle, dass auf dem afrikanischen Kontinent auch Weiße heimisch sind und es hellhäutige Schwarze gibt – die Perücke gibt aber darüber Aufschluss, dass man hier zweifelsfrei versucht hat, eine Schwarze Person zu repräsentieren, ohne eine Schwarze Person zu repräsentieren.

Eines der Bronzingprodukte nennt sich African Powder. Ich weiß schon, womit sie das Model für die nächste Kampagne blackfacen.

 2. Geographische Verwirrung

Im Text bezieht man sich bei Afrika zunächst auf den „fernen Kontinent“ (sic), spricht dann aber von einer „Reise durch die Weiten des Landes“ (sic), was nahelegt, dass die Presseleute weder über geographischen Durchblick, noch das Minimum an Respekt zu verfügen, um sich selbigen kurz zu verschaffen, was dank Google die unzumutbare Zeitintensität von etwa zehn Sekunden beansprucht.

3. Geographische Wahrnehmungsstörung

Wer Afrika als Land sieht, kann die Exotisierung desselben natürlich auch nicht sein lassen…? Afrika ist Europas Nachbarkontinent. Nordamerika ist bedeutend weiter entfernt – wie oft wird von den Vereinigten Staaten (wohlgemerkt heute, lange nach 1892) als „fernes Land“ gesprochen?

4. Fragwürdige Zielgruppeneingrenzung

Als wäre es nicht schon peinlich genug, hat natürlich niemand daran gedacht, in dieser von einem Kontinent mit mehrheitlich Schwarzer Bevölkerung „inspirierten“ Linie Abdeckkosmetik (Concealer/Puder/Foundation) für Leute zu berücksichtigen, die nicht weiß sind. Die Zielgruppe Alverdes lässt sich also weiterhin in etwa zwei Hauttöne und eine Ethnizität einteilen.

Die Stellungnahme der Firma – in Form eines Kommentares unter/in der Diskussion bei Facebook – liest sich folgendermaßen: (mehr …)


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Mimosen an die Macht

16. August 2013 von Gastautor_in

Bild: Botanischer Garten Uni Potsdam

Wir freuen uns über diesen Gastbeitrag von homosphäre. Der Autor des Blogs ist schwuler Student der Gender Studies in Berlin und befasst sich auf seinem Blog mit der Frage, wie individuelle Erfahrungen von queeren Menschen mit gesellschaftlichen Strukturen zusammenhängen. Der Blog ist aus schwul-weiß-männlicher Perspektive verfasst und enthält die Einladung an alle, zu ergänzen oder zu widersprechen!

In letzter Zeit hab ich mir einen Spaß draus gemacht, Leute zu berichtigen, wenn sie die Vokabel „empfindlich“ verwenden, und sie aufgefordert, stattdessen „empfindsam“ zu sagen. Inzwischen hab ich dabei eine interventionistische Penetranz entwickelt, die ich sonst gar nicht von mir kenne. Eigentlich bedeuten beide Wörter dasselbe, nämlich „sensibel“. Aber im einen Fall schwingt dazu eine klare Abwertung mit: „empfindlich“ assoziiert der Duden neben „leicht beleidigt“ und „gereizt“ auch mit körperlicher Schwäche, während er zu „empfindsam“ hehre Tugenden wie „rücksichtsvoll“, „taktvoll“ und „romantisch“ aufführt.

Warum die Wortkunde?  Weil mir die Verwendung von „empfindlich“, vielmehr die dahinterstehende Intention gewaltig auf den Zeiger geht. Ich bin da einfach sensibel.

Empfindlich-sein ist ein machtvoller Vorwurf, mit dem Personen, die aufbegehren wirkungsvoll unschädlich gemacht werden können. Schwarze und People of Color müssen sich so nennen lassen, wenn sie auf Alltagsrassismen hinweisen. Für Frauen gilt qua Sexismus die Empfindlichkeitsvermutung ohne dass sie irgendwas sagen und Männer – naja, zur Reproduktion von Männlichkeit gehört die ständige Gefechtsstellung gegen die Gefühlsduseligkeit auch dazu. Schwule Männer sehen sich zudem oft in dem Dilemma, ermüdende Klischees hervorzurufen, wenn wir uns feinfühlig geben. (mehr …)


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Fruchtbarkeitsmythen, Vorbilder und Habermas’ AfD Ausrutscher – Die Blogschau

30. Juni 2013 von Sabine
Dieser Text ist Teil 208 von 256 der Serie Die Blogschau

Helgas Text hat den Bericht in The Atlantic zum Thema Kinderwunsch und Alter analysiert. Dieser räumt mit einigen Fruchtbarkeitsmythen auf: etwa mit dem Bio-Mythos der „tickenden Uhr bei Frauen ab 35“. Wobei es natürlich auch wichtig zu wissen ist, dass die Fruchtbarkeit des Mannes ja tatsächlich ab dem 35. Lebensalter abnimmt.

„Sei ein Mädchen, verstehe dich als Partnerin, werde Mutter.“ Wie schmerzvoll die Anrufung als Mutter auch in queer-feministischen Kreisen sein kann, steht auf Don’t Degrade Debs Darling.

„Als kleiner Mensch war ich gewohnt, vor größeren auszuweichen und Platz zu machen (…)“ Nina LaGrande erzählt eine Geschichte aus ihrem Alltag, weil Erzählungen von Menschen mit Behinderung in der Öffentlichkeit kaum sichtbar sind.

Vorbilder, anyone? “… würde ich mich freuen, wenn ihr mir eure Vorbilder zeigt, die grob aus den Bereichen Fat Acceptance, Body Positivity, Feminismus, Fat Fashion, Plus Size kommen.”

Auf Afrikawissenschaft findet ihr spannende Fundstücke aus den Medien von Bono bis hin zu Südafrika – 20 Jahre nach der Apartheid, und wieder zurück nach Deutschland zu Blackface-Diskussionen.

Antje Schrupp spricht mit Elke Brüns über das Bedingungslose Grundeinkommen und darüber wie eine Gesellschaft aussähe, in der jeder Mensch über ein Einkommen verfüge.

Hauptsatz: Habermas schreibt einen Text über die Vereinbarkeit von Demokratie und Kapitalismus. Nebensatz: Der „Alternative für Deutschland“ sei Erfolg zu wünschen, so Habermas. Julia Schramm analysiert diese Aussage und ihre Implikationen. Sehr aufschlussreich.

Als das DHM (Deutsche Historische Museum) die Kolonialgeschichte stahl…

OHA-ranienplatz … Der Kampf für Freiheit ist mehrdimensional. Über Sexismus und Rassismus auf dem O-Platz (Oranienplatz, Berlin).

Ein Briefwechsel auf Undercoverofcolor. „Betreff: Du hast mir nie erzählt das es SO schwer sein wird!“

Auf Denkwerkstatt finden Journalist_innen hilfreiche Tipps und Links, wenn es darum geht in der Berichterstattung nicht in Klischees und Stereotypen zu verfallen.

Und bei Femgeeks fragt Charlott, warum Wissenschaftlichkeit und die Liebe zum kritischen Hinterfragen meist nur so weit reiche, bis ein dicker_fetter Körper in den Fokus kommt.

Morgen ist Juli. Auf Fatty Fashion Challenge gibt es eine neue Herausforderung für diesen Monat: Was ist Eurer Festivaltrend? Lust auf Konzerte in Erfurt und Berlin? Dann schaut mal hier.


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Feministische Netzpolitik, #occupygezi und ungefragte Diättipps – Kurz Notiert

19. Juni 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 194 von 247 der Serie Kurz notiert

Die Wissenschaftlerinnen Sabine Hark und Paula-Irene Villa haben in der taz eine Antwort auf den ZEIT-Text von Harald Martenstein geschrieben, welcher in seinem Artikel – mal wieder – Erkenntnisse aus den Gender Studies diskreditierte.

Beim Missy Magazine gibt es eine neue Serie zu #occupygezi von Didem Ozan. Folgende Fragen werden in nächster Zeit diskutiert: Warum sind türkische Frauen so wütend auf Erdoğan? Welche Rolle spielen Feministinnen? Und welche Frauen unterstützen das autoritäre Auftreten des Regierungschefs?

Passend dazu: GLADT e.V. sammelt Spenden für den LSBT-Block, der die Widerstands­bewegung im Gezi Park mitorganisiert. Auf Facebook findet ihr den Aufruf.

In der 3-Sat-Mediathek findet ihr einen Beitrag zu Sexismus: “Bei Sexismus geht es um Hierachien und Macht.”

Offenbar hat in von der Firma Haasenburg betriebenen Kinderheimen krasse Gewalt gegen Kinder stattgefunden – eine Petition tritt nun für deren sofortige Schließung ein. 20.000 Unterstützer_innen müssen in den nächsten 60 Tagen gefunden werden, damit sich der Brandenburger Landtag mit der Petition beschäftigt, berichtet die taz.

Auf Dances with Fat gibt es einen sehr lesens­werten englisch­sprachigen Artikel über die “gut-gemeinten” aber leider einfach nur respektlosen Tipps, die dicke_fette Menschen andauernd ungefragt hören.

Dürfen Journalistinnen für eine Frauenquote in Medien werben? Die Kommunikations­wissen­schaftlerin Elisabeth Klaus meint im Interview mit dieStandard.at: Na klar!

Im Mai fand die vom Missy Magazine initiierte Diskussions­runde zu #Aufschrei statt. Einige Autorinnen der Mädchenmannschaft waren damals dabei und berichteten. Nun ist eine Aufnahme der Veranstaltung online verfügbar.

Du liebst Fussball und findest es toll, wenn andere Mädchen und Frauen ihre spielerische Leidenschaft ausleben können? Dann unterstütze Discover Football mit einer kleinen Spende!

Auf The F-Bomb gibt es einen englisch­sprachigen Artikel: “What If I AM Like The Feminist Stereotype?”

Petition: “Bildung auf See braucht Schiffe in Fahrt! Für den Erhalt von Traditions­schiffen wie der Lovis“. Das Aus würde auch ein Ende für Frauen*Lesben*Trans*-Segeltouren bedeuten.

In der sogenannten Vereinbarkeitsdebatte fehlt oftmals der Blick auf jene, die dazu beitragen sollen, vor allem Müttern eine Berufstätigkeit zu ermöglichen: Erzieher_innen und Kinderpfleger_innen. Diese haben oftmals selbst Vereinbarkeitsprobleme, verdienen oft wenig und viele von ihnen sind im Alter von Armut bedroht.  Prof. Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, erläutert dies in einem Interview mit dem Portal ErzieherIn (irgendwie schade nur, dass am Ende des Interviews das Paradigma “Wir brauchen unbedingt mehr Männer in den KiTas”  unhinterfragt/kontextlos übernommen zu werden scheint).

Termine in Bad Malente, Berlin, Frankfurt am Main und Hildesheim nach dem Klick

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Aktionen und Empowerment – kurz verlinkt

13. Juni 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 193 von 247 der Serie Kurz notiert

Nach Frankreich sollen auch in Großbritannien bald lesbisch und schwul lebende Paare heiraten können.

Die Hamburger Inititative Ohren Auf Im Kiez mobilisiert zu gegenseitiger Unterstützung in Notsituationen oder bei Hilfebedürftigkeit – inklusive praktischer Tipps.

Eine 86 Jahre alte Frau hat es geschafft, aus dem Kriegsgebiet in Syrien herauszukommen.  Obwohl ihr Sohn garantiert, für sie finanziell zu sorgen, hat das deutsche Konsulat sie “mangels Kompetenzen” abgewiesen und schickt sie auf eine internationale Bürokratie-Odyssee. 

Das österreichische Online-Medium dieStandard wurde vor kurzem scharf für eine Kolumne zu “feministischem Sex” und nicht weniger für ihren Umgang mit den Einwänden dagegen kritisiert – nun hat das Team der Zeitschrift an.schläge eine Replik auf den Artikel bei dieStandard veröffentlicht, in dem einige der vorgebrachten Kritikpunkte ausgeführt werden.

Auf der weltgrößten Videospielekonferenz Electronic Entertainment Expo, kurz  E3, kam eine Präsentation von Microsoft nicht ohne Vergewaltigungs”witze” aus. Warum sowas ein Problem ist, muss offenbar immer wieder erklärt werden (Artikel auf Englisch; bemerkenswert, dass auf den Bestelllink für die Xbox dort nicht einfach verzichtet wurde).

Michelle Obama, “First Lady” der USA, wurde während einer Rede von einer weißen Aktivistin unterbrochen. Ihre Reaktion darauf  fand in der feministischen US-Blogosphäre einige Beachtung – denn Michelle Obama widersetzte sich damit gängigen Stereotypen über Schwarze Frauen [Englisch].

Es gibt ein Medikament, mit welchem sich Schwangerschaften verhältnismäßig sicher abbrechen lassen: Misoprostol. Dass das wenig bekannt und verfügbar ist, hat Gründe [Englisch].

Über die feministische Beteiligung an den anhaltenden Protesten und Auseinandersetzungen in der Türkei berichtet Frollein Europa [Englisch].

Im Zentrum Berlins soll für mehrere hundert Millionen Euro ein neues Ausstellungsgebäude entstehen: das Humboldt-Forum. Für Berlins „außereuropäische Sammlungen“, wie es so schön heißt. „Das vorliegende Konzept verletzt die Würde und Eigentumsrechte von Menschen in allen Teilen der Welt, ist eurozentrisch und restaurativ“, sagt Tahir Della von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland. Zur Petition gegen das Humboldt-Forum geht es hier.

Seit vier Jahrzehnten übersetzt und publiziert der Berliner Orlanda Verlag essenzielle Werke afro-amerikanischer und afro-deutscher Feministinnen. Im Interview mit migrazine.at erzählt Anna Mandalka von den Anfängen und den aktuellen Schwerpunkten bei Orlanda: “Schwarze Frauen sind sichtbar geworden”.

Ragen von Dances With Fat gibt Lebenshilfe – für Blogkommentatoren, die unter Dickenhass leiden [englisch]. Zu Dickenfeindlichkeit und Body Policing in akademischen Diskursen/Praxen schreibt Melonie Fullick [Englisch].

Unter dem Deckmantel des Schutzes wird oftmals der Weg frei gemacht für Repressionen, das gilt nicht zuletzt in Sachen Prostitution. Eine Petition für Respekt und Rechte für Sexarbeiter_innen wendet sich dagegen.

Über Proteste gegen die “Frauen-Nacktfußball-EM” – die eben kein nudistisches Sportereignis, sondern eine kommerzialisierte male-gaze-Erotikshow ist – berichtet die Siegessäule.

Deborah Copaken Kogan, Bestsellerautorin und Kriegsfotografin, geht einen mutigen Schritt und packt über den Sexismus im Literaturbetrieb aus. Sie erzählt von sexistischen Buchtiteln und -covern, die ihr im Laufe ihrer Karriere aufgedrängt worden sind; von der wiederholten Betitelung als “Mutter” und “Barbie”, wo es eigentlich um ihre Arbeit als Schriftstellerin oder Fotografin gehen sollte; von Autorinnen, die aus Gründen nicht unter ihrem weiblichen Vornamen veröffentlichen; davon, dass die meisten Rezensenten Männer sind und auch in erster Linie Bücher von Männern rezensieren; dass genau aus diesem Grund auch fast nur Männer für Literaturpreise nomiert werden. Und dass sie erst jetzt auspackt, wo sie laut eigener Aussage nichts mehr zu verlieren hat, weil ihr immer gesagt worden ist: “Die werden dich fertig machen”. Ein ernüchternder, ein wichtiger Artikel.

Der Verband Alleinerziehender Mütter und Väter hat zehn Forderungen zur Verbesserung der Situation von Ein-Eltern-Familien formuliert.

Über das nach wie vor problematische Verhältnis vom Feminismus(tm) zu Trans*positionen, die Wichtigkeit diese mitzudenken und “Gender” genauer zu analysieren schreibt Jos auf Feministing [Englisch]

Zum Tod der Fotojournalistin  Abigail Heyman gibt es einen Beitrag bei der New York Times [Englisch].

Die indische Filmemacherin Nishtha Jain hat die Mitglieder der Gulabi Gang mit ihrer Kamera begleitet. In der Jungle World spricht über die Revolte indischer Landfrauen, die von häuslicher und polizeilicher Gewalt besonders betroffen sind.

Eine Petition an die öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramme fordert: Klärt endlich angemessen über den Sexismus in dieser Gesellschaft auf! Inzwischen gab es von den Verantwortlichen der öffentlich-rechtlichen Sender Stellungnahmen zu den  Forderungen – von denen leider keine zufriedenstellend war.   Die Antwort an das ZDF  gibt’s hier. Da eine Behandlung der Beschwerde im Fernsehrat nach § 21 der Beschwerdeordnung gefordert wird, können die Initiatorinnen der Petition weiterhin jede Unterstützung gebrauchen.

Im Nachgang zu der Debatte um Angelina Jolies Brust-OP schreiben Duchess Harris und Christine Ohenewah für the feminist wire über den Zugang zu genetischen Krebsrisikotests – und was Faktoren wie race und class damit zu tun haben [Englisch].

Langzeitstudien verstärken die Zweifel am flächendeckenden Nutzen von Mammographiescreenings in der Brustkrebsvorsorge, schreibt die Süddeutsche Zeitung.

Bei der Heinrich Böll Stiftung ist ein Dossier über antirassistisches Empowerment erschienen, das auch als PDF herunter geladen werden kann.

Am 21. Juni in Berlin: die Fête de la Ruby – queer_feministisches Konzert und Party im Trixxxta, Oberbaumstr. 11 Kreuzberg.  Um 16 Uhr gehen die Konzerte los,  dannach wird aufgelegt.  Hier geht es zum Facebook-Event.


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„Asexualität scheint nicht zu existieren“: Weder Trauma noch fehlt der*die Richtig*e im Bett

19. April 2013 von Gastautor_in

Unsere Gastautorin Theresia lebt und arbeitet in Berlin und versucht heteronormative Diskurse zu durchbrechen. Sie arbeitet ehrenamtlich für das alternative und unabhängige Magazin “Kontext TV” und schreibt meistens teils-fiktive Kurzprosa auf zitterart.wordpress.com.

Eigentlich schreibe ich keine Blogposts über privat-politische Themen. Ich diskutiere darüber verbal, aber halte mir somit auch ein Hintertürchen offen, denn Meinungsänderung durch Überzeugung seitens Dritter ist einfacher, wenn es nicht irgendwo schwarz auf weiß steht. Und ja, ich habe manchmal Angst vor der Kritik, schriftlich, ausformuliert, weil mir oft die Kraft ausgeht, auf halber Strecke sozusagen. Aber ich versuche es jetzt dennoch, weil ein mir wichtiges Thema oft im gesellschaftlichen Diskurs egal welcher „Art“ keine Beachtung findet.

Asexualität wird nicht totgeschwiegen, sondern scheint einfach nicht zu existieren. In den Köpfen der meisten Menschen geht es um sexuelles Begehren. Es wird an allen Ecken über Hetero-, Bi-, Homosexualität und Queer gesprochen, geschrieben, positiv sowie negativ reagiert, aber Asexualität? Mmh. Nö. Is’ nich’. Wenn überhaupt, wird Asexualität oft pathologisiert und abgesprochen. Sie wird mit Unlust, Prüderie, einfach „noch nicht die*den Richtige*n im Bett gehabt“ oder gar Traumata gleichgesetzt.

Unsere Zeit ist übersexualisiert. Kommerzialisierter, pornifizierter Sex begegnet uns überall und ständig. Sexuelles Begehren wird überall produziert, wir definieren uns darüber, sprechen darüber, schreiben darüber, definieren uns darüber. Fakt ist, wir sind eigentlich sexuelle Wesen. Darüber reproduzieren wir uns. Punkt. Das muss nicht weiter erklärt werden. Fakt ist auch, dass viele Menschen keinen Spaß am Sex haben. Nicht so richtig. Warum auch immer.
Fakt ist ebenfalls, dass „Sex“ überall ist, überall und ständig und immer werden wir dem ausgesetzt. Also scheint es normal zu sein. Nein, es ist die Norm. (mehr …)


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“African Mamas”? Geht`s noch?

15. Juni 2012 von Nadia

Schon seit einiger Zeit gucke ich mir mit großem Kotz­reiz­gefühl merkwürdige Phänomene an, die im Bereich der so genannten “Migrations­industrie” zu verorten sind. Diverse Träger, Bildungs­anbieter, Dienst­leister, Medien­menschen und viele andere Galoschen haben nämlich diesen großen Markt erst nicht seit gestern für sich entdeckt, und es geht um eine Menge Kohle, die über die Tische geschoben wird. Im Großen und Ganzen geht es also zum Beispiel um Angebote für/um/mit/undsoweiter “Menschen mit Migrations­hinter­grund”, die als Ziel­gruppe für verschiedene Dienst­leistungen entdeckt werden. Es geht auch um Leute, die sich für Themen interessieren, die irgendwie mit diesen “Menschen mit Migrations­hinter­grund” zu tun haben. Und es geht nicht immer nur um “Migrations­hinter­grund”, manchmal wird der Einfachheit halber einfach von “Migration” gesprochen – ganz egal, ob jetzt nun der “Hinter­grund” oder die “Migration” gemeint ist, und das ist ja auch nicht schlimm, Hauptsache ist, es gibt tolle Begriffe die so gesagt werden können, ohne dass man das Wort “Ausländer_in” in den Mund nehmen muss. Und Hauptsache, der Rubel rollt.

Mit den Termini wird also seit einigen Jahren locker-flockig um sich geworfen, und zwar spätestens seit 2005, als der Begriff “Migrations­hinter­grund” im Zuge seiner Verwendung im Mikrozensus großflächig auf die Be­völkerung losgelassen wurde. Es geht um potentielle Kund_innen, Fördergelder, “Informations­arbeit”, auch um Unter­haltungs­inhalte, Reputation, Berufs­erhalt, und dann, wenn mensch das alles weiter denkt, auch oft um Positiv-Rassismus, Stereo­typen und Erhalt des Differenz­denkens.

Und ganz viele sind da mit Feuer­eifer dabei, den Karren einfach noch weiter in den Dreck zu schieben. Böses darf mensch nicht unterstellen, denn es geht ja um ganz besonders heroische Ziele die genau in diesem Bereich forciert werden: Plädoyers für mehr “Viel­falt”, für mehr “bunt”, für mehr “Toleranz”. Alles Begriffe, die ich ehrlich gesagt nicht mehr lange tolerieren kann. Will sagen: Diese Arbeits­bereiche, die in weiten Teilen einfach mal so von Differenz ausgehen, ohne jeglichen Blick für rassistische Strukturen und die Re­pro­duk­tion stereotyper Mensch­vor­stellungen, da kann meines Er­achtens nicht viel Gras wachsen. Muss es vielleicht auch nicht, denn wir reden hier ja von einem Wirtschafts­zweig der befeuert werden muss, und von Menschen, die ihren großen Teil vom Kuchen haben wollen.

Es geht um ein soziales Feld, für dessen Existenz die Identifizierung der Beteiligten mit diesem Funktions­system wichtig ist, was im Falle des “Berufs” in diesem Bereich ganz einfach heißt: Die Be­teiligten müssen ganz selbst­ver­ständlich davon ausgehen, dass es so etwas wie “Differenz” gibt, etwas, dass als “Wir und die Anderen” auszuloten ist – ganz egal, ob mensch sich dabei im “Wir” oder im “Anderen” ansiedeln würde. Heißt in diesem Fall: “Migrations­hinter­grund” und “kein Migrations­hinter­grund”. Und wie die merkwürdigen Blüten des Ganzen sprießen können, zeigt zum Beispiel ein Text, der heute auf migration-business veröffentlicht wurde. Titel: Sie ist eine “African Mama”. (mehr …)


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Lasst mich die Stereotype bedienen!

24. Mai 2012 von Kübra
Dieser Text ist Teil 36 von 40 der Serie Das Wort zum Freitag

Mal unter uns. Wenn ich schon Rassismus und Islamophobie in der Gesellschaft anprangere, dann muss ich bitte schön auch über die vielen Probleme innerhalb der muslimischen Gemeinden sprechen, nicht wahr? Ein bisschen auf die Köppe der Muslime hauen. Na klar, her mit der schmutzigen Wäsche!

Eine sehr beliebte schmutzige Wäsche ist ja der Sexismus, das Patriarchat und die unterdrückten Frauen der Muslime. Darum ging es kürzlich auch im Artikel der ägyptisch-amerikanischen Journalistin und Aktivistin Mona El Tahawy in ihrem Artikel „Warum hassen sie uns?“

Eine nackte Frau, die Haut schwarz bemalt, der Augenbereich Niqab-ähnlich ausgespart, schaut verschüchtert in die Kamera und ziert das Titelbild des amerikanischen Magazins Foreign Policy. El Tahaways These: Arabische Männer hassen uns Frauen. Um ihre These zu untermauern folgen Beispiele, wie das saudische Fahrverbot für Frauen, Genitalverstümmelung und Jungfrauentests in Ägypten – einmal querbeet durch die arabische Welt.

Als mit Erscheinen des Artikels im Internet heiße Diskussionen über den Artikel tobten, schrieb ein weißer Leser belustigt, der Ärger der arabischen und muslimischen Leser rühre nur daher, dass man ihre schmutzige Wäsche offen der westlichen Gesellschaft vorgeführt habe. Wie lustig.

Doch die meisten Kritikerinnen sind arabische, muslimische und asiatische Feministinnen und Aktivistinnen. Frauen, die genau die gleichen Themen anprangern wie Mona El Tahawy, darüber schreiben und an der Basis gegen den Sexismus ankämpfen.

Ihre Kritik war unter anderem, El Tahawy würde die arabisch-muslimische Frau als ein hilfloses Wesen, den Mann als aggressiven Patriarchen darstellen und damit westliche Stereotypen über die Muslime und Araber füttern. Sie würde sich als vermeintlich einzige Sprecherin muslimischen Frauen positionieren und sich als mutige Journalistin profilieren.

Bild gemalt von Kübra

Bild gemalt von Kübra

„Ach komm doch, Kübra. Kritisier die Muslime, der Glaubwürdigkeit wegen“, empfahl mir kürzlich jemand, der es gut mir meinte. So geht es doch viel einfacher, erfolgreich zu werden. Bücher mit den Titeln „Die Unterdrückung der muslimischen Frau“ oder „Sex, Schleier und Sehnsucht“ würden sich doch verkaufen wie warme Semmeln. Lasst mich Stereotypen bedienen, die voyeuristischen Fantasien befriedigen und mich selbst als heroisch-mutige Journalistin profilieren, die sich vom Rest der rückständigen Muslime absetzt. Ich werde die gute Muslimin sein. Die, die in das Bild passt.

Heißt das, man soll Muslime nicht kritisieren? Heißt das, ich werde nie über den Sexismus in muslimischen Gemeinschaften schreiben? Die Frage ist nicht, ob man kritisieren darf, die Frage ist: wo und wie.

Als Feministin spreche ich in muslimischen Gemeinden über Sexismus, ich motiviere Frauen, sich von Rollenbildern zu befreien. Ich spreche über Homophobie oder Antisemitismus. Das werde ich noch öfter auf meinem Blog oder in muslimischen Medien tun. Das muss aber nicht in einer Kolumne geschehen, die mehrheitlich von weißen Nichtmuslimen (Nachtrag: gemeint ist Mehrheitsgesellschaft) gelesen wird. Und nicht selten kommt es vor, dass ich Muslime in dieser Kolumne kritisiere und Missstände benenne. Jedoch in dem Bemühen, nach Ursachen zu suchen. Denn jede banale Vereinfachung macht die Realität kaputt.

Diese Kolumne ist ursprünglich in der taz erschienen.

NACHTRAG (auch nachzulesen auf: ein-fremdwörterbuch)

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Die Pressesprecherinnen des Islam

26. April 2012 von Kübra
Dieser Text ist Teil 34 von 40 der Serie Das Wort zum Freitag

Auf einer Geschäftsreise in Europa will es die ägyptische Journalistin Nadia El Awady endlich einmal ausprobieren: das Leben ohne Kopftuch. Nach Jahren nimmt sie es zum ersten Mal in der Öffentlichkeit ab. Sie läuft durch die Straßen und wartet auf eine Reaktion. Nichts passiert. „War ich immer so unsichtbar?“, fragt sie sich. Und während die Menschenmassen an ihr vorbeiströmen, fühlt sie, dass sie in der Masse untergetaucht ist – eine von vielen.

Es war ein komisches Gefühl, als ich ein weiteres Mal auf einem sozialen Netzwerk Bilder einer Freundin ohne Kopftuch entdeckte. Für alle sichtbar, öffentlich. Sie hatte das Kopftuch abgelegt, wie so viele andere in meinem Bekanntenkreis in den vergangenen Jahren. Wie würde man auf sie reagieren? Denn genauso wie viele in der muslimischen Community den Kopftuchtragenden „Religiosität“, „Spiritualität“ oder „Reinheit“ zuschreiben, verkehrt sich das bei einer Frau, die das Kopftuch ablegt ins Gegenteil. Weit mehr als bei einer Frau, die noch nie ein Kopftuch trug. So als ob sie mit dem Kopftuch auch dem Islam und der Gemeinschaft den Rücken gekehrt hätte. Sie gehört nicht mehr dazu. Selbst wenn niemand über sie spricht, ein stilles Urteil ist gefällt.

Es gibt Frauen, die das Kopftuch ohnehin nie tragen wollten, die dazu – offen oder subtil – gezwungen worden sind. Oder die sich so weit geändert haben, dass der Islam und das Kopftuch keine Rolle mehr in ihrem Leben spielen. Andere Frauen empfinden das Kopftuch als Einschränkung. Das Ablegen ist eine Befreiung für sie.Für meine Freundin A. war es eine Qual. Nach etlichen Job-Bewerbungen, nach eben so vielen Absagen, nach Monaten der Perspektivlosigkeit, nachdem man ihr wiederholt in Bewerbungsgesprächen dazu riet, das Kopftuch doch bitte abzunehmen, nach einer großen inneren Krise, nachdem sie sich zu schwach fühlte, um die Blicke und den permanenten Druck, sich beweisen zu müssen, auszuhalten, legte sie es ab. Unfreiwillig. Und doch, obwohl sie die Gleiche war, ebenso spirituell und muslimisch wie zuvor, war sie es nicht mehr in den Augen anderer.

S. hingegen hatte einen ganz anderen Grund: die Politisierung des Kopftuchs, die Bilder und Vorstellungen, die mit dem Kopftuch verbunden sind. „Ich war nur noch damit beschäftigt, den Islam zu verteidigen. Ich habe nur noch außen hin gearbeitet und dabei meine Spiritualität verloren.“ Um sich wieder näher und tiefer mit ihrer Religion zu beschäftigen, ohne von außen daran gehindert zu werden, ohne eine konstante Unruhe zu spüren.

Ja, die Politisierung des Kopftuchs durch die Außenwelt, hat die Trägerinnen zu Anwältinnen und Pressesprecherinnen des Islams gemacht, die sich unfreiwillig und unbewusst diesem Bild fügen. Und tatsächlich besteht hier die große Gefahr, das Eigentliche zu vergessen: den Glauben.Heute ist S. religiöser als zu der Zeit, in der sie noch ein Kopftuch trug. „Wenn ich mich wieder bereit dazu fühle, stark genug bin, werde ich es vielleicht bald wieder tragen. InshAllah – so Gott will.“

Die Kolumne ist ursprünglich in der taz erschienen.

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