Einträge mit dem Tag ‘Stereotype’


Lasst mich die Stereotype bedienen!

24. Mai 2012 von Kübra
Dieser Text ist Teil 35 von 35 der Serie Das Wort zum Freitag

Mal unter uns. Wenn ich schon Rassismus und Islamophobie in der Gesellschaft anprangere, dann muss ich bitte schön auch über die vielen Probleme innerhalb der muslimischen Gemeinden sprechen, nicht wahr? Ein bisschen auf die Köppe der Muslime hauen. Na klar, her mit der schmutzigen Wäsche!

Eine sehr beliebte schmutzige Wäsche ist ja der Sexismus, das Patriarchat und die unterdrückten Frauen der Muslime. Darum ging es kürzlich auch im Artikel der ägyptisch-amerikanischen Journalistin und Aktivistin Mona El Tahawy in ihrem Artikel „Warum hassen sie uns?“

Eine nackte Frau, die Haut schwarz bemalt, der Augenbereich Niqab-ähnlich ausgespart, schaut verschüchtert in die Kamera und ziert das Titelbild des amerikanischen Magazins Foreign Policy. El Tahaways These: Arabische Männer hassen uns Frauen. Um ihre These zu untermauern folgen Beispiele, wie das saudische Fahrverbot für Frauen, Genitalverstümmelung und Jungfrauentests in Ägypten – einmal querbeet durch die arabische Welt.

Als mit Erscheinen des Artikels im Internet heiße Diskussionen über den Artikel tobten, schrieb ein weißer Leser belustigt, der Ärger der arabischen und muslimischen Leser rühre nur daher, dass man ihre schmutzige Wäsche offen der westlichen Gesellschaft vorgeführt habe. Wie lustig.

Doch die meisten Kritikerinnen sind arabische, muslimische und asiatische Feministinnen und Aktivistinnen. Frauen, die genau die gleichen Themen anprangern wie Mona El Tahawy, darüber schreiben und an der Basis gegen den Sexismus ankämpfen.

Ihre Kritik war unter anderem, El Tahawy würde die arabisch-muslimische Frau als ein hilfloses Wesen, den Mann als aggressiven Patriarchen darstellen und damit westliche Stereotypen über die Muslime und Araber füttern. Sie würde sich als vermeintlich einzige Sprecherin muslimischen Frauen positionieren und sich als mutige Journalistin profilieren.

Bild gemalt von Kübra

Bild gemalt von Kübra

„Ach komm doch, Kübra. Kritisier die Muslime, der Glaubwürdigkeit wegen“, empfahl mir kürzlich jemand, der es gut mir meinte. So geht es doch viel einfacher, erfolgreich zu werden. Bücher mit den Titeln „Die Unterdrückung der muslimischen Frau“ oder „Sex, Schleier und Sehnsucht“ würden sich doch verkaufen wie warme Semmeln. Lasst mich Stereotypen bedienen, die voyeuristischen Fantasien befriedigen und mich selbst als heroisch-mutige Journalistin profilieren, die sich vom Rest der rückständigen Muslime absetzt. Ich werde die gute Muslimin sein. Die, die in das Bild passt.

Heißt das, man soll Muslime nicht kritisieren? Heißt das, ich werde nie über den Sexismus in muslimischen Gemeinschaften schreiben? Die Frage ist nicht, ob man kritisieren darf, die Frage ist: wo und wie.

Als Feministin spreche ich in muslimischen Gemeinden über Sexismus, ich motiviere Frauen, sich von Rollenbildern zu befreien. Ich spreche über Homophobie oder Antisemitismus. Das werde ich noch öfter auf meinem Blog oder in muslimischen Medien tun. Das muss aber nicht in einer Kolumne geschehen, die mehrheitlich von weißen Nichtmuslimen (Nachtrag: gemeint ist Mehrheitsgesellschaft) gelesen wird. Und nicht selten kommt es vor, dass ich Muslime in dieser Kolumne kritisiere und Missstände benenne. Jedoch in dem Bemühen, nach Ursachen zu suchen. Denn jede banale Vereinfachung macht die Realität kaputt.

Diese Kolumne ist ursprünglich in der taz erschienen.

NACHTRAG (auch nachzulesen auf: ein-fremdwörterbuch)

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Die Pressesprecherinnen des Islam

26. April 2012 von Kübra
Dieser Text ist Teil 34 von 35 der Serie Das Wort zum Freitag

Auf einer Geschäftsreise in Europa will es die ägyptische Journalistin Nadia El Awady endlich einmal ausprobieren: das Leben ohne Kopftuch. Nach Jahren nimmt sie es zum ersten Mal in der Öffentlichkeit ab. Sie läuft durch die Straßen und wartet auf eine Reaktion. Nichts passiert. „War ich immer so unsichtbar?“, fragt sie sich. Und während die Menschenmassen an ihr vorbeiströmen, fühlt sie, dass sie in der Masse untergetaucht ist – eine von vielen.

Es war ein komisches Gefühl, als ich ein weiteres Mal auf einem sozialen Netzwerk Bilder einer Freundin ohne Kopftuch entdeckte. Für alle sichtbar, öffentlich. Sie hatte das Kopftuch abgelegt, wie so viele andere in meinem Bekanntenkreis in den vergangenen Jahren. Wie würde man auf sie reagieren? Denn genauso wie viele in der muslimischen Community den Kopftuchtragenden „Religiosität“, „Spiritualität“ oder „Reinheit“ zuschreiben, verkehrt sich das bei einer Frau, die das Kopftuch ablegt ins Gegenteil. Weit mehr als bei einer Frau, die noch nie ein Kopftuch trug. So als ob sie mit dem Kopftuch auch dem Islam und der Gemeinschaft den Rücken gekehrt hätte. Sie gehört nicht mehr dazu. Selbst wenn niemand über sie spricht, ein stilles Urteil ist gefällt.

Es gibt Frauen, die das Kopftuch ohnehin nie tragen wollten, die dazu – offen oder subtil – gezwungen worden sind. Oder die sich so weit geändert haben, dass der Islam und das Kopftuch keine Rolle mehr in ihrem Leben spielen. Andere Frauen empfinden das Kopftuch als Einschränkung. Das Ablegen ist eine Befreiung für sie.Für meine Freundin A. war es eine Qual. Nach etlichen Job-Bewerbungen, nach eben so vielen Absagen, nach Monaten der Perspektivlosigkeit, nachdem man ihr wiederholt in Bewerbungsgesprächen dazu riet, das Kopftuch doch bitte abzunehmen, nach einer großen inneren Krise, nachdem sie sich zu schwach fühlte, um die Blicke und den permanenten Druck, sich beweisen zu müssen, auszuhalten, legte sie es ab. Unfreiwillig. Und doch, obwohl sie die Gleiche war, ebenso spirituell und muslimisch wie zuvor, war sie es nicht mehr in den Augen anderer.

S. hingegen hatte einen ganz anderen Grund: die Politisierung des Kopftuchs, die Bilder und Vorstellungen, die mit dem Kopftuch verbunden sind. „Ich war nur noch damit beschäftigt, den Islam zu verteidigen. Ich habe nur noch außen hin gearbeitet und dabei meine Spiritualität verloren.“ Um sich wieder näher und tiefer mit ihrer Religion zu beschäftigen, ohne von außen daran gehindert zu werden, ohne eine konstante Unruhe zu spüren.

Ja, die Politisierung des Kopftuchs durch die Außenwelt, hat die Trägerinnen zu Anwältinnen und Pressesprecherinnen des Islams gemacht, die sich unfreiwillig und unbewusst diesem Bild fügen. Und tatsächlich besteht hier die große Gefahr, das Eigentliche zu vergessen: den Glauben.Heute ist S. religiöser als zu der Zeit, in der sie noch ein Kopftuch trug. „Wenn ich mich wieder bereit dazu fühle, stark genug bin, werde ich es vielleicht bald wieder tragen. InshAllah – so Gott will.“

Die Kolumne ist ursprünglich in der taz erschienen.

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Komplizierte Beziehung: Frauen in MINT-Fächern

1. November 2011 von Helga

Ob Girls’ Days, Mentoringprogramme oder Exzellenzinitiativen – um Frauen in MINT-Fächern, bzw. deren Mangel wird seit einigen Jahren viel Aufhebens gemacht. Halten Stereotype sie von Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik ab oder sind Frauen einfach nicht daran interessiert?

Aber Wissenschaft wäre nicht Wissenschaft, wenn sie nicht auch diesen Fragen nachgehen würde. So berichtete Diax’s Rake von einer Studie, die die Beteiligung von Studentinnen in Kursen mit männlichen und weiblichen Lehrkräften verglich. Dabei zeigte sich, dass sie sich in Kursen mit Dozentinnen deutlich stärker einbrachten (die Studenten übrigens auch etwas stärker). Außerdem waren die Studentinnen selbstbewußter, was die Einschätzung ihrer Kenntnisse anging – dabei waren ihre Testergebnisse unabhängig von der Lehrkraft besser als die der Studenten. Bei der Entscheidung in einem MINT-Fach zu bleiben, sei es vermutlich ebenso wichtig, Vorbilder zu haben und sich dazugehörig zu fühlen, wie tatsächlich das Fach zu beherrschen, folgern die Autorinnen der Studie.

Der Blick in Zeitungen oder das Fernsehen zeigt dabei aber wieder deutliche Unterschiede. Wissenschaftlerinnen kommen dort zwar vor, es werden aber sehr geschlechtsspezifische Bilder gezeichnet. Sie werden herangezogen wenn es gilt, die „sexy“ Seite der Wissenschaft hervorzuheben. Die Beschreibungen betonen lange blonde Mähnen und kurze Röcke, während Wissenschaftler anhand ihrer Bärte in die Tradition der „verwirrten Professoren“ einsortiert werden. Eine Konstruktion des Wissenschaftlerbildes, die Tradition hat.

Diese Klischees nehmen auch Kinder wahr, bereits in der ersten und zweiten Klasse, erklärt Child Psych. In einem Alter, in dem Mädchen und Jungen noch gleiche Ergebnisse in Mathe erzielen, lässt sich bereits eine (unterbewußte) Zuordnung von Mathematik als männlich belegen. Vermutlich nicht ganz überraschend: In der achten und neunten Klasse zeigen Schüler_innen mehr Interesse an MINT-Fächern, wenn stereotype Fragen gestellt werden. Während Mädchen die Wahr­schein­lich­keits­rechnung zu Fehlgeburten interessierte, fanden Jungen die Berechnung von Autounfällen spannender. Die Autor_innen warnen aber davor, sich ganz auf Klischees zu beziehen, denn „es wird nicht für jede_n Schüler_in funktionieren“.

Die Auswirkungen sind dann spätestens im Berufsleben spürbar. Laut Venture Beat beklagen Frauen und People of Color Vorfälle von Rassismus und Sexismus in IT-Firmen – allen Beteuerungen, hier handele es sich um eine offene, aufgeklärte Branche zum Trotz. Tatsächlich ist aktives Handeln für Diversität innerhalb ihrer Firma für Führungskräfte keine Priorität. Die Betroffenen bleiben so frustriert zurück und wechseln öfter den Betrieb oder verlassen die Branche gar komplett.

Mit gutgemeinten Programmen und einzelnen Initiativen kommen wir hier vermutlich nicht mehr weiter. Was gebraucht wird ist ein klares Umdenken, das Rütteln an unterbewußten Klischees und das offene Angehen diskriminierender Vorkommnisse.


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„Computer zu Programmieren ist wie ein Abendessen zu planen“

9. August 2011 von Helga

Erinnert ihr euch noch an die “Rosies”? Die Mathematikerinnen, die während des Zweiten Weltkriegs zunächst für die US-amerikanische Armee arbeiteten und später die ersten Computer programmierten? Tatsächlich war Programmieren lange ein Frauenberuf (in Malaysia ist das auch heute so). Leser Christian hat uns dazu auf einen schönen Artikel verwiesen. Das Blog von Fog Creek hat nicht nur ein paar Zahlen ausgegraben (1987 waren 42% der US-amerikanischen Softwareentwickler Frauen), sondern auch einen alten Artikel der Cosmopolitan. Danach war Programmieren ein echter Frauenberuf, da es die gleichen Qualitäten erfordere wie ein Abendessen zu planen: Vorausschauend planen, geduldig sein und auf Details achten.

Ab den Achtzigern sank die Zahl der Programmiererinnen aber wieder deutlich. Inzwischen stiegen die Zahlen langsam wieder, so Fog Creek. Das heißt es übrigens auch in einem Artikel auf Gulp von 2000, der eine Erklärung des Imagewandels bereit hält:

Der Ursache für den Frauenschwund ist Britta Schinzel, Direktorin des Instituts für Informatik und Gesellschaft an der Universität Freiburg, auf die Spur gekommen: Solange Programmieren als geistig weniger anspruchsvoll galt, stürzten sich die Männer auf Hardware und Computerentwicklung. Seitdem die Softwareentwicklung Imagepunkte dazu gewonnen hat, machen sich die Herren der Schöpfung hier breit. Anne Brüggemann-Klein, Informatikprofessorin aus München geht ergänzt: “Der Computer ist zu einem Symbol für Männlichkeit, die Beherrschbarkeit der Technik geworden”


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Kürzere Wissensnews: Frauen nehmt ab

22. Juli 2011 von Helga

Viel zu oft gehen unkritische Wissenschaft und Berichterstattung eine unglückliche Verbindung ein. Das Ergebnis sind dann die vermeintlich harmlosen bunten Meldungen, die sich so schön verkaufen, weil sie unser Weltbild bestätigen. Erkenntniswert null, dabei lohnt es sich, genauer hinzuschauen (siehe auch den PhD Science News Cycle). Ein Beispiel:

Dienstag berichtete DRadio Wissen über eine Studie, nach der Paare glücklicher sind, wenn der BMI der Frau niedriger sei als der des Mannes. Botschaft an die Frauen mal wieder: Seid schlank! Befragt wurden 169 heterosexuelle Paare unter 35 Jahren. Alleine diese Auswahl ist schon kritisch, weil oft ältere Frauen berichten, erst spät mit ihrem Gewicht und Aussehen Frieden geschlossen zu haben. Eine Forscherin betonte aber, so der Telegraph, es käme nicht auf das absolute Gewicht an, sondern das relative – auch eine schwerere Frau könne glücklichsein, Hauptsache ihr Ehemann sei noch schwerer. Na immerhin?

Leider findet sich bisher nichts zu der Studie auf der Seite der Universität von Tennesse. Auch steht nirgendwo, in welcher wissenschaftlichen Zeitschrift die Ergebnisse veröffentlicht werden und ob sie dabei einer Peer Review, einer wissenschaftlichen Begutachtung, unterzogen werden. So bleibt leider unklar, was die Wissenschaftler_innen berücksichtigt haben: Den gesellschaftlichen Druck auf Frauen, schlank und hübsch zu sein. Die Idee, ein Mann könne sich mit seiner Ehefrau schmücken. Das Bild einer Ehefrau als Trophäe einer erfolgreichen Jagd. Die Sticheleien, wenn Frauen mit Männern zusammen sind, die vermeintlich außerhalb ihrer „Liga“ sind („was findet der nur an ihr?”). Denn all diese Stereotype sind bis heute noch lebendig und beeinflußen unsere Selbsteinschätzung und unser Glück. Studien und Berichterstattung darüber, die diese Punkte auslassen, festigen leider nur den Status Quo und verpassen die Chance zu kritischer Auseinandersetzung.

Apropos Berichterstattung: Auf Twitter hatte DRadio Wissen noch mal einen ganz anderen Text gewählt.

Tweet von @DRadioWissen: #Wissensnachrichten Starker Mann, zarte Frau - dieses Klischee macht Paare glücklich. http://bit.ly/njeB8C - 22 hours ago via HootSuite

Aus der Frage nach dem Gewicht wurde auf einmal „stark“ und „zart“ – auf Nachfrage hies es, stark sei im Sinne von „kräftig“ verwendet worden. Tatsächlich sind beides Wörter, die sich eben nicht auf die untersuchte Eigenschaft (Gewicht, Masse) beziehen, sondern auf Kraft. Das wirft natürlich gleich das Bild des starken Mannes auf, der seiner Partnerin das Marmeladenglas öffnet – dabei wurde dies gar nicht untersucht. Außerdem können schlanke Frauen durchaus Kraft haben, während ihr Partner eher untrainiert ist.

So wird aus einer obskuren Studie die Botschaft, für ihr Glück müssten sich Frauen einen starken Mann und Beschützer wählen, während sie selbst nicht nur schlank, sondern auch noch schwach sein sollten.


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Das Leben der Anderen

12. Mai 2011 von Kübra
Dieser Text ist Teil 13 von 35 der Serie Das Wort zum Freitag

Der 1. Mai. In Kreuzberg lässt laute fröhliche Musik die Erde beben, die Sonne knallt und an den Straßenecken schlängeln sensationsgeile Krawallanwärter in Schwarz umher. Neugierige Touristen mit baumelnden Riesenkameras vor dem Bauch fotografieren die jungen Kreuzberger, die endlich einmal auf dem Bürgersteig Grillen dürfen. Neben ihnen stehen türkische Frauen und verkaufen erfolgreich Gebäck. Ein chaotisch buntes Getümmel.

Nee, heute wollen mein Mann und ich lieber Ruhe. Am liebsten mit Strand und Wasser. Zusammen mit anderen Berlinern reisen wir also zu einem Familienevent am See, das muslimische Organisationen mit Hüpfburg, Bands und allem Drum und Dran veranstalten.

Ich sitze auf einer Bank am Strand und beobachte. Ein junger Vater mit Hemd und Brille sitzt im Sand und buddelt eifrig mit seinem Sohn. Andere Väter mit langen Bärten, dunklen Sonnenbrillen und hochgekrempelten Jogginghosen stehen im Wasser und laufen ihren kleinen Töchtern in pinken Badeanzügen hinterher, die vor Glück laut aufschreien.

Die Mütter sonnen sich auf den Bänken. Welch Idylle, denke ich. Ein bisschen sufistische Muslime hier, ein bisschen Salafiten da und durchwurschtelt mit dem ganzen großen Rest dazwischen.

Am Strand lerne ich auch Klara kennen. Klara ist Verkäuferin, sie hat kurze braune Haare, eine Brille mit Goldrand und ein freundliches Lächeln. Vor dreißig Jahren hat sie sich in einer norddeutschen Kleinstadt in Kemal, einen türkischen Gastarbeiter, verliebt. Zum Entsetzen ihrer Freundinnen. Ein Türke, wie kann sie nur! Er wird sie doch nur schlagen, unterdrücken und sowieso! Klara trotzt ihrer Umgebung und folgt ihrem Herzen, sie heiratet Kemal. Kemal ist selten zu Hause, er arbeitet hart als Schichtarbeiter und an den Wochenenden schuftet er zusätzlich in der Metallfabrik.

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“Lesben und Schwule sind ungewollt kinderlos, von Staats wegen” – Kurz notiert

11. Mai 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 104 von 153 der Serie Kurz notiert

Noch ein paar Stunden kann die Petition “Stop the ‘Kill the Gays’ Law Now” (deutsche Version: “Stoppt das Anti-Homosexuellen Gesetz in Uganda“) unter­schrieben werden. Diese fordert den ugandischen Präsidenten Museveni dazu auf, ein Veto gegen das Gesetz einzulegen, das lesbische, schwule, bisexuelle und trans* Lebens­weisen unter Todesstrafe stellen würde.

Jürgen Kriege schrieb auf frauensprache.com die Er­fahrungen sei­nes Autor_innen­teams auf, wel­ches un­bewusst Ge­schlechter­stereo­type in einem Mathe­matikbuch reproduzierte.

Kristina Schröder hat es sich zum Ziel gesetzt, die finanziellen Hilfen bei der künstlichen Befruchtung aufzustocken, um “ungewollt kinderlose Paare besser zu unterstützen”. Auf die Frage, ob auch Homo­sexuelle davon pro­fitieren, ant­wortet die Familien­ministerin aus­weichend. Julia Seeliger bringt es in der Taz auf den Punkt: “Lesben und Schwule sind ungewollt kinderlos, von Staats wegen.”

Fundstück der Woche und passend zum Mutter­tag auf thesocietypages.org: Mutter und Tochter vereint in Glück­seligkeit – und zwar beim Saubermachen!

Lori von feministing.com macht sich Ge­danken über den Tod Osama Bin Ladens und die teils skurrilen Reaktionen wie Freude und Jubel. Sie analysiert, welche Rolle Gender dabei spielen könnte und ver­linkt ein sehens­wertes Video, in dem Kin­der zum Tod Bin Ladens befragt werden.

Das Projekt Deaf Not Dumb hat ein wunderbares Rap-Video in Gebärdensprache gemacht und prangert die dis­kriminierende An­nahme an, dass gehör­los oftmals mit dumm gleich­gesetzt wird.

Der Forschungsbereich Gender & Medien der Universität Wien hat einen Call for Pape (doc) ausgerufen: ”GFM Best Publication Award Gender&Medien”. Eingereicht werden können wissen­schaft­liche Aufsätze in deutscher oder englischer Sprache, die im Jahr 2010 publiziert worden sind. Deadline: 31. Mai 2011.


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Kackscheiße, Kapitalismus und Cunnilingus – die Blogschau

2. Mai 2011 von Nadine
Dieser Text ist Teil 106 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Wir melden uns frisch und fröhlich vom 1. Mai zurück und haben ein paar Links aus der vergangenen Woche für euch:

Das Missy Magazine verlost ein Hörbuch zur Geschichte des Frauenfußballs und auf die interessanten, witzigen und aufschlussreichen Beiträge von Studierenden der Gender Studies in Basel im Missy Gastblog April sei auch noch einmal extra hingewiesen.

Jürgen Voß bricht in seinem Blog Das Ende des Sex mal wieder mit gängigen Klischees und Normen über Geschlecht und Sexualität.

Sexualisierte Gewalt in Hochschulen und Universitäten ist nach wie vor ein Tabuthema. Erst kürzlich wurden mehrere Fälle sexueller Nötigung und Vergewaltigung von jungen Studentinnen bekannt. Auf Die Stimme des Opfers beschreibt Lucrezia, Doktorandin aus Hamburg, ihre Situation und tritt in Austausch mit anderen Betroffenen. Gerade wurde das Strafverfahren gegen ihren Doktorvater eingestellt.

Hooray! Trouble X hat einen neuen DIY-Comic veröffentlicht!

Im aktuellen Nrrrdz-Podcast von Kathrin und Maj geht es unter anderem um Hatr.org.

Claudia Killian kritisiert Zuschreibungen und problematische Begriffe an einem Crowdfunding-Projekt, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, schöne Wohnungen für den kleinen Geldbeutel einzurichten.

Der Gurkenkaiser hat mal wieder ein theoriereiches Prachtstück fabriziert: Ein Besuch in einem Einkaufszentrum ist für ihn Anlass, einmal genauer auf die kapitalistischen Logiken des Konsums und deren Einfluss auf unsere Körper zu schauen.

Andersdeutsch hatte die Meldung des Tages zur britischen Hochzeit des Jahres: 50 Prozent der Menschen, die der Hochzeit “aufgeregt” entgegenfieberten, waren Frauen(!!!!).

Nicht von Diskriminierungsverboten erfasst wird in Deutschland das sogenannte racial profiling, die anlass- und verdachtsunabhängigen Personenkontrollen aufgrund rassifizierender Zuschreibungen durch staatliche Akteur_innen. Der Menschenrechtsausschuss der UN erklärte dieses Verfahren bereits 2008 für menschenrechtswidrig; in anderen Ländern ist es mittlerweile verboten, weil vor allem Nicht-Weiße und Menschen mit ungesichertem Aufenthaltsstatus von diesem rassistischen Generalverdacht betroffen sind. Hierzulande ist sich die Polizei nicht zu schade, diese Vorgehensweise auch weiterhin öffentlich zu besprechen und zu praktizieren. Aktuell: Personenkontrollen zum 1. Mai in Hamburg. Metalust kommentiert scharf.

Spreeblick hat nicht nur Jaclyn Friedman interviewt, sondern auch unsere Kolumnistin Kübra Gümüsay.

Lukas Heinser hat sich den Songtext “You & Me” von Milow vorgenommen. Urteil: Sexistische Kackscheiße.

Christiane Link regt sich über die Darstellung von Jugendlichen und Kindern mit Behinderung in den Medien auf und kritisiert gleichzeitig die Sonderschulpraxis in Deutschland.

Kackscheisse.soup.io sammelt *istischen Bockmist. Aktueller Beitrag: der re:publica-Comic von Beetlebum, der von Ausschlüssen innerhalb der deutschen Blogosphäre offenbar nichts wissen will und gleich mal ein paar antifeministische Klischees reproduziert. Mit dabei sind auch Kumpel Chauvi und Privilegiennegierung. Mehr zur re:publica findet ihr hier bei uns.

Aktuelle Termine für Mai hat Magda zusammengestellt, die gern in den Kommentaren ergänzt werden dürfen.

Eine schöne Woche euch allen!


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Schulversager, weil Gott es will

31. März 2011 von Kübra
Dieser Text ist Teil 10 von 35 der Serie Das Wort zum Freitag

„Gehört der Islam zu Deutschland?” Wenn ich diese Frage noch einmal höre, knallts. Dann schnappe ich mir mein Sprengstoffgürtel und das tickende Bömb­chen unter dem Kopftuch und gehe in die Luft – dorthin, wo dümmliche Fragen nicht hinkommen. In eine Welt frei von pseudo-intellektuellen Stell­ver­treter-Diskussionen. Eine Welt frei von Fragestellern, die eigentlich nur meinen: „Ätsch, ihr Muslime gehört nicht zu uns.“ Weil das aber zu plump wäre, tut er mal eben so, als ginge es ihm um einen ernsthaften lösungsorientierten Diskurs. „Ich meine es ja nur gut mit euch.“

Seit Wochen dröhnt ein höchst frustrierender medialer Diskurs in meinen Ohren, bei dem Selbstverständlichkeiten und Banalitäten ad absurdum diskutiert werden. Ob der Islam zu Deutschland gehört, lässt sich genauso schnell beantworten, wie ob Foucault, Hobbes, Newton, Adam Smith oder Harry Potter zu Deutschland gehören. Die Frage kann doch nicht ernsthaft ernst gemeint sein?

Doch, sie ist ernst gemeint. Kürzlich saß ich im Publikum einer top-besetzten Diskussionsveranstaltung und wollte mir anschauen, wo wir uns diskursmäßig der­zeit befinden. Schockiert musste ich feststellen: Wir sind unten. Ganz tief unten.

Es war ein renommierter Spiegel-Journalist, der die Diskussion offenbar als Niveaulimbo begriff. Woher die Erregungsbereitschaft der Muslime käme, witzelte er. Ihnen fehle es an Sex und Alkohol. Dann fragte er ernst in die Runde ob es einen Zusammenhang zwischen dem Islam und Bildungsverweigerung gäbe.

Sollte ich lachen oder weinen? Aus dem Publikum schaute ich ihn an. Er wich mei­nem Blick aus. Dann stand ich auf, um einen Wortbeitrag zu leisten. Der Herr drehte seinen Kopf weg. „Sie dürfen mich ankucken oder verwirrt Sie meine Exis­tenz?“, fragte ich. Ganz offensichtlich war dem so. Seinen Behauptungen zufolge dürfte ich schließlich gar nicht existieren.

„Iqra – Lies!“ ist das erste Wort, das dem Propheten überliefert wurde. Religiösität bedeutete für mich immer auch mich weiterzubilden, persönlich weiter­zu­ent­wickeln und nach Wissen zu streben. Nie etwas anderes. Nie habe ich Gegenteiliges beigebracht bekommen, gehört oder gelesen. Und da kommt ein schnieker Journalist dahergelaufen und stellt Zusammenhänge her, wo keine sind. Klar, er will eigentlich wissen, warum viele Migranten aus islamisch geprägten Ländern im deutschen Bildungssystem schlecht abschneiden. Dann soll er mir mal einen Schüler zeigen, der nicht lernt, weil er das theologisch begründen kann.

„Sie stellen die falschen Fragen“, sagte ich. Es sind Schicht- und Sozialprobleme, die er da anprangern sollte. Nach der Diskussionsrunde fragte ich ihn, wie er denn zu dieser Haltung komme. „”Ich habe viele Bücher flüchtig gelesen“, erklärte er. „Flüchtig“, wiederholte ich. „Ja, das ahnte ich bereits.“

Dann drehte er sich mit vorgehaltener Hand zu mir um und verriet: „Ich bin kein Islam-Experte. Man lädt mich halt ein. Und ein bisschen muss es ja knallen.“ Apropos knallen, irgendwo unter diesem Tuch müsste das Ding doch sein …

(Dieser Text erschien ursprünglich als Kolumne in der Taz.)


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“Sorry Mädels”

10. Juli 2010 von Magda

Frauen hassen Fußball. Oder den Bezahlsender Sky. Oder die Tatsache, dass ihre männlichen Partner Fuߟball gucken. Eins ist jedoch klar: Alle Frauen finden es gleichermaßen zum Kreischen, Fluchen, Ausrasten. So zumindest scheint die Grundannahme der Macher_innen folgenden Werbefilms vom Bezahlsender Sky zu sein, der sich damit rühmt, das “beste Fernsehen” zu bieten. Sexismus Galore mit einem kräftigen Schuss Hysterie.

Langweiliger Sexismus reproduziert sich in kleinen Filmchen anscheinend so gut, das Sky noch ordentlich nachlegte: In einem Werbefilm haut eine Frau ihrem männlichen Begleiter die Tasche in den Bauch, damit dieser die ach-so-verlockende Werbung des Senders nicht sehen kann (nein, es ist nicht lustig, wenn eine Frau einem Typen Schmerzen zufügt). In einem anderen Video isst eine Frau die Werbeanzeige von Sky lieber auf, bevor diese einem Mann in die Hände fallen könnte.

Selbst die BILD rüttelte da einst mehr an langweiligen Stereotypen.


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