Einträge mit dem Tag ‘Stephenie Meyer’


Ein bisschen Sehnsucht …

16. Februar 2009 von Anna

Vor so ungefähr zwei Jahren hatte ich Besuch von meiner Cousine. Die war damals 12 Jahre alt und ein fast fertiger Teenie. Bei einer der obligatorischen Shoppingtouren kaufte sie unter anderem das gerade erschienene neuste Buch einer bestimmten Reihe und außerdem das Hörbuch zum ersten Band. Ab da versank sie fast jede freie Minute in besagtem Wälzer. Natürlich wollte ich wissen, worum es in diesen Büchern ging. Vampirgeschichten seien das, meinte sie, und zwar sehr spannende.

Aufmerksame LeserInnen werden vielleicht ahnen, worum es ging: Richtig, dieser Cousinenbesuch war mein erster Kontakt mit der Twilight-Saga.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Ich lieh mir damals das Hörbuch aus, um einen Eindruck zu bekommen. Twilight war sowohl mir als auch den Menschen um mich herum völlig unbekannt. Meine Cousine hatte noch andere Teenager-Bücher dabei, bei denen es um Vampire und Liebe ging, ich meinte also einen neuen Trend zu erkennen. Ich selber habe sämtliche Grundschulfaschingsfeiern im Vampirkostüm verbracht, fremd war mir diese Welt also nicht. Nur bei mir hatte sich das alles dann recht schnell verwachsen, außer „Der Kleinen Vampir“ gab es nichts wirklich altersgerechtes zu dieser Zeit.

Jetzt, zwei Jahre später, ist Twilight wohl fast jedem und vor allem jeder ein Begriff! Das liegt natürlich auch an der Promo für den entsprechenden Film. Aber nicht nur. Denn es ist nicht der Film, der Freundinnen tagelang quasi nicht ansprechbar macht, es ist nicht der Film, der Kolleginnen in wilde Diskussionen in der Kantine ausbrechen lässt und es ist nicht der Film, der seitenlange Diskussionen in Internetforen – wohl gemerkt keine reinen Fanforen – hervorruft. Nein, es sind die Bücher, die im Moment reihenweise um mich herum verschlungen werden.

Obwohl ich sowohl eine Affinität zum Thema selber als auch zu leichter Unterhaltung habe, stehe ich sehr ratlos vor diesem Phänomen. Ich kenne nur den ersten Band und diesen auch nur als Hörbuch. Als ich jedoch bei amazon die empörten Rezensionen las, dass dieses leicht gekürzt sei, war ich ein wenig erleichtert, denn gegen Ende war ich dieser doch recht simplen Boy meets Girl-Story ein bisschen müde gewesen. Daran konnten auch die ganzen spannenden Abenteuerelemente nichts mehr ändern, sowohl sprachlich als auch von den Handlungssträngen her hatte ich zwar einen interessanten Einblick gewonnen, aber begeistert war ich nicht.

Ich fand es seltsam, dass Bella, die eigentlich als sehr klug und taff geschildert wird, immer wieder in „bitte rette mich“-Szenen geschrieben wurde, man fragt sich irgendwann, wie sie überhaupt 17 Jahre alt werden konnte ohne ein tödliches Unglück oder mindestens ein Leben im Rollstuhl. Dann Auftritt des starken und tapferen Helden Edward, der sie unerschrocken aus der Gefahr holt und natürlich hinterher eindringlich-väterlich ermahnt, besser auf sich aufzupassen. Bis zur nächsten Rettung. Szenen nach diesem Muster wiederholten sich immer wieder und das wohl auch in den anderen Büchern, wie mir in Blick in die Zusammenfassungen verriet. Natürlich verlieben sich Edward und Bella, Bella will mehr als nur Händchenhalten, doch Edward, der unnahbare Held, muss stark bleiben. Ja, nicht mal richtig küssen kann er sie, aus Angst, sich nicht „beherrschen“ zu können. Dies ist in meinen Augen allerdings ein guter Kniff der Mormonin Stephenie Meyer: Denn die Frage „Sex vor der Ehe“ stellt sich so gar nicht, aus Edwards Angst heraus, im Überschwang der Gefühle die Kontrolle zu verlieren. Bella, das unvernünftige, höchst emotionale Ding, möchte jedoch nichts mehr, als gebissen werden, aber der gewissenhafte Edward widersteht. Natürlich. Die Leserin „Bidisha“ nennt in einer Onlinerezension auf independent.co.uk den letzten Teil der Reihe „sick-makingly sexist“.

So weit, so schön das Teenie-Buch. Was aber macht die Faszination dieser Bücher für erwachsene Frauen aus? Was bringt gestandene Endzwanzigerinnen (und nach den amazon-Rezensionen auch diverse Mütter) dazu, sich mit Bella zu identifizieren („Bidisha“: „Bella Swan lives to serve men and suffer”) und wenigstens ein paar Tage lang ein wenig für Edward zu schwärmen? Der einzige Unterschied zu Millionen Teenagern scheint nur zu sein, dass diese sich wohl kaum so explizit ausmalen, was sie alles mit Edward machen würden, wenn sie die Gelegenheit hätten…

Ist das nur Eskapismus? Oder haben wir, allem Feminismus zum Trotz, in uns doch eine tiefe Sehnsucht nach einem Beschützer, einem, der immer da ist, um uns – im Wortsinne – aufzufangen? Der immer das richtige tut und sagt, uns körperlich und charakterlich überlegen ist und das auch immer wieder demonstriert? Nach einem, der vernünftig genug für uns beide ist, so dass wir emotional und unvernünftig sein dürften und der nebenbei noch total geheimnisvoll ist, ein Mann, den man erstmal „knacken“ muss? Wenn nein, woher kommt diese Begeisterung dann? Und wenn ja, sagt das nicht mehr über unsere Emanzipation aus als das jahrelange Emma-Abo?

Mädels, erklärt’s mir bitte!

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Bonustrack


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