Einträge mit dem Tag ‘Soziale Netzwerke’


Das Schweigen brechen: #ichhabnichtangezeigt

10. Mai 2012 von Helga

(Für alle Links, außer dem Kontakt, gilt eine Triggerwarung, da Gewalterfahrungen beschrieben werden.)

Über sexualisierte Gewalt und Vergewaltigungen herrschen immer noch viele Mythen und Entschuldigungen vor. Doch wer einmal genauer hinschaut merkt oft, dass vieles nicht stimmt. Ein immer wiederkehrendes Muster ist aber der Fokus auf diese Entschuldigungen, mit dem Effekt, dass die Stimmen der Opfer abgewertet werden und sich dann noch weniger zu Wort melden.

Banner der Aktion „Ich habe nicht angezeigt“

Um dies zu ändern, läuft im Mai die Kampagne #ichhabnichtangezeigt, organisiert vom Münchener Kom­mu­ni­ka­tions­zentrum für Frauen und Arbeit. Vorbild sind die Twitter-Kampagnen #ididnotreport in Großbritannien und #jenaipasportéplainte in Frankreich. Wie der Name schon sagt geht es um die Gründe, die Opfer von der Anzeige bei der Polizei abhielten.

In den bisher veröffentlichten Aussagen beschreiben die Teilnehmenden vor allem Scham, Furcht vor persönlichen Konsequenzen und Angst, dass einer oder einem niemand glaubt. Einige Kommentare sind gerade einmal ein Satz, andere be­schreiben detailliert, welche Widerstände sie von einer Anzeige abgehalten haben. Genaue Beschreibungen von Taten werden gekürzt und erst zum Ende der Aktion (31. Mai) veröffentlicht.

Mitmachen können Betroffene über die folgenden Wege:

Alle Nachrichten werden dann noch einmal über den Account @nichtangezeigt mit dem Hashtag #ichhabnichtangezeigt auf Twitter eingestellt.


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Ein queer-feministisches Teeniemagazin, ACTA und Karneval – die Blogschau

18. Februar 2012 von Nadine
Dieser Text ist Teil 148 von 254 der Serie Die Blogschau

I Heart Digital Life schreibt über ACTA und die Netzbewegung.

Die Danger Bananas geben Karnevalist_innen und deren Gag-Schreiber_innen eine Anleitung an die Hand.

I do give a damn kritisiert den offensiven Sexismus bei der Tierrechtsorganisation Peta.

Blica mault über die PR-Schreiberei in der Bloglandschaft.

Bühnenwatch berichtet von ihrer Intervention gegen rassistische Blackface-Praxis an deutschen Theaterbühnen.

Anders Deutsch stellt Berlinale-Filme vor, die sich mit der Ägyptischen Revolution befassen.

Auf journalizzm.net gibt es Interview über geschlechtergerechte Sprache.

Hurra, ein neues Blog hat das Licht der Welt erblickt. queer_sehen setzt sich mit queeren Identitäten im US-amerikanischen Fernsehen auseinander.

High On Clichés macht ihrem Namen alle Ehre und räumt mit Klischees über Feminist_innen auf.

Das Ich im Social Web – eine argwöhnische Betrachtung des Digital-Klons und die Überlegung: “Wie werde ich die Alte wieder los?”, nachzulesen auf Philibuster.

Mehrere linksradikale Bündnisse und Gruppen haben sich zusammengeschlossen und einen Reader begleitend zu den Aufmärschen von Nazis und Abtreibungsgegner_innen in Münster in diesem Jahr herausgegeben.

Termine, Call for Papers, Promotionsstipendien und mehr nach dem Klick (mehr …)


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Kreativ sein gegen Sexismus und Rassismus im Netz

23. November 2011 von Magda

Oft werde ich auf Veranstaltungen gefragt, wo denn „die Feminist_innen von heute“ sind. Ich antworte dann für gewöhnlich, dass wir z.B. Ladyfeste organisieren, Diskussionsveranstaltungen und Demos planen, Work­shops und Konzerte geben, uns in der Uni mit Gender und Feminismus be­fassen – und darüber hinaus sehr stark im Netz ver­treten sind.

Wir bloggen, twittern, facebooken, hängen in Foren rum – kurz: wir schreiben uns die Finger wund. Neben kritischen, klugen, er­hellenden und manchmal auch nervigen An­merkungen und Kommentaren zu unseren feministischen Ergüssen gibt es eine nicht zu unter­schätzende Wucht an Sexismen, Beleidi­gungen und manchmal sogar Drohungen in diesem virtuellen Wohn­zimmer, in dem wir es uns so halbwegs gemüt­lich gemacht haben. Oft­mals ist es aber nicht so gemütlich, denn diese Sexismen können ganz schön ätzend und zer­mürbend sein. Feminist_innen, die viel online unterwegs sind, haben aller­dings ihre Mittel und Wege gefunden, mal mehr und mal weniger erfol­greich mit Sexismen im Netz umzugehen.

Besonders aus der US-amerikanischen Blogosphäre kommen öfter tolle Ideen und Projekte, die auch die hiesigen feministischen Netz­begeisterten inspirieren. Da wäre zum Bei­spiel das nach US-Vorbild inspirierte hatr.org, welches eine Plattform ist, auf der diskriminierende und hass­erfüllte Kommentare gesammelt werden, die tag­täglich auf gesell­schafts­kritischen Blogs einlaufen. Mit den auf hatr.org ver­öffentlichten Kommentaren wird mittels geschalteter Werbung Geld für coole, emanzipatorische Projekte verdient. Hass wird somit zu Geld, hooray!

Weitere Projekte und Aktionen aus der US-amerikanischen Netz­gemeinschaft stelle ich euch heute mal vor:

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Facebook löscht gewaltverherrlichende Seiten

9. November 2011 von Magda

Seit einigen Monaten ist facebook stark in feministische Kritik geraten, weil sich das soziale Netz­werk weigert(e), Seiten zu löschen, die Ver­ge­waltigungen oder Ge­walt (gegen Frauen) ver­harmlosen oder gar dazu animieren. Bereits im August schrieb ich über eine englisch­sprachige facebook-Seite, die über­setzt so viel heißt wie “Du weißt, dass sie sich ziert, wenn du ihr bis in die Gasse hinter­herjagen musst”, die nun – endlich! – nicht mehr er­reichbar ist.

Eine Petition auf change.org, zahlreiche Blogposts und ein wahrer feministischer Shitstorm* auf dem sozialen Netzwerk twitter, in dem angemeldete Twitter-User_innen @facebook direkt mit dem hashtag #notfunnyfacebook anschrieben und mitteilten, dass sie die gewalt­ver­herr­lichenden Seiten nicht lustig (“not funny”) finden, bewirkten letzt­endlich, dass facebook einige der widerlichen Seiten löschte, z.B. auch folgende: What’s 10 inches and gets girls to have sex with me? My knife (zu deutsch: “Was ist 30cm lang und bringt Mädels dazu, mit mir zu schlafen? Mein Messer”). Auf zdnet.com finden sich noch weitere ekel­hafte Bei­spiele von Seiten, die nun endlich ent­fernt wurden. MsMagazine mahnt allerdings an, dass facebook bis heute noch kein offizielles Statement ver­lauten ließ und hat eine Liste an For­derungen an facebook auf­geschrieben.

Noch immer sind zahlreiche gewalt­ver­herr­lichende Seiten auf facebook für alle an­gemeldeten Nutzer_innen zu­gänglich, so wie auch diese englischsprachige Seite. Solch einen menschenverachtenden Mist könnt ihr aber melden, in dem ihr auf die Seite klickt, runterscrollt und links auf “Seite melden” bzw. “Report Page” klickt. So könnt ihr facebook mitteilen, dass die Seite gegen ihre eigenen (!) Richt­linien verstößt (z.B.: Abschnitt 3: Sicher­heits­punkt 7).

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* Was ein feministischer Shitstorm ist, hatte Helga Hansen mit Kathrin Ganz auf der dies­jährigen re:publica erklärt.


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Gegen Vergewaltigungsverharmlosungen auf Facebook

23. August 2011 von Magda

Facebook ist ja wirklich oft ganz hilfreich: Da klicke ich bei allen meinen Lieblings­seiten auf den Daumen-nach-oben-”Gefällt mir”-Button, schon kommen die Neuig­keiten im Sekundentakt in meine Timeline geschoßen. Neben all den nützlichen Nachrichten- und Infoportalen gibt es auch von Einzel­personen oder Kollektiven ins Leben gerufene Seiten, auf denen sich Gleich­gesinnte vernetzen können (um z.B. Ideen für diskriminierungsfreie Schimpfwörter zu sammeln).

Wenn es so leicht ist, eine eigene Seite auf Facebook einzurichten, birgt das aber leider auch die Gefahr, dass grober Bockmist die Runde macht: Die folgende englisch­sprachige Seite – “You know shes (sic!) playing hard to get when your (sic!) chasing her down an alleyway“, zu deutsch: “Du weißt, dass sie sich ziert, wenn du ihr bis in die Gasse hinterherjagen musst” - ist leider kein Einzel­fall und ein Aufent­halt auf dieser Seite von zehn ekel­haften Minuten offenbart, was der Titel bereits impliziert: Ver­gewaltigungs­witze, Gewalt­verherrlichung und Sexismus. Aber hey, reg dich doch nicht auf! Alles nicht so schlimm, ein paar Witzchen unter Kumpels in der Eckkneipe, mehr nicht! Finden zumindest über 176.700 “Fans” dieser Seite – und auch Facebook.

Barbara Hannah Gruffermann von der Huffington Post setzt diese Seite in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext: Solche “Spaß”-Seiten sind nur möglich, weil wir in einer so genannten culture of rape bzw. rape culture (“Vergewaltigungs­kultur”) leben, in der vergewaltigungs­verherrlichende Seiten ohne Sanktion von offizieller Seite (in diesem Fall: Facebook) existieren können und kontinuierlich zu deren Normalisierung beitragen.

Was tun? Zum einen können Facebook-Nutzer_innen auf die Seite gehen und diese melden (links unten). Vorsicht: Nicht aus Versehen auf “Gefällt mir” drücken (auch wenn die Hände vor Wut zittern). Facebook präsentiert dann eine Liste von möglichen Gründen, unter denen selbst­verständlich nicht “Diese Seite ist voll mit Ver­gewaltigungs­witzen und ich bin mächtig stinkig” steht, aber eine Möglichkeit wäre es, den Punkt “Gewalt oder verletzendes Verhalten” anzuklicken.

Screenshot der Möglichkeiten, eine Seite bei Facebook zu melden

Ihr könnt ebenfalls eine Petition unterschreiben (deutscher Text siehe unten), die sich dafür einsetzt, dass die Seite nicht nur gelöscht wird, sondern dass Facebook auch eine Melde-Option einführt, die die Verherrlichung von sexualisierter Gewalt sanktionierbar macht.

Als Unterzeichner_innen glauben wir fest daran, dass Facebook die Option bereit­stellen sollte, Seiten oder Kommentare, die sexuelle Ge­walt verharmlost/­billigt, zu melden. Diese Seiten sollten von Face­book entfernt werden, weil sie gegen die Facebook-Richtlinien verstoßen (Abschnitt 3: Sicherheitspunkt 7), die be­sagen, dass ver­abscheuungs­würdige oder be­drohliche Kommentare unter­lassen werden sollten. Derartige Gruppen weiterhin zu erlauben, dient der Normalisierung einer rape culture.


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Der kleine Unterschied ganz groß: Frauen im Netz

11. August 2010 von Magda

ComScore hat im Juni dieses Jahres eine Studie mit dem Titel Women on the Web: How Women are Shaping the Internet veröffentlicht, in der Zahlen und Statistiken zu Phänomenen aufgelistet sind, die ein Großteil der internetaffinen Menschen wahrscheinlich kaum überrascht: Der so genannte Gender Gap – die Ungleichheit des Zugangs zur Online-Welt in Hinblick auf Geschlecht – schließt sich zunehmend. Von den Internetuser_innen weltweit sind heute 54% männlich und 46% weiblich. In Singapur, den USA, Kanada, Neuseeland und Russland sind mindestens 50% oder mehr der Nutzer_innen weiblich, in Indien und Indonesien sind deren Anteile mit jeweils 28% und 35% am geringsten.

Obwohl Frauen und Männer im Internet in vielen Teilen der Welt quantitativ fast gleich stark vertreten sind, unterscheiden sich deren Nutzungsverhalten – wenn auch in vielen Bereichen nicht dramatisch: Weltweit verbringen Frauen mehr Zeit mit E-Mails, Instant Messenger (IM), Fotoseiten und insbesondere auf sozialen Netzwerken wie Facebook oder StudiVZ.

Share of time spent online: Female vs. Males (zum Vergrößern bitte klicken)

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