Einträge mit dem Tag ‘Solingen’


25 Jahre Mauerfall: Deutsche Selbstverständlichkeiten

10. November 2014 von Nadine

In der Erinnerungsarbeit und Aufarbeitung der DDR-Geschichte, auch in den vergangenen Tagen, wird deutlich: Es sind die immer gleichen Geschichten, die erzählt werden: Staatliche Verfolgung, Überwachung, Repression, Morde, die – zum Glück – mit dem Fall der Mauer am 9.11.1989 und dank einer „friedlichen Revolution“ beendet wurden. Die langersehnte deutsche Einheit 1990, ein einig „Volk“. Es kam endlich zusammen, was schon immer zusammengehörte?

Viel wurde getan nach 1989, damit die ehemaligen IMs, SED- und Stasifunktionäre aufgespürt, sanktioniert und ausgegliedert werden konnten. Nicht allen widerfuhr ihre „rechtmäßige“ Bestrafung, doch es ist auffällig, mit welchem Nachdruck die gesamtgesellschaftliche Verurteilung des DDR-Regimes bis heute passiert – eine positive Bezugnahme auf die DDR ist tabuisiert. Das Urteil „Unrechtsstaat“ ist unwiderruflich. Die Linkspartei muss sich immer wieder legitimieren. Selbst der Bundespräsident und die Bundeskanzlerin dürfen ihre Bedenken zur Regierungsbildung in Thüringen äußern und damit demokratische Prozesse auf den Prüfstand stellen. Wo die Linke mitregiert, ist die SED nicht weit. Während zeitgleich Koalitionsüberlegungen der CDU mit der rechten AfD okay sind. „Man wird ja wohl noch koalieren dürfen“, gilt eben nicht für die Linke, eine Partei mit SED-Vergangenheit, eine Partei mit sozialistischen Grundsätzen.

Noch immer mischen sich antisozialistische und antikommunistische Ressentiments in der Bundespolitik genauso wie in der westdeutschen Gesellschaft mit klassistischen und klassenspezifischen Abwertungen, die die Linkspartei treffen und viele weiße Ostdeutsche, die ihre Herkunft nicht hinter einer dialektfreien Sprache oder neoliberalen, sozialchauvinistischen Ideologien verbergen können oder wollen. Wer sich rot äußert oder darauf aufmerksam macht, dass sich die Lebensqualität der meisten Ostdeutschen nach 1989 eher verschlechtert als verbessert hat, gerät unter Generalverdacht ein Gesellschaftssystem zu präferieren, das dem Faschismus gleicht. Linksradikale Bewegungen werden kriminalisiert und dem Vorwurf der Verfassungsfeindlichkeit und Volkszersetzung ausgesetzt. Während Nazis weiterhin von staatlicher Seite ungehindert marschieren und morden dürfen.

Es verwundert nicht. Es ist die Fortsetzung deutscher Geschichte, die schon immer darum bemüht war, die Errungenschaften sozialer Bewegungen möglichst schnell zu revidieren. Dass sich ein sozialistisches Gesellschaftsmodell auch nach 1945 hierzulande nicht behaupten konnte, geschweige denn in seinem kurzen Bestehen für alle ein besseres Zusammen_Leben ermöglichen konnte, ist nicht nur Folge von globalen gesellschaftspolitischen Machtkämpfen und einem aggressiven Kapitalismus, sondern eigentlich eine deutsche Selbstverständlichkeit.

Es verwundert nicht. Es ist die Aktualisierung eines deutschen Bewusstseins, das bis heute von weißen, christlichen, völkisch-nationalistischen Allmachts- und Überlegenheitsfantasien und einem soziopathologischen Begehren nach Obrigkeit und Führung geprägt ist. Dass in den Erzählungen um den 9. November weder die staatlichen verordneten Pogrome 1938, die Verfolgung und Ermordung von Jüd_innen und allen anderen, die zu Nicht-Menschen degradiert wurden, einen dem Mauerfall ebenbürtigen Platz in der Erinnerungsarbeit bekommen, ist nicht nur Folge eines Jubeltaumels über den Zerfall der DDR mit Bier und Bratwurst, sondern eigentlich eine deutsche Selbstverständlichkeit.

Es verwundert nicht. Es ist die unhinterfragte und ungebrochene Hervorhebung weißer, deutscher Opfer historischen Unrechts, die die Erzählungen der ehemaligen Vertragsarbeiter_innen aus BRD und DDR, der migratisierten und kolonialisierten Generationen, die hier lebten und leben, den Geflüchteten, die hier leben wollen, systematisch aus deutscher Erinnerungsarbeit ausgeschlossen werden. Hoyerswerda, Solingen, Lichtenhagen, Mölln – bedauerlich für das Ansehen von Deutschland, aber nicht betrauernswert für die Angehörigen, Hinterbliebenen, Vertriebenen. Dass 1884, 1938, 1989, 1991, 1992 und 2014 oft einseitig erinnerte und zusammenhangslose Jahreszahlen bleiben, ist nicht nur Folge kollektiver Geschichtsamnesie, sondern eigentlich eine deutsche Selbstverständlichkeit.


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FEMEN, Topmodels und ein Barbie-Video – die Blogschau

2. Juni 2013 von Nadia
Dieser Text ist Teil 207 von 295 der Serie Die Blogschau

Ninia hat sich mit den Themen Zivilcourage und Anzeige nach einer Belästigung beschäftigt und sich außerdem mit nervigen Experten auseinandergesetzt.

Momo hat zwei Lektüreempfehlungen zum CSD und ProKöln.

Großer Aufruhr letzte Woche beim GNTM-Finale: Wer insgesamt mehr kritische Beiträge zu FEMEN lesen möchte, ist beim Watchblog femen-germany.blogsport richtig.

Noch mehr zu FEMEN: „Warum ich mich nie mit FEMEN solidarisieren werde„.

Das beste Video der letzten Woche:

Ebenfalls zu Heidi Klum und GNTM: Die denkwerkstatt kritisch über Imre Grimms populären Text, der letzte Woche durch die Networks gereicht wurde.

Andreas Kemper hat einen Text über Sexismus und Frauenfeindlichkeit bei Wikipedia geschrieben.

Wie der Mainstream sich an Judith Butler bedient um Rassismus zu rechtfertigen: Bühnenwatch hat`s dokumentiert.

Femgeeks schrieben über Anita Sarkeesians zweite Folge von „Tropes vs Women“.

Zum Jahrestag von Solingen und der taktlosen Anne-Will-Sendung haben Azadê und Kübra lesenswerte Beiträge veröffentlicht.

Wenn in den Massenmedien gewohnt tendenziös geschrieben wird – zum Beispiel über Sexarbeit: Menschenhandel heute hat sich nochmal mit der großen Diskussion letzte Woche beschäftigt.

Auf heiter scheitern gibt es das Neun-Schritte-Ally-Programm.

Mütter und Väter in Unternehmen: Eine unterhaltsame Polemik.

Und für Kurzentschlossene in Linz: Heute um 17.oo Uhr findet ein Stadtrundgang („Auf den Spuren der Sexarbeit in Linz“) statt.

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Aktuelle Veranstaltungen gegen Rechts(extremismus)

31. Mai 2013 von accalmie
Dieser Text ist Teil 3 von 10 der Serie Gender und Rechts(extremismus)

Im Rahmen unserer „Gender und Rechtsextremismus“-Reihe haben wir heute ein paar Veranstaltungshinweise zusammengestellt. Wir freuen uns über eure Ergänzungen in der Kommentarspalte!

» Direkt zum Thema „Frauen und Rechtsextremismus: eine unterschätzte Gefahr?“ lädt Eva Hoegl, SPD-Bundestagsmitglied und Obfrau im NSU-Untersuchungsauschuss, am 11. Juni von 19 bis 21 Uhr ins „Gesicht Zeigen!“/Ausstellungsräume „7x jung“ in Berlin ein (Flensburger Straße 3, S-Bahnbögen Bahnhof Bellevue, Bögen 416-422). Das Programm und das Anmeldeformular (Anmeldeschluss ist der 7. Juni, die Teilnahme ist kostenlos) findet ihr hier.

» [Ergänzung, danke an die Antifa Linke Münster]: Auch am 19. Juni geht es um Gender-Perspektiven, hier bezüglich antifaschistisch-feministischem Aktivismus: die Antifaschistische Linke Münster (mit der Antifaschistischen Bildungsinitiative Münsterland, Emanzipatorischen Antifa Münster und edition assemblage) lädt um 20 Uhr (Baracke, Scharnhorststr. 100, Münster) ein zur Lesung „Fantifa. Feministische Perspektiven antifaschistischer Politiken„. Weitere Infos findet ihr hier.

» Heute um 17 Uhr in Eberswalde (an der Bushaltestelle Spechthausener Str.) wird mit einer Kundgebung Falko Lüdtke gedacht.

» Ebenfalls am 4. Juni referiert der Soziologe Johannes Kiess zu der (u.a. von ihm durchgeführten) Studie „Die Mitte im Umbruch. Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2012„, ab 20 Uhr in der vh Ulm (Einsteinhaus) am Kornhausplatz. „Die Autoren fordern vor dem Hintergrund ihrer Erhebung dazu auf, nicht nur der Aufarbeitung der rassistisch motivierten Mordserie der Gruppe ‚NSU‘ Aufmerksamkeit zu schenken, denn: ‚Wenig Beachtung findet häufig, dass es menschenfeindliches Denken und Rassismus in ihrer alltäglichen Ausprägung sind, die den Resonanzboden bilden für das Entstehen von organisiertem, gewalttätigem Rechtsextremismus‘.“

» Die Rosa Antifa Wien veranstaltet am 4. Juni ab 19 Uhr im W23 (Wipplingerstr. 23, Wien) einen „Rechtsinfo-Basics„-Workshop für (u.a. antifaschistische) Demonstrationen, wie diese organisiert werden können und andere „grundlegende rechtliche Fragen.

» Am 6. Juni wird in der Fehrbelliner Str. 3 in Berlin ein Stolperstein verlegt für Theresa Zlotniki, die von ihrem dortigen zu Hause 1942 deportiert und in Treblinka ermordet wurde. Insgesamt werden an diesem Tag 16 Stolpersteine in Berlin verlegt werden. Weitere Informationen, u.a. die noch nicht bekanntgegebene Uhrzeit, kann man unter der Homepage der Koordinierungsstelle Berliner Stolpersteine erfahren.

» „Dagegen und dann?!“ heißt die Workshoptagung, zu der zum vierten Mal die Mobile Beratung Gegen Rechts NRW einlädt, und zwar am 8. Juni ab 10:30 Uhr im Haus der Jugend Solingen (Dorper Str. 10-16). Dort sollen „Bündnisse, Initiativen, Fachkräfte, MultiplikatorInnen und engagierte Einzelpersonen“, die Möglichkeit bekommen, „über Probleme und Erfahrungen in der alltäglichen Auseinandersetzung mit Rassismus und Rechtsextremismus ins Gespräch zu kommen, sich kennen zu lernen und zu vernetzen.“ Mehr zum Programm ist auf der Homepage nachzulesen.

» Die Friedrich-Ebert-Stiftung lädt ein zum Diskussionsabend „Rechtsextremismus in Baden-Württemberg. Strategien und Bündnisse gegen Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ am 18. Juni in Göppingen (Fritz-Erler-Forum, Werastr. 24) von 18 bis 20 Uhr. „Die NSU-Morde haben verdeutlicht, dass nicht nur die Zivilgesellschaft, sondern auch Polizei und Verfassungsschutz gefordert sind, die Gefahren rechtzeitig zu erkennen, die Debatte über Widerstandsformen gegen rechts zu führen und rechtsextreme Aktionen zu verhindern. Zu einer besseren Vernetzung solcher Aktivitäten wollen wir mit dieser Veranstaltung beitragen,“ schreibt die FES zum Ziel des Abends. Auch hier ist eine Anmeldung nötig, die Teilnahme ist kostenlos.


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Bionade, feministische „Humorlosigkeit“ und die nächste Löschdebatte bei Wikipedia – kurz verlinkt

15. Mai 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 196 von 361 der Serie Kurz notiert

Wir berichteten letzte Woche über den trans*feindlichen Werbespot von Bionade. Durch eure vielen Beschwerden reagierte Bionade mit einem Statement (Facebook-Link), welches weder eine Auseinandersetzung mit den Kritiken, noch eine Entschuldigung beinhaltet (sondern sogar behauptet, bei Bionade gäbe es gar keine Diskriminierung!). Falls ihr noch die Kraft habt, lasst Bionade weiterhin wissen, dass Diskriminierung kein Verkaufsschlager sein darf. Für die Zukunft kann folgendes gelten: Das schöne an (trans*feindlicher) Bionade – mensch kann sie auch weglassen!

In dem Band „Aufstand aus der Küche“ von Silvia Federici wird neben zwei neuen Beiträgen auch die bereits 1974 verfasste feministisch-marxistische Ökonomiekritik „Counter-Planning from the Kitchen“ erstmals in deutscher Sprache veröffentlicht.

Die US-amerikanische Satirezeitschrift The Onion ist mal wieder vorn mit dabei, was sexistische Gewalt angeht. (englisch)

The New Yorker berichtet über einen Fall in Cleveland, nach dem drei Frauen, die ein Jahrzehnt als vermisst galten und zum Teil bereits für tot erklärt wurden, aus dem Haus, in dem sie festgehalten worden waren, befreit werden konnten. Ein Mann hatte eine der Frauen dabei beobachtet, wie sie vergeblich versuchte, die Tür von innen aufzubrechen. Er ordnete das Gesehene sofort als häusliche Gewalt ein und half ihr die Tür zu zerstören. (englisch)

Bei Shakesville erklärt Melissa McEwan noch einmal, was es mit feministischer „Humorlosigkeit“ bezüglich *istischer „Comedy“ auf sich hat (englisch).

CosmoTV berichtet über einen Dokumentarfilm von Mirza Odabaşi zum rassistischen Brandanschlag auf ein Solinger Wohnhaus vor 20 Jahren, bei dem fünf Menschen getötet worden sind. Der Film wird Ende Mai in Solingen uraufgeführt.

DieStandard.at würdigt die kürzlich verstorbene Frauenrechtlerin Hannelore Mabry.

The feminist wire analysiert die Karrieren und Selbst_Repräsentationen von Beyoncé und Lauryn Hill und entdeckt trotz der Unterschiede nicht wenige Gemeinsamkeiten. (englisch)

Ms.Magazine veröffentlicht einen Nachruf auf Brustkrebsaktivistin Barbara Brenner (englisch)

Angelina Jolie hat sich angesichts ihres genetisch stark erhöhten Brustkrebsrisikos für eine präventive Mastektomie entschieden. In der NY Times berichtet sie darüber – politisch brisante Punkte wie die Debatte um körperliche Selbstbestimmung, Gesundheitsrisiken, Gesundheitsindustrie und damit in Verbindung stehende finanzielle Faktoren werden zwar lediglich angerissen, dennoch ist das Öffentlichmachen dieser Entscheidung per se bereits als politischer Akt zu werten. (englisch)

der verein xart splitta gestaltet raum_rahmen für trans_x_ende, trans_xend empowernde kreative anwesende konkrete visionäre künstlxsche aktionen_ideen_politiken. aktuell gibt es zwei aufrufe für spoken word, kurzfilme, performances, tanz, musikstücke,… für einen performanceabend sowie fotos, gemaltes, collagen, gezeichnetes, geschriebenes … für ein printprojekt.

La Voix du Yemen interviewt Alaa Al-Eryani, die kürzlich die Initiative The Yemeni Feminist Movement startete.

with WINGS and ROOTS, ein Dokumentarfilmprojekt, das die Geschichten und Visionen fünf junger Menschen in Berlin und in New York erzählt, braucht eure Unterstützung!

Rassistischer Polizei-Alltag in Deutschland: Weil eine Frau, die auf offener Straße zusammengebrochen war, sich nicht ausweisen konnte und kein für die Beamten verständliches Deutsch sprach, wurde sie in Gewahrsam genommen, anstatt notärztliche Versorgung einzuleiten. Erst als ihr Mann sie als vermisst meldete und wenig später schließlich vor Ort war, reagierte die Polizei.

Der aktuelle Löschantrag für den Begriff „Femizid“ heizt die Debatte über die Macht der Maskulisten auf der Wissensplattform an, schreibt dieStandard.at.

Termine in Berlin, Bochum, Göttingen, Braunschweig und deutschlandweit anlässlich des Internationalen Tages gegen Homophobie und Transphobie gibt es nach dem Klick!

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