Einträge mit dem Tag ‘Situation von Frauen’


Young Media Summit 2011: Hoffnungen und Nöte ägyptischer Frauen

26. Mai 2011 von Helga

Am zweiten Tag des Young Media Summits wurden wir in verschiedene Gruppen aufgeteilt, die jede ein spezielles Thema in Kairo recherchieren konnte und sollte. Heba, Huda und ich entschieden uns, die ägyptischen Frauen zu befragen, wie sie die Revolution erlebt haben, wie sich ihr Leben verändert hat und welche Hoffnungen sie für die Zukunft haben. Dazu waren wir wieder auf dem Tahrir Platz, diesmal vor dem Mogamma. Das riesige Zentralverwaltungsgebäude ist ein Sinnbild der Bürokratie, um das kein_e Ägypter_in herum kommt. Außerdem haben wir mit Frauen im Stadtteil Zamalek gesprochen. Wie die Lokalisierung des Marriott Hotels hier vermuten lässt, einem gehobenerem Bezirk der Stadt.

YMS-Teilnehmerin Huda Jafar mit Schreibblock interviewt drei junge Frauen, bunt gekleidet in rot, blau und gelb vor der ägyptischen Zentralverwaltung

Huda Jafar im Gespräch mit ägyptischen Frauen

Dabei haben wir Frauen verschiedener Altersklassen und Gesellschaftsschichten getroffen. Auf dem Tahrir Platz etwa verkauft die Witwe Ameera (60) seit 22 Jahren Feteer – von der Revolution hält sie gar nichts. Für die Bevölkerung gebe es keine Verbesserung, schon gar nicht für die Armen. Auch Samah (37) zeigte sich enttäuscht. Trotz ihres Bachelors in Informationstechnologie hat sie keinen Job gefunden und verkauft nun Kleidung vor dem Mogamma. Von den Präsidentschaftswahlen erwartet sie nichts, denn die Kandidat_innen hätten von den Sorgen und Nöten der einfachen Menschen keine Ahnung. Bessere Jobaussichten und ordentliche Bezahlung wünschte sich ebenfalls Amal (26). Sie hatte an den Protesten teilgenommen, inzwischen ist sie jedoch frustriert, weil sich nichts verbessert hat.

Dagegen ist die Hausfrau Lydia (33) noch unsicher, wie die Revolution ausgehen wird. Sie wünscht sich Veränderungen der patriarchalen Gesellschaft und faire Bedingungen für die ägyptischen Frauen. Vor allem die kommenden Generationen würden Veränderungen spüren. Zur kommenden Generation gehört auch die Schülerin Hagar (16), die große Hoffnungen hat. Bessere Ausbildungsmöglichkeiten und Beteiligung der jungen Menschen sind ihr wichtig, da es an der Jugend liege, Ägypten wieder aufzubauen.

Leider waren die meisten Frauen nicht einverstanden, fotografiert zu werden (was nicht nur uns passiert ist). Rechnet man hinzu, dass sie während der Proteste vielfach organisatorische Aufgaben übernommen haben und damit für die Presse vielleicht unspektalulär aussahen, klärt sich langsam, warum über ihr Engagement und ihre Sichtbarkeit so lange diskutiert werden musste.


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Vom Literaturkreis für Frauen zum Blog über die Buchbranche

14. Februar 2011 von Helga
Dieser Text ist Teil 64 von 94 der Serie WWW Girls

In jeder Folge der WWW Girls stellen wir euch eine Bloggerin und ihr Weblog vor. Heute:

cronenburg

Wie heißt du?
Petra van Cronenburg

Seit wann bloggst du?
Dieses Blog entstand 2006, davor gab es einige andere. Eigentlich nutzte ich schon Ende der 1990er die damals noch rudimentären kommunikativen Techniken der Plattform „geocities“. Ich erinnere mich an ein Webprojekt zum Thema „Schwarze Madonnen“, aus dem auch ein Buch wurde. Ich bat damals Frauen aus aller Welt, mir ihre Vorstellungen in Form von Bildern, Texten oder Gesprächsbeiträgen zu schicken und wir montierten das noch sehr mühsam wöchentlich in html in eine statische Website. Es gab ein Diskussionsforum und Live-Chat und die Websites waren wie Stadtviertel miteinander vernetzt. Heute nennt man das wohl Social Media…

Drei Bloggerinnen mit weißen Laptops auf denen der Venusspiegel prangt, darum der Slogan - Feminists of the WWW: unite

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen?
Mitte der Achtziger gründete ich mit einer Gewerkschafterin einen Literaturkreis für Frauen auf dem Land, die es gewohnt waren, nur mit den Ehemännern auszugehen, und die oft ohne eigenes Auto völlig von allem abgeschnitten lebten. Wir lasen gemeinsam, diskutierten über unsere Lektüren und machten gemeinsame Exkursionen in Sachen Kunst und Kultur. Mit Ventura Publisher, Nadeldrucker und Handkopien fertigte ich für sie ein Buch-Fanzine und träumte von einer Technik, mit der sich noch mehr Frauen erreichen ließen. Ich war fasziniert von der Möglichkeit, Menschen vermitteln zu können, dass man Kunst und Kultur unabhängig von Bildung und Geldbeutel genießen kann und dass sie das Leben bereichern. Die Blogtechnik kam genau richtig – jetzt ließ sich das ohne geografische (und Geschlechter-)Grenzen ausweiten.

Mein jetziges Blog schätze ich aber auch als journalistische Ergänzung: Ich kann persönlicher werden, habe mehr Platz für Glossen und Kommentare, mehr Raum für Hintergründe und muss keine Rücksichten auf Anzeigenkunden nehmen. Ich fing mit diesem letzten Blog an, um besser mit LeserInnen kommunizieren zu können. Inzwischen gibt es auch ein eigenes Blog zu meinem neuen Buchprojekt über Vaslav Nijinsky, wo ich all die Informationen anbiete, die in ein Buch nicht passen.

Worüber schreibst du?
Mit dem Blog „cronenburg“ verfolge ich ein doppeltes Ziel: Auf der einen Seite bringt es mich als Buchautorin und Übersetzerin näher an meine LeserInnen. Ich erzähle also aus meinem Arbeitsleben, von dem, was das Schreiben mit mir anstellt, was professionelles Schreiben ausmacht. Auf der anderen Seite habe ich so viele Informationen aus der Buchbranche, dass ich sie gern mit Interessierten teilen möchte. Obwohl ich grundsätzlich für Menschen schreibe, interessiert mich als Frau natürlich der weibliche Blickwinkel.

Gerade unsere Branche wirft eine Menge unbequemer Fragen auf: Warum lesen angeblich fast nur noch Frauen Bücher? Warum werden im 21. Jahrhundert in der Unterhaltungsliteratur vorwiegend Manuskripte mit eher reaktionären Rollenbildern eingekauft (die „starke“ Frau sucht ja doch nur den Märchenprinz) – und zwar meist von Frauen für Frauen? Wohin und warum verschwinden die Frauen, die heute in Buchberufe strömen (80% der Auszubildenden sind weiblich), wenn es ums Karrieremachen geht? Wie kann es sein, dass in der frauenstarken Buchbranche der Gender Pay Gap bis zu 36% beträgt? Wie bekommen wir Jungen und Männer zum Lesen? Schreiben und lesen Frauen anders als Männer? Wie frei sind Schriftstellerinnen in ihren Frauenrollen im Leben wie im Beruf heute wirklich?
Mir hat vor allem die Studie „MehrWert“ von den BücherFrauen die Augen geöffnet – solche Themen möchte ich ebenfalls vertiefen. (weiterlesen …)


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Wenn Tradition auf moderne Armut trifft

7. Januar 2011 von Helga

Entgegen der patriachalen Traditionen wagen sich Pakistans Frauen auf neues Territorium – aus dem Haus und ins Arbeitsleben. Sie sehen sich Ärger mit Familienmitgliedern, Belästigungen auf dem Weg zur Arbeit und durch Kunden ausgesetzt, doch ohne das extra Einkommen droht die Armut. Nach einem Anstieg der Inflation von 1,4 auf 12,7 Prozent innerhalb von sieben Jahren können sich viele Familien nicht mehr darauf verlassen, dass ein Mann genügend Geld verdient um alle zu ernähren, berichtet die New York Times.

Dabei beschränken sie sich in Karachi nicht mehr nur auf Textilfabriken und Mädchenschulen, wo Frauen unter sich bleiben. Gerade in Jobs, die wenig Qualifikation erfordern, finden sich immer mehr Arbeiterinnen, etwa bei Kentucky Fried Chicken oder in Supermärkten. Pakistans Doppelstandards machen ihnen das Leben aber weiter schwer, so dass einige Firmen ihnen sogar Busse stellen, die sie zur Arbeit und zurück fahren. Andere Geschäfte stellen weiter keine weiblichen Angestellten ein, um jeden Ärger zu vermeiden. Mit gerade einmal 20 Prozent weiblicher Beteiligung am Arbeitsmarkt liegt Pakistan auch unter muslimischen Ländern weit hinten.

Die meisten Frauen gaben an, dem Arbeitsleben wieder den Rücken zu kehren, sobald sie verheiratet sind. Doch die Erfahrung, selbst zu arbeiten, fremde Menschen zu treffen und im öffentlichen Leben selbstständig zurecht zu kommen, wollen sie nicht missen.


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Fair gehandelt?

26. Mai 2010 von Verschiedenen
Dieser Text ist Teil 14 von 23 der Serie Der Kommentar

Susanne Schäfer studiert an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster im Master Politikwissenschaft. Im Rahmen ihres Studiums hat sie sich mit den Genderaspekten im fairen Handel beschäftigt.

Der Konsum von fair gehandelten Produkten ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen. Rund 270 Millionen Euro (PDF) gaben die Deutschen 2009 für Kaffee, Bananen, Schokolade oder Kleidung mit dem blau-grünen Siegel aus; das sind 26 Prozent mehr als im Vorjahr, wie der Verein TransFair e.V. Ende April in Bonn bekannt gab. Wem nützt der faire Handel – nur unserem Gewissen oder auch den Frauen in Entwicklungsländern?

Durch die Globalisierung wurden zahlreiche Arbeitsschritte in Entwicklungsländern verlagert. Positiv daran ist, dass dort viele Frauen in den vergangenen Jahren eine Arbeit erhalten haben. In der Bekleidungsindustrie in Honduras arbeiten 65 Prozent Frauen, in Kambodscha sind es sogar 90 Prozent (PDF). Diese Jobs sind jedoch oft prekär, denn die Frauen müssen Überstunden leisten und es gibt weder Mutterschutz noch andere soziale Absicherung. So leiden sie eher unter ihrer Arbeit, als dass sie davon profitieren.

Frauen in Entwicklungsländern haben die unsichersten Jobs, sie sind die ersten, die entlassen werden, ihre Arbeitnehmerrechte und ihre Ausbildung sind schlecht, wie Bethan Emmett 2009 für die Nichtregierungsorganisation Oxfam untersucht hat. Wenn der Arbeitsplatz unsicher ist, sind Frauen ein leichtes Opfer: Viele berichten von sexueller Belästigung (PDF). Der Kostendruck den die Supermarktketten und Konsument_innen in den Industriestaaten auf die Zulieferer_innen ausüben, wird von diesen auf die Produzent_innen und Arbeiter_innen verlagert. „Workers in every country studied reported extreme pressure to work harder, faster and longer“, schreibt Kate Raworth (PDF) für Oxfam.

Wer als Europäer_in Produkte mit dem Fairtrade-Siegel kauft, der kauft auch ein Gefühl von „Ich rette die Welt“ und will die gerade beschriebenen, schlechten Bedingungen verbessern. Wie sieht es tatsächlich auf den Kakao- oder Bananenplantagen aus, wo für Gepa, El Puente und Co. produziert wird? Geht es den Frauen dort besser als anderswo? Aus zwei Gründen lässt sich diese Frage mit einem Ja beantworten. (weiterlesen …)


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Duck Dich oder Streck Dich

19. Dezember 2009 von Stephanie
Dieser Text ist Teil 3 von 12 der Serie Frauen bewegen

In jungen Jahren musste ich eine wichtige Entscheidung treffen: Will ich aufrecht durchs Leben gehen oder lieber mit meinem ArtgenossInnen auf gleicher Augenhöhe sein?
Welche hinter diese Fragestellung Tiefsinniges vermutet, hat zwar nicht unbedingt Unrecht, dennoch ist diese hier zunächst sehr plastisch gemeint: Ich bin 1,90m groß und das seit meinem 13. Lebensjahr.

Viele Frauen mit Überlänge entscheiden sich für die „Augenhöhe“-Variante und gehen gekrümmt durch’s Leben. Damit büßen sie zwar die Selbstsicherheit über Körperhaltung ein, genießen jedoch den Vorteil halbwegs zur Masse zu gehören.

Ich nutze meine körperliche Präsenz und gehe aufrecht. Damit gehöre ich zum potentiell stärkeren Gesellschaftsteil: Bis mir jemand krumm kommt, dauert es wesentlich länger als bei kleinen Frauen. Dumme Anmachen? Nur von waghalsigen Idioten. Sexuelle Belästigung? Extrem selten.
Mir einen Opferstempel auf die Stirn zu drücken ist wesentlich schwerer, da die Meisten einfach nicht dran kommen.

Was mich ein bisschen wundert ist, dass einige Frauen dazu neigen, Beschreibungen zur sozialen Situation von Frauen anhand der eigenen Erfahrungen zu evaluieren. Bevor ich auf die Idee komme meine eigenen Erfahrungen als Evaluierung zu nutzen, muss ich mir sicher sein, dass diese auch aus den gleichen Grundbedingungen entstanden sind. Allein wegen meiner Körpergröße ist dies häufig nicht der Fall.

Spannend und sinnig finde ich es, auch die Grundbedingungen zu analysieren, die nicht der Regel entsprechen, und daraus Folgerungen zu ziehen, wie die beschriebene soziale Situation so verbessert werden kann, dass es andere Frauen für sich nutzen können.
In meinem Fall halte ich die Ausgangsfrage für äußerst relevant: „Duck Dich oder Streck Dich“. Das metaphorische Moment in dieser Frage ist meines Erachtens voll auszuschlachten:

Wie wir alle 1,90m groß werden

„Duck Dich“ ist populär, denn damit wird die Fähigkeit bewiesen, sich in eine Gruppe einzugliedern. Eingliederung als Aspekt der Teamfähigkeit ist natürlich durchaus positiv, aber nicht generell. Nicht jedes „Team“ ist mein Team. Vor allem nicht, wenn es darauf aufbaut, dass ich mich ducke – ich also verheimlichen soll, wer ich bin.

Mit „Streck Dich“ wird immer wieder gewisse Arroganz und Aggressivität verbunden.
Selbstachtung wird gerne mit Arroganz verwechselt. Sich Raum zuzugestehen und zu erobern zeigt, dass Eine es sich selbst wert ist. Der Raum dafür  muss allerdings erobert und verteidigt werden. Das Kriegsvokabular ist gleichzeitig ein klarer Hinweis darauf, warum Menschen auf die Idee kommen, es handele sich dabei um Aggressivität.
Inwiefern die beiden Begriffe schlicht für „feministisches“ Verhalten abgelehnt, umgedeutet oder als Notwendigkeit akzeptiert werden, bleibt jeder selbst überlassen.

Mit meinen 1,90m kann ich natürlich gebeugt leben und mich auf gleicher Augenhöhe bewegen – allerdings nur solange wie mein Rücken mitmacht. Spätestens wenn die Rückenschmerzen zu groß werden, ist mir das Ducken nicht mehr möglich.


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