Einträge mit dem Tag ‘Shoah’


Wo kommen wir eigentlich her?

12. Januar 2017 von Nadine

Ziemlich vielen Menschen wird in diesem Land ziemlich häufig die Frage gestellt, wo sie eigentlich herkommen. Ziemlich viele Menschen in diesem Land wissen, dass das eine ziemlich rassistische Frage ist.

Ziemlich viele Menschen auf diesem Planeten wissen um ihre Geschichte, ihre Familien, ihre Vorfahren, ihre Kulturen und Traditionen, könnten dir ihre Geschichte erzählen, die ziemlich weit zurückreicht. Wo sie eigentlich herkommen und wie sie hierher kommen also nicht nur an den Ort sondern auch ins Jahr 2017, wissen ziemlich viele Menschen auf diesem Planeten ziemlich genau.

Wenn also ziemlich vielen Menschen in diesem Land ziemlich häufig die Frage gestellt wird, wo sie eigentlich herkommen und ziemlich viele Menschen in diesem Land wissen, dass das eine ziemlich rassistische Frage ist, die so lange weiter gestellt wird, bis sich ziemlich viele weiße Menschen in diesem Land ziemlich sicher sind, dass die befragte Person ziemlich wenig deutsch sein kann, frage ich mich: stellen sich weiße Deutsche eigentlich auch mal diese Frage?

Wo kommen wir eigentlich her?

Wenn wir in unsere eigene familiäre Vergangenheit schauen, wie weit reicht die eigentlich zurück? Was und wieviel wissen wir darüber? Wenn wir mal die Generationen durchleuchten, die vor uns liegen. Wo kommen wir eigentlich her? Wer kann mit ziemlicher Sicherheit behaupten zu wissen, was seine_ihre Vorfahren 1884 gemacht und gedacht haben? Oder 1789? Oder 1914? Oder 1938?

Wo kommen wir eigentlich her? Die Frage, die weißen Deutschen ziemlich leicht von den Lippen geht, führt auf sich selbst angewendet ziemlich oft ins Leere. Moment mal. Da muss ich nachdenken. Wann fängt meine Familiengeschichte an? Meine eigene zum Beispiel beginnt erst 1945. Eigentlich noch nicht mal genau in diesem Jahr, irgendwie so danach. So ein bisschen. Eine kleine Grauzone zwischen dem 8. Mai 1945 und dem Jahr, in dem mein Vater geboren wurde. 15 Jahre Grauzone. Klar, es gibt ein paar Erzählungen meiner Großmutter, die älteste ihrer 5 Schwestern, auf einem Bauernhof arbeitend, der Staat musste ihrem Vater Geld geben, damit sie wenigstens noch den 10. Klasse Abschluss machen konnte. Weil sich die Familie nicht leisten konnte, ihre Kinder nicht arbeiten zu schicken.

Aber vor 45? Da sind nur Sätze oder einzelne Worte. Luftschutzbunker, Schützengräben, als die Russen kamen, in der Schule haben wir Hakenkreuze auf Flaggen genäht. Onkel Adolf. Ich gehörte ja nie zu den Braunen. Ich bin desertiert und nach Polen geflüchtet und habe mich dort der Sowjetarmee angeschlossen. Heldengeschichten. Oder kurze kontextlose und harmlos vorgetragene Milisekunden aus dem NS-Alltag. Mehr ist da nicht.

Wo kommen wir eigentlich her?

Meine Familiengeschichte beginnt da, wo sich das weiße Deutschland nach 45 in die private Sphäre zurückzog, unfähig und unwillens über die eigene Täterschaft nachzudenken und Verantwortung zu übernehmen… Der Krieg? Wir hatten ja nichts, also danach. Das ist wichtig. Dass mensch nichts hatte. Ok, ich weiß immerhin, dass meine Familie nicht zu Großgrundbesitzern, zu Kapitalisten oder zur Bourgeoisie gehörte. Zumindest nicht bis 1935. Was davor war, darüber weiß ich nichts.

Wo kommen wir eigentlich her? Und wonach suchen wir, wenn wir uns als weiße Deutsche diese Frage stellen? Zählen wir uns bereitwillig zu Deutschen mit Faschismushintergrund? Oder suchen wir zunächst mal nach Zeichen von Verfolgung? Kennen wir in unserem Freund_innenkreis Menschen, für die die Shoa nicht nur ein Begriff ist?

In den politischen Kontexten, in denen ich unterwegs war und in Teilen heute noch bin, geht es in Sachen Identitätspolitik fast immer darum, zu werden. Endlich ich sein können. Selbstbestimmung. In diesem Bestimmungs- und Verortungsprozess wird das davor ziemlich häufig ausgeblendet. Die Dinge, die ich weiß und die Dinge, die ich in meiner Geschichte annehme, aber von denen ich nichts wissen will. Wer will schon einen Nazi-Opa haben, wenn sie_er sich auch über die Tante aufregen kann, die letztens am Kaffeetisch wieder rassistischen Müll geredet hat? Wer will sich schon mit Oma Erna beschäftigen, die ihre jüdischen Nachbar_innen an die Gestapo verpfiff oder Großtante Rosie, die in Buchenwald Menschen in noch und nicht mehr nützlich einteilte? Und wer war eigentlich Urgroßonkel Hermann, der in schicker Uniform mit Totenkopf auf der grauen – ich nenne sie – Mütze. Und was ist eigentlich mit Helmut, der mit Hitlerporträt und tickender Uhr an der Wand beim Sonntagsessen Sieg Heil statt Amen sagte? Wollen wir den kennen, zu unserer Verwandtschaft zählen, zu unserer Biografie? Wollen wir wissen, wo wir wirklich herkommen?

Wo komme ich eigentlich her? ist eine Frage, die sich weiße deutsche Aktivist_innen ziemlich selten stellen. Warum bekomme ich keine Antworten, wenn ich Fragen stelle? Wieso weiß ich so wenig über meine Familie, habe von ihr aber Sprichwörter und Begriffe gelernt, die ich das erste Mal in Viktor Klemperers „Lingua Tertia Imperii – Die Sprache des dritten Reichs“ schwarz auf weiß las? Warum kenne ich Wörter, deren Bedeutung nur weiße deutsche mit Faschismushintergrund kennen? Wo kommt all das Wissen und wo kommen all die Selbstverständnisse her, die ich unhinterfragt in mir trug weit mehr als 20 Jahre lang? Und wieso gehört das nicht so selbstverständlich zu meiner Identität, zu meinem Gewordensein und zu meinem Werden? Wieso beginnt unsere eigene Geschichte und unsere eigene bzw. unsere neue selbstbestimmte Identität ziemlich häufig erst ab dem Zeitpunkt unserer Politisierung? Wieso feiern wir unsere Geburtstage, die weit hinter dem Geburtsjahr liegen, das in unserem Personalausweis steht, aber nicht jene die weit weit davor liegen? Wieso können wir nur dann in die Vergangenheit schauen, wenn sie zu unserer Geschichte von Diskriminierung passt?


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Antifeminismus, Abwesenheit von Vätern und Ausübung von Kritik (nur wie?) – die Blogschau

30. Januar 2016 von accalmie
Dieser Text ist Teil 292 von 295 der Serie Die Blogschau

„»Deutschland Schwarz Weiß« zu schreiben, war mein Trick.“ Noah Sow gibt einen Einblick in ihre persönlichen Motive, acht Jahre nach Veröffentlichung des Buchs (…übrigens immer noch ein dringender Lektüretipp!).

Über die Nähe des zeitgenössischen Antifeminismus zu Antisemitismus schreibt החול והים (Sand und Meer).

Bei Ringelmiez berichtet Ella von ihren Erfahrungen, für ihr Kind ein Kleid zu nähen, und gibt in einem FAQ Antwort auf (potenzielle) geschlechteressentialistische, cissexistische und heterosexistische Einsprüche.

JJ bei den Leckmuscheln kritisiert den „Riots Not Diets“-Pullover von „Monki“: „Den Pullover gibt es in den Größen S-L. Nice try Monki, aber welcher Sinn steckt dahinter einen Fett-Positiven Pullover herzustellen, welchen dann nur schlanke Menschen tragen können, die sowieso ständig von Thin Privilige profitieren, gerade wenn es um Mode geht.“

„30. Januar in Büdingen: Naziaufmarsch verhindern! Rechten Kommunalwahlkampf stören!“: Antifa Kritik und Klassenkampf ruft zum antifaschistischen und antisexistischen Protest auf. Treffpunkt: Heute, 13:40 Uhr, Hauptbahnhof Frankfurt am Main, Gleis 13.

„Aber brauchen Kinder wirklich ihren Vater/ eine männliche Bezugsperson? Zu welchem Preis? Brauchen Kinder nicht viel eher eine Möglichkeit zu lernen mit der Situation und dem Menschen, der sie mitgezeugt hat, umzugehen; ob dieser nun real präsent ist oder nur in Erzählungen?“ Me, Myself and Child startet mit „Ohne Väter: Prolog“ die Artikel-Reihe „Ohne Väter,“ zu der Beiträge „alle Elter_Mütter*, die ihre Kinder (zum größten Teil) ohne Cis-Väter betreuen“, eingeladen sind.

In Anna Hegers Mini-Comic, „Kritik von weißen Schafen an weißen Schafen“, geht es um Kritikausübung innerhalb einer Gruppe ähnlich privilegierter Menschen.

„Nimm deine Kippa ab, Junge!“ – Was das mediale Interesse an Antisemitismus mit den Geflüchteten zu tun hat“, analysiert Levi bei kleinerdrei.

Die Femgeeks stellen das Hacker*innenmagazin The Recompiler vor, das im letzten Jahr durch eine Crowdfunding-Kampagne ins Leben gerufen wurde.

Die 71-jährige „Schluss-Strich-Debatte“ um (die Erinnerung an) den Holocaust kommentiert Anja Reschke:

Habt ihr diese Woche etwas geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blogs etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Regelmäßig verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.


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Antisemitismus, Antisexismus vor Gericht und Aktivismus chronisch kranker Frauen – kurz verlinkt

27. Januar 2016 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 1 von 364 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Beiträge

Heute ist der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau – dazu ein Gedenkbeitrag von Publikative.org aus dem letzten Jahr.

Im vergangenen Jahr gab es mindestens 302 antisemitische Attacken gegen jüdische Student_innen an US-amerikanischen Universitätscampussen, berichtet die Jerusalem Post. Die Vorfälle sammelte die AMCHA-Initiative.

Der Allgemeinen Studierendenauschuss der Universität Frankfurt wurde von einem selbsternannten „Pick-up Artist“ für seine kritische Berichterstattung über diese sexistische Praxis verklagt. Zu den Hintergründen und Entwicklungen findet ihr mehr auf dem Blog der fantifa.frankfurt.

„Volk – Nation – Identität“: Miteinander, das Netzwerk für Demokratie und Weltoffenheit Sachsen-Anhalt e.V. hat sich das Programm der AfD zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im März dieses Jahres genauer angeschaut. Keine Überraschung: Es spiegelt die „politische Kernidentität der AfD als völkisch-nationalistische Partei“ wider.

Alle Vorträge der Veranstaltung der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration und des Deutschen Instituts für Menschenrechte zum Thema Frauen auf der Flucht sind nun online.

englischsprachige Beiträge

„Johanna Hedva lives with chronic illness and her Sick Woman Theory is for those who were never meant to survive but did.“ Über chronische Krankheiten, Unsichtbarkeiten und persönlich_politische Kämpfe schreibt Hedva bei mask.

[Inhaltshinweis: Rape Culture] „Let him [Bill Cosby] be exposed for the rapist that he is. […] But also, let’s just not forget to do the same for David Bowie, Hugh Hefner, Woody Allen, Roman Polanski, Jimmy Page, James Franco (who, within the past couple of years, attempted to arrange a hotel hook-up with a 17-year-old girl), Bill Clinton, Ben Roethlisberger, Jerry Sandusky, Terry Richardson, Gerard Depardieu, Donald Trump, Bryan Singer, Jerry Seinfeld, and the many other white men of power and fame who continue to rape and sexually abuse women and girls with impunity and protection“, kritisiert Bobby London bei For Harriet.

Nach 257 Tagen auf See hat die Coxless Crew damit Geschichte geschrieben, das erste weibliche Ruderteam zu sein, das den Südpazifik überquerte.  Mashable erzählt die Geschichte der Reise.

Termine in Berlin

03. 02. in Berlin unter dem Titel „Islamischer Feminismus – Internationale Annäherungen“ lädt die Friedrich Ebert Stiftung ein

12. – 13. 02. in Berlin: „Materialität/en und Geschlecht“ ist das zentrale Thema der 6. Jahrestagung der Fachgesellschaft Geschlechterstudien, die an der Humboldt-Universität zu Berlin stattfindet. (Facebook-Link)

24. 02. in Berlin: „Dear Cis-People“: Sophie Labelle stellt die deutsche Übersetzung des Buchs im „Other Nature“ vor. (Facebook-Link)

 


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#Rigaer94, Antisemitismus in Deutschland und Sklaverei mit einem Lächeln – kurz verlinkt

21. Januar 2016 von der Mädchenmannschaft

deutschsprachige Links

„Im Jahr 1996 starben in Lübeck zehn Asylsuchende durch ein Feuer in ihrem Wohnhaus. Auch 20 Jahre später ist der Brandstifter nicht gefunden, obwohl es ­Verdächtige gab. Vor Gericht stand lediglich einer der Flüchtlinge,“ berichtet die Jungle World.

„Antisemitismus ist kein importiertes, sondern ein internationales Problem,“ schreibt Patrick Gensing bei tagesschau.de.

„Der Einsatz in der Rigaer Straße war maßlos, seine Rechtsgrundlage zweifelhaft. Einen Innensenator, der solche Aktionen veranlasst, braucht kein Mensch“, kommentiert Christopher Lauer beim Tagesspiegel.

englischsprachige Links

Jada Pinkett Smith ruft  zu einem Boykott der diesjährigen Oscars auf. Warum, und wie People of Color auch bei Preisverleihungen marginalisiert werden, schreibt die Los Angeles Times. Weiterführende Kritik gibt es bei For Harriet: “ Why are we still waiting for old white men to love us?“

Nach Protesten zieht der Verlag Scholastic ein erst kürzlich erschienenes Kinderbuch zurück, das Sklav_innen in den USA als glückliche Bedienstete darstellte. Weitere Kommentare findet ihr bei Twitter unter dem Hashtag #SlaveryWithASmile.

Crimes against Native American women raise questions about police response: Local activists in Minnesota say deaths and disappearances of Native women are linked to human trafficking and that police aren’t taking the issue seriously“, schildert The Guardian.

Am 17. Juni dieses Jahres feiert „Orange is the New Black“s vierte Staffel Premiere bei Netflix. Ein Teaser gibt erste Eindrücke.

Am dritten Januarmontag gedenkt man in den USA Dr. Martin Luther King, Jr.  „Blackout for Human Rights“ und „The Campaign for Black Male Achievement“ organisierten in diesem Jahr die Veranstaltung „MLK Now“ in Harlems Riverside Church, bei der unter anderem Harry Belafonte, Anika Noni Rose, India Arie, Tessa Thompson, Chris Rock und J. Cole auftraten und zum Beispiel aus historischen Werken Schwarzer Aktivist_innen lasen. Die Aufzeichnung könnt ihr euch hier ansehen:


Termine in Berlin, Dresden und Kiel

02.02. in Berlin: Lesung von Andrea von Treuenfeld aus ihrem aktuellen Buch »Zurück in das Land, das uns töten wollte: Jüdische Remigrantinnen erzählen ihr Leben«.

06.02. in Dresden: „Grenzenlose Solidarität – Aktionstag gegen die Festung Europa!“ (Facebook-Link)

20. 02. in Kiel: Sharon liest aus ihrer Novelle „Synchronicity“ im Literaturhaus Schleswig-Holstein. (Facebook-Link)


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Selbstbestimmung, Hacker_innenspace und #Dropthetowel – kurz verlinkt

23. September 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 295 von 364 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Frisch aus der Druckerpresse: ein Buch zu Abtreibung und Pränataldiagnostik, zur feministischen Behindertenbewegung, zu „Lebensschützern“, zur Geschichte der Eugenik und zum Selbstbestimmungsbegriff: „Selbstbestimmte Norm. Feminismus, Pränataldiagnostik, Abtreibung“ von Kirsten Achtelik, erschienen im Verbrecher Verlag.

Ein Hackerinnenspace in Berlin ist neu in der Entstehung und richtet sich an „alle PyLadies, und RailsGirls, JavaLassies und 3D-Feen, Gamerinnen, Arduinas, NetzwerkNixen, LötGören, RaspberryRabaukinnen und alle anderen Frauen* mit Interesse an Bits, Bytes und Basteln“ (english on page)

Der Dortmunder Verein VIVE ŽENE e. V. möchte einen Zufluchtsort für unbegleitet geflüchtete minderjährige Mädchen realisieren – damit das klappt, wird um Spenden zur Anschubfinanzierung gebeten. Alle Informationen finden sich im Flyer.

Rund 110 Gäste waren in die Erlanger Stadtbibliothek gekommen, um unter dem Motto „Die Vergessenen der Geschichte – Afrodeutsche Zeitzeugen des Dritten Reiches“ aus dem Leben zweier Männer und einer Frau zu hören: Gert Schramm, Marie Nejar und Theodor Michael.

 

englischsprachige Links

The great team behind „Disability in Kidlit“ is seeking for a new team member. They have a strong preference for a person of color. All informations on their website.

Fat Positivity in Action: #DropTheTowel Intersectional Feminist Finale!

 

Termine

Die Landesarbeitsgemeinschaft der hauptamtlichen kommunalen Gleichstellungs- und Frauenbeauftragten in Schleswig-Holstein spricht am 06. Oktober 2015 unter dem Thema „Das Ende der Unschuld – Feminismus im Umbruch? Von Werten, Visionen und Allianzen“ in Kiel. Alle Infos auf der Webseite.

Es ist wieder soweit: das „international human rights filmfestival“ in Nürnberg findet von 30. 9. bis 7. 10. 2015
Die Themenschwerpunkte sind diesmal #untragbar  und „Flucht und Migration“.


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Samstagabendbeat mit Esther Bejarano

31. Januar 2015 von Magda

Esther BejaranoDiese Woche war der 70. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungs­lagers Auschwitz. Geboren im Jahr 1924 gehört Esther Bejarano zu den letzten Überlebenden des Mädchen­orchesters von Auschwitz. Dort wurde sie gezwungen am Lager­eingang mit ihrer Musik für „gute Stimmung“ zu sorgen. Heute kämpft sie mit Lesungen und Musik gegen Rassismus und Antisemitismus und kritisiert auch aktuell mit klaren Worten die rassistischen Zustände in Deutschland, zuletzt die Polizei­aktionen gegen die Lampedusa-Geflüchteten. Zusammen mir ihrem Sohn und der Microphone Mafia steht sie heute oft auf der Bühne und erzählt ihre Geschichte.

Ein komplettes Konzert kann mensch auf YouTube anschauen. Im Laika Verlag erschien 2013 ihr Buch „Erinnerungen. Vom Mädchenorchester in Ausschwitz zur Rap-Band gegen Rechts.


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70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz

27. Januar 2015 von accalmie

„Die Forderung, daß Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung. Sie geht so sehr jeglicher anderen voran, dass ich weder glaube, sie begründen zu müssen noch zu sollen.“ (Theodor W. Adorno, Erziehung nach Auschwitz, 1966)

Heute vor siebzig Jahren wurde das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau von der Roten Armee befreit. Auschwitz war nicht nur der größte Ort des, sondern ist auch ein Kollektivsymbol für den industriellen Massenmord des Holocaust. In dem Konzentrationslager-Komplex Auschwitz und Birkenau (Auschwitz II; darüber hinaus existierten weitere „Unterlager“) wurden zwischen 1941 und 1945 über eine Million Juden_Jüdinnen und zehntausende Sinti und Roma, politische und Kriegsgefangene systematisch ermordet. Yad Vashem beschrieb Auschwitz-Birkenau als eine der größten „Fabriken des Massenmords“: Aus ganz Europa wurden Menschentransporte nach Auschwitz, der „zentralen Stelle“ des Holocaust, gebracht. Josef Mengele führte in Auschwitz seine (pseudo-)medizinischen Experimente, also Folter, durch.

Seit 1996 ist der 27. Januar der offizielle Gedenktag in Deutschland für die Opfer des Nationalsozialismus. Die UN erklärte den Tag 2005 zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust.

Weitere Informationen findet ihr zum Beispiel hier:

Gedenkveranstaltungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz:

Phoenix-Sendung, 27. Januar, 9:00 Uhr: Übertragung der Gedenkveranstaltung des Bundestags; anschließend Dokumentationen.

Berlin

  • 27. Januar, 13:00 Uhr, Ebertstraße Höhe Hannah-Arendt-Straße, Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen: Gedenkfeier.
  • 27. Januar, 19:00 Uhr, Topographie des Terrors, Auditorium: „Mahnort Güterbahnhof Moabit“, Buchpräsentation und Diskussion.
  • 27. Januar, 19:00 Uhr, Jüdisches Museum Berlin: Buchvorstellung und Podiumsgespräch zur Neuausrichtung der „Erziehung nach Auschwitz“ in der Einwanderungsgesellschaft, mit Rosa Farva.
  • 30. Januar, 21:00 Uhr, La Casa Hellersdorf: Filmvorstellung (Facebook-Link).
  • 05. – 10. April: „Never Forget, Never Again“ – Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz, organisiert von den Falken Berlin. Anmeldung bis zum 2. Februar, und weitere Infos hier. (Facebook-Link)

Bochum, 27. Januar, 11:00 Uhr, Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte: Gedenkmatinee.

Bremen, 27. Januar, 19:30 Uhr, Obere Halle des Bremer Rathauses: Zentrale Gedenkveranstaltung.

Celle, 27. Januar, 19:00 Uhr, Synagoge Celle: Gedenkkonzert.

Cottbus, 27. Januar, Zeremoniebeginn um 17:00 Uhr (Treffpunkt für den Umzug: 16:45 Uhr, Stadtbrunnen, Buchhandlung „Hugendubel“): Eröffnung der neuen Synagoge in Cottbus. Die historische Synagoge der Stadt wurde in den November-Pogromen 1938 zerstört.

Dresden, 27. Januar, 12:00 – 15:30 Uhr, Gedenktafel an der Kreuzkirche: Namenslesung der in der Zeit des Nationalsozialismus ermordeten oder verschollenen Dresdner Juden sowie Sinti und Roma. (Facebook-Link)

Düsseldorf, 27. Januar, 18:30 Uhr, Universität Düsseldorf, Esther-Betz-Hörsaal: Filmvorstellung „Der Zug des Lebens“ mit anschließender Diskussion. (Facebook-Link)

Frankenthal

  • 27. Januar, 19:00 Uhr, Dathenushaus: Filmvorstellung „Am Ende kommen Touristen“ (Eintritt frei).
  • 28. Januar, 19:00 Uhr, Dathenushaus: Filmvorstellung „Im Himmel, unter der Erde“ (Eintritt frei).

(mehr …)


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Gedenken an Pogrome, feministische Kämpfe in der DDR – kurz verlinkt

12. November 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 261 von 364 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Bei der Jüdischen Allgemeinen beschreibt Margot Friedländer, wie sie als 17-jährige die antisemitischen Pogrome am 9. November 1938 und deren Nachwirkungen in Berlin erlebte: „Hitler müsste eines Tages gehen, dachten wir. Irgendwann würden die Deutschen nicht mehr hinnehmen, was man uns Juden antat. Doch dieser Tag kam nicht. Nach der »Reichskristallnacht« wurde uns unmissverständlich klar: Niemand würde uns helfen.“

Feminismus-Geschichte in Deutschland wird immer wieder sehr perspektivisch sehr beschränkt erzählt, z.B. auch als eine vor allem west-deutsche Geschichte. Katrin Gottschalk schreibt in der Frankfurter Rundschau über feministische Auseinandersetzungen in der DDR und Wende-Enttäuschungen.

Das maiz, das Autonome Zentrum von & für Migrantinnen in Linz, wird zwanzig Jahre alt. migrazine spricht mit den drei Gründerinnen Tania Araujo, Luzenir Caixeta und Rubia Salgado über die Geschichte des Zentrums, Reflexionen und die Zukunft, die u.a. die Gründung der „Universität der Ignorant_innen“ bereithält.

Und noch ein Geburtstag: Das Bielefelder Online-Magazin weird feiert 7-jähriges Bestehen:

englischsprachge Links

Nach wie vor ist Kunst eine sehr männlich dominierte Domäne. Und auch im Rückblick werden meistens jene Frauen, die tätig wurden, nicht in den Kanon aufgenommen, bleiben ganz unerwähnt oder Männer eignen sich die Werke an. Flavorwire stellt dafür 10 abstrakte Künstlerinnen.

Noch mehr Künstlerinnen stellt Hyperallergic vor: „The Women Tagging and Painting the Streets of Bogotá„.

Die Naturwissenschaften sind gar nicht männlich dominiert?! Das zumindest behauptete ein Artikel in der New York Times, der sich auf eine aktuelle wissenschaftliche Studie bezieht. Ein Beitrag auf slate.com nimmt diesen Quatsch super auseinander und erklärt noch einmal, was das Problem an der Auswertung der Studie sei.

Termin

Am 21. und 22. November in Berlin, Ballhaus Naunynstraße: „Performing Back“ (Facebook-Link), eine künstlerische Auseinandersetzung von Simone Dede Ayivi mit der Kontinuität deutscher kolonialer Vergangenheit.


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Feindliche Lehrer_innen, gefährliche Esoterik, Verunglimpfung des Staats – kurz verlinkt

5. Juni 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 244 von 364 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Beiträge

Wien’s Werbewatchgroup gegen sexistische Werbung ist jetzt auch auf Facebook.

Emy Fem arbeitet seit vier Jahren als Trans*-Sexarbeiterin und gibt ihr professionelles Wissen an Kolleginnen weiter. Im Dezember letzten Jahren gab sie erstmals einen Workshop für Trans*-Sexarbeiterinnen auf der Berliner Frobenstraße. Im Interview auf dem Blog der Aidshilfe erzählt sie unter anderem davon.

Ein lesbisches Paar aus Kirgistan soll von Deutschland nach Polen abgeschoben werden. queer.de berichtet über eine Petition dagegen und die Schikanen, die das Paar, aber auch andere LGBT-Flüchtende, ertragen müssen.

Das neue an.schläge-Magazin erscheint und wie immer gibt es auch einige Texte online zu lesen. Zum Schwerpunktthema erläutert Claudia Barth, was Esoterik gefährlich macht und Alexandra Strickner spricht über TTIP („Transatlantic Trade and Investment Partnership“) und welche Auswirkungen es insbesondere auch auf Frauen haben würde.

In Berlin erstatteten Polizeibeamt_innen Anzeige wegen „Verunglimpfung des Staats“ gegen Teile eines Hausplakats, das an den Bombenanschlag des NSU am neunten Juni 2004 in Köln erinnert, und beauftragten die Feuerwehr, den Satz „NSU: Staat & Nazis Hand in Hand“ zu entfernen.

„Entwicklungshilfe für den deutsch-deutschen Kulturbetrieb“ – im Migrazine berichten Azadeh Sharifi und Bahareh Sharifi über das Bündnis Mind The Trap.

Im Rahmen ihrer Masterarbeit führt eine Bieldefelder Studierende eine Umfrage durch zu Vielfalt am Arbeitsplatz – gleichgeschlechtliche Lebenskonzepte und Erwerbsarbeit

„Auslese, Perfektionierung und die Last der Entscheidung“ – eine Diskussion zur Pränataldiagnostik auf freie-radios.net.

englischsprachige Beiträge

Fünf Jahre nach dem Mord an Dr. George Tiller, dem Arzt einer Praxis in Kansas, die Abtreibungen vornahm, führen Mitarbeiterinnen und eine neue Ärztin die Praxis fort. Wie MSNBC berichtet, sind sie weiterhin mit Belästigungen, versuchter Sabotage und Morddrohungen konfrontiert – insbesondere im Kontext der sich ständig verschärfenden Abtreibungsrechteinschränkungen in Kansas und anderen US-Bundesstaaten.

Bei Shakesville antwortet Melissa McEwan auf „geek guys'“-Beiträge zu Elliot Rodger und den Sexismus und die Objektifizierung, die vielen dieser Texten zugrunde liegen.

Am ersten Juni starb Yuri Kochiyama im Alter von 93 Jahren. Autostraddle erinnert an die Aktivistin, die auch – aber nicht nur – im Civil Rights Movement der USA engagiert war. Bei Racialicious wird noch einmal expliziter herausgearbeitet, wie Kochiyama intersektionellen Aktivismus vorgelebt hat.

Über ihre Erfahrungen mit weißen Lehrer_innen und wie white supremacy in der Schule installiert wird, schreibt Mia McKenzie bei Black Girl Dangerous.

 Janet Mocks offener Brief an eine junge trans Frau of Color, die immer noch – ohne Anklage – in einem Gefängnis sitzt: Mock verweist auf die vielen gewaltvollen Erfahrungen von trans Frauen und die wenigen ‚Highlights‘ des aktuellen Aktivismus, sie schreibt darüber wie wichtig ihr Maya Angelou war und verbindet Lebensgeschichten verschiedener Schwarzer Frauen.

Termine

Berlin: Am 5. Juni findet in Frauenkreise die Buchvorstellung „Zweimal verfolgt. Eine Dresdner Jüdin erzählt“ statt. Das Buch ist Ergebnis zahlreicher Gespräche, die die Autorinnen Carolyn Gammon und Christiane Hemker mit Johanna Krause bis kurz vor ihrem Tod 2001 geführt haben.

Mannheim: Am 28. und 29. Juni gibt es zahlreiche Kurzfilme beim Girls Go Movie Festival. Das Festival richtet sich an Frauen und Mädchen im Alter von 12 bis 27 Jahren.


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Codebabes, Fußballtrainerinnen und tolle Aktivist_innen – kurz verlinkt

8. Mai 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 241 von 364 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Die Initiative #untragbar wendet sich gegen die menschenverachtenden und nicht selten tödlichen Zustände in der globalen Textilindustrie.

Ein Interview mit Renate Lasker-Harpprecht, die zwei Jahre in den Vernichtungslagern Auschwitz und Bergen-Belsen überlebte, hat Die Zeit geführt.

Über Menschenrechtsverbrechen an Intersex-Kindern in der Schweiz berichtet zwischengeschlecht.info.

Vor einem Jahr begann der NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München – und der NSU-Skandal geht weiter.

In Berlin sind mehrere Geflüchtete in den Hungerstreik getreten. Die aktuelle Pressemeldung findet sich bei Asylum Rights Evolution. Unterstützung wird vor Ort dringend benötigt.

englischsprachige Links

„Gefängnisse sind für niemanden sicher“ – ein Gespräch zwischen den Aktivist_innen CeCe McDonald, Reina Gossett und Dean Spade in mehreren Videoclips gibt es  auf der Website des Barnard Center.

For Harriet veröffentlichte ein Interview mit der Juristin und Aktivistin Michelle Alexander über die (gesellschaftlichen) Konsequenzen der Gefängnisindustrie.

20 queere Personen of Color, die wir kennen sollten, listet das Outsmart Magazine.

Programieren lernen mit strippenden Frauen – Sarah Perez von TechCrunch findet’s eher uncool.

Feministing berichtet über die zunehmenden Proteste und Aktionen in Nigeria, um die entführten Schülerinnen zurück zu holen. Eine Zusammenfassung der Ereignisse, Hintergründe und Stellungnahmen nigerianischer Aktivist_innen veröffentlichte auch noch einmal der Guardian. Allerdings gibt es auch Repressionen gegen Protestierende, so Al Jazeera. Fungai Rufaro Machirori widmet den entführten Mädchen und dem Kontext, in dem diese Gewalttat steht, ein Gedicht. Spectra Speaks und Minna Salami erinnern daran, dass langfristig es nicht damit getan ist die Mädchen „zurückzubringen“, sondern auch die allgemeinen Lebenssituationen von Mädchen in Nigeria in den Fokus gerückt werden sollten.

Vergewaltigungsanklagen, die immer öfter aus hanebüchenen Gründen fallen gelassen werden, sind auch in den USA ein Problem, beschreibt The Independent.

Die Portugiesin Helena Costa wird als erste Trainerin eines europäischen Männer-Erstliga-Vereins das Team von Clermont, Frankreich, coachen.

Die Schauspielerin Gabourey Sidibe hat bei den Gloria Awards eine vielbeachtete Rede u.a. über Selbstbewusstsein und feministische Inspiration gehalten – ihr könnt sie hier, bei Vulture, nachlesen. Concern Trolling durch „besorgtes“ Publikum gab es gratis dazu, kritisiert Ragen Chastain bei Dances With Fat.

Außerdem verrät sie zehn Gründe, warum sie nie wieder eine Diät machen wird.

Termine in Annaberg-Buchholz, Berlin, Innsbruck, Passau:

Seit vorgestern und noch bis zum 10.5. in PassauAye Aye Soeur! – Kulturfestival zu Gender, Gleichstellung und Feminismus

Im gleichen Zeitraum in Innsbruck: Intersex-Aktivist_innen inititeren Info und Proteste gegen den 25. Jubiläums-Kongress der „Europäischen Gesellschaft für Kinderurologie (ESPU)“

Am 8. Mai in Berlin: Queerfeministischer Filmabend mit FAT UP mit Filmen rund um fette Diskriminierung und fette Selbstermächtigung.

Am 23. Mai in Berlin: Demo für die Abschaffung des im „Transsexuellengesetz“ vorgesehenen Gutachterverfahrens. Hier geht es zum Facebook-Event.

Am 26. Mai findet zum wiederholten Mal ein „Marsch für das Leben“ in Annaberg-Buchholz (Sachsen) statt. Es gibt erstmalig Gegenaktivitäten.


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