Offener Brief an die taz / Stellungnahme der ISD | Initiative Schwarze Menschen in Deutschland
3. Mai 2013 von Gastautor_inNach den Ereignissen auf dem und rund um das taz.lab Panel hat die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) um eine Stellungnahme der taz gebeten. Bisher steht diese aus, obwohl Panelistin Sharon Dodua Otoo sich ihrerseits schon zur Veranstaltung geäußert hat. Hiermit veröffentlichen wir den Offenen Brief der ISD, den ihr mitzeichnen könnt (Mail an isdbund.vorstand@isd-bund.org), um die taz zu einer ernsthaften rassismuskritischen Auseinandersetzung zu bewegen.
Update: Der Brief kann noch bis zum 30. Mai unterschrieben werden!
Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD-Bund) e.V. verurteilt zutiefst die Reaktion der taz-Redaktion auf die Ereignisse, die sich rund um die Diskussionsrunde “Meine Damen und Herren, liebe N-Wörter und Innen” auf dem taz.lab 2013 zugetragen haben.
Die Veranstaltung vom Samstag, 20.04.13 endete aufgrund des respektlosen Verhaltens des Moderators und taz-Journalisten Deniz Yücel in einem Eklat. Dies war jedoch nur der Auftakt einer Reihe von Verfehlungen, die sich die Organisator_innen des taz.labs 2013 sowie die Chefredaktion der taz seitdem geleistet haben. Nicht nur, dass die unprofessionellen Ausbrüche Yücels in dem noch am selben Abend erschienenen Online-Artikel verharmlost wurden, auch die Reaktionen von Chefredakteurin Ines Pohl und taz.lab-Kurator Jan Feddersen auf die Beschwerden von Autorin und ISD-Aktivistin Sharon Dodua Otoo waren – gelinde gesagt – unbefriedigend. Herrn Feddersens Nachricht beinhaltete einzig Beileidsbekundungen sowie den Verweis auf Herrn Yücels vermeintlich antirassistische Haltung. Diese dürfte Herr Yücel nicht nur auf dem Podium, sondern auch mit seinem Artikel „Liebe N-Wörter, ihr habt ‘nen Knall“ vom Montag, dem 22.04.13, zumindest in Frage gestellt, wenn nicht widerlegt haben. Anstatt einer tiefergehenderen Recherche zieht er es dort vor, möglichst viele provokative Behauptungen über das Publikum, eine angeblich geplante “Sprengung” der Podiumsdiskussion, aber auch über unsere Arbeit als Verein aufzustellen. Dabei wird nicht nur Yücels Unwissenheit über geschichtliche Kontexte, sondern auch erneut sein Unwillen deutlich, sich auf die Frage einzulassen, weshalb sowohl Schwarze als auch viele weiße Menschen mit einem historisch und auch gegenwärtig mit rassistischer Gewalt verbundenen Begriff nicht grundlos und wiederholt innerhalb einer öffentlichen Veranstaltung konfrontiert werden möchten.
Der Begriff “Neger” (im Folgenden N-Wort) ist keinesfalls ein inzwischen harmloses Artefakt aus vergangenen Zeiten. Er wird im Gegenteil nach wie vor im Zusammenhang mit Gewaltverbrechen und Alltagsdiskriminierung gegen Schwarze Menschen in Deutschland verwendet. Die 350-jährige Gewaltgeschichte des Begriffs in Deutschland sollte Anlass genug für einen sensiblen Umgang damit sein. Das N-Wort war integraler Bestandteil rassistischer Konzepte, die politische Gewalt legitimierten, es wurde über Jahrhunderte in der Planung und “Legalisierung” von Verbrechen gegen die Menschlichkeit verwendet: Vom brandenburgischen Versklavungshandel und Rassismus in der Aufklärung über rassistische Kolonialpolitik über Zwangskastrierung und Ermordung im Dritten Reich bis hin zur Diskussion rassistischer Politik gegen Schwarze Deutsche im Bundestag der 1950er reicht die deutsche Traditionslinie im Bereich von staatlicher Politik – von gesellschaftlichem Rassismus ganz zu schweigen. Wir verstehen nicht, wie die taz es zulassen kann, dass Herr Yücel in seiner Kolumne den Kolonialismus verharmlost, Genozide gegeneinander aufrechnet und sie so relativiert. Um nur eine bezeichnende historische Blindstelle in seinem Text zu benennen: Der von ihm beschriebene Genozid in Ruanda kann ohne die während der deutschen Kolonialzeit vorgenommene, mit rassistischen Theorien gerechtfertigte Fixierung der zuvor flexibleren Kategorien “Hutu” und “Tutsi” nicht verstanden werden. Dass diese Zusammenhänge im weißen deutschen Mainstream immer noch zu wenig bekannt sind, enthebt Journalist_innen nicht von ihrer Verantwortung zur durch Recherche fundierten Darstellung – ganz im Gegenteil. Das unreflektierte Relativieren von Genoziden und Verbrechen gegen die Menschlichkeit steht dem Selbstverständnis der taz entgegen.
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Im Oktober erschien “The Little Book of Big Visions. How to be an Artist and Revolutionize the World”, zu deutsch etwa Das kleine Buch von großen Visionen. Wie Künstler_in sein und die Welt revolutionieren. Das von Sandrine Micossé-Aikins und Sharon Dodua Otoo herausgegebene Buch ist das erste in der neuen Reihe “Witnessed” bei edition assemblage. Ein Anteil des Buches wurde über so genanntes crowdfunding, also der Unterstützung potentieller Leser_innen,






