Einträge mit dem Tag ‘Sexuelle Identität’


Künstlich krank: Transgender

2. November 2011 von Helga

Vor knapp einem Monat verabschiedete das Europäischen Parlament eine Entschließung die dazu aufruft, Transgender nicht weiter als geisteskrank einzustufen. Derzeit werden sie als „Geschlechtsidentitätsgestörte“ in der internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD) unter den „Geistes- und Verhaltensstörung“ aufgezählt – bis vor 21 Jahren wurde dort auch noch Homosexualität aufgelistet. Seit einiger Zeit überarbeitet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Klassifikation erneut und es laufen verschiedene Kampagnen, Transgender endlich nicht mehr als krank einzuordnen und somit zu pathologisieren.

Einen ausführlichen Bericht über die rechtlichen und historischen Hintergründe zur Pathologisierung von Transgendern, besonders Transfrauen, gibt es gerade bei Telepolis:

Transfrauen sind Frauen. Die “Fachwelt” (also die pathologisierende Psychiatrie und Psychologie) erklärt sie zu geistesgestörten Männern und zwingt sie im Gutachterverfahren zu Hyper-Femininisierung und Hyper-Sexualisierbarkeit – sie müssen ihre “Weiblichkeit”, ihr “Frau-Sein” ununterbrochen unter Beweis stellen.

Die Situation in Österreich schildert außerdem dieStandard.at und wirft einen Blick auf die Stand der ICD-Überarbeitung.


Facebook | |


Frauenkleidung für alle!

14. Juli 2011 von Helga

Auch im Gefängnis darf nicht diskriminiert werden, hat das Oberlandgericht Celle entschieden. So dürfe man Männern nicht das Tragen von Damenkleidung in ihrer eigenen Zelle verbieten, berichtet Spiegel Online. Hinter dieser unscheinbaren Meldung verbergen sich tatsächlich gleich ein Haufen Knackpunkte.

Zunächst hatte das Gefängnis Angst, es könne zu Übergriffen anderer Gefangener kommen. Alleine diese Angst ist schon ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft – das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit gilt auch für Inhaftierte. Dann wurde versucht, die Verantwortung für das (mögliche) Fehlverhalten von Menschen auf das Opfer zurückzuführen und angepasstes Verhalten zu fordern.

In diesem Fall ging es um einen transsexuellen Gefangenen und damit eigentlich um eine Gefangene. Das spiegelt aber weder der Artikel in seiner Sprache, noch der Umgang des Gefängnisses wieder. Dort sprach man gar von „sexuelle Orientierungslosigkeit“. So werden Transgender unnötig pathologisiert und nicht ernst genommen. Es spricht auch wieder einmal ein gewisse Ahnungslosigkeit: Die sexuelle Orientierung eines Menschen hat nichts mit seiner Identität zu tun, lediglich unsere Bezeichnungen ändern sich. Svenja and the City hat die Frage „wie Du warst ein Heteromann und nun bist Du eine Lesbe“ bereits schön erklärt.

Noch einmal zurück zur befürchteten Gewalt: In den USA gibt es inzwischen Untersuchungen zu Gewalt gegenüber Transgendern, in einigen Staaten ist es explizit in die Liste der hate crimes aufgenommen worden – in Deutschland fehlt überhaupt das Bewußtsein für solche Taten und damit auch die Ansätze, wie Transphobie zu bekämpfen wäre.

Schließlich wird das Urteil auch für Cross-Dresser und Transvestiten interessant sein, das Tragen von Frauenkleidung ist schließlich nicht auf Frauen und Transgender begrenzt.


Facebook | |


Links: Guerrilla Girls, Fett=krank?, Djane-Kurse, sexuelle Identität im Grundgesetz schützen?

13. April 2010 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 72 von 153 der Serie Kurz notiert

Auf freitag.de findet ihr eine Übersetzung des Textes von Chloe Angyal‘s “You’re not a feminist, but … what?”. Die Hauptaussage: Feminismus – Vollzeit oder gar nicht!

Ebenfalls auf freitag.de wird in der Politikarena die Frage gestellt: Soll Artikel 3 des Grundgesetzes auch vor Benachteiligung wegen sexueller Identität schützen?

Lust auf einen DJanes Kurs? Bei Rubinia gibt es neue Termine!

Fett ist ein feministisches Thema“: Die Korrelation zwischen Fettleibigkeit und Kranksein ist viel schwächer als die meisten Menschen glauben. Auch die JungleWorld hat dazu was zu sagen.

Feministing.com ist knackige sechs Jahre alt geworden und präsentiert den Artikel, der nicht nur die meisten Klicks einbrachte, sondern auch WalMart dazu zwang, ein paar fürchterliche Kinderwäsche-Stücke einzustampfen.

Wer sind eigentlich die Guerrilla Girls? Auf Gender Across Borders gibt es ein Interview.


Facebook | |


Petition zur sexuellen Identität

19. Februar 2010 von Helga

Anfang Dezember bereits lehnte der Bundesrat die Aufnahme der sexuellen Identität ins Grundgesetz ab. Seit Ende Dezember, aber bisher weitestgehend unbemerkt, läuft nun bereits eine Online-Petition, die sich für die Änderung des Grundgesetzes ausspricht. In der Begründung heißt es:

Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, transsexuelle und intersexuelle Menschen sind in unserer Gesellschaft auch heute noch Anfeindungen, gewaltsamen Übergriffen und Benachteiligungen ausgesetzt. Einfachgesetzliche Diskriminierungsverbote haben die rechtliche Situation der Betroffenen zwar verbessert. Die fehlende Berücksichtigung in Artikel 3 Absatz 3 des Grundgesetzes (GG) wirkt sich aber bis heute negativ auf die gesellschaftliche und rechtliche Situation von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender, transsexuellen und intersexuellen Menschen aus. Ein ausdrückliches Verbot der Diskriminierung aufgrund der sexuellen Identität im Grundgesetz schafft eine klare Maßgabe für den einfachen Gesetzgeber. Letztlich steht es für das deutliche Bekenntnis, dass Gesichtspunkte der sexuellen Identität eine ungleiche Behandlung unter keinen Umständen rechtfertigen können.

Die Petition kann noch bis zum 3. März mitgezeichnet werden (Registrierung erforderlich). Bisher gibt es etwas über 7800 Unterschriften, damit sich der Petitionsausschuss der Sache annimmt, werden allerdings 50.000 benötigt.


Facebook | |


Wer wen küsst

26. Juni 2009 von Helga

Seit sich vor 40 Jahren in New York erstmals Homosexuelle in der Christopher Street gegen Polizeigewalt wehrten, ist in der vorher heterosexuellen, männlichen, weißen, christlichen cisgender Welt schon viel ins Rollen gekommen. Dass noch viel zu tun bleibt, erläuterte Jan Salloch in der Sueddeutschen. Er ist Vorstand und Organisator des Berliner Christopher Street Day, der morgen, am 27. Juni, zum 31. Mal gefeiert wird.

Es ist Schulterschluss in der Community geglückt, es gibt bei fast allen Veranstaltungen in Deutschland ein Kernthema: die Ergänzung des Artikels 3 im Grundgesetz um den Passus der sexuellen Orientierung. Gerade weil die sexuelle Identität nicht im Gleichheitsgrundsatz steht, bleiben uns viele Dinge verwehrt. Die Ergänzung würde uns auch vor politischen Veränderungen im Land schützen.

Wie hier werden sexuelle Orientierung und Identität oft synonym gebraucht, dabei schließt ersteres z.B. Intersexuelle oder Transgender aus, wie Medienelite.de erklärt:

Männer und Frauen, die jeweils auf ihr eigenes Geschlecht oder beides stehen, sind entweder schwul, lesbisch bzw. bisexuell. Genau das nennt man sexuelle Orientierung. Zumindest einen Teil davon – denn da gibt es ja noch die Heteros ^^

Sexuelle Identität, soziales Geschlecht oder auch Gender (=englisch, heißt übersetzt Geschlecht, bitte nicht verwechseln mit Frau/Mann, das ist im Englischen nämlich “sex”) genannt, bedeutet hingegen das Zusammenspiel von biologischem Geschlecht, meiner Annahme davon, sexueller Orientierung, Charakter, sozialer Interaktion, Kleidung, Verhalten, Aussehen, Mimik, Gestik – also alles, was mich als Person ausmacht. Was wiederum Transvestiten, Transsexuelle, Transgender, Intersexuelle, etc. mit einbezieht.

Doch selbst wenn die sexuelle Identität mit ins Grundgesetz aufgenommen wird, dauert es wohl noch eine ganze Weile bis es wirklich keine Rolle mehr spielt, wer wen küsst und wie man dabei aussieht.


Facebook | |



Anzeige