Einträge mit dem Tag ‘Sexualität’


Elektro, Herrenclubs und die Krise der Männlichkeit – kurz notiert

24. April 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 187 von 190 der Serie Kurz notiert

10 Pionierinnen elektronischer Musik und queere Musik_erinnen of Color, die ihr unbedingt kennen solltet.

In Boston sind durch einen Terroranschlag auf den Boston Marathon mehrere Menschen gestorben. Die Medien berichteten ohne Unterlass – leider nicht ohne Rassismen zu bemühen, wie Bitch Magazine berichtet.

Obwohl immer behauptet wird, dass wir in einer hypersexualisierten Gesellschaft leben, wird anscheinend nur sehr selten ehrlich über Sex gesprochen. Eine neue Webseite soll dem entgegenwirken, berichtet Salon.com.

Der Guardian widmet sich “The Sessions“, einem Film, der Behindertwerden und Sex thematisiert. Ebenfalls im Guardian: Ein Bericht über #ShoutingBack, das Pendant zu #Aufschrei in Großbritannien.

Eine neue Ausgabe des Zines Masculine Femininities wurde veröffentlicht.

In Oldenburg wurde einer Frau der Wunsch auf die “Pille danach” verwehrt.

100 Prozent Mann sammelt Positionen, die noch nie von Frauen eingenommen wurden. Welcome to the Herrenclubs!

Der Guardian hat einen Nachruf auf Bi Kidude, der ersten Sängerin Zanzibars, veröffentlicht.

“Die im Anschluss an den #Aufschrei geführte Debatte über die Krise von Männlichkeit ist eine Form altbewährten Konservatismus”, schreibt Claire Horst für Analyse & Kritik.

Disney hat die hauseigenen Prinzessinnen einem Redesign unterzogen: Nach wie vor finden sich kaum Charaktere of Color unter den Figuren und Heldinnen wie Mulan oder Pocahontas wurden mit dem neuen Make Over weiß “gewaschen”, kritisiert sparksummit.com.

Eine Modelagentur warb vor einer Klinik für Essstörungen in Schweden um neue Klientinnen, berichtet dieStandard.at.

In Hamburg fand vergangenes Wochenende erstmals eine Frauenflüchtlingskonferenz statt. Die Junge Welt sprach mit Eylem Silan, die sich in der Vorbereitungsgruppe engagierte.

Eine Highschool-Studentin wurde von ihrem Direktor bedroht, weil sie eine Anti-Verhütungsmittelveranstaltung an ihrer Schule öffentlich kritisierte.

Servicepost für Cis-Frauen auf autostraddle.com: Mit Trans*frauen interagieren, ohne ständig Transphobie zu reproduzieren.

Zimbabwe hat mit einer überwältigenden Mehrheit für einen Entwurf gestimmt, nach der nun Geschlechtergerechtigkeit und Frauenrechte in der Verfassung Eingang findet.

Auf addicting.info finden sich zehn verschiedene Begriffe, die eigentlich viel besser passen würden als “Pro Life“, ein Begriff mit dem sich Abtreibungsgegner in den USA schmücken.

Body Love Wellness kritisiert den aktuellen Werbeclip von Dove.

Termine in Berlin und Gießen findet ihr nach dem Klick

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„Asexualität scheint nicht zu existieren“: Weder Trauma noch fehlt der*die Richtig*e im Bett

19. April 2013 von Gastautor_in

Unsere Gastautorin Theresia lebt und arbeitet in Berlin und versucht heteronormative Diskurse zu durchbrechen. Sie arbeitet ehrenamtlich für das alternative und unabhängige Magazin “Kontext TV” und schreibt meistens teils-fiktive Kurzprosa auf zitterart.wordpress.com.

Eigentlich schreibe ich keine Blogposts über privat-politische Themen. Ich diskutiere darüber verbal, aber halte mir somit auch ein Hintertürchen offen, denn Meinungsänderung durch Überzeugung seitens Dritter ist einfacher, wenn es nicht irgendwo schwarz auf weiß steht. Und ja, ich habe manchmal Angst vor der Kritik, schriftlich, ausformuliert, weil mir oft die Kraft ausgeht, auf halber Strecke sozusagen. Aber ich versuche es jetzt dennoch, weil ein mir wichtiges Thema oft im gesellschaftlichen Diskurs egal welcher „Art“ keine Beachtung findet.

Asexualität wird nicht totgeschwiegen, sondern scheint einfach nicht zu existieren. In den Köpfen der meisten Menschen geht es um sexuelles Begehren. Es wird an allen Ecken über Hetero-, Bi-, Homosexualität und Queer gesprochen, geschrieben, positiv sowie negativ reagiert, aber Asexualität? Mmh. Nö. Is’ nich’. Wenn überhaupt, wird Asexualität oft pathologisiert und abgesprochen. Sie wird mit Unlust, Prüderie, einfach „noch nicht die*den Richtige*n im Bett gehabt“ oder gar Traumata gleichgesetzt.

Unsere Zeit ist übersexualisiert. Kommerzialisierter, pornifizierter Sex begegnet uns überall und ständig. Sexuelles Begehren wird überall produziert, wir definieren uns darüber, sprechen darüber, schreiben darüber, definieren uns darüber. Fakt ist, wir sind eigentlich sexuelle Wesen. Darüber reproduzieren wir uns. Punkt. Das muss nicht weiter erklärt werden. Fakt ist auch, dass viele Menschen keinen Spaß am Sex haben. Nicht so richtig. Warum auch immer.
Fakt ist ebenfalls, dass „Sex“ überall ist, überall und ständig und immer werden wir dem ausgesetzt. Also scheint es normal zu sein. Nein, es ist die Norm. (weiterlesen …)


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Hat jemand “Knutschverbot” gesagt?! – Critical Hetness 101

8. April 2013 von Anna-Sarah

Im folgenden Text wird viel von Hetero-Pärchen die Rede sein. Paar heißt in diesem Fall: zwei Menschen, die in der Öffentlichkeit Zärtlichkeiten mit einander austauschen.  Es geht um Menschen, die in der Regel jeweils als weiblich und männlich gelesen werden und sich selbst auch so verorten, und von denen widerum vor allem um jene, die keine Sanktionen und kein Othering erfahren, wenn sie sich außerhalb des eigenen Privatbereichs als Paar zeigen. Dass diese Menschen individuelle Geschichten haben können, in denen (nicht nur gegendertes, sondern z.B auch rassifiziertes) Gelesenwerden, Passing und Selbstverortung keine unhinterfragten Selbstverständlichkeiten darstellen, bleibt bei einer solchen Einordnung schwierigerweise außen vor. Der Widerspruch, dass für individuelle Personen angesichts eigener biografischer Erfahrungen das öffentliche Paar-Sein ein Akt des widerständigen Empowerments sein kann, nach außen aber trotzdem auch oder vor allem als normbestätigend wirkt, lässt sich wohl unter den gegebenen Bedingungen nicht auflösen. Die Perspektive, mit der ich selbst mich auskenne und von der aus dieser Text geschrieben ist, ist allerdings die einer Person, die es zeitlebens ganz überwiegend als selbstverständlich erlebt hat, ihr Begehren auch in die Öffentlichkeit tragen zu können, ohne dass darauf  über den üblichen Sexismus hinaus merkbar reagiert würde – weder mit spezieller Neugier, die sich in distanzlos-übergriffigem “Interesse” äußert, noch mit Kommentaren (seien sie abwertend oder vermeintlich anerkennend), noch mit verbalen oder körperlichen Angriffen. Dieses default setting gilt hierzulande für viele Menschen. An diese, an euch, richtet sich dieser Text.

Nachdem ich begonnen hatte ihn zu schreiben, stieß ich auf diesen Blogeintrag und musste feststellen, dass der Titel, den ich für meinen Text spontan ersonnen hatte, quasi 1:1 schonmal da war und der  Begriff  “Critical Hetness”, eine augenzwinkernde Anspielung an Critical Whiteness, offensichtlich nicht erst in einer informellen Konversation zwischen Mädchenmannschafstsautorinnen das Licht der Welt erblickt hat. Ich lass das jetzt aber so, weil ich die Begrifflichkeiten einfach passend finde, und danke Sanczny für die uns beiden unbewusste Inspiration :)

Die eigene Praxis zu reflektieren und gar zu ändern ist immer schwieriger als abstrakt “gegen Sexismus” oder “gegen Homophobie” zu sein – geschenkt. Wie schwer es auch innerhalb von Zusammenhängen ist, die sich selbst als progressiv, “links”, als explizit anti*istisch verorten, wurde kürzlich wieder anhand der neu entflammten Online-Debatte um fiktive “Knutschverbote” deutlich. (Ob und wie in anderen Zusammenhängen darüber gesprochen wird, ist mir erstmal egal, da diese Kontexte für mich keinen Bezugsrahmen darstellen.)

Was war los? In verschiedenen Blogposts und Twitterkommentaren hatten vor allem Menschen, die nicht hetero begehren und_oder leben  – nein, keine Knutschverbote verhängt. Wie könnten sie das auch tun, wie sollten sie ein solches Verbot gar durchsetzen [CW: rassistische Begriffe ausgeschrieben]? Nein, um Verbote ging es nie, und etwas nicht toll zu finden ist nicht das gleiche wie etwas zu verbieten: Sie haben sich darüber geäußert, dass das Unterlassen von Hetero-Pärchenperformances ein solidarischer Akt sein kann.  Zur Paar-Performance gehören jene Handlungen, die – auch unbewusst, ganz unbeabsichtigt und nebenbei – dafür sorgen, dass bei anderen der Eindruck “Aha, ein Pärchen” entsteht, also Küssen, Händchenhalten u.ä., egal wie gut die Beteiligten einander kennen oder ob und wie sie eine Beziehung zwischen sich definieren.

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Sex, “Normalität” und Rötelimpfungen – die Blogschau

9. Februar 2013 von Charlott
Dieser Text ist Teil 191 von 203 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Melanie hat bei glücklich scheitern noch ihren “Senf zu #aufschrei” veröffentlicht, übt Kritik und berichtet von eigenen Erfahrungen. Bei Anarchistelfliege wird schon einmal gefragt, was denn vom #aufschrei bleibt.

Wie über den Islam und Muslime schreiben? Bei den ruhrbaronen gibt es Hinweise.

riottrrrans rechnet mit dem Konzept “Sex” ab und schreibt da unter anderem: “Sex zur partner_innenschaftlichen Pflicht zu erklären, schafft die Grundlage für die Überschreitung körperlicher Grenzen und führt zusätzlich dazu, dass Menschen, schon ohne den partner_innenschaftlichen Vorwurf, ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie nicht mit ihrer/ihrem Partner_in schlafen.”

Katrin von Reizende Rundungen zeigt eine kreative Antwort auf die typischen Diätwerbungen – da heißt es dann “Shame Loss” statt “Weight Loss”.

Nächste Woche findet der Aktionstag zu One Billion Rising statt. Zu diesem Anlass gibt es bei ewig unzufrieden eine differenzierte Kritik an dem Konzept.

Identitätskritik schreibt über aktuelle Therapieerfahrungen, denn: “In einem Tweet in den letzten Tagen schrieb ich, dass weniger Gewalt auch eine Alternative wäre zur nächsten Therapie. Leider kann ich mir das mal wieder nicht aussuchen.”

Vor acht Jahren starb wurde Hatun Sürücü ermordet. Sakine erinnert an sie auf textprodüksiyon.net.

Was heißt eigentlich “normal”? Und was macht das, wenn ständig mit diesem Konzept um sich geworfen wird? Auf Don’t degrade Debs, darling! gibt es dazu einen unbedingt lesenswerten Beitrag.

Antiprodukt twitterte “Wie gehen überhaupt die Zwangs-Rötelimpfungen bei Grundschülerinnen in der Schule klar? “Damit du später mal eine gesunde Wurfmaschine bist”” und analysiert das weiter in einem Blogbeitrag.

Seit einem Jahr gibt es den Blog Auf Zehenspitzen (Gratulation!) und zum Jubiläum gibt es ein kleines Resümee zum Umgang mit Elternschaft.

Die queerfeministische Gruppe diss_ analysiert, was an Femen problematisch ist.

Zwischengeschlecht berichtet, dass der UN-Sonderberichterstatter für Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Bestrafung sich zu missbräuchliche Praktiken im Gesundheitswesen geäußert hat und da auch auf Zwangsoperationen bei Intersex-Menschen eingeht.

Es gibt ein neues Blog in der feministischen Blogosphäre! Bei queerdenke_n gibt es seit einigen Tagen “Subjektives über Feminismus, Queerness & Sexualität“.

Und für alle die heute Abend in Berlin sind und noch nichts vor haben: Mit “Take Back the Night” startet eine radikalfeministische Partyreihe
für trans*_dykes_woman only.

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Lesetipp: Kinder reden über Sex – vielleicht sogar mit Erwachsenen

21. Januar 2013 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 68 von 72 der Serie Die Feministische Bibliothek

Bücher zum Thema Sexualität, die sich an Kinder richten, gibt es inzwischen einige.  Ein Buch wie DAS machen?, das vierte gemeinsame Bilderbuch von Christine Aebi (Illustrationen) und Lilly Axster (Text), ist mir bisher allerdings noch nicht begegnet. Das liegt vor allem hieran: Das Buch erzählt über von Kindern gesetzte Themen und stellt in erster Linie Fragen – und zwar Fragen, die real existierende Kinder zu verschiedenen Aspekten von Sexualität tatsächlich hatten – anstatt Fragen zu beantworten, von denen erwachsene Büchermacher_innen glauben, dass Kinder sie spannend finden oder weil man meint, dass Kinder diese oder jene Auskunft benötigen:

“[Die meisten Bücher zum Thema] stellen nach unserem Wissen ausnahmslos den Informationsaspekt ins Zentrum. Das bedeutet immer auch einen Gestus des Erklärens und Vermittelns von erwachsenen ExpertInnen an mehr oder weniger unwissende kindliche LeserInnen. Wir sprechen die Kinder als ExpertInnen in Sachen kindliche Sexualität an”

Im Interview mit diestandard sagt Autorin Lilly Axster, die auch als Mitarbeiterin der Wiener Beratungsstelle “Selbstlaut” gegen sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche tätig ist:

“Fast alle Aufklärungsbücher gehen von zwei Themen aus: erstens Geschlechtsverkehr und Kinderkriegen – das ist natürlich auch sehr interessant, aber trotzdem weit weg von der eigenen kindlichen Sexualität. Und zweitens wollen sie den Kindern sagen, wie aus ihrer Sicht Sexualität für die Kinder später, wenn sie erwachsen sind, sein wird. Es gibt wenige Bücher, die sich damit auseinandersetzen, was Kinder in ihrer Sexualität tatsächlich beschäftigt: Von Neugierde, Intimität, Schamgrenzen, Geschlechterrollen und Sich-Selbst-Berühren bis hin zur Frage, welche Kleidung und Frisur ich trage.”

Zum Aspekt des Ernst nehmens gehört auch, dass Sexualität hier nicht pseudo-locker mit anbiederndem Hey-wir-können-doch-ganz-easy-über-alles-reden!-Gestus “verkauft” wird. (weiterlesen …)


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Sherlock Holmes, Aufklärung, FrauenSommerUni und mehr in: der Blogschau

6. Oktober 2012 von Charlott
Dieser Text ist Teil 176 von 203 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Harald Martenstein kann mensch schon auch ignorieren. Dr. Mutti hat trotzdem einen Artikel von ihm über Geschlechter auseinandergenommen. Es geht um Überraschungseier, Klischees und auch um Schnecken.

I heart digital life macht sich Gedanken zum Thema (sexuelle) Aufklärung und wie tief bereits in dieser r*pe culture steckt.

Clara Rosa bittet: “Gebt mir was zu lesen“. Seit über einem Jahr bloggt sie über Klassismus. Sie selbst schreibt zu ihrem Wunsch nach mehr Beiträgen von anderen: “Ich habe diesen Blog aus Wut gestartet. Weil ich dachte ich platz bald, wenn ich nicht meine klassistischen Erlebnisse/Wahrnehmungen aufschreibe und mitteile. Das hat temporär geholfen. Und jetzt brauch ich EUCH. Eure Texte, Eure Wut, Euer Auskotzen.”

Vor zwei Wochen fand in Wien die FrauenSommerUni statt. Bei denkwerkstatt gibt es Fotos von der Veranstaltung. Auf der offiziellen Seite kann mensch einige der Vorträge als Videos nachschauen!

Manu stellt schockiert fest, dass Absätze diese Saison ganz groß bei Kinderschuhen rauskommen.

Mehr Geschackslosigkeiten aus der Modewelt bietet die deutsche Vogue. Kotzendes Einhorn berichtet, wie diese tatsächlich eine Fotostrecke im “Obdachlosen-Chic” shootete (und veröffentlichte).

Paula überlegt, wie sie mit Kommentaren auf ihrem Blog umgehen möchte. Und fragt sich, ob nicht Tandems oder Netzwerke von feministischen Blogger_innen, die gegenseitig das Freischalten übernehmen, eine Lösung sein könnten. Denn eines ist klar: “auf Dauer will ich mir von hasserfüllten A-Löchern nicht das Bloggen vermiesen lassen!”

Plötzlich, wenn es um Dirk Bach geht, sind massig viele Menschen überrascht das eine fundamentalistische christliche Seite, gegen homosexuelle Menschen wettert. Nele Tabler geht dieser Tendenz in ihrem Text “Biedermänner, Biederfrauen und die Hasstiraden von kreuz.dingenskirchen” nach.

Zwar ist der Film (und auch der folgende Post) bereits einige Monate alt, trotzdem unbedingt lesenswert: Bei autotrans* & w.i.r. gibt es eine Rezension zu “Tomboy”.

In der neusten Sherlock-Holmes-Adaption “Elementary” wird aus John (Watson) Joan und diese wird von Lucy Lui gespielt. Warum, was in erster Sekunde gar nicht schlecht klingt, Tür und Tor öffnet für das perpetuieren von Geschlechterklischees und Heteronormativität, hat Fiann ausführlich analysiert.

Seit September gibt es das neue feministische Blog Von Freiheit, Frieden und Frühlingsgefühlen, wo es bisher um Heteronormativität, geschlechtergerechte Sprache und r*pe culture ging. Ebenfalls seit September neu in der Blogosphäre: gemeinsam eltern. Dort beschreibt eine Gruppe von Menschen ihre Erfahrungen mit einem Familienmodell jenseits der Norm.

Für eine bessere Vernetzung der (feministischen) Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Fleischmarkt – Weibliche Körper im Kapitalismus

31. Juli 2012 von Magda
Dieser Text ist Teil 64 von 72 der Serie Die Feministische Bibliothek

„Dressiert von der umfassenden Propaganda der Mode-, Diät, Schönheits-, Musik-, Medien- und Porno­industrie, haben die Frauen im früheren 21. Jahr­hundert gelernt, ihr eigenes Fleisch zu ver­achten.“

Graues Titelbild von Fleischmarkt

Schon seit einer Weile wollte ich das in diesem Jahr auch auf deutsch erschienene Buch des „Stars der englischen Blogger­szene“ lesen. Die Kritiken waren viel­­ver­sprechend: Schnungs­­los, polemisch und gut recherchiert sei „Fleischmarkt – Weibliche Körper im Kapitalismus“ von Laurie Penny, der be­kannten feministischen Bloggerin, so Deutschland­radio.

Wie die kapitalistische Kontrolle über den als weiblich klassifizierten Körper wirkt, ver­­an­­schau­licht Penny in insgesamt vier Kapiteln zu Sexualität, Ess­­störungen, Sex­­arbeit und (Re­pro­duk­tions-)Arbeit / Konsum. In jedem Kapitel ana­ly­siert Penny die kapi­ta­listischen und patriar­chalischen Zu­richtungen an Frauen*­Körpern mit einer bewunderns­­werten analytischen Schärfe und einer er­­frischenden Sprache.

Ich muss gestehen, dass ich beim Lesen eines Buches selten so oft auf ein und der selben Seiten „Ja, so ist’s!“ und „Nein, nein, neiiiin!“ an den Rand gekritzelt habe. Die Stärke des Buches ist sicher­lich der Tatsache geschuldet, dass Penny kein Blatt vor den Mund nimmt und sich nicht vor starken Thesen scheut. Empfehlen würde ich das Buch auf jeden Fall, denn die Ver­bindungen von Patriarchat, Körpernormen, Konsum und Kapitalismus wurden für mich nachvollziehbar dar­gestellt.

Meine Begeisterung durchlief in diesem Buch aller­dings eine schwindel­­erregende Achter­­bahn­­fahrt. (weiterlesen …)


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Nur Konsens ist Sex

14. Dezember 2011 von Gastautor_in
Dieser Text ist Teil 21 von 27 der Serie Der Kommentar

Leonie Kapfer, 25, hat in Wien Ernährungswissenschaften studiert und arbeitet beim feministischen Monatsmagazin an.schläge als Redakteurin. Dabei recherchiert sie gerade für die nächste Ausgabe der an.schläge über die wundervolle Welt der Orgasmen und findet Feminist_innen sollten sich endlich wieder mehr mit dem Thema Sex auseinandersetzen. Für die an.schläge schrieb sie auch den Text: “Nur Konsens ist Sex“, den sie uns als Gastbeitrag zur Verfügung stellt.

Was ist eigentlich los mit dem heterosexuellen Geschlechtsverkehr? Wie kann es sein, dass Männer wie Strauss-Kahn, Assange und Kachelmann denken, sie hätten einvernehmlichen Sex, obwohl ihr Gegenüber das ganz anders sieht? Wer eine Antwort auf diese Frage will, muss sich genauer mit dem Konzept „Konsens“ beschäftigen.

Unsere heutige Idee von einvernehmlichem Sex beinhaltet einzig die Abwesenheit eines Neins. Wer nicht Nein sagt, meint Ja. Schweigen wird so ungewollt zur Zustimmung. In dieser Vorstellung existieren aber zahlreiche Grauzonen. Was tun, wenn ein/e SexualpartnerIn nicht in der Lage ist, ein Nein zu formulieren? Sei es, dass sie unter Drogeneinfluss steht oder andere Umstände eine verbale Kommunikation verhindern.

Was bloßes „Nein heißt Nein“ in der Praxis bedeutet, zeigt etwa ein erschütternder Fall in Paderborn. Dort hat ein 48-jähriger Mann über Jahre hinweg eine psychisch kranke Frau vergewaltigt. Der Richter sprach den Mann jedoch frei, da sein Opfer keinen Widerstand geleistet hatte.

So wichtig der Slogan „Nein heißt Nein“ auch war und ist – um wirklich konsensuellen Sex zu haben, bedarf es mehr. „Bevor ich wusste, was passiert, war er in mir. Kein Vorspiel, keine Warnung, kein Konsens. Es tat weh und weher, und es hörte auch nicht auf zu schmerzen, und selbst heute tut es noch weh, wenn ich daran denke, dass ich damals zu schüchtern und zu verstört war, um Nein zu sagen.“ So beschreibt US-Comedian Margaret Cho ihr erstes Mal. Ein Einzelfall ist diese Geschichte mit Sicherheit nicht. Grenzüberschreitungen dieser Art passieren immer wieder, und die Schuld wird letztlich den Frauen gegeben, denn sie hätten ja Nein sagen können. Unsere angebliche sexuelle Befreiung ist auf ein Nein zusammengeschrumpft.

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“Bi-asexuell”? Wie geht das denn?

8. September 2011 von Gastautor_in

Unsere Gastautorin ist unter dem Namen »Paula«oder @puzzlestuecke im Internet unterwegs und betreibt seit Dezember 2010 ihr privates Blog “Puzzlestücke“, in welchem sie ihre Gedanken - vorrangig zu den Themen Gender, Sexualität und Identität – niederschreibt. Außerdem bloggt sie auf bisexualität.org, wo auch ihr neuester Beitrag veröffentlicht wurde: “‘Bi-asexuell’? Wie geht das denn?

Kürzlich las ich im bijou-Magazin (Nr. 24, S. 35) den Beitrag einer Frau, die sich als bi-asexuell bezeichnet. Im ersten Moment fand ich das verwirrend und dann sehr interessant. Ich habe seitdem viel darüber nachgedacht (vor allem, weil es auch meine eigenen Beziehungen plötzlich in ein anderes Licht getaucht hat) und mich dazu ein wenig belesen; nun möchte ich dies gern mit euch teilen.

Meiner bisherigen Erfahrung nach gibt es an “gängigen” Sexualitätskonzepten (also jene, unter denen sich die meisten Menschen auf Anhieb etwas vorstellen können) die Hetero-, die Homo-, die Bi- und die Asexualität, die alle getrennt voneinander stehen und, profan ausgedrückt, wie folgt aussehen: der_die eine will nur das gegenteilige Geschlecht, der_die andere das gleiche, manche wollen beide Geschlechter und manche eben gar keines.

Alles darüber hinaus erfordert meist ein wenig gedankliche Auseinandersetzung mit der Materie, glaube ich – wenn mensch sich z. B. nicht definieren will, wenn die gängigen Konzepte nicht passen, nicht gefallen, grundsätzlich hinterfragt werden etc.; daraus resultieren dann neue Bezeichnungen wie pan-/omnisexuell, bicurious, homo-/heteroflexibel, queer oder einfach der komplette Verzicht auf solche Kategorien. (Ich selbst bevorzuge den Begriff pansexuell eigentlich auch, habe aber bei den meisten Leuten keinen Bock auf einen Rattenschwanz an Erklärungen und gebe mich daher in der Regel mit bisexuell zufrieden, außer bei Leuten, die mir wichtig sind und/oder die es tatsächlich interessiert.)

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Kackscheiße, Kapitalismus und Cunnilingus – die Blogschau

2. Mai 2011 von Nadine
Dieser Text ist Teil 104 von 203 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Wir melden uns frisch und fröhlich vom 1. Mai zurück und haben ein paar Links aus der vergangenen Woche für euch:

Das Missy Magazine verlost ein Hörbuch zur Geschichte des Frauenfußballs und auf die interessanten, witzigen und aufschlussreichen Beiträge von Studierenden der Gender Studies in Basel im Missy Gastblog April sei auch noch einmal extra hingewiesen.

Jürgen Voß bricht in seinem Blog Das Ende des Sex mal wieder mit gängigen Klischees und Normen über Geschlecht und Sexualität.

Sexualisierte Gewalt in Hochschulen und Universitäten ist nach wie vor ein Tabuthema. Erst kürzlich wurden mehrere Fälle sexueller Nötigung und Vergewaltigung von jungen Studentinnen bekannt. Auf Die Stimme des Opfers beschreibt Lucrezia, Doktorandin aus Hamburg, ihre Situation und tritt in Austausch mit anderen Betroffenen. Gerade wurde das Strafverfahren gegen ihren Doktorvater eingestellt.

Hooray! Trouble X hat einen neuen DIY-Comic veröffentlicht!

Im aktuellen Nrrrdz-Podcast von Kathrin und Maj geht es unter anderem um Hatr.org.

Claudia Killian kritisiert Zuschreibungen und problematische Begriffe an einem Crowdfunding-Projekt, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, schöne Wohnungen für den kleinen Geldbeutel einzurichten.

Der Gurkenkaiser hat mal wieder ein theoriereiches Prachtstück fabriziert: Ein Besuch in einem Einkaufszentrum ist für ihn Anlass, einmal genauer auf die kapitalistischen Logiken des Konsums und deren Einfluss auf unsere Körper zu schauen.

Andersdeutsch hatte die Meldung des Tages zur britischen Hochzeit des Jahres: 50 Prozent der Menschen, die der Hochzeit “aufgeregt” entgegenfieberten, waren Frauen(!!!!).

Nicht von Diskriminierungsverboten erfasst wird in Deutschland das sogenannte racial profiling, die anlass- und verdachtsunabhängigen Personenkontrollen aufgrund rassifizierender Zuschreibungen durch staatliche Akteur_innen. Der Menschenrechtsausschuss der UN erklärte dieses Verfahren bereits 2008 für menschenrechtswidrig; in anderen Ländern ist es mittlerweile verboten, weil vor allem Nicht-Weiße und Menschen mit ungesichertem Aufenthaltsstatus von diesem rassistischen Generalverdacht betroffen sind. Hierzulande ist sich die Polizei nicht zu schade, diese Vorgehensweise auch weiterhin öffentlich zu besprechen und zu praktizieren. Aktuell: Personenkontrollen zum 1. Mai in Hamburg. Metalust kommentiert scharf.

Spreeblick hat nicht nur Jaclyn Friedman interviewt, sondern auch unsere Kolumnistin Kübra Gümüsay.

Lukas Heinser hat sich den Songtext “You & Me” von Milow vorgenommen. Urteil: Sexistische Kackscheiße.

Christiane Link regt sich über die Darstellung von Jugendlichen und Kindern mit Behinderung in den Medien auf und kritisiert gleichzeitig die Sonderschulpraxis in Deutschland.

Kackscheisse.soup.io sammelt *istischen Bockmist. Aktueller Beitrag: der re:publica-Comic von Beetlebum, der von Ausschlüssen innerhalb der deutschen Blogosphäre offenbar nichts wissen will und gleich mal ein paar antifeministische Klischees reproduziert. Mit dabei sind auch Kumpel Chauvi und Privilegiennegierung. Mehr zur re:publica findet ihr hier bei uns.

Aktuelle Termine für Mai hat Magda zusammengestellt, die gern in den Kommentaren ergänzt werden dürfen.

Eine schöne Woche euch allen!


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