Einträge mit dem Tag ‘sexualisierte Gewalt’


Sexuelle Belästigungen – so sieht’s aus.

21. Mai 2012 von Helga

Rund 60 Prozent der Frauen in Deutschland sind bereits belästigt wurden – eines der Ergebnisse einer Studie von 2010 des Frauenministeriums. Davon fühlte sich rund die Hälfte bedroht. Und 9 Prozent der Frauen gaben an, dass es in einer oder mehreren Situationen zu körperlicher Gewalt oder Vergewaltigungen kam. Für eine Talkrunde von der Deutschen Welle (Shabab Talk, leider nur auf arabisch verfügbar), habe ich letzte Woche zu sexueller Belästigung recherchiert und musste dabei auch an meine eigenen Erlebnisse denken. [Triggerwarnung.]

Manches klingt zunächst harmlos. Wie der Typ, der neulich auf der Straße „Hallo“ sagte. Doch er war in einer großen Gruppe unterwegs und ich ganz alleine. Und völlig in Gedanken versunken, so dass ich mich deshalb total erschreckte. Etwas deutlicher war schon der Kerl, der „mmmmmmmmmmmhhhhhhhhh“ rief. Schön, dass er augenscheinlich mit mir Geschlechtsverkehr vollziehen möchte oder zumindest meine Erscheinung kommentieren musste. Auf das passende „iiiiiiiiiiihhhhhh“ hatte ich dann keine Lust, denn auch er war in einer größeren Gruppe unterwegs.

Bei meinem schlimmsten Erlebnis vor einigen Jahren war ich immerhin nicht alleine. Damals antworteten wir zunächst nichts auf die Avancen eines Jugendlichen. Was ihm nicht passte, so dass er dann Beleidigungen hinterher setzte. Danach habe ich tatsächlich was gesagt („was soll denn das, uns zu beleidigen“) und dafür ein Veilchen kassiert. Geistesgegenwärtig haben wir die Polizei gerufen, die sogar in zwei Minuten da war und ihn in einem Hauseingang fand. Die Anzeige blieb allerdings ohne Folgen. Da er bereits eine Reihe anderer Verfahren am Hals hatte, wurde meines fallengelassen. Stattdessen blieb mir ein Bluterguss. Leider kannte ich niemanden, der oder die schon einmal in einer ähnlichen Situation gewesen war. Und auch die Polizei hat mir erst später gesagt, dass ich damit zum Arzt hätte gehen sollen, um ihn zu dokumentieren – dann wäre das Verfahren vielleicht anders ausgegangen.

Vor einem Jahr nun stand ich nach einem Stadtfest abends vor einem Schaufenster und wartete auf Freund_innen. Ein besonders witziger Besucher boxte mir dabei in den Hintern. Ja, boxte und nein, da waren nur eine Handvoll Leute auf der Straße, es gab keinen Grund, mich überhaupt zu berühren. Auch ihn und seinen Freund habe ich zur Rede gestellt. Nachdem sie erst versuchten, einen anderen anzukreiden, haben sie sich schließlich entschuldigt. Und 20 Meter weiter gleich wieder gelacht. Ich war alleine, niemand kam mir zu Hilfe und die beiden zogen weiter. Um die Polizei zu rufen, fehlten mir die Nerven, ich wollte nur noch nach Hause.

Diese Erlebnisse sind zum Glück nicht täglich, aber sie kommen immer wieder. Sie sind der Grund dafür, dass ich mich auf der Straße von sexualisierter Gewalt bedroht fühle. Dass ich mir überlege, was ich anziehen soll und wo ich langgehen kann. Aber, wie High on Clichés so treffend schrieb, für diese Vorsichtsmaßnahmen werde ich nicht belohnt, kann mein Leben immer noch nicht in Ruhe führen, die Einschränkungen werden nicht einmal anerkannt. Also bitte: Hören wir auf, Frauen zu erklären, wie sie sich schützen könnten. Gegen sexuelle Belästigungen hilft nur eines, nämlich niemanden zu belästigen. Die Sprüche müssen aufhören, das Angrapschen muss aufhören, die verharmlosenden Witze müssen aufhören. Wir brauchen eine Kultur, in der es nicht normal ist, dass Frauen Vorsichtsmaßnahmen treffen, sondern in der jede zu jeder Zeit unbelästigt auf die Straße gehen kann!

[Anmerkung 22.5.: Das Rookie Mag hat gestern ebenfalls einen langen Austausch mit vielen Vorkommnissen veröffentlicht. Triggerwarnung]


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Diskussionen über sexuelle Gewalt, Körperhaare und Geschlechterrollen – die Blogschau

19. Mai 2012 von Helga
Dieser Text ist Teil 158 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Mir erst gestern passiert: sexuelle Belästigung auf der Straße. Über die Ein­schränkungen, die dies für Frauen bedeutet, hat HighOnCliches gebloggt. Und setzt gleich noch mal nach, wie Männer auf der Straße Frauen ansprechen sollten, ohne wie ein Arsch rüber zu kommen.

Gegen sexualisierte Gewalt läuft weiter #ichhabnichtangezeigt. Eine der Ini­tia­tor­innen von Kofra über unser Weg­schauen bei den Tätern. Wenig überraschend: das Medien­interesse fokussiert sich nun auf Betroffene.

Auch auf der internationalen Politikbühne ist sexualisierte Gewalt weiter Thema. Flannel Apparel kommentiert die Causa Dominique Strauss-Kahn.

Ebenfalls Thema diese Woche: Körperbehaarung von Frauen. Frau mit Bart hat eine Dokumentation der BBC dazu gefunden.

Über Blockupy in Frankfurt hat sich Karnele Gedanken gemacht.

Menschrechte? Gelten nicht für Teilnehmerinnen von „Germany’s Next Topmodel“, stellt Katrin Schuster fest. Stattdessen lernen wir: Mit einem Mikro vor dem Gesicht muss frau auf Aufforderung Kolleginnen denunzieren.

Wie stark Medien unser Leben beeinflußen, musste Discover the Muslim World erleben. Ihr Vierjähriger will nicht abwaschen, denn „im Fernsehen waschen immer nur Frauen ab.

Ein Manifest zur „Inklusion behinderter Menschen in allen Lebensbereichen“ gibt es jetzt beim Behindertenparkplatz. Bitte direkt an Bundes- und Landesregierungen weitersenden!

Zum 20-jährigen Jubiläum des LSVD erklärt anders deutsch, warum sich nicht alle Lesben und Schwulen vom Verband vertreten sehen.

Mit den Geschlechterverhältnissen im NSU Umfeld hat sich das NSU Watchblog ausführlich auseinander gesetzt.

Seit Sonntag war erst Muttertag, dann Vatertag. Wieder einmal zeigt sich, dass wie unsere Eltern sehr unterschiedlich ehren. Denkwerkstatt über kuriose Be­richt­er­stattung in den österreichischen Medien. Und Mutter­seelen­allein­erziehend hat den Herrentagsritualen hinterhergeforscht.

Von Albaniens erstem „Gay Ride“, einer Fahrraddemo unter Regen und Rauch­bom­ben, berichtete QueerNews.at (eine Gay Pride war verboten worden). Und auch in Burma gab es dieses Jahr erstmals Gay Pride-Veranstaltungen.

Katrin von reizende Rundungen weiß, dass ihr Lebenszweck nicht ist, einem Mann zu gefallen – dennoch fragt sie sich nach einer schönen Partynacht, warum sie keiner angesprochen hat. Und warum ist es ihr eigentlich immer noch so wichtig, Aufmerksamkeit zu bekommen?

Feminismus zum Anhören gibt es diese Woche in der neuen Folge von Nrrrdz. Und Antje Schrupp war zu Gast bei Wir. Müssen Reden. Schon etwas länger läuft überhaupt der Podcast „I’m coming out“.

Nach dem Klick noch ein paar Termine (weiterlesen …)


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Das Schweigen brechen: #ichhabnichtangezeigt

10. Mai 2012 von Helga

(Für alle Links, außer dem Kontakt, gilt eine Triggerwarung, da Gewalterfahrungen beschrieben werden.)

Über sexualisierte Gewalt und Vergewaltigungen herrschen immer noch viele Mythen und Entschuldigungen vor. Doch wer einmal genauer hinschaut merkt oft, dass vieles nicht stimmt. Ein immer wiederkehrendes Muster ist aber der Fokus auf diese Entschuldigungen, mit dem Effekt, dass die Stimmen der Opfer abgewertet werden und sich dann noch weniger zu Wort melden.

Banner der Aktion „Ich habe nicht angezeigt“

Um dies zu ändern, läuft im Mai die Kampagne #ichhabnichtangezeigt, organisiert vom Münchener Kom­mu­ni­ka­tions­zentrum für Frauen und Arbeit. Vorbild sind die Twitter-Kampagnen #ididnotreport in Großbritannien und #jenaipasportéplainte in Frankreich. Wie der Name schon sagt geht es um die Gründe, die Opfer von der Anzeige bei der Polizei abhielten.

In den bisher veröffentlichten Aussagen beschreiben die Teilnehmenden vor allem Scham, Furcht vor persönlichen Konsequenzen und Angst, dass einer oder einem niemand glaubt. Einige Kommentare sind gerade einmal ein Satz, andere be­schreiben detailliert, welche Widerstände sie von einer Anzeige abgehalten haben. Genaue Beschreibungen von Taten werden gekürzt und erst zum Ende der Aktion (31. Mai) veröffentlicht.

Mitmachen können Betroffene über die folgenden Wege:

Alle Nachrichten werden dann noch einmal über den Account @nichtangezeigt mit dem Hashtag #ichhabnichtangezeigt auf Twitter eingestellt.


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Racial Profiling, Männlichkeitsdebatten und Lego – kurz notiert

26. April 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 149 von 153 der Serie Kurz notiert

In Uganda wird derzeit heftig über den Umgang der Polizei mit Frauenechtlerinnen debattiert. Seit einem Jahr gibt es immer wieder Vorfälle, zuletzt wurde die Aktivistin Ingrid Turinawe angegriffen, so der Daily Monitor.

Die Petition “Stoppt Racial Profiling” wartet auf eure Unterschriften.

Queerlamefatfemme schreibt über die Notwendigkeit von safer spaces im Netz und Solidarität mit Betroffenen von sexualisierter Gewalt.

In der Medizin stellen Frauen inzwischen 70 Prozent der Studienanfängerinnen – dennoch behindern „positive Vorurteile“ ihren Aufstieg auf der Karriereleiter, berichtet die Ärztezeitung. Auch an Risikobewertungen von Tätigkeiten müsse man arbeiten, besonders wenn es um den Mutterschutz geht.

Inzwischen gibt es die ersten Videos von “Words of Women from the Egyptian Revolution” (wir berichteten). In Episode 5 erzählen Hanan Sadek und ihre Tochter Mona El-Sabbahy, wie sie den Sturz des Regimes auf der Straße begleiteten. Die weiteren Folgen gibt es auf YouTube. (Die deutschen Untertitel wurden inzwischen vervollständigt, vielen Dank!.)



Eine Mutter schreibt ihrer Tochter einen Brief und bedauert, dass diese in einer Gesellschaft aufwachsen muss, in der Mädchen-sein als das schlimmste der Welt angesehen wird.

Die Musikerinnen von Pussy Riot bleiben weiterhin in Haft. In Dresden gab es eine Soli-Aktion für Pussy Riot in der Frauenkirche.

Mehr Lesefutter gibt es mit der neuen Ausgabe der an.schläge. Dieses Mal geht es unter anderem um Männlichkeitsdebatten und die Frage, wie sieht er eigentlich aus, der emanzipierte Mann.

Schauspielerin Vanessa Williams hat zusammen mit ihrer Mutter ihre Memoiren “You have no idea” geschrieben – und erzählt darin erstmals, wie sie sexuell belästigt wurde und dass sie eine Abtreibung hatte.

Aktivistinnen von Spark Movement waren zu Gast bei Lego, um über die Repräsentation von Frauen und Mädchen zu sprechen – Lego Friends wird leider bleiben, aber in allen anderen Sets sollen künftig mehr weibliche Figuren auftauchen, berichtet die Daily News.

Wer eine Reihe in die USA plant, sollte vorher bei Jezebel vorbeischauen. Im “War on Women” wird es derzeit allerorten ungemütlicher für Frauen, diese zehn Orte sind allerdings besonders furchteinflößend.

Termine

In Berlin wird am Samstag, den 28. April, die erste Riot Grrrl Compilation Release Party gefeiert.

Ab Donnerstag, 10. Mai 2012, ab 20 Uhr wird es einen neuen Stammtisch in Berlin geben: “Feminismus wagen”, und zwar in der BEGINE Frauenkneipe. Die Organisatorinnen (Feministische Partei Die Frauen, Landesmitfrauenverband Berlin) laden ein: “Wir wollen mit dir und allen interessierten Frauen in einer offenen und konstruktiven Atmosphäre über Frauenpolitik diskutieren.” Dieser Stammtisch wird zukünftig jeweils am 2. Donnerstag ab 20 Uhr in der Begine stattfinden.


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Unbefleckte Empfängnis, Angela Davis und eine afghanische Präsidentschaftskandidatin – kurz notiert

18. April 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 148 von 153 der Serie Kurz notiert

Die anti-rassistische Aktivistin und Professorin Angela Davis hat an der University of Kansas über feministische Kämpfe heute und damals gesprochen.

Auf Crunk Feminist Collective schreibt crunktastic über ihre Dating-Erfahrungen als dicke Frau.

Jede Woche der gleiche Mist in den USA: Diese Woche ist der US-amerikanische Bundesstaat Arizona in den Schlagzeilen, weil ein Gesetzesentwurf nun vorsieht, dass Frauen bereits zwei Wochen vor der Empfängnis als schwanger gelten sollen – so sind sie quasi immer schwanger.

Wer braucht Feminismus?

Die schwedische Kulturministerin hat sich einen unglaublich rassistischen Totalausfall geleistet – ohne Worte. (Triggerwarnung für die Kommentare bei uns, dort wird die Aktion noch einmal sehr genau beschrieben.)

Die fünfzehnjährige Tavi Gevinson, Gründerin von RookieMag.com, einem Online Magazin für Mädchen und junge Frauen, spricht über vier Jahre Rookie, Feminismus und das ständige Ausprobieren als Teenager.

Erstaunlich visionäre Spielkarten von 1902 hat io9 gefunden. „Die Frauen der Zukunft“ heißt eine Serie, die gleich doppelt anzügliche Bildchen zeigt: Weibliche Abgeordnete und Jouarnalistinnen in „sexy“ Posen! Heute arbeiten Frauen tatsächlich in diesen Berufen und die Vorgabe, sexy zu sein, ist überall.

Das Gender Pay Gap der letzten neun Jahre hat Flowing Data einmal visualisiert.

Am Wochenende haben in Afghanistan Frauen gegen die aktuelle Politik demonstriert, die stark auf die Taliban zugeht. Außerdem berichtet msnbc.com, dass Fawzia Koofi 2014 als erste Präsidentschaftskandidatin antreten wird.

Warum der Ausspruch “Ich bevorzuge kleine Brüste” nicht immer hilfreich ist, erörtert Caperton auf Feministe.

Weiter unterirdisch bleibt der Umgang des US-Militärs mit Opfern von sexualisierter Gewalt. Sie werden nicht ernst genommen, sondern als psychisch krank eingestuft, um die Vorgänge zu vertuschen, so Jezebel.

Neues zum Thema “Lego und ihr gegendertes Spielzeug in der Kritik“: Abgeordnete der Firma werden sich zu einem Gespräch mit den Initiatorinnen der Online-Petition gegen Legos sterotypes Mädchenbild treffen.

Die Termine: (weiterlesen …)


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Münchener Polizei bedient Vergewaltigungsmythen

27. Februar 2012 von Nadine

Ein Münchener Kulturzentrum, der örtliche Frauennotruf sowie das Jugend­kultur­werk wollen mit einer neuen Plakat- und Flyerkampagne auf sexualisierte Gewalt in Clubs und die Problematik von K.O.-Tropfen aufmerksam machen: “Nein meint Nein”, soll weibliche Gäste ermutigen “in heiklen Situationen ‘Nein’ zu sagen und sich Hilfe zu holen”, so sueddeutsche.de.

Es lässt sich darüber streiten, warum sich eine Kampagne gegen sexualisierte Gewalt in erster Linie an (potentiell) Betroffene und nicht an (potentielle) Täter richtet, viel skandalöser ist allerdings die Tatsache, dass die lokale Polizei die Kampagne nicht unterstützt:

Man sei überrascht, sagt Rainer Samietz vom Kommissariat zur Be­kämpfung von Sexualdelikten. Er kennt die Problematik mit den K.-o.-Tropfen; eine Häufung der Fälle kann er aber nicht bestätigen. Samietz sagt, dass auch Frauen “wahnsinnig viel trinken und dann nichts mehr wissen”. Würde weniger getrunken, hätte man weniger Fälle von sexuellen Übergriffen.

Wir erinnern uns an die Aussage eines kanadischen Polizisten, der Frauen riet, sich nicht wie “Schlampen” zu kleiden, damit sie nicht vergewaltigt würden. Dieses Victim Blaming löste die weltweite Protestwelle der SlutWalks aus. Auch Rainer Samietz bedient sich der gleichen Argumentation, wenn er Frauen rät, weniger Alkohol zu trinken. Schlimm genug, dass so jemand beim Kommissariat zur Be­kämpfung von Sexualdelikten arbeitet, wo sich die Polizei bei der Bekämpfung von sexualisierter Gewalt nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

Es scheint nach wie vor völlig legitim zu sein, den Fokus nicht auf eine konsequente Täterarbeit zu richten, sondern potentiell Betroffenen Ratschläge zu erteilen, um ihnen im Fall eines Übergriffs deren Nichtbefolgung vorzuwerfen und somit eine Mitschuld an sexualisierter Gewalt zu geben. Alkoholkonsum, Kleidung und Aussehen von Betroffenen zählen nach wie vor zu den beliebten Erklärungsmustern, wenn es um Vergewaltigung geht. Dass diese jedoch allesamt Mythen sind zur Verharmlosung sexualisierter Gewalt, davon scheint ein Polizist im Kommissariat zur Bekämpfung von Sexualdelikten noch nichts vernommen zu haben.


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Rocken, Lieben, Arbeiten – kurz verlinkt

15. Dezember 2011 von der Mädchenmannschaft

Die Haftpflichtbeiträge der Hebammen sind in den vergangenen Jahren bekanntlich deutlich gestiegen, 2012 werden sie fast das doppelte im Vergleich zu 2009 betragen. Bei den Verhandlungen mit den Krankenkassen sieht es dabei düster aus, so der Hebammenverband: Für Geburten im Geburtshaus bleibt alles wie es ist, für alle anderen Leistungen soll es nicht einmal 2 Prozent mehr Geld geben. Protestbriefe gibt es auf www.hebammenverband.de.

Das Ruby Tuesday Rock Camp 2012, ein einwöchiges Musik- Ferienlager in Berlin für 35 Mädchen von 12 bis 18 Jahren, zu supporten geht auch, ohne fragwürdige Banken und deren Anliegen zu bewerben –  hier der Spendenaufruf inklusive handlichem Spendenbutton.

Anlässlich der Veröffentlichung des Abschlussberichts des Runden Tisches Kindesmissbrauch hat der Verband alleinerziehender Mütter und Väter eine Pressemeldung (PDF) herausgegeben und zieht ein durchwachsenes Fazit.

Die Lausitzer Rundschau berichtet: “Ostdeutsche Frauen streben bei ihrer Rückkehr ins Berufsleben weitaus häufiger eine Vollzeitstelle an als westdeutsche Frauen. Während 80 Prozent der Frauen aus Ostdeutschland bei der Wiederaufnahme ihres Berufes eine Vollzeitstelle wollen, sind es in Westdeutschland weniger als 30 Prozent, wie aus einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervorgeht.”

Väter arbeiten offenbar im Durchschnitt wesentlich länger als kinderlose Männer.

Das ist doch voll schwul“ heißt eine Reportage in der ZDF Mediathek, in der drei Jugendliche über ihr Coming-Out berichten. (weiterlesen …)


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Unter den langen Haaren, Muff von 1000 Jahren

6. Dezember 2011 von Helga

Rund 44 Jahre nach seinem Einzug in die Kommune I und dem Beginn der Politisierung des Privaten kann man für Rainer Langhans nun feststellen: Alles bleibt wie es war. Denn mit seinen Einkünften aus dem RTL-Dschungel Camp will er Julian Assange unterstützen. Laut der Piratenpartei Bayern, die ebenfalls 20.000 Euro erhält, ginge es dabei um den Schutz von Whistleblowern und die Plattform WikiLeaks. Nur dass das Geld keinem dieser beiden Zwecke zu Gute kommt, sondern dem Julian Assange Verteidigungsfonds. Der eingerichetet wurde, um Assange in seinem privaten Verfahren wegen sexueller Nötigung und Vergewaltigung zu helfen.

Wie bereits vor einem Jahr Michael Moore übersieht nun Rainer Langhans das fatale Signal, das von seiner Stellungnahme ausgeht. Wer in einem Verfahren aufgrund sexueller Gewalt von einer Verschwörung ausgeht, stellt die Opfer als Lügner_innen dar. Er arbeitet fleißig an dem Mythos mit, Frauen benutzten den Vorwurf einer Vergewaltigung nur, um Männern zu schaden. Wer seine Spende an Assanges Verteidigungsfonds mit einer Spende für Whistleblowingschutz gleich setzt, hat sich entweder fahrlässiger Weise nicht mit dem Fonds beschäftigt oder nimmt die Implikationen billigend in Kauf.

Moore entschuldigte sich immerhin für das Verharmlosen der Gewalt gegen Frauen und den mangelnden Respekt gegenüber den Opfern – nach einer massiven Twitterkampagne, die ihn schließlich ins Fernsehen verfolgte. Dazu bedurfte es leider wieder einmal der Arbeit vieler Aktivist_innen, von alleine war er, als ansonsten progressiver Linker, darauf nicht gekommen. Auch Langhans ist theoretisch bestens informiert über „das Private ist politisch“ und die daraus resultierenden Konsequenzen. Gebracht hat es nichts. Auch 2011 kommt männliche Solidarität vor „Frauengedöns“.

Ähnlich sieht es bei den Piraten aus. Mehrere Kommentator_innen machten ihrem Ärger unter dem Eintrag Luft. Angekommen ist die Kritik zumindest teilweise:

Dass es speziell bei Assange um Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens geht, ist leider aufgrund eines Gedankensprung und durch vollkommene Mißachtung dieser Tatsache durchgerutscht. In keinster Weise sollten die publizierten Vorwürfe gegen Assange heruntergespielt, verharmlost oder gar Frauen in solchen Situationen verunglimpft werden. Zwar kann ich nicht für die Bayern-Presse sprechen, bitte als Mitverfasser der Mitteilung jedoch um Verzeihung, dass es hier zu dieser Möglichkeit einer Missdeutung gekommen ist.

Eine offizielle Stellungnahme der Piratenpartei Bayern steht weiter aus.


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Was mir bleibt: die Definitionsmacht

20. Oktober 2011 von Helga

Reden wir über Definitionsmacht. Ein Konzept, das von Feministinnen maßgeblich geprägt wurde. Es bedeutet, dass die Opfer und Betroffenen von sexualisierter, transphober, homophober, behindertenfeindlicher oder rassistischer Gewalt das Recht haben, die Gewalt als solche zu benennen. Es steht den ansonsten herrschenden Relativierungsversuchen und dem Rechtfertigungsdruck gegenüber.

Vor einiger Zeit geriet ich auf Twitter durch ein Missverständnis in einen mächtigen Shitstorm. Neben allgemeinen Vergewaltigungsandrohungen gegenüber Feministinnen wurden dabei ganz speziell auf mich bezogene Szenarien entworfen. Wie ich zu vergewaltigen sei und warum das gerechtfertigt sei. Daneben eine Reihe an Beleidigungen, die sich schon fast harmlos gegenüber der sexualisierten Gewalt ausnehmen.

Diese Sprüche wurden von der Urheberin als total normal angesehen, von diversen Leuten wurde sie für ihren Humor verteidigt und die Provokation sogar gelobt.

Dabei finde ich ich die ganze Geschichte nicht witzig, mich ekelt die Verachtung an, die Respektlosigkeit gegenüber meinem Körper, meinem Recht auf Selbstbestimmung und körperlicher Unversehrtheit. Vermutlich waren die Aussagen sogar strafbar (sie sind inzwischen gelöscht, aber an anderer Stelle dokumentiert.)

Und ich wehre mich gegen jeden Versuch, mir jetzt noch meine Meinung abzusprechen, mir eine andere vorschreiben zu wollen und mir als Betroffener die Definitionsmacht wegzunehmen. Ich wehre mich gegen jeden Versuch, die Vorgänge zu relativieren und über Rechtfertigungen zu spekulieren. Ich wehre mich auch gegen Überlegungen, welche Auswirkungen solche Vorgänge auf Vergewaltigungsopfer haben. Das alles ist völlig irrelevant!

Es ging um mich, meine Person, meinen Körper und ich sage: Sexualisierte Gewalt und Aufrufe dazu sind das Letzte und genau das ist passiert. Es sind Versuche mich einzuschüchtern und mich fremd zu bestimmen. Das zu benennen und mich dagegen zu wehren, ist meine Definitionsmacht. Wer sie nicht anerkennt, hält die perfiden Systeme von Unterdrückung, Einschüchterung und Verharmlosung von Gewalt am Leben.

Dieser Text erschien gestern abend zuerst auf Drop the thought.


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Eine Welt ohne Vergewaltigungen…

19. Oktober 2011 von Nadine

…stellt sich Peter Praschl im SZ Magazin vor (Triggerwarnung!):

Sex ist endlich friedlich. Ein Vergnügen zwischen freien Menschen, kein Mittel, einen anderen zu beherrschen. Er findet nur statt, wenn zwei (oder wie viele auch immer) es wollen. Um einander zu genießen, Lust zu machen, zu trösten, Babys zu zeugen, egal. Aber nicht mehr gegen eines anderen Menschen Willen. Ein Nein ist ein Nein. Man muss nicht einmal groß darüber reden, man merkt es auch so.

In einem eindringlichen Artikel beschreibt er treffsicher den derzeitigen Zustand einer Gesellschaft, die durch rape culture und sexualisierte Gewalt bestimmt ist und in der (meistens) Frauen beständig um ihre Integrität und körperliche Unversehrtheit fürchten müssen. Charmant an Praschls Ausführungen ist neben der offenkundigen Solidarität mit Betroffenen auch das Einnehmen einer zurückhaltenden Perspektive, die Erfahrungen nicht bewertet, sondern diese aus dem Blickwinkel eines (offenbar) heterosexuellen Partners/Freundes/Bekannten spiegelt:

Beim Zuhören wurde einem immer ganz klamm. Auch, weil man sich halbwegs ausrechnen konnte, um wie viel klammer ihr in dieser Situation gewesen sein musste. Im Blick, mit dem sie es erzählte, stand die Erinnerung an eine Einsamkeit, die Angst machte. Oh Gott, sagte man, tut mir leid, sehr viel mehr fiel einem nicht ein. Ist lange her, sagte sie, doch man sah ihr an, dass das nicht stimmte, dass es nie lange genug her sein würde.

Praschl nennt die (heterosexuell)männliche Erfahrungswelt in einer von vergewaltigungsverharmlosenden Gesellschaft “Sicherheitsprivileg”:

eine Welt, in der sexuelle Gewalt ein Abgrund ist, von dessen Existenz sie zwar wissen, in dessen Nähe das eigene Leben aber nie kommt.

Was der Besitz eines solchen Privilegs, das vielen anderen verwehrt bleibt, in der Konsequenz bedeutet, darüber wünscht sich der Autor mehr Reflexion. Denn das wäre ein wichtiger Schritt im Kampf gegen sexualisierte Gewalt.


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